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Full text of "Jahrbuch für romanische und englische Sprache und Literatur"

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TZ5 

Jahrbuch 

für 

romanische und englische Sprache 
und Literatur. 

Begründet im Verein mit Febdinand Wolf 

von 

Adolf Ebert 

herausgegeben 

von 

Dr. Ludwig Lemcke, 

Professor an der Universität Giessen. 

Neue Folge. 

I. Band (der ganzen Reihe XIII. Band). 


Leipzig, 

Druck und Verlag von B. G. Teubner. 

1874. 


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Inhalt. 


Seit© 

Die Quellen von Jeban de Nostradamus; von Karl Bartsch ... 1 

Li romans de Dunnart le galois; von Fr. Foerster .65 

Kaiser Constantinus als betrogener Ehemann; von A. Tobler . . 104 

Jaquemet Saquesep; von demselben .109 

Zu den Fierabras-Handschriften; von G. Gröber .111 

Kritische Anzeigen: 


Romania. Recueil trimestriel consacre ä l’dtude des langues 
et des litt^ratures romanes, publ. par Paul Meyer et 
Gaston Paris. Paris, Franck 1872; ungez. vom Herausgeber 118 
Le Benedictin Pierre Bersuire, premier traducteur fran 9 ais de 
Tite-Live, par L. Pannier. I lire part. 1872. angez. von 


Fr. Foerster .. 119 


Die Quellen des Jehan de Nostradamus; von Karl Bartsch (Fort¬ 
setzung) .121 

Die Legende des heil. Michael nach Ms. Laud 108; von C. Horst¬ 
mann .150 

Li romans de Dnrmart le galois; von W. Foerster (Fortsetzung) . 181 

Etymologisches; von Caroline Michaelis . 202 

Zu „The Harrowing of Hell“; von E. Mall .217 

Kritische Anzeigen: 

Etymologisches Wörterbuch der romanischen Sprachen von 
Friedrich Diez. Dritte verb. u. verm. Aufl. Bonn 18G9—70. 

2 Bde. gr. 8°; angez. von F. Liebrecht .222 

Zeitschriften .236 


Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi an Chr. C. J. 

Freiherrn von Bunsen; von A. Tobler .239 

Du Yallet qui d’aise ä malaise se met; von W. Foerster .... 281 
Etymologisches; von Caroline Michaelis (Fortsetzung) .308 


33689 


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IV 

Seite 

Zn H. Oesterley’s Ansgabe des Dolopathos des Jehan de Alta Silva; 

von Beinhold Köhler .328 

Kritische Anzeigen: 

Der Troubadour Jaufre Rudel und seine Werke, von Albert 

Stimming. Kiel 1873. 8°; angez. von H. Suchier . . . 337 

Der Mönch von Montaudon, ein prove^alischer Troubadour, 

von E. Philippson. Halle 1873. 8°; angez. von demselben 339 
Biographie des Troubadours Bernhard von Ventadorn, von 

Hans Bischof/'. Berlin 1873. 8°; angezeigt von demselben 341 

Zeitschriften.343 

Miscellen.*..347 


Ysopet hebräisch, ein Beitrag zur Geschichte der Fabeln im Mittel- 

alter. Yon M. Steinschneidei' .351 

Zum Texte des catalanischen Thierepos; von G. Soldan .... 368 

Zur Lautlehre der Strassburger Eide; von H. Suchier .383 

Zur Metrik der Eulalia-Sequenz; von demselben .385 

Kritische Anzeige : 

Schauspiele von Lope de Vega, übersetzt von Moritz Rapp. 

Hildbnrghau8en 1868—69. 8°; angez. von N. Delius . . 391 

Bibliographie der Jahre 1871—72; von A. Ebcrt , A. Tobler und 

dem Herausgeber.397 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus 

Les vies des plus c^l&bres et anciens po&tes provensaux.*) 

I. 

Mit welcher Vorsicht Nostradamus Biographien der Trou¬ 
badours zu gebrauchen sind, darüber hat sich schon vor mehr 
als vierzig Jahren Diez (Leben und Werke der Troubadours 
S. 607) ausgesprochen. Da indess Nostradamus Buch in einer 
Zeit geschrieben ist, wo manche Quellen vielleicht noch vor¬ 
handen waren, die heut verloren oder noch nicht wieder auf¬ 
gefunden sind, so lohnt es der Mühe, nachzuforschen, aus 
welchen Quellen Nostradamus geschöpft hat. Er hat selbdfr 
dafür gesorgt, ein Verzeichniss derselben zu liefern; dasselbe 
findet sich auf der Rückseite des Titels und lautet: 

Les autheurs qui ont recueilly les oeuvres et vies des Poetes 
Provensaux. 

Un religieux du Monastere de sainct Honnore en Tisle de Lerin 
sumomme le Monge des isles d'or. 

Un aultre religieux dudit monastere son compagnon, duquel 
on ne scait le nom. 


*) Die nachfolgende Abhandlung ist im Juni 1869 geschrieben; in¬ 
zwischen ist P. Meyers Arbeit Les demiers Troubadours de la Prove^e 
d’aprfcs le Chansonnier donn6 ä la Biblioth&que imperiale par M. Ch. 
Giraud’ (Biblioth&que de l’Ecole des Chartes, und daraus selbständig 
Paris 1871) erschienen, und darin der Nachweis geführt, dass Nostra¬ 
damus das Ms. Giraud benutzt habe; ich konnte daher von dieser Arbeit 
noch vor dem Drucke Gebrauch machen und die auf das Ms. Giraud 
bezüglichen Ergebnisse einfügen. Ich bezeichne dies Ms. durch f.: vgl. 
meinen Grundriss d. provenz. Literatur S. 30. 

Jahxb. t rom. u. engL Lit. N. P. L 1 


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2 Bartsch 

Un autre religieux dudit monastere, nomme Dom Hermentere 
qui a recueilly les oeuvres desdites poetes par commandement 
d’üdefons 2. du nom roy d’Aragon, Comte de Provence. 

Un religieux du monastere de sainct Pierre de Montmaiour 
d’Arles, sumomme le Fleau des poetes Provensaux, ou lo 
Flagel dels Trobadours. 

Un autre religieux dudit monastere, surnomme sainct Cesary. 
Un autre religieux du monastere sainct Victor de Marseille 
nomme Hilaire en ses fragmens. 

Un autre religieux dudit monastere nomme Rostang de Bri- 
gnolle en son recueil qu’il a faict des vies de quelques 
poetes Provensaux, et de plusieurs saincts et sainctes du pays. 
Un religieux du monastere de nostre dame de Florege du Tho- 
ronnet nomme Peyre de Soliers. 

Et plusieurs poetes incognus, et incerteins. 

In der That eine stattliche Liste, neben der das was wir 
an Quellen besitzen ärmlich erscheint. Das Proesme au Lecteur 
(S. 7—22) spricht von den drei Hauptquellen nochmals (S. 7) 
und wendet sich dann dem Lobe der provenzalischen Poesie 
und den Zeugnissen berühmter Männer über sie zu. Es ge¬ 
senkt der einzelnen Dichtungsarten (S. 14 fg.), erwähnt der 
Cours d’amour (S. 15) und bezieht sich auf eine Reihe pro- 
venzalischer Denkmäler (S. 16—18), die wir nicht übergehen 
können, weil sie zur Charakteristik dessen, was uns verloren 
ist und zu Nostradamus Zeit noch vorhanden war, dienen 
können. Zuerst auf ein Lied von Richard I, an die Prinzess 
Stevenette, die Gemahlin Hugos von Baux und Tochter Grafen 
Gisberts II von Provence gerichtet. 5 * 5 ) Das in der Gefangen¬ 
schaft gedichtete Lied (Provenzal. Lesebuch S. 78) kann nicht 
gemeint sein, da dasselbe in der Biographie Richards (S. 140) 
mit einer andern persönlichen Beziehung erwähnt wird. Noch 
weniger ist an das zweite uns erhaltene Lied, ein Sirventes 
gegen den Dauphin von Auvergne (Mahn 1, 129) zu denken: 
es muss sich also auf ein verlornes Lied beziehen. Das zweite 

*) N. verwechselt Hugo mit seinem Yater Raimond, der mit Etien- 
nette, der Tochter Gilberts (f um 1108) vermählt war. Aber diese Ab¬ 
stammung verträgt sich nicht mit Richards Leben, das einer viel späteren 
Periode angehört. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


3 


hier erwähnte Denkmal ist die vielbesprochene Kaiser Frie¬ 
drich I beigelegte Strophe, auf welche wir später zurück¬ 
kommen werden. Sodann nennt Nostradamus die Grabschrift 
des Grafen Raimon von Toulouse, accuse d’heresie , d. h. Rai- 
mon VI; ohne Frage war die Grabschrift in Versen verfasst, 
denn vorher und auch im zunächst folgenden ist nur von 
poetischen Denkmälern die Rede, auch ist bei einem Gönner 
der Troubadours, wie Raimon es war, eine poetische Grab¬ 
schrift nicht auffallend. Nostradamus rühmt die Anmuth ihrer 
Sprache. Ferner bezieht er sich auf den jährlich am Tage 
des heiligen Stephan in der Kirche St. Sauveur in Aix gesun¬ 
genen Hymnus zu Ehren des Heiligen. Die Zeilen, die er 
daraus anführt, zeigen uns, dass die Epitre farcie von St. Ste¬ 
phan gemeint ist, die, wenn auch die Texte nicht über die 
erste Hälfte des 14. Jahrhunderts hinaufreichen, doch viel älter 
ist (vgl. meine S. Agnes S. XX ff.). Weiter nennt er die 
sieben Busspsalmen, welche die Bettler an den Thüren singen; 
von ihnen hat sich nichts erhalten. Dann die Statuten der Provence 
in Prosa: solche haben in provenzalischer Sprache sich gefunden 
(vgl. Lex. Roman 5, 609 a), und die Citate daraus im Lexique 
Roman (die Ausgaben selbst sind mir nicht zugänglich) weisen 
auf Texte des 13.—14. Jahrhunderts. 

Endlich erwähnt Nostradamus (S. 18) poetische und pro¬ 
saische Uebersetzungen ins Provenzalische, Leben von Heiligen, 
die er theils gesehen theils selbst besessen, nicht zu gedenken 
der vielen noch in Klöstern und Archiven verborgenen Schätze. 
Und das mag richtig sein für Nostradamus Zeit, wenn auch 
die daran geknüpfte Bemerkung (S. 19) il n’y avoit maison 
noble en Provence, qu’elle n’eust un registre , en forme de Bomant , 
auqud estoyent descripts les hauts faicts, et gestes de leurs an - 
cestres en langage Provensal eine grossartige Aufschneiderei ist 
Das Vorhandensein dieser Familiengeschichten in provenza¬ 
lischer Sprache haben wir allen Grund zu bezweifeln: offenbar 
will der Verfasser schon hier für seine späteren historischen 
und biographischen Daten einen glaubwürdigen Grund bauen. 

Dagegen ist die Existenz der im einzelnen genannten 
Denkmäler nicht in Abrede zu stellen und wird durch zwei 
derselben, die auf uns gekommen sind, wahrscheinlich gemacht. 

1 * 


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4 


Baktsch 


Die Busspsalmen, die die Bettler sangen, werden nicht erst 
damals entstanden, sondern schon zu Nostradamus Zeit alt 
gewesen sein, gerade wie der Hymnus auf S. Stephan sich 
auch durch Jahrhunderte weiter erbte. Ihren Verlust haben 
wir am meisten zu bedauern, weil sie ein Denkmal volksthüm- 
licher Poesie waren. Von Heiligenleben in Versen und Prosa 
sind manche auf uns gekommen; doch lässt sich bei den all¬ 
gemeinen Ausdrücken, deren Nostradamus sich bedient, nicht 
sagen, ob er auf uns erhaltene anspielt 

Ebenso wenig ist zu bezweifeln, was Nostradamus über 
zwei Liederhandschriften sagt (S. 12 ff.): Je puis asseurer 
vrayement avoir yeu et leu deux grands tomes divers escripts 
en lettre de forme sur parchemin illuminez d'or et d’azur, qui 
sont dans les Archifs du Seigneur Comte de Sault, ausquels 
sont descrites en lettre rouge, les vies des Poetes Provensaux 
(qu’ils nommoyent Troubadours) et leur Poesies en lettre noire, 
en leur idiomat, en nombre de plus de quatre vingts, tant 
hommes que femmes, la pluspart gentilshommes et seigneurs 
de places, amoureux des Roynes, Imperatrices, Duchesses, Mar- 
quises, Comtesses, et autres Princesses et gentilsfemmes, des- 
quelles les maris s’estimoient grandement heureux quand nos 
Poetes leur addressoyent quelque chant nouveau, en nostre 
langue Provensalle: la plus honorable recompense estoit qu’on 
leur foumissoit de draps, chevaux, armures, et argent, pour 
raison dequoy bien souvent ils attribuoyent leur poeme ä leurs 
Mecenas, et ä ceux qui leur faisoyent honneurs et faveurs. 

Es waxen Liederhandschriften von der Einrichtung, die 
wir an mehreren der erhaltenen ( ABIK) kennen.*) Je¬ 
dem Dichter ging die roth geschriebene provenzalische Bio¬ 
graphie voraus, und es folgten in schwarzer Schrift die Lieder; 
auch die Ausschmückung mit Gold und Blau stimmt zu den 
Miniaturen dieser Handschriften, die das erste Lied jedes 
Dichters beginnen und den Dichter selbst darstellen. Die Zahl 
der darin enthaltenen Biographien belief sich auf mehr als 
achtzig**), von Männern wie von Frauen. So viele enthält 

*) Vgl. hiermit Meyer a. a. 0. S. 15, Anm. 1. 

**) Crescimbeni macht aus plus de quatre vingts S. 6 sopra venti 
quatro . 


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Die Quellen von Jehan de Nostradatnus. 


5 


unter den uns bekannten Handschriften keine; es ist freilich 
zu verstehen, dass diese Biographien sich in beiden Hand¬ 
schriften zusammengenommen fanden; da jedoch ein grosser 
Theü sich in jeder Handschrift befunden haben wird, diese 
wiederholten aber nur einfach gerechnet sein werden, so setzt 
das für jede der beiden Handschriften einen bedeutenden Reich¬ 
thum voraus, der mit den uns erhaltenen durchaus wetteifern 
kann. Die umfangreiche Vatican. Hs. A z. B. enthält nur einige 
50 Biographien. Auch was über den Inhalt der Biographien 
im allgemeinen hier gesagt ist, klingt ganz unverdächtig 
und stimmt mit den Thatsachen überein, so namentlich dass 
die Dichter von ihren Gönnern Kleider, Pferde, Waffen etc. 
geschenkt bekamen, was oft in den Lebensnachrichten er¬ 
wähnt ist. 

Auffallend aber ist, dass N. diese beiden Handschriften 
unter den von ihm benutzten Quellen nicht nennt, während, 
wie wir ersehen werden, ersichtlich ist, dass er sowohl die pro- 
venzalischen Biographien als Liedersammlungen vor sich hatte. 

II. 

Die drei Hauptquellen, die Werke der drei Mönche, sagt 
N. S. 19, habe er selbst besessen, sie seien ihm aber nebst 
„andern schönen Büchern, die er hier und da gesammelt hatte“ 
in. den Unruhen des Jahres 1562 geraubt worden. Das ist 
nun schon ein etwas merkwürdiger Umstand, der leicht so er¬ 
klärt werden kann, dass N. damit eine Controle seiner Nach¬ 
richten unmöglich machen wollte. 

Das Interesse, welches die Biographien der Troubadours 
gewähren, besteht nach N. (S. 21) hauptsächlich darin, dass 
sie von einer Menge edler Familien handeln und die Geschichte 
des Landes häufig berühren. Auch diese Aeusserung müssen 
wir im Sinne behalten, wenn wir sein Verk mit kritischem 
Auge betrachten wollen. 

Yon den drei Mönchen nimmt der im Verzeichniss der 
Quellen an vierter Stelle genannte Mönch von Montmajour 
chronologisch den ersten Platz ein, da er nach Nostradamus 
im J. 1355 gestorben sein soll, während die beiden andern 


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6 


Bartsch 


erst im 15. Jahrhundert starben. Yon ihm berichtet N. fol¬ 
gendes (S. 226): Er war Mönch im Kloster Montmajour bei 
Arles (das Quellenverzeichniss sagt bestimmter Monastere de 
Sainct Pierre de Montmaiour d'Arles, also in Arles selbst); er 
verliess jedoch das Kloster noch in demselben Jahre, in dem 
er eingetreten, gegen den Willen seiner Verwandten und seines 
Oberen, und hielt sich zu den grossen Herren von Languedoc 
und Provence. Hauptsächlich ward er von denen geschätzt, 
die an der Dichtkunst Freude fanden, denn er war ein guter 
Dichter, besonders im satirischen Genre. Als sein Ruf zu¬ 
nahm, hatte er die Dreistigkeit eine Satire gegen die ver¬ 
storbenen und gleichzeitigen provenzalischen Dichter zu schrei¬ 
ben, in deren letzten Strophen er, um die Sache einigermassen 
auszugleichen, sich selbst schlecht machte. Dabei beruft sich 
N. auf den Mönch des Isles d'Or und auf den von S. Cezari 
als seine Quellen; beide bezeichneten ihn als hervorragenden 
Dichter, der aber schlechtes von andern Troubadours gesagt 
und nur diejenigen gelobt habe, die, wiewohl sie sich 
Dichter nannten, doch nur Ignoranten waren. Auch habe er 
das Leben einiger Gewalthaber der Provence zu seiner Zeit 
beschrieben, eine Schrift, die ihm das Leben kostete, indem 
er selbst sie zwar nicht veröffentlichte, aber Copien davon in 
die Hände jener hohen Herren kamen. Beide erwähnen nicht, 
aus welchem Hause er war, sie sagen nur noch, sie hätten zu 
seiner Zeit nicht leben wollen, um nicht auch von ihm durch¬ 
gehechelt zu werden und nennen ihn lou flagel dels trobadours; 
auch rechnen sie es ihm zum Verdienste an, dass er den Un¬ 
verschämtheiten mancher Poetaster ein Ende gemacht. N. fügt 
noch hinzu, er habe ein Fragment von S. Cezari gesehen, 
worin dieser erwähnt, der Mönch von Montmajour habe eine 
Beschreibung der Grabmäler auf dem Kirchhof von S. Honnore 
in Arles gegeben, mit Bezeichnung derjenigen von Königen 
von Arles und andern erlauchten Personen, deren Denkmäler 
in carrarischem Marmor waren. Endlich wird unter Berufung 
auf Dom Hyllere, der offenbar der im Quellenverzeichniss ge¬ 
nannte Hilaire, Mönch von S. Victor in Marseille ist, mitge- 
theilt, ein Mitbruder Raphael, der auch Dichter war, habe ihm 
erzählt, dass nach dem Tode des Mönchs von M. alle gelehrten 


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Die Quellen von Jehan de Noatradamus. 


7 


Leute seiner Zeit ihm Epitaphien in Versen geschrieben und 
ein Dichter aus Arles, Remond Romyeu, ein provenzalisches 
Trauerlied verfasst hätte, in welchem u. a. gesagt war: So 
lange die Schafe in Crau weiden und die Eichenwälder grünen 
und es wilde Ochsen geben wird und die Rhone die Mauern der 
Stadt bespült, wird man des Mönches gedenken, und eher wird 
die Tamarinde süssen Honig ausströmen als sein Name untergehen. 

Beginnen wir mit der letzten Notiz, so macht sie aller¬ 
dings den Eindruck eines Auszuges aus einem provenzalischen 
Liede; darauf weisen di$ unfranzösischen Worte guarriguas 
(prov. garrigas ) und braux (prov. braus) ; ja man kann den 
einen Reim des Liedes noch erkennen, Crau : brau . Der etwas 
sentimentale Stil könnte wohl einem Liede des 14. Jahr¬ 
hunderts angehören. Im übrigen aber enthält die Biographie 
nichts weniger als glaubliches. Sie ist in Namen und Daten 
eine absichtliche Entstellung dessen, was uns in der alten 
Lebensnachricht über den Mönch von Montaudon erzählt wird. 
Aus Montaudon machte N. Montmajour*)] jener, heisst es 
weiter, gentüs hont fo , daraus ist die Notiz von N. geflossen: 
es werde nicht berichtet, aus welchem Hause er war, aber doch 
aus einem adeligen (gentüs). e fo faitz monges de Vabadia 
(SOrlae: aus Orlac ist Arles gemacht. Weiter erzählt die 
Lebensnachricht, dass er coblas und sirventes gedichtet und dass 
die Ritter und Barone der Umgegend ihn aus dem Kloster 
genommen und sehr geehrt hätten. Bei N. tritt er selbst aus 
dem Kloster, doch auch gegen den Willen des Abtes; im 
übrigen s timm t die Nachricht. Wenn es dann heisst croissant 
en aage et en credit , so werden wir dadurch erinnert an die 
provenz. Worte mout er ec et meüloret la soagleisa; diese Ueber- 
einstimmung von croissant und er ec ist sicher nicht Zufall; 
gleisa kann N., dessen Kenntnisse der alten Sprache sehr 
mangelhaft waren, missverstanden oder absichtlich entstellt haben. 

Bekanntlich besitzen wir vom Mönch von Montaudon eine 
Satire**) auf die gleichzeitigen Dichter, deren Schlussstrophe 

*) Die Identität beider Namen hat schon Diez, Leben und Werke 
S. 607, ausgesprochen. 

**) Die Benutzung derselben durch Nostradamus hat P. Meyer 
a. a. 0. 136 ff. durch Gegenüberstellung der Texte bereits dargethan. 


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8 


Babtscb 


mit dem zusammentrifft, was N. den Mönch von Montmajour 
in seiner letzten Strophe sagen lässt: 

Mahn 2, 62 

lo fals monge de Montaudo.. un faux monge, 

et a laissat dieu per baco. qui a laiss6 dieu pour suyvre 

la pance. 

Nicht minder passt auf ihn was N. den Mönch S. Cezari 
von dem Mönch von Montmajour sagen lässt qu’en plusieurs de 
ses chansons a use de fort helles comparaisons et figures, da der 
Mönch von Montaudon unter seinen nicht zahlreichen Can- 
zonen vier mit Vergleichen einleitet.*) 

Sehen wir hier absichtliche Entstellung von uns bekann¬ 
ten Thatsachen, so werden wir dem übrigen, was N. über den 
Mönch von Montmajour sagt, keinen Glauben schenken dürfen: 
so dem Lobe, welches er in seiner Satire schlechten Dichtem 
ertheilte, dem Tractate, welchen er gegen Gewalthaber schrieb 
und der ihm das Leben kostete, der Beschreibung der Denk¬ 
mäler auf dem Kirchhofe von S. Honnore, und den auf ihn ge¬ 
dichteten Epitaphien. Das Lied endlich, welches am Schlüsse 
ausgezogen ist, kann sich nicht auf den Mönch von Mont¬ 
majour bezogen haben, weil dieser nicht existierte; es kann 
also- nur ein anderes Lied hierzu von N. verwendet worden 
sein, um seine Täuschung glaublicher zu machen. Nostradamus 
selbst könnte freilich hier der getäuschte sein, und die Fäl¬ 
schung von einem seiner Vorgänger, den Mönchen von Isles 
d’Or und S. Cezari, begangen worden sein. Indess macht das 
analoge Verfahren, welches N. bei dem letztgenannten ein¬ 
schlug, zweifellos, dass er es war, der den Mönch von Mont¬ 
majour erfand. 

Was er in den übrigen Biographien aus ihm mittheilt, 
bestätigt die Identität mit dem Mönch von Montaudon. Er 
nimmt Bezug auf die zweite Strophe im Leben Guillems de 
S. Desdier (S. 39) 


*) Aissi com cel qu’a estat ses seignor. 
Aissi com cel qu’a play mal e sobrier. 
Aissi com cel qu’es en mal seignoratge. 
Aissi com cel qu’om men’ al jutjamen. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 9 

Lo premiers es de Sanh Desdier que 

Guillem que cb&nta volontier ce Guilham chantoit 

et a chantat mot avinen; voulentiers, 

mas quar son desirier non quier mais qu’il fut deshärite d’amours. 

non pot aver nulh bon mestier. 

Auf die dritte: Remond Jourdan (S. 51) 

Lo segons de Sanh Antoni que le Vicomte ne joyst jamais de 

vescoms qu’anc d’amor non jauzi, ses amours, et que des qu’il en 

ni no fes bon comensamen, print cong6 s’en allant a la guerre 

que la primeyral a tray, ne feist que regretter. 

et anc pueis re non li queri, 
siei huelh nueg e jom ploran s’en. 

Auf die vierte: Remond de Myrevaux (S. 61) 

Miravals ques fai mot cortes que Myrevaux estoit si prodigue 

e dona son castel soven; et liberal qu’il donna par plusieurs 

e noy estai l’an ges un mes, fois son chasteau a sa dame, et 

et anc mais kalendas noy pres, avant que fut pass6 l’an le luy de- 

per que noi ha dan quil se pren. manda en plorant; 

also wiederum ein Missverständniss des Originals. Auf die 
sechste: Ancelme Faydit (S. 64) 

El cinques es Gaucelms Fayditz que desque Faydit devint amou- 

que es de drut tornatz maritz reux, il changea son stile, et que 

de lieys que sol anar seguen; ses chansons ne furent jamais pri- 

non auzim pueis voutas ni critz, s6es ne trouvees bonnes de per- 

ni anc sos chans no fon auzitz. sonne. 

Auf die siebente: Guilhem Adhemar (S. 46) 

El seizes Guilems Azemars Guillen Adhemar ne fut jamais 

c’anc no fo pus malvatz joglars; vieux soldat ne bon poete ne co- 

et a pres manh vielh vestimen, mique, ains qu’il estoit vieux e 

e fai de tal loc sos chantars pauvre, et qu’il avoit empruntö 

don non es a sos trenta pars; maints vieux vestimens, se faisant 

e vey l’ades pantr’e sufren. ouyr qu’estoient siens, et qu’il riest 

pas moirn vanteur que Peire Vidal, 
autre poete Provensal. 

Den Schluss hat N. missverstanden oder zugesetzt, die 
Worte se faisant ouyr qu’estoient siens sollen wohl die vierte 
Zeile umschreiben. 

Auf die achte: Arnaud Daniel (S. 43) 

Ab Arnaut Daniel son set, que jamais Arnaud ne composa, 

qn’a sa vida ben non cantet mais trouva bien qu’il a us6 de 


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10 


Bartsch 


mas uns fols motz qu’om non enten; 
pus la lebre ab lo bou casset 
e contra suberna nadet, 
no vale sos cbans un aguillen. 

Auf die zehnte: Arnaud < 

El noves n Arnautz de Maruelh, 
qu’ades lo vey d’avol escuelb, 
e si dons non a chauzimen; 
e fay o mal quar no l’acuelh, 
qu’ades claman merce siei huelh, 
on pus canta l’aigan dissen. 


; mots obscurs qui ne se peuvent 
entendre: des qu’il a escript pour 
sa Cybeme, il n’a rien vallu, ne le 
lieure cbassa (fehlt avec) le beuf. 

de Meyruelh (S. 66) 

qu’Arnaud estoit yssu de pauvres 
parens, que sa dame n’eust jamais 
soulas ne passetemps de luy, et 
qu’il n’avoit aucune grace en son 
chanter. 


Auf die dreizehnte: Foulquet de Marseille (S. 54) 


E lo dotzes es en Folquetz 
de Marcelha, us mercadairetz; 
et a fag un folh sagramen 
quan juret que chanso no fetz; 
perjur nos an say dig pro vetz 
ques peijuret son essien. 


que Foulquet estoit un marchant, 
qui pour s’enrichir feist un faulx 
serment, par le moyen duquel fut 
dict et declar6 perjure et qu’il 
n’a jamais bien dict6 ne compost 


Auf die fünfzehnte: Peyre Yidal (S. 90) 


Peyre Yidal estoit un vilain pel- 
lissier, qui n’a point ses membres 
entiers: mieux luy eut vallu qu’il 
eust eu la langue d’or.. et que la 
folye et la gloire luy ostoyent 1’en¬ 
tendement, [et qu’il avoit eu tous- 
jours grande indigence de l’herbe 
d’Anticire pour luy purger le cer- 
veau travailR d’humeur mellan- 
colique.] 

Die eingeklammerten Worte sind ein Zusatz von N. ; offen¬ 
bar um naturhistorische Kenntnisse anzubringen. 

Die Beziehung auf die letzte Strophe erwähnten wir schon 
oben (S. 8). Ausserdem ist noch die neunte Strophe be¬ 
nutzt, aber missverstanden: denn offenbar gehen die in Rai- 
mond Berenguiers Leben angeführten Worte (S. 104) Le monge 
de Montmajour medisant de luy, a hon droict le nomme en sa 
chanson Vineonstant Cathalan auf die Worte der Satire (2, 61) 
En Tremoletal Catalas , wenn auch das weitere erfunden ist 

Nicht benutzt ist die 5. 11. 12. 14. und 16. Strophe; von 
diesen hätte er die 5. und 12. (Peirol und Giraut der Rothe) 


Peire Yidals es dels derriers, 
que non a sos membres entiers, 
et agra l’obs lenga d’argen 
al vilan qu’era uns pelliciers, 
que anc, pus si fetz cavaliers, 
non ac pueys membransa ni sen. 


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Die Qnellen von Jehan de Nostradamus. 


11 


benutzen können, die andern Dichter (Salh de Scola, Guillems 
lo marques und Guilhems de Ribas) kennt er nicht. Ueber 
Peirol lässt N. den Mönch (S. 32) etwas ganz anderes sagen 
als im Originale stand. 

Aus der Satire des Peire von Auvergne, welche der Mönch 
von Montaudon nachahmte, hat N. die dritte Strophe benutzt: 
die Aeusserung über Giraud de Boumelh (S. 176), vgl. Chrestom. 
proven^ 75, 35: 


El segons Guirautz de Bomelh 
que sembl’oire sec al solelh 
ab son magre cantar dolen 
qu’es chans de velha portaseih; 
e sis vezia en espelh, 
nos prezari’un agnilen. 


que Giraud de Bourneil ne faict 
que charlater en ung cagnard au 
soleil, que son chant est maigre et 
dolent, qu’il est si laid que s’il se 
voyoit au myroir il ne s’estimeroit 
un festu. 


Gleichwohl wäre es unberechtigt daraus zu schliessen, 
dass die andere Satire ihm auch Vorgelegen; die Hss. ver¬ 
mischen beide mit einander, wie z. B. die achte Strophe der 
Satire des Mönchs in Hss. der älteren Satire begegnet (Anm. 
zu Chrestom. 76, 23), so kann sich in einer Hs., die N. vor¬ 
lag, die dritte Strophe aus der Satire Peires an Stelle einer 
andern gefunden haben.*) 

Ausser diesen authentischen Citaten hat nun aber N. 
eine grosse Anzahl anderer erfunden. Diez (Leben und Werke 
S. 607) vermuthet, die Satire des Mönchs sei später erweitert 
worden. Allein wenn wir sehen, dass N. bei den echten 
Strophen Zusätze aus eigner Erfindung macht, so werden 
wir ihm auch erdichtete Citate aus jener Satire Zutrauen 
dürfen. Diese Zusätze sind meist dürftig und albern, im Stile 
abweichend und selten den Raum einer Strophe ausfüllend. 
Er erwähnt den Mönch von Montmajour noch bei 
Jaufred Rudel (S. 27): que ce Rudel poete estoit ung homme 
rüde, ung gavot des montagnes, ennemy de toutes les dames, 
et amoureux de toutes.**) Auf den Ausdruck homme rüde 
wird N. durch Rudel gekommen sein. 


*) Vielleicht an Stelle der fünften (über Peirol), worin es hiess 
E lo quariz Guirautz de Bornelh. 

**) Im Druck des lentes: vgl. Meyer S. 135, der wie oben bessert. 


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12 Bartsch 

Frideric I Empereur (S. 30): que ce Frideric estoit liberal ä 
donner les proprietes et heritages ausquels il n’avoit 
nul droit. 

Elyas de Barjols (S. 34): que la princesse Garcene ne se fut 
pas tenue honnoree de lire ne chanter aucunes des chansons 
que ce poete eust faict, parce qu’elles estoient sans rithme 
ne raison. 

Guilhem de Agoult (S. 37): que ce poete entre les damoy- 
selles estoit grandement desborde en toutes ses actions. 

Guilhem de Cabestan (S. 58): Guilhem, d'homme vaillant et 
gaillard, estant amoureux devint estonne et couard, de 
s’estre laisse meurtrir ä un vilain porc et ialoux. 

Bernard de Yentadour (S. 72): que ce Beraard escrivoit si 
mal, qu'il le fallut oster du sepulchre pour luy faire lire 
sa lettre. Würde N. die Satire Peires gekannt haben, so 
hätte er Bernard ganz anders behandelt 

Hugues de Santcyre (S. 77): que cest Hugues estoit un igno¬ 
rant, qui ne sceut jamais faire un bon vers qui valut, ains 
tout ä travers, et que sa dame ne tint jamais compte ne 
estimation de luy. Das klingt wie eine Nachahmung der 
echten Strophen. 

Rambaud de Vachieras (S. 81): Le monge de Montmajour de- 
couppe ce traicte (nämlich Lous plours del segle), et le 
reiecte tant loing, disant que ce sont raisons reprovees de 
tous, et que ce Rambaud estoit fol e transporte de son sens. 

Pons de Brueil (S. 83): que ce poete estoit un lamm de 
rithmes, et qu ? en sa vie il ne dicta rien qui vallust. 

Beral de Baulx (S. 87): que les oyseaulx qui vollent en l'aer 
ont faict teile peur ä Beral le supersticieux, qu’il a este 
contraint toumer bride. 

Roollet de Gassin (S. 93): que ce Roollet estoit un babillard, 
charlatan, laid, facheux et malplaisant, depiteux et solitaire, 
saisy de plusieurs imperfections. 

Savaric de Mauleon (S. 106): Savaric de Mauleon, qui se mesle 
de chanter, il vaudroit mieux qu il tint secrettes ses chan¬ 
sons, attendu que tout ce qu'il faict et compose ne vaut 
rien, et a besoin dune bonne glose, tant obscure et 
facheuse est sa rithme. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


13 


Bonifacio Calvo (S. 111): nomme ce poete fantasque, et 
quil fut banny de Gennes pour avoir est6 trop bon 
citadin. 

Aymeric de Pingulan (S. 113): le Monge de Montmajour mes- 
dit de celuy ce quil en a voulu dire. 

Gasbert de Puycybot (S. 116): le nomme hypochritte faux, 
qui savoit plusieurs maux: dict encor qu'il avoit delibere la 
(nämlich seine treulose Frau) mener au puys de TArgentiere, 
qu ? est un espouvantable precipice, haut et proffond dans la 
Mer, vis ä vis des Isles d’Or, ou dans lAvenc de Crueys 
oü Ion avoit anciennement de coustume y getter les femmes 
qu’estoyent accusees d’adultere, mais par belles parolles eile 
fut plus fine que luy et aima mieux estre enfermee au- 
dict monastere. 

Peyre de San Romyech (S. 117): ce Pierre faysoit tant plus 
violantement et cruellement, et estant fort contraire aux 
choses honnestes desiroit d’estre veu amateur d’une vie dure 
et escabreuse, faisant tout par courroux. 

Aymeric de Belvezer (S. 122): que ce n'estoit pas de la veine 
d’Aymeric, car il n'estoit bon qu’ä la potagerie, mit Bezug 
auf einen vorher erwähnten Tractat. 

Lanfranc Sygalle (S. 135): que ce poete estoit homme igno¬ 
rant, begue, qui ne scavoit parier ne bien dire sa raison, 
arrogant, et s'estimant beaucoup. 

Richard roy d'Angleterre (S. 140): nomme ce roy Richard 
couard. 

Hugues de Penna (S. 147): quil print et s'attribua plusieurs 
chansons de Guillaumes de Sylvecane son compagnon. 

Guilhem Figuera (S. 152): que ce poete estoit un grand hypo- 
chrite, amy des gens d’Eglise. Also ganz dem Geiste des 
Dichters widersprechend. 

Cadenet (S. 158): que Cadenet ne s’estoit pas advance que 
par les oeuvres en poesie qu'il avoit desrobbees ä plusieurs 
Poetes de son temps. 

Remond Feraud (S. 173): que ce Porquere (Beiname des 
Dichters) estoit un vilain gardien de pourceaux, qu’apres 
avoir servy long temps le dict monastere en estat de porchier, 
ils le receurent pour vivre ocieusement ä la grassa souppa. 


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14 Bartsch 

Blacas (S. 176): que ce Blachasset estoit un cagnardier, et ne 
fut jamais bon guerrier. 

Peyre Cardenal (S. 179): que ce Cardenal avoit si peu de 
grace en son chanter qu'il tenoit une grimasse fort estrange, 
et n’avoit rien de bon en luy. 

Luco de Grymauld (S. 180): nur ganz im allgemeinen die 
Beziehung erwähnt. 

Peyre de Ruer (S. 184): en parle trop grassement. 

Rostang Berenguier de Marseille (S. 194): appelle ce Poete 
falsa garentia. 

Marchebrusc et sa mere (S. 210): Ta (die Mutter) nommee 
la palharda d’amor. 

Bertrand de Pezars (S. 215): reproche ä Bertrand de Pezars 
et ä sa femme, qu'ils eurent de Bastonadaz en recompence 
de leurs folles et malplaisantes chansons. 

Laurette etPhanette (S. 219): que toutes ces dames estoyent 
les Drus des courtizans de Romme. 

Die Aermlichkeit und Wiederholung der Gedanken zeigt 
sich deutlich überall, gegen Ende wird er immer dürftiger. 
Aber auch die arme Erfindung reichte nicht aus: bei manchen 
Dichtern findet sich daher die Notiz, der Mönch erwähne sie 
nicht: vgl. S. 69. 127. 143. 223. 226, und bei einer Anzahl 
anderer wird auch nicht einmal sein Name genannt: vgl. 
Rambaud v. Orenge, Peyre Remond u. s. w. 

Gelobt soll der Mönch nur Hugues de Lobieres haben 
(S. 85) wie alle unwissenden und übelberüchtigten Dichter. 
Auch das ist natürlich eine Erfindung. 

Das Resultat der Untersuchung ist demnach, dass der 
Mönch von Montmajour identisch ist mit dem Mönch von 
Montaudon, dass N. den Text der Satire des letzteren vor sich 
hatte, aber eine Menge anderer Dicta desselben dazu erfand. 
Unrichtig ist auch, dass N. bemerkt der Mönch habe auch ver¬ 
storbene Dichter durchgehechelt, denn er sagt ausdrücklich 
(Mahn 2, 60), dass er nur die Dichter seiner Zeit vornehmen 
wolle, wie Peire von Auvergne die der vergangenen Zeit be¬ 
handelt habe. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


15 


in. 

Die zweite Hauptquelle ist der Mönch von den Isles d'Or, 
die früher Stecaden oder Isles d’Yeres genannt wurden. Derselbe 
entstammte nach N. (S. 248) der alten Familie der Cybö von 
Genua und wurde Mönch im Kloster St. Honore auf der Insel 
Lerins, wo er seiner edlen Abkunft wie seines guten Rufes 
wegen sehr gern aufgenommen wurde. Er ward mit der Auf¬ 
sicht der Bibliothek betraut, die die berühmteste und schönste 
von ganz Europa war, weil sie von den Grafen von Provence und 
den Königen von Neapel reich beschenkt worden. Die Biblio¬ 
thek war aber während der unruhigen Zeiten der Provence in 
Verfall und Unordnung gekommen. Der Mönch ordnete sie 
nach Fächern und ersah aus einem alten Cataloge, den ein 
Mönch des Klosters, Namens Hermantere, der aus einer edlen 
Familie stammte, auf Befehl von Alphons H von Aragonien 
angelegt hatte, dass viele früher vorhandene Hss. weggenom¬ 
men und werthlose an die Stelle gesetzt worden waren. Er 
fand nun unter den Hss. eine, worin die adligen Familien der 
Provence, Aragoniens, Italiens und Frankreichs verzeichnet 
waren, ebenso die Werke der provenzalischen Dichter, von dem 
genannten Hermentere auf Befehl von Alfons H gesammelt. 
Eine Copie davon schickte der Mönch: an Ludwig II von 
Neapel, den Vater des Königs Rene; von dieser Copie liessen 
sich wieder mehrere Edelleute Abschriften machen, einige auf 
Pergament, mit Gold und Azur geschmückt, andre auf Papier. 
Die Biographien der Dichter waren roth geschrieben, die Ge¬ 
dichte schwarz. Der Mönch hatte grosse Mühe, sie zu ver¬ 
stehen. Manche waren mit Worten anderer Sprachen, wie 
der spanischen und italienischen, vermischt Doch glückte es 
ihm endlich, alle herzustellen. Er schrieb wunderschön und 
verstand sich ebenso auf das Illuminieren. Im Frühling und 
Herbst zog er sich auf einige Tage mit einem Freunde in seine 
kleine Eremitage auf den Inseln von Yeres zurück, um dem 
Rauschen der Quellen und dem Gesänge der Vögel zu lauschen, 
und indem er sie genau beobachtete, sie nachzumalen. Nach 
seinem Tode fand man eine Sammlung, enthaltend ein genaues 
Conterfei der Inseln, ihrer Gebäude, Pflanzen, Bäume, Thiere 


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16 


Bartsch 


u. s. w. Auch sammelte er die Siege der Könige von Arago- 
nien und der Grafen von Provence, sowie ein Horarium unserer 
lieben Frauen, reich gemalt und schön gebunden, welches er 
Yolanten, der Königin von Aragonien, der Mutter König Renes, 
schenkte. Sie und König Ludwig II von Neapel hatten den 
klugen Mönch viel bei sich. Alles dies berichtet Dom Hillaire 
des Martins, ein Mönch aus S. Victor in Marseille, der auch 
erwähnt, jener habe eine Weissagung geschrieben, dass aus 
dem Hause Cybö berühmte Männer erstehen würden. Vor 
seinem Eintritt ins Kloster hatte er mehrere Werke in proven- 
zalischen Versen bei sich, die von Liebe handelten und die er 
Elis des Baulx, Gräfin von Avelin, widmete. Er starb 1408. 

Wir schliessen hier gleich die dritte Hauptquelle, den 
Mönch Hugues de Saint Cezari, an, den N. als den unmittel¬ 
baren Nachfolger des Mönchs des Isles d’Or bezeichnet. Auch 
er war aus edler Familie der Provence (S. 254); seine Vor¬ 
fahren waren Rectoren des Nonnenklosters S. Cesari in Arles 
gewesen. Sein Vater hatte mehrere Kinder und liess ihn stu¬ 
dieren. Er verliebte sich als junger Mensch in ein Fräulein 
aus dem Hause Serrente de Seyne, zu deren Lobe er Lieder 
dichtete. Als er von den Grossen geschätzt und geliebt zu 
werden anfing, verliebte er sich in eine andere Dame aus dem 
Hause Chastillon in Provence, die an einen Edelmann von 
Villemus verheirathet war und nach dessen Tode sich mit 
einem Herrn aus dem Hause de Gordes vermählte. Ihr zu 
Ehren dichtete er schöne Lieder, allein sie fürchtete ihrem 
Rufe zu schaden und sandte ihm Kleider, Geld und Pferde, 
damit er sich von ihr trenne. Er that es, und nachdem er 
an dem Hofe Ludwigs H von Neapel gelebt, wurde er Mönch 
in Montmajour, im Alter von dreissig Jahren. Hier schrieb 
er vieles auf die heilige Schrift bezügliche; auch fand er hier 
eine Abschrift der Werke provenzalischer Dichter, die, wie 
man sagt, aus den Sammlungen der Mönche des Isles d’Or 
und von Montmajour ausgezogen war. Nach der Aussage des 
Bruders Rostang von Brignolle in S. Victor zu Marseille, der 
in Prosa und Versen mehrere Leben provenzalischer Dichter, 
ferner das Leben der h. Maria Magdalena, Martha und anderer 
Heiligen schrieb, waren die übrigen Copien, die aus den 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamns. 


17 


Werken des Mönchs des Isles d’Or geflossen, unvollständig und 
incorrect, die von S. Cezari aber vollständig und correct, die 
Biographien der Dichter roth illuminirt mit Gold und Azur. 
Er widmete seine Arbeit im Jahre 1435 dem Könige Eene; 
dieser liess sie schön copieren und andere provenzalische Dichter¬ 
biographien hinzufügen. Nach einigen soll er auch eine Samm¬ 
lung von Liebesliedern veranstaltet und Elis von Baulx, Gräfin 
von Avelin, gewidmet haben, indem er zu verstehen gab, er 
habe sie von einem Freunde erhalten und abgeschrieben. 

Auch diesen beiden Biographien fehlt es nicht an auf¬ 
fallendem und verdächtigem Inhalt. Die ganze Geschichte 
des Mönchs des Isles d’Or klingt sehr abenteuerlich und un¬ 
wahrscheinlich. Die Schilderung der Handschrift, welche er 
an Louis II gesandt haben soll, erinnert merkwürdig an die 
Beschreibung der beiden Codices, welche N. nach dem Proeme 
im Archiv der Herren von Agoult fand und die er merkwürdiger 
Weise unter seinen Quellen nicht erwähnt. Eine Ausstattung, 
wie sie hier beschrieben wird, war im 14—15. Jahrhundert 
bei provenzalischen Handschriften nicht üblich, höchstens bei 
Büchern religiösen Inhalts, die man allerdings im 15. Jahr¬ 
hundert ungefähr so schmückte wie das nach N. für Jolantha 
bestimmte Horarium. Die Ausstattung entspricht vielmehr 
derjenigen, wie wir sie in provenzalischen Handschriften 
des 13. Jahrhunderts finden. N. hat nicht bemerkt, dass er 
in Bezug auf die Widmung der von beiden Mönchen angeleg¬ 
ten Sammlung ihrer Lieder beidemal genau dasselbe erzählt, 
einmal also entschieden unrichtiges. Durch die unzweifelhaft 
richtige Erwähnung der beiden alten Hss. aus dem Archive 
von Sault hat uns N. den Schlüssel in die Hand gegeben, um 
Beinen Fictionen auf die Spur zu kommen. Jene beiden Hss. 
sind die Urbilder, nach denen er die Fabel von den beiden 
Mönchen des Isles d’Or und S. Cezari und den von ihnen an¬ 
gelegten Sammlungen erfand. Beide Hss. enthielten, wie das 
bei allen grossen Liedersammlungen der Fall ist, zum grossen 
Theile dieselben Biographien und Lieder, was um so mehr der 
Fall sein konnte, wenn sie etwa beide derselben Classe oder 
Familie angehörten. Daher erklärt es sich, dass bei N. die Be¬ 
richte beider Mönche fast immer mit einander übereinstimmen. 

Jfthxb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. 1* 2 


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18 


Bartsch 


Wenn N. weiter berichtet, dass viele aus jenen Sammlungen 
geflossene Copien unvollständig und incorrect waren, so findet 
auch das seine Erklärung in dem Vorhandensein vieler Lieder¬ 
handschriften von geringerem Umfang und schlechterem Texte. 
Aber ein übereinstimmender Fonds von Liedern ist in allen 
Handschriften, und daher erklärt N. ihre Entstehung durch 
Abschreiben aus jenen beiden Sammlungen, von denen er die 
ältere, um ihre Authentizität zu erhöhen, auf eine fingierte 
Quelle aus der Zeit von Alphons II (f 1196) zurückführt. 

Die beiden Mönche sind ebenso eine Erfindung von No- 
stradamus, wie der Mönch von Montmajour. Wie bei diesem 
der Mönch von Montaudon den Anlass zur Namenbildung und 
zu den äusseren Lebensumrissen gab, so hier der Troubadour 
Uc von S. Circ, an dessen Namen wir sofort erinnert werden. 
Wir wissen, dass dieser Dichter mehrere provenzalische Dichter¬ 
biographien aufgezeichnet hat; er war der erste uns bekannte 
Sammler solcher Nachrichten. Den Mönch von Montaudon 
hat N. ganz fallen lassen, Uc von S. Circ aber hat er neben 
seinem fingierten Hugues de S. Cezari beibehalten. Die Bio¬ 
graphie des Troubadours aber ist für den letzteren, wenn auch 
nur in wenigen Zügen, benutzt. Aus ihr stammt der Name: 
sie beginnt Uc de Saint Circ si fo de Caersi; Gaefrsi aber mit 
Umstellung der Buchstaben ergibt Cesari . Wir lesen ferner: 

Aquest nüc si ac gran re de N. 254. son pere estant charg6 
fraires menors de se; e volgron lo deplusieurs enfans, le fist estudier 
far clerc. aux bonnes lettres. 


Einen weiteren Beweis für die Identität der beiden Per¬ 
sönlichkeiten ergibt das, was im Leben Bemarts von Ventadom 
sich findet: am Schlüsse desselben heisst es: 


im prov. Texte (Mahn 49) 
et ieu n Ucs de Saint Circ de lui so 
qu’ieu ai escrit si me contet lo ves- 
coms nEbles de Ventedom, que 
fo fills della vescomtessa qu’enBer- 
nartz amet. 


bei Nostradamus (S. 72) 
Eble de Ventadour fils de la 
Vicomtesse que Beraard aymoit 
tant, racompta tont cecy a un sa- 
vant personage de lors, duquelle 
le nom est incognu, qui estoit 
poöte Provensal, qui le redigea 
par escript, duquel Sainct Cezari 
dict avoir extrait, et le meist au 
cathalogue des poPtes Provensaux. 


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Die Quellen von Jehan de Noatradamus. 


19 


Der unbekannte provenzalische Dichter, der die Nachricht 
adzeichnete und aus dem sie S. Cezari gezogen, ist kein an¬ 
derer als Uc de S. Circ, dessen Namen N. hier absichtlich 
unterdrückte, um die gefährliche Aehnlichkeit mit dem gleich 
darauf genannten Hugues de S. Cezari zu vermeiden. 

Wenn sich somit die drei Hauptquellen von Nostradamus 
als Erdichtungen erweisen, so werden wir nicht anstehen, die 
nebenbei genannten ebenfalls als solche zu betrachten, zumal 
da sie in einigem Zusammenhänge mit jenen stehen. Der 
unter Nr. 2 aufgeführte anonyme Genosse des Mönchs des 
Isles d’Or ist der in dessen Biographie erwähnte, mit dem er 
sich in die 'Eremitage zurückzog. Dom Hermentere wird eben¬ 
falls in derselben Biographie genannt; das gleiche* gilt von 
Dom Hillaire, dessen auch in der Biographie des Mönchs 
von Montmajour gedacht wird. Rostang de Brignolle kommt 
in dem Leben von Hugues de S. Cezari vor und kann recht 
wohl Heiligenleben geschrieben haben, aber wenig glaublich 
ist, dass er auch provenzalische Dichterbiographien in Versen 
verfasst habe. Peyre de Soliers endlich wird als Dichter in 
dem fabelhaften Leben von Laurette (S. 218) genannt. 

IV. 

Werden somit die von Nostradamus angeführten Quellen 
als nicht authentisch zu betrachten sein, so folgt daraus noch 
nicht, dass seine Nachrichten ganz ohne Werth sind, dass er 
nicht Quellen benutzt habe, die wir nicht mehr besitzen. 
Diese Quellen sind solche, die er nicht mit Namen nennt. Er 
hatte Liederhandschriften vor sich, die zugleich Biographien 
enthielten. Das sagt er selbst in der Vorrede und der Ein¬ 
blick in sein Buch bestätigt es. An den uns erhaltenen 
Quellen können wir die Treue seiner Angaben prüfen und 
daraus einen Schluss machen auf das, was wir nicht mehr 
haben, was ihm vielleicht vorlag. 

Wir beginnen mit denjenigen Dichtern, von denen uns 
Biographien und Lieder oder auch nur Lieder erhalten sind, 
und ziehen gleich die von N. citierten Lieder derselben mit 
in Betracht Dann lassen wir die Dichter folgen, von denen 

2 * 


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20 


BxfeTscä 


keine Lieder bekannt sind, und endlich betrachten wir die 
Werke, welche N. den Dichtern sonst noch beilegt; diese zu¬ 
sammen, weil sich ergibt, dass sie alle unter bestimmte Ge¬ 
sichtspunkte fallen. 

1. Jaufre Rudel. Die provenzalische Biographie, die von 
den hier in Betracht kommenden Hss. sich in ABIK findet, 
ist benutzt. Nur ist der Name Blaja in Blieux entstellt, um 
den Dichter in die Provence zu versetzen*). Die zunächst 
folgenden biographischen Daten bei N. entsprechen weder der 
provenzalischen Lebensnachricht noch der Geschichte. Danach 
soll er sich lange bei Agoult von Sault aufgehalten und Graf 
Gottfried, der Sohn Heinrichs II, bei einem Besuche bei 
Agoult so grosses Gefallen an ihm gefunden haben, dass er 
ihn in seinen Dienst nahm und lange bei sich behielt. Hier 
wird ausserdem Jaufre Rudel in Verhältnissen geschildert, die 
der Wirklichkeit nicht entsprechen. Die Erzählung seiner 
Liebe zu der Gräfin von Tripolis beruht zunächst wieder auf 
der Biographie, wie man aus der Uebereinstimmung sieht: 


et enamoret se de la comtessa 
de Tripol ses vezer per lo gran ben 
e per la gran cortesia qu’el auzi 
dir de lieis als pelegrins que ven- 
gron d’Antiochia. e fetz de lieis 
mains bons vers 

e mes se en mar. • 

et adoncs en la nau lo pres 
mout grans malautia, si que cill 
que eron ab lui cuideron que el 
fos mortz en la nau; mas tan feron 
qu’il lo conduisseron a Tripol en 
tm cdberc com per mort. e fo faitz 
a saber a la comtessa e venc ad el 
dl sieu Ueich, e pres lo entre sos 
bratz. et el saup qu’ella era la 
comtessa. 


23. ayant oui parier des vertus 
de la comtesse de Tryppoly et de 
sa doctrine par quelques pelenns 
qui venoyent de la terre saincte 
en devint amoureux, ä la louange 
de la quelle feist de fort belles 
chansons. 

24. se meist sur mer. 

durant son voyage fut saisi de 
griefve maladie tellement que ceux 
de la nef cuydans qu’il fut mort 
le vouloyent getter en mer . Et en 
cest estat fut conduit aut port de 
Tryppoly, et la arrivß son com- 
pagnon feist entendre & la comtesse 
la venue du pelerin malade: la 
comtesse estant venue en la nef, 
print le poöte par la main, et luy 
sachant que c’estoit la comtesse, 
incontinent apres le doulx et gra- 


*) Vgl. Meyer a. a. 0. 134. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


21 


deux. acueil recouvra ses esprits, 
la remercia de ce que eile luyavoit 
recouvr6 la vie et luy dict.Tres il- 
lustre et vertueuse prineesse, je ne 
plaindray point la mort ores que 
— Et ne pouvant achever son pro- 
pos, sa maladie s’aygrissant etaug- 
mentant rendit Tesprit entre les 
mains de la comtesse, qui le fist 
metre en riche et honorable sepul- 
ture de porphire, et luy feist en - 
graver quelques vers en langue 
aräbesque, que fut en Van 1562 
(l. 1162), au quet temps il 
florissoü. 

Das cursiv gedruckte bezeichnet Abweichungen, meist 
Zusatze und Ausschmückungen von N. Sie machen uns sein 
Verfahren anschaulich; eine andere Quelle als die prov. Bio¬ 
graphie hatte er für diesen Punkt der Erzählung nicht; was 
er also ändert oder zusetzt, ist seine Erfindung. Die Jahres¬ 
zahl 1162 (denn so bessert mit Recht Crescimbeni, da N. die 
Dichter chronologisch ordnet) fand sich nicht in der Quelle, 
wie die Biographien überhaupt keine Jahreszahlen enthalten; 
aber sie kann richtig sein und N. sie aus historischen Quellen 
entnommen haben; sie stimmt durchaus mit der Chronologie 
des Dichters. Die weiteren Zusätze tragen wieder den Stempel 
des Unwahren. Sein Begleiter wird Bertram von Alamannon 
genannt, Canonicus von Sylvecane, der der Gräfin die Lieder 
des verstorbenen Dichters schenkte, die sie prachtvoll ab- 
sclireiben liess. Man sagt, fügt er hinzu, der Graf von Tri¬ 
polis, mit dem sie verheirathet war, sei Ursache des Verlustes 
von Jerusalem an Saladin gewesen. Dass die Gräfin krank 
wurde und bald darauf starb, hat N. aus der Biographie nicht 
aofgenommen. 

N. bezieht sich auf eins seiner Lieder, in welchem er 
seiner fernen Liebe gedenke; er führt 16 Verse daraus an, 
es ist das bekannte Lanquan li jorn son lonc en mai (Mahn 1, 
65. Gedichte 143). Es sind die Anfänge von vier Strophen 
in anderer Reihenfolge als in den Hss. und mit zum Theil 
abweichendem Texte. Ich will nur die vier ersten hersetzen: 


si recobret le vezer l’auzir el 
flairar, e lauzet dien el grazi que- 
ill avia lavida sostenguda tro qufd 
Vages vista. 


et en aissi el moric entrels bratz 
de la comtessa, et ella lo fetz hon- 
radamen sepellir en la maison dd 
temple de Tripol. 


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22 


Babtsch 


Irat et dolent m’en partray 
s’yeu non yey est’ amour de luench. 
e non say quouras la yeyray, 
car son trop nostras terras luench. 

Varianten: 1 dolent] marritz M, gauzens AB. 2 qan 
ueirai cest AB, sien ia la vei MB. sest C. 3 mas non 
ABtMR, nom C. quoras mais C. lam B. 4 trop son ABMR y 
tan C. 

Sodann erwähnt N. unter Berufung auf den Mönch des 
Isles d'Or einen Dialog zwischen Gerard und Peyronet, in 
welchem auf Rudels Geschichte Bezug genommen wird. Diese 
Tenzone, die sich in ADTf findet, ist nach A in Herrigs Ar¬ 
chiv 34, 186 und nach f bei Meyer 71 f. gedruckt. Meyer 
hat nachgewiesen (S. 67 ff.), dass N. hier den Text von f be¬ 
nutzt hat. Er spielt auf folgende Strophe an: 

En Peironet, totz hom d’onrat lig- Tont homme de bon jugement 
natge cognoit bien que le coeur a 

conois qel pieitz chausetz de la seigneurie sur les yeulx, 
partia 

qe tuich sabon qel cors a seig- 
noratge 

sobre los huoills, et auzatz en 
cal guia; 

c’amors dels huoills noi vai sil et que les yeulx ne servent rien 
cors nol sen, en amour s si le coeur ne le sent, 
e ses los huoills pot lo cors franch- et sans les yeulx le coeur peult 
amen franchement aymer la chose qu’il 

amar cellui q’anc non vic a presen, n’a jamais veue, ainsi que feist 
si cum Jaufres Rudels fetz de Jaufre Rudel de Savoye, 
s’amia. 

wo de s’amia in de Savoye entstellt ist. Auch die andere Be¬ 
ziehung, die N. erwähnt, auf Andrieus findet sich in der 
Tenzone: er heisst hier Andrivet. Die Entscheidung wurde, 
fährt N. fort, dem Liebeshofe von Pierrefeu und Signe über¬ 
tragen, und die Damen, aus denen er zusammengesetzt war, 
nennt N. mit Namen; allein das ist offenbarer Zusatz, wie alles, 
was sich auf die Liebeshofe bezieht*). 

2. Peyre de Vemegue S. 31: der Name ist entstellt aus 

*) Vgl. Meyer S. 68 ff. 


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Die Quellen von Jelian de Nostradamus. 23 

Feiroh den viele Hss. wegen seiner Herkunft Feirol d’Alvemge 
nennen. N. macht den Dichter zu einem Herrn des Ortes 
Vemegue , durch Missverstehen des Anfangs der Biographie*) 


(Mahn 12): 

Peirols si fo uns paubres cava- 
liers d’Alvernge d’un castel que a 
nom Peirols, q’es en la terra del 
Dalfin al pe de Rocafort efo cortes 
hom et avinens de la persona, el 
dalfins d’Alvernge sil vestia el te- 
nia ab se eil dava cavals et armas. 

el dalfis avia una seror que 
avia nom Saill de Claustra, bela 
e bona e molt prezada, 
et era moiller den Berant de Mer- 
cuer d’un gran baron d’Alvernge. 
en Peirols sil amava per amor, el 
dalfins 

si la pregava per lui, e s’alegrava 
mout de las chansons qu’en Peirols 
fazia de la seror e mout las fazia 
plazer a la seror, entant que la 
dompna li fazia plazer d’amor a 
saubuda del dalfin. 


Peyre del Vernegue, ohevalier 
seigneur du dict lieu, 
fu homme courtois et gracieux ct 
beau et avenant de sa personne, le 
Dauphin d’Aulvergne luy portoit 
de grandes faveurs, au servioe du 
quel il estoit, qui hiy fomist de 
chevaux et d’armes. 

II avoit une soeur qui se 
nommoit Nasal**) de Claustre, 
qu’estoit une fort belle et vertu- 
euse dame, femme de Beral de 
Mercuir grand baron d’Auvergne, 
de la quelle Pierre en devint amou- 
reux. son frere le daulphin por¬ 
toit teile et si aveuglee affection 
ä Pierre (par ce qu’il estoit un 
souverain poöte en rithme pro- 
vensale) que luy meisnies incitoit 
sa soeur d’aymer et caresser le 
po£te, joinct qu’il feist un present 
a la princesse de quelques chan¬ 
sons qu’il avoit faictes ä sa lou- 
ange, tellement qu’elle fust con¬ 
trainte totalement oblier l’amour 
de son mari, pour aymer le poöte. 


Nach der Biographie wird der Dauphin eifersüchtig und 
entzieht dem Dichter seine Gunst, nach N. ist es Beraut, wor¬ 
auf sie, es bemerkend, den Dichter verabschiedet und ihm keine 
Waffen, Pferde und Kleider mehr gibt. Das nächste stimmt 
wieder; die Schlussworte der Biographie e pres moitler a ]}fon- 
peslier ei definet, die in ABa fehlen, hat auch N. nicht vor sich 
gehabt. Er berichtet dafür anderes unglaubliches: er kehrte 
von seinen Wanderungen an den Höfen nach Provence zurück 


*) Dieselbe steht in ABlKa. 

**) Die Hs., welche N. vor sich hatte, las also Na Sail. 


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24 


Babtsch 


und starb dort. Die Gräfin liess ihn in einem Grabmal bei 
dem Mausoleum von Vemegue bestatten, dessen Spuren noch 
heute sichtbar sind. Hugues von S. Cezari sagt, er habe es 
noch unzerstort gesehen. Seine Lebenszeit setzt N. um 1178, 
in die Zeit von Alfons II von Aragonien, was zu früh ist. 
Alle Abweichungen von der Biographie sind auch hier aus 
der Luft gegriffen und Erdichtungen. 

3. Elyas de Barjols (S. 33). Die Biographie, die sich in 
IK findet (Mahn 67) ist benutzt; aus ihr ist entnommen die 
Bemerkung e cantet meils de negun hotne que fos en aquetta 
samt = chantant fort bien , und der Name seiner Dame Oarsene 
= Carsenda , die aber hier Tochter des Grafen Guillaume de 
Forcalquier, Gemahlin von Raynez de Claustral, Fürsten von 
Marseille, genannt wird, während sie nach der Biographie, die 
mit der Geschichte übereinstinimt, Gemahlin Alfons II von 
Provence war. So ist auch die Lebenszeit des Dichters falsch 
unter Raimon Berengar um 1150 und sein Tod ins Jahr 1180 
gesetzt. Auf ein uns bekanntes Lied nimmt N. Bezug und 
citiert davon die beiden ersten Zeilen 

Car compliey (L compriey) vostras beaut&s 
e vostras plazens fassons, 

welches in vielen Hss., auch in der von N. benutzten Hs. 
sich findet (gedr. Rayn. 3, 354). Ausser diesem erwähnt N. 
eines zweiten Liedes, das den Sieg des Grafen von Provence 
über das Haus Baux feierte. In der That führte Raimon 
Berengar mit Raimon von Baux, dessen Gemahlin Etiennette 
die Tochter Gilberts von Provence war, längeren Krieg, der 
nach dem Tode des Vaters von Hugo de Baux fortgesetzt 
wurde. Das Lied, welches N. vorlag, kann aber unmöglich 
Elias zum Verfasser haben, da dieser erst am Anfang des 
13. Jahrhunderts dichtete. Gleichwohl ist die Existenz eines 
solchen Liedes nicht zu bestreiten: wie wir aus der Art und 
Weise entnehmen können, wie N. seinen Dichtem Tractate 
beilegt Nach ihm hat Elias einen Tractat la guerra dels Baus - 
sencs geschrieben; dies erfand aber N. erst auf Grund eines 
ihm vorliegenden Sirventes über diesen Gegenstand, wie wir 
bei der Betrachtung der beigelegten Schriften an vielen Bei¬ 
spielen sehen werden. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


25 


4. Gruühem de Agoult (S. 35) ist kein anderer als GruiUem 
Montagnagout , dessen Biographie ich aus der allein sie ent. 
haltenden Hs. a (Riccard. 2814) im Jahrbuch für romanische 
Literatur 11, 19 mitgetheilt habe. Zu einem Herrn von Agoult 
hat ihn N. wieder absichtlich gemacht, um ihn an eine proven- 
zalische Familie anzuknüpfen.*) 

Guillem de Montanghaguout si Guilhem d Agoult estoit gentil- 
fo uns cavallers de Proenza, e fon homme, sieur d’Agoult. fut en son 
bon trobador e grant amador. e temps bon poöfce en rithme pro- 
entendife se e ma dona Jauseranda vensale... fut amoureux de Jaus- 
del castel de Lunel. serande du Lunel, fille (ainsi qu’au- 

cungs ont escript) de Galserand ou 
Jausserant prince de Frette, et de 
Gaulcier qu’estoit une des plus ex- 
cellentes dames etc. 

Die Genealogie Jausserandens ist ein Zusatz von N. und 
wenig glaublich. Unrichtig ist, dass er seine Lieder an Alfons 
von Aragon gesendet habe, in dessen Diensten er gestanden, 
und dass er im J. 1181 gestorben sei: denn der Dichter lebte 
erst um 1240. Doch kann auch hier etwas wahres zu Grunde 
liegen, was N. falsch deutete: der König von Aragon, an den 
der Dichter sich wendet (Mahn, Ged. 546) ist vielmehr Jafcob I. 
N. gibt Auszüge aus einem Liede des Dichters. Ce poete, 
sagt er S. 35 fg., avoit Tamour en teile recommandation, qu’en 
ses chansons se plaignant que de son temps Ton n’aymoit point 
ainsi qu'on devroit, dict que 

Nuills hom no val ni deu esser nul ne doibt estre prise 

prezatz s’il n’a l’honneur en singuliere 

si tant qant pot en valor no s’en- recommandation devant ses yeux. 

ten . .. car le vray amour faitvivre l’homme 

car amors fai.. en joye et luy tollist toute tristesse 

.. viure home adrechamen de coeur. 

e dona joi e toi toe marrimen. 

(Archiv 34, 206). Ebenso ist die zweite und fünfte Strophe 
ausgezogen. Das Lied findet sich in vielen Handschriften, 
unter andern auch in f. 

5. Guilhem de Sainct Desdier (S. 38). Nur die kürzere 
Biographie, die in ABIK'steht, nicht die ausführlichere, die 

*) VgL Meyer in den Additions et Corrections S. 206. 


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26 


BAUTSCH 


mit dem Absatz Dtg vos ai beginnt, hat N. benutzt. Die Les¬ 
art de Noaülae entspricht nicht dem Vellay bei N., der viel¬ 
mehr wie AB Vellaic Veülac vor sich gehabt haben muss. 
Der Anfang bei Nostradamus ist wörtliche Uebersetzung des 
provenzalischen Textes bis zu den Worten d’en GuiUem e de 
la marquesa. Dass alle drei sich Bertran nannten, erwähnt 
N. nicht. Am Schlüsse der kürzeren Biographie ist auf die 
längere Erzählung hingewiesen, die also auch diesem Bearbeiter 
vorlag, die er aber in der Absicht nur das wesentliche mitzu- 
theilen wegliess. N. lag sie nicht vor, er ergänzte daher das 
folgende aus eigner Erfindung. Er lässt Hugues Mareschal 
gegen Guillaume intriguieren, um seine Stelle bei der Marquise 
einzunehmen; allein diese, ihn durchschauend, schickt ihn 
irgendwohin, um die Zölle einzunehmen, und dort wurde er, 
on ne scait pour quoy , von den Landleuten ermordet. Guilhem 
soll dem König Alfons (II) von Aragonien gedient haben und 
um 1185 gestorben sein. Das trifft im ganzen zu, am Ende 
des 12. Jahrhunderts lebte der Dichter, aber die Jahreszahl 
ist erfunden. Eines Königs von Aragon gedenkt preisend eines 
seiner Lieder, das aber nur C enthält und ihm mit Unrecht 
beilegt; es ist darunter Jacob I zu verstehen. Weiter berich¬ 
tet N., er habe der Marquise einen Traum ausgelegt und alles, 
was ihnen beiden durch den Verrath seines Genossen zustossen 
würde, vorausgesagt; auch habe er ihr nach den gelehrtesten 
Philosophen Belehrung über die Bedeutung der Träume er- 
theilt, dass man, um wahre Träume zu haben, nüchtern leben 
müsse. Das alles ist wieder Erdichtung, in der sich die ge¬ 
lehrte Richtung von N. und seinem Bruder Michel kundgibt; 
zum Theil ist es durch Missverständniss und Entstellung der 
Schlussworte der Biographie zu erklären: 
mas an Guillem de S. Didier 

tomet en gran tristessa, qeil dui ce qu’aviendroit ä tous deux 
Bertran feiron gran fellonia de lui par Yerwie et trahison de son com- 
e gran vümia. 9 pagnon. 

6. Amaud Daniel (S. 41). Wiederum ist die kürzere Bio¬ 
graphie benutzt, die sich in ABIKa findet. Weggelassen ist 
die nähere Bestimmung der Heimat des Dichters; weiter hinten 
(S. 43) bemerkt N., nach einigen stammte er aus Tarascon, 


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Die Quelleu von Jehau de NoßtraUamus. 


27 


nach andern aus Beaucaire, nach andern wieder aus Montpellier. 
Dass er auch lateinisch. dichtete, davon steht nichts in der 
Biographie; ebensowenig dass er eine Edelfrau der Provence 
liebte und ihr zu Ehren Sextinen, Sons, Chansons, Syrventes 
dichtete, sie aber nie, auch nicht versteckt nannte. Der Grund 
dieser Erfindung wird gleich klar werden. Seine Liebe zu der 
Gemahlin Guillems von Bouvila wird erwähnt; N. fügt hinzu, 
er habe sie mit Verstecknamen Cybeme genannt. Dies ist 
ein offenbares Missverständnis der Worte Amauts, die in der 
Biographie erwähnt werden: 

eu sui Amautz qu’amas l’aura qu’il est Arnaud qu’embrasse 

e caz lo lebr’ al lo bou l’Aure, chassant le lievre avec im 

e nadi contra subema. beuf boiteux. 

Nach dem Mönch des Isles d'Or liebte er eine Dame 
ifOngle , eine Edelfrau aus der Provence, namens Allaette, 
welche er versteckt Cybeme nannte, und in Anspielung auf 
ihren Namen dichtete er eine Sextine, in deren Schlussstrophe 
er aber doch ihren Namen verräth. Auch das ist wieder ein 
Missverständnis: N. lag die Sextine Lo ferm voler qu’el cor 
m’intra (Chrestom. 134, 7) vor, auf deren erste Verse er sich 
offenbar bezieht, wenn er sagt: en la quelle il dit 

Lo ferm voler qu’el cor m’intra que pour le vouloir ferme, qu’il 

nom pot ges becs escoissendre ni a envers sa dame, le bec ne l’ongle 
* ongla du lauzengier ne luy peuvent nuire. 

de lauzengier. 

Das Geleit aber beginnt: 

Amautz tramet son chantar d’oncl’e d’ongla, 

und daraus hat N. den Namen der Dame gemacht; das ist 
jene Dame der Provence, welche N. schon vorher erwähnt 
hatte, deren Namen er nirgend genannt: er widerspricht sich 
oder lasst sich m Widerspruch mit seiner vermeintlichen Quelle 
gerathen, wenn er hier sagt, Amant habe sie Cybeme genannt, 
was nach der früheren Angabe sich auf die Gattin Guillems 
v. Bouvila bezieht. Also diese Allaette d'Ongle ist eine Phan¬ 
tasie ebenso wie der Name Cybeme. N. setzt den Dichter in 
die Zeit von Alfons I (vielmehr II) von Aragon; das ist richtig, 
ebenso die weitere Bemerkung, dass Alfons mit Boniface von 


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28 


Babtsch 


Castellane, der ihn nicht als Herrn der Provence anerkennen 
wollte, Krieg geführt habe. Gegen Bonifaz soll Amaut 1189, 
wo der Krieg endete, ein Lied gedichtet haben; das ist auf¬ 
fallend, da wir gar kein Sirventes von dem Dichter kennen, 
und wohl erfunden. 

N. nimmt auf mehrere Lieder des Dichters Bezug: ausser 
der Sextine, die von den hier in Betracht kommenden Hand¬ 
schriften in ABIKa sich findet, bezieht er sich auf das Lied 
En est sonet coind’e leri (Mahn 2, 73), aus welchem das Geleit 
in der provenzalischen Biographie mitgetheilt ist. 

6. mil messas n’aug en proferi qu’il oit mille messes le jour, 

.. que dieus me don bon acert de priant dieu de pouvoir acquerir 
lieis. sa grace. 

5. Strophe, die aber in andern Hs, wie in ABa der eben 
citierten, wie bei N., nachfolgt: 

No volh de Roma l’emperi .. qu’il ne quiert point l’empire 
e sil maltrag nom restaura ab un de Rome, mais seulement qu’elle 
baisar.*) le restaure d’un seul baiser. 

Eine weitere Erwähnung qu’il est droict et raison qu 9 ü 
chante ffamour, puis qu’il a souspire si long temps wird sich 
auf die Canzone Dreitz e razos es qu’eu chant em demori (Mahn 
Gedichte 109. 437), beziehen, welche allerdings Guillem v. 
S. Gregori gehört, die aber vielleicht in uns nicht erhaltenen 
Quellen Amaut zugeschrieben war, und unter diesem Namen 
wird schon Petrarca sie gefunden haben, der in der Canzone 
Lassome (Canz. VH) jede Strophe mit dem Verse eines be¬ 
rühmten Dichters schliesst, die erste mit dem citierten proven¬ 
zalischen Verse. Alle Erklärer Petrarcas stimmen darin über¬ 
ein, dass die Canzone von Amaut sei (Crescimbeni S. 25); 
einen so wenig bekannten Dichter wie Guillem de S. Gregori 
würde Petrarca der Ehre nicht würdig erachtet haben. 

Das letzte Citat geht auf das auch in f stehende Lied 
Sim fos amors (Mahn, Gedichte 95): en une autre qu’M a fait 
contre les mesdisans lauzengiers , en la quelle 


*) So lesen die besten Handschriften, in dem Texte bei Mahn stehen 
die letzten beiden Verse in einer andern Strophe und weichen ab. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


29 


6. fals lauzengier .. cofondaus il prie dieu qn’il les confonde, 
dieus .. qeus faitz als drutz mal tant de maux font aux amoureux 
dir e vil tener .. que pejor etz qni de parier contre la verit6, encor 
plus vos amonesta. font il pis quand on les admoneste. 

7. Gutthem Adhemar (S. 45). Die uns erhaltene Biographie, 
die allerdings sehr kurz ist (Mahn 12), ist nicht benutzt. Die 
bei N. gegebenen Daten machen alle den Eindruck des Er¬ 
fundenen. Unrichtig ist dass er von Friedrich I geschätzt 
worden sei, denn er lebte und dichtete nicht früher als um 
1200. Auch der Ausdruck on estime qu'il fut fils de Gerard 
auquel Frederic empereur avoit enfeode la place de Grignan 
klingt sehr unsicher. Er verliebte sich in eine Edeldame der 
Provence, deren Namen man in seinen Liedern nirgend findet; 
nach dem Mönch des Isles d'Or war es die Gräfin von Die, 
eine der Präsidentinnen des Liebeshofes von Pierrefeu und 
Signe, die aber H. de S. Cezari hier nicht nennt. Alles dies ist 
offenbare Erdichtung. Auch die Berufung auf eine Canzone, in 
der er gesagt haben soll, wenn er so weise wäre wie .Virgil 
oder Homer, würde er ein grosses Buch vom Lobe seiper Dame 
schreiben, ist unwahr und dem Stile der Troubadourslieder 
nicht entsprechend. Homer und Virgil neben einander nennt 
allerdings Amaut von Maroill (Mahn 1, 176), aber dieser 
Dichter zeigt auch sonst mannichfache Kenntnisse in der 
Literatur, wie sie bei Guilhem Adhemar sich nicht finden. 

8. La comtesse de Die (S. 47), die Geliebte des eben er¬ 
wähnten G. Adhemar, den sie in mehreren Liedern besang. 
Er trug ihre Lieder immer bei sich und wenn er in Gesell¬ 
schaft von Rittern und Damen war, sang er ihre Strophen. 
Als er horte, dass sie sich mit dem Grafen von Embrunois 
vermählen werde, wurde er krank und halb verrückt; sie gieng 
mit ihrer Mutter zu ihm, er ergriff ihre Hand, küsste sie und 
gab seinen Geist auf. Die junge Gräfin wurde Nonne in S. 
Honnore in Tarascon und starb noch in demselben Jahre (1193); 
ihre Mutter liess Adhemar in einem prächtigen Mausoleum be¬ 
graben, an welchem seine Thaten eingehauen waren und das 
mit ägyptischen Hieroglyphen geziert war. Diese ganze romanti¬ 
sche Geschichte ist erfunden und offenbar der Erzählung von 
Jaufre Rudel nachgebildet, welche in der von N. ausgelassenen 


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30 


Bartsch 


Schlussnotiz auch den Uebertritt der Dame ins Kloster berichtet. 
Die kurze Biographie, die wir von der Gräfin besitzen, kannte 
entweder N. nicht oder er zog vor, an Stelle der wenigen 
Daten ebenso wie bei Adhemar lieber etwas ganz erfundenes 
zu setzen. Man könnte nun allerdings annehmen, es habe 
eine spätere Gräfin von Die auch gedichtet und derartige 
Abenteuer erlebt; aber N. lagen die Lieder der Gräfin Beatrix 
vor, die wir besitzen; er bezieht sich auf das eine (Mahn 1, 87), 
das unter ihrem Namen in ABDHIKa steht: 


Domna que en bon pretz s’enten, 
deu ben pausar s’entendensa 
en un pro cavallier valen. 

Qu’ieu n’ai chauzit un pro e gen, 
per cui pretz meillur’e gensa, 
larc et adreg e conoissen. 


une Dame avant que mettre son 
amour et son coeur 4 un Chevalier, 
se doit bien adviser: ear eile en a 
choisi un entre mil, qui est preux, 
vaillant et adroict aux armes. 


9. Bemond Jourdan (S. 50). Die provenzalische Biogra¬ 
phie hat N. benutzt. Der Dichter wird in die Zeit von Rai- 
mon Berengar (IV), dem Sohne von Alfons II von Aragon 
(1209—J245) gesetzt; was mit den Thatsachen stimmt. Er 
liebte eine Edeldame der Provence, die abweichend von der 
Biographie Mabille de Ries genannt wird: in der provenzali- 
schen Lebensnachricht (Mahn 16) heisst sie Gemahlin des 
Herrn von Pena oder Vizgräfin von Pena in Albiges; vielleicht 
ist aus letzterem Namen Mabile entstanden. Von dieser Ab¬ 
weichung abgesehen, die eine absichtliche Aenderung von N. 
ist, trifft er darin mit der Biographie überein, dass er von der 
todtlichen Verwundung des Dichters berichtet (nur bezeichnet er 
willkürlich den Krieg als den gegen den Grafen Raimund von 
Toulouse geführten): als Folge von dem Gerüchte seines Todes 
gibt die Biographie an, dass die Dame ins Kloster gieng; nach 
N. starb sie und der Vizgraf liess ihr eine Colossalstatue von 
Marmor in der. Kirche des Klosters Montmajour errichten, in 
welchem er Mönch wurde, ohne je wieder zu dichten. Auch 
das ist offenbar erfunden: dafür warf er den Schluss der Bio¬ 
graphie, das Liebesverhältnis mit Elis von Montfort, bei Seite. 
Die Jahreszahl seines Todes (1266) ist wiederum willkürlich. 

10. Fotüquet de Marseille. (S. 53). Die kürzere Biographie, 
die ABIKa enthalten, benutzte N. treu und übersetzte sie 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


31 


beinahe nur. Die Worte e mes se a servir als valens homes bis 
r enir, die in AB fehlen, hat N. vor sich gehabt. Ein unbe¬ 
deutender Zusatz mit einem unsichern ainsi qu’on dit sind die 
Worte fl avoit monstre la fa£on de rithmer aux poetes de son 
temps. Zu Torondet, wo Folquet Abt wurde, fügt N. die 
nähere Bestimmung pres du Luc hinzu, ohne dass er sie des¬ 
wegen in seiner Quelle zu finden brauchte. 

11. Gudhem de Cabestan (S. 56). Der Anfang der Bio¬ 
graphie bei N. ist zu dem Zwecke erfunden, um den Dichter 
zu einem Provenzalen zu machen: danach soll er nur in 
seiner Jugend bei einem Edelmann von Cabestan in Dienst 
gewesen und daher den Namen angenommen haben, eigentlich 
aber sei er aus der alten Familie von Servifcres in Provence 
gewesen. Er verliebte sich in Berenguiere de Baux und dichtete 
zu ihrem Lobe; sie gab ihm, um ihn ewig an sich zu fesseln, 
auf Rath eines alten Zauberweibes ein Kraut zu essen, wovon 
sein Gesicht ganz runzlig wurde und woran er gestorben 
wäre, wenn nicht ein Arzt ihm ein Gegengift gegeben hätte. 
Alles dies ist erfunden, in letzterem Berichte blickt wieder der 
gelehrte Zug durch. Nun folgt die bekannte Liebesgeschichte 
mit der Dame von Rossilion, die hier aber mit erfundenem 
Namen Tricline Carbonette (provenzalisch Sermonda) und Ge¬ 
mahlin Remonds de Seilhans (provenzalisch Raimon de Castel- 
Rossillo) heisst, um die Geschichte in die Provence hinüber- 
zuspielen. Hierbei citiert N. das Geleit {Ja coupple finalle ) 
des Liedes Li dous consire (Chrestom. 72, 28—30) in einem 
Texte, der am meisten mit AB stimmt. Auch der weitere 
Verlauf der Erzählung trifft mit der Biographie in AB (Mahn 8) 
mehr zusammen als mit dem Texte Raynouards (Mahn 1, 104); 
abweichend ist nur der Schluss, dass die Dame sich mit einem 
Messer todtete, das sie unter dem Kleide verborgen gehalten, 
was wenig wahrscheinlich ist. Der Rest der Biographie fehlt 
bei N. 

12. JRemond de Mirevaux (S. 59). Die kürzere proven- 
zalische Lebensnachricht (Mahn 3) ist auch hier allein benutzt: 
den Satz mos per lo sieu tröbar e per lo sieu dire y der erst in 
$i fo mout honratz sein Verbum erhält, ist von N. nach Gut¬ 
dünken ergänzt; mais par le moyen de sa belle et riehe poesie 


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Babtsch 


il l’augmenta de beaucoup et chanta si bien que finalement il 
l'acquist entierement, was gar keinen logischen Zusammenhang 
hat. Die kürzere Biographie (ABIKa) schliesst mit dem Satze 
e non fo cremt qez el eignes mais ben de neguna, statt e hat a 
mas, und damit trifft am meisten N. zusammen: mais Von ria 
jamais eu opinion . Ausserdem benutzte N. eine Tenzone zwi¬ 
schen Raimon und Bertran Folco von Avignon, die Archiv 
34, 188, M. Ged. 1086, 1087 gedruckt ist und sich in ADIKL 
findet, in A aber unter der irrigen Bezeichnung Raimon de 
las Salas. N. gibt als den Gegner Miravals Bertrand de Atta- 
manon an, und er mag diesen Namen in seiner Quelle ge¬ 
funden haben. Er hat nur das Lob der Provenzalen, das 
Raimon vertritt, ausgezogen, aber eine Beziehung hinein ver¬ 
flochten (auf das trojanische Pferd), von der das Original nichts 
weiss. Ebenso ist seine Zuthat, dass der Streit dem Liebeshofe 
in Pierrefeu und Signe vorgelegt wurde, der sich für die 
Provenzalen entschied. 

23. Ancelme Faydit (S. 62) d. h. Gaucelm Faidit ; der 
Vorname Ancdm könnte sich in N. Quelle (aber nicht in a) 
gefunden haben, a hat Gancelins . Die kürzere Biographie 
(ABIKa) hat N. benutzt, mit manchen kleinen Zusätzen seiner 
Erfindung, so gleich am Anfang die Notiz d f un bourgeois qtti 
conduisoit les affaires de la legation cVAvignon. Die Abstammung 
aus Limousin wird weggelassen, um ihn zu einem Provenzalen 
zu machen, und zu diesem Zwecke ist jene Notiz erfunden. 
Während die Biographie sagt, G. habe schlechter als ein 
Mensch auf der Welt gesungen, berichtet N. das Gegentheil; 
vermuthlich glaubte er hier bessern zu müssen, weil er den 
Sinn von „singen“ nicht verstand. Die Ausdrücke bons motu 
e bons sons , die N. braucht, kommen in diesem Zusammen¬ 
hänge wirklich in ABa vor. Ein abenteuerlicher Zusatz, der 
auf der unrichtigen Deutung von joglar = comiqtie beruht, ist, 
dass G. Comödien und Tragödien geschrieben, die er verkaufte 
und in Scene setzte. Seine Frau, das Spielweib Guilhelma 
Monja , macht N. zu einer provenzalischen Edeldame Guühau- 
mone de Soliers , und wegen des Beisatzes Monja erfindet er, 
dass er sie aus einem Kloster entführt habe. Dass sie ge¬ 
storben, setzt N. eigenmächtig hinzu. Mit den Worten (S. 63) 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


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et si mist en prix ses beites et ingenieuses inventions = lo mes 
en aver et en raubas et en gran pretz lui e sas chanssons, 
h5rt die Biographie, mithin auch deren Benutzung auf. Weiter 
erzählt N. von Gaucelms Aufenthalte bei Agoult von Sault: 
dies entnahm er aus den Liedern, in denen Agout sehr oft 
genannt wird. Bei ihm soll er 1220 gestorben sein, was etwa 
mit den Thatsachen stimmt. Endlich erwähnt er des Klageliedes 
auf den Tod Richards I, das uns in vielen Hss., auch in ABIKa, 
erhalten ist (Mahn 2, 92). Weil hier von Richards Freigebig¬ 
keit die Rede ist, hat N., da wo die Biographie von Gaucelms 
geringem Glücke bei den Grossen spricht, eingeschoben: f mit 
Ausnahme Richards von England, in dessen Dienste er bis 
zu seinem Tode blieb 5 ; vgl. m qm faran li Unrat a mattraire, 
cüh qm s’eran en vostre servir mes? Ein zweites Lied, auf das 
N. Bezug nimmt, un chmt contenant la description cFAmmr, 
de son palais , de sa cour et de son estat et pouvoir ist vielmehr 
ein Lied von Guiraut von Calanson (Chrestom. 161, 18), das 
AOa Gaucelm Faidit beilegen. 

14. Arnmd de Meymelh (S. 65). Die kürzere Biographie 
(ABIKa) hat N. benutzt, aber gleich im Anfang sich eine 
Aenderang erlaubt, um den Dichter zu einem Provenzalen zu 
stempeln*): er macht ihn zu einem provenzalischen Edelmann, 
dessen Vater einiges Herrenrecht auf Meyruelh bei Aix hatte, 
und durch Armuth genothigt ward es zu verkaufen. Die Ge¬ 
mahlin des Vizgrafen Taiöefer, die Amant liebte, heisst bei 
N. mit Vornamen Älearde: die Biographie kennt keinen Na¬ 
men, sie heisst Adakma (Diez 120), und daraus wird Alearde 
entstanden sein. Die Beziehung auf die in der Biographie 
citierte Ganzone ist beibehalten: während aber nach der Bio¬ 
graphie diese Canzone ihm Erhörung verschaffte, ist es bei 
N. ein Sonett mit dem Anfang 

Anas vous en prnras rymas dolentas, 
dessen Schlussterzine mitgetheilt wird. Er brachte nach N 
einen hübschen Band Canzonen, Sons, Sonette, Chants, Ten- 
zonen, Sirventes und Mbts zusammen; auch das ist Zusatz, 


*) Ueber andere willkürliche Aenderungen in den üb. Noten 8. 
Meyer 8. 16, Anm. 1. 

Jahrb. f. rom. u. engL Lit. N. F. I. 3 


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BaäTSCH 


die Biographie hat nur fetz maintas bonos chansos t auch haben 
wir weder eine Tenzone noch ein Sirventes von ihm. Das 
Todesjahr wird unrichtig um 1220 gesetzt. Jenes Sonett ist, 
wie der erste Blick zeigt, ein Machwerk von N., und wir 
werden dergleichen Fälschungen noch mehrere treffen*): die 
Terzine lautet 

Fäzes auzir vostras kastas pr eg nie ras 
tant doussament qu’a pietat sia moguda 
de s’inclinar a ma justa demanda. 

15. Hugues Brunet (S. 68). Auch hier hat N. die Bio¬ 
graphie (Mahn 28) benutzt Die Ausdrücke joglars und mas 
non fetz sons haben N. wieder zu einer irrigen Deutung und 
Ausschmückung in Hinblick auf die f Scene’ veranlasst: die 
Lieder, die auf der Bühne gesungen wurden, machte er selbst 
und componierte sie und liess sie singen, manchmal liess er 
die Composition auch von einem seiner Begleiter, der sich nur 
mit Singen abgab, machen, denn er selbst hatte keine Stimme. 
Die Dame, der er diente, nennt N. eine .Edelfrau Jullienne de 
Monteilh, nach der Lebensnachricht war sie eine Bürgersfrau 
von Orlhac, namens Galiana. Der weitere Verlauf dieser 
Liebesgeschichte weicht bei N. ab: da ihn die Dame nicht 
erhörte, diente er der Gräfin von Rodes, und der Graf duldete 
es, weil er seine Dichtungen sehr liebte. Als Todesjahr wird 
willkürlich 1223 angegeben. Jene andere Nachricht beruht 
auf einem Missverstehen der Worte e fetz son drut lo conitc 
de Rodes e det comjat an Huc Brunet , wobei N. comjat als 
'Erlaubniss’ gefasst haben wird und als Subject den Grafen 
nahm. Aus den Worten e fetz son drut ist vielleicht auch die 
müssige Erfindung eines Tractats las drudarias (Fatnour ent¬ 
standen. 

16. Bemard de Ventadour (S. 70) ebenfalls mit Benutzung 
der Biographie. Die Abstammung von Ventadom war hier 
nicht wegzubringen, aber N. fügt gleich hinzu, dass bereits 
sein Vater nach der Provence übersiedelte. Seine niedere 
Herkunft von einem Knechte verschweigt N. Bei ihm wird 


*) Andere gefälschte provenzalische Verse von N. finden sich in f.: 
vgl. Meyer S. 131 ff. 


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die Yizgrafin von ihrem Gemahl nicht eingeschlossen, während 
die Lieder die biographische Nachricht bestätigen. An Stelle 
von Heinrich II ist dessen Sohn Richard gesetzt, man weiss 
nicht warum, vermuthlich weil jener zu früh schien. Ein 
Zusatz von N. ist, dass Bernart Johanna, Gräfin von Beaucaire 
geliebt und zu ihrem Lobe unter andern Canzonen eine ge¬ 
dichtet habe, in der er die Nachtigall bittet ihr zu sagen, dass 
er ohne sie das Königreich Tyrus nicht wolle. Diese Johanna 
stammt nicht aus der Biographie, sondern aus einem Liede 
(Mahn 1, 26), in dessen Geleite Johanna d'Est erwähnt wird; 
die willkürliche Vertauschung des Familiennamens befremdet 
bei N. nicht. Das Lied ist übrigens mit grösserem Rechte 
Peire Guillem beizulegen und wird Bernart nur in CE zuge¬ 
schrieben, während in DFIKc jenem Dichter. Das Lied, auf 
das hier N. anspielt, ist vermuthlich das Chrestom. 50, 22 ge¬ 
druckte, worin der Dichter wünscht eine Schwalbe zu sein und 
sagt, er wolle statt seiner Dame nicht Friesland haben. Nach 
dem Tode der Gräfin (in der Biographie nach dem Tode des 
Grafen Raimund v. Toulouse) wurde Bernart Mönch in Mont- 
majour, nach der Biographie in Daion. 

17. Peyre Remond lo Proux (S. 73), den Beinamen fand 
N. in f (lo pros ), ihm correspondiert in der Biographie lo 
vieiUs. Die provenzalische Lebensnachricht scheint N. nicht 
benutzt zu haben; da er aber eine Hs. seiner Lieder hatte, 
die auch Biographien enthielt, so verliert damit die Glaub¬ 
würdigkeit seiner Nachrichten den Boden. N. berichtet, er 
habe an dem Kriege Kaiser Friedrichs gegen die Ungläubigen 
Theil genommen; das würde mit seiner Lebenszeit stimmen. 
Auf dieser Fahrt dichtete er mehrere schöne Lieder, die er 
an Jausserande del Puech, eine Edeldame aus Toulouse, rich¬ 
tete. Auch das ist nicht unglaublich, da wir aus mehreren 
seiner Lieder ersehen, dass er einer Dame in Toulouse diente 
(Diez 115), aber das kann N. aus den Liedern, die ihm Vor¬ 
lagen, gefolgert und den Namen wie so viele andere erfunden 
haben. Ebensowenig Sicherheit bietet die Nachricht des so¬ 
genannten Mönchs des Isles d'Or, dass er nach der Rückkehr 
aus dem Kriege eine Edeldame aus dem Hause Codollet be¬ 
sungen habe. Aus mehreren Liedern führt N. Verse an, so 

3* 


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Babtsch 


vier Zeilen aus dem Liede S’ieii fos aventuratz (Archiv 35, 420. 
Mahn 1, 145), ferner die erste Strophe von Encaras vai re- 
calivan (Mahn 1, 134), welches CDIKRf dem Dichter beilegen. 
Ein drittes beginnt Non es savy ny gayre ben apres, wovon N. 
vier Zeilen anführt, das aber in den uns bekannten Hss. nicht 
unter dem Namen des Dichters überliefert ist, sondern unter 
dem von G. de Borneill in P (Archiv 33, 305), und von Peire 
Yidal (Archiv 33, 410). Auch auf die zweite Strophe bezieht 
er sich: 


Ben ajal temps el jorn el an el mes 
qel dolz cors gais plazentiers gent 
noiritz 

per los meillors desiratz e grazitz 
de leis q’es tant complida de totz bes 
me saup ferir al cor d’un dolz esgar. 


que bien heureux fut le temps 
l’an, le mois et le jour qu’il fut 
fern au coeur des beaux yeux de 
celle qui est tant accomplie en 
beautG et bonnes vertus. 


Aber auch aus einem vierten Liede citiert N. zwei, leider 
nicht mehr Zeilen: sonst würden wir eher über Echtheit oder 
Unechtheit entscheiden können. N. sagt II a fait une fort 
belle chanson du pouvoir d’amour qui se commence ainsi 

Amour, si ton poder es tal, 
ensins que cad’un ho razona. 

En la quelle il descript par une infinite d'histoires tous 
ceux qu'amour a mis sous son pouvoir. Wenn auch die Menge 
von Liebenden verdächtig ist, so geben doch die Verse an sich 
keinen Anlass zum V erdacht, wie das sonst bei den unbekann¬ 
ten von N. citierten Liedern der Fall ist. Wie das eben er¬ 
wähnte Lied N. unter Peire Raimons Liedern vorlag, so konnte 
es auch bei diesem sein. Die zweite Zeile hatte vermuthlich 
nur acht Silben aissi que cascus razona , denn diese Verbindung 
des achtsilbigen jambischen und trochäischen Verses ist in der 
Lyrik der älteren Zeit häufig (Germania 2, 275). Die Ein¬ 
schiebung ungehöriger Worte finden wir auch in den Versen 
von Guillem de Cabestaing u. a. Nach N. starb der Dichter 
um 1225. 

18. Hugues de Smtcyre (S. 76). Da dieses Dichters pro- 
venzalische Biographie schon für den erfundenen Hugues de S. Ce- 
zari benutzt worden war (oben S. 18), so konnte sie hier nicht 
benutzt werden. Daher erfindet N. hier aufs neue: nach ihm 


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liebte der Dichter eine Edelfrau der Provence, Clermonde de 
Qniqueram aus Arles, zu deren Lobe er viele Lieder sang, und 
um seine Liebe zu verbergen, widmete er die Lieder der Gräfin 
Beatrix, Gemahlin von Raimond Berengar von Provence. Letzte¬ 
res entnahm er aus dem von ihm mitgetheilten Geleite der 
Canzone Tres enemics (Mahn 2, 148), von welcher er einen 
Auszug gibt; darin steht aber etwas, was das Original nicht 
hat, nämlich dass das Rauschen der Durensa seine Klagen be¬ 
gleite, entweder ein Missverständniss oder wahrscheinlich 
ebenso ein Zusatz wie das trojanische Pferd (oben S. 32). Die 
Beziehung auf Beatrix, die 1220 sich mit Raimon Berengar 
vermählte, ist richtig. Er starb nach N. um 1225, was zu 
früh angesetzt ist. 

19. Bambaud de Vaehieras (S. 79). Wieder ist die kürzere 
Biographie (ABIKa) benutzt, und beinahe wörtlich übersetzt 
Unrichtig ist die Jahreszahl 1218, wo er zu Bonifaz von Mon- 
ferrat gekommen sein soll. Ueber Beatrix bemerkt N., sie 
habe den Dichter zwar geliebt» aber als kluge Prinzessin, um 
ihrem Rufe nicht zu schaden und ihrem Gemahl keinen Ver¬ 
dacht zu geben, den Dichter verabschiedet, und er darauf das 
bekannte Lied in fünf Sprachen gedichtet, um ihre Veränder¬ 
lichkeit zu zeigen. Es ist nicht nöthig anzunehmen, dass N. 
die längere Erzählung, die sich in P findet, kannte, es ist so¬ 
gar nicht wahrscheinlich, er würde sonst wirkliche Daten 
daraus benutzt haben; er brachte es in Zusammenhang mit 
dem ihm vorliegenden Liede, in dessen Geleite Bels Cmaliers 
angeredet wird. Von dem Liede, das auch in f steht, citiert 
er die Anfangsverse der einzelnen Strophen. Ein Zusatz von 
N. sind die Namen der an dem Kreuzzuge theilnehmenden 
Fürsten und dass Friedrich II, in dessen Gegenwart er ge¬ 
sungen, ihm die Herrschaft von Salonich gegeben, wo er 1218 
starb. Man sieht noch die Benutzung der letzten Worte der 
Biographie, aber ausgeschmückt und falsch bezogen. Von 
Friedrich II ist nirgends bei Rambaut die Rede. 

20. Pons de Brueil (S. 82) ist, wie schon Crescimbeni 
vermuthet hat (S. 61) Pons de Capdueitt , daher ist es auf¬ 
fallend, dass Raynouard 5, S. VII ihn als besonderen Dichter 
aufrührt, während er doch mit Recht Peyre de Vemegue « 


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Babtsch 


Peirol d’Älvergne strich. Der Name de Brolio findet sich 
übrigens bei einem jüngeren Dichter (Joyas del gay saber S. 204). 
Die Benutzung der provenzalischen Lebensnachricht, die in 
ABIKa sich in kürzerer Gestalt findet, erweist die Identität. 
In Betreff seines Vaterlandes citiert N. verschiedene Ansichten: 
Provence und Italien, letzteres vielleicht weil er wie Crescim- 
beni an Campidoglio dachte. Nach dem Mönch des Isles d’Or 
bedeute der Name aperi oculos, was in Bezug auf den letzten 
Theil richtig sein könnte. Der Satz mos si s’en cöbria ab gen 
acoülir et ab honor de sa persona ward von N. nicht verstan¬ 
den, und ist daher ganz anders gewendet: mais par le moyen 
de ses vertus gaignoit tout ce qu'il vouloit, se tenoit tousjours 
vestu de beaux et riches acoustremens et fort propre selon 
son estat. Seine Dame wird übereinstimmend mit der Bio¬ 
graphie als Gemahlin Ozils von Mercuer bezeichnet, aber Elis 
de Merillon genannt, was indess doch aus Azalais de Mercuer 
verderbt sein kann. Sein Tod (im heiligen Lande) wird ins 
Jahr 1227 gesetzt, was also nur auf Friedrichs II Kreuzzug 
gehen könnte, während er an dem von 1189 Theil nahm. 
Auf Elisens Tod dichtete Pons ein Trauerlied, ohne Zweifel 
das Chrestom. 119 gedruckte, und richtete seine Lieder an die 
Gräfin Beatrix von Provence, ferner an Audiarde und die 
Königinnen Marie von Frankreich und England. Diese Namen 
sind aus seinen Liedern entnommen: Biabritz wird erwähnt 
Mahn 1, 347, Audiartz als Versteckname für die Gemahlin 
des Herrn von Marseille (wahrscheinlich Barral) in der aus¬ 
führlichen Biographie und in einem Liede das auch in f steht 
(Mahn 1, 337. 339), auch eine Marie kommt in seinen Liedern 
vor (Gedichte 1037, 6), aber es ist darunter Maria von Venta- 
dora zu verstehen. 

21. Bambcmd d’Orenge (S. 84). Von ihm besitzen wir 
keine biographischen Daten, ausgenommen dass er in der kurzen 
Biographie der Gräfin Beatrix von Dia erwähnt wird. N. nennt 
ihn Freund von Rambaud de Vachieres imd Liebhaber von 
Marie de Castelverd aus der Provence, die er mit Versteck¬ 
namen f mon comique’ nannte. Nachdem er sich von ihr ge¬ 
trennt, diente er einer Gräfin von Orgueilh, der Tochter des 
Marquis von Busque, und zuletzt einer Dame von niederer 


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Die Quellen von Jeban do Nostradamus. 


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Herkunft aus der Provence; er starb 1229. Nach dem Mönch 
des Isles d’Or soll die Gräfin von Orgueilh vielmehr von 
Montrouzier geheissen haben. Für diese Nachrichten. benutzte 
N. hauptsächlich Vellutello, der in seiner Erklärung von Pe¬ 
trarcas Trionfo d’Amore fast ganz dieselben Daten gibt (Cres- 
cünbeni S. 69). Wenn ihn N. als Freund von Rambaut de 
Vaqueiras bezeichnet, so führt auch das auf Petrarca zurück, 
der die beiden Rambaldi neben einander nennt, ohne sie des¬ 
wegen zu Freunden zu machen. 51 ') Marie von Castelverd heisst 
bei Vellutello Maria di Verdefoglia (provenzalisch Vertfoil), 
der Versteckname ist mon Comique — il mio Giocohero, was 
dem bei Raimbaut wirklich vorkommenden Verstecknamen 
mos (bds) Joglars (Mahn 1, 72) näher steht. Die Gräfin von 
Orgueilh heisst richtiger $ Urgeü d. i. Urgel in Catalonien, 
welche Vellutello als Lombardin bezeichnet. Wenn N. hier 
hinzufügt, dass der Mönch des Isles d’Or sie von Montrouzier 
nenne, so ist natürlich der Zeuge nichts werth, aber den Namen 
fand N. in einem Liede Raimbauts (Mahn, Gedichte 620), in 
dessen Geleite die comtessa de Monrozier erwähnt wird. Die 
weitere Bemerkung, die N. ebenfalls dem Mönch entlehnt haben 
will, dass die Gräfin gesagt haben sollte, dass wenn Raimbaud sie 
besucht hätte, er schöne Geschenke bekommen haben würde, 
findet sich schon bei Vellutello, der aber statt der schönen 
Geschenke piacere d. h. plazer dtamor hat. Hinzugefügt hat 
N. noch die Notiz über seine Liebe zu einer Frau niederer 
Herkunft, was er aus Liedern gefolgert haben kann. Vellutello 
hat seine Nachricht offenbar nicht erfunden; es lag ihm ver- 
muthlich eine provenzalische Biographie vor, deren Charakter 
und Stil sich noch in seiner Aufzeichnung erkennen lässt. 
Wir wissen zwar, dass die Gräfin von Dia ihn liebte und be¬ 
sang, aber dass auch er sie geliebt und seine Lieder sich auf 
sie beziehen, ist durch nichts erwiesen. 

22. Peyre Vidal (S. 97). N. benutzte die kürzere Bio¬ 
graphie (Z. 1—24 meiner Ausgabe), die sich in ABIKa findet; 
im Anfänge mit einem Missverständnis, indem das gute Singen 

*) Bei der Lesart che cantar per Beatrice würde allerdings ein per¬ 
sönliches Verhältnis** der beiden Dichter nothwendig sein, allein die 
richtige ist, wie schon Gesualdo und Crescimbeni einsahen, che cantö. 


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40 


Babtsch 


auf den Vater bezogen wird. Die Worte e fo bos trobaires 
(= ER), die in ABIKa fehlen, lagen N. auch vor, denn er 
übersetzt sie durch fut bon poete en langue provensate. Mehre¬ 
re» ist noch missverstanden, wie z. B. cressia que tot fos vers. 
Nach seiner Heilung hat N. seinen Aufenthalt bei Barral ein¬ 
geschoben, dessen Namen er aber nicht nennt, weil er die längere 
Biographie (in EHR) nicht vor sich hatte: er nennt ihn Beynez 
prmce de Marseille . Der Name kommt als Versteckname Bar- 
rals in den Liedern oft vor, einmal auch in der Zusammen¬ 
stellung mon Bainier de Marselha (43, 19) und daher entnahm 
ihn Nostradamus; das Lied steht auch in f. Erfunden hat er, 
dass Barral ihn mit sich ins heilige Land führte, während er, 
der Biographie zufolge, nach der Heilung übers Meer gieng. 
Die ihm vorliegende Lebensnachricht schloss mit a/matst de 
domnas = atme des dames (= ABIKa). Bezug genommen 
wird noch auf die ebenfalls in f stehende Canzone Neus ni 
gels ni ploja ni fcmh (27), von welcher er Strophe 1. 6 und 7 
umschreibt 

23. Guy tfUze# (d. h. Uisel), Ebles, Peyre frere, Helias 
ieur cousin (S. 100).*) Auch hier ist die Biographie benutzt, 
nur etwas ausgeschmückt in der Darstellung. Der Name von 
Margaretas Gatten, Reynaud, der bei Raynouard 5, 175 fehlt, 
findet sich in ABa. Er soll nach N. 1230 gestorben sein, was 
ungefähr richtig sein kann, aber wie alle Zahlen über das 
Leben der Dichter erfunden ist. 

24. Jaume Motte wird (S. 102) in der Biographie von 
Gui d’Uisel als Edelmann aus Arles und souverain poete pro- 
vensal escrivant contre les princes tyrans sans aucune crainte 
bezeichnet, der in einer Canzone sich über das thörichte Ver¬ 
sprechen, welches Gui und seine Brüder dem Legaten gegeben, 
nicht mehr zu singen, lustig machte. Die Geschichte und auch 
die Canzone ist erfunden, aber den Dichter, Jacme Mote 
d'Arles, kennen wir jetzt aus f., der von N. besessenen Hand¬ 
schrift. Wenn N. ihn in die Zeit von Raimon Berenguier IV 
setzt, so stimmt das ungefähr mit den Daten, die aus dem 
einzigen Sirventes sich ergeben: vgl. P. Meyer 53 ff. 

*) P. Meyer S. 53, Aum. 4, bezeichnet diese Persönlichkeiten mit 
Unrecht als apokryphe. 


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Die Quellen von Jelian de Nostradannis. 41 

25. Savaric de Mmdeon (S. 106). Die Biographie scheint 
nicht benutzt zu sein, höchstens die kürzere (IK), die aber fast 
gar keine Daten enthält. Die wirklichen Daten bei N. sind 
Erfindung: so berichtet er, dass S. eine Dame aus Aquitanien, 
aus dem Hause d’Aspremont, nach einigen de Levy, geliebt 
und geheirathet habe; sie starb aber nach kurzer Zeit. Dann 
verliebte er sich in eine Edeldame der Provence aus dem 
Hause Glandeves und dichtete zu ihrem Lobe verschiedene 
Lieder, aus deren einem N. drei Zeilen anfuhrt, die aber den 
Stempel der Unechtheit tragen: 

0 cor ingrat rüde e inezorable 

plus dur cent fes a plegar qu’un gros aubre, 

coura aura fin vers my ta crudelat? 

Diese Dame heirafhete einen provenzalischen Edelmann aus 
dem Hause Baux, Sohn Hugos und von Beralle von Marseille. 
Alle diese Daten sind reine Erdichtung. 

26. Bonifad Calvo (S. 109). Eine Biographie von ihm 
besitzen wir nicht, doch wird seiner und seiner Lieder in der 
Lebensnachricht von Bartolomeo Zorgi gedacht: diese lag aber, 
wie ihr Fehlen in a wahrscheinlich macht, Nostradamus nicht 
vor. Daher war er im wesentlichen auf die Lieder angewiesen. 
Nach N. war er ein Genueser, was richtig ist, von ihm aber 
möglicherweise aus historischen Quellen und der Erwähnung 
Genuas in seinen Liedern (Raynouard 4, 226. 227) entnommen 
sein kann. Er gieng an den Hof Ferrands von Castilien (1248), 
wo er sehr geehrt und zum Ritter gemacht wurde. Er ver¬ 
liebte sich in Berenguiere, des Königs Nichte, und besang sie 
in spanischer, provenzalischer und toscanischer Sprache. Eine 
Canzone richtete er an den König Alfons von Castilien und 
forderte ihn zum Kriege gegen Navarra und Aragonien auf. 
Dies bezieht sich auf das Sirventes Mout a qm somnema 
(ßayn. 4, 2 28, in DIK). Dann fährt N. fort: Le monge des 
Wes d’Or introduisant Philosophie parlant ä la faveur du Poete 
dit ainsi: Parce que les chants et les mots sont mieux entendus 
et phxs prisez par ceux qui ont ouy les raisons, et les achoy- 
sons pour qui ils furent faicts, que par ceux qui ne les ont 
jamais ouyes, le maistre qui fist les chansons qui sont escrites 
en ce livre, a voulu quon y puisse trouver les raisons, et les 


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Bartsch 


achoysons pour qu’il les fist. Et partant il commanda escrire 
cecy, pour autant que maintes fois ceux qui ne savent entendre 
les chansons, ne choisir Toeuvre subtillement faicte par les 
personnes doctes, se font correcteur d’icelles, et par foiblesse 
d'esprit et ignorance corrompent maints beaus mots subtille¬ 
ment ouvrez. A ceste cause je prie tous ceux qui verront 
ceste oeuvre que Boniface Calve a faict, qu’ils ne se travaillent 
point ä Tarnender, car moy qui suis Philosophe (1. Philosophie) 
ay cogneu le dict Boniface pour un souverain maistre en Tart 
de poesie. Je donne par jugement, que tout homme qui se 
travaillera d’amender et corriger les oeuvres en poesie qu'il 
aura faicts, qu'il soit tenu et repute pour un ignorant, fol, teme- 
raire et pour mon ennemy. Diese Worte machen durchaus im 
Stile den Eindruck einer provenzalischen Aufzeichnung, wenn 
natürlich auch die Einleitung von der Philosophie von N. her¬ 
rührt. Ganz ähnlich werden die Aufzeichnungen über die ein¬ 
zelnen Sirventese Bertrans de Born eingeleitet: De ci en avan son 
escrits dels sirventes d’en Bertran de Born, los cals an la rason 
per qu’el fon faits lo sirventes, e la rasons Tun apres Tautre. 
Eine solche Bemerkung enthält auch der erste Satz. Der zweite 
aber hat eine auffallende Aehnlichkeit mit dem, was der Schreiber 
von a, Bernart Amoros, seiner Liedersammlung vorausschickt. 
Man vergleiche folgende Stellen (Jahrbuch 11, 12): 

per qu'ieu prec chascun que son s’entrameton de emendar 
. . . qe granz faillirs es d'ome qe si fai emendador sitot 
ades non a Tentencion; qe maintas vetz per fraehura d'enten- 
dimen venon afollat maint bon mot obrat primamen e d’avi- 
nen razo. 

Entweder also hat N. die Vorbemerkung Bemarts hier 
eingereiht und das übrige, was er der Philosophie in den Mund 
legt, hinzu erfunden, oder Bemart schrieb vor den Liedern 
Bonifacis Calvos eine solche Bemerkung, die die razos der 
einzelnen Sirventese einleitete. Nach dem Inhalte von a zu 
schliessen ist diese Hs. (vielmehr ihr Original) nicht später 
als um 1270 geschrieben; sehr wohl konnte also Bemart 
Amoros Bonifaci Calvo persönlich kennen und daher auch 
ein besonderes Interesse an der Reinhaltung seiner Lieder 
nehmen. Setzen wir an die Stelle von moy qui suis Philosophie 


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Die Quellen von Jelian de Nostradamus. 


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der Worte im Bemartz Amoros , so ist alles einfach und klar. 
Wenn N. noch hinzufügt, dass nach H. de S. Cezari der König 
Alfons, nicht Ferrand geheissen, so ist das richtig und stimmt 
mit den Liedern überein, in denen nur Alfons genannt wird. 
Wir trafen denselben Fall einer von N. hervorgehobenen Ab¬ 
weichung seiner Quellen bei Rambaut von Orange, und sahen, 
dass dort die Berichtigung aus einem Liede entnommen war, 
während die erste Nachricht aus einer biographischen Auf¬ 
zeichnung (bei Vellutello) stammt. Das gleiche wird hier der 
Fall sein, wahrscheinlich lag ihm eine provenzalische Lebens¬ 
nachricht vor, in welcher Ferdinand (III) genannt war. Dass 
er auch bei diesem, dem Vater von Alfons, sich aufgehalten, 
ist durchaus nicht unwahrscheinlich. Daher sijd die Auf¬ 
zeichnungen von N. über diesen Dichter nicht ohne weiteres 
zu verwerfen, zumal da sie mit den Thatsachen stimmen. Un¬ 
wahrscheinlich klingt nur die letzte Nachricht, dass Alfons 
ihn zum Grafen von Provence schickte, der ihn mit einer 
Dame aus dem Hause Vintimille verheirathete. 

27. Aymeric de Pyngulan (S. 112). Die Biographie in ihrer 
kürzeren Gestalt (ABIK, Mahn 17) ist benutzt. Die Worte 
mout mal cantava sind verdreht in mesmes ä mesdire. Der 
König Alfons heisst durch einen lapsus calami de Cathalongue 
statt de Castelia. Hierauf fügt N. ein erfundenes Geschichtchen 
bei, dass er gegen den Haushofmeister des Königs, Gancelme, 
eine Satire geschrieben, und darin zu verstehen gegeben, der¬ 
selbe habe den goldenen Becher des Königs gestohlen. Mög¬ 
lichenfalls gab ihm dazu Anlass eine Tenzone mit Gaucelm 
Faidit (Mahn, Gedichte 1197—1199), in welcher Aimeric die 
Verse in den Mund gelegt werden: 

Gaucelm Faidit, entendeires venals 

degra prendre si com vos avetz pres, 

was ein zur Erfindung so geneigter und des Provenzalischen 
so wenig kundiger Mensch wie N. leicht in obigem Sinne ver¬ 
drehen konnte. Er begab sich dann in die Provence zu 
Beatrix, der Tochter von Raimon Berengier, die ihn gut auf¬ 
nahm und sehr schätzte. Auch das entnahm N. aus den Liedern, 
in deren einem der Tod Beatricens, nach Diez S. 445 eben 
dieser Gräfin von Provence, beklagt wird; häufiger nennt er 


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44 


Bartsch 


Beatrix von Este, und N. wird beide vermischt haben. Die 
Beziehung auf ein Lied, in welchem er gesagt, es gebe nicht 
so viel Thiere auf der Erde, noch so viel Vögel im Walde, 
noch so viel Sterne am Himmel, als er jede Nacht trübe Ge¬ 
danken in seinem Herzen habe, vermag ich nicht nachzuweisen. 
Von des Dichters Wanderung in die Lombardei spricht N. 
übereinstimmend mit der Biographie und nennt hier eine 
Marquise von Malaspina, der A. gedient und die er besungen 
habe. Auch das wird aus den Liedern entnommen sein, in 
denen der Markgraf von Malespina mehrfach erwähnt wird 
(Rayn. 4, 61. 104. 435. Lex. Rom. 1, 434. Mahn, Gedichte 
35.*) 82.). N. fügt noch hinzu, dass A. Freund von Gui 
dTJisel, P. yidal und den beiden Rambauts (von Orange und 
von Vaqueiras) gewesen, und im Jahre 1260 gestorben sei. 
Jene Freundschaften kann N. aus Tenzonen gefolgert haben; 
eine mit Elias (nicht Gui) von Uisel hat sich erhalten (Mahn 
2, 172). 

28. Gasbert de Puycybot (S. 114). Die Biographie in 
AIKa (Mahn 38) ist benutzt, nur wieder etwas ausgeschmückt. 
Die Dame, die er liebte, wird in der Biographie nicht genannt, 
N. nennt sie Barrasse, aus dem Hause des Barras, offenbar 
ein erfundener Name. Ebenso ist Zusatz, dass Savaric als 
Gesandter nach Spanien gegangen und Gausbert ihn beglei¬ 
tet, während die Biographie nur sagt, der Dichter sei nach 
Spanien gezogen. Die Stadt, in welcher er seine Gattin wieder¬ 
findet, wird Arles genannt, die Biographie nennt keinen 
Namen, ebenso ist hinzugefügt, dass er sie nach Avignon 
brachte. Dass er ins Kloster gieng, wird N. nur aus dem 
Titel f Mönch’ entnommen und den Namen des Klosters, Pig- 
nan, hinzugesetzt haben: nach andern hiess es, bemerkt er, 
Thorondet.**) Er starb 1263, was zu spät ist. 

29. Aymeric de Belvezer (S. 120) ist ohne Zweifel kein 
anderer als Aimeric de Belenoi , mit dessen Biographie 
(Mahn 14) auch das stimmt, dass er eine Edelfrau der Gas- 


*) Auch in f stehend. 

**) In diesem Kloster wurde Folquet v. Marseille seiner Biographie 
zufolge Abt. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamns. 


45 


cogne geliebt und besungen habe. Die Biographie nennt sie 
Gentüs de Rius , N. gibt an,* dass sie aus dem Hause la VaUette 
gewesen. Was N. weiter berichtet, findet sich nicht in der 
Biographie und wird nur zum Theil durch die Lieder bestätigt. 
Er begab sich in die Provence zu Raimon Berenguier und be¬ 
sang ihn und seine Gemahlin Beatrix: dies kann Liedern ent¬ 
lehnt sein, da der Dichter wirklich eine Gräfin Beatrix nennt 
(Mahn, Gedichte 101. 896), neben der Gräfin von Provence: 
es sind hier Mutter und Tochter gemeint, beide hiessen Beatrix. 
Dann berichtet N. weiter, verliebte er sich in eine Prinzessin 
von Provence, namens Barbosse, wohl dieselbe, die S. 114 
Barrasse genannt war, eine sehr gelehrte Dame, die er besang. 
N. bezieht sich hier auf eine Canzone, in der er sich über eine 
ihm von ihr ertheilte Antwort beklagt: das Citat aus dieser 
Canzone qu’il meurt d’envie et de desir de la voir, que s'il 
avoit un tel heur il trespasseroit de joie, et par ainsi qu’il 
ayme mieux demeurer en ce desir toute sa vie, que de mourir 
en la voyant, bezieht sich wohl auf das auch in f stehende 
Lied (Mahn, Gedichte 889) Aissi eol pres , in dessen 4. Strophe 
es heisst: 


^ e qar non vei dels hueills so q’ieu m*en pes 
nraier de desir. 

Weiter berichtet N., dass Aimeric sich in Gesellschaft der In¬ 
fantin Beatrix mit ihr im Gespräch befunden und den ihr ent¬ 
fallenen Handschuh aufgehoben habe, nachdem er ihn geküsst. 
Deswegen von ihrer Umgebung getadelt antwortete sie, darin 
von Beatrix unterstützt, eine Dame von Ehre könne einem 
Dichter, der sie unsterblich mache, nicht Gunst genug erweisen. 
Darüber dichtete A. ein Lied, welches er an sie, und ein 
anderes, welches er an Beatrix richtete. Die Geschichte hat 
einen sentimentalen Beigeschmack späterer Zeit und mag auf 
Grund einer Stelle in Aimerics Liedern, in denen wie nicht 
selten der Handschuh der Dame erwähnt war, entstanden 
sein. Barbosse wurde später Aebtissin von Monlegez in der 
Provence, und er starb vor Schmerz, weil er nach der Ordens¬ 
regel nicht mehr mit ihr sprechen durfte. Auch das ist er¬ 
funden. Er blühte um 1233 und starb 1264. 


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46 


Bartsch 


30. Perdigoti (S. 123). Die kürzere Biographie in ABIKa 
(Mahn 21) ist benutzt: nur macht ihn N. zu einem Edelmann. 
Die kürzere Lebensnachricht bricht mit einer Andeutung der 
dann folgenden Erzählung ab, die uns in andern Hss. (Nr. 93) 
erhalten ist. Diese Andeutung suchte Nostradamus ebenso wie 
bei Uc von S. Circ (S. 37) aus eigener Erfindung zu ergänzen: 
er sagt, dass nach dem Tode des Dauphins Perdigon sich nicht 
mit dem Nachfolger zu stellen wusste und sich deshalb zu 
Raimon Berenguier (1209—1245) in die Provence begab, der 
ihn hoch achtete und dessen Siege er besang. Er heirathete 
eine Dame aus dem Hause Sabran in Provence, namens Saure, 
mit der er keine Kinder hatte: beide starben um 1269 und 
machten den Grafen von Provence zum Erben. Alles dies ist 
N. Erfindung. 

31. Ricard de Noves (S. 128) d. h. Peire Bremon de Ricas 
Novas, der oft in Hss., und so in a, nur Ricas Novas heisst, 
woraus N. jenen Namen mafchte. Eine Biographie von ihm 
besitzen wir nicht, eine solche hatte auch N. nicht vor sich 
wie die ganz verkehrten Daten, die er gibt, beweisen. Nach 
ihm war er von adliger Familie aus Noves in Provence, nach 
andern aus Berbentane. Sein Vater war Anhänger von 
Estephanette von Baux im Kriege gegen (Raimon) Berenguier 
von Provence. Er diente den Königen von Aragon und Grafen 
von Provence, namentlich dem letzten Grafen, Raimon Be¬ 
renguier, auf dessen Tod er ein Trauerlied dichtete, das er in 
den Häusern der Grossen sang, indem er dazu die geeigneten 
Gesten machte; doch weil er darin schlechtes von dem Hause 
Anjou (d. h. von Karl) gesprochen hatte, wurde ihm gerathen 
nicht mehr zu singen. Alles dies ist unglaublich, und höch¬ 
stens durch Entstellung des Sirventes auf den Tod von Blacatz 
(Rayn. 4, 70) zu erklären. 

32. Lanfranc Sygalle (S. 133). Die kurze Biographie in 
IKa hat N. benutzt, aber da sie nur wenige Daten enthält, 
hinzu erfunden. Er verliebte sich in seiner Jugend in eine 
Edeldame der Provence, Berlenda Cybo, aus der genuesischen 
Familie Cybo. Anch diente er dem Grafen Remond (Berenguier) 
von Provence und war 1241 Gesandter der Genuesen an den 
Grafen, den er durch seine Beredsamkeit bewog, Genua in 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


47 


seinen Schutz zu nehmen. Er dichtete mehrere Canzonen zum 
Lobe der Jungfrau Maria; dies ist richtig, da mehrere solche 
sich wirklich erhalten haben: Gloriosa santa Maria (DIK) und 
Oi maire fiUa de dieu (Rayn. 4, 438, DIK). Ferner ein Trauer¬ 
lied auf den Tod Berbendas, und ein Sirventes, worin er den 
Papst, den Kaiser und die Könige von Frankreich und Eng¬ 
land zur Eroberung des heil. Landes aufforderte. Auch dies 
ist richtig (Diez 569. Rayn. 5, 245). Ein andres Lied rich¬ 
tete er an Thomas von Savoyen, den er über alle Fürsten er¬ 
hebt: ein Gedicht Seigner Tonxas tan mi platz steht in DIK 
und ist wahrscheinlich das hier gemeinte. Er tadelt Bonifaz (III) 
von Montferrat, dass er sich von den Mailändern habe be¬ 
stechen lassen: es ist dies das Sirventes Estiers mon grat 
(Rayn. 4, 210). Da alle diese Beziehungen zutreffen, so wird 
auch das Trauerlied richtig sein, selbst wenn der Name der 
Dame erfunden wäre. Nach S. Cesari hätte er zuletzt viel 
Geld zusammengescharrt und sei deswegen getadelt worden. 
Er und sein Gefährte, dessen Namen N. nicht finden konnte, 
wurden bei Mergues im Jahre 1278 auf der Reise non Pro¬ 
vence nach Genua ermordet. Vielleicht ist dieses Geschicht- 
chen durch Missverständnis einer Tenzone (vgl. Diez 580. 
Millot 2, 163) zu erklären. 

33. Bonifaci de Castellane (S. 136). Eine provenzalische 
Lebensnachricht besitzen wir nicht. N. berichtet von ihm, er 
habe eine Dame der Provence aus dem Hause Fossis, Tochter 
des Herrn von Ieres, Pierrefeu und Cannet, namens Belliere 
geliebt und besungen. Der Name Belliere scheint aus la Belle 
dleres entstanden zu sein. Wenn er getrunken hatte, gerieth 
er in einen fiiror poeticus und weissagte und dichtete alsdann, 
wobei er niemand schonte, weshalb er in der Schlussstrophe 
seiner Canzonen immer sagt Boca qu'as dich , als wenn er 
bereute zu viel gesprochen zu haben. Er nannte sich Vicomte 
von Marseille und schrieb ein Sirventes gegen den König von 
England, woraus N. eine Stelle umschreibt. Es ist dies das 
Lied Era pueis ivems es el ß (Rayn. 5, 108), das sich nur in 
M findet. Sein Vater, der ebenfalls Bonifaz hiess, hatte Oppo¬ 
sition gegen Alfons H gemacht, was richtig ist Die citierten 
Worte Boca qu'as dich werden aus einem Liede sein, das N. 


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48 


Bartsch 


vorlag, wir besitzen von ihm nur drei Sirventese, in deren 
keinem diese Worte Vorkommen. N. hatte also Lieder, keine 
Biographie vor sich, und die biographischen Daten, so weit sie 
nicht aus den Liedern entnommen, sind erfunden. 

34. Richard roy (FAnglcterre (S. 139). Die historischen 
Daten bei N. sind ganz unrichtig; er wird in die Zeit von 
Raimon Berenguier gesetzt, dessen Tochter Eleonore er geliebt 
und geheirathet. Es liegt hier die Verwechselung mit seinem 
Vater zu Grunde, wie in der Biographie Bemarts von Venta- 
dorn. Ebenso unrichtig ist, dass er mit Louis dem Heiligen 
den Kreuzzug mitmachte, wahrend er 1189 seinen Zug antrat. 
Das Lied, welches er, auf der Rückkehr gefangen, dichtete, 
sandte er nach N. an Eleonorens Schwester Beatrix, die Erbin 
von Provence (die Gemahlin Karls von Anjou). Es ist dies 
das bekannte, auch in f stehende Lied Ja nuls hom pres (Lese¬ 
buch 78), aus welchem N. vier Verse anführt, und dessen Ge¬ 
leit die Suer comtessa anredet; daraus hat N. die Gräfin Beatrix 
gemacht, die Schwester Eleonorens, also durch doppelte Ver¬ 
tauschung, einmal Richards mit Heinrich II und dann Eleo¬ 
norens, seiner Mutter, mit der Tochter Raimon Berenguiers. 
Das Lied existiert bekanntlich in französischer (Chrestom. 
fran^. 185) wie provenzalischer Fassung.*) Auf ein zweites 
Lied scheint N. in der Einleitung Bezug zu nehmen (S. 16, 
vgl. oben S. 2), wenn es nicht doch etwa dasselbe ist, mit einer 
anderen, ebenso unrichtigen Deutung des euer comtessa im Ge¬ 
leite. Endlich berichtet N., dass Eleonore ihm einen Roman 
in provenzalischen Reimen zugesendet habe, der von der Liebe 
Blandins de Comaille und Guillems de Myremas und den Tha- 

*) Die französische wird aber die ursprüngliche sein; darauf deuten 
die Reime aim : certain u. s. w., die im Französischen ganz unanstössig, 
im Provenzalischen aber doppelt unregelmässig sind, einmal wegen 
m : n, und dann wegen an (=» d) : am. Auch ne m’aimme gratn f liebt 
mich nicht* ist französisch ein ganz geläufiger Ausdrack, während pro- 
venzaliseh es nnr einmal belegt ist, und auch da nicht als Verstärkung 
der Negation gebraucht, sondern etwas geringfügiges bezeichnend. Vgl. 
Schweighäuser, de la n£gation dans les longues romanes S. 104 fg. 
Wenn P. Meyer S. 18 bemerkt, Diez habe (Leben und Werke S. 101) 
bereits bewiesen, dasB das Lied französisch und nicht provenzalisch sei, 
so kann ich das in Diez’ Worten nicht finden. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


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ten, welche diese Ritter, der eine für Bryanda, der andere für 
Irlands, vollbrachten: eine deutliche Beziehung also auf den 
Roman, welcher in einer Turiner Hs. sich erhalten hat (Lex. 
Roman 1, 315—320). 

35. Gtiraud de Bournelh (S. 145). Auch hier ist die Bio¬ 
graphie benutzt, nur wird der Dichter zu einem Edelmann, 
wenn auch einem armen, gemacht. Ein Zusatz von N. ist, 
dass er nie, welchen Lohn man ihm auch anbot, in den Dienst 
eines Fürsten oder Herrn treten wollte. Die Beziehung auf 
eines seiner Lieder habe ich nicht auffinden können, sie ist 
aber ohne Zweifel richtig: il a dict en Time de ses chansons, 
qu'amour n'eust jamais pouvoir sur luy et qu'il a tousjours 
mesprise son royaume et la beaute des plus belles femmes de 
son temps (S. 146). Die Notiz, dass er zuerst Sonnets und 
Chantarets gedichtet, wird aus der Biographie von Peire 
d’Auvergne stammen, in welcher gesagt wird, Giraut sei der 
erste gewesen, der Canzonen gedichtet habe (Mahn 1). Ganz 
unrichtig giebt N. 1278 als sein Todesjahr an. 

36. Hugues de Penna (S. 147). Die Biographie, die nur 
wenig Daten enthält, hat N. benutzt. Er nennt ihn einen 
Edelmann aus Monstiers; dies wird entstellt sein aus Mon- 
messat, wie A liest, IK haben Messat. Die Erzählung, dass 
er einem andern Dichter, Guillaume de Sylvecane, Lieder ge¬ 
stohlen, ist aus den Worten der Biographie e saup gran ren 
de las autrui chansos entstellt. N. setzt ihn in die Zeit von 
Alfons II, lässt ihn aber 'doch erst 1280 sterben. Er habe 
Lieder an Alfons, wie an Beral de Baux und an Beatrix, Ge¬ 
mahlin von Alfons und Schwester von Thomas von Savoyen, 
gerichtet. Nach Hugues von S. Cezari soll diese Beatrix aber 
die Tochter Raimon Berenguiers gewesen sein, die er in mehre¬ 
ren Liedern pries. Auch hier herrscht vollständige Verwirrung, 
und die Namen sind erfunden, da sie weder in den Liedern 
noch in der Biographie Vorkommen. Er redet in seinen Liedern 
meist die Liebe an: dies ist der Fall in den beiden erhaltenen, 
von denen das eine beginnt Cora quem desplagueS amors (ADFIK), 
das andere Si anc me fetz amors quem desplagues (CR). Dass 
er verarmte, entnahm N. der Biographie, aber er verschweigt 
den Grund, um keinen Tadel auf den Dichter fallen zu lassen. 

Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. I. 4 


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50 


Bartsch 


Die weiteren Schicksale sind reine Erdichtung: ein Astrologe 
verhiess ihm hohes Glück, wodurch er seinen Muth gehoben 
fühlte, und es so weit brachte, dass Karl von Anjou ihn zu 
seinem Secretär in der Provence machte. Er starb wenige 
Tage, nachdem er ein Fräulein Mabile von Symiane geheirathet 
hatte (1280). Auch die zum Lobe von Beatrix gedichteten vier 
Zeilen sind untergeschoben, wie man leicht erkennt: 

Yeu voly faire esclatir ta memoria 
en tantas partz de ta perfection, 
qu’estaran tous en admiration 
d’auzir comptar de tous bels fachs l’hystoria. 

In dem handschriftlichen Hefte auf der Bibliothek zu Carpen- 
tras, welches, wie P. Meyer wahrscheinlich gemacht, von N. 
geschrieben und Collectaneen zur Geschichte der Troubadours 
enthält, bezieht sich N. (Fol. 65, Meyer S. 14, Anm. 2) auf vier 
Lieder des Dichters, welche er in der Liederhs. des Grafen von 
Sault (Agout) gefunden habe. Dass er diese Angabe erfunden 
habe, wie Meyer geneigt ist zu glauben, ist mir nach den bis¬ 
herigen Nachweisungen über die benutzten Lieder nicht wahr¬ 
scheinlich. Es ist auch nicht richtig, dass wir von Uc de 
Pena nur ein Lied (Cora quem desplagues amors) besitzen*), ein 
zweites haben wir bereits citiert, ein drittes, Lo gens temps 
m’abelis em platz legt ihm R bei, wiewohl es wahrscheinlich 
Amaut de Maroill gehört, und ein viertes, D’avinen sap en - 
ganar e trair von Aimeric de Peguillan, fand C in einer seiner 
Quellen ihm beigelegt. Leicht können dies die vier Lieder gewesen 
sein. Das fünfte freilich beruht, wie Meyer gezeigt, auf einer 
Verwechslung mit Johan de Pennes, auf dessen Lied Un guer- 
rier per alegrar , das allein in f sich findet, N. unverkennbar 
anspielt; vgl. Meyer S. 96. 

37. Guithem Figuiera (S. 150). Die Biographie ist benutzt* 
aber manches missverstanden. Natürlich macht N. auch ihn 
zu einem Edelmann und zwar aus Avignon, während er ein 
Schneiderssohn aus Toulouse und selbst Schneider war. Er¬ 
funden ist auch,* dass der Vater ihn studieren liess. Die Worte 


*) P. Meyer hat die betreffende Angabe selbst im Nachtrag S. 204 
berichtigt. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


51 


non fo hom qeis saubes cabir entrels barons ni entre la bona gen 
(Mahn 35) haben offenbar folgenden Satz von N. veranlasst: 
il ne pouvoit supporter les tirannies et meschancet^s des 
Princes, escrivant tousjonrs contre eux, womit noch die 
Schlussworte der provenzalischen Nachricht zu vergleichen sind. 
Die weitere Phrase c'estoit une chose louable de la liberalite 
de ce poete: car tout Tor et Targent qu’il gaignoit en sa 
poesie le departoit a ses amys ist wiederum ein Missverstand- 
niss oder absichtliche Entstellung der Worte mas mout se fetz 
grazir als arlotz et a las putans et als ostes et als tavemiers. 
N. berichtet dann, dass er eine Dame aus Avignon, aus dem 
Hause der Matherons, geliebt habe, die seine Wünsche erhörte, 
weil sie stolz darauf war durch ihn unsterblich zu werden. 
Zu ihrem Preise dichtete er schöne Lieder, aus deren einem 
N. einen Auszug giebt. Es ist das Lied, welches CD’EIKQRUc 
Aimeric von Peguillan beilegen, während DGFK^R 2 und das 
Register von C es Guillem Figueira zuschreiben: Anc mais de 
joi ni de chan (Mahn, Gedichte 737), dessen 2. 3. und 4. Strophe 
ausgezogen sind. 


qu’amors no fai mal ni desconois- 
sensa, 

per que nulhs hom s’en deja ran- 
curar, 

ni ges amors non pot apoderar 
neguna re ses grat d’altra valensa. 

Ni fin’amors, so vos man, 
non a ni non pot aver 
ab se forsa ni poder 
ni nulh cosselh pauc ni gran, 
sil huelh el cor no li dan; 
mas so qu’als huelhs platz et al 
cor agensa vol fin’amors, que noi 
pot contrastar; per so non deu 
amor ochaizonar tan quan los 
huelhs el cor a ma parvensa. 

Quar li huelh son drogoman 
del euer el huelh van vezer 
so qu’al cor platz retener etc. 


amour n’ha nul pouvoir fors 
qu’autant que luy en est donne 
par les yeux, qu’amour ne feiet 
aucun mal, dont on se deust 
plaindre, 

qu’il n’ha pouvoir sur nully, si de 
son propre gre il n’y consent, que 
le vray amour ne peut avoir en 
soy ne force ne pouvoir, ne bon ne 
mauvais conseil, si les yeux et le 
coeur n’y consentent, ce qu’aux 
yeux semble plaisant et aggreable, 
le vray amour n’y peut contre- 
dire, et qu’il ne nous peut ocasion- 
ner comme feiet le coeur et les 
yeux, que les yeux sont mes- 
sagiers du coeur, que la ou le loyal 
amour prend sa nayssance les yeux 
le font trouver bon et aggreable 
au coeur. 


Im Geleite, sagt N., äussert der Dichter: 

4* 


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52 BABT8CH 

chanson, vai dir an Blacatz en Ma chanson va dire kMatharone, 

Proensa .. que ceux qui la louent, ne la peu- 
qu’om lui lanzan no pot sobre- vent assez louer, tant sont grandes 
lauzar, et riches ses valleurs. 

tant es valens e fina sa valensa. 

Man sieht also Nostradamus offenbare Fälschung deutlich, die 
Dame Matharone ist eine Erfindung wie eine Menge anderer 
Namen. Weiter spricht N. von verschiedenen Sirventesen, 
welche er gegen die tyrannischen Fürsten geschrieben, unter 
andern eines le flagel morUü dels tyrans. Welches von 
seinen Liedern damit gemeint ist, lässt sich bei der Allgemein¬ 
heit der Beziehung nicht errathen. Aber das zweite contre 
amour mit dem Anfänge D’un sirventes far en est son que 
m’agensa kennen wir; nur ist es gegen Rom, nicht gegen die 
Liebe gerichtet (Chrestom. 145). Dass eine Fälschung hier be¬ 
absichtigt ist, geht aus der Inhaltsangabe hervor, wonach der 
Dichter in dem Liede gegen den Trug der Liebe geeifert und 
verschiedene Geschichten von denen anführt, die von der Liebe 
betrogen wurden. Folgende vier Zeilen aus der zweiten Strophe 
führt er an: 

Amour enganeyris, 
cobeytat vous engana, 
qu’a vostras berbys 
. tondßs trop de la lana. 

Es ist vielmehr die dritte Strophe, die Lesart enjanairitz 
hat auch B. Alles wird richtig, wenn man überall statt Liebe 
setzt Rom; durch Umstellung wieder machte er Amor aus 
Roma. Die am Schlüsse beigefügte Notiz über des Dichters 
Vater, der auch Schriftsteller gewesen, ist wieder erfunden 
und verräth noch Benutzung der Biographie in dem Worte 
citadin (provenzalisch cntrds ciutadins). 

38. Luquet Gatellus wird in der Biographie von Guillem 
Figueira (S. 150) als ein Dichter erwähnt, der gegen die Ty¬ 
rannei der Fürsten geschrieben. Dass darunter Sirventese zu 
verstehen sind, sehen wir aus den Biographien .von Perceval 
Doria und Peire de Castelnou, die hier ebenfalls von N. er¬ 
wähnt werden. Den Dichter fand N. in der Urschrift von 
a ; wo er Luquetz Gatelus heisst (Jahrb. 11, 18) und in der 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamne. 


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Umgebung jener beiden Dichter vorkommt. Erhalten hat sich 
in e, der Barberin. Hs. XLY. 59 in der That ein Sirventes, 
das sich auf die Verhältnisse zwischen Manfred, Eonradin und 
Karl von Anjou bezieht. Ich habe es mit Uebersetzung her¬ 
ausgegeben im Anhang zu Schirrmachers letzten Hohen¬ 
staufen (Göttingen 1871) S. 663 — 666. Die Abfassung 
verlegt Schirrmacher in das Jahr 1262; er weist ihn als 
Luchetus Gatuluxius aus den Annales Januenses nach, denen 
zufolge er zu der aus sechs Mitgliedern bestehenden Gesandt¬ 
schaft gehörte, welche Genua 1266 nach der Schlacht bei 
Benevent zunächst an die römische Curie, dann an den Hof 
Earls schickte*). In e heisst der Dichter Luquet Cataluze, 
Crescimbeni nennt ihn Lughetto oder Ughetto Catello, was, 
wie schon diese Form ergiebt, nur aus N. stammt; Cr. nahm 
es als lateinische Endung und gab es durch ital. o wieder. 
Mit der obigen Zeitbestimmung harmoniert, dass in der Vor¬ 
lage von a eine Tenzone zwischen ihm und Bonifaci Calvo 
stand. Schon das hätte Mussafia (Jahrb. 12, 31) bedenklich 
machen sollen, ihn so zuversichtlich mit Ugo Catola zu iden- 
tificieren, denn von diesem besitzen wir eine Tenzone mit 
Marcabrun, die in der Estensischen Hs. (D a ) steht, daher ich ihn 
in der Chrestomathie unmittelbar hinter Marcabrun gestellt habe. 

39. Sordel (S. 153). Die Biographie, die wir in doppelter 
Recension (JE und Aa) haben, scheint N. nicht benutzt zu 
haben; doch mögen die einleitenden Bemerkungen und der 
Aufenthalt bei dem Grafen von Provence, den N. Raimon Beren- 
guier (richtig) nennt, daraus entnommen sein. Dieser habe 
ihn, berichtet N. weiter, im Alter von 15 Jahren in Dienst 
genommen, ainsi que le rccite Pierre de Chasteauneuf poete 
provensal **). Dann giebt N. einen langen Auszug von dem 
Sirventes auf Blacatz Tod (Chrestom. 203), deren beide ersten 
Zeilen er citiert, worin die Lesart irat eigentümlich ist. Das 
Lied steht in ACD’HIKRS. Eingeschoben hat N. in die letzte 
Strophe die Beziehung auf die siciüsche Vesper, und danach 
setzt er das Lied ins Jahr 1281. 


*) S. 663, Anm. 2. 

**) Lieder von ihm enthielt a: Jahrb. 11, 15. 


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54 


Babtsch 


40. Cadenet (S. 156). Aus der Biographie ist entnommen, 
dass er ein Ritter der Provence war und von Blacatz geehrt 
wurde. N. fügt hinzu, dass er den vierten Theil der Herr¬ 
schaft Cadenet von seinem Vater geerbt hätte. Weiter er¬ 
zählt er, C. sei ein gelehrter Mann gewesen, und habe Marga¬ 
rete von Ries geliebt und besungen, ohne aber von ihr erhört 
zu werden, weshalb er sie verliess und zum Marquis von Mon- 
ferrat ging, der ihn mit Waffen, Kleidern und Geld versah. 
Auch hier besang er Margareten und kehrte nach der Provence 
zurück, wo Blacatz und Raimon von Agout ihn ehrenvoll auf- 
nahmen. Er verliebte sich in Blacatz Schwester, Blachassonne, 
und besang sie; aber von Missgünstigen verleumdet schrieb er 
einen Tractat, aus Liedern bestehend, unter dem Titel contra 
lous galiadours , den er Blachassonne zusendete. Später ver¬ 
liebte er sich in eine Nonne aus Aix, namens Angleze von 
Marseille, aus einem edlen Hause der Provence, die noch nicht 
das Gelübde abgelegt hatte. Aber sie hatte ihn zum Besten, 
weshalb er sie verliess und mit den Templern von S. Gilles, 
in deren Orden er trat, übers Meer gieng; er fiel in einem 
Kriege der Templer gegen die Sarrazenen (1280). Alles dies 
ist unglaublich und offenbar erfunden. Einiges ist aus Liedern 
entnommen, wie sein Aufenthalt bei Blacatz, der in seinen 
Canzonen vorkommt (Rayn. 5, 111), und den er in einer auch 
in f stehenden Strophe seinen compaire nennt. Die Beziehung 
zu dem Templerorden entnahm N. aus dem bei dem Namen 
des Dichters in f stehenden Beisatz de l’ospital de San Jhoan. 
Auf ein Lied bezieht sich auch der Tractat contra lous galir 
adourSy nämlich auf Ad ome meils no vai (Mahn, Gedichte 274), 
das in D C IKS steht, dessen Geleit heisst: 


Lanzengiers, jes grazir 
nous posc ni nous sai dir 
la bella honor gran 
qe vos mi faiz tot Tan 
a mi et a mon chan. 


il remercie les menteurs ou gali¬ 
adours, de Thonneur qu’ils luy 
font de mentir ainsi par leur faux 
dire, car en mentant ils luy font 
honneur. 


Wenn N. berichtet et fist une belle confession, so wird sich 
das auf das Lied Be volgra s’csser pogues (Rayn. 4, 418)| be¬ 
ziehen. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


55 


41. Guilhem de Bargcmon (S. 152) d* h. de Berguedan. 
Die provenz. Biographie in AIK (Mahn 82) scheint N. nicht 
gekannt zu haben, denn er nennt ihn einen Edelmann der 
Provence, Herrn von Bargemon, und bezeichnet ihn als grossen 
Lügner und Prahler im Stile von Peire Vidal. Es lag ihm 
entweder die italienische Novelle (Cento nov. ant. ur. 39) vor 
oder die provenzalische Quelle, aus welcher diese schöpfte. 
Uebereinstimmend bezeichnet auch die Novelle Guilhem als 
Provenzalen, der am Hofe von Raimon Berenguier lebte. Die 
Darstellung der Novelle ist aber einfacher und ursprünglicher 
als die von N., der eine Menge von Namen hinzufügt und 
doch die eigentliche Pointe auslässt. N. verlegt die Geschichte 
in die Zeit Raimon Berenguiers (V) (f 1245), da er nachher 
den Dichter Karl von Anjou dienen und 1285 sterben lässt. 
Die Möglichkeit der Vermischung mit einem jüngeren Guilhem 
von Berguedan habe ich Jahrbuch 6, 235 behandelt 

42. Peyre dtAulvergne (S. 162). Den Beinamen le vieux 
hat N. aus der Biographie geschöpft, worin Peyre der erste 
bedeutende Troubadour genannt wird. Die Lebensnachricht 
ist auch ersichtlich an mehreren Stellen benutzt. Dass er 
Clarette von Baux liebte, ist erfunden. N. berichtet, dass er 
in solcher Gunst bei den Damen gestanden, dass, wenn er vor 
ihnen seine Lieder vorsang, er nachher zum Lohne diejenige 
Dame küssen durfte, die ihm am besten gefiel. Die meisten 
Lieder richtete er an die Dame von Berre. Alt geworden, 
trat er ins Kloster zu Clermont in Auvergne und starb dort: 
seinen Eintritt ins Kloster berichtet auch die provenz. Bio¬ 
graphie. Unmöglich ist, dass er ein Sirventes auf die sicilische 
Vesper bezüglich gedichtet habe. Richtig dagegen ist die Be¬ 
ziehung auf seine Satire gegen die Troubadours, nur falsch 
die Bemerkung, dass er sie als Gegenstück zu der des Mönchs 
von Montmajour zum Lobe der Troubadours gedichtet habe. 
Ist das nicht absichtliche Verdrehung, so erklärt es sich durch 
Missverstehen der Worte inout se lanzava en sos chantars . 
Die Beziehung auf die Schlussstrophe, die in der Biographie 
citiert wird, trifft zu: wahrscheinlich hatte N. nur sie vor sich, 
nicht das ganze Lied. Allerdings steht dasselbe in a, aber N. 
kann es übersehen haben. Die Benutzung einer Strophe aus 


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56 


Bartscii 


dem Liede beweist noch nicht, dass N. es gekannt (S. 11). 
Wäre dies der Fall, so würde er auch die übrigen verwendet 
haben. Noch erwähnt N. eines zweiten Liedes zum Lobe 
Marias 

Domna dels angels regina 

esperansa dels crezens, 

welches aber alle anderen Hss. Peire von Corbiac beilegen, 
doch steht es in b unter dem Namen von Peire d'Alvergne. 

43. Albertet de Sisteron (S. 165). Die kurze Biographie, 
die nur wenige Daten enthält, ist benutzt; dass N. den Dichter 
zu einem Edelmann macht, streitet nicht dagegen. Nach N. 
liebte er die Marquise von Malespina: das hat N. aus den 
Liedern des Dichters geschlossen, in denen er Guillem von 
Malespina preist (Mahn Gedichte 183, 6). Sie verabschiedete 
ihn und beschenkte ihn mit Kleidern, Pferden und Geld; beim 
Abschied dichtete er ein Lied mit dem Anfänge 

Desportas vorn amy d’aquest amour per aras } 

aus welchem vier Zeilen mitgetheilt werden, die, wie schon 
dieser Anfang zeigt, unecht sind. Nach dem Mönch des 
Isles d’Or starb er vor Schmerz in Tharascon, und übergab 
seine Lieder vor dem Tode seinem Freunde Peyre de Valieras, 
um sie der Marquise zu bringen; dieser aber verkaufte sie an 
Fahre cP Uzes , der sie für seine eigenen ausgab. Auch das ist 
offenbar erfunden. Nach S. Cezari war er aus Tharascon und 
dichtete zum Lobe dreier Damen, der Marquise von Malespine, 
der Gräfin von Provence und der Marquise von Saluces, um 
1290. Das stimmt zunächst in Bezug auf den Namen Male¬ 
spina, aber auch die Gräfin von Provence nennt er (Archiv 
32, 408), und so kann N. auch ein Lied vor sich gehabt 
haben, in welchem des Markgrafen oder der Makgräfin 
von Saluzzo gedacht war. Die irrige Verwechslung mit dem 
Markgrafen von Malespina, Albert, hat schon Crescimbeni 
S. 125 gerügt. 

44. Bertran de AUamamn (S. 168), den N. auch im Leben 
von Laurette und Phanette (S. 218) erwähnt und den er Bertran III 
nennt, was Raynouard (S. 72) angenommen hat Die sehr 
kurze Biographie ist benutzt; im übrigen hat N. hinzuerfun- 


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Die Quellen von Jehau de Nostradamus. 


57 


den. Er nennt ihn Liebhaber jener Phanptte von Romanin, 
aus dem Hause Ganteime, die einen Liebeshof hielt und die 
Tante von Petrarcas Laura war. Er schrieb Liebeslieder und 
dann Sirventese (um 1284). N. bezieht sich hier auf ein gegen 
Karl II von Neapel und Provence gerichtetes Lied, mit dem 
Anfänge 

De la sal de Provensa ay dol 

quand a man port non passa plus, 

worin er sich über die Schmälerung seiner Rechte beschwert. 
Dies Lied hat sich in a 239 erhalten und beginnt 

De las sal de proenzam doill 

car al meu port non passa ren. 

Aus ihm hat er vermuthlich auch den Namen Bonifaz, den er 
auf Papst Bonifaz VIII deutete. Ferner bezieht sich N. auf 
ein Sirventes gegen den Erzbischof von Arles; auch dieses 
hat sich in M erhalten (Rayn. 4, 218). Weiter berichtet N., 
der Dichter sei dem Könige vorgestellt worden und habe auf 
Bitten Roberts, des Sohnes von Karl, seine Rechte wieder¬ 
erhalten, denn Robert war ein grosser Freund der Dichter. 

45. Retnond Feraut (S. 172) war nach N. aus der Provence 
und diente der Königin Marie von Neapel, der Gemahlin 
Karls II. Er schrieb das Leben des h. Honnore, das er aus 
dem lateinischen in verschiedenen Rhythmen ins provenzalische 
übertrug und der Königin Marie widmete (1300). Es lag also N. 
das Leben des h. Honnorat vor, welches wir besitzen, aber keine 
Biographie des Dichters. Daher die Daten, wenn sie nicht 
durch das noch ungedruckte Gedicht bestätigt werden, erfunden 
sind. Die Zeit stimmt. N. bemerkt, Raimon habe seine 
Liebesgedichte verbrannt; was er erfand, weil er von ihm keine vor 
sich hatte; um ihn aber doch unter die Troubadours aufhehmen 
zu können, musste er vorher, ehe er Mönch wurde, solche ge¬ 
schrieben haben. Er wurde Mönch im Kloster des h. Honnorat 
und stand in grosser Gunst bei Robert von Neapel, den er in 
Liedern verherrlichte. Das Jahr seines Todes (um 1300) findet 
sich in den Registern des Klosters. Nach S. Cezari hatte er 
den Beinamen Porcarius; nach einigen hatte er in seiner 
Jugend mit der Dame v. Curban, einer der Präsidentinnen des 


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58 


Bartsch 


Liebeshofes von Romanin, gelebt: beide giengen dann ins Kloster, 
sie nach Cisteron. 

46. Blacas und Blacasset (S. 175). Es lagen N. die Bio¬ 
graphien des Vaters und des Sohnes vor: der Ausdruck lou 
grand guerrier ist aus den Worten der Lebensnachricht des 
Vaters 'plac li . . guerra 9 geschöpft, dagegen entnahm er den 
Satz l'avoit si bien faict endoctriner, quil surpassoit tous les 
gentilshommes de son temps, soit en honneurs, bonte et libe- 
ralite, aus der Biographie des Sohnes et el fon ben adreichamen 
sos fils en totas valors et en totas bontatz et en totas lar- 
guessas. N. nimmt Bezug auf Sordels Klagelied auf den Tod 
des Vaters, der aber unrichtig ins Jahr 1281 gesetzt wird 
(ygl. S. 53). Ausserdem bezieht er sich auf ein Lied des 
Vaters, worin dieser die Provenzalen schmäht, weil sie sich 
dem Hause Anjou unterworfen; es mag ein solches N. Vor¬ 
gelegen haben, aber von Blacatz kann es nicht sein, weil dieser 
starb, ehe die Provence an Anjou kam; es könnte also nur von 
Blacasset sein: freilich unter den uns erhaltenen hat keines 
eine solche Beziehung. 

47. Beyre Cardmal (S. 177). Die Biographie ist nicht 
benutzt, lag also auch N. wohl nicht vor. Dem Dichter ist 
in a nur ein einziges Blatt gewidmet, das nur wenige Lieder 
von ihm enthalten konnte, wie auch A nur ein paar von ihm 
hat. Die Daten sind daher unrichtig: nach N. war er aus 
Argensa, von armen Eltern abstammend, aber sehr unterrichtet 
und in allen Sprachen dichtend. Er lebte in Tharascon, 
wo er, von der Stadt besoldet, die Jugend unterrichtete. 
Robert von Neapel lobte die Stadt dafür, erneuerte ihre Privi¬ 
legien und befreite sie auf zehn Jahre von Steuern. Er ver¬ 
liebte sich in eine Dame aus dem Hause Roquemartine 
namens Laudune Albe, die er in seinen Liedern Argence 
nannte. Im Jahre 1302 wurde er von Gambateza, dem Sene- 
schall der Provence, zum Begleiter von Karls Tochter, Beatrix, 
erwählt, an die er seine Lieder richtete, und die nachher den 
Markgrafen v. Este heirathete. In ihrem Dienste blieb er lange 
und starb 1306 in Neapel. Alles dies ist erfunden. 

48. Bertrand de Marseille (S. 189). Wir kennen diesen 
Dichter als Verfasser des Lebens der h. Enimia (Denkmäler 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


59 


216, 3. 7), doch meint N. wohl eher Bertran Carbonei von 
Marseille, dessen er im Leben von Hugues Brunet erwähnt 
und von dem sich in 'seinem* Chansonier verschiedene Ge¬ 
dichte und coblas finden: vgl. Meyer S. 56 ff. Weder von 
dem einen noch von dem andern haben wir eine Biographie; 
die Daten bei N. sind daher erfunden, wenn sie nicht zum 
Theil in den meist noch ungedruckten Liedern Bertrans 
Carboneis eine Stütze finden. N. nennt ihn einen Abkömm¬ 
ling der Yizgrafen von Marseille, der in seiner Jugend dumm 
und schläfrig war. Er liebte eine Edeldame der Provence, 
Porcelette, aus dem Hause der Porcellets und sang ihr Lob in 
Liedern. Die Citate daraus, vier und acht Zeilen, sind aber 
untergeschoben. Sie verheirathete sich mit einem Herrn aus 
dem Hause Eyguieres und bekam neun Söhne, er aber wurde 
Mönch in Montmajour. Sie starb 1310 und er machte ihr 
Epitaphium, welches N. mittheilt (vier Verse), welches aber 
ebenfalls unecht ist Die ganze Lebensgeschichte trägt den 
Stempel des Erfundenen. 

49. Rostang Berenguier von Marseille (S. 192), ein Edel¬ 
mann, Freund des Grosscomthurs von S. Gilles, Foulquet de 
Villaret, den er in mehreren Liedern pries; er liebte eine pro- 
venzalische Dame, deren Namen man nicht weiss, die sehr alt 
war und sich auf Bereitung von Liebestränken verstand. Auch 
dem Dichter gab sie einen solchen, doch erhielt er von einer 
Dame aus dem Hause Cybö in Genua, die sich damals in 
Marseille aufhielt, ein Gegengift, wofür zum Danke der Dichter 
sie in vielen Liedern feierte. Sie aber wollte ihn nicht er¬ 
hören, und er dichtete ein Lied mit dem Anfang: 

S’ella era un pauc plus liberalla e larga, 

dessen Unechtheit man schon aus dieser Zeile erkennt Es 
war ein Sonett, dessen Schlusszeilen N. mittheilt Er wollte 
Templer werden, wurde aber nicht aufgenommen, und schrieb 
deshalb gegen sie, wurde auch in ihrem Prozess verhört, wobei 
er falsches Zeugniss ablegte. Er starb 1315. Alle Daten sind 
Erfindung, mit Ausnahme von Folquet de Villaret, dem der 
Dichter ein Preislied gewidmet hat Dass er gegen die Temp¬ 
ler schrieb, ist aus den 'peticio* überschriebenen Strophen 


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60 


Bartsch 


(Meyer S. 89) entnommen. Seine Lieder haben sich allein in 
f, welche Hs. Nostradamus kannte, erhalten; ich verweise 
auf die eingehende Behandlung des Dichters bei Meyer 
S. 73—95. 

50. Der Graf von Poictou und andere provenzalische 
Dichter (S. 195). Die provenzalische Biographie ist nicht be¬ 
nutzt. N. setzt ihn in eine ganz späte Zeit, an den Anfang 
des 14. Jahrhunderts, also zweihundert Jahre zu spät! Weil er 
ihn unter den letzten Dichtern in a fand, glaubte er auch 
einen spaten Grafen von Poitou annehmen zu müssen. An 
seinem Hofe beschäftigt und lebend führt N. eine Reihe von 
Dichtem auf, die alle später als Guillem IX und alle früher 
als um 1300 lebten. 

a. Peyre Milhon (S. 195). Eine Biographie von ihm be¬ 
sitzen wir nicht; N. giebt auch weiter keine biographischen 
Daten, als dass er ihn einen Edelmann aus Poitou und Haus¬ 
hofmeister des Grafen nennt, beides natürlich erfunden. Er 
führt ein Lied von ihm an 

Pueis que dal cor my ven feray kanson nouvella, 
das wirklich von dem Dichter ist und in DIKNa steht (Mahn. 
Gedichte 918); nouvella ist aber Zusatz, der erste Vers schliesst 
mit chansos. In a eröffnet dies Lied die Sammlung von Peire 
Milons Liedern. 

b. Bemard Marchyz (S. 196), war nach N. des Grafen 
Kammerherr und dichtete ein Lied zum Lobe einer Dame aus 
dem Hause Requistons in der Provence, welches anfieng: 

Tant es ma donna endurmyda. 

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist dies Bernartz Martis, welcher 
in a 146 stand, und von dem ein Lied beginnt Quan Verb* es 
reverdezida , das noch ungedruckt ist und in CE steht; indess 
kommt jener Vers darin nicht vor, aber in einer andern Hs. 
könnte eine Strophe damit begonnen haben. 

c. Peyre de Vcdieras (S. 196), dessen N. auch in dem 
Leben von Albrecht de Sisteron erwähnt (S. 56). Die Bio¬ 
graphie (Mahn 99) ist nicht benutzt. Nach N. war er des 
Grafen vallet trenchant und besang Rogere von Sainct Severin. 
Eines seiner Lieder beginnt: 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


61 


So qu’als aultres es plazer 
es a my grand desplazensa. 

Dies ist wirklich ein Lied von ihm in D, mit dem Anfang 
So quaz autre vei plazer . 

d. Ozil de Cadars (S. 196), einer der Knappen des Grafen, 
sang zum Lobe einer englischen Prinzessin, der Nichte des 
Grafen, die ihm sehr wohl wollte, und um das Gegentheil 
glauben zu machen, sang er das Lied: 

Ella ha son cor tant hault qu’ella mespreza 
so que Ton ten en grand pres e honnour. 

Das Lied ist nicht bekannt, kann aber wohl echt sein; das 
einzige bekannte steht unter seinem Namen in CDMK (Mahn, 
Gedichte 756, 757). 

e. Loys Enteric (S. 197), Herr von Rochefort in Poitou, 
ist ohne Zweifel identisch mit Aimar von Roccaficha, der in 
a NAimerics de Rocchafica heisst. Er war nach N. Secretär 
des Königs von Ajragonien, von wo Verleumdung ihn ver¬ 
trieben hatte. Er liebte und besang Florence von Forcalquier, 
eines seiner Lieder beginnt: 

Kascun jour m’es ben a fort mays d’un an 
quand yeu vezy aquella que tant amy; 

Verse, die offenbar unterschoben sind, wie man schon aus der 
Form vecy und amy sieht. 

f. Gryraudon lou Roubc (S. 198), ein Edelmann, liebte eine 
provenzalische Edeldame, Albe Flotte, und dichtete zu ihrem 
Lobe ein Lied *) 

Aras saubray s*a ges de cortezia 
en vous domna e si temßs pekat, 

das wirklich von ihm herrührt (Rayn. 3, 10). Die Biographie 
hat N. nicht benutzt; der Name Albe Flotte ist vielleicht Ent¬ 
stellung aus dem Verstecknamen Alexandres jenes Liedes. 

g. Americ de Sarlac (S. 198). Auch hier ist die Bio¬ 
graphie nicht benutzt. Er heisst ein Edelmann, der zum Lobe 


*) In f pteht es unter dem Namen von Raimon Jordan, 


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62 


Babtsch . 


von Guillaume de Fontenay, einer Ehrendame der Gräfin, dich¬ 
tete: seine Lieder richtete er an die Gräfin. Eines beginnt: 

Fin e lial e sens dengun engan, 

dessen erste vier Verse N. mittheilt: es ist ein bekanntes (Mahn, 
Gedichte 142), dessen Geleit auch an eine Gräfin gerichtet ist, 
aber es ist die Gräfin von Sobeiratz. 

h. PystoUetta (S. 200). Ebenfalls ist die Biographie nicht 
benutzt. Nach N. sandte er seine Lieder an Sance von Ville- 
neufve und an eine Dame von Chamdieu in der Dauphine, 
andere an die Dame von Grymaud aus Genua, de Chastillon 
und de Brancas, so wie d’ Esparron in der Provence. In den 
Geleiten wünscht er sich eine Taube von Syrien, wie Mahomet 
sie hatte, um sie zu seiner Dame senden zu können: eine An¬ 
spielung, die sich in keinem der erhaltenen Lieder findet und 
die wenig glaubliches hat 

51. Peyre Rogier (S. 202). Die Biographie hat N. benutzt, 
denn er nennt ihn Canonicus in Clermont; nach dem Mönch 
des Isles d'or und S. Cezari war er Canonicus in Arles und 
Nymes, was N. hinzuerfunden hat, um den Dichter zu einem 
Provenzalen zu machen. Er verliess das geistliche Leben 
(übereinstimmend mit der Biogr.) und wurde Jongleur, N. 
Comique , woran sich wiederum der Irrthum mit aufgeführten 
Komödien knüpft. Er kam zu Ermengarde von Narbonne, 
als deren Gemahl N. den Grafen Roger Bemard von Foix be¬ 
zeichnet, und verliebte sich in eines ihrer Fräulein, Huguette 
des Baux, mit dem Beinamen Baussette, die später sich mit 
Blacatz Vermählte. Nach Hugues von S. Cezari war er von ihr 
begünstigt, doch scheint dies N. nicht der Fall zu sein nach 
einer von ihm citierten Canzone, aus welcher er vier Zeilen an- 
führt, die aber unecht sind. Er blühte am Anfang des 14. 
Jahrhunderts und wurde von Huguettes Verwandten ermordet. 
Alle die nicht mit der Biographie stimmenden Daten sind auch 
hier Nostradamus Erfindung. 

52. Marchebrusc und seine Mutter (S. 208). Die Bio¬ 
graphie kannte N., denn aus ihr hat er die Mutter entnommen; 
doch kann diese N. auch aus dem in der Biographie citierten 
Liede entnommen haben, welches ihm vorlag. Ganz fabelhaftes 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


63 


wird uns von beiden berichtet: er war ein Edelmann aus Poi¬ 
tou und kam mit seiner Mutter in die Provence; sie war aus 
dem Hause der Chabbots, einem alten Geschlechte in Poitou, 
dichtete ebenfalls und hielt einen Liebeshof in Avignon. Der 
Satz f Celuy des poetes de ce temps qui pouvoit recouvrer un 
chant ou un sonnet qu’ eile eust faict, s’estimoit trop heureux*: 
kann entstellt sein aus den Worten der Biographie: et en 
aquel temps non apellava hom canson, mas tot quant hom 
cantava eron vers. e fo mout cridat e auzit pel mont. Er 
lebte zur Zeit von Robert von Neapel (1346). 

53. Amaud de Coutignac (S. 224). Den Namen kann N. 
nicht aus a geschöpft haben, denn hier heisst er Tintignac; die 
Form Cotinhac aber findet sich ebenfalls in Handschriften. 
Eine Biographie besitzen wir nicht von ihm; was N. berichtet, 
klingt sehr wenig glaublich. Danach war er ein armer Edel¬ 
mann aus der Provence. Ein kluger Mann, der sich beliebt 
zu machen wusste, so dass ihn Ludwig von Neapel in Ver¬ 
bindung mit Guygues Flöte beauftragte, die Tendianer, die 
sich empört hatten, zur Unterwerfung zu bringen. Dafür ward 
er mit Cotignac belehnt. Er liebte eine Dame aus dem Hause 
Agoult, Tochter des Herrn von Entravenes *), namens Ysnarde, 
und dichtete zu ihrem Lobe. Da sie ihn verschmähte, zog er 
in die Levante, wo ein Jude ihm grosses Glück weissagte, dass 
von ihm berühmte Männer abstammen würden. Nach S. Cezari 
hiess er Guilhem, diente lange der Königin Johanna von 
Neapel und starb im Kriege von Tende und Ventimille 1354. 

54. B. de Parosolz (S. 239). Die Biographie ist auch hier 
unbenutzt geblieben. Wiederum berichtet N. offenbar erfun¬ 
dene Geschichten: er war aus Cisteron, diente der Königin 
Johanna von Neapel und besang Maria, die Gemahlin Lud¬ 
wigs I. von Neapel. Er schrieb fünf Tragödien (also wohl 
Klagelieder) über die Thaten der verstorbenen Königin Johanna, 
die er Clemens VII dedizierte (1383) und die er nach den 
vier Männern derselben und nach ihr benannte. Er bekam 
ein Canonicat in Cisteron und starb kurze Zeit darauf. 


*) Einen Dichter Jsnart von Entrevenas gibt es. 


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64 


Bartsch 


55. Ricard de Barbezieux (S. 242). Die Biographie lag 
N. nicht vor, denn sie ist nicht benutzt Er nennt ihn Herrn 
von Barbezieux, einen guten Dichter und Mathematiker, Lieb¬ 
haber von Clere de Berre, Tochter des Herrn von Entravenes, 
die er in seinen Geleiten ( coupple finale) M’arma e tnon corps 
nannte. Das ist nicht richtig, indem der Dichter den Versteck¬ 
namen Meills de domna braucht. Sie wurde Nonne im Kloster 
de la Celle bei Brignolle und starb bald darauf. Er verliebte 
sich in ein Fräulein von Ponteves, deren Namen (Anna) er in den 
Endbuchstaben der vier ersten Verse niederlegte; diese Verse 
aber sind unecht. Sie lauten: 

Lou jour del nom qu’en mon cor tant s’imprima 
fon aquel jour de ma destruction, 
de ma ruyna e ma perditio», 
qu’ay ma persona enequalida e prima. 

Auch auf eine andere Canzone bezieht sich N., die aber eben¬ 
sowenig echt ist als diese. 

Ausser diesen uns bekannten Dichtern nennt N. gelegent¬ 
lich noch folgende andere, die wir ebenfalls kennen, ohne 
dass er sie zum Gegenstände besonderer biographischer Dar¬ 
stellung gemacht hat: 

56. Bertran Carbonei de Marseille (S. 69) in der Bio¬ 
graphie von Hugues de Penna bei Gelegenheit eines demselben 
beigelegten Tractates, las drudarias cPamour , der nach einigen 
von B. Carbonei verfasst sei. Ueber ihn, der bei N. identisch 
mit Bertran de Marseille ist, haben wir schon oben S. 58 ge¬ 
sprochen. 

57. Symon Dorie im Leben von Perceval Dorie (S. 136) 
von dessen Leben N. nichts zu wissen erklärt, ausser dass er 
eine Tenzone gefunden zwischen Symon und Lanfranc Sygalle, 
über die Frage: wer mehr verdiene geliebt zu werden, der¬ 
jenige, der aus freigebigem Herzen, oder derjenige, der wider 
Willen giebt. Die Tenzone zwischen Symon und Lanfranc, die 
nach K im Archiv 34, 380 gedruckt ist, kann nicht gemeint 
sein: a enthielt jedoch mehrere Tenzonen zwischen beiden 
Dichtern. *) 


*) Vgl. auch Meyer in den Additions et Correctionß S. 206 . 


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Li romans de Durmart le galois. 


65 


58. Fahre d’Uzes wird in dem Leben von Albertet mit 
einer unglaublichen Beziehung erwähnt (S. 166): gemeint ist 
Pons Fahre d’Uzes, von dem ein Lied in f. steht. 

59. Bertrand de Borne und 

60. Bertrand du Fuget werden ohne nähere Bestimmung 
in dem Leben von Laurette und Phanette (S. 218) genannt. 

(Fortsetzung folgt.) 


Li romans de Durmart le galois. 

Die kostbare Berner Handschrift 113 (s. Sinner Catalogus 
III. p. 344—355) enthält auf f. 236—283 den obengenannten 
Artusroman, von dem bis jetzt, soviel mir wenigstens bekannt 
ist, nur Jubinal in seinem „Rapport ä M. le ministre de Tin- 
struction publique etc. Paris 1838" eine Erwähnung gemacht 
hat. Er sagt p. 66: le roman de Durmart est une vieille 
fable galloise assez interessante en vers de 8 syllabes, ce qui lui 
donne une allure assez vive. Elle se compose malheureuse¬ 
ment d’environ 9000 vers, ce qui est un peu long, toutefois eile 
meriteroit d’etre mis au jour, etc. und verspricht eine getreue 
Analyse von demselben zu geben, welches Versprechen er je¬ 
doch nicht ausgeführt hat. Er kann auch eine Copie davon 
nicht genommen haben, da seine Einleitung dieses Romans 
sehr ungenau ist, und er bei der Kürze seines Berner Aufent¬ 
haltes, während dessen er die berühmten Teppiche abzeichnen 
liess und nach Alterthümern aller Art forschte, schwerlich die 
Zeit dazu gefunden haben dürfte. Der Codex war jedoch zwei Jahre 
lang in Paris und es befindets ich daselbst Collection ste. Palaye 
fonds Moreau 1565 auf der Bibliotheque nationale eine Abschrift, 
die jedoch nur die wichtige Kreuzzugchronik enthält — Die 
Handschrift datiert aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, ist sehr 
correct geschrieben, gross Folio, dreispaltig ä 60 Zeilen 5 * 5 ). 
Fol. 236. 3. Spalte, Zeile 18 bricht plötzlich der Partenopex ab 
und ohne Aufschrift, nur mit einer gewöhnlichen Initiale ein- 

*) Eine genaue Beschreibung der Hdscht. wird der demnächst er¬ 
scheinende Berner Katalog, dessen franz. Theil Dr. Groeber bearbeitet, 
bringen. 

Jahrb. f. rom. u. eagL Lit. N. F. I. (> 


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66 


Foerstkr. 


geleitet, beginnt unser Roman, der über 16,000 Verse enthält 
Die Sprache zeigt keine besonderen Eigentümlichkeiten, nur hie 
und da findet man einen picardischen Anflug, wovon später ein¬ 
gehend gehandelt wird. Seiner Composition nach .zählt er zu den 
besten seiner Art und man kann ihn neben die besten Erzeugnisse 
von Crestien de Troyes hinstellen den der unbekannte Verfasser 
vor Augen gehabt hat. Wir finden bei ihm dieselbe Seelenmalerei, 
die langen Monologe, die in lebendiger Frage und Antwort das 
Wogen der Gedanken in der Brust erkennen lassen und dergl. 
Dabei herrscht aber ein Zug der Realität darin, der nicht wenig 
absticht und auf eine Opposition hinweist. Wenn der Held un¬ 
gewöhnliche Waffenthaten verübt, allein 10 oder mehr Gegnerbe¬ 
siegt, so wird dies eingehend motiviert, wovon wir weiter unten 
ein drastisches Beispiel geben. Ferner finden wir ein conse- 
quentes Femhalten alles Wunderbaren, keine Riesen und Feen, 
keine Zauberer — dabei jedoch auffälliger Weise zwei Er¬ 
scheinungen, die auf einer keltischen Quelle beruhen dürften 
und worauf ich die Aufmerksamkeit der Fachmänner zu richten 
mir erlaube. Sie sind in Extenso an der gehörigen Stelle an¬ 
geführt. Der Leser dürfte es genehmigen, dass ich in meiner 
Analyse alle Schlachten, Kämpfe und ähnliche Gemeinplätze 
kurz abmache, und mich des Weiteren bei allgemein Mensch¬ 
lichem, tief Empfundenem, bei Stellen, die für die Anschauung 
damaliger Zeit belehrend sind, u. dgl. auslasse. 

Er beginnt also: 

Ki bealz raoz seit dire et entendre, 

Bien les doit conter et aprendre 
A celz ki les uulent oir 
Dont bien et honor puet uenir. 

Je ne dis pas qu’a totes gens 
Doiue li hom mostrer son sens, 

Kar mainte gent seuent blasmer 
Et reprendre sens amender, 

Et on i blasme sans raison, 

Telz chose n’e3t se annuis non. 

Por chu me plaist que eil m’entende 
Ki bien reprent et bien amende. 

J’ai mis mon penser et ma eure 
D’un roial conte d’auenture 
Commencier et dire briement 


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Li romans de Durmart le galois. 


67 


Sens anuioz alongement. 

Por cho est li contes roial 
Que fils de roi fu li uassal 
Dont li contes est deuises 
Qui bien doit estre renomes. 

Jadis ot en Gales un roi . . . 

Er hiess Jozefens, ein Muster der Ritterlichkeit. 

Moillier ot bone et sage et bele 
Qui tos tens li sembla nouele, 

Quar il l’auoit por amor prise, 

S’ot non la roine Andelise, 

Fille[ert] al roi de Danemarche, 

eine Dame von grossem Wert und auserlesener Schönheit, 
die ihm Dänemark zugebracht hatte. Sie lebten in der glück¬ 
lichsten Ehe, geliebt und geachtet von allen. 

Die Frucht dieser Ehe ist der Held unseres Romans, Dur¬ 
mart, voll männlicher Schönheit und Tüchtigkeit. 

Mit 15 Jahren (236 v , 2 Sp.) 

Beals est et gens et drois et grans, 

Beles iambes ot et beals piez, 
de cors estoit si bien tailliez 
Que mde riens n’i sofraignoit, 

Lons bras et grandes mains auoit 
Lonc col et droit et gros et blanc, 

Si n’estoit mie mors de sanc, 

Quar sor le blanc uisaige estoit 
La colors ki renluminoit, 

N’estoit pas lefrus ne anscais, 

Vairs ot les vels*), iolis et gais, 

Beal front bele boche et beal nez, 

Les cheuelz blons recerceles. 

Plus estoit clers que nule gemme, 

Et si n’ot pas bealte de femme 
En la semblance de son uis. 

Dabei ist er in allen ritterlichen Künsten bewandert, tapfer, 
freigebig. Dies letztere ist eine Eigenschaft, die unser Dichter 
immer lobend hervorhebt, so dass man ihn nicht für ganz 
uninteressirt halten kann. Die Söhne der Ritter und Barone 


*) yeux. 


5 * 


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68 


Foersteb. 


leisten ihm stets Gesellschaft, und besonders die armen sind 
es, die er mit seinen Geschenken bedenkt. Der König hatte 
einen Seneschall, einen Ehrenmann, der die „weisse Stadt" ver¬ 
waltete und eine schöne, 18jährige Frau hatte. 

Li seneschaus estoit d’eage, 

De ce nel tien ie mie a saige 
Que si tre-iouene ferne prist. 

Quant iouenes uiellece despist 

Bien ua le diable chacant 

Vielz hom, sachies, qui prent enfant. 

Diesem übergiebt der König seinen Sohn. 

Lors enmaine son damoisel 
Li seneschalz a son ostel 
Et Durmars ne desiroit el 
Que ueoir la seneschalcesce 
Molt est lies de si bele ostesse. 

Er verliebt sich allsogleich in dieselbe, die seine Gefühle 
theilt und sucht eine Gelegenheit, sich ihr zu entdecken. Als 
•eines Tags der Seneschall mit der ganzen Mannschaft auf 
die Jagd ausgeht, stellt sich Durmart unwohl, und als er sich 
allein sieht, gellt er in das Zimmer der Geliebten. Diese Epi¬ 
sode ist in Folge der darin ausgesprochenen Ansichten so 
bezeichnend für die damaligen Verhältnisse, dass wir sie ganz 
abdrucken. 

237 r 1. Sp. En la chambre entre liement, 

Volentiers s’i abandona, 

Le seneschaucesse i troua 
Qui plus estoit bele que fee. 

Liez est quant seule Fa trouee — 

Ses meschines et ses pucelles 
Estoient en altres chambreles. 

La n’auoit que li seulement, 

En un romans list et aprent 
Son damisel uoit, si se lieue. 

A, dame, fait il, molt me grieue, 

Que uos contre moi uos leues. 

Bons iors uos soit hui aiomes 
Si uoirement com ie le voel. 

La dame respont sens orguel: 

Sire, bien soies uos uenus. 

Lors s’asient ambedui ius 


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Li romans de Durmart le galois. 


69 


Deuant un lit qui molt fu bealz, 
Oures a flors et a oisealz. 

La dame dist al damisel: 

Sire, moi ne fu mie bei 
Quant on me dist que uos esties 
Vains et pesans et dehaities, 

Je deuoife] or aler a uos. 

Dame molt m’eust este dols, 

Fait Durmars, li uostre uenirs. 

Quar en uos est tos mes desirs. 
Dame, uostre grande bealtez 
Et uostre debonairetez, 

Uos dols regars, uostre simplece 
A mis mon euer en grant destrece. 
Certes, dame, je n’ai pensee 
Qui ne soit a uos atornee. 

Ceste amors est sens obliance, 

En mon euer est uostre semblance 
Et nuit et ior mise et enclose. 

Trop sui hardis, quant dire Tose, 
Mais force d’amors me soprent 
Qui m’a done cest hardement. 

Et se uers moi uos corecies 
De mort destroite sui iugies. 

Dame, merci. Et dont se teut 
Durmars, que plus dire ne peut. 
Adont commenca a fermir, 
Entremesler et a palir. 

Quant il n’a pooir de plus dire, 

La dame Tesgarde et remire 
De ses bealz velz molt dolcement, 
Color li uuet (L uoit) muer souent. 
Sei conoist molt bien a sa chiere 
A son uis et a sa maniere 
Et entent bien a sa parole 
Qu’amors Ta mis a halte escole. 

La iouene dame ne fu mie 
Del respondre trop esbahie. 

Sire, dist eie, ce saebies, 

Trop Ions plais est en la fin nies. 
Miech vaut longe ioie que corte. 
[Et] ie ne pris mie une torte 
Dame, qui todis fait proier 
Son ami, puis qu’ele l’a chier. 

Mielz ualt la ioie et li desduis 


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70 


Foekster. 


Que Ions respis et Ions ennuis. 

Certes en lonc detriement 
Ne gaaignent dames noient. 

Mainte en a son ami perdu 
Quil uossist auoir retenu. 

Miech doit om sa ioie haster 
Que son tens perdre ne gaster. 

J’ain mielz plus de ioie en amor 
Que mains de ioie et plus dolor. 

Yos estes sages et uaillans 
Et bealz et iouenes et plaisans. 

Puis que uostre amors m’est donee 
Ne puis estre miech assenee 
Et se ie ne uos fai dangier, 

Ia ne m’en deues mais prisier. . 

Quar de ce soies bien certains 
Que uos estes li promerains 
Que onkes amasse a nul ior, 

Ne iamais n’aurai atre amor. 

Ie uos ain de fin euer entir; 

Ia ne le m’oissies gehir, 

Se (ie) n’en fuisse requise auant, 

Quar ce ne fust pas auenant. 

Or est ensi, a uos m’otroi, 

Ie uos doins ma pensee et moi. 

Dame, ce dist li damisialz, 

Ces (1. cis) dons me semble assez plus bealz 
Que dons qui onques fust dones, 

De tot annui sui eschapes. 

Lors se trait Durmars pres de li 
Et eie uers lui autresi, 

Par . i . baisier s’amor li done . . . 

Abends kehrt der Seneschall aus dem Forst zurück, „ou 
il ot pris . ii. cers“ und als er unsern D. wohlgemuth und guter 
Dinge findet, freut er sich dessen mit seiner Begleitung. Nach 
dem Mahle wird, wie immer, musiziert und gespielt — 

mais a. D. riens ne plaisoit 
fors la dame que il amoit 
237 v ) de fin euer et eie lui si, 

que nus d’eaz . ij . ne s’en couri, 

voiant la gent s’entrebaisoient, 

si que tretot (1. trestuit) 1 aparciuoient. 

Li seneschaz bien l'aparcoit 
et trestot lor couine voit, 


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Li romans de Durmart le galois. 


71 

Mais il est de si tre-haut euer 
Qu’il n’en daigna a nes un fuer 
De rien sa ferne chastoier. 

Manoir s’en uait al gaut plenier 
Un molt bei chastel qu’il i a, 

Mais sa ferne pas n’i mena, 

Ains l’a auuech . D . laissie. 

Et . D . faut de compaignie 
Tos les ualles qui o lui furent. 

Li damisel bien s’en parciurent, 

Se lor torne a molt grant an ui, 

Trestot (1. tuit) se departent de lui. 

Nus n’est auuec lui demores 
Fors uns chaitis, uns esgares 
Qui demora por lui seruir. 

Drei volle Jahre blieben die Liebenden beisammen, zum 
grossen Aergemis aller Biedermänner, bis der König Jozefenz 
davon Kunde erhielt. Denselben hatten nämlich seine Re¬ 
gierungsgeschäfte nach Dänemark gerufen und erst jetzt konnte 
er zurückkehren. Tief betrübt und stark erzürnt, sendet er 
nach seinem Sohne. Dieser wagt es nicht, sich zu wider¬ 
setzen. Als er in den Palast eingetreten, ist er der Gegen¬ 
stand des geheimen Spottes der anwesenden Ritter und Hof¬ 
leute, er kümmert sich wenig darum, Niemanden grüsst er, 
gerades Weges geht er zum König, kniet vor ihm und 
grüsst ihn nach Gebühr. Dieser erwidert nicht seinen Gruss, 
hält dem verlornen Sohne in ernsten Worten sein bisheriges Leben 
vor, entrollt vor ihm das Bild eines echten Ritters und gar 
eines Königssohnes und fordert ihn auf, ein anderes Leben zu 
beginnen. Sollte er in seiner Schande verharren, so sperre er 
ihm seine Subsistenzmittel. Er lasse ihm die Wahl. 

D . a al roi respondu: 

Sire, bien uos ai entendu, 

Molt me plaist uostre enseignemens, 

Uos m’aves dit raison et sens. 

Vostre chastoi ne hac ie mie 
Mais asses miech me plaist m’amie 
Cui ie maintien et maintenrai, 

Ja uostre consel n’en crerai. 

Li rois respont sens longe fable: 

Je te commant a uif diable. 


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72 


Foebbtbr. 


Ohne ein Wort zu sagen, kehrt D. schnurstracks zu seiner 
Geliebten zurück, die ihn zärtlich umarmt. Er erzählt ihr das 
Vorgefallene. 

Daine, fait il, a quil quil (1. cui qu’il) tort, 

Tos iors serons nos raais ensemble. 

Atres desduis bons ne me semble 
Que li uostre cors. sei baisa. 

Diese versichert ihn ihrerseits ihrer Liebe und tröstet ihn 
damit, dass nach dem Tode des Königs ihm das Reich zu¬ 
fallen müsse. Nach dieser Rede spielen sie eine Partie Schach. 
So wird denn fortgelebt — inzwischen versetzt D. die Garderobe 
und die Edelsteine seiner Geliebten, er und sein Knappe haben 
nur mehr „un ronci trotier“. Alle Leute geben ihn auf und 
sagen, „que. D . est faillis.“ 

„Vait s’en iuers“ und jetzt folgt eine der gewöhnlichen 
schönen Frühlingsbeschreibungen, die trotz ihres stereotypen 
Wesens doch nie ihren Eindruck verfehlen. Durmars steht 
morgens auf, glättet sein Haar und schaut zum Fenster des 
Saales hinaus, und wird sentimental. 

238 r Voit el pre l’erbe qui uerdoie 

Voit le tens bei et le ior der 
Si ot les aloes chanter 
Qui uers le ciel montent chantant, 

De mainte chose uait pensant 
. D . qui les chans escolta, 

Tot son afaire recorda, 

Molt li desplait et desagree 
La nie que il a menee 

Er geht in sich, erkennt seine erbärmliche Lage und 
schüttet sein überwallendes Herz vor dem Knappen aus. Er 
will dem Käfig entspringen und sich von seiner Herrin 
trennen, die ihm nur Unehre eingebracht habe. Er will zum 
König gehen, sollte ihn dieser von sich weisen, so werde er 
schon jemand anderen finden, der ihn zum Ritter schlage. 
Der Knappe, so Diones heisst, bestärkt ihn in seinem Vor¬ 
haben — da öffnet sich die Thür imd die Geliebte tritt her¬ 
ein, herrlich geschmückt in weissem Gewände, mit einem Gold¬ 
reif in dem blonden Haar, sie bemerkt, dass in Durmart etwas 


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Li romans de Durmart le galois. 


73 


vorgehe und auf ihre Frage tlieilt ihr dieser seinen Entschluss 
mit. Er wolle zu seinem Vater und müsse sie deshalb ver¬ 
lassen. 

Dame ie vos puis bien amer 
Sens tofs] iors o uos demorer. 

Die Herrin mag wohl merken, dass dies eine blosse Höf¬ 
lichkeit sei und erwidert en riant: Sie wolle ihm treu bleiben, 
derweil er es bleibe. Andresfalls 

Je ne quit pas por uos deruer 
Ains m’en sarai bien deporter. 

Ne vos en requis premeraine, 

Assi ne ferai io derraine. 

Unser Held geht auf diesen Ton ein: 

Dame, feit . D . uos dires 
Trestot ice que uos uodres. 

Hierauf verlässt er sie kalt, ohne Kuss — der erste Theil 
ist zu Ende, die Flegeljahre sind vorüber. 

Durmart geht ohne Säumen auf den Hof, die Reihen der 
Höflinge durchschreitend hört er das Gezischei: „Aus ihm 
wird nichts“ und tritt in die Halle, worin der König und die 
Königin mit dem Hofstaat versammelt waren. Aller Augen 
richten sich auf ihn, alles staunt seine Schönheit an und 
mehr als 50 gehen ihm mit ihrem Grusse entgegen. Ohne 
irgend welche Verlegenheit dankt D. und grüsst den König, 
der ihm den Gruss nicht zuriickgiebt. „Et D. le laissa ensi“ und 
geht zur Königin, die ihren schönen Sohn mit mehr als 7 
Küssen empfängt. Das Mahl wird aufgetragen, D. trägt in 
einem „bocler“ dem König das Wasser zu, der schweigend sich 
wusch und will Selbes dann der Königin bringen. Da entreisst 
ihm ein hochmüthiger Knappe das Becken und höhnt ihn mit 
der Seneschalin — ein Schlag auf die Brust, ein Fusstritt dem 
Gestürzten — die Ritter entreissen ihm das Opfer und Dur¬ 
mart schickt sich an, vor dem König das Fleisch zu theilen. 
Die Frauen und Mägdelein wundern sich ob seiner ausnehmen¬ 
den Schönheit und gar manche möchte ihn als ihren Buhlen 
erkiesen; — nicht anders staunen die Ritter ob seines höfischen, 
ungezwungenen Benehmens. Das Mahl ist zu Ende und nach¬ 
dem man vom Weine getrunken, bestrickt D. mit dem Zauber 


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74 


Foerstkr. 


seiner Rede den König und bekennt seine Schuld. Der König 
freut sich darob, dass er die Geliebte verlassen, jedoch nicht 
der Ehebruch war es, der den Vater empört hatte, sondern 
die Mesalliance, 

Laisse-le atant, si te recroi, 

N’est pas amors de fil a roi 
Vers la ferne d’un uauasor. 

Filz de roi doit auoir amor 
A haute pucelle roial 
Ou a roine emperial; 

Mais uauassor et bacheier 
Cil doiuent haut et bas amer. 

Zum Zeichen der Versöhnung küsst der Vater den Sohn, 
und verspricht, auf die Fürbitte seiner Mutter hin, ihn vor 
dem Ablauf 2 Monde, zu Pfingsten zum Ritter zu schlagen. 
In der Zwischenzeit befleissigt sich D. aller möglichen Ritter¬ 
tugenden und eines Tages ersucht er den König, die Sene- 
schallfrau mit ihrem Gemahl auszusöhnen. Also geschieht^, 
die Dame ist abgethan, d’or en auant conterons d’el. 

Folgt eine glänzende Schilderung des Wonnemonats. 

239 r Li douz mois de mai est entres, 

De biaz iors est enlumines, 

Li rosiers Aorist et li glais, 

Molt est cis tens iolis et gais, 

La fiors de lis naist et blanchoie, 

Li roseignoz maine grant ioie. 

Pfingsten, das liebliche Fest ist gekommen, in der „weissen 
Stadt“ ist grosse Festlichkeit. Grosser Hofstaat ist versammelt, 
die Gassen, der Markt, die Hallen sind mit Blumen und Bin¬ 
sen bestreut, Ritter und Frau ist reich geschmückt — D. in 
reichem Anzug, von sämmtlichen Frauen begehrt, wird, nach¬ 
dem er einem Bischof gebeichtet und der heilige Geist ihn 
berathen hatte, zum Ritter geschlagen. Nach dem Hochamt 
strömt alles auf eine herrliche Wiese, wo im Schatten der 
Bäume die Tafeln aufgesetzt sind. Man setzt sich zum Mahle, 
200 blonde schlanke Jungfrauen und 200 junge Ritter tragen 
auf, lockende Lieder der Liebe werden dazu angestimmt. Das nach 
dem Mahle abgehaltene Turnier überdauert die Non. Ein Ge¬ 
witter ist im Anzug, alles strömt nach der Stadt. Durmart 


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Li romans de Durmart le galoie. 75 

reitet zuletzt imd trifft vor dem Thor einen Pilgrim, einen 
Greis von mächtigem Wüchse und herab wallendem Barte, der 
sich vor unserem Helden verneigt und dreimal mit dem Kreuzes¬ 
zeichen segnet. Er sehe ein grosses Wunder vor sich, doch 
habe er neulich ein noch grösseres gesehen. Darob befragt, 
erklärt er D. s Schönheit für das eine Wunder. Das andere 
sei die Königin von Irland, deren Liebesreiz alles Mass der 
Natur überschreite, eine Jungfrau von 18 Lenzen. Deren Liebe 
solle D. erwerben, das gäbe ihm hohen Preis, alle Welt würde 
von solchem Paare reden. D. fragt nach dem Namen der 
Holden, denn auf der grossen Insel Irland gäbe es mehrere 
Königinnen. Der Waller kann keine Auskunft geben, weiss 
ihn auch nicht hinzugeleiten, räth aber, D. solle gewappnet aus- 
ziehen imd sie suchen. Doch zweifle er, ob er, D. solchem 
Thun gewachsen sei. 

Certes, fait .D., si ferai 
Trestot le fais en chargerai 
De li querre et de li amer, 

Del tot me uuel a li doner, 

D’or en auant sui ses amis. 

Hiemit ist die Verwicklung des Romans gegeben, der 
rothe Faden, an den eine wunderliche Reihe von Abenteuern 
neben einander gereiht wird, — die Suche und Fahrt nach 
der ungekannten Königin, ein Gedanke, der im Mittelalter, wie 
uns die Lebensgeschichte eines Troubadours u. a. zeigt, durch 
aus nicht für verrückt galt. 

Reich beschenkt wird der Pilgrim entlassen u. D., tief in 
Gedanken, reitet nach dem Palast, und verlangt, sonder Um¬ 
schweif, vom Könige seine Rüstung und sein bestes Pferd. 
Der verwunderten Frage des Vaters antwortet eine Drohung; 
wenn er gerüstet sei, wolle er Rede stehen. Der König fügt 
sich — D. wird gewappnet, 2 goldene Leoparden sind in seinem 
Wappen, die Mutter giebt ihm einen kostbaren Gürtel und der 
Vater gürtet ihm das treffliche Schwert um. Jetzt giebt D. die 
Erklärung: 

240 r c Sachies de uoir que ie querrai 
La bele roine d’Irlande, 

Car fine amors le me commande, 


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76 


Foebster. 


(Test (1. co est) la mieldre et la plus bele 
Qui soit ne dame ne pucelle, 

Eie est bone et bele a deuise, 

Presenter li uoiz mon seruise, 

Car ie sui siens tres tos entiers. 

Allein wolle er ausziehen, um den Ruhmespreis unge¬ 
schmälert zu empfangen. Der König, ein vernünftiger Mann, 
als er solche Reden vernimmt, 

A pou qu’il ne les tint a foles. 

Er kenne in ganz Irland keine solche Königin, wie sie denn 
heisse, diese seine neue Freundin? 

Sire, son non ne sai ie mie 
Qu’ onques encore ne la ui, 

Mais tuit*) mi penser sont a li. 

Quanque i’en sai, c’est par atrui. 

Si m’a conquis que ses hon sui. 

Die Eltern sehen, dass mit ihm nichts anzufangen sei — 
nach zärtlichem Abschied reitet er, dem der Vater weise Lehren 
auf den Weg mitgiebt, von dannen — in die weite Welt. Die 
Mutter ist tief betrübt, — 

• Mais il ert costume a cel tens, 

Que les auentures querroient 
Li fil as rois qui donc estoient. 

Quant il pooient eschiuer 
Et en lor pais retorner, 

Adont tenoient les grans cors. 

Li siecles n’estoit mie sors, 

Quar on donoit les riches dons. 

Jolis estoit trestos li mons. 

Ce deuoit molt a .la gent plaire — 

Or est li siecles d’altre afaire, 

Quar li riche home sont maluais, 

N’aiment fors riotes et plais. 

Qui set losengier et mentir, 

Reponre et mucier et trahir, 

Cil parole a cort baudement. 

Dieses Lob der guten alten Zeit beschliesst der Dichter 
mit folgendem frommen Gebet: 

Or proions qu’a si faite gent 
Doinst damedeus annui et honte. 

*) Cod. tot. 


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Li romana de Durmart le galois. 


77 


Der fahrende Held reitet fort, in die schwarze Nacht hin¬ 
ein — den Kopf des eigenen Pferdes kann er vor lauter 
Dunkelheit nicht sehen. Und nun folgt eine fremdartige Epi¬ 
sode, die wohl ihrem Gehalt nach auf das graue Heidentum 
zurückf&hrt und mit der Handlung des Gedichtes in keinem 
eigentlichen Zusammenhang steht, wiewohl der Dichter am 
Schlüsse des Gedichtes darauf zurückkommt, und die uns 
wichtig genug scheint, um in der Gänze mitgetheilt zu werden. 

Que que il cheuachoit ensi, 

Une grande clarte choisi, 

La clartes li semble de fu. 

Tant a son droit chemin tenu, 

Qu’il uient a .i. arbre tot droit, 

Sachies que cis arbres estoit 
Tos chargies de cleres chandoilles 
Ausi luisans ke sunt estoiles. 

Des le pie desi au copier 
Ne poist nus sa main tochier 
Fors desor chandoilles ardans, 

Dont la fores est reluisans. 

Mesire . D. s’aresta 
Qui cele merueille esgarda, 

Mais il n’ot pas le euer esmarbre. 

Desore le copier de l’arbre 
Vit . i. enfancon trestot nu, 

Qui plus clers et plus luisans fu 
Que les chandoilles par uerte, 

Mais Tenfancon a remire 
Mesire D. molt petit 
Ausi que trespassant le uit. 

Quant mielz le quida esgarder 
En la clarte qu’il ueoit der, 

Tot a un fais est trespassee, 

Et il de sa main destre armee 
A fait le signe de la crois 
Et lors si oi une uois 
Qui li dist: cheualiers, ua t’ent, 

Ce saches tu certainement. 

Se tu iamais uois les merueilles 
De Tenfancon et des chande[i]lles, 

Faire t’estue[t] ne laissier pas 
Les commans que donques oras, 

Se tu nel fais, tu seras mors 


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78 


Foerster. 


Et perdus en arme et en cors. 

Mesire . D. s’esbahi 

De la uois que il e[n]tendi, 

La terre ot croler et hocier 
Desos les piez de son destrier. 

A damedeu s’est commandes, 

Si s’est d’ilueques trestornes. 

Er reitet fort, bis er in eine Priorie kommt, woselbst ihn 
die Nonnen gastlich aufnehmen und er die Nacht zubringt. 

Nach dreitägiger Meerfahrt ist er endlich in Irland — c or 
primes commence li contes’. In einem grossen Forste trifft 
unser Held einen gewappneten Ritter den er nach seiner 
Herzenskönigin befragt 

241 1 a. Mes cuers la desire et demande, 

Ce est la tres plus bele nee, 

Qui onques fuist crestienee. 

Atrement ne sai son non dire, 

Mais la tres plus bele, beaz sire. 

Ge sui ses liges ckeualiers 
Et ses fins amis droituriers — 

Der Ritter höhnt ihn; er müsse ein gar wackerer Kämpe 
sein, manchen harten Strauss ausgefockten haben, wenn er so 
hoch seinen Sinn richte. Als D. in seines Herzens Einfalt erwidert, 
er habe sich im Waffenhandwerk noch nicht versucht, fordert 
ihn der fremde Ritter barsch auf, dieser seiner Liebe für 
immer zu entsagen — sonst setze es einen Kampf ab. Man 
wird handgemein, D. ist natürlich Sieger und schickt den Be¬ 
siegten nach der weissen Stadt zur Königin Andelise. Ueber 
die Geliebte weiss dieser jedoch keine Auskunft zu geben — er 
schenke ihm seine Hündin, diese ^erde ihm den Weg weisen. 
So reitet denn D. in dem Forst weiter, bis er Abends einen 
unvermeidlichen Zwerg antrifft, ein Muster von Hässlichkeit, 
den er, um Nachricht zu hören, grüsst: r Figure, deus te saut’. 
Ergrimmt ob dieses Titels höhnt der Zwerg unsern Ritter 
und seine funkelnagelneue Rüstung; er sehe wohl, D. sei kein 
Gauain, und reitet eiligst von dannen. D. geht fürbass des 
Weges, seiner Hündin nach, bis er einen Ritter in goldener 
Rüstung antrifft. So gross war dieser, dass wenig zu einem 
Riesen fehlte. Sie grössten sich gegenseitig u. D. fragt ihn 


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Li romans de Durmart le galois. 


79 


nach der Königin, die er in überschwänglichen Worten feiert. 
Der Gefragte wird, als er von der Königin sprechen hört, et¬ 
was unhöflich. Lass mich in Ruhe — hätte ich Dich nicht 
gegrüsst, Du wärst sofort um einen Kopf kürzer. D. geht 
auf diesen Ton ein, der grosse Ritter reitet jedoch fort. Dasselbe 
thut D., den seine Hündin nach einer Lichtung führt, wo er 
eine liebliche Jungfrau auf einem weissen Zelter erblickt. 

242 r a Molt ert sa beatez pure et fine. 

Sor ses espales ot getes 
Ses cheuiaz blons et galones, 

Molt les auoit clers et luisans. 

E deus, cum eie estoit plaisans! 

Eie ert tres esmereement 
Del tot bien faite entierement, 

De cors, de membres et de uis. 

Blanche estoit come flors de lis, 

Mais ce ert de droite nature, 

Sor li n’auoit atre tainture. 

A ui sage de crucefiz 
Auient li tains et li uernis, 

Mais dame ne s’en doit melier, 

Trop est uiez chose a porpens&r. 

La pucele que ie uos di 
N’auoit pas a biate failli, 

Ains auoit la color nouele 
Sor chascune blanche massele. 

Beal nez auoit- et blanc menton, 

Ne auoit rien de mesprison, 

La boche ot petite et uermelle — 

Onques nus ne uit sa parelle. 

Blanc et traitif*) auoit le front, 

N’ot si bien fait en tot le mont. 

Vairs ot les iez et ameroz 
Et simples et rians et doz. 

N’ auoit pas fole esgardeure, 

Bien sembloit doce creature, 

Mais nus ne poroit sa facon 
Descrire par deuision. 

Car ains si bele ne conurent 
Trestuit**) eil qui a son tens furent 
Ne totes celes ensement. 

9 


*) Cod. traitiz. Vgl. jedoch rec 6789 u. a. 

**) Cod. tot 


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80 


FoERSTEB. 


Der aufmerksame Leser hat schon errathen, dass dieser Aus¬ 
bund von Schönheit die ersehnte Königin ist, ahnt aber auch, 
dass von einer Vereinigung des Paares noch keine Rede sein 
kann, da über 13,000 Verse nachkommen. Dem Dichter sei 
es nachgerühmt, dass er, ungleich den epischen Coliegen, die 
Selbstverläugnung hat, sich nicht zu verratlien, und erst, als 
D. die Holde verloren, erfährt er, dass sie die so heiss er¬ 
sehnte sei. Die Stimme seines Herzens sagt ihm gar nichts; 
denn als die Jungfrau, um ihre Schönheit strahlen zu lassen, 
ihr Gesicht entblösst hatte, grüsst er sie artig und gesteht, so 
eine Schönheit noch nicht gesehen zu haben. 

La plus bele estes, gel sai bien, 

De tot cest siede terrien, 

Fors la roine d’Yrelande 

De cui ueoir sui molt en grande, 

Tank m’a on fait de li entendre 
Que trestos me uois a li rendre. 

Rendus m’i sui sens li ueoir 
Et sens le nom de li sauoir; 

Ne conois li ne son parage, 

Et si l’ain de tot mon corage. 

Die Jungfrau fragt ihn lächelnd, ob er die Kleinode 
(iuealz, sie meint die Hündin) und Boten dieser Königin ge¬ 
troffen (was dieser verneint), und wundert sich ob solch selt¬ 
samer Liebe. Sie wolle sich derselben vergewissern und ver¬ 
lange im Namen der Geliebten seine Hündin. Seufzend giebt 
sie dieser hin, seinen Wegweiser. Das Fräulein fordert ihn 
auf, mit ihr zu gehen. Sie wolle ihn auf die Wiese vor Lan- 
doc führen, woselbst der tapfere und stolze Cardroain den 
Sperber und die Schönheit seiner Freundin Yde vertheidigen 
werde — cf. Erec. Sie, das Fräulein, wolle ihn gewinnen, und 
sie führe deshalb einen gewaltigen Ritter mit sich, den D. 
angetroffen habe. Sie könne ihm ihren und des Ritters Namen 
und Stand nicht angeben, als bis sie in ihre Heimat zurück¬ 
gekehrt sei. Sie sei reich und habe viele Burgen, Städte und 
Schlösser. D. solle mit ihr nach Landoc, daselbst könne er 
bei einer so grossen Versammlung leicht Kunde von seiner 
Herzgeliebten erfahren. Von dem Ritter, der gar falsch und 


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Li romans de Durmart le galois. 81 

übermüthig sei, solle er alles ruhig hinnehmen — dessen be¬ 
schwöre sie ihn bei seiner Geliebten. 

D. erklärt sich zu allem bereit und beide reiten weiter, 
bis sie den grossen Ritter treffen, der unsern Helden für einen 
bricon erklärt. D. antwortet demüthig, er wolle als Knappe 
ihnen seine Dienste anbieten, womit der Ritter sich zufrieden 
giebt. Es wird Abend, sie treffen ausserhalb des Waldes den 
Zwerg bei einem grossen Feuer, mit der Zubereitung eines 
Nachtmahls beschäftigt. Sie lagern sich daselbst, jedoch nicht 
früher, als bis der Zwerg und D. gegenseitig sich Anzüglich¬ 
keiten gesagt hatten. Sie nehmen das Mahl ein, wobei sich 
der grosse Ritter absonderlich anstrengte. 

Nus ne uit onques cheualier 
Ne tant boiure ne tant mangier. 

Dann befiehlt er, D. solle dem Mägdlein und ihm, weit 
von einander aus Gras und Farrenkraut (fechiere) ein Lager 
bereiten — die Nacht müsse er hindurch wachen; träfe er 
ihn schlafend an, so koste es ihm seinen Kopf. Dann begeben 
sie sich zur Ruhe. 

f 243 r c. La pucele pas ne dormi 
Quar li uelliers li abeli, 

En penser ot mis son desduit, 

En tel chose pense la nuit 
Dont ie ne uos dirai pas ore, 

Bien le pores oir encore. 

Ancois que l’abe soit creuee, 

S’est la damoisele leuee, 

Si se uesti et acesma 
D’itelfz] robe cum eie ot la, 

Por la rosee porte en haut 
Les pans de son riche bliaut, 

Vers mon saigneur . D . s’en ua. 

Sachies que dormant le troua, 

Mout le uit bei en son dormant, 

Car contre la lune luisant 
Pot bien sa facon remirer. 

Je ne sai pas adeuiner 
S’ele ot talant de lui baisier, 

Mais por docement enuellier*) 

*) = eauellier, cf. ensayer, ensaucier, enmaier. 

Jahrb. f. Tom. u. engl. Lit. N. F. I. 6 


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82 


Fokbstkb. 


Le baisa le bele . iij. fois, 

Lor s’est esuelliee li Galois 

und trifft alle Anstalten zum Aufbruch. Sie kommen vor 
Landoc an, woselbst sie eine zahllose Menschenmenge antreffen. 
Auf einer Stange sitzt der Sperber, von 12 Rittern gehütet, 
102 Jungfrauen tanzen singend um denselben — auch andere 
Spiele konnte man da sehen. Einen Bogenschuss davon sass 
in einem zierlichen Zelte der wackere Cardroain an der Seite 
seines Liebchens, der holden Yde, bereit, den Sperber zu ver- 
theidigen. Da kommt unsere Gesellschaft an, der grosse Ritter 
voran, und das Magdlein bindet sogleich den Sperber los. 
Cardroain kommt gewappnet im raschen Lauf an, seine 
Freundin mit ihm. Cf. Erec. 735 sq. Descon. 1565 sq. 

Atant rema(i)nent les Caroles: 

Ja i ara ruistes paroles. 

Das Magdlein stellt ihren Ritter, der, von Cardroain be¬ 
fragt, ob jene durch ihre Schönheit ein Recht auf den Sperber 
habe, antwortet: die Sache sei nur zu klar, ein einziger Blick 
derselben sei mehr werth als deren hundert von Cardroain’s 
Freundin. Auf diese Herausforderung schickt sich dieser zum 
Streit an, er schwingt seine Lanze — da sinkt dem Riesen 
der Muth, er ist bereit, zum grossen Schrecken des Mägdleins, 
den Sperber zurückzustellen. Er habe gemeint, seinem Gegner 
durch seine Gestalt Schrecken einzuflössen — jetzt da es zu 
kämpfen gelte, thue er nicht mit. 

Darauf wird das Mägdlein umringt, man will sie vom 
Zelter reissen, um sie in ein finsteres Verlies zu stecken. 

Da drängt sich D. mitten durch die Menge heran und 
bietet sich zum Kampfe an, der alsbald entbrennt. Nachdem 
sie sich mit den Lanzen getroffen, stürzen beide zu Boden, 
ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben. Nach einer Weile 
erhebt sich Durmart, sieht seinen * Gegner todt liegen und be¬ 
sorgt dann seine Wunde — denn das Eisen mit einem Stücke 
Holz war ihm in den Leib gedrungen. Ein Ritter giebt ihm 
eine frische Lanze und räth ihm, schleunigst abzuziehen, damit 
nicht der gefürchtete Brun de Morois, der Bruder des Gefallenen, 


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Li roxn&ns de bnrmart le galois. 


83 


der in einem nahen Garten den Ansgang des Kampfes ab- 
warte, über ihn komme. D. befolgt den Rath und reitet mit 
dem Mägdlein, das ob des Sperbers voller Freude ist, davon. 
Nach einer Weile wird Halt gemacht und D. nach seinem 
Namen befragt, zögert nicht, sich zu nennen. Er wird mit 
Danksagungen überhäuft und empfängt das Versprechen, er 
werde zur Königin von Irland geleitet werden. Doch könne 
sie ihm für jetzt nicht mehr mittheilen, als bis sie in ihr Land 
zurückgekehrt wäre, dann werde sie ihm weiteres entdecken. 
Beim Weiterreiten wird das Mägdlein des grossen Ritters ge¬ 
wahr, der, von allem durch den Zwerg unterrichtet, den durch 
Blutverlust geschwächten D. leicht zu besiegen meint Durmart, 
der ihn als Feigling kennen gelernt, zögert nicht, sich ihm 
entgegenzustellen. Dem grossen Ritter wird beim Anblick der 
Lanze unwohl, er weicht ohne zu stossen aus, wird aber von 
D. getroffen und aus dem Sattel gehoben. Ohne sich weiter 
um ihn zu kümmern, reitet der Sieger mit dem Mägdlein weiter. 
Jedoch sind sie noch nicht ausser Gefahr. Seht da Brun de 
Morois, der ihm nachjagt. Er schreit nach Rache um den ge¬ 
mordeten Bruder. Unser Held fühlt sich zu entkräftet, um 
den Strauss aufhehmen zu können — er beschwört den Gegner 
im Namen der Ritterlichkeit, den Kampf aufzuschieben. Wenn 
er genese, so stelle er sich in 60 Tagen. Jener nimmt dies 
an und trifft bei seiner Rückkehr den feigen Ritter, der sieh 
wieder aufgerafft hat und D. nochmals nachsetzen will, was jedoch 
Brun nicht zugibt, sondern ihn diese Nacht gastlich auf- 
nimmt. Unser Paar macht bald darauf im Forst Halt — Durmart, 
der sich ganz schwach fühlt, wird von seiner Begleiterin 
liebevoll gepflegt, sie setzt sich zu ihm: 

Clines uostre chief desor moi 
Mes sire . D . dist: auoi! 

Certes, trop m’abandeneroie. 

La damoisele tant Ten proie 
Par douchor et par amiste, 

Que son chief a sor li cline 
Et il maintenant s’endonni. 

La nuis uint et li iors falli, 
la lune luist et clere et bele. 

Tote nuit uelle la pucele. 

6 * 


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84 


F0EB8TER. 


Et quant ce uint a Taiorner, 

Lors chantent li oisel molt der 
Por le tens ki beaz est et gais, 

Li solias feit luisir les rais 
Sor les fuelles et sor les flors — 

Clers fu li matins et li iors. — 

D. erwacht, neu gestärkt und drängt zum Aufbruch, denn 
er sucht einen Arzt. Sie finden auf einer Lichtung ein rothes 
Zelt, darin ein Mädchen mit rothem Sammt angethan, die 
Freundin des wackem Ritters f Gladineaz li uermalz’, der aus¬ 
gezogen war, um den Wegelagerer 'li fei de la Garde’, weiter 
unten heisst es de L’angarde, aufzusuchen. Sie empfangt die Gäste 
mit äusserster Liebenswürdigkeit und besorgt die Wunde 
unseres Helden. Nach dem Mahle 

f. 245 v c. Une harpe feit aporter, 

Si commence un lai a harper. 

Mout le sauoit plaisamment faire, 

Bien sot les notes a fin traire 
Et bien les sauoit commender 
Et bien monter et abaissier. 

Darauf erzählt sie von ihrem Geliebten, um den sie nicht wenig 
besorgt ist, wird aber von D. beruhigt. Drei Tage lang wird 
er gepflegt, so dass er, am vierten Tage, sich hergestellt fühlend, 
zum Aufbruch rüstet, als plötzlich ein Diener des rothen 
Ritters, arg zugerichtet, ohne Pferd hereinstürmt. Er sei von 
dem Wegelagerer im Wald überfallen und seines Pferdes be¬ 
raubt worden, dieser habe ihm mitgetheilt, sein Herr sitze 
wohl verwahrt auf dem Schlosse de la Garde. Dur. erbietet 
sich sogleich, ihm nachzureiten, und von den Segenswünschen 
der beiden Frauen begleitet, macht er sich auf den Weg und 
holt bald darauf den Räuber ein. Ein erbitterter Kampf ent¬ 
brennt — D. ist Sieger und begnadigt den Gegner, unter der 
Bedingung, Gladinel freizugeben und sich als Gefangener der 
Königin von Gales zu stellen, was dieser alles getreulich aus¬ 
führt. Er will hierauf zum rothen Zelt zurück, um seine Be¬ 
gleiterin abzuholen, verliert aber in tiefes Nachdenken*) ver- 

*) Ein stereotyper Zug. Vgl. anszer Perc. bes. Chev. as . ij. Espees 
f. 14 r b. u. oft. 


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Li r Omans de Durmart le galois. 


85 


stinken, den Weg. Er denkt an die holde Königin von Ire- 
land, und von holden Träumen begleitet, reitet er fort auf einem 
Unrechten Pfade. Voller Ungeduld und nicht wenig bekümmert, 
wartet seine Begleiterin auf D’s. Ankunft und bricht in 
Klagen aus. Der rothe Ritter, der aus der Gefangenschaft 
zurückgekehrt war, tröstet die Arme und erbietet sich, sie in 
ihre Heimat zu begleiten. D. reitet inzwischen fort, immer 
weiter, den Gaukelbildern seiner Phantasie nachhängend. 

Onques Perceuaus li Galois f. 247 v a. 

Ne fu de penser si destrois, 

Quant le uermel sanc remira, 

Con mes sire . D . fu la. 

Erst das Hereinbrechen des Abends bringt ihn zur Be¬ 
sinnung — rathlos steht er mitten im Forst, als er plötzlich 
ein Horn vernimmt; dem Schalle folgend, geräth er ins Freie 
und erblickt einen Jäger, den er vergeblich nach dem rothen 
Zelte befragt, der ihn aber nach dem Schlosse seines Herrn 
Brun de Bronlant weist. Hier angekommen wird er gastlich 
empfangen und prächtig bewirtet, und erzählt nach Tisch sein 
Missgeschick und wie er nun die Königin von Ireland nicht 
zu finden wisse. Sein Wirt meint, er habe sie vor Kurzem 
vor dem Schlosse Landoc gesehen, wo sie den Sperber mit 
Hilfe eines Ritters, der Cardroain besiegt, davongetragen habe. 
Nun erst erfährt D., wer seine Begleiterin gewesen und ist 
natürlich nur um so trostloser — assez li plest plus que de- 
uant, desor le uuet amer sens faindre. Um jeden Preis will er 
das rothe Zelt finden. Er nimmt gleich von seinem Wirt, der 
ihm eine Rüstung, ähnlich seiner jetzigen, verspricht, Abschied, 
denn er will mit Tagesanbruch sich auf den Weg machen. 
Die Nacht über träumt er von seinem Liebchen 

Dont li sembla qu’il fuist o li, f 248 v a. 

Eie le baisoit en riant, 

Se li mostroit mout bei semblant. 

Ce li sembloit uisablement 
Qu’ele fuist tote a son talent, 

En soniant le tient en ses braß, 

Mout ot la nuit ioie et solas. 

Al resuellier pert son destuit 


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Foeester. 


Quar il trueue son lit tot uuit 
Fors de li (1. lui) qni tos seuz i gißt, 

Lors sospire et pense et fremist 
Diene, fait il, com sni engingnies, 

Quant ie si tost sui esuellies, 

A tos iors mais dormir uorroie. 

En itel point com io estoie, 

J’anoie tot mon desirrier. 

Sonder Zaudern bricht er auf nach dem Forst, das Zelt zu 
suchen. Die Sonne giesst ihr Strahlenmeer aus, die Blumen, 
die ihren Kelch geöffnet, verbreiten weit den süssen Geruch^ 
die Vögelein hüpfen, ihre Lieder schmetternd, auf den Zweigen 
herum — nur D. ist traurig, die Liebe hat’s ihm angethan. 
Gegen Abend findet er einen Jäger, der ebensowenig vom 
rothen Zelte etwas weiss. D. bricht in bittere Klage aus, er 
sei das unglücklichste Geschöpf, das eine Mutter je geboren. 
Das sei schwerlich wahr, meint der Jäger, er habe heute 
sicherlich den unglücklichsten gesehen. Auf Geheiss D's. er¬ 
zählt er von König Artus* Jagd, der die Königin mit Ydier 
allein gelassen. Der ritterliche Brun de Morois, der sieben 
Jahre lang um deren Liebe vergeblich geworben, habe sie nun 
geraubt, wolle sie aber jedem Ritter, der ihn in ehrlichem 
Kampf Mann gegen Mann besiegt hätte, zurückgeben. Ydier 
sei trostlos vor Morois und wage es nicht, an den Hof zu¬ 
rückzukommen. Ihn halte er für den unglücklichsten Menschen. 
Unserm Helden fällt bei der Nennung des Namens Brun 
plötzlich seine Zusage* ein, die er ganz vergessen, sich 
nämlich Brun zum Kampfe zu stellen und er bittet den Jäger, 
ihm den Weg nach Morois zu weisen, was dieser sogleich thut 
Es ist ein gar prächtiges Schloss, stolz emporragend über die 
Stadt mit seiner Zinne, unnahbar, uneinnehmbar, Meierhöfe, 
Felder, Gärten, Wiesen, Quellen, alles findet sich hinter den 
Mauern in weiter Ausdehnung. Unumschränkter Gebieter all 
dieser Herrlichkeit ist Brun, keinem Lehnsherrn unterthan, 
von seinen Untergebenen geliebt 

f 429 r b. Onques ne fisent trahison — 

Ce font ore maint halt baron 

Qui quident qu’on ne (1. nel) uoie goto, 

Mais maudit soit lor nie tote. 


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Li romans de Durmart le galois. 


87 


Tex fait son preu d’esquiiers faus 
Qui plus les tienfc uiex que ribaus; 

Ne ia n’ierent si redote, 

Qu’il ne soient a doi mostre 
Li felon traitre punais. 

N’en oz plus dire, ie me tais. 

D. trifft vor dem Schlosse Ydier, der ihn um seine Rüstung 
ersucht D. weist mit Bedauern auf seinen eigenen Strauss, 
den er mit Brun auszufechten habe, und beide ziehen in die 
Stadt ein, das Thor wird hinter ihnen verschlossen. Es folgt 
eine Beschreibung des Innern der Stadt, die für die Kenntnis 
der damaligen Zustande nicht ohne Interesse ist. Vor dem 
Hauptschloss kommt ihnen ein ausnehmend hässlicher Zwerg 
entgegen, der ihnen in Betreff der 40 auf einem Thurm auf¬ 
gehängten Schilde erklärt, sie gehörten den von seinem Herrn 
besiegten Rittern an. Er führt sie zu seinem Herrn, der in 
einem Garten bei der Königin Genoivre sass, die er voller 
Ehrerbietung behandelte. Durmart stellt sich vor sie hin und 
meldet sich zum Kampf, der alsogleich sich entspinnt und zu 
Gunsten unsres Helden ausfällt. D. begnadigt ihn unter der 
Bedingung, dass Brun die Königin ausliefere, sich der Königin 
von Gales als Gefangener stelle und dann sein Besitztum von 
Artus als Lehen empfange. Die Königin begibt sich gleich 
zu ihrem Gemahl, der gegen Morois ziehen und es zerstören 
will, aber auf die Nachricht, Brun werde ihm huldigen und 
die Ehre der Königin sei nicht geschädigt worden, sich zu¬ 
frieden gibt. 

Des andern Tages lässt sich D., nachdem er von Brun 
eine neue weisse Rüstung erhalten, den Weg nach dem Schlosse 
de la Garde weisen, während Brun nach Gales aufbricht und 
nach zurückgelegtem Wege den König Jozefent in der Stadt 
Bangot findet, wo er sich seines Auftrages entledigt. Durmart 
reitet inzwischen fort, bis er an die Stelle kommt, wo das 
rothe Zelt gewesen; dieses selbst ist verschwunden. D. bricht 
in laute Klagen aus. Die ganze Stelle ist eine Nachahmung 
der bekannten Crestien'schen Manier. 

£ 251 T b. Certes, fait il, tot ai perdu, 

Cant ci n’ai ma dame trouee, 

Ne sai quel part s’en est alee« 


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88 


Foersteb. 


Mon euer enporte^ et ie sui ci, 

Ains mais tel merueille ne ui. 

Est ce merueille? nenil voir. 

Car amors a si graut pooir 
Qu’ele puet faire son plaisir 
De ceaz cui eie uuet saisir. 

Mais ie n’ai pas la dignite 
Que ie sache tot le secre 
De fine amor entierement, 

Ne le seuent gaires de gent. 

Tez quide estre d’amors lacies 
Q’ui n’en fu onques aprochies, 

Mais une uolentez trop uaine 
Les plusors sorprent et demaine. 

Lues desirent ce que il uoient 
Et asses requierent et proient 
Et tantost ne lor en souient. 

Si faites gens si n’aiment nient — 

Desireor sunt apele, * 

Ensi doiuent estre nome. 

Je uos di que li fin amant 
Sunt bien a ces desconissant. 

Car qui fine amor saisira, 

Ia nul ior ne s’en partira, 

Tant cum il ait el cors la uie etc. 

Unter Thränen nimmt er von der Stelle Abschied. 

Si faites larmes et telz plors 
Claime io reliques d’amors. 

Bald darauf gelangt er zum Schloss de la Garde, wo er 
gastlich aufgenommen wird und die Klagen erfährt, die seine 
Geliebte geführt, als er nicht zurückgekehrt war. Sie sei 
später mit dem rothen Ritter und dessen Freundin abgezogen. 
Sein Wirt räth ihm, an König Artus' Hof nach Glandinges¬ 
bieres zu ziehen, wo er am ehesten Nachrichten über sie em¬ 
pfangen könne. Dies führt denn auch Durmart des andern 
Tages aus, setzt über einen Meeresarm und gelangt in einen 
grossen Wald zu der Hütte eines Einsiedlers, wo der Weg 
gabelte. Nach dem Wege befragt antwortet dieser, beide führ- 
* ten nach Glandingesbieres, jedoch sei der kürzere sehr gefähr¬ 
lich. Es hausten daselbst seit einem Jahre 50 Strauchritter, 
von denen zwar 36 bei einem von den Besten der Tafelrunde 


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Li romans de Durmart le galois. 


89 


unternommenen Streifzug umgekommen, die übrigen aber 
leider entkommen seien, die ihr Unwesen fortsetzten. D. 
schlägt denn natürlich den kürzeren Weg ein und trifft nach einer 
Weile auf einer Lichtung sechs der Strolche an, die ihn über¬ 
fallen, jedoch alle getödtet werden. 

Damit ja Niemand an der Wahrheit dieser That zweifle, 
motiviert sie der Dichter eingehend: 

252 v c. Bien les a mates et conquis 

A ce qu’il est preus et hardis 
Et grans et fors et bien armes 
Et uigeroz et bien montes, 

Et ä l’aie de Jhesu 
A li Galois le champ uencu. 

Li auctors tesmoigne et retrait 
Que bons cheualiers entresait 
Puet plus faire qu’on ne puet croire. 

Ceste parole est tote uoire, 

Mainte auenture est auenue 
Qui n'est mie par tot creue. 

Weiter reitend gelangt er zu Rochebrune, dem Sitz der 
Räuber, und an ihm vorüber in ein Tannenholz, woraus ihm 
Nothgeschrei entgegentönt und bald darauf 7 Reiter, die 5 
Ritter und deren Frauen von 5 Strolchen bewacht gefangen 
fortführen. Die Gefangenem rufen D., sobald sie seiner gewahr 
werden, um Hilfe an, die dieser sofort gewährt. Er greift 
ohne Zögern an und begünstigt von dem glücklichen Zufall, 
dass 3 der Raubritter die Rüstung abgelegt, die vier übrigen 
ohne Helm und Schild sind, tödtet er sie alle bis auf einen, 
Creoreas, der entflieht, und eingeholt, um Gnade fleht, sich er¬ 
bietend, Rochebrune sammt den dort im Gewahrsam gehaltenen 
Gefangenen auszuliefem. Inzwischen waren die Wächter der 
Frauen entflohen; diese hatten ihre Männer losgebunden und 
nun zogen sie D. entgegen, der in Gemeinschaft Aller unter 
Führung Creoreas' sich nach Rochebrune begibt. Hier erfährt 
Creoreas den Tod seiner übrigen 7 Gefährten und gibt die 
Gefangenen frei, die D. als ihren Retter begrüssen. D. er¬ 
kundigt sich bei denselben nach seiner Geliebten, die Niemand 
kennte nur ein c ualles’, Namens 'Guiures li blons’, erbietet sich, 
D. nach einem nahe gelegenen Schloss zu begleiten, wo er 


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90 


FoER8TKB, 


sicherlich Nachrichten von derselben vernehmen würde. Creo- 
reas muss geloben, die Gefangenen vor König Artus zu ge¬ 
leiten, welche hierauf in ihre Heimat zurückkehren mögen, 
und demselben zu huldigen, hierauf zu Durmars’ Mutter nach 
Gales zu ziehen und sein Leben zu bessern. Während D. am 
andern Tage mit Guiuret aufbricht, begiebt sich Creoreas mit 
den befreiten Gefangenen zu König Artus, woselbst er sich 
seines Auftrages entledigt. 

D. kommt vor das Schloss der 10 puceles, die ihre Län¬ 
dereien vereinigt hatten und mit 10 Rittern in Freude und 
Wonne ihre Tage verleben. Von allen Seiten kommen hieher 
die Ritter, so dass man stets die neuesten Nachrichten daselbst 
erfährt Durmart wird köstlich bewirthet, kann aber von 
seiner Königin nichts erfahren. Geogenant, das Haupt der 10 
Ritter, tröstet ihn jedoch, er solle am nächsten Montag nach 
Blanches mores zu einem Turnier ziehen, dessen Preis zwei 
heirathsfahige Fräulein. Hier werde er bestimmt die ersehnte 
Nachricht empfangen. D. willigt ein, zum Turnier zu gehen 
und nachdem er vier Tage in froher Weise zugebracht, zieht 
er mit sammt den 10 Rittern und deren Geliebten zum Tur¬ 
nier. Geogenant zählt ihm unterwegs die berühmtesten 
Theilnehmer des Turnieres auf und so gelangen sie unter ritter¬ 
lichen Gesprächen zu Blanches mores und finden alles über¬ 
füllt. Sie rüsten sich in einem Erlenholz und reiten hierauf 
auf den Turnierplatz, wo sie ihre Frauen auf der Zuschauer¬ 
tribüne (löge) unterbringen. Hierauf beginnt das Turnier. 
D. erprobt sich mit Ywain, Geogenant mit einem Begleiter 
desselben. Dann tritt Keu auf. 

As dyables le commandoient f. 257 r b. 

Tez . iij . c. qui uenir le uoient. 

Li plusor le heent de mort 
Qui le uorroient auoir mort, 

Car souent dist graut felonie 
A ceaz qui ne li sient mie, 

Et si set bien en cort porter 
Tos ceas cui il uuet deporter. 

Er misst sich mit Felon de la Garde, beide fallen zu Boden, 
Keu wird aber von Ywain frei gemacht, und stürmt von neuem 


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Li romans de Durmart le galois. 


91 


gegen den de la Garde, dieser wird jedoch geschützt Dann 
treffen sie nochmals zusammen. Es werden eine Reihe von 
Einzelkämpfen und Zusammenstössen ganzer Abtheilungen be¬ 
schrieben, wobei sich vor Allen D., dann die von der Tafelrunde 
auszeichnen, besonders Perceval, 

Mais los dames n’i (sc. a lui) entendoient 
Ne esperance n’i auoient 
Por la queste del saint Graal 
Quar il (est) castes et loial. 

Se ce ne fust, mout bien creussent*) 

Que son(so) amor auoir deussent**). 

Die Beschreibung des Tumieres gehört zu den glänzend¬ 
sten und gelungensten Theilen des Gedichtes, was bei der 
Sprödigkeit des Gegenstandes um so mehr anzuerkennen ist. Sie 
ist jedenfalls bei weitem jener Crestiens in seinem Lancelot 
überlegen. 

Die Richter sind am Abend in grosser Verlegenheit, wem 
der Preis zuzuerkennen sei. Die Sache bleibt unentschieden. 

Artus geht stolz mit den Seinen zur Herberge, sich glück¬ 
lich ob seiner Ritterschaft preisend. 

f 260 Y b. Car rois ne puet onor auoir 
Se de cheualiers ne li uient. 

Quant del roi Daire me souient 
Qui les cheualiers auilla 
Et les uilains tos ensaucha. ***) 

Mout 8ui ioians, quant on me conte 
Qu’il en fu mors uie(u)ment a honte. 

II ensaucha sers et uilains 
Et eil l’ocisent de lor mains. 

Mar auilla les cheualiers, 

Rendus l’en fu ses drois loiers. 

Mout doit on riche home blamer 
Qui cheualiers ne uuet am er. 

Des andern Tages zieht D. mit seinen 10 Rittern wieder 
zum Turnier. Geogenant zeigt ihm alle Helden der Tafelrunde 
mit ihren Schaaren, vor allen Ywäin, Lancelot, Perceval, dann 
Erec (cf. Teichoskopie) 

*) Cod. croissent. 

**) Weiter unten heisst es von ihm: eil quiert le Graal et la lance. 

***) — essaucier, cf. ensayer = essayer. 


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92 


Foeesteb. 


f. 261 v a. Qrii nez est de roial Image. 

J1 prist une poure pucele 
Por ce qu’il le uit ione et bele, 

Et s’est Erec molt riches hom 
Et fiez a roi de grant renom 

endlich Tristan mit seinem Neffen Melians. 

f. 261 v b. C’est Tristans qui onques ne rist. 

Cil est sire[s] de grans cbasteaz 
Et de manoirs riches et beaz, 

As armes est bons cheualiers; 

Fors et poissans et durs et fiers 
Et estouz et cheualero[u]z, 

Mais trop est fiers et orguilloz. 

Certes, si fuist bien entechies, 

Par tot le mont fuist resoingnies, 

Riches hon est et bien meubles. 

II deust to(s) dis estre armes, 

Car il ne uaut s’a(s) armes non, 

Maint homme Tont troue felon, 

Mais de ce le tien ie a sage 
Qu’il ne mostre pas son outrage, 

S’il ne uoit mout bien son affaire 
A quel chief il en pora traire. 

Hierauf beginnt das Streiten. — Der Dichter lässt sich 
mit feinem Takt in eine neuerliche Beschreibung desselben 
nicht ein, wohl fühlend, dass er die erste nicht übertreffen könne; 
er bemerkt kurz, dass D. den Preis gewann. Hierin stimmten 
alle überein. Artus, begierig, den Sieger kennen zu lernen, 
schickt nach Geogenant, der ihm mittheilt, es sei Durmart* 
der Besieger der 14 Räuber von Rochebrune, und ersucht ihn, 
den ersehnten sogleich zu ihm zu bringen. Diesen jedoch, der 
keine Nachricht von seiner Geliebten erfahren, treibt es von 
hinnen und ohne von seinen Wirten Abschied zu nehmen, 
zieht er von dannen. 

f 262 v a. Car mout durement le (Cod. se) hastoit 
Fine amors qui sa dame estoit, 

Et il se paine outreement 
De faire son commandement 
Bien pense mes sire Durmars 
Que mauais cuers fauz et coars 
Ne doit de fine amor ioir. 

Coars cuers . n’oze deseruir 


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Li romans de Durmart le galois. 


93 


Ce qu’amors puet guerredoner. 

To(s) dis doit fins amis penser 
Que fine amors l’auancera. 

Qui bien aime, ne s’enmait*) ia, 

Mais ait bone esperance ades. 

Car telz est de grant ioie pres 
Qni le pert por un poi atendre. 

Fins amans doit ades entendre 
On a morir on a ataindre, 

Ne se doit esbahir ne faindre. 

Mes sire . D . a enpris 
A estre fins loiauz amis 
Et dist qu’en loialte morra 
On il de fine amor iorra. 

Inzwischen wird er von Artus vergeblich gesucht, worauf 
dieser seinem Vater Jozefent einen Brief übersendet, der ihm 
all die Heldenthaten seines Sohnes meldet. Die beiden Fräu¬ 
lein, derentwegen das Turnier abgehalten worden, waren nicht 
wenig betrübt ob des Verschwindens des Siegers, der eine 
von ihnen hätte heirathen sollen, 

f. 262 v c. Mais onques por ee n’oblierent 
Mon seignor . D . ne s’amor, 

Aids penserent a lui maint ior, 

Tant Famerent sens oblier, 

(Tains ne se uorent marier, 

Ains renfuserent dus et contes. 

Durmart war inzwischen in einen Wald gekommen, und 
nachdem er bei einem 'uauassor* sich erholt, reitet er weiter, 
die Königin von Ireland zu suchen. Sie ist sein einziger Ge¬ 
danke und mit ihr und von ihr unterhält er sich sonder Unter¬ 
brechung auf seinem Wege. Ein solches Selbstgespräch, voll 
feiner Züge, schildert der Dichter in etlichen hundert Versen; 
am Ende heisst es: 

263 r c. A lui meisme ensi parloit 

Mes sire . D . qui pensoit 
A la rien qui plus li agree, 

Le ior le uoit en sa pensee 
Et maintes fois songoit la nuit 
a Qu’il est o li en grant desduit, 

*) = s’esmait. 


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94 


Foebsteb. 


Cant il songoit qu’il ert o li 
To(s) dis uoßsist dormir ensi; 

Et quant le ior a li pensoit, 

Sa pensee tant li plaisoit 
Qu’il ne uossist iamais dormir. 

Vier volle Monate irrt unser Schwärmer solcher Gestalt 
umher, ohne je etwas von der Königin zu hören*). — In¬ 
zwischen war es Winter geworden. Eines Tages war D. bei 
hartem Frost den ganzen Tag geritten und suchte eine mensch¬ 
liche Behausung — 

f 263 r c. Car uolentiers herbergeroit 
Deuant lui regarde, si uoit 
Cheualiers qui uont riuerant, 

A pie coroient li alquant, 

Grant noise mainent et grant bruit 
Cil qui la sunt en lor desduit, 

Quatre faucons en haut ieterent 
Et cil qui de ce se meslerent 
Fisent bien sordre les oiseaz, 

Mout lor senbloit li desduis beaz; 

Car quant li un faucon montoient, 

Li autre faucon descendoient, 

Si tost se uont anal coler 
Que la ne lor puet eschaper 
Hairons ne ane ne mallars. 

D. geht auf sie zu und erfährt, es sei Brun de Branlant, 
der ihn bereits früher gastlich aufgenommen hatte. D. wird 
mit der grössten Zuvorkommenheit empfangen und erhält die 
ihm vordem versprochene Rüstung, wofür er höfisch dankt. 

Trotz der herzlichen Einladung, den Winter daselbst zu¬ 
zubringen, bricht D. von neuem auf, König Artus, der in 
Glastingebiere Hof hält, zu treffen. Dort soll am Weihnachts¬ 
tage ein grosser Hoftag abgehalten werden, wie D. unterwegs 
erfährt Beim Einziehen in die Stadt bemerkt D. an den 


*) Der Dichter will nicht die ganze Fahrt in’s Einzelne beschreiben, 
um seine Erzählung nicht zu sehr in die Länge zu ziehen. 

A grant matere bien descrire 
Couient de mainte chose dire, 

Mais on i doit parier briement 
Et bien fomir ce qu’on enprent 


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Li romans de Durmart le galois. 


95 


Fenstern des Hauptschlosses 300 Schilde hängen, was er sich 
nicht zu erklären weiss. Er reitet in den Schlosshof ein, wo 
Keu und Sagremor ihn mit höfischer Sitte begrüssen. Sie fuh¬ 
ren ihn in einen Saal (palais), wo D. eines kostbar gearbeite¬ 
ten Stuhles gewahr wird. Keu warnt ihn, sich darauf zu setzen 
— er sei bezaubert und wenn sonst Jemand als ein vollende¬ 
ter tadelloser Ritter sich darauf setze, werde er sofort wahn¬ 
sinnig. Ohne Zaudern setzt sich D. sofort auf den Stuhl, 
während Keu mit Sagremor die Thür suchen. Das helle Ge¬ 
lächter des Helden, der an sich keine Veränderung merkt, 
ruft sie zurück, die ihn für den auserlesenen der ganzen 
Ritterschaft erklären. Da tritt König Artus, der aus der Ves¬ 
per kommt, herein und ist hocherfreut, D. die Blume der 
Ritterschaft bewillkommnen zu können, in dem er zudem seinen 
Neffen sieht. 

Es kommt die Königin mit Gauvain und Yvain, die dem 
Helden viele Ehren erweisen, bis Artus ihn in seine maisnie 
aufnehmen zu wollen erklärt, welches Anerbieten jedoch von 
D. ehrfurchtsvoll abgelehnt wird mit dem Bedeuten, ein Ge¬ 
lübde hindere ihn, diese Auszeichnung anzunehmen. 

Dann geht man zu Tische und begleitet die Damen nach 
feiner Sitte. 

f 264 r c. Cant li mangiers est aprestes, f 265 r c. 

.ij. uallet ont l’eaue comee 
A . ij . araines Tont sonee. 

Li rois Artus leue premiers; 

L’eaue donent as cheualiers, 

Cant li bons rois en est seruis 
Et la roine o le der uis; 

Par le palais molt beal s’asisent, 

Li cheualier les dames prisent 
Et les puceles ensement, 

Doi et doi sizent plaisammeni 

Nach dem Mahle folgen die gewöhnlichen Belustigungen: 

La a de plusors estrumens, 

Li auquant harpent et uielent 
Li plusor chantent et fauielent, 

Et eil qui set dire beaz dis 
I est mout uolentiers ois. 


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96 F OEBSTEB. 

Als man sich bei Hofe zur Ruhe begibt, überweist Artus unsem 
Helden dem Gauvain zur Obhut, was jedoch Keu nicht zugibt, 
sondern D. sammt Gauvain und Yvain nach seinem ostel führt. 
Des andern Tags begibt sich D. wieder an den Hof und sofort 

265 v c. Li rois fait messe commencier 

Mout hautement*) sens plus targier. 

Li clerc lieuent en haut lor chant, 

Li plusor notent le deschant, 

Li un seruent d’encens porter, 

Li autre des orges soner. 

Molt hautement font le seruise — 

Mais n’i uaut nient longe deuise. 

Nach der Messe versammelt sich die ganze Ritterschaft und 
die Frauen, alle prächtig angethan, in dem grossen Saale. 

La ne se traient pas en ombre 
• Ne les dames ne les puceles, 

Celes qui cuident estre beles, 

Ains se sont uolentiers monstrees, 

Car ne u(u)elent pas estre enblees. 

Hierauf wird das Mahl eingenommen, das gegen Ende durch 
das Erscheinen eines stattlichen Ritters, der mit einem schonen 
Mägdlein und fünf Zwergen, alle grün angezogen, hoch zu 
Ross in den Saal hinaufreitet und ohne Jemand zu grüssen, 
einen von den an der Mauer hängenden Schilden herunter¬ 
wirft, unterbrochen wird. Es war dies aber Durmart’s Schild, 
den man den übrigen beigesellt hatte. Jetzt musste er sich 
zum Kampf stellen, denn dies war der Sinn dieser Einrichtung. 
Er rüstet sich sogleich und der Kampf beginnt. Beide Kämpen 
sind ihrer Sache wohl kundig: fünf Lanzen hatten sie bereits 
gebrochen und nun bearbeiteten sie sich mit ihren Schwertern, 
als das grüne Mägdlein Artus um Beilegung des Kampfes er¬ 
sucht. Beide hätten sich glänzend erprobt und es wäre ein 
grosser Schaden, wenn einer dabei sein Leben einbüsste. 
Artus willigt ein, worauf Durmart, aller Bitten ungeachtet, 
davonzieht, während der grüne Ritter in die maisnie des 
Königs aufgenommen wird. 


*) Da dieser Begriff im Folg, noch zweimal wiederkehrt, möchte ich 
lieber uistement lesen. 


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Li romans de Durmart le galoia. 


97 


267 r b. Mout uait li Galois sohaidant 

Qu’eie*) seust son couenant**). 

Si quidast qu’ele le seust, 

Grant ioie et grant aolas eust, 

Mais por sohaidier solement 
N*a om mie tot son talent, 

Ains B’en couient mout trauellier, 

Cas s’on auoit por sohaidier 
Trestos ses uoloirs aconplis — 

Telz hom est poures et chaitis 
Et pereceuz et uiez et nices, 

Qui dont seroit manans et riches, 

Ne ia ne s’en tranilleroit, 

Mais en gisant sohaideroit; 

Si aroit tot son desirier. 

Lors ne saroit on pas iugier 
Qui seroit bons ne qui mauvais, 

Se chascuns auoit ses sohais. 

On conoist ore miex les preuz 
Entre les mauais pereceuz, 

Car li preu sont par lor bonte 
Et par lor traua(i)l amonte; 

Et li mauais sont despisie 
La ou li uaillant sont prisie. 

Mout ua(u)t uigors, molt ua(u)t proece 
Et mout doit om hair perece; 

Car por perece, ce saues, 

Cst mains hom poures et blasmes, 

Ne ia n’iert de haute ualor 
Qui trop amera le seior. 

Se li Galois n’eust erre 
Et as armes son cors pene, 

De lui ne fust nus beaz dis fais, 

Nient plus que de nices mauais 
Qui les hystoires pas ne croient, 

Por ce que faire n’oseroient 
Les grans proeces que eil fisent 
Qui de haut oueure s’entremisent. 

Des buens est li biens recordes, 

Mout est li hom preus et senes 
Qui se trauaille por bien faire 
Et tuit***) eil sont de uiel affaire 


*) Die Königin von Ireland. 

**) Wie es früher heisst: trestoz les maz qu’il sent por li. 
***) msc: tot. 

J*hrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. I. 7 


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98 


Foebsteb. 


Qui pooir ont de faire bien, 

Quant en lor uies n’en font rien. 
f 267 r c. De si feite gent me tairai, 

Mais del Galois uos conterai. 

Es trifft sich aber, dass D. jetzt in Irland, 'parmi le sauage 
pais’ herumreitet, wo er eine Gegend antriffib, die mit Feuer 
und Schwert verwüstet, menschenleer und öde ist. Es ist 
Abend und er weiss nicht, wo er übernachten könnte, als er 
im Walde den Schein eines Feuers erblickt, wohin er denn 
sein Pferd richtet; er trifft daselbst einen 'archier’, der sich 
ein Wildpret zubereitet, und der guten Absichten D's. ver¬ 
sichert, mit demselben theili Auf die Frage D’s., welches 
Land es sei, das so jämmerlich zugerichtet worden, erzählt der 
Schütze, es sei das Gebiet der Königin von Irland, welches 
ihr naher Verwandter, der König f Nogans li grans’ heimgesucht 
habe. Hierauf erzählt er von der Ebene von Landoc, von 
Cardroain und seinem Sperber, wie die Königin mit Nogant 
hingekommen und von diesem Feigen im Stiche gelassen, aber 
von einem fremden Ritter erlöst worden, den sie später ver¬ 
loren habe. Zurückgekehrt habe sie von Nogants Feigheit 
erzählt, der darob ergrimmt sie mit Krieg überzogen, durch 
sein Gold die meisten Mannen ihr abwendig gemacht, das 
Land verwüstet und endlich sie selbst in der Stadt Limeri be¬ 
lagert hätte. D. ist voller Freuden — endlich hört er von 
seiner Angebeteten, noch mehr, sie ist in Nöthßn und er kann 
ihr helfen und dienen. Anfangs will er von Artus ein Hilfs¬ 
heer holen — doch dies würde vielleicht zu spät kommen. 
So will er in die belagerte Stadt, und vor den Augen der 
Königin Wunderthaten ausüben. Er theilt seinen Entschluss 
dem Jäger mit (sein Name ist Cesar), wofür ihn dieser belobt 
und ihn hineinzugeleiten verspricht. Des andern Tages kommen 
sie zur Stadt Limeri, die sehr gut befestigt, mit Vorräthen 
versehen und durch einen Sumpf und einen tiefen Strom derart 
geschützt ist, dass sie nur auf einer Seite belagert werden 
kann. Gegenüber ist das Schloss 'des molrns’, ein Komplex 
von zehn unter einander verbundenen wohl befestigten Mühlen, 
gleichfalls durch den Sumpf und den Fluss geschützt, unter 
dem Befehl eines muthigen Jünglings, Namens Procidas. Als 


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Li romans de Durmart le galois. 99 

D. vom Jäger erfahrt, dass die Städtischen keinen Ausfall 
machen, die Besatzung der Mühlen aber zu Handstreichen ge¬ 
neigt sei, lässt er sich nach dem letzteren Orte geleiten, wo¬ 
hin sie denn mitten durch den Sumpf auf einer Fährte ge¬ 
langen. D. wird eingelassen und nachdem er auf die heiligen 
Reliquien Treue der Königin geschworen, als Freund aufge¬ 
nommen. Cesar begiebt sich in die Stadt und meldet der 
Königin die Ankunft des neuen Helfers. Er heisse sie gutes 
Mutes sein, denn der ihr schon einmal in arger Not geholfen, 
werde ihr wieder beistehen. Die Königin fragt nach seinem 
Namen 

Cant la bele roine france f 270 r b. 

Ot .D. le Galois nomer, 

Fine amors le fait sospirer. 

Bien set sa pensee courir: 

E, dex! fait eie, tant sospir 
M’a fait geter li rois Nogans, 

Trop m’a guerrote lonc tans. 

Lors sospire plus de .vij. fois 
La roine por le Galois, 

Mais de roi Nogan(t) se couroii 

Erst als sie allein auf ihrem Lager keinen Neugierigen und 
Lästigen scheut, überlässt sie sich ihren Betrachtungen: 

E, deus! fait eie, poissans rois! 

Est ce dont . D. li Galois 
Qui me mande par mon archier, 

Que pas ne me doi esmaier, 

Que par celui arai socors 
Qui ia me socorit aillors. 

Ou ou*) io onques mais mestier 
De nul socors de cheualier? 

Auoi! ie me sui porpensee — 

Deuant Landoc ernni la pree. 

Sie ist voll Vertrauen in seine Zusage, doch plötzlich fallt ihr 
sein plötzliches Verschwinden ein 

Mais s’il m’amaist ne tant ne quant, f 270 v a. 
II fuist repairies maintenant 
A la tente, se dex me uoie. 

% Or sai ie bien que ie foloie, 



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100 


Foe&steb. 


Iamais a lui ne penserai, 

H ne m’ainme — ie Tamerai? 

Yoire par foi, ce m’est auis, 

Puis qu’amors a mon euer sopris, 

Ie n’ai pooir que iel retraie. 

Dont n’est ce mie amors uraie*) 

Qui mal gre mien me fait amer, 
Ains le doit on force apeler, 

Car en prison couient manoir 
Celui qui ne s’en puet mouoir. 

Mais qui a droit uuet esgarder, 
L’amor qu’on ne puet oblier 
Et dont on ne se puet partir, 

Doit on bien a uraie tenir. 

Dont ainme ie bien uraiement**), 
Quar partir ne m’en puis noient. 

Et puis que fine amors m’ensaie***) 
Et eie m’a trouee uraie, 

Dont me doit eie bien doner 
Ce qu’ele me fait desirer. 

Por deu, amors, ie uos requier, 

Se ia me uoles auancier, 

En tel point me dones ma ioie, 

Que ie ia blamee n’en soie. 

H sunt maintes ioies d’amors 
Qui graut blasme font a plusors; 
Mais la ioie plus onoree 
Doit estre la plus desiree. 

A! certes, Durmars li Galois! 

Bons cbeualiers preus et adrois, 

Al chastel des molins iroie, 

Mout uolentiers, se iu osoie. 

Mais ie sai mout bien tot de uoir, 
Se ie uos aloie ueoir, 

Ne se ie chaiens uos mandoie, 

Beaz amis, ie uos perderoie. 

Car mi cheualier et ma gent 
Me mescreroient erra(m)ment, 


*) Da die Elision des stummen t streng beobachtet wird, dürfte 
neraie zu lesen sein. 

**) vielleicht: ain . . . ueraiement, jedoch cf. Baud, de Conde 21, 2091 
ouide und sonst (i. 'pert. praos.)'. 

***) m* ersaie. • ••• - 


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Li romans de Durmart le galois. 


101 


Car enuie uos oeiroient 
Et moi meisme trahiroient. 

Beaz doz aniis, ce sachies bien, 

Plus dot uostre anui que le mien, 

N’al chastel des molins 'n’irai 
Ne ehaiens ne uos manderai. 

Mais quant ueoir ne me poes, 

Les penses de mon euer aues. 

Et li pense(s) del euer uaut miez 
Que ne face ueoir(s) des ielz, 

Car plus loins puet li euere penser 
Que ouel ne pussent esgarder. 

Dont uaut miez la pensee assez 
Que li ueoirs, c’est ueritez. 

Mais li penses et li ueoirs 
Ualent mout miez, chu est toz uoirs, 

Que ehascuns ne ualle par lui. 

Uolentiers ueroie celui 

Que ie tant eonuoit[e] et desir. 

E dez! par le uostre plaisir 
Car assembles et moi et lui 
En tel maniere, que nos dui 
Soions ensemble to(s) dis mais. 

Mout me semble beaz eis sohais. 

Cant autre chose auoir n’en puis, 

Al sobaidier, la me desduis. 

Andrerseits ergeht sich D. auf seinem Lager in ähnlichen Be¬ 
trachtungen. Er will, um sich ihrer würdig zeigen, die grössten 
Heldenthaten vor ihren Augen ausführen. Dies stellt er aber 
in folgender Weise an. Da er Procidas mit seiner Mannschaft 
kampflustig findet, ordnet er eine Reihe von Ueberfällen und 
Ueberrumpelungen des belagernden Heeres an, die er mit dem 
grössten Glück und der ausnehmendsten Tapferkeit ausführt, 
wacker unterstützt von Procidas und seinen Knappen, die er 
zum Lohne zu Rittern schlägt. Die Königin und die belagerte 
Stadt staunt ob der Heldenthaten und bewundert die Tapfem 
— nicht ebenso dachte König Nogant, der einen Schlag nach 
dem andern erlitt und endlich sich an König Artus mit der 
Bitte um ein Hilfsheer wandte. Er könnte mit eindr Stadt 
von Ungläubigen (unes mescreans gens), die er seit langer 
Zeit belagere, nicht fertig werden. Wenn Artus ihm beistehe, 
gebe er ihm die Stadt und 20 Schiössei und werde sein 


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102 


Foebster. 


Lehensmann. Dieser geht darauf ein und entbietet den König 
Jozefent mit einem starken Heere zu sich — man weiss nicht 
recht, warum; aber der Dichter braucht ihn zu seinem Schluss¬ 
effekt — und setzt mit ihm nach Irland über. Er rückt vor 
Limeri ein und wird von Nogant mit grösster Auszeichnung 
empfangen. Befragt über die Belagerten tischt er von neuem 
die Lüge auf, die Königin sei eine Ungläubige. 

f 274 v b. . . Eie est mescreans et fole, 

De den ne uuet oir parole, 

Mariage het et despise 
Et sacrament de sainte glise*). 

Tuit **) eil qui laiens sunt o li 
Sunt mescreant ... 

die in der Stadt seien feige Memmen, die sich nicht hervor¬ 
gewagt, aber im Mühlenschloss sei eine kleine verwegene Schaar, 
die das ganze Heer der Belagerer im Schach halte, 

Mais diable[s] ont a coiupaignie, 

. i. cheualier ensenble o auz, 

Si est ses escuz tos uermauz 
A .y. liepars qui sunt dore. 

Keu erbittet sich, wie in andern Romanen auch hier als Ge¬ 
schenk, sich mit dem fremden Ritter messen zu dürfen, was 
ihm denn auch zugestanden wird. Artus, der kein besonderes 
Zutrauen in seine Heldenhaftigkeit haben mag, 

En riant dist a ses barons: 

Seignor, dist il, quar en issons, 

Si uerons la proece Ke 

reitet mit seinen Begleitern aus, dem Kampfe zuzuschauen. 
Keu wird wie gewöhnlich aus dem Sattel gehoben und 
nur durch das Dazwischenkommen seiner Begleiter vor der 
Gefangenschaft bewahrt. Des andern Tages will sich Gauvain 
mit dem fremden Ritter versuchen und reitet mit Yvain und 
andern Gefährten vor das Schloss. D. lässt nicht auf sich 
warten: beim ersten Zusammentreffen fallen beide von den 
Pferden^ Gauvain jedoch so unglücklich, dass sein Pferd auf 
seine Hüfte zu liegen kommt. Nur durch das Dazwischen- 


*) Dass so zu lesen, erhellt aus Stellen wie f 267 r c. et glise . . . 

**) msc. tot. anders die Reime. 


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Li romans de Durmart le galois. 


103 


kommen Yvains wird er erlöst Die Begleiter werden beider¬ 
seits handgemein und es entspinnt sich eine regelmässige 
Schlacht Artus ist vor Staunen über die Tapferkeit ausser 
sich, und Jozefent, der bemerkt hatte, dass der fremde Ritter 
gleiche Waffen mit seinem Sohne trage, meint 

De lui puet om meruelle dire, 276 v c. 

F ai ei grant paor de son cors 
Qu’il n’i soit affoles ou mors, 

Que tote la chars me fermist. 

Si m’ait dex, li cuers me dist 
En mon penser que c’est mes fiez, 

Mais il n’est ore mie liez 
D’enquerre son non et son estre; 

Car il fait tant de sa main destre 
Et tant li couient colz sofrir, 

Qu’il n’a de parier nul loisir. 

Man solle ihn morgen kommen lassen und sich genau über 
die Veranlassung des Krieges erkundigen — sei der Anlass 
ein ungerechter, dann möge man die Königin in Frieden lassen. 
Artus stimmt bei. — Inzwischen dauert der Kampf fort. Die 
Belagerten in Limeri, darunter die Königin sind auf die 
Mauerzinnen gestiegen und sehen voll Bangen dem Ausgang 
entgegen. Da bemerkt D. plötzlich die Königin . . . 

Lors tient li Galois trestot coi, 277 r a» 

Si regarde amorosement 
Vers les dames si longement, 

Qu’il se sent tot desaiwe 
Ains qu’il ait son chief retome. 

Car eil de l’ost l’ont si feru 
Et sor son elme et sor l’escu 
Pres qu’il*) n’at les estriers guerpis. 

Man sieht, dass der Dichter die ähnliche Scene im Chevalier 
de la Charrette vor Augen hatte. 

Doch alle Heldenthaten D’s. und seiner Begleiter können 
nicht gegen die Feinde aufkommen, denen immer fort frische 
Kräfte nachrücken und so treten sie denn endlich einen ge¬ 
ordneten Rückzug an. 

_ (Schluss folgt.) 


*) qui cod. 


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104 Kaiser Constantinus als betrogener Ehemann.' 


Kaiser Constantinus als betrogener Ehemann. 

Wenn dem Texte meiner „Mitteilungen aus altfranzösi- 
schen Handschriften^ erläuternde Anmerkungen beigegeben 
wären, so hätte auch die Stelle 159, 14—21 nicht unerörtert 
bleiben dürfen, welche lautet: 

Par fe mm ft sont maint home (Mussafia: preudome) 

abatu: 

Bois Coust[ant]ins, qui tant estoit cre[m]u[s], 

En fu hounis, ce aves vous seü, 

Par Segucon, qui moult ot court le bu, 

Ce fu uns nains petis et mescreüfs]; 

Sept ans la tint, ains qu’il fust parcheü. 

Sanson Fortins en perdi sa vertu, 

Qui par la siue en perdi sa vertu. 

(Paris. Hds. fu en dormant tondufs].) 

Schon die Histoire litteraire d. L Fr. XXII, 325, welche 
die entsprechende Stelle aus der Pariser Hds. des Auberi mit¬ 
theilt, erinnert daran, dass eines der von Francisque Michel 
herausgegebenen Stücke altfranzösischer Darstellung der Tristan¬ 
sage des durch einen Segoron zum Hahnrei gemachten römi¬ 
schen Kaisers Constantin ebenfalls gedenkt. Tristan I 16 
lesen wir: 

Par moi aura plus dure fin 
Que ne fist faire Costentin 
A Segoron, qu’il esco[i]lla, 

Quant o sa ferne le trova. 

II l’avoit corone[e] a Rome, 

Et la servoient maint prodome; 

II la tint chiere et honora, 

En lie mesfut (El li mesfist ?), puis en plora. 

Dass der hier genannte Segoron ein Zwerg gewesen, ist 
zwar nicht gesagt, ergibt sich aber aus dem Zusammenhänge: 
nur weil der von Constantin Bestrafte ein Zwerg war, tritt 
dem König Marc, der den Zwerg Frocin will büssen lassen, die 
alte Sage in die Erinnerung; denn Frocins Verschuldung ist 
eine ganz andre als die Segorons. Michel sagt in einer An¬ 
merkung zu dieser Stelle (H 162), er wisse nicht, um welchen 


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T OBLKB. 


105 


Constantin es sich handle, noch auch woher dem Dichter die 
Kenntniss der „Thatsache“ komme, die man in den Gesta Ro¬ 
manorum vergeblich suchen würde. Die Histoire litteraire 
a. a. 0. dagegen verweist auf Jubinals im nämlichen Jahre 
mit Michels Tristan (1835) erschienene Jongleurs et Trouveres, 
wo in der That und zwar in dem Le Blasme des Farnes be¬ 
titelten Gedichte S. 82 neben Salomon und Samson Fortin 
auch Constantin als ein Opfer der Untreue der Weiber ge¬ 
nannt wird. 

Nis T emperere Consfcentin 
Ot de sa fame tel hontage, 

Qu’el se coucha par son outrage 

Au nain de si laide figure 

C’on le trueve en mainte escripture. 

Jubinal weist darauf hin, dass darin die Geschichte des 
Joconde leicht zu erkennen sei, die Etienne zu einer komischen 
Oper verarbeitet habe, also die von Lafontaine dem achtund¬ 
zwanzigsten Gesänge des Orlando Furioso nacherzählte Ge¬ 
schichte. In seiner späteren Ausgabe des nämlichen Gedichtes 
(Nouveau Recueil de Contes, Dits, Fabliaux II 330, wo er einer 
andern Handschrift folgt, die den guten Arzt Ypocras den 
dreien zugesellt), bringt Jubinal nichts Neues bei (vgl. auch 
Wright und Halliwell, Reliquie antiquse H 222 und Stengel, 
Cod. manuscr. Digby 86, S. 38). Im dreiundzwanzigsten Bande 
S. 83 kommt die Histoire litteraire nochmals auf die Geschichte 
zurück, um unter Verweisung auf die drei vorstehend mitgetheilten 
altfranzösischen Stellen (denn das am Rande stehende le Blazun 
des fames ist nach der Randnote von S. 246 wohl nur verschrieben 
für le Blasme d. f.) die Möglichkeit hervorzuheben, dass Ariosto 
die ihm nachmals von Lafontaine abgenommene Geschichte 
des Giocondo seinerseits einem Franzosen verdanke. Hier wird 
nun noch darauf aufmerksam gemacht, dass diese Geschichte 
grosse Aehnlichkeit mit der Einleitung von „Tausend und eine 
Nacht" zeige. Auf diese Verwandtschaft, welche übrigens nur 
Ein Motiv der Giocondogeschichte betrifft, wage ich nicht 
näher einzutreten; ich begnüge mich, auf Benfeys Auseinander¬ 
setzungen zur fünften Erzählung des vierten Buches des Pant- 
schatantra hinzuweisen, welche Erzählung mit ihren nächsten 


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106 


Kaiser Coustontimis als betrogener Ehemann. 


Verwandten die zu Gunsten eines Krüppels verübte Untrem des 
Weibes gegen einen treuester Liebe würdigen Gatten zum Haupt¬ 
motive hat und durch Benfey mit abendländischen Versionen 
in Verbindung gesetzt wird, welche das Hauptgewicht auf die 
grausame Bestrafung des Treubruchs legen, diesen selbst zum 
Theil wesentlich verschieden darstellen. Ich füge bloss noch 
bei, dass auch die Bible Guiot die seltsame Sage von Con- 
stantin kennt: % 

Quant moi membre de Salemon, 

De Costentin et de Sanson, 

Que fames engignierent si, 

Molk me truis d’eles esbahi. 2134—7. 

Nach anderweitigen Erwähnungen Constantins als eines 
Ehemanns, der um eines Zwerges willen betrogen worden 
wäre, habe ich mich vergeblich umgesehn. Samson der Starke 
wird kaum einmal übergangen sein, wo die Opfer weiblichen 
Wankelmuthes aufgezählt werden; der Roman de la Rose I 306 
(Michel) nennt ihn als solches neben Hercules; Brunetto (im 
Tresor II 2, 89) neben Adam, David, Salomon, Menelaos, Ari¬ 
stoteles, Merlin; Francesco da Barberino (Reggim. e Costumi 
delle Donne, P. XIX) neben Salomon, Aristoteles, David, Ab¬ 
salon; Antonio Pucci in seinem Contrasto und in dem ent¬ 
sprechenden Prosastücke (Propug. H 2 und IH 1), Hans Sachs 
in seinem Gedichte „die vier trefliche menner sampt ander 
vilen, so durch frawenlieb betrogen sind" vom 20. März 1534 
kennen der Leidensgefährten noch mehr; Constantin erscheint 
hier nirgends. Dagegen erzählt, was ich nirgends angeführt 
finde, des römischen Kaisers ganzes Erlebniss Jans Enenkel 
(1190—1250) in dem durch Von der Hagen (Gesammtaben- 
teuer H 579—589) und theil weise durch Massmann (Kaiser¬ 
chronik HI 872) abgedruckten Theile seines Weltbuches, der 
von Constantin handelt. Hier ist der von der Königin bevor¬ 
zugte Mann, dessen Namen ungenannt bleibt, der Bruder von 
des Königs Schreiber, krumm an beiden Füssen dermassen, 
dass dieselben übereinander gehn nach Art einer Wiege, und 
wohnt in einem unter der Stiege belegenen Kämmerlein. Sein 
Minnewerben findet eine gute Statt. Die Königin pflegt mit 
ihm des Bettes Spiel in einem Keller so lange, bis dem Könige 


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Tobleb. 


107 


die Sache zu Ohren kommt. Er findet Weib und Krüppel 
einstmals in einer Kammer beisammen, durchsticht die Gemahlin 
mit dem Schwerte und lässt sein Ross den Genossen ihres 
Verrathes zertreten, welche letztere Rachethat noch heute ein 
Standbild in Rom „an ainem stain“ zur Darstellung bringt. 
(Massmann erinnert daran, dass Kirchenväter aus Constantins 
Gemahlin Fausta eine Ehebrecherin und Verschwörerin gemacht 
haben; a. a. 0. 852.)*) 

Ein Werk, wo man wider alles Erwarten den Kaiser 
Constantin und Samson den Starken in Verbindung gebracht 
findet, jedoch ohne dass eheliches Unglück als ihrer beider 
Loos erscheint, ist der Roman von dem Grafen von Poitiers. 
Der mit dem ersten Theile, der Parallele zum Roman de la 
Violette, nur ganz lose verknüpfte zweite Theil des im Ganzen 
ziemlich rohen Gedichtes erzählt: Gui, der Sohn des Grafen 
von Poitiers, tritt als Seneschal in den Dienst des Kaisers 
Constantin von Rom. Dieser entbietet die Ritter seines Reiches; 
sie sollen ihre Schwestern oder Freundinnen nach Rom bringen, 
sofern dieselben noch Jungfrauen seien, damit aus ihrer Zahl 
er sich ein Gemahl erkiese. Sobald er die Gewissheit haben 
werde, dass für einen Erben des Reiches gesorgt sei, werde er 
aufbrechen, seinen in Babylon gefangen gehaltenen Oheim 
Nero zu befreien. Die Jungfrauen treffen ein, unter ihnen Parise, 
die Fürstin von Constantinopel, und Lorete aus der „fetten" 
Bologna, die letztere bereits elternlos und von ihrem Bruder 
Guido begleitet. Alle sollen auf des Kaisers Geheiss ihm in 
völliger Nacktheit sich zeigen, was sie auf Parises Rath auch 


*) Dem Erzähler schwebte der „quidam cabaHus aereua deauratus 
qui dicitor Constantini . . in campo lateranensi“ vor, von dem die Mira- 
büia Komae sprechen, der aber nach dieser Schrift ganz Anderes dar¬ 
stellt. „Sub ungula equi“ sah man einen Mann „parvae personae, retroligatis 
manibus. S. H. Jordans Ausgabe in der Topographie der Stadt Rom 
im Alterthum, 1871. II 621; und vgl. eb. 370 und 388, sowie Müllenhoff 
in Haupts Zeitschr. XII 325. — Abgesehen von der vorgeblichen Leiden¬ 
schaft für ihren Stiefsohn Crispus wird der Fausta ein ehebrecherisches 
Verhältniss zu einem tmv Kovqocdqcov zur Last gelegt, wie es scheint, 
einzig durch Philostorgius II 4: sie büsste es nach ihm mit dem Tode, 
während von Bestrafung des Mitschuldigen nichts verlautet. 


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108 Kaiser Constantinus als betrogener Ehemann. Tobleb. 

thun. Lorete, die zuerst in den Kaiser dringt, er möge ge¬ 
statten, dass sie sich wieder bekleiden, wird von ihm zum 
Weibe gewählt Nach vierzehn Festtagen kommt verspätet 
auch Samson der Starke an den Hof, mit ihm seine Schwester. 
Nun scheint diese dem Kaiser weit schöner als irgend eine der 
übrigen, und da Lorete willig zurücktritt, wird jene dem Kaiser 
vermählt, sie dem Samson gegeben, der zugleich Sur und Rom 
(!) zu Lehen erhält. Nach der Hochzeit wird zu der Unter¬ 
nehmung gegen den Amiral von Babylon geschritten, dessen 
Stadt und Land dem glücklich befreiten Nero übergeben wird. 
Der Rückweg führt über Jerusalem, das von da an den Römern 
zinspflichtig ist Constantinopel bereitet den Siegern festlichen 
Empfang; die verwaiste Parise erhält Gui von Poitiers zum 
Gatten, auf den ihre Krone übergeht. — Schlösse sich hieran 
eine den beiden Theilen der Geschichte des Giocondo ent¬ 
sprechende Erzählung, welche Constantin und Samson als be¬ 
trogene Gatten vorführte, sie wäre so übel nicht eingeleitet, 
vielmehr der Bruch ehelicher Treue beinahe motivirt. Dem ist 
aber nioht so. Der Dichter schliesst: 

D’iaus ne vous irai plus contant, 

Car jou n’en öi en avant. 

Hat hier das gleichzeitige Auftreten der Namen Constantin 
und Samson eine Hoffnung auf einen lehrreichen Fund erweckt* 
die sich nachher trügerisch erwies, so ist das Vorkommen des 
Namens Segon 9 on als des Zwerges, den Kaiser Karl „cbuciö nu 
ä nu empres sa femme Sebille“ findet, ebenso weit entfernt, 
Identität oder auch nur nahe Verwandtschaft der beiden Sagen 
zu bezeugen, in denen er sich findet. Reinhold Köhler, dessen 
Aufsatz im Jahrbuch XII 286 mich erinnert, dass der in Ma- 
caires Interesse Verrath übende Zwerg im französischen Prosa¬ 
roman von Sebille (Gautier, leg Epopees fran^. II 547) Se- 
gon 9 on heisst, vermuthet mit Recht, dass dem Verfasser des¬ 
selben die Sage von Constantin bekannt gewesen sei; das 
Zusammenfällen gewisser Umstände der von ihm erzählten 
Begebenheit mit solchen der Constantinsage habe ihn veran¬ 
lasst, dieser den Namen des Zwerges zu entlehnen. 

Adolf Tobler. 


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Jaquemet Saqneeep. Tobleb. 


109 


Jaquemet Saquesep. 

Es ist mir nicht bekannt, dass seit der Vorrede des eifrigen 
Orakelet zu seiner Ausgabe der Histoire du Chätelain de Coucy 
(Paris 1829) über dieses Werk Weiteres geschrieben worden wäre 
als die beiden verständigen Artikel Baynouards im Journal des Sa- 
vants 1829, S. 451—459 und 1830, S. 408 ff und F. Michels Ein¬ 
leitung zu den Chansons du Chätelain de Coucy, Paris 1830. Und 
doch verdiente das Werk wohl, dass man sich mit den seit vierzig 
Jahren immerhin einigermassen gestärkten Kräften romanischer 
Wissenschaft ihm zuwendete. Eifrigem Nachforschen möchte 
doch wohl gelingen, von den durch Barrois in seiner Biblio- 
thfeque protypographique nachgewiesenen Handschriften die 
eine oder andre wieder zu finden, und leicht möchte eine neu¬ 
gefundene die von Crapelet benutzte an Güte hinter sich lassen, 
die ja z. B. an zwei Stellen (Z. 4967 u. 7587) jedenfalls, wahr¬ 
scheinlich noch an einer dritten (Z. 3722) eingelegte Lieder 
des Castellans, auf welche mit Demonstrativpronomen hinge¬ 
wiesen wird, eingebüsst hat, auch sonst vielfach einen wenig 
befriedigenden Text bietet. Dass an geradezu zahllosen Stellen 
Crapelets unzulängliche Sprachkenntniss Unebenheiten seines 
Textes verschuldet hat, die zwar zum grossen Theil auch ohne 
Einsicht in die Handschrift sich beseitigen lassen, oft aber 
doch eine Collation wünschenswerth machen, braucht kaum 
gesagt zu werden. Des Herausgebers und Raynouards Ansicht, 
es sei die Abfassung des Werkes in den Beginn des drei¬ 
zehnten Jahrhunderts (um 1220) zu setzen, wird heute wohl 
auch kein Leser mehr beipflichten, der dem Stande der Sprache 
und den zur Darstellung kommenden Bräuchen und Bildungs- 
Verhältnissen, den oft wiederkehrenden Wappenbeschreibungen, 
der von den Liebenden persönlich oder gar durch das Kammer¬ 
fräulein besorgten Correspondenz die gebührende Aufmerksam¬ 
keit widmet. So sagt denn auch die Histoire litt, de la 
France XXITT 555, allerdings ohne an dieser dafür auch nicht 
geeigneten Stelle zur Begründung der Aussage zu schreiten, 
„un romancier du commencement du XIV® siecle" habe die 
Liebesgeschichte der Dame von Faiel in Verse gebracht. Wenn 


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110 


Jaqnemet Saquesep. Toblkb. 


die Verfasser des vorzüglichen Werkes dieser Ansicht sind, 
so werden sie nicht umhin können, in einem der nächsten 
Bände sich mit der in Rede stehenden Dichtung zu beschäftigen. 
Hier sollte bloss darauf hingewiesen werden, dass der Ver¬ 
fasser derselben sich nennt und seinen Namen nur so wenig 
verdeckt hat, dass man kaum begreift, wie es den oben¬ 
genannten Autoren möglich gewesen ist, ihn nicht zu finden. 
Der Dichter sagt Z. 8225 ff. 

En l’onnour d’une dame gente 
Ai ge mis mon euer et m’entente 
A rimer ceste istoire cy; 

Et mon non rimerai ausy, 

Si c’on ne s’en percevera, 

Qui Tengien trouver ne sara. 

Das Geheimniss, die Kunst, der Schlüssel (engien) besteht nun 
aber bloss darin, dass man die Anfangsbuchstaben der nächst¬ 
folgenden Zeilen, der letzten vierzehn des Werkes, zusammen¬ 
stellt. Sie lauten: 

«Fen sui certain. Car n’aferroit 
A personne, qui fait l’aroit, 

Qu’on (Text c’on) le tenroit a vanterie, 

Espoir, ou a (Text en) melancolie. 

Mes se celle pour qui fait Tay, 

En set nouvelle, bien le say, 

S’i (d. h. S’il) li plaist, bien guerredonne 
Sera, mes quel recoive en gre. 

A li m’otri et me present, 

Qu’en face son conmandement. 

En li ai mis tont mon soulas, 

S’en ehant souvent et haut et bas, 

Et liement me maintenray 
Pour li tant conme viveray. 

und ergeben den Nominativ des Namens, der über diesen 
Zeilen steht. Man erinnert sich unwillkürlich Adenets, der in 
ganz gleicher Weise am Schlüsse seines Cleomades vierzig 
Zeilen mit den Buchstaben anfangen lässt, welche die Namen 
seiner beiden fürstlichen Gönnerinnen bilden, und nicht weniger 
überzeugt ist, es werde, trotzdem dass er den Leser aufmerk¬ 
sam gemacht hat, Niemand hinter sein Geheimniss kommen. 


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Zu den Fierabras-Handschriften. Groebeb. 


111 


Nonmees les ai, ce sachiez. 

Ne cuit pas k’entendu l’aiez, 

Ne je ne quier ne ne vorroie. 

Dem Hörer freilich wird die Entdeckung ungleich schwerer 
als dem Leser; und auch dieser kann ja das Akrostichon 
übersehn, wenn er nicht aufmerksam gemacht ist. Wie lange 
hat es gebraucht, bis der Name Simun in dem Jahrbuch I 10 
mitgetheilten Eingänge der Georgslegende bemerkt wurde. Die 
Remonstrances de Nature ä TAlchymiste würde M6on (R. Rose 
IV 123) mit grösserer Bestimmtheit dem Jean de Meung ab¬ 
gesprochen haben, wenn ihm der in dem Eingangsakrostichon 
geborgene Name Jehan Perreaul de Paris nicht entgangen wäre. 

Adolf Tobler. 


Zu den Fierabras-Handschriften. 

Durch gütige Mittheilung des Herrn Prof. A. Tobler in 
Berlin erhielt ich Kenntniss von einer bis dahin unbekannt 
und unbeachtet gebliebenen Fierabras-Handschrift, die sich auf 
der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Hannover befindet 
und in deren Handschriftenkatalog*) unter Nr. 578 als: Les 
Romans dAlixandre de Fierenbras et de Charles verzeichnet ist. 
Die Gefälligkeit des Herrn Bibliothekar Bodemann gestattete mir 
eine längere Benutzung derselben; vielleicht dass eine kürzere 
Notiz über diese siebente altfranzösische Fierabras-Handschrift 
in diesen Blättern nicht unwillkommen ist. 

Die Handschrift ist in gr. 8° (Jongleurhandschrift), ge¬ 
hört nach Schriftcharakter und Miniaturen, deren sie 101 ent¬ 
hält und deren jede ca. 20 Zeilen oder nahe die Hälfte einer 
Seite einnimmt, dem 14. Jahrh. an, ist auf Pergament ge¬ 
schrieben und zählt 100 Blätter. Der Fierabras, wie er uns 
bisher vorliegt, füllt jedoch nicht die sämmtliehen 100 Blätter, 
wie nach der Angabe des Katalogs anzunehmen ist, sondern 
beginnt mit einem neuen Quatemio, dem .vierten, auf Blatt 
25 und nimmt mit 68 Miniaturen von da die übrigen 74 

*) Bodemann, die Handschriften der königlichen öffentl. Bibliothek 
su Hannover. Hannover 1867. 


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112 


Zu den Fierabras-Handschriften. 


Blätter ein, die ein weniges kleiner sind, als die vorausgehen- 
den und im Anfang Spuren des Beschneidens zeigen. Zwischen 
Blatt 95 und 96 fehlt ein Blatt mit 1 Miniatur, das die Verse 
5836—5886 nach der Ausgabe von Kröber und Servois* **) ) ent¬ 
halten haben würde. Da aber der mit Blatt 95 endende 
Quaternio vollständig ist und auch die folgende Doppellage 
keine Spur einer Entfernung des vermissten Blattes zeigt, so 
scheint der Schreiber nur ein Blatt seiner Vorlage übersprun¬ 
gen zu haben, die ebenfalls mit V. 5836 „Hastiuement ieta“ das 
nächste, mit den Versen 

L’auer[e] de la bataill(e) parti[e] est deuisa, 

Tot[e] a sa volunte a chescon ordona. 

Quant iceo vrent fait, vn euesque appella, 

die der citierten Ausgabe vor Vers 5887 [wie der provenjalische 
Fierabras*), der sie als VV. 4843—4845 

Tot so que an conquist, partic e deviza, 

Tot a sa voluntat a cascu ne dona. 

E can tot o ac fejt, un avesque sona 

zeigt], fehlen, das zweitfolgende Blatt, d. h. das 96ste der 
Hannoverschen Handschrift, begonnen haben und daher auch 
in der äussem Einrichtung unsrer Handschrift gleich sein 
mochte. Dass diese Vorlage nämlich das in H. [so mag die 
neue Handschrift bezeichnet werden], vermisste Blatt enthielt, 
dafür spricht der Custode, den der Schreiber, wie am Ende 
eines jeden Quatemionen, so auch am Fusse des Blattes 95 
anbringt, in welcher er den Anfang des die nächste Lage be¬ 
ginnen sollenden Verses anzeigt und die hier eben dem'An¬ 
fänge des ersten der fehlenden Verse, 5836 Hastiuement ieta 
gleich lautet. Demnach würde die vollständige Handschrift 
77 Blätter und, wie sich aus der Zahl der ca. 50 fehlenden 
Verse, die auf einem Blatt Raum für eine Miniatur lassen, er- 
giebt, 69 Miniaturen enthalten haben. 

Die auf das fehlende Blatt kommenden Verse ungerechnet, 
steht nun H mit 5846 Versen, 5084 Versen des proven£ali- 

*) Anciens poetes de la France. Fierabras p. Kroeber et Servois. 
Paris 1860. 

**) Bekker, Im. Der Roman von Fierabras, Prove^alisch. Berlin 
1829. 


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G KORBER. 


ii3 


sehen F., 6219 Versen der Handschrift a*), ca. 6500 Versen 
der unvollständigen Escurialhandschrift, [welche Zahl sich aus 
dem von Knust**) angegebenen Verhältnis derselben zu a er- 
schliessen lässt], und ebensovielen Versen der Didotschen 
Handschrift***) gegenüber, und wenn es danach scheinen 
mochte, dass H nicht zur Gruppe der letzten beiden Hand¬ 
schriften gehöre, so macht doch die Vergleichung weniger 
aus allen Handschriften bekannter Verse gewiss, dass H mit 
D und E aus der nämlichen Quelle Z f ) geflossen ist, und dass 
die Zahlendifferenz nur eine Folge bisweilen unwillkürlicher, 
zum grössten Theil aber absichtlicher Auslassungen ist, die 
um so grosser sind, als sie nicht weniger als die übrigen 
Handschriften Versdehnungen und Zusätze aufzuweisen hat. 
Von Interesse bleibt H aber dennoch darum, weil es eine Er¬ 
gänzung für die Lücken in D und für das der Escurialhand- 
schrift fehlende Ende von 880 Versen giebt und so die ver¬ 
lorene Quelle Z näher kennen lernen lässt 

Dass H dieser Quelle entstammt, zeigen folgende Verse, 
die in den unabhängigen P und a fehlen und in E nach V. 
60, nach V. 162 und nach V. 4580 ff) und in D als V. 16, 
19 und 20 der zweiten Tirade fff) und unter den Versen 4725 — 
4728 enthalten sind. Sie lauten in H: 
als V. 61: 

De qui se fist Jhesu en la croicfe] coroner **+) 
als VV. 64. 65: 

S’en gard(e) a la croic[e], ou deus sei lessa peyner, 

Sun corps a graut hahan pur sun poeple saluer. 


*) Fi er ab ras p. K. et S. p. XX. 

**) Jahrbuch für Roman, und Engl. Lit. IX. p. 46. 

***) Catalogue raisonnö des libres de la bibliothäque de M. Ambroise 
Firmin Didot. T. II.; livr. 1. (Paris 1867) p. 360. 

t) Gröber, Die handschriftlichen Gestaltungen des Fierabras, Leipzig 
1869, p. 17, p. 27. 

ft) Jahrbuch f. R. u. E. L. IX. p. 49, p. 68. 
fff) Gröber, 1. 1. Anhang. 

*+) Catalogue raisonnö etc. p. 361. 

**t) Die Handschrift bietet den Vers in folgender verdorbener Fas¬ 
sung (s. gegen Ende). De qui my fitz Jhesu en la croice se fist coroner. 

Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. I. 8 


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114 Zu den Fierabras-Handschriften. 

und nach 4580 [a] auf Fol. 80: 

Sur son chiual seoit, qe corust par vigor, 

Le brand (tint) en sa mayn, dunt occist l’amaceor, 

Mult par sembloit bien home qe soit partiz d’estour; 

in D: 

De quoi en fu Jhesu en la croiz coroner. 

S’a en sa garde la croiz, ou Deu se lessa pener, 

Son cors a grant (a)han por son poeple sauver. — 

Sor le chival seoit qui cort por grant vigor. 

En sa main (tint) l’estele dont occit l’auma^or. 

J tenoit en sa main le bon brant de color. 

Molt per semble bien home qui partis soit d’estor. 
und in E: 

Le roi en fist Jhesus en la croiz corronner. 

Si a en garde la croiz ou Dex se lessa pener, 

Son cors a granz ahanz por son peuple sauuer. — 

Sor vn ceual seooit qui cort par grant vigor, 

L’estelle en sa main dont ochist l’aumanchor, 

En tenoit en sa main le bon branc de color. 

Mout par semble bien homne qui partis soit d’estor. 

Auch für den Nachweis, dass H nicht etwa in näherer 
Beziehung zu D und E stehe und nicht etwa eine von diesen 
Handschriften directe Quelle für H gewesen, genügt es auf 
zwei Stellen aufmerksam zu machen. Aus dem verdorbenen 
Verse 11*) in D: 

Mes eus ne vodreynt sofiaer n’endurer 
in Uebereinstimmung mit dem in E entsprechenden Vers 56**) 
Mais chil dedens nel wouldrent soufrir ne greanter 
hätte H nicht den Vers gewinnen können [56]: 

Mais eil dedenz ne(l) voldrent sufirir n(e) endurer. 
Andrerseits war auch nicht E directe Quelle für H, da E in 
Vers 53***) 

Et des treus d’Espaigne se fait seignor clamer 
liest, wo H übereinstimmend mit c V. 53: 

Et des tors de Palerne se fait sire clamer 


*) Gröber 1. 1. Anhang. 

**) Jahrbuch etc. IX. p. 49. 

***) il. p. 48. 


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Gboebex. 


115 


mit P, V. 616: 

de la tors de Paleraa si fay senhor clamar 
mit D, V. 8 *) 

Et de(s) tors de Paleme se fai[soi]t segneir clamer 
den entsprechenden Vers 53 so darbietet: 

Et de la tour de Paleme se feseit sir clamer 

und wo die durch die übrigen Handschriften an die Hand ge¬ 
gebene Besserung: 

Et des tours de Paleme se feit sire clamer 

alles Störende beseitigt Das Yerhältniss von H zu den übrigen 
Handschriften darf hiernach hinreichend sicher bezeichnet 
scheinen« 

Der Text der Handschrift ist sehr verdorben, vielfach 
durch Ausbesserungen, Versetzungen und eine der Aussprache 
nachgebende Schreibung verstümmelt, und der Vers nicht 
minder auf diese Weise beeinträchtigt worden, als durch die 
willkürlichsten Hinzufügungen, die dem Schreiber eine nur 
geringe Kenntniss von Versbau und Verszählung zusprechen 
lassen. Die Orthographie repräsentiert natürlich keinen Dialekt 
in seiner Reinheit, hie und da finden sich Normandismen und 
Picardismen eingemischt, aber die Schreibung bietet manchen 
lehrreichen Wink über die Aussprache des Französischen in 
der Zeit, der die Handschrift angehört. Die beiden ersten 
Tiraden mögen als Probe dafür dienen. Sie lauten in genauer 
Wiedergabe der Handschrift unter Hinzufügung der Inter- 
punction und Setzung des Apostrophs folgendennassen: 

Seignurs ore fetes pees, si V 09 plest, si m’oies, 25 n 

Chanceon fere et orible, ja melior n’orres. 

Ceo n’est my mensoigne, ainz est verritees, 

A tesmoigne en treray eveskes et abbees: 

5 A saynt Dynis en France fu ly rolles trouues, 

PI 9 de CL anz i a la chäcon comces. 

Ore en orrez le voir, s’entendre le voles: 

Si com Klm, li rois q tant fu redoutes, 

Reconqnist la c 0 rone, dunt deux fu corones, 


*) Gröber 1. 1. Anhang. 

8 * 


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116 


Zu den Fierabras-Handschriften. 


10 Et le sayntisme cloues, dunt deux fu encloues, 

Et les altre reliqes, dunt il i a asses. 

A saynt Dynis en France en fu le tresor portes, 

Au peron a lendit fu partis et dones 

Por les seyntisme eglises, dunt si apres orres; 

15 Car si establi Klm, e’est fine v'rites. 

Mais puis pur coueitise est li bans trapasses. 

Mit en est puis li siede enpirrez et mues: 

Si li piers est maluais, li filz est pirs d’asses. 

Del tote, m’est avis, est ly siede resottes, 

20 Qe ill i a poy de gent, come dient ly escris, 

Qe tienge voirement ne foy ne lealtes. 

Ne dirray ore plus, si est auant passes. 

Charl's a ses barons et somons et mandes 
De par tote ses terres, ou fu sa poestes. 

25 Tant les ad Femperer et Qdutz et menes, 

Qe as vals soutz Morimonde ad fait tendre ses tres. 
Oliuers li gentils, qe tant fu aloses, 

Jcil fist l’auantgard, oue VC fersarmes. 

Le val Bayer garda tote 9 treual ly prees, 

30 Et payens lour assaillerent al issue d’un gues; 

I. mil furent sur les destrers armes 
Pur chalanger sour terres et sour grant herites. 
Francois tindrent les fais sur les escuz boncles. 
Oliuer li gentils i fu le jour naueres. 

35 Desconfis furent Francois, c’est fine v'ritös, 

Quant les socorust Klm oue les veillards barbes, 

Et payens retournerent les fraines abandones. 

Charis s’en retourna as loges et as trees. 

Cele nuit fu Bollant ledement ranpronees. 

40 Lendemayn par son Falbe, quant li solail fu leuees, 
II li a chaunte messe ses chapeleyn fourres. 

Apres fu li mangiers richement 9 raes. 

Mais einz q’il prenge l’eue, serra Kl. irres: 

Kar vn sarr. est en l’auantgard montes — 

45 Vnkes pl 9 fier payen ne fu de mere nees. 

Mvlt fu grant li bamage, knt li rois dust lauer. 
Mais einz q’il prenge Feue n’ad en luy q irrer: 

Kar vn sarr. vint en sa garde mounter — 

Jamais de plg riche home n’orres vnke parier. 

60 J1 fu roys d’Alisandre s’il Fauoit a garder, 

Soue estoit Babiloyngn iusk’a la rüge meer, 

Si auoit Keueloyne, Rossie a gouemer. 

Et de la tour de Palern se feseit sir clamer. 


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25 T 



Groeber. 


117 


Et si s'en volt par force sur Rome seignurer 
55 Et toutz cels de la terre a seruage attourner. 

Mais eil dedenz ne voldrent suffrir n’endurer — 

Pur ceo le fist destruir et saynt pere gaster. 

Mort ia l’apostoille et feit a doel finer 
Et moignes et nonails et musters violer, 

60 S’enporta la corone q tant feit a louer. 

De qui my fitz Jhesu en la croice se fist coroner, 

Et le signe et les cloues, dunt hom le fist clouer, 

Et les dignes reliqes q ieo ne say nomer, 

S’engarda la croice ou deus sei lessa peyner, — 

65 Sun corps a grant hahan pur sun poeple saluer, — 

Si tient Jhn, qe tant fist a loyer, 

Et le digne sepulcre, ou dex volt susciter. 

Le noun du sarr. V 09 dey ieo bien nomer: 

Fierenbras d’alisandre sei fesoit appeler;] 

70 En tote li müde en quide, ne fu forme sun peer. 

6. Gröber. 


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Kritische Anzeigen. 

Romania. Recueil trimestriel consacre k Tetude des lan- 
gues et des litteratures romanes, publie par Paul Meyer et 
Gaston Paris . Paris, librairie A. Franck. I re annee. 1872. 
572 p. 8. 

In dem Augenblicke, wo wir mit dem vorliegenden Hefte 
eine neue Bändereibe unseres Jahrbuches beginnen, gereicht es 
uns zu aufrichtiger Freude, die Vollendung des ersten Jahrganges 
der oben rubricirten Zeitschrift anzeigen zu können, in welcher, 
zuerst in Frankreich und zugleich zuerst auf dem romanischen 
Sprachgebiete, den romanischen Sprach- und Literaturstudien ein 
besonderes Organ geschaffen worden ist. Je befremdender es er¬ 
scheinen musste, dass es unserer Wissenschaft gerade dort, wo die¬ 
selbe ihre natürliche Heimath hat, an einem solchen Organe bis¬ 
her fehlte, um so freudiger wird jeder Fachgenosse und jeder 
Freund der romanischen Studien mit uns das Erscheinen dieser 
neuen Zeitschrift begrüssen, welche unter der besonderen Leitung 
zweier Männer steht, denen die Wissenschaft bereits die ausge¬ 
zeichnetsten Dienste, denen insbesondere der auf ihr eigenes Vater¬ 
land bezügliche Theil jener Wissenschaft in grossem Maasse den 
emsigen Weiterbau und die raschen Fortschritte verdankt, von 
welchen das letzte Jahrzehend Zeuge gewesen ist. Durch ihre 
Namen allein wird die wissenschaftliche Gediegenheit des Unter¬ 
nehmens verbürgt, von welchem die romanistische Forschung die 
besten Früchte erwarten darf. Leider erlaubt es uns für heute 
der Raum nicht, unsem Lesern von dem reichen Inhalte dieses 
ersten Jahrganges der Romania eine Uebersicht zu geben. Wir 
müssen uns dies für unser nächstes Heft versparen und werden 
von da an unsere Leser auch regelmässig von der Fortsetzung in 
Kenntniss erhalten. L. 


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Kritische Anzeigen. 


119 


Le Bin^fUctiii Pierre Bersuire, premier traducteur fran- 
yais de Tite Live par Leopold Pannier. I re partie: Notice 
biographique. Nogent - le - Rotrou 1872. Separatabdruck aus 
dem 33. Bande der Bibliotheque de lTficole des Chartes. 

Die soeben angeführte Monographie, die eine bis jetzt nicht 
beachtete Lücke in der französischen Literaturgeschichte ausfüllt, 
ist neben dieser ihrer Wichtigkeit auch durch ihren Stoff so an¬ 
ziehend, dass wir die Resultate, zu denen der Verfasser gekommen, 
in Folgendem kurz anführen. Derselbe, eines der tüchtigsten Mit¬ 
glieder der jungen französischen Romanisten-Schule, ist durch seine 
Mitarbeiterschaft am Alexiusliede in weitesten Kreisen rühmlich 
bekannt geworden. — Die vorliegende Abhandlung, die Ausführung 
seiner für die Ecole des Chartes aufgestellten These beruht auf 
grösstentheils documentarischen, früher unbekannten und unbenutz 
ten Quellen. Sie ist nur ein Theil der ganzen Arbeit, und be¬ 
schäftigt sich mit der Biographie des gelehrten Benedictiners; der 
andere Theil, der seiner literarischen Thätigkeit gewidmet ist, soll 
noch im Verlaufe dieses Jahres erscheinen. 1. Der Name des 
ersten französischen Livius-Uebersetzers lautet lateinisch Petrus 
Berchorius, französisch Bersuire, gleichlautend mit dem Namen 
der Stadt im Arrondissement Deux-S£vres, der jetzt freilich Bressuire 
heisst, und hiemit entfallen alle die Formen Berthorius, Brichorius etc. 
Berceur, Bercevre, Bercenne, Bercerie und einige sechszehn andere. 
Wir machen, was der H. Verfasser unterlassen hat, auf den Wandel 
von -orium in uire aufmerksam, der wohl auf ö hinweist. 2. Er 
wurde zu S. Pierre-du-Chemin, in unmittelbarer Nähe von Bressuire 
in den letzten fünfzehn Jahren des XHL Jahrhunderts geboren. 
Er trat in den Benedictinerorden ein, dem er sein Leben lang an¬ 
gehörte (entgegen einer Version, die ihn Franziscaner werden und 
dann übertreten lässt). Er kam nach Avignon, wo er zwischen 
1320—1340 einen längeren Aufenthalt nahm und Petrarca’s Freund¬ 
schaft erwarb. Hier schloss er sich an den Cardinal Peter de 
Pratis an, bei dem er mindestens zwölf Jahre verblieb und seine 
theologischen Hauptwerke Reductorium morale und Repertorium 
morale vez£sste. 3. 1342 ist Bersuire in Paris. Nähere Nach¬ 
richten fehlen; erst 1351 treffen wir ihn in der Abtei von Cou¬ 
lombs an. Zu derselben Zeit war er an der Pariser Universität 


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120 


Kritische Anzeigen. 


als Hörer eingeschrieben und bekam mit dem Erzl^schof Händel, 
der ihn ins Gefängnis setzen liess. Die Universität nahm sich 
ihres Schülers an und der König Johann schlichtete den Streit 
zwischen Erzbischof und Hochschule, der zu Ungunsten des ersteren 
ausfiel. 4. Kurze Zeit darauf finden wir Bersuire als Secretär beim 
Könige, auf dessen Aufforderung hin er die Uebersetzung des Livius 
spätestens 1352 übernahm, und später gegen das Ende von 1354 
als Prior von Saint-Eloi bei Paris. Auf Grund einiger Notizen, 
die Lebeuf in seiner Histoire du dioc. de Paris nach jetzt ver¬ 
lorenen documentarischen Belegen gibt, wagt nun der Verfasser die 
Vermutung, dass Bersuire, der Kämmerer in der Abtei von Cou¬ 
lombs gewesen, und der Prior von St. ßloi, Peter Gresle, 
ihre Stellen vertauscht haben; welche Vermutung durch eine neu¬ 
lich im Pariser Archiv aufgefundene Urkunde zweifellos bestätigt 
wird. Hoffentlich wird er dieselbe in dem 2. Theile seiner 
Arbeit abdrucken. Im Jänner 1361 kommt Petrarca als Gesandter 
des Mailänder G. Visconti nach Paris, woselbst er mit Bersuire 
innigen Verkehr hielt Ein Brief, den er an Bersuire den 6. Sep¬ 
tember 1362 schreibt, trifft diesen nicht mehr am Leben — Ber¬ 
suire war in den ersten Monaten dieses Jahres gestorben. 

Dies sind die spärlichen Nachrichten aus dem Leben eines der 
gelehrtesten und thätigsten Männer seiner Zeit, die sich urkund¬ 
lich belegen lassen und manches, was bis jetzt über denselben er¬ 
zählt wurde, theils umstossen, theils bedeutend ändern. Als ge¬ 
lehrter Theolog hat Bersuire seine Würdigung schon früher ge¬ 
funden — Pannier ist es, der den Ruhm des ersten Liviusüber- 
setzers wiederherstellt War diese Uebersetzung ja die erste 
von einer ganzen Reihe ähnlicher Arbeiten, die eine Umwälzung 
der damaligen Literaturzustände zur Folge haben sollten und ist 
dieselbe, wegen der Wichtigkeit des Schriftstellers und der 
Schwierigkeiten, die seinem Uebersetzer die Bewältigung der 
noch nicht ganz gefügen Sprache bereiten musste, ein bedeutendes 
literärisches Denkmal. F. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus 

Lea vies des plus c£l£bres et anciens poStes provensaux. 

v. 

Bereits unter den Biographien und Liedern der uns be¬ 
kannten Dichter fanden wir manches bei Nostradamus, was 
auf bis jüngst unbekannte Quelle führt und manches, was 
wahrscheinlich nicht von ihm erfunden, sondern aus verlornen 
Quellen geschöpft ist, wenn auch der grössere Theil seiner 
Nachrichten sich als unglaubwürdig herausstellt. Von diesem 
Gesichtspunkte müssen wir ausgehen bei Betrachtung denjenigen 
Dichter, die sich in den uns erhaltenen Liederhandschriften 
nicht finden. 

1. Frideric premier du nom Empereur (S. 28 ), Kaiser 
Friedrich I. Nach der Unterwerfung von Mailand begab sich 
der Kaiser nach Turin, wo Raimon Berenguier III. mit seiner 
Gemahlin, Richild, der Nichte des Kaisers, ihn empfieng, be¬ 
gleitet von Adligen und Sängern der Provence. Es erfolgte 
die Belehnung des Grafen mit der Provence im September 
1162 . Bei dieser Gelegenheit lernte Friedrich den provenzali- 
schen Gesang kennen, und soll, so berichtet N., eine proven- 
zalische Strophe gedichtet haben, deren Echtheit schon viel¬ 
fach Gegenstand der Discussion gewesen ist Sie lautet: 

Pias my cavallier frances 
e la donna eatallana, 
e l’onrar del Gynoes 
e la cour de Kastellana, 
lou kantar provensalles 
e la dansa trivyzana, 
e lou corps aragonnes, 

Jahrb. U rom. u. «ngl. Lit. N. F. I. 9 


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122 


Bjlbtsch 


© la perla julliana, 

las mans e kara d’Angles 

e lou donzel de Thuscana. 

Die jungen Sprachformen sind kein Beweis gegen die Echtheit, 
da wir sie geradeso in authentischen von N. mitgetheilten 
Versen und Strophen finden. Also formellen Anstoss geben 
sie nicht. Vergleicht man die sonst von N. untergeschobenen 
Verse mit diesen, so wird man sprachlich und dichterisch einen 
bedeutenden Unterschied finden. Inhaltlich gibt am meisten 
Anstoss der Ausdruck la cort de Kastdlana , da, wie Diez mit 
Recht bemerkt, es auffällig ist, den Hof eines unbedeutenden 
Barons der Provence so hervorgehoben zu sehen. Kastellana 
wird wohl den castilischen Hof bedeuten, was allerdings zu 
der Annahme nöthigt, dass de ein Fehler des Textes ist. 
Aber auch die drittletzte Zeile ist entstellt: e la perla passt 
in den Zusammenhang der übrigen Verse schlecht, vielmehr 
erwartet man el parlar 'und das Sprechen’ de Juliana. Was 
endlich die Strophenform betrifft, so hat sie etwas den sonst 
vorkommenden Formen durchaus verwandtes und weicht ganz 
von dem ab, was N. sonst fabriziert hat. Wie hier fünfmal 
zwei Reime in regelmässiger Abwechselung wiederkehren, so 
sechsmal bei Elias de Fonsalada (Archiv 34, 395 a ) 

En cor ai qne comens, 
puois lo doutz temps comensa, 
canso c’als entendens 
es de prim’ entendensa; 
e si a totas gens 
mos chantars non agensa, 
sevals entreis valens 
aura mos chans valensa, 
q’eu voill als sapiens 
mostrar ma sapiensa, 
car ab los conoissens 
deu aver conoissensa. 

Gewöhnlich aber mit einem Anhänge, der entweder in der 
Wiederholung des letzten oder des ersten Reimes besteht. 
Ersteres beim Delfin von Auvergne (Archiv 34, 194 a ) 

Joglaretz, petitz Artus, 
si vols q’ieu te gamisca 
ni vols segre aqest us, 
dreitz es [q’ieu] t’enjoglarisca. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


123 


non anar ton grat dejus, 
qel fams cre qet delisca, 
s’intrar pos per pauc pertus, 
bos manjars non gandisca, 
qui que puois t’escarnisca. 

Genau dieselbe Form bei Uc de S. Circ (Archiv 34, 409 b ). 
Mit Wiederholung des ersten Reimes bei demselben Dichter 
(34, 41 l b ) und bei Rambautz d'Eira (34, 412 b ). Oder es folgt 
ein Reimpaar, welches für sich steht: so bei Guiraut 
Riquier 54, wo auch das Versmass genau ist wie hier, und 
das Reimpaar am Schlüsse den Refrain bildet, also nicht mehr 
zum Strophenbau gehört: 

Pus astres no m’es donatz, 
que de mi dons bes m’eschaya, 
ni nulhs mos plazers nol platz, 
ni ai poder quem n’estraya, 
ops ntfes qu’ieu sia fondatz 
en via d’amor veraya; 
e puesc n’apenre assatz 
en Cataluenha la gaya 
entrels Catalas valens 
e las donas avinens. 

Derselbe Fall eines Reimpaares am Schlüsse bei demselben 
Versmasse, nur dass der weibliche Reim vorausgeht, bei 
Bertran d'Alamanon (Mahn, Gedichte 1060). Ein vierfacher 
Beim bildet den Schluss: Mahn, Gedichte 531. Künstlichere 
Fortsetzungen der einfachen Reimkreuzung Lesebuch 109, 3. 
Mahn, Gedichte 977. 979. Archiv 34, 198% Gir. Riquier 3. 
Gerade das Auffinden von Versen, die N. anfuhrt, und die man 
bisher nicht kannte, lehrt uns vorsichtig mit dem Verwerfen 
zu sein, wo nicht innere und äussere Gründe wie bei vielen der 
offenbar vonN. erst verfassten Verse die Unechtheit erweisen. 

2. Hugues de Lobieres (S. 84). Lobieres wird der Orts¬ 
name Lobeiras sein, der bei Giraut de Borneil (Mahn 1, 199) 
vorkommt Ein Edelmann aus Tharascon und guter Dichter, 
aber streitsüchtig und boshaft, weshalb niemand mit ihm zu 
thun und niemand auch über ihn schreiben wollte. Der 
Mönch von Montmajour allein erwähnt ihn mit Lob. Das 
Ganze sieht so inhaltsleer aus, dass man es für eine Erfindung 
halten möchte; und doch sieht man wieder nicht den Grund 

9 * 


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124 


Bartboh 


dieser Erfindung ein. Und wo N. sonst erfindet, ist er doch 
um Namen nicht verlegen. Also den Namen kann er doch 
wohl in einer Quelle gefunden haben, vielleicht auch ein paar 
Lieder, aber keine Biographie. 

3. Berat des Baulx (S. 86), d. h. Barral, der Gönner von 
Peire Vidal und Folquet von Marseille. Dass er Dichter ge¬ 
wesen, wird nirgend berichtet. Den Namen fand N. in pro- 
venzalischen Biographien und machte durch eigene Erfindung 
Barral zum Dichter. Was er von ihm berichtet, ist ganz im 
Stil seiner sonstigen Erfindungen. Durch einen catalonischen 
Arzt hatte er astrologische arabische Bücher kennen lernen, 
und wurde abergläubisch. Einst beim Antritt einer Reise fand 
er ein altes Weib, das Kräuter vor Sonnenaufgang sammelte 
und dazu Sprüche murmelte, und fragte sie, ob sie diesen 
Morgen Raben oder andere ähnliche Vögel hätte fliegen sehen; 
und da sie mit Ja antwortete, kehrte 4t spornstreichs in sein 
Schloss zurück. Er heirathete die Tochter des Königs der 
Herulier und Obotriten und starb jung aus Liebe zu dem 
Gesänge eines schwarzen Vogels, der auf dem Dach eines 
Hauses gegenüber den Fenstern seines Saales sass, während 
er beim Mittagessen sass, im Jahre 1229. 

4. Roollet de Grassin (S. 89) oder Raoul, Rollet, Edelmann 
aus der Provence vom Schlosse Gassin, Dichter und Redner, 
gern gesehen bei den Grossen und bei der Geistlichkeit, An¬ 
hänger der Kirche gegen die Albigenser und Waldenser, be¬ 
liebt bei den Damen und Fürstinnen, die ihn mit Pferden, 
Waffen, Kleidern und Geld beschenkten. Er diente dem Grafen 
von Provence, der ihn sehr schätzte und zu politischen Commis¬ 
sionen verwendete. In Montpellier bei einer Versammlung 
verliebte er sich in eine Edelfrau, Richilde oder Rixende von 
Montauban und dichtete mehrere an sie gerichtete Lieder, sie 
aber verspottete ihn. Deswegen dichtete er einen Centurio 
gegen sie und wurde Mönch in Avignon, ohne irgend jemand 
davon etwas mitzutheilen. Der Bischof von Cuzeran, damals 
Legat von Avignon, suchte ihn auf und wollte ihn bewegen, 
wieder auszutreten und dem Pabste auf andere Weise zu 
dienen, was aber Raoul ausschlug; auf einmal kam ein Courier 
mit Acten betreffend die Verleihung der Präpositur Pignans, 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 125 

welche Raoul angeboten und von ihm angenommen wurde. 
Er wurde noch manchmal vom Grafen der Provence und von 
der Kirche zu verschiedenen Angelegenheiten verwendet. Er 
starb 1229. Die ganze Geschichte klingt wenig glaubwürdig; 
wenn etwas daran ist, so bezieht sie sich jedenfalls nicht auf 
einen Troubadour, sondern eine historische Persönlichkeit des 
Albigenserkrieges, in welchem verschiedene Raouls eine Rolle 
spielen. Der Name ist provenzalisch nicht üblich. N. machte 
eine historische Persönlichkeit zu einem provenzalischen Dichter. 

5. Bemond Berenguier , Graf von Provence (S.*103), der 
Sohn von Aifons II, vermählt mit Beatrice von Savoien, 
Schwester des Grafen Thomas, die viele provenzalische Dichter 
besangen, und mit der er vier Töchter hatte, die er alle an 
Könige verheirathete, mit Hilfe eines klugen Pilgers, den er 
aber auf Verleumdung hin später von seinem Hofe entliess. 
Den Pilger nannte m$n lo Bometto . Es ist also Raimon Be¬ 
renguier (1209—1245) gemeint Die Geschichte wird bestätigt 
durch Dante (Parad. 6), welchen N. auch citirt, und dessen 
Commentatoren Vellutello und Landino. Die beiden letzt ge¬ 
nannten hat N. laut dem Vorberichte gekannt und ihr Be¬ 
richt stimmt so genau mit der Erzählung von N., dass er 
ohne Zweifel des letzteren Quelle ist. Jene alten Commen¬ 
tatoren aber schöpften aus einer provenzalischen Quelle, die 
namentlich im Stile sich noch kund giebt; und da sie Raimon 
Berenguier als Verfasser von Canzonen und Coblas bezeichnen, 
so haben wir nicht Ursache es zu bezweifeln. Er ist daher 
wohl der Graf von Provence, von dem wir ein paar Tenzonen 
besitzen. 

6. Peyre de San Bomyech (S. 117), Edelmann aus S. Remy 
in der Provence, aus dem Hause der Hugolens, Nachahmer 
und Zeitgenosse von Amaud Daniel. Nach dem Mönch des 
Isles d’Or ein wortgewandter und witziger Mann, aber einem 
üppigen Leben ergeben, in Folge dessen er verarmte und 
Jongleur wurde, und die Höfe der Fürsten besuchte. Seine 
Lieder richtete er an eine provenzalische Edeldame, aus dem 
Hause Lambesc, Antoinette de Suze, die er einst in der Raserei 
tödtete und nachher sich selbst Nach andern wurde er ver¬ 
rückt und starb bald darauf. Der Ausdruck se feist comique 


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126 


B ABT SCH 


und feist de helles comedies bei N. deutet entschieden darauf 
hin ; dass N. eine provenzalische Biographie vor sieh hatte, in 
welcher von der Verarmung des Dichters auch die Rede war 
und es dann hiess se fetz joglars, denn dies Missverstandniss 
mit Komödien trafen wir mehrfach bei authentischen Lebens¬ 
nachrichten, die N. benutzte. 

7. Guilhaume JDurmt (S. 125), aus Puymoysson in der 
Provence, nach andern aus Montpellier, grosser Rechtsgelehrter; 
er las in seiner Jugend viel und hatte ein ausgezeichnetes 
Gedächtniss. Er verliebte sich in eine Dame aus dem Hause 
Balb in Provence, die er provenzalisch besang. Ihren Geburts¬ 
tag theilte er einem Astrologen mit, der ihm ihre Zukunft 
weissagte. Er ward an demselben Tage wie sie begraben, sie 
aber war nur scheintodt und erwachte wieder zum Leben. 
Sie wurde Nonne und starb im 60. Jahre, er im Jahre 1270. 
Nach S. Cezari bediente er sich häufig des Spruches 

Mais val calar 

que fol parlar. 

Es ist der lat. Schriftsteller Guillelmus Durantus gemeint, der 
aus Puymuisson gebürtig war, bei dem wirklich der obige 
Spruch vorkommt: vgl. meinen Grundriss der provenz. Liter. 
§. 36. Von provenzalischen Gedichten desselben ist nichts be¬ 
kannt; sein Todesjahr ist nicht 1270, sondern 1296. Ver- 
muthlich fand N. einen Dichter Duran in seinen Quellen (wir 
kennen Peire Duran, Duran Sartre de Carpentras und Duran 
Sartre de Paernas) und ergänzte die fehlenden biographischen 
Nachrichten aus dem Leben des ihm bekannten Gelehrten und 
durch eigene Erfindung. 

8. Perceval Dorie (S. 130), dessen auch in der Biographie 
von Guillem Figueira gedacht wird, war aus Genua (ein Doria), 
lebte aber in der Provence als Podestä von Avignon und Arles 
für Karl I. Er schrieb mehrere provenzalische Lieder, u. a. 
ein Sirventes über den Krieg zwischen Manfred und Karl und 
die Schlacht bei Benevent. Auch mehrere Tenzonen mit Lan- 
franc Sygalle, so wie mehrere Sirventes gegen die Grausamkeit 
der Tyrannen. Er starb 1276 in Neapel. Der Dichter fand 
sich wirklich in dem Original von a, welches vielleicht auch 
eine Biographie des Dichters, jedenfalls aber Lieder und Sir- 


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Die Quellen von Jeban de Nostradamus. 


127 


ventese von ihm enthielt*); a nennt ihn Porceval Douria, wo 
o im ersten Namen wohl nur Schreibfehler ist; ou in dem 
zweiten ist kein Fehler, Douria kann auch d’Ouria geschrieben 
werden, denn lateinisch heisst es de Oria oder Auriae. Perce¬ 
val war in der That Podestä von Avignon, aber nicht unter 
Karl I, sondern schon 1232. Er kommt bereits 1216 als 
Consul von Genua vor; 1228 war er Podesta von Asti, 1243 
von Parma. 1255 gieng er mit Nicolao de Grimaldi als Ge¬ 
sandter nach Lucca und Florenz, und 1258 in dem Kriege 
zwischen Genua, Venedig und Pisa als Gesandter an den 
päbstlichen Hof. In demselben Jahre ernannte ihn Manfred, 
mit dem Perceval verwandt war, zum Generalvicar der Mark 
Ancona, des Herzogthums Spoleto und der Romagnola. Noch 
Ende des Jahres drang Perceval mit Sarazenen und Deutschen 
nach Norden vor, und veranlasste mehrere Städte sich zu er¬ 
geben (1259)**). Danach ist durchaus wahrscheinlich, dass er 
ein Gedicht auf die Schlacht bei Benevent (1266), auf Man¬ 
freds Seite stehend, verfasst hat. 

9. Pierre de Chasteauneuf (S. 142), Edelmann, Herr von 
Chasteauneuf, blühte zur Zeit von Perceval Doria, dichtete 
provenzalisch und lateinisch, ein bitterer Feind alles Unrechtes 
auch bei seinen Freunden; hat nur Sirventese gegen die Fürsten 
seiner Zeit geschrieben. Ein Lied richtete er an die Gräfin 
Beatrix von Provence, die Tochter von Raimon Berenguier» 
Noch erzählt N. von ihm ein Abenteuer, dass er im Gehölz 
von Vallongue, auf dem Rückwege von einem Besuche in Ro- 
quemartin, von Räubern überfallen wurde, die ihn beraubten 
und todten wollten; auf seine Bitte erlaubten sie ihm ein 
Lied zu singen, und er sang das Lob der Räuber, was sie so 
bewegte, dass sie ihm alles Zurückgaben. Dies Geschichtchen 

*) Wenn ich ihn trotz Crescimbeni, Tiraboschi u. a. als unbekannten 
Dichter bezeichnete (Jahrb. 11, 18), so hatte ich dazu insofern ein Recht, 
da diejenigen die ihn bisher genannt, sich nur auf Nostradamus stützten, 
denn ehe das Verzeichniss des Riccard. Nr. 2814 bekannt war, musste 
man den Dichter für einen von N. erfundenen halten, womit nicht in Wi¬ 
derspruch stand, dass er eine sonst geschichtlich bekannte Persönlichkeit 
und italienischer Dichter war. VgL Mussafia im Jahrb. 12, 32. 

**) Diese Daten aus Schirrmachers letzten Hohenstaufen. Göttingen 
1871. S. 158 ff. u. 465, Anm. 8, 11 u. 14. 


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128 


Babtsch 


ist eine Erfindung von N., auch die übrigen biographischen 
Daten, aber Lieder hatte er vor sich, da in a der Dichter, 
Peire de Castelnou, vorkommt, unmittelbar nach Perceval 
Doria, mit dem ihn N. auch zusammen nennt. Die persönlichen 
Beziehungen können aus den Liedern gefolgert sein; eine Bio¬ 
graphie lag kaum vor. Des Dichters gedenkt N. auch im 
Leben von Guillem Figueira (S. 150), wieder neben Perceval 
Doria, und beruft sich auf ihn als Gewährsmann in der Bio¬ 
graphie Sordels (S. 153), wo von dessen Aufnahme am Hofe 
von Provence die Rede ist, wovon er auch hier (S. 143) 
spricht. Daraus ergiebt sich, dass Peire in einem Liede Sordels 
erwähnt und sein Zeitgenosse war, was mit der Biographie 
Percevals ebenfalls vortrefflich stimmt. 

10. Guillaume de Sylvecane wird bei Hugues de Penna 
(S. 147) erwähnt. Nach N. soll sich Uc mehrere Canzonen 
dieses Lyrikers angeeignet haben, der aus Liebe zu einer 
Dame von Puymont aus dem Hause Ruere starb. Ueber das 
Aneignen haben wir oben (S. 49) gesprochen. Ob N. in einer 
seiner Quellen den Namen dieses Dichters fand, muss dahin¬ 
gestellt bleiben; unglaublich ist es nicht. 

11. Porcellet wird als Dichter in der Biographie Guillems 
von Bargemon (S. 159) genannt und als Ritter bezeichnet. 
Er rühmte sich, dass sein Gesang alle Damen seinem Willen 
geneigt machte. Wenn N. die ihm vorliegende Novelle nicht 
etwa erst durch Einfügung von Namen ausschmückte, dann 
wird es einen Dichter dieses Namens gegeben haben. 

12. Luco de Grymauld (S. 180), oder Lucas de Grymaud, 
aus Grymauld in der Provence, doch giebt N. am Schluss 
an, er habe in einem alten Documente gelesen, der Dichter 
sei aus Genua gewesen. Aus diesem Grunde reihen ihn ver¬ 
schiedene Italiener, die aber alle auf N. fussen, unter die 
Schriftsteller von Genua (Crescimb. S. 134 f.). Zu seinem 
Lobe haben nach N. die Mönche des Isles d’Or und S. Cezari 
gegen 300 Verse gedichtet. Er liebte eine Dame von Ville- 
neufve in Provence, die ihm einen Liebestrank gab, in Folge 
dessen er sich wenige Tage nachher, im Alter von 35 Jahren 
(1308) selbst entleibte. Nach seinem Tode fand man bei ihm 
Canzonen, in denen er sie gefeiert, und mehrere Komödien voll 


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Die Quellen von Jehan de Noßtradamufl. 


129 


von Sc hmähun gen gegen Bonifaz VIII. Die Existenz des 
Dichters wird nicht zu bezweifeln sein, wenn auch natürlich 
die Liebesgeschichte wieder erfunden ist. N. hatte Lieder 
und Sirventese von ihm vor sich: Bonifaz kann wie bei Ber- 
tran von Alamanon (S. 57) darin genannt gewesen und fälsch¬ 
lich auf den Pabst bezogen worden sein. Der Ausdruck 
Comedies deutet wieder auf einen Jongleur. Es wäre nicht 
undenkbar, dass N. den Namen aus Guiraut del Luc verdreht 
hätte, von dem wir zwei Sirventese (Archiv 34, 188. 189) 
besitzen. 

13. Peyre de Buer (S. 182) oder Pierre de Euere, ein 
Edelmann aus dem Hause Puymont, liebte eine Dame aus 
dem Hause Caraciole in Neapel, diente dem Grafen von Pro¬ 
vence und erblickte einst bei einer Versammlung diese Dame, 
die sich besuchsweise in der Provence aufhielt. Nachdem er 
sie eine Zeit lang ohne Erfolg verehrt, begab er sich im 
Pilgergewande in der stillen Woche auf ein Schloss bei Aix, 
namens Le Puy saincte Reparade, und nachdem er dem Geist¬ 
lichen der Kirche einige Papiere vorgezeigt, bestieg er am 
Charfreitag die Kanzel und fieng nach einigen Worten ein 
Liebeslied zu singen an. Dann setzte er seine Predigt fort 
und wusste das Volk sehr zu rühren, dann sang er die sieben 
(Buss)psalmen in Reimen, gab dem Volke den Segen, und 
setzte sich an die Thür der Kirche, um Almosen zu erbetteln. 
Auch ward ihm sein Hut ganz mit Geld angefüllt. Wohl ge¬ 
kleidet kehrte er zu seiner Dame zurück, die ihn nun freund¬ 
licher aufhahm. Die ganze Geschichte ist wieder erfunden; 
aber das Lied, aus welchem N. eine Strophe mittheilt, existirt 
in f, jedoch unter dem Namen von Rostang Berenguier 
(oben S. 60); vgl. Meyer S. 73 ff. Ob nun N. einfach 
den Namen vertauschte und einen erfundenen substituirte, oder 
ob er das Lied unter anderem Namen in einer zweiten Quelle 
vorfand, lässt sich nicht ausmachen. Für wahrscheinlich halte 
ich mit Meyer das erstere, doch bleibt zu erwägen, dass der 
Dichtemame Peire del uem in R nicht zu weit abliegt. 

14. Peyre Hugon (S. 197), Edelmann aus Dompierre, 
Kammerherr des Grafen von Poitou, liebte eine Dame der 
Provence aus dem Hause Roquefueilh, namens Beatrix von 


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130 


Babtsch 


Agoult, nach andern Agoulte von Agoult, zu deren Lobe er 
dichtete und eine Canzone beginnt 

Tostemps amours my ten en tal fa^on 
ensins qu’ aquel mal, dont s’adormys. 

Das Lied ist bekannt, wird aber sonst, auch in f, Perdigon 
beigelegt, (Archiv 34, 177. Rayn. 3, 348) und beginnt in 
andern Handschriften: 

Tot l’an mi ten amors de tal faisso 
cum estai cel q’al mal don s’adormis. 

Der Name des Dichters findet sich in a in der Form Peire 
d’Ugon und würde ohne weiteres als Entstellung aus Perdigon 
zu nehmen sein, wenn nicht daneben in a auch Perdigos vor¬ 
käme. 

15. Guilhem Bouchard , ebenfalls als Kammerherr des 
Grafen von Poitou bezeichnet (S. 197) liebte Tyburge von 
Layncel, aus der Provence, und besang sie: ein Lied beginnt: 

En vos yeu ay messa 
(segent ma promessa) 
mon cor e m’amour. 

Das Lied ist wahrscheinlich unecht, wie der Reim messa 
(—meza): promessa wahrscheinlich macht. Der Name aber kann 
aus einer N. vorliegenden Quelle stammen: eines Bochart , der 
sich im Albigenserkriege hervorthat, erwähnt die Reimchronik. 

16. Guühem dels Amalrics (S. 198) wird als Edelmann aus 
der Provence bezeichnet, Liebhaber einer neapolitanischen Dame 
aus dem Hause Arcussia de Capro, an welche er seine Liebesbot- 
schaften durch eine Schwalbe sandte, die ihn alle Morgen 
weckte. N. erwähnt eines Liedes an die Schwalbe, und geist¬ 
licher Lieder, deren eines beginnt: 

Dieu de mon esperansa e ma forsa e vertut, 
wahrscheinlich ein Sonett, aber ebenso unecht wie das von N. 
mitgetheilte auf Robert von Neapel, welches anfängt 
Lou segnour dieu t’ezauce, e toujour ty defenda, 
was selbst ein Dichter aus der Zeit Roberts nicht verfasst 
haben kann. Doch ist die Möglichkeit, dass N. einen Dichter 
dieses Namens in seinen Quellen fand, nicht zu bestreiten. 

17. Geoffroy du Luc (S. 205), ein Edelmann aus Luc, 
dichtete lateinisch, griechisch und provenzalisch, liebte eine 
Edelfrau Flandrine von Flassans, die sich mit Reynoard de 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamui. 131 

Flassans vermählte, und nannte sie in seinen Liedern Blanbaflour. 
Wiewohl sie ihm viel zu verdanken hatte, erwies sie sich un¬ 
dankbar gegen ihn und er beklagt sich daher in seinen Liedern 
über sie. Hierbei citiert N. vier Verse, die aber entschieden 
unecht und erst von ihm gemacht sind. Sie erwiderte auf 
seine Klagen: que contre tout devoir il ^’adonnoit plustost 
ä suyvre la fortune inconstante que la vertu, qu’est naturelle¬ 
ment aymable, de laquelle procede la noblesse, et neanmoins 
quelle Tavoit retire de mille et mille deshonnestetez, et partant 
qu'il se devroit contenter. Später gab er diese thörichte Liebe 
auf und stiftete mit mehreren Männern, Rostang de Cuers, 
Remond de Brignolle, Luquet Rodilhac de Toulon, Manuel 
Ballbsieur du Muy, Bertrand Amy, prieur de la celle, Luquet 
de Lascar, Guilhem de Pyngon, Archiadiaconus von Orenge, 
Arturus de Cormes u. a. eine Academie bei der Abtei Thoron- 
neh Er starb 1340. Die biographischen Daten sind wieder 
erfunden, aber der Name des Dichters schwerlich. Auch die 
Beziehung auf ein Lied, auf welches die Dame in gleichem 
Versmass antwortete, ist ganz dem älteren Stile entsprechend. 
Das mitgetheilte ist allerdings unecht, allein denselben Fall 
trafen wir in der Biographie Arnauts von Maroill (S. 33). 
Dazu kommt, dass wir zwei Dichter des Namens del Luc 
kennen, des einen, Giraut del Luc, erwähnte ich schon bei 
Lucas de Grimaud (S. 129), der andere fand sich in a und 
heisst Amoros dau Luc (dau = dal, del). Da N. die Urschrift 
von a vor sich hatte, so hat letzterer die meisten Ansprüche 
darauf, der Dichter zu sein: den Namen Amoros vertauschte 
er mit einem andern, behielt aber den Charakter des Vor¬ 
namens bei, indem er sagt: il avoit imprime etemellement en 
son ame Tamour de ceste Flandrine (S. 206). 

18. Aneelme de Mostiere (S. 211), Sohn eines reichen 
Bürgers aus Avignon, Jacme, aber von mütterlicher Seite aus 
adliger Familie der Provence, dichtete in allen Sprachen, 
studierte Mathematik, trat in die Dienste Roberts von Sicilien, 
dem er den Tod seines Sohnes Karl und andere Schicksale 
weissagte. Der König machte ihn zum Podesta von Avignon. 
Er heirathete eine provenzalische Edelfrau und starb 1348. 
Der Vorname Aneelme wird auch hier Gaucelm bedeuten 


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132 


Babtsch 


(vgl. S. 32). Die reine Form Jacme, nicht Jaume (S. 102), 
weist auf eine alte provenzalische Quelle. Daher ist wahr¬ 
scheinlich, dass N. nicht nur Lieder, sondern auch eine Bio¬ 
graphie des Dichters vor sich hatte, welcher Gaucelm del Mos- 
tier geheissen haben wird. Bei der Neigung von N., alle 
Dichter zu Edelleuten zu machen, ist um so mehr wahrschein¬ 
lich, dass er die Nachricht, der Dichter sei eines Bürgers in 
Avignon Sohn gewesen, vorgefunden hat; seine Neigung macht 
sich in der wahrscheinlich dazu erfundenen Abstammung von 
einer adligen Mutter bemerkbar. Die biographischen Daten 
im übrigen sind erfunden. 

19. Bertrand de Pezars (S. 213), Edelmann aus Pezars, 
nach einigen Pezenats, guter provenzalischer Dichter, qui chan- 
toit et trouvoit fort bien en nostre langue vulgere Provencalle, 
lehrte die Kunst des Dichtens, wie er in einer Canzone selbst 
sagt, liebte ein Fräulein aus der Provence, aus dem Hause 
Aurayson, die sehr gut sang und die er im Dichten unter¬ 
richtet hatte und heirathete. Sie zogen an den Höfen der 
Herren umher und sangen zu deren Lobe von den Thaten 
ihrer Vorfahren, weswegen sie sehr geschätzt wurden. So 
sangen sie vor Johanna von Neapel und Loys de Pharante, 
ihrem zweiten Gemahl, in Avignon, wo dieselben sich auf¬ 
hielten, ein Trauerlied auf den Tod von Andreas, dem ersten 
Gemahle Johannas und ein Hochzeitslied auf die neue Ehe, 
und wurden reich beschenkt (um 1348). Die Zeitbestimmung 
ist natürlich falsch, wie alle die sich auf den Hof von Neapel 
beziehen, aber der Dichter ist nicht erfunden. Es ist Bertran 
de Pessatz*) in a; nicht nur Lieder, auf deren eines sich N., 
wahrscheinlich es missverstehend, bezieht, sondern auch eine 
Biographie enthielt N. Hs. Ein Edelmann war der Dichter 
nicht, sondern aus Pessatz, seine Frau war auch keine Edel¬ 
frau, sondern ein Spielweib, die gleiche Vertauschung finden 
wir im Leben von G. Faidit (S. 32). Der Name der Dame, 
in welche der Dichter sich verliebte, kann erfunden sein; das 
Herumziehen beider an den Höfen stand aber sicherlich in der 
benutzten Lebensnachricht, nur ist es wieder ausgeschmückt. 

*) Mussafia, im Jahrb. 12, 31 möchte ihn für identisch mit Bertran 
de Preissac halten: ich sehe dafür keinen Grund« 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


133 


20. Laurette und Phanette (S. 216). Diese ganze Bio¬ 
graphie ist erfunden und das Motiv dazu aus Petrarca ent¬ 
lehnt, dessen gefeierte Laura er auch zu einer provenzalischen 
Dichterin zu stempeln suchte. Dabei hat er Vellutellos An¬ 
gaben benutzt, aber das meiste hinzuerfunden, so namentlich 
die Existenz des Liebeshofes in Romanin, welchen Laurette und 
ihre Tante Phanette mit vielen andern Damen und Herren 
(die N. alle mit Namen aufführt) hielten. Einer Widerlegung 
dieser Fabeln bedarf es nicht. 

21. Bemard Rascas (S. 220), Edelmann aus Limoges, 
nach einigen Verwandter von Clemens . VI und Innocenz VI, 
liebte Constance von Astraudz, eine Edeldame aus Avignon, 
nach deren Tode er nicht mehr mit Liebe sich beschäftigte 
und folgende Verse auf die Vergänglichkeit dichtete: 

Touta kausa mortala una fes perira, 
im Ganzen 18 paarweise gereimte Alexandriner von N. Er¬ 
findung. Im Alter wurde er ein berühmter Jurist. Bischof 
Ademar von Marseille machte ihn zum Richter. Bei den ge¬ 
nannten Päbsten stand er in Gunst und liess ein prachtvolles 
Spital in Avignon bauen, welchem er seinen Namen gab. Er 
blieb unvermählt und starb 1353. Den Dichter fand N. in 
seiner Quelle, er heisst in a Bermon Rascas, also ein neuer 
Fall der Veränderung des Vornamens. Die biographischen 
Daten sind alle erfunden. 

22. Bemond Bofnyeu wird als Dichter aus Arles, der ein 
Trauerlied auf den Tod des Mönchs von Montmajour gemacht, 
im Leben dieses Mönches (S. 228) genannt: wir haben dar¬ 
über schon oben gesprochen. 

23. Rajphael, als bon poete provenzal bezeichnet (S. 228) 
ist ebenso verdächtig wie alles was mit dem Mönch von Mont¬ 
majour in Verbindung steht. 

24 Taraudet de Flassans (S. 229), Herr von Flassans, 
war beliebt bei den Grossen der Provence wegen seines 
Dichtens und gewann viel Geld damit. Er kaufte von einem 
Edelmann, Foulquet de Ponteves, der ein Freund der Poesie 
war, für einen Tractat einen Theil der Herrschaft Flassans. 
Er verjagte in Verbindung mit anderen Rittern mehrere 
Tyrannen aus dem Lande (um 1355) und schrieb im Aufträge 


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134 


Babtsch 


von Ludwig und Johanna von Neapel einen lateinischen Trac- 
tat politischen Inhalts. Die ganze Biographie trägt das Ge¬ 
präge des Erlogenen und auch die Existenz des Dichters wird 
durch nichts wahrscheinlich. 

25. Ghiilhen Boyer (S. 232), aus Nizza, liebte eine Dame 
aus seiner Vaterstadt, aus dem Hause de Berre und sang zu 
ihrem Lobe. Er war ein ausgezeichneter Chiromant und 
Physiognomiker, diente den Königen Karl H und Robert von 
Neapel, die ihn zum Podesta von Nizza machten. Ein Ge¬ 
dicht richtete er an Marie von Frankreich, Gemahlin von 
Roberts Sohne Karl, welches beginnt: 

Drech e razon es qu’yeu kanti d’amour, 
aber unecht ist. Nach dem Mönch des Isles d’Or ist der Ver¬ 
fasser aber Amaud Daniel: offenbar ist hierbei an die Canzone 
Dreitz e razos es qu’ieu chant em demori zu denken, deren 
wir bei A. Daniel (S. 28) erwähnten. Auch wurde er mit 
einem politischen Aufträge bedacht, dessen er aber auf Rath 
eines Freundes, der auch Dichter war, sich entledigte. Nach 
S. Cezari wird vieles unter seinem Namen überliefert, was 
ihm nicht zukommt. Die Daten sind wieder erfunden: Boyer 
wäre in älterer Form Bovier. Vielleicht liegt dem Namen 
eine Verwechslung oder Entstellung aus Guillem von S. Gregori 
zu Grunde, welcher in der That jenes Dreitz e razos an¬ 
fangende Lied verfasste, das andere Hss. Araaut Daniel bei¬ 
legen. 

26. L. de Laskars (S. 236) oder Lascaris; der Vorname 
war Luquet , wie wir aus S. 206 ersehen. Er wird bezeichnet 
als Herr von Vintimille, Tende und la Brigue, dichtete in 
provenzalischer und anderen Vulgärsprachen, war in seiner 
Jugend Geistlicher, verliebte sich in eine Edeldame, Schwester 
Isnards von Glandeves, und heirathete sie. Er übernahm für 
Johanna von Neapel die Vertreibung der Engländer aus der 
Provence, sollte wieder Mönch werden, weigerte sich aber, und 
wurde von Johanna beim Pabst Urban V freigebeten, in der 
Art, dass er erst nach 25 Jahren ins Kloster zu treten 
brauchte. Er starb aber inzwischen (1376). Die ganze Bio¬ 
graphie ist erfunden und auch die Existenz des Dichters sehr 
in Frage zu stellen. 


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Die Qnellen von Jehan de Nostradamus. 


135 


27. Pierre de Bonifacis (S.« 245), Edelmann aus der Pro¬ 
vence, besang eine Dame aus dem Hause Andrea von Mont¬ 
pellier. Aus einer seiner Cazonen citiert N. acht Zeilen, die 
beiden Quatrains eines Sonetts, die unecht sind. Da er bei 
ihr kein Glück hatte, versuchte er sich im Goldmachen und 
fand endlich einen Stein, der die Metalle in Gold verwandelte. 
Auch diese Biographie hat nichts irgendwie glaubwürdiges und 
ist vielleicht selbst der Name des Dichters eine Erfindung von 
Nostradamus. 

VI. 

Den von ihm behandelten Dichtem legt Nostradamus ver¬ 
schiedene Schriften, theils in Prosa, theils (und häufiger) in 
Versen bei, deren provenzalische Titel er angiebt. Die meisten 
hat er aus Beziehungen -auf das Leben und die Lieder der 
Dichter entlehnt; erfunden aber sind sie sämmtlich. Nach 
diesen Gesichtspunkten wollen wir das Verzeichniss dieser 
Tractate mustern, und am Schlüsse.diejenigen zusammenstellen, 
deren Zusammenhang mit dem Leben und Dichten sich nicht 
ermitteln lässt. 

1. Jaufre Rudel wird beigelegt la guerra de Tressin prince 
dels Sarrazins, contra lous reis d'Arles (S. 27), im Zusammen¬ 
hänge mit seiner Biographie, die ihn über Meer fahren liess*). 

Hugues Brunet: ein Tractat las drudarias d'amour, der 
nach einigen Bertran Carbonei zum Verfasser haben soll (S. 69), 
kann aus dem missverstandenen Ausdruck der Biographie 
e fetz son dnU entstanden sein (S. 34); doch ist bei einem 
Liebesdichter der Titel auch sonst leicht zu erklären. 

Peyre Vidal: la manyera de retirar sa lengua (S. 98), 
offenbar mit Bezug auf die Erzählung, dass ihm die Zunge 
verkürzt (oder durchstochen) wurde. 

Blacas: la maniera de ben guerrejar (S. 176) mit Bezug 
auf den Ausdruck der Biographie e plac li . . guerra (S. 58). 

2. Peirol wird beigelegt: ein Tractat en belle rithme pro- 
venzale, la presa de Jerusalem par Saladin (S. 32) en forme 

**) Doch gab es, wie P. Meyer (Romania I, 51 ff.) nachgewiesen 
hat, einen provenzalischen Roman Tersin; in einer Passung des 16. 
Jahrh. mitgetheilt S. 63 ff. 


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136 


Bartsch 


de regret, entnommen aus dem Kreuzliede des Dichters, [in 
welchem Saladin zweimal genannt wird (Rayn. 3, 280. 281). 

Elyas de Baijols: la guerra dels Baussencs (S. 34), mit 
Bezug auf ein uns nicht erhaltenes Sirventes, welches N. 
unter dem Namen des Dichters überliefert fand (S. 24). 

Guilhem de Agoult: la maniera d’amar dal temps passat 
(S. 36); dies bezieht sich auf das in CR enthaltene Lied, wel¬ 
ches anfangt (Rayn. 5, 202): 

Non an tan dig li primier trobador 
ni tag d’amor lay el temps qu’era gays. 

Guilhem Adhemar: lou cathalog de las donnas illustras en 
rhithme provensalle (S. 46). N. kann ein ähnliches Lied wie 
das von Albert de Cisteron (vgl. Diez 554) vor sich gehabt 
haben, oder dieses Lied fand er unter Ademars Namen über¬ 
liefert Auch bezeichnet N. den Dichter als Erfinder -eines 
jeu ä Toreille, pour avoir commodite aux amoureux de des- 
couvrir leur amour, sans souspe 9 on des assistans*). Auch 
diese Erdichtung kann an eine Stelle seiner Lieder sich an¬ 
knüpfen. 

Foulquet de Marseille: las complanchas de Beral (S. 54), 
worin er Barral über den Tod von Adalasia klagend einführt. 
Das bezieht sich auf das Klagelied Folquets über Barrals Tod 
(Mahn 1, 324), dessen Anfang allerdings so ist, dass ein des 
Provenzalischen so wenig kundiger wie N. auf den Gedanken 
kommen konnte, Barral sei der klagende. 

Remond de Mirevaux: las lauzours de Proensa (S. 61), 
offenbar wegen der Tenzone mit Bertran von Avignon, worin 
er die Provenzalen preist (S. 32). 

Ancelme Faydit: une comedie intitule L’heregia dels 
preyres: auch das kann sich auf ein Lied des Dichters, etwa 
auf das Kreuzlied (Chrestom. 141, 7) beziehen, in welchem er 
die von Gott und seiner Sache abtrünnigen tadelt 

Amaud de Meyruelh: las recastenas de sa comtessa (S. 66). 
Darunter ist wohl eines der lehrhaften Gedichte Arnauts zu 


*) Es folgen hier noch die Worte qu’estoit sa niepce; dieselben stehen 
aber offenbar an unrichtiger Stelle und gehören nach bien d’une autre 
auf der vorhergehenden Seite. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 13t 

verstehen; am nächsten liegt es an Bazos es e mezura zu 
denken (Mahn 1, 176). 

Hugues de Santcyre: de las rikas vertus de sa domna 
(S. 77). Das ist bei einem Sänger der Liebe leicht zu er¬ 
klären und kann sich auf verschiedene Lieder beziehen. 

Rambaud de Yachieras: lous plours del segle, en rithme 
provensale, auquel il escript la felicite que dieu donna a Thomme 
et a la femme quand il les colloqua en paradis, et les maux 
qui en sont provenus pour avoir transgresse ses commande- 
ments (S. 81). Das wird, auch wenn die Beziehung nicht 
wörtlich zutrifffc, auf das Kreuzlied (Chrestom. 121 —124) 
gehen, in welchem von Sünde und Erlösung des Menschen 
wiederholt die Rede ist. 

Pons de Brueil: de las amours enrabyadas de Andrieu 
de Fransa, qui mourut par trop aymer (S. 83). Der Name 
dieses Romanhelden, den die Troubadours oft citieren, kommt 
bei Pons von Capdoill nicht vor; wohl aber der Versteckname 
Mon Andrieu (Mahn 1, 339. 345. Gedichte (1037, 7). Grade 
wegen dieses mon konnte N. auf den Gedanken kommen, dem 
Dichter den Roman beizulegen, den er aber, wie er bemerkt, 
bis jetzt noch nicht aufgefunden habe. Er fand ihn oft bei 
den Troubadours erwähnt und schloss also auf das Vorhanden¬ 
sein einer solchen Erzählung, die er Pons beilegen zu können 
glaubte. 

Rambaud d’Orenge: la maestria d'amour (S. 95). Dar¬ 
unter ist das Gedicht (Mahn 1, 71) Assatz sai damor ben 
parlar zu verstehen, dessen zweite Strophe beginnt 
Per qu’ensenharai ad amar 
los autres bos domnejadors. u. s. w. 

Peyre Vidal: wenn N. bemerkt (S. 99), es habe jemand 
geschrieben Las vantarias de Peyre Vidal, so können sich dar¬ 
auf mehrere Lieder des Dichters (z. B. 30) beziehen. 

Guy dTJzez: la vida dels tyrans, eine Sammlung von Sir- 
ventesen von ihm und seinen^ Brüdern (S. 101). Das Vor¬ 
handensein derselben hat N. aus der Nachricht der Biographie 
gefolgert, dass ‘der römische Legat ihn schwören liess keine 
Canzonen (gegen ihn, fügt N. hinzu) mehr zu dichten, da jene 
Sirventes sich gegen den Pabst und die Fürsten wandten« 

?Ahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. I. 10 


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138 


Babtsck 


Bonifaci Calvo: dels courals amadours (S. 111), kann auf 
verschiedene Lieder bezogen werden. 

Aymeric de Pyngulan: las angueyssas d'amour (S. 113): 
derselbe Fall. 

Gasbert de Puycybot (S. 115): las banzias d’amours, auch 
das erklärt sich leicht und kann sich etwa auf das Lied 
Parüt de joi e damor (Archiv 34, 396) beziehen. 

Peyre de San Romyech (S. 119): Tractat, worin er sich 
tadelnd darüber ausspricht, dass der Graf von Provence nicht 
den Hochmuth von Arles, die Widersetzlichkeit von Marseille, 
die Herrschsucht von Aix, die Schändlichkeit von Avignon, 
die Spottlust von Digne, die Barbarei von Nizza, die Habsucht 
der Gebirgsbewohner, und die Nichtsnutze von Martegaux 
züchtigt. Das kann sehr wohl Gegenstand eines Sirventes 
gewesen sein. 

Aymeric de Belvezer: las amours de son ingrata (S. 122), 
auch das erklärt sich leicht aus den Canzonen. 

Perdigon: las victorias de monsiour lou comte (S. 124), 
eine Sammlung von Liedern, die die Siege des Grafen von 
Provence, Raimon Berenguier, feierten. Von politischen Liedern 
des Dichters berichtet nur die Biographie; möglich dass solche 
N. noch Vorlagen und sich darauf dieser Tractat bezieht; doch 
wahrscheinlicher, dass er nach der Biographie diese Sammlung 
erfunden hat. 

Perceval Dorie: zwei Tractate, la guerra de Carle rey de 
Naples et del tyran Manfred, und la fina folia d’amours. 
Beides wird sich auf Lieder beziehen, dieses auf Liebeslieder, 
jenes auf Sirventese, die den betreffenden Gegenstand be¬ 
handelten, wie ein Zeitgenosse, Luquet Gatellus (S. 53) ein 
solches Sirventes dichtete. 

Pierre de Chasteauneuf: las larguessas d’amour (S. 143), 
auch das erklärt sich leicht aus Liebesliedern. 

Hugues de Penna: contra los enjanayres d’amour, an die 
Dichter seiner Zeit gerichtet (S. 148): die lanzengiers spielen 
in vielen Liedern eine grosse Rolle. 

Cadenet: contra lous galiadours, bestehend aus Canzonen 
(S. 157), bezieht sich auf ein bestimmtes Lied (S. 54), wie 
man aus dem angeführten Geleite sieht 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 


139 


Bertran de AUamanon: las guerras intestinas qu’estoyent 
entre les princes, in provenzalischen Reimen; bezieht sich 
auf die Sirventese des Dichters. 

Rostang Berenguier de Marseille: de la falsa yida dels 
templiers (S. 194), auf die Strophen bei Meyer S. 85 zu 
beziehen. 

Ozil de Cadars: Tart de bien aymer (S. 196), bezieht sich 
auf das uns erhaltene Lied des Dichters (Mahn, Gedichte 756), 
in dessen erster Strophe es heisst: 

qu’ieu dig’ a totz cous devetz captener, 
yos amadors, que amatz per figura. 
siatz humil et adreg et acli u. 8. w. 

Peyre Rogier: contra la dama de mala merce (S. 203), 
auf Liebeslieder zu beziehen. 

Marchebrusc: de la natura d’amour (S. 209), wohl auf 
das Sirventes Dirai vos senes duptansa (Archiv 33, 336), denn 
auf dieses passt was N. über den Inhalt dieses Tractates sagt: 
au quel il descript parfaictement tous les abus d'amour, toutes 
ses forces, ses changemens, ses effects incertains, toutes ses 
imperfections, et tous les biens et les maux qui en procedent. 
Nach einigen soll dieser Tractat von der Mutter sein: auch 
das erklärt sich, weil der Name der Mutter darin genannt 
wird. Die Texte weichen sehr von einander ab. Nach andern 
hat der Dichter vielmehr einen Tractat las taulas (faulas?) 
d'amour geschrieben; auch das wird sich auf eines der gegen 
die Liebe gerichteten Sirventese beziehen. 

Amaud de Coutignac (S. 225): las suffrensas d'amours, 
erklärt sich wieder leicht. 

Taraudet de Flassans: lous ensegnamens per si gardar 
contra las tracyons d amour, auch wohl ein Lied mit ähnlichem 
Inhalte wie das von Ozils de Cadarz. 

Luquet de Laskars: de las myzerias d'aquest monde, und 
de la paurilha (S. 238); beides kann sich auf Lieder des 
Dichters beziehen. 

Ricard de Barbezieux: lous guyzar dons d’amour (S. 243), 
leicht aus Liedern zu erklären. 

3. Bei einer Anzahl anderer ist die Genesis der Erfindung 
schwer oder gar nicht zu erklären. 

Guilhem de Sainct Desdier: übersetzte las fablas d’Ezop 

10 * 


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14Ö 


Sabtscö 


in provenzalische Verse und schrieb einen Tracat de l'es- 
crima (S. 39 fg). Letzteres könnte aus den Worten der 
Biographie bons cavalliers d'armas abgeleitet sein. 

Amaud Daniel: mehrere Komödien, Tragödien, Tagelieder, 
Madrigale, ein Gedicht las phantaumarias del paganisme, und 
ein moralisches Gedicht, welches er an König Philipp von 
Frankreich richtete (S. 43). Was es mit den Komödien und 
Tragödien auf sich hat, haben wir mehrfach bei den Biographien 
gesehen: ebensowenig ist an 'Tagelieder und Madrigale zu 
denken. Vielleicht hatte N. Dantes Worte über Arnaut versi 
d’amore e prose di romanzi im Sinne und glaubte daher dem 
Dichter ausser den Liebesliedern noch anderes beilegen zu müssen. 

Comtesse de Die: lou tractat de la tharasca (S. 48), en 
rithme provensalle. 

Remond Jourdan: lou fantaumary de las domnas (S. 51), 
könnte auch wohl auf eins seiner Lieder sich beziehen. 

Bemard de Ventadour: verschiedene Bücher, unter denen 
las recogssinadas de Famour recalyvat, las mayas, la ramada, 
e qualquas elegias de las syrenas (S. 72). 

Peyre Remond: contra Terrour dels Arrians, et aussi 
contre la tyrannie des princes, et mesmes de ce que les roys 
de France et les empereurs se sont laissiez aasujettir aux 
Curez (S. 74 fg.). Könnte sich auf ein Sirventes beziehen, 
wenn es wahrscheinlich wäre, dass P. Raimon solche ge¬ 
schrieben. 

Jaume Motte: une description des mauzollees, pyramides, 
obelisques, et autres antiques monuments qui si trouvent en 
Provence (S. 102), jedenfalls erfunden. 

Bonifaci de Castellane: un livre auquel estoyent comprinsea 
les familles des nobles vicieux et vertueux de Provence, sous 
parolles couvertes, le tout par forme de syrventez (S. 137). 
Könnte auf eins der Sirventesen des Dichters gehen, freilich 
passt es auf keins der erhaltenen. 

Sordel: lou progres e avansament dels reys d'Arragon, en 
la comtat de Proensa, en prose provensalle; il a traduit la 
somma del drech, de latin en prose provensalle, welche Trac- 
tate sich alle in der Bibliothek des Klosters Laveme in Pro¬ 
vence befanden (S. 155). Die Existenz eines solchen juristischen 


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Die Quellen Ton Jehan de Nostradamus. 141 

Werkes ist an sich wahrscheinlich (vgl. Chrestom. 293), aber 
sehr unwahrscheinlich, dass Sordel der Verfasser ist. N. kann 
auch hier durch die Bedeutung, welche Dante und andere 
Italiener diesem Dichter beilegten, zur Erfindung veranlasst 
worden sein. 

Peyre d'Aulvergne: lou contract del cors e del arma en 
rühme provensalle, qu’est un fort beau diseours, qu’il laissa 
imparfaicte, et depuis fut acheve doctement et continue le 
subject par Ricard Arquier de Lambesc (S. 163 fg.) Sehr 
leicht kann N. eine provenzalische Bearbeitung des bekannten 
lateinischen Gedichtes Vir quidam exstiterat dudum heremita, 
eines Gespräches zwischen Seele und Leib*), Vorgelegen haben, 
da dasselbe in alle mittelalterlichen Sprachen übertragen wurde: 
er legte das Werkchen willkürlich Peire von Auvergne bei, 
doch könnte, da er über die Vollendung berichtet, doch etwas 
derartiges in seinen Quellen sich gefunden haben. 

Albertet de Sisteron: lou pertrach de Venus et d’ocuores 
mathematiques (S. 167). 

Peyre Cardenal: las lauzours de la dama de Argensa 
(S. 179), um so auffallender, als wir fast gar keine Liebeslieder 
von dem Dichter besitzen. 

Guilhen Boyer: über die Kenntniss der Metalle, und die 
Quellen von Vaucluse und andere Heilquellen (S. 234). 

Berenguier de Parasolz: un livre ä la louange de ces 
dames illustres et de quelques hommes vertueux (die Damen 
werden mit Namen genannt) S. 241. 

Pierre de Bonifaciis: un chant auquel il descrit la vertu 
d'icelles (nämlich der Edelsteine), et mect le diamant le pre- 
mier, disant qu’il a vertu de rendre Thomme invincible u. s. w. 
(S. 246 fg.). Wie in den biographischen Erfindungen häufig 
so verräth sich auch hier Nostradamus gelehrte Neigung; doch 
wäre nicht unmöglich, dass es ein provenzalisches Gedicht 
über die Edelsteine gegeben hätte: Bruchstücke aus einem 
prosaischen Lapidarius hat P. Meyer im Jahrbuch 4, 83 mit- 
getheilt: im Breviari d’amor beschäftigt sich ein längerer Ab¬ 
schnitt mit ihnen, und dieser könnte als selbständiges Gedicht 

*) Ein solches existiert allerdings, in der Pariser Hs. franc. 14973, 
in stark catalanisch gefärbter Sprache: vgl. Grundriss § 51. 


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142 


Bartsch 


in Hss. ebenso vorgekommen sein, wie man den über die 
Strafen der Hölle ausgehoben findet (Lesebuch S. XVIH). 

Indess wir sehen bei der grossen Mehrzahl dieser Tractate 
so entschieden N. erfinden, dass auch da, wo wir ihm nicht 
nachgehen können, er keinen Glauben verdient. 

m 

Stellen wir nun schliesslich dem Quellenverzeichniss, welches 
N. am Beginn seines Buches mittheilt und welches durch und 
durch erlogen ist, ein wirkliches Verzeichniss seiner Quellen 
gegenüber, so weit wir im Stande sind, dieselben zu ermitteln. 

1. Wir beginnen mit der uns vollständig erhaltenen 
Handschrift f, Paris. Hs. 12472, welche N. gehört hat und in 
den handschriftlichen Noten zu Carpentras wiederholt als 'sein* 
Chansonnier bezeichnet wird $ es scheint mir unzweifelhaft, dass 
die Noten von Nostradamus herrühren. Wir folgen bei der 
Angabe der Dichter und Lieder, die N. aus f entnommen hat 
der Reihenfolge der Handschrift nach dem Inhaltsverzeichniss 
bei Meyer S. 141 ff. 

En Bertran Carbonei de Maseilha (S. 58 f.). 

Fabre dTJzes, in andern Hss. Pons Fabre dTJzes genannt 
(S. 65). 

Cadanet de Tespital de san Jhoan (S. 54). 

Si trobava mon compayre en Blacas (S. 54). 

Rostanh Berenguier de Maselha. 

Si com trobam dar el vielh testamen (S. 59). 

Pos de sa mar man cavalier del Temple (S. 59). 

Peire Cardenal (S. 58). 

Daspols 

Fortz tristors es e salvaj’a retraire. 

Seinhos, aujas c’aves saber e sens, 
beide sind übersetzt in den hs. Noten. Meyer S. 13. 

Jacmes Mote d’Arle (S. 40). 

Ihoan de Pennas 

Un guerrier per alegrar ist in den handschriftl. Noten 

benutzt, aber Uc de Pena beigelegt (S. 50.) 

Rostanh Berenguier 

Tot enaisi con es del balasicz (S. 59 f.). 

Tenso de Peironet et de Girat (S. 22). 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamua. 143 

Peire Vidal 

Neus ni gels plueya ni fain (S. 40). 

Mont[anh]agut 

Nuls homs non val ni den esser prezat (S. 25). 

Amaut de Maruelh 

Von ihm enthielt diese Hs. und die Hs. des Grafen 
y. Sault zusammen 14 Lieder: Meyer S. 15. f hat 
deren drei. 

Lo Bei Ricbart 

Ja null hom pres non difa sa razon (S. 48). 

Aimeric de Pegulla 

Atressim pren cum fai al jogador (S. 44). 

Aimeric de Belenuei 

Aissi col pres can s’en cqja fugir (S. 45). 

G. Adzemar (S. 29). 

Pons de Capdueill 

Aissi m’es pres com a cel qui sercan (S. 38). 

Peire Vidal 

S’ieu fos en cort on hom trobes drechura (S. 40). 

Rigaut de Berbezils (S. 64). 

P. Raimon de Toloza lo pros 
Encaras van recalivan (S. 36). 

Elias de Baryols 

Car compri vostras beutatz (S. 24). 

Monge de Montaudon 

Aissi com sei c’om men’al jujamen (S. 8). 

Aissi com sei que en mal seinhorage (S. 8). 

Raimbaut de Vaquieras 

Aras cant vei verdejar (S. 37). 

Amaut Daniel 

Sim fors amors de joi donar tan larga (S. 27). 

2. Eine Liederhandschrift, bald nach der Mitte des 13. 
Jahrhunderts geschrieben, Biographien, Lieder, Sirventese und 
Tenzonen entaltend. Die Biographien waren roth geschrieben, 
die Lieder schwarz, die Hs. mit Miniaturen ausgestattet. Eine 
theilweise Abschrift dieser noch nicht wieder aufgefundenen 
Handschrift besitzen wir in der Riccardischen Hs. 2814. Dies 
ist die Hauptquelle, aus welcher N. schöpfte. Die Benutzung 
derselben lässt sich an folgenden Dichtem nachweisen und 


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144 


Bartsch 


wahrscheinlich machen: vorher erwähnen wir, dass er auclj 
die Vorbemerkung des Schreibers Bernart Amoros benutzte 

(vgl s. 42). 

Girautz de Bomell: die Biographie und Lieder (S. 49). 
Bemartz de Ventadorn: die Biographie (S. 18) und das Lied 
Tant ai mon cor plen de joja (S. 35). 

Amautz Daniel: die Biographie (S. 26) und die Lieder 
Ab nou sonet coinde e leri (S. 28). 

Lo ferm voler q’el cor m’intra (S. 27). 

Folquetz de Marseillia: die Biographie (S. 30) und das Lied 
Si com cel q’es tant grevatz (S. 136). 

Peire Vidals: die Biographie (S. 39). 

Peire d'Alvemgne: die Biographie (S. 55).*) 

Gaucelms Faiditz: die Biographie (S. 32) und die Lieder 
Oi mäis nos sia guitz (S. 136). 

Fortz causa es qe tot lo maier dan (S. 33). 

De leis cui am de cor e de saber (S. 33). 

Peirols: die Biographie (S. 23) und das Lied 
Cant amors trobet partit (S. 135 f.). 

Peire Raimonz de Tolosa (S. 36). 

Gaubertz de Poncibot lo monge: Biographie (S. 44) und 
das Lied 

Partit de joi e d’amor (S. 138). 

Ponz de Capdueil: die Biographie (S. 38) und die Lieder 
De totz chaitius sui eu aicel qi plus (S. 38). 

Aissi m’es pres con cellui qi cercan (S. 38. 137). 

Humils e francs e fiz soplei vas vos (S. 38. 137). 

Ja non er hom tan pros (S. 38. 137). 

Li contessa de Dia: das Lied 

Ab ioi et ab iouen m’apais (S. 30). 

N Aimeric de Belenoill: die Biographie (S. 45). 

Bertran d'Alamano: die Biographie (S. 56) und das Lied 
De lassal de proenzam doill (S. 57), 
und andere Sirventese (S. 139). 

Peire Milon: das Lied 

Pois qe dal cor m'auen farai chanzos (S. 60). 

*) Die Biographie findet sich allerdings nicht unter den abgeschrie¬ 
benen ; aber wie der Schreiber Lieder ausliess, so wird er auch Biogra¬ 
phien übergangon haben. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamus. 145 

Raimon Jordan vescons de Saint Antoni*): Biographie 
(S. 30). 

Ricas Novas: das Sirventes 

Pus partit an lo cor en Sordel en Bertrans (S. 46.) 

Gui d'Uissel: die Biographie (S. 40). 

Guillem de Sam Leider: die Biographie (S. 25)**) 

Peire d'Ugon: das Lied 

Tostemps amors mi ten en tal faisson (S. 130). 

Guillem de Cabestaing: die Biographie (S. 31) und 
Li dous consire (S. 31). 

N Uc de Sain Sire: die Biographie (S. 18) und 
Tres enemics e dos mals seignors ai (S. 37). 

N Elias de Barjols: die Biographie (24). 

Ausserdem ein ihm mit Unrecht beigelegtes Sirventes auf 
den Krieg des Hauses Baux (S. 24). 

N Aimerics de Rocchafica (S. 61). 

Marchabrus: die Biographie (S. 62) und das Lied 
Dirai vos senes doptansa (S. 139). 

Raimonz de Miraval: die Biographie (S. 31). 

Raembautz de Yaqeiras: die Biographie (S. 37) und 
Arastol hom conoisser e proar (S. 137). 

N Uc de Penna: die Biographie (S. 49) und 
Cora quem desplagues amors (S. 49). 

Si anc me fetz amors quem desplagues (S. 49). 

Vielleicht auch 

Lo gens temps m’abelis em platz (S. 50), und 
D’avinen sap enganar e trair (S. 50). 

N Aimerics de Carlat: das Lied 

Fin e lejal e ses negun engan (S. 62). 

N Aimerics de Pueilvilan: die Biographie (S. 43) t 
N Ucs Brunetz: die Biographie (S. 34). 

Cadenetz: die Biographie (S. 54) und die Lieder 
Ad sene meills non vai (S. 54). 

Be volgra s’esser pogues (S. 54). 

Guillem de Montaingnagout: die Biographie (S. 25) und 


*) Mit diesem Dichter schliesst die Abschrift a. 

**) Es steht nicht im Wege, dass der Dicht.. u b i N. Sainct Des- 
dier heisst; diese Namensform entnahm N. aus f. 


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146 


Bartsch 


Non an tan dig li premier trobador (S. 136). 

Sordel: das Sirventes 

Plaigner voill en Blacatz en aquest leugier so (S. 53). 
Lafranc Cigala: die Biographie (S. 46) und 
Gloriosa santa M^ria (S. 47). 

Oi maire filla de dieu (S. 47). 

Si mos chans fos de joi ni de solatz (S. 47). 

Seigner Tomas tan mi platz (S. 47). 

Estiers mon grat mi fan dir vilanatge (S. 47). 

Bonifaci Calvo: razos seiner Sirventese (S. 42) und 
Ges no m’es gren s’en non sui ren prezatz (S. 41). 

Mont a sovinenza (S. 41). 

En Blachassetz: die Biographie (S. 58). 

Guillem de Bergadan (S. 55). 

Albertetz de Cestairon: die Biographie (S. 56) und 
Ab joi comensi ma chanso (S. 56). 

En amor trop tan de mal seignoratge (S. 56). 

Bertran del Born (S. 65). 

Bemartz Martis: das Lied 

Quan 1’erV es reverdezida (S. 60). 

Bertrantz de Pessatz (S. 132): Biographie und Lieder. 

Lo coms de Peiteus (S. 60). 

Lo monges de Montaudo: die Biographie (S. 7) und 
Pos Peire d’Alvergn’a chantat (S. 7 ff.). 

Aissi com cel qu’a estat ses seignor (S. 8). 

Aissi com cel qu’a plag mal e sobrier (S. 8). 

Aissi com cel qu’es en mal seignoratge (S. 8). 

Aissi com cel qu’om men’ al jutjamen (S. 8). 

Peire Rotgiers de Mirapeis: die Biographie (S. 62). 
Pistoleta (S. 62). 

Perdigos: die Biographie (S. 46). 

Janfre Rudel: die Biographie (S. 20) und 
Lanquan h jom son lonc en mai (S. 21). 

Amautz de Merueil: die Biographie (S. 33 *) und vielleicht 
Razos es e mezura (S. 147)). 

Giraudon lo Ros: das Lied 

Ara sabrai s’a ges •de cortezia (S. 61). 

*) ln den hs. Noten zu Carpentras ist sie übersetzt, und angegeben, 
dass die Liederhs. des Grafen von Sault und die ihm (N.) gehörige (d. h. 
also f) zusammen 14 Lieder des Dichters enthalten: Meyer S. 15. Anm. 


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Die Quellen von Jehan de Nostradamug. 


147 


Guillem Pigueira: die Biographie (S. 50) und 
Ane mais de joi ni de chan (S. 51). 

D’usn irventes far (S. 52). 

Luquetz Gatelus (S. 52). 

N Amoros dau Luc (S. 131). 

Perceval Douria: Sirventes auf die Schlacht bei Benevent 
und Liebeslieder (S. 127. 138). 

Peire de Castelnou: Sirventes über Sordel (S. 127). 

Yon Tenzonen: 

Girautz e Peironetz (S. 22). 

Gaucelm Faidit e N Aimeric (S. 43). 

Simon a Lafranc (zweimal nach einander, S, 64). 
Lafranc e Symon (S. 64). 

3. Die zweite Liederhandschrift des Grafen von Sault, welche 
N. vorlag (S. 4) und welche in ihrer äusseren Einrichtung 
ebenso war wie die erste (S. 4), also auch wohl dem drei¬ 
zehnten Jahrhundert angehörte. Ihr hat N. entnommen was 
in den beiden andern sich nicht findet oder fand. Es ist 
folgendes: 

Amaut Daniel: das Lied. 

Dreitz e razos es qu’ieu chant em demori (S. 28), 
das sich nicht in a findet, wobei allerdings möglich ist, dass 
nicht alle Lieder Arnauts, die im Original sich fanden, in a 
erhalten sind. Denn dass die Abschrift nicht vollständig, zeigt 
sich bei den Liedern von P. d'Alvergne die B1, 35—43 des 
Originals einnahmen, also mehr als zehn gewesen sein müssen. 

Raimon von Miraval: Tenzone mit Bertran von Alamanon 
(S. 32), denn es ist nicht wahrscheinlich, dass die Aufschrift 
in a Raimon e Lantelm die bezeichnete Tenzone meint. 

Bemart von Ventadom: das Lied # 

En aquest gai sonet leugier (S. 35). - 

Peire Raimon de Tolosa: die Lieder 
S’ieu fos aventuratz (S. 36). 

Non es savis ni gaire ben apres (S. 36). 

Amors si tos poders es tals (S. 36), 
wenn a alle Lieder des Originals enthält. 

Raimbaut von Orange: die Lieder 
Lonc temps ai estatz cubertz (S. 39). 

Assatz sai d’amor ben parlar (S. 137), 


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148 


Babtsch 


Savaric de Mauleon (S. 106).*) 

Aimeric de.Belenoi: die Lieder 

Tant es d’amor honratz sos seignoratges (S. 45). 

Nuills hom en re non faill (S. 45). 

Bonifaci de Castellane: das Sirventes 
Era pueis ivems es el fil (S. 47). 

Peire von Auvergne: 

Domna dels angels regina (S. 56). 

Bertran von Alamanon: das Sirventes 
De l’arcivesque mi sap bon (S. 57). 

Blacatz: die Biographie (S. 58). 

Peire de Valeiras: das Lied 

So qu’als autres vei plazer (S. 61). 

Ozil de Cadarz: die Lieder 

Assatz es dreitz pos jois nom pot venir (S. 139). 

E l’a son cor tant aut qu’ela mespreza (S. 61).**) 

Amaut de Cotignac (S. 63): in a heisst er Arnautz de 
tintignac. 

Berengier de Parasolz (S. 63). 

Bertran del Puget (S. 65). 

Kaiser Friedrich I (S. 121): das Lied 
Platz mi cavaliers frances. 

Uc de Lobeiras (S. 123). 

Peire de San Remieg (S. 125): Sirventes *ber die Städte 
der Provence. 

Luca de Grimaut (S. 128). 

Guillem Bochart (S. 130). 

Guillem dels Amalrics (?) (S. 130). 

Gaucelm del Mostier (S. 131). 

Guillem Bovier (Guillem de S. Gregori?) (S. 134). 

Diese zweite Handschrift hatte manche Verwandtschaft 
mit M., mit welcher Hs. sie z. B. das alleinige Vorkommen 
der Sirventese Era pueis ivemses el fil und De l’arcivesque 
mi sap bon theilt***). Doch war sie stichhaltiger als M, und 

*) Doch enthalten a und f die bekannte Tenzone mit Gaucelm Faidit 
und Uc de laBacalaria. . 

**) Wohl nicht der^Anfang des Liedes, sondern einer Strophe. 

***) Auch mit b zeigt sie Ueberein stimm imgin dem Liede Domna dels 
angek regina, welches beide allein Peire d’Alvergne beilegen. 


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Die Quellen von Jehan de Noetradamufl. 


149 


enthielt manche Dichter (Araaut de Cotignac, Berengier de 
Parasolz, Bertran del Puget), die sich in M nicht finden; eben¬ 
so Biographien, während M keine enthält. Sie stand in der 
Mitte zwischen C und M, deren Texte viel verwandtes haben. 

4. Das Leben des heiligen Honorat von Raimon Feraut 
(S. 57). 

5. Der Roman von Blandin de Comoailles und Guillem 
de Miremas (S. 48). 

6. Velutellos Commentar zu Dante und zu Petrarcas Trionfo 
d’amore: aus jenem ist das biographische über Raimon Berengier 
(S. 125), aus diesem das Leben Raimbauts von Orange (S. 39), 
entnommen. Auch Landinos Commentar kannte und benutzte er. 

7. Eine provenzalische novellenartige Aufzeichnung über 
Guillem von Berguedan, welche der Darstellung der Cento nov. 
ant. 39 ebenfalls zu Grunde liegt, welche aber N. ausschmückte 
(S. 55). 

Ausserdem die Werke von Dante und Petrarca, die er 
wiederholt erwähnt. Endlich hatte er vor sich verschiedene 
provenzalische Werke in Reimen und Prosa, welche die Ein¬ 
leitung erwähnt (S. 2 fg); auch wohl ein provenz. Streitgedicht 
zwischen Körper und Seele (S. 141). 

Gelänge es die Urschrift von a wieder auftufinden, so 
würden wir noch viel schärfer im Stande sein, Nostradamus 
Erfindungen von dem Thatbestande abzusondern, ebenso wie 
durch die Bekanntmachung von f und die handschriftlichen 
Noten in Carpentras es möglich gewesen ist; aber alle 
Zweifel würden auch dann nicht gehoben werden, so lange uns 
die dritte Liederhandschrift fehlt. Meine Untersuchung, hat 
ebenso wie die P. Meyers überwiegend negative Resultate er¬ 
zielt: dass der grösste Theil dessen, was N. Biographien ent¬ 
halten, erdichtet ist, aber auf der andern Seite ist jetzt auch 
die wirkliche Existenz von Dichtem nachgewiesen, welche bis¬ 
her allein bei Nostradamus zu finden waren. Leider hat er 
über diese grade wenig mitgetheilt und hat unterlassen ihre 
Lieder auszuziehen, was den Verlust der beiden Hss. uns 
einigermassen ersetzen würde. 

K. Bartsch, 


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150 


Db. Qobstuann« 


Die Legende des h, Michael nach Ms, Land ^ 108 . 

Das in Th. Wright’s: Populär treatises on Science written 
during the Middle Ages, London 1841 p. 132 aus Ms. HarL 
2277 fol. 127 unter d. Titel „Fragment of populär science“ 
veröffentlichte Gedicht, welches naturwissenschaftliche Aus¬ 
einandersetzungen über die Bewegung der Himmelskörper, die 
Planeten, Sonne und Mond, über die vier Elemente und die • 
Entstehung von Blitz, Donner, Regen, Schnee u. s. w., über 
den Einfluss der Elemente auf Körper und Geist (die vier 
Temperamente) und die Bildung des Kindes im Mutterleibe 
enthält, findet sich gleichfalls in Ms. Laud 108, und zwar als 
Theil der Legende vom h. Michael, fol. 132a bis 141a, welche 
ausserdem noch andere interessante Digressionen enthält. Diese, 
sich durch schöne und deutliche Schrift auszeichnende Hs. 
stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jhdts; die einzelnen Ab¬ 
schnitte sind durch blaue Initialen bezeichnet; in der letzteren 
Hälfte der Legende finden sich am Rande auf den Inhalt be¬ 
zügliche lateinische Wörter, in rothe Quadrate eingeschlossen, 
z. B. Firmamenta, Planetae, Dies, Elementa u. a. 

Sprachliche Eigenthümlichkeiten. — Vor m, n 
steht gewöhnlich o statt a, z. B. lond, sond 162, bond, 569, 
fond 17, auch nom 4 (wofür sonst nam 19 u. ö.) und com 33 
(sonst cam); doch steht stets a in man, mani, fram, iwan 261, 
und oft in an st. on (an eue 13. 16, an heig). — Im praet. 
sgl. der H. und HI. Classe starker Verba steht nur a: bad 
76, gaf 262 u. a. 

Statt usteht ou vormb, nd: ibounde263, founden 41,grounde 
stounde 58, toumbe 111, fjoumbe 316, roume359; dessgleichen 
in französischen Wörtern vor n, r : fourme 716, ifourmed 747, 
mount 131, dragoun 190, (dragun 166), visioun 244 u. a. Ebenso 
steht au statt a in franz. Wörtern vor m, n : chaungiez 364, 
semblaunt 682, caumberlayn 235, penaunce 198 u. a. 

Sehr beliebt ist der Laut eo (sowohl die Brechung, als 
auch der Diphthong und Reduplicationsvocal); vgl. deork 56, 
feorand neor 387,feorrore 751, bitweone 2, geome 76,bineof>en 


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Die Legende des h. Michael nach Mb. Land 108 . 151 

462 (binefre 195), heonnes 489, seothe 393, seoue = 7 f>eos 
seouene 425, weork 126,eorf>e 128, heouene 183 (heuene 189)> 
8teorre 397, heorte 720, weob 720, weole 735, seoruwe 227» 
feolonie, 260, weouedes 91 deouele 388, leomi 24, weorreden 
46, beorken 269, smeorte 735, eorath 642, iheoled 92, u. selbst 
deoth, 379. 738; — deope 22, deoppore 380, neowe 450 
(newe 75), meoke 735, feorfre 51, leome 458, J>eoues 115, 
freond 76, preost 494, seo 32, beo 31, fleo 125, freosez 606, 
cheoseth 230, scheote 24, scheowieth 225; bifeol 9.107 (ful 212), 
heolden 185. 

Der ags. Umlaut des u: y, und besonders y, wird häufig 
durch die dem Französischen entnommene Schreibung uy be¬ 
zeichnet: luyte 170, druye 541 druyge 136. 500, fuyr 69^ 
pruyte 169, huyde (Haut) 672, cuynde 501, kuynde 520, on- 
kuynde (=unusual, stränge) 560, muynde 502, ihuyre=hear 533. 
555. 584 (iheore 542), tuyme 293, puyte 369, ibuyd 724, 
abuye 730. Sonst wird ags. y durchu ausgedrückt: mulleston 
580, bicluppez, sturede, lufjer u. y. a. 

Eigenthümlich ist die zuweilen yorkommende Diphthon- 
girung des e zu ie, welche wiederum auf franz. Einfluss deutet; 
sie findet sich in franz. Wörtern: fieblore 360(aber feble 144), 
ipier 767, und in ags., besonders vor n, r, 1: iwiende 148 
wiend imper. 83, tiende=kindle 523, hiende 785, myenge 766 
miengez 769, fierde 267. 271, fielde 385, und in bieten 338 
biete 352. 357 biet imper. 359. 

W liebt es, im Jn- und Auslaut u aus sich zu entlassen; 
im Inlaut bleibt dann w neben u; im Auslaut steht u oder v, 
und, mit hinzutretendem g: ug vg; daher die vollen Formen 
ouw oug ovg, euw eug, auw aug, neben den einfachen ow ew 
aw; vgl. elbouwes 727, pouwer 219 (power 8), mouwen 162 
(mowen ö.), inovg 16 inouvg 379 (inou 118), slovg 347, sloug 
671 slovg 677, drovg 15, drougf>e558, snovg 594 (Dat. snowe 
607), stravj 151, ravj 152, draujth 521 drauth 520, dey$619 
dev 618 to dewe 614, kneuwene 723, seoruwe 227, aruwe=ar- 
row 19 (arewe 21), arvj arg 679 aruj 674. Oefter steht w 
in- und auslautend statt g (dawes 78 dayes 47). 

Aus g, h erweichtes j wird gewöhnlich durch g ausge- 
drücki^ wobei sich häufig der vorhergehende Vocal erbreitet; 


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152 


Horstmann 


daher die breiten aig eig und selbst ijg neben einfachem ag 
(ai), eg (ei), ig (yg, i); vgl.: heig 5, neig 6 (neben hei, nei), 
dai day Dat. daie 135 daige 139 dayge 259, weyge 395, lygth 
lilgt 375, leitingue 57 ligtingue 526, sijgt=sight 110, nijgt 349 
(nygt 49), lijgt 412. 450. 470, ahjgt 108, lijth liegt |247 (lith 
722); j findet sich statt i in fleojnde 63; eigentümlich ist die 
Schreibung in ligJnde 682, wawegJnge 795, stareJnde 798; ij 
dient sonst dazu, langes i zu bezeichnen: lijf 345. 428, sijk60 
und mit unorganischem g gwijgt 702. 712. 793. 

Nach g vor e, i wird oft in franz. Weise ein u einge¬ 
schoben: longue 60 strongue 60, lenguest 313 strenguest 316, 
gungue 339, doggue267, finguer310, f>ingues 226, leggues 324, 
allingues 300, synguez 165, bringuez 756 (bringuz 749), sprin- 
gueth 641 (springuth 643), hangueth 615, biguynnez 304, bi- 
guynningue 739, besonders in der Endung ingue: bitingues 300; 
norischingue 791, quenchingue 556, metingue 225 u. v. a. 

Statt th wird in den Verbalendungen sehr häufig z ge¬ 
schrieben, in 3 Sgl. und im Plur. Praes.: me binchez 26, makez 
62, nimez 132, huy siez 575, seiz370, liggez 228, bitraiez 244, 
acoriez 248, chaungiez 364, fordwynez 250, stikez 782, cach- 
chez 298, sunegiez 372 u. v. a.; nicht ganz so häufig ist th: 
geth 134, doth3Gl, drauth 136, iseoth 264, berth684, lith 722, 
emth647 u. a.; selten steht t statt th : beot 213, habbet 115, 
cleopiet 228, seit 331, arriet 285, wexet 652; ausgefallen ist 
th in gif 455. 458, bilef 787, deige 774, schyne 462; nach ags. 
Weise mit dem Endconsonanten des Stammes verschmolzen in 
3 Sgl. bei wend 780 went 778, halt 782, 613. sent 460. 595, 
sit 336, smit 567. 585, undergit 363, scheot 505, ligt 584, un- 
derstant 128, last 415. 386, cast 302, leost 795, freost 627.— 
Sonst wird im Anlaut stets f), im Inlaut f> und th, im Aus¬ 
laut nur th geschrieben; thj) begegnet nur in wrathf>e 679, 
sethf>e 45, eorthfreliche 207. 

wh wird stets durch gw ausgedrückt; nur in wuch 374 
fehlt g; in gwater 593 tritt g unorganisch hinzu. — 

Der Nom. Plur. der Substantiva endet sehr häufig auf 
ene, welche Endung aus dem Gen. Plur. in den Nominativ ein¬ 
gedrungen scheint: so bei ruf>erene 13 (reofceren ll=oxen), chur- 
phene 75. 121, dedene 186, pinene 584, veynene 640 (veynes 639), 


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Die Legende des h. Michael nach Ms. Laud 108. 


153 


soulene 736, helene 725, steorrene 402, cloudene 503, wellene 
638, eijene 788, bollene 704, leomene 661, kneuwene 725, 
ferene 787, aungelene 763 (aungles 768), deouelene571, eluene 
255, schrewene 239. 259, of f>eos seouene 425; auf en: be- 
den 43, dropen 607 und fon 67, ton 68, treon 567. 587. 745; 
sonst auf es z. B. wederes 601, wateres596 (us: fustus 727). 
Unflektirt sind jer 9. 107, sif>e 483, word 689. — Eine Menge 
Sbst. werden noch geschlechtlich, besonders als Feminina, ge¬ 
braucht : churche 73, soule 500, candele 412, liuere707, arewe 
21, se 136, occean 136, eorf>e 656, sonne 450, mone 451. 

Die Adjectiva haben im plur. gewöhnlich e : with rede 
palles 92, so murie f>ing 358, heuiehuy liggez 233 u. a; dess- 
gleichen zuweilen die Participia: ten ordres weren imakede 211, 
eluene beoth icleopede 255, £at formest ikenede beoz 708; 
doch fehlt auch im plur. die Flexion zuweilen: f>is o[>ur he- 
lewe 350, in of>ur studes u. a. Substantiyirt sind f>eo schrewene 
259, of [>eos seouene 425. Im Sgl. flektiren die Adj. häufig 
nach dem Artikel und Pronomen: f>e ludere Lucifer 167, £e 
murie joye 466, frnlke holie stude 40, for Mijheles — hohe 
dede 100 u. a., und zuweilen im Dativ: in holie churche 165. 
— Die Comparativa enden meist auf ore: muregore 178, 
holiore 353, fieblore 360, brijtore 456, deoppore 380, feorrore 
751, innore 91, hiderore 466; auf ere: sonere 125, ouere 463; 
die Superlativa auf est: clibbest 285; zu merken sind noch 
ouemeste 414, nehmest 707. 738, formest 708. 

Pronomina pers.: ich, und (in der Anlehnung an ein nach¬ 
folgendes Wort) i, z. B. inelle, ichulle, ine kepte 24, Cas. obl. 
me; f>ou—£e; he—him (hine 16), heo 25 — hire, it (hit 602 
u. ö.); we — us, je — ov,35 eov 37 jeov 497; huy (seltener 
heo z. B. 196) — heom (hem); dazu das poss. höre 197.224. 

Vom Artikel begegnet noch oft der acc. f>ene :freneday 32, 
445, 446, f>ene dunt 542, fiene mist 603, £ene ground 655; f>ane : 
706 of |>ane amidde; eigenthümlich ist der Nom. PI. f>eo schre¬ 
wene 259. Yon f>is findet sich noch fern. sgL freos soule 758, 
pl.[>eos80ulene259,of £eos seouene 425,f>eo8foure (elemenz) 670; 
vom Pron. interr. lautet der Cas. obl. gewöhnlich jwan: in jwan 
414, of jwan pl. 510. 699, seltener zwam. 

Infinitiv und Praes. der schwachen Verba enden sehr 

Jahxb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. I. 11 


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Iä4 


Horstmann 


häufig auf i, ie; Inf- * schewi 2, leomi 24, jarki 50, f>onki70, 
halewi 75. 102, hoseli 96, massi 129, floteri 153, corsi 181, 
gofreli 532 rikeni 440, brethi 596, axi 593, wawi 752 wawie 
751; — witie 36, carie 126, hoppie 254, wonien 662, makien 
695; dessgleichen viele franz. Verba : amendi 340, tasti 312, 
assailli 273, conseili445, bigyli275, departi 779, entempri695; 
Praes.: ich schewi 37, f>at je honouri 38, ascapiez 251, en- 
tempriez 693, greuieth231, lokiez322, louiez 237, woniez 573 
3 Pl. (louez 238, wonez 659* 3 Sgl), makiez 130, scheowieth 
225, deriez 227, fondieth 260 und comieth 224. 

Ind. Praes. 3 Sgl. und Plur. endet auf eth, ez; der Binde¬ 
vokal fällt zuweilen in 3 Sgl. aus: berth 402. 684, nimth772, 
jifth 480, emth 647 eornth 642 u. a; das n des Conj. Plur. 
und Praet. Plur. ist in der Regel erhalten, es fällt zuweilen 
aus im Reime, und stets, wenn das Pron. pers. hinter das Verb 
tritt; das n des Infin. begegnet weniger häufig: bidden 48, 
libben 337, witien 222, cleouien 674, fasten 78 u. a. Das Part. 
Praes. endet stets auf inde: sittinde 124, beminde 64, groy- 
ninde 673, misfarinde 180, snvuelinde 678; im Pari Praet. 
steht et si ed in imaket 163. 216, inorischet 266; neben 
einander findet sich imeingt 565 und imeind 701, ispre- 
ind 700. 


SEynt MJjhel £e Archaungel: and is felawes also 
Huy beoth bi tweone ore louerd and us : to schewi jwat 
we schulle do 

Ane day huy habbez in f)e jere : {>oruj al cristinedom 
f>oru j fair miracle of seint Mi jhel : J)e day a man furst nom 
5 In [>e one ende of Apuyle : a gret hui |>are was and heij 
f>at j)e hui gargan is i cleoped : for a man j)at J>are 
was neftj 

f>at gargan i cleoped was : £e hui £are fore hatte so 
f>is gargan was wel riche man : and in gret power ido 
Hit bifeol f>reo hundret jer : and euene twenti rijt 
10 Aftur [>at ore louerd for us : In is Moder was alijjt 
|>at garganes reo{>eren : and o{)ure bestes Inowe 
A Morewenes |op on f)e hei je hülle : to heore lesewe heom 

drowe 

An eue f)is rufierene wenden hom : ase heore wone was 

echone 


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Die Legende des h. Michael nach Ms. Laud 108 . 155 

Bote o bole frat he louede muche : was bi hynden al one 
15 Opon f>e hexte toret of £e hui: f>e bole wel euene drovj 
And J )0 J)e louerd hine miste an euen : a nuyd he was 

i novj 

Withhim henam men i nowe : and soujte into al £atlond 
Opon f)e hexte hurste of al £e hülle : atf>e laste he him 

fond 

He nam one aruwe enyenimed : in grete wrathe I novj 
20 And sehet to fris selie bole : and with grete strencf)e i novj 
Ake his Arewe tomede euene ajein : to him f>at hire sehet 
And smot him ase it in wreche were : deope wounde 

and gret 

Nov was f>at a wonder Arewe : and wonder wei heo soujte 
Ine kepte noujt leorni so forto scheote : ne swuch arewe 

|>at man me broujte 

25 A wonder'schere wynd heo was on : womme jwat heo ftoujte 
Ake euere me pinchez he [>at hire sehet: £e game sore 

aboujte 

f>at folk Jmt J>are a boute stod : in grete wonder was 
To [>e bisehope huy wenden anon : and tolden him al 

£at cas 

f>e bisehop was in grete fere : and in grete [>oujte stod 
30 A tokningue it was he wüste wel: of vuele o|>ur of guod 
He hiet al £e contreye a boute : In oresones anon rijt 

to beo 

And |)re dawes in fastingue also: f>is tokningue forto seo. 

Seint MJjhel after {>ene f>ridde day : to f>e bisehope he com 
And seide hou {jinchez £e of j)is dede : was it a won¬ 
der dom 

35 Ne Einehe ov no wonder £arof: for mi wille it was i wis 
For Ichulle witie wel {julke stude : £at in mine warde is 
And In fmsse manere ich it sehewi eov : £at je |>e so£e 

i seo 

And [>at je honouri frulke stude : for is wardein ichulle beo 
f>e bisehop with procession : swyfre fair and hende 
40 For to honouri fjulke holie stude : mildeliche he gan iwende 
A noble churche huy founden f)are : with walles faire 

and proute 

Huy ne dorsten noujt [>are neij come : heore preiere huy 

duden with oute 


14) Da9 Zahlwort heisst o auch 628. 739; sonst on 187. 632, one 6. 
173 und selten ane 602. 


11 * 


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156 Horstmann 

f>are affcur ward al £at folk of {>e lond : f>at Icristned 

were 

Aldai comen to fmlke hülle : heore beden to bidde f>ere. 
45 Sethf>e f>are affcer ward : {>at Saracines J>are come 

And weorreden f>e cristine men : and bataylle ajein heom 

nome 

{>o het £e bischop al £at folk : Jmlke dayes f>reo 
To seint MJjhel bidden feste : and in festingue al so beo 
f>e |>ridde nyjt seint Mijhel: to f>e bischope cam eft sone 
50 And seide lat jarki al £i folk : bataille for to done 

fwit je to day fmre Inne beon : rijt atf>e feorfre tyde • 
And with eov Ichulle f>are beo : sum gware f>are bi side 
f>e bischop was £o glad inouj : |>at folk was sone jare 
f>e iyme f>at he hadde i set: to f>e batayle forto fare 

55 TO gadere hny smiten opon f>e hülle : ake it was ido 

a non 

For £are cam a gret deork cloude : and ouer caste heom 

echon 

And {>e leitingue smot f>ere and f>ere : f>e ludere men 

to grounde 

Six hundret it a sloy of heom : in wel luytel stounde 
Heore felawes flowen feste anon : and ascapeden onnefre 
60 f>are nas non f>at ne was longue sijk : ofmr deide in 

strongue de]pe 

J>us seint Mijhel sturede him f>o : among heom feor 

and ner 

|>o was it soth £at seint Danid : seide in J>e sauter 
f>at ore makez is Aungles : ase gostes fleojnde 
And heom |>at beoth is ministres : ase fuyr beminde 
65 Godes ministres aungles beoth: seint Mi jhel and of>ere mo 
f>at ase gostes flowen j>o vn seie : in fourme of fayre 
A wonder game huy pleiden f>ere : f>at mijte segge heore fon 
Betere heom hadde at hom ibeo and i piked heore ton 
J>is -cristine Men a morewe: jarkeden heom fule wel 
70 And wenden to f)is holie hui : to f>onki seint Mijhel 

{>o founden huy ane churche f>ere : swy{>e quoynte a rerd 
f>e bischop was f>o glad Inovj : and sumdel he was a ferd 
He nuste hou J>e churche cam : ne ho hire hadde arerd |>ere 
Ne jweJ)er seint Mijhel wolde : f>at heo i halewed were 
75 For him fjoujte f>at hit was rijt: to halewi churchene newe 

Seint Mi jhel wel jeorae he bad : {>at was is freond wel trewe 
f>at he heom sende sum tokningue : jwat he scholde £arof do 


49 hs. etftft8one 63 fehlt louerd in d. hfl. 


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Die Legende des h. Michael nach Ms. Laud 108. 157 

f>reo dawes he let {>at folk fasten : and heore beden bide 

also 

geot cam seint Mijhel eft sone : to {>e bischope f>ere 
80 And seide ne {>ench nou^t on mine churche : {>at ich let 

mi seolf arere 

For ich habbe |>e churche arerd : and I halewed al so] 
And {>arof {>ov schalt signe i finde : jwane {>ov comest 

J>ere to 

For wiend In at{>e est porche : and ase ich habbe igon 
Mine fet {>ov schalt finde I sene : rijt in f>e Marbre ston 
85 Sing f>are {>ine heije masse : and jif {>at folk also 

Ore louerdes flesch and is blöd : jwane f>e masse is ido 
|>e bischop wel sone a Morewe : to {>e churche him drovj 
And {>is folk also with him : with offringue fair Inovj 
At {>e est porche huy wenden In : and in {>e Marbre ston 
90 |>e stapes huy founden I sene : ase seint Michel hadde igon 

Innore more huy wenden juyt: weouedes huy founden {>reo 
With rede palles huy weren i heoled: J>e faireste {>at mie¬ 
ten beo 

Ore swete lauedies was {>at on : {>at men scholden to bidde 
f>at of)ur seint Johanes {>e bastist: And seint Peteres f>at 

{>ridde 

95 f>e bischop song is masse {>ere : and sethf>e at{>en ende 
{>at folk he dude hoseli al: are he wolde {>anne wende 
f>at folk to {>ulke holie stude : aldai faste droujj 
And ore louerd dude f>are offce aday : fair Miracle Inovj 
So {>at {>e pope {>at was {>u: {>01115 {>e Cardinales rede 
100 For honour of {>ulke stude : and seint Migheles holie dede 
And also for {>e Miracle : {>01115 seint Mijhel com 
Mijheles masse day he hiet halewi : {>01115 al cristin dom 

Seint MJ 5 hel In nouembre : hath 500 t an o{>ur dai 
Bifore {>e feste of seint Luc : as ich ou teile mai 
105 {>01115 seint M^heles wille : 115 t ase {>e o{>ur was 

And {>01115 is heste he was bi founde : i hereth {>oru 5 

5 wat cas 

Hit bi feol seue hundred 5 er : and in {>e teo{>e 5 ere 115 t 
After {>at ore swete louerd : in is Moder was alij^t 
{>at to {>e bischope Albert: seint M^hel cam anijt 
110 Bi side {>e Montaygne of Toumbe : ase it were in a sij^t 
Opon {>e hülle of Toumbe : ane churche he him liete arere 
Bi 5 t swuch one ase ope {>ulke of gargan : and {>at it bi 

tyme were 


92. iheoled=»coveredj vgl. K. Alis. 6188 heoling. 


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158 


Horstmann 


J>e bischop axede in jwuche stude : he seholde f>e churche 

make 

Ichulle £e quath seint Mijhel: guode tokne £arof take 
115 Ane hole f)ov schalt £are finde : frnt f>eoues habbet |>are 

i hud 

Opon f>e heije hülle of toumbe : £at nis noujt jeot i kud 
f>are ase f)ou finst \>e bole I hud : |>ov schalt mine 

churche arere 

f>e bischop f>at wel onderstod : and bigan is churche f>ere 
And |>are ar erde hire faire Inov : to £e helpe of mania man 
120 In f>e honour of seint Mijhel : ase hui of gargan 

Opon hei^e hulles £is churchene weren: bof>e of seint 

Mijhel 

Heij man me frinchez hewolde beo : for he louede hulles wel 
He dude wel for he mijte beo : at hom opon is owe 
And sittinde a boute him wide i—seo : and £e contreie bet 

iknowe 

125 And hom ajein {>e sonere fleo : jwane {>at he lijte lowe 
He ne fmrte carie of non of>ur weork : nofmr to ripe ne 

mowe 

For he let opon eif>er hülle : areren a chapel 

Muche folk £at jeot on eor^e is : onder stant f>at wel] 

And jwane huy arereth anie churche : to massilnne ojrar 

rede godspel 

130 Opon an hui bi custome : huy makiez of seint Mijhel 
Ase |>e Mount of seint Mijhel : and £e Mount agv also 
And also ofmre in fale studes : ho so nimez jeme f>ar to. 

In f>e grete se of Occean : {>e hui of Toumbe is 
f>at geth abouten al f)e world : In £at on ende i—wis 
135 Al aboute £e hülle geth £e se : and In £e feste daie euere mo 
f>e se hire with drauth hire twies aday : £at ech man 

may druyje gon 

Forto honouri fmlke holie stude : and in non o£ur tyme 

it nis 

f>at £e. se. ne geth al a boute : bote on f>e feste daie 

i wis 

So bifeol In one time : |>at f>e se hire with drouj 
140 In f>e feste daije of fmlke stude : and folk £are wende 

In Inovj 

So |>at a womman grete with childe : cam In atf>en ende 
And nas nou^t so swift ase oJ>ere weren : a jeinward 

forto wende 

126 I>urte-needed; vgl. Laf. j. T. II, 358: for ne {»eorte j>e cnihtes. 

136 Ms. hire doppelt. 144 Harl. 2277 in wel fehle inne. 


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Die Legende des h. Michael nach Ms. Laud 108. 


159 


{*• se. for closede hire sone : and heo bilefte with Inne 
Heo floterede £are In luyte reste : and in wel feble wunne 

145 So J>at heo bilefte f>are : In wonder cas I novj 

For to it was on ofjur jer : £at f>e. se. hire with drouj 
And hadde child f>are In £e. se : and at j)e jeres ende 
Hol and sound with hire childe : pudere heo gan iwiende 
I saued heo was in £e deope . se : |>oruj £e grace of seint 

Mijhel 

150 For sof>e nis nouJ)e no man aliue : J>at hire cou£e habbe 

iwnst so wel 

Ne so hire ifed and hire child : {>at ne costnede noujt a 

stravj 

For f>ei heo hadde fisch and drinke : je wüten wel it 

was ravj 

And so to floteri in £e grete. se : wounder £at heo nadde 

ibeo ded 

Seint Mijhel was a guod wardein : jwane we habbeth al 

i sed 

155 Icholde ech man me hadde ane penyijyue : £at no couf>e 

noujt witen hire so 

At£e feste day at £e hui of Toumbe : pis dede was ido: 
f>e hui of Toumbe he is icleoped : for he is sundel nare 
And long ase Man may iseo : ane Mannes burieles fare 
f>at mannes bodi is Inne Heid : jwane huy beoth here 

dede 

160 Also |)ilke hui is long : and noujt wel large In brede 
And £at is ase {)e. se. hath i bete : faste on ei|)ur side 
And hath |>at sond arerd up on heij : £at men mouwen 

iseo wel wide 

And |>ar of I maket ane hui : narv and long iwis 
More f>ane four hondret fet: £e hui so heij is 


165 Men synguez a Mijheles masse day : In holie churche also 
Of one bataile f>at seint Mighel: with a dragun scholde do 
J>at was £e ludere lucifer : f>o he was is felawe 
And sumdel is souerein : forto he gan mis drawe 
Ake f>o he £at Aungel was : {joruj is wicke pruyte 
170 Bi cam to a lu£er feond : he bijat |>are with luyte 
He feol out of is heije sege : £at he ches amis 
To f>e deope putte of helle : £are is wonijngue is 
Fram £e hexte stude £at is : with one swenge he cam 
To £e loweste stude iwis : ane wonder wei he nam 
# 175 Nov sori beo he jwat was him : jwi ferde {>e schrewe so 


157. hs. nare mit ausgestrichenem v; ebenso nare 723, aber narr 163. 


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160 


Hobstbiann 


He pleyde with f>e falliDgue tourn : so wel he coufre 

hine do 

Jaumbe leue he cam swenge : Into helle grounde 
A muregore In he hadde bi fore : J>at worse f>are he 
' founde 

A wonder sweng me frinchez he made : his bi jete was 

ful luyte 

180 He may corsi euere more : his misferinde pruyte 

Por also sone ase ore louerd I maud : heouene and eorfre 

and helle 

He makede him furst and his felawes : ase ich ov mai 

here teile 

And he ase sone ase he was imaud : he bigan to smite 

in pruyte 

Also heij ase ore louerd he wolde beo : he bijat £are with 

wel luyte 

186 Manie heolden faste with him : and noujt alleof one lore 
And manie likeden wel is dedene : some lasse and some 

more 

Some ferden ase huy ne roujten : nofrer of on. ne of ojmr 
f>are ne bilefte in heouene non of heom : ne heore mais- 

ter nofrer 

Seint Mijhel was maister to driuen heom : out of heuene 

a doun 

190 f>at was f>e batayle f>at he made : with J>e ludere dragoun 
|>e maister dragoun lucifer : and is rijte felawes ech on 
f>at faste heolden with is pruyte : he drof heom to helle 

anon 

Ake huy £at heolden sumdel with him : and noujt fulliche 

so faste 

Out of heouene he drof heom : and In to J>e lofte heom 

caste 

195 Al here binefje toward J> e eorf>e : f>are mest tempeste is 
And £are heo schullen in tempest and in pine beo : to J>e 

daye of dorne i wis 
And ase höre gult {>e more was : heore pine was also 
f>e worse stude heom itake : heore penaunce for to do 
Ake to helle huy ne schullen noujt: are domes day iwende 

200 Ak £are huy schullen after ward : bileue with outen ende 
OJ)ure f>are weren J)at for heom : sumdel in misfroujte 

weren 

Ake natheles huy heolden betere with god : and vnnej>e 

furbere 

177. jaumbe leue=jambe ley^e. 198 fehlt was nach heom. 


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Die Legende des h. Michael nach Ms. Laud 108. 161 

|>ulke wenden out of heouene al so : and a boue |>e ofmre 

beoth 

An hei£ onder f>e firmament: and godes wille i seoth 
205 And so schulten sumdel in pine beo : anon to £>e worldes 

ende 

Ake huy schullen at domes day : ajein to heouene wende 
In eorthjjeliche parays : some beoth jeot also 
And in o|rar studes on eor£e : heore penaunce forto do 
For heore defeute in heouene : foruj ore louerdes grace 
210 Man was formest on eorfre iwrougt : to fulfulle frnlke 

place 

For ten ordres of Aungles: f>are weren i makede f>o 
And f>e teof>e ordre ful adoun : In to pine and wo 
And jeot J>are beot ordres Nyne : and f>are fore man is 

i wroujt 

To fulfulle |>e teof>e ordre : f>at was out of heouene ibroujt 

215 Sone so man was iwroujt: sunne he bigan to do 
And für gulte f>e murie Joie : J>at he was imaket to 
In helle he was with lucifer : and with ojmre ludere fode 
Forto ore louerd it boujte : In flesch and in blöde 
j>e ludere gostes beoth aboute : with heore ludere pouwer 
220 To bitraye wrechche men : and bringue into heore paunter 
And J>e guode beoth also aboute : with power J>at heore is 
Forto witien men fram sunne : £at huy ne wurchen amis 
Bof)e £e luf>ere and £e guode : alijteth ofte adoun 
And to men in höre slepe comieth : ase In a visioun 
225 And scheowieth in metingue : mani a wounder dede 

f>e guode of guode fringues: and f>e ludere euere of quede 
And deriez men in heore slep : and bodieth seoruwe and 

care 

And ofte huy ouer liggez : and men cleopiet f>e nijt mare 
For |>at is al heore deliijt: jwane huy mowen don men wo 
230 Ase f>eoues huy cheoseth £e nijt: aboute to fleo and go 
Mest huy greuieth selie men : jwane huy liggez uprijt 
Heuie huy liggez on heom inov : nere heom erore so lijjt 
Huy liggez ase an heui stok : £at wolde ane Man astoffe 
f>at he ne may him wawie fot ne hond : ne vnnef>es ani 

fring poffe 

235 Da|>eheit a swuch luf>er Caumberleyn : |>at a wakez men 

so sore 


229. deliift; da im Ms« corrigirt ist, so ist nicht deutlich, ob deliift 
oder deliiot zu lesen. 


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162 


Hoestmann 


And god him jiue sorewe Inonj : and euere so leng J>e 

more 

And alle [>at louiez is compaygnie : for he nas neuere 

hende 

gif ani man him louez wel: ore louerd hyne him sende 
|>e schrewene wollez also ofte : mankun to bitraije 

240 Alijte adoun in mannes fourme : bi nijte and bi daye 

And liggez ofte bi wommen : ase huy weren of flesch and 

of blöde 

Ake J)ulke bijete f>at huy bijitez : neuere ne cometh to 

guode 

And ofte in fourme of womman : a day and eke a nyjt 
Huy latez men ligge heom bi : and bitrayez heom oujt 

rigt 

245 For huy wutez wel jwuche beoz f>e men : £at to folie 

habbeth wille 

Alone in some deerne stude : huy stondez £anne wel stille 
And Mani fol heom lijth so bi: In wodes and in mede 
Ake f>are nis non £at deth so : £at huy ne acoriez J>e dede 
Heore membres to swellez sone : and some ascapieth onne|)e 

250 And some for dwynez al awei : for to huy beon i broujt 

to de|>e 

More wonder it is for so£e : hov ani ascapiez a liue 
For a 8wif>e attri fring it is :to lefman of>ur to wyue 
And ofte in fourme of wommane : In many derne weye 
Grete compaygnie men iseothof heom : bo£e hoppie and 

pleite 

255 f>at Eluene beoth icleopede : and ofte heocomiez to toune 
And bi daye muche in wodes heo beoth : and bi nijte-ope 

heije dounes 

f>at beoth £e wrechche gostes : f>at out of heuene weren 

i nome 

And manie of heom a domes day : jeot schullen to reste 

come 

Ake f>eo schrewene f>at beoth in toune : bi nijte and bi 

dayje 

260 Fondieth with jwuche feolonie : huy mouwen mest men 

bi traie 

For Jjulke tyme f>at f>e feond : ore fürste fader iwan 
f>oruj |>at appel £at he him jaf: mayster he was of man 
He hadde faste al to him men i bounde : for to ore louerd 

us boujte 


246. deerne, so Ms., ebenso aqueenche 590; wol st. deorne. 


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Die Legende des h. Michael nach Ms. Land 108. 163 

And for men weren so alle his : £e lasse of heom he 

rouje 

265 Ne noJ)ing he nas ginful : ase f>e schrewene nouJ>e beoth 
For plente nis no deinte . ase we al day i seot 
He fierde ase doth a port doggue : I norischet in port 

toun 

For he geth ofte in prece of Men : among heom op and 

doun 

Ne jeme ne nimeth he to men : to beorken on heom 

noujt ene 

270 Ake among men he goth stille I novj : bote ani man him 

hene 

Also fierde J>e deuel |>o : for manknn was al his 

And hadde of him so gret plente : he ne tolde noujt f>ar 

of iwis 

Heinas no£ing clib to heom : forto a sailli heom with 

wouj. 

Non more |>ane f>e porthound : J>at neij men geth I nouj 
275 Ne he nis no£ing grim to bigyli men : ase he was bifore 
Er f>ane ore swete louerd : of Marie was ibore 
Hadde he ibeo swnch bifore : ase he was er iwis 
Onnefre was f>are ani Man : |>at ne hadde ibeon al his 
•Ake ore louerd after is def>e : In harde logge him broujte 
280 And teide f>ane schrewe faste Inovj : and dafreheit £at hit 

of Jjoujte 

A teie doggue is clib Inoy : gwane man comez In is sijte 
And grennez and beorkez faste Inov : and draujth with al 

is migte 

Ake jif ani man cometh so neij : |>at he sette on him is 

toth 

For sof>e he bitez sore Inovj : ase alle swuche doth 
285 He is clibbest opon heom : f>at arriet him with ston 

Ake neij no man ne may he come : bote f>at to neig him 

wollez gon. 

Nou|>e late seth|)e he was iteid : {>e deuel ferez also 
He beorkez and grennez toward Men : ake he ne may 

heom nou^t do 

In is owene wrathfre he brennez : him sulf he doth mest wo 
290 Ake he ne mai no man a reche : bote ho so wole allingues 

to him go 

And jwane ani Man cometh him so neij : J>at he mouwe 

him areche 

Bite he wole harde Inovj : and is lessun him teche 
{>at bote he tuyrne to amendement : and take to godes 

leche 


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164 


Horstilinh 


And of preoste beo wel i schriue : him worth idon gret 

wreche 

295 Hardest f)e deuel bitez J>e men : jwane ani comez him to 
Of heom fmt arreden him er : and guodnesse habbez ido 
For j)are with Men him arrieth mest: and jwuch so him 

wole with drawe 

And comez so neij f>at he him mouwe a reche : he cachchez 

him wel fawe 

And opon is pouwer harde bit: his bitingues beoth wel ille 
300 He ne may no man ase je iseoth : taken ajein is wille 
Nonmore J)ane a teij doggue : |>at is in strongue teije 
And jwane he ne may a reche Men : ful wide he cast 

is eije 

gif he may ani man iseo : J)at toward him wole drawe 
He biguynnez anon for to tolli him : ase man doth his 

felawe 

305 For jwane a man ne mai: his felawe bringue him nere 
With is hond he tollez him : ase man f>at seith Ich am 

here 

f>e Deuel tollez with is hond : ase wel as doth a man 
And fxf fingres £are on he hath : f>at he wel bi sette can 
Ech of is fingres hath is name : ase we cleopiez ovre also 
310 f>e leste hatte luttle man : for he is lest |>ere to 

|>e nexte finguer hatte leche : for jwane J>e leche makez 

oujt 

With |>at finguer he wole hit tasti: jif it is arijt iwroujt 

Longueman hatte f>e midleste : for he lenguest is 

f>e feor^e finguer hatte techere : for f)ere with men techez 

iwis 

315 Ase a man f>at seith lo he f>ere : of jwam we speken er 

longue 

For mannes fjoumbe strenguest is : J>are forehe hatte f>e 

strongue 

f>anne hatte {)e leste luttle man : and {)e nexte hatte leche 
And sethf>e f>at o{>ur longueman : £e techare for he doth 

teche 

Strongue is {>e f>oumbe Icleoped : J>ou wost wel jwy it is 
320 {>eos fif fingres f>e deuel hath : and heore names iwis 

f>are with he tollez men to him : jwanne men stondez 

feor ato 

And with fol |>oujt toward him lokiez : and nutez jwat 

he wollez do 

318. teche fehlt i m Ms. — techare l 314 techere; vgl. slepare 677, swe- 
riare 689, drmkare 690, wakiare 691. 


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Die Legende des h. Michael nach Ms. Land 108. 165 

And heore Inwit heom seith : Jrnt swyf>e gret sunne it 

were 

And grete wille huy habbez f>erto : jif huy dorsten for fere 

325 f>e denel stant and wolde fein : henten heom bi f>e polle 

With luttle man is leste finguer : he biguynneth heom 

furst to tolle 

And seith jware of art |>ou of drad : a luyte sunne it is 
He makez pe sunne luyte Inovj : for |>e finguer is luyte 

iwis 

gif be ne may with is luytel finguer : ane man to sunne 

teche 

330 With is felawe he tolleth next: f>at men cleopieth leche 
And seit je god is leche guod : and ful of milce and ore 
He wole wel hele and furjiue : J>ei pe sunne were wel 

more 

He nis noujt so wrechful ase men weneth : he hath f>e 

deore aboujt 

Wel more sunne he wole furjyuen : J>are fore ne dred 

’pe noujt 

335 And bote he mouwe f>are with i winne : he pult forth is 

felawe 

f>e longue finguer f>at sit him next: J>at alle weren huy 

to drawe 

And seith man pOY art jung Inov : f>ou mijt libben jeot 

wel longue 

And |>ine sunnes bieten wel: J>ei huy weren ten so strongue 
Scholdestov nou{>e |>ine wille lete : jwat scholde |)i jungue 

blöd 

340 f>on mijt libbe longue Inovj : and amendi al f)i mod 
Bote he mouwe jeot matie man : |>are with don amis 
He tollez him with |>e techare : {>at is nexte felawe is 
And seith lo J>ere {)ilke preost: and f>ilke knyjt also 
And ^ilke person and manie oJ>ure : J>at more sunne habbez 

ido 

345 And naf>eles huy beoth guode men : and guod lijf ledez 

inouj 

fnlke man nas neuere Ibore : |>at o|>ur jwile ne dude sum 

wouj 

Seint powel with is owene hond : Manie men he slovj 
And f>e Marie Maudeleine : J)at to lecherie drovj 
Seint peter J)ries in one nijjt: for sok ore louerd also 

350 And also loke J)is of>ur helewe : jwat sunne huy habbez ido 
Ake J>ei huy beoth In heouene nou£e : ne worst |>ou 

neuere so heije 

More sunne £ane {>ou wolt do : £ov mijt biete are pou 

deije 


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166 


Hobstmanh 


|>ou woldest beo holiore f>ane ani man : bi holt |>e al 

aboute 

A misdede wole beo sone ibet: gware of hast £ou doute 
355 £if h® ne ma y w üh techare : maken is wei roume 

With is strongue he tollez Jpanne : with is schrewe f>oume 
And seith |>ov art strong inov : more sunne to biete 
Woldest f>ou bileue so murie f)ing : [>ench J>at it is swete 
And biet £ine sunnes aftur ward : for J>e ne faillez strenge 

non 

360 And wel fieblore f>ane [>ou art: ofte wolleth mis don 

And sethf)e doth heore penaunce : ake natheles nougt wel 

strongue 

For ore louerd is euere gare : sunful Man to fongue 
In f>is manere f>e ludere schrewe : gwane he vnder git ougt 
f>at men lokiez toward him : and sunrdel chaungiez heore 

t>OUgt 

365 He tollez heom euere ner and ner : with is fingres arewe 
Noufre luf>er [>rift on al is hond : for euere he was a 

schrewe 

Daf>eit [>at sori wolde beo : frei he were al to hewe 
For he bringuez to sunne mani on : and to amendement 

wel fewe 

frare fore frenchez gwane he wole : eou to sunne puyte 
370 And with is fingres tollez eov : and seiz fre sunne is luyte 
And frat ore louerd is guod leche and milsful : and frat 

frou schalt libbe longue 

And frat ofrure sunegiez more : frat ne beoth nougt so 

strongue 

Anon so ge frenchez swuch a J>ougt: bi {>enchez oy [>er to 
Hou ^e schrewe tollez eov : and with wuch finguer also 
375 Seggez him £at he lygth loude : ho so it dorste him teile 
Saue J>at he is maister in [>e deope putte of helle 
f>at god holde him is dignete : and is grete maistrie 
For to sum riche man giue al is guod : to binimen him 

is baylie 

For so|>e he deoth vuele Inouvg : |>at comez in his tollingue 
380 He wole him bringue euere ner ant ner : In deoppore 

suneguyngue 

Atenende In to J>e putte of helle : {>are euere he worth 

für lore 

f>at onne|)e him worth f)e grace : to with drawen him 

bifore 

{>ei we ne mouwen nougt [>e feondes iseo : among us huy 

beoth wel f>icke 

And ^ei huy ovte of helle beon : heore pinene beoth strongue 

and wicke 


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Die Legende des h. Michael nach Ms. Laud 108. 167 

385 For huy farez ase doth fre man : frat in ane hache offre 

feueres is 

Beo he in house ofrur in fielde : is brenningue ilast iwis 
Feor and neor he may go : ake euere ilast is pine 
Hit is bi fre Deouele here : also and bi is hyne 
For frei huy ovte of helle beon : huy ne schullen nougt 

so at route 

390 f>at huy fre brenningue of helle : with heom ne bereth 

aboute 

f>E rigte put of helle is : a midde fre eorfre with Inne 
f>at ore louerd it made iwis : frat quoynte was of ginne 
Heouene and eorfre he made furst: and seothe alle fring 

frat is 

f>e Eorfre nis bote a luytel hurst: agein fre rigte heouene 

iwis 

395 Heouene geth al aboute fre eorfre : euene it mot weyge 
Araidde rigt heouene fre eorfre is : ase fre streon a midde 

fre Eyge 

Muche is frat on franne more frane frat ofrur : for fre leste 

steorre is 

In heouene ase fre bok us tellez : frane al fre eorfre iwis 
For ho so were an heig bi ane steorre : gif it so migte 

beo 

400 So luyte' wolde fre eorfre frinche : frat mnefre he scholde 

it ougt iseo 

f>e heouene geth ene a boute : frorug daige and frorug 

nygt 

fr>e Mone and fre steorrene with him heo berth : and fre 

sonne frat is so brigt 
For frat is euene aboue frin heued : rigt atfre nones stounde 
Ounder frine fet euene it is : at midnigt ondel* fre grounde 

405 And cometh up gwane fre sonne arist : and ouer fre is 

at none 

Heo makez euene frus hire cours : and comez aboute wel 

sone 

Ase an Appel fre eorfre is round : so frat euere mo 
Half fre eorfre fre sonne bischineth : hov so it euere go 
And Noon it is binethen us : gwane it is here midnigt 

410 Ase man may fre sofre iseo : ho so hauez guod Insigt 


V. 394. Ea ist eh hurst als hurft im Ms. zu lesen. 386 Harl. in 
accea of J>e feuere. 406. Ms. uer st. ouer. 409. noon; Harl. nou —her 
mid us; uns. Ms. scheint die richtige Lesart zu bieten. 


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168 


Hoestmank 


Ase gif[>ov heolde ane clerecandele : bi side an Appel rigt 
Euene half |>e Appel : heo wolde giuen hire lijgt 

EJgte firmamenz f>are beoth : swuche ase we iseoth 
f>eOuemeste is [>e rigtte heouene : in gwan £e steorrene beoth 
415 For godes riche is f>are aboue : £at last with outen ende 
f>arto we beoth i maked : god leue us fmdere iwende 
f>are bi neof>e beoth seoue firmamenz : J>at euerech of 

heom iwis 

One steorre hath with oute mo : |>at planete icleoped is 
Ichulle nemmen heore seoue names : and formest biguynne 

hext 

420 Saturnus is al aboue : and Jupiter sethfie next 

f>anne Mars bi neof)en him : and sethf>e [>e sonne is 
Venus sethf>e [>e clere steorre : Mercurius Jmnne iwis 
f>at wel seiden is of us iseige : J>e Mone is next |>e 

grounde 

f>orug gret wit of clergie : heore names weren furst bi- 

founde 

425 For euerech of J>eos seouene mouwen : gret wonder on 

eorJ>e do 

BoJ>e of wederes and of fruyt: ase heore power gif frare to 
And also man gwane he is ibore : onder heore power iwis 
Schullen habbe diuers lijf: euere ase heore vertue is 
Some lechours some glotones : and some of oJ)ur manere 
430 And natheles a man of guod In wit: of alle he may him 

skere 

For f>e planetes ne doth non of)ur : bote giuez in mannes 

wille 

To beon luj)ur oJ)ur guod : ase heore uertue wole to tille 
And giuen him also qualite : to don so and so 
Ake nougt for f>an after is in wit: ech wys man may do 
435 For swuch qualite no man ne hath : to beon leehor o|>ur 

schrewe 

f>at he J>are with ne may him wite : ake natheles so doth 

fewe. 

Of f>e seoue planetes al so guod : heore power ge iseoth 
For J>e seoue Dawes in f>e wyke : {>are afkur Inemde beoth 
Of Saturnus so is satur day : and sonen day of j)e sonne 
440 And of |>e Mone Monenday : gif ge wel rikeni könne 
Of one planete euerech day : In f)e wike icleoped is 
On englisch oJ>ur latyn : bote ge teile amis 
And for raars and saturnus : In heore power ludere beoth 
And luyte guod on eorfie doth : ase {)is clerkes iseoth 
445 {>are fore Men schoniez muche : {>enö saturday biguynne 


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Die Legende des h. Michael nach Ms. Land 108. 169 

And J>ene fiywesday euerech : to guode ende it forto wynne 
Among alle £e planetes : £e sonne a midde heom is 
Ase is [>e kyng a Midde is men : to conseili heom iwis 
Also J)e sonne £at heo mouwe : schyne aboute eche on 
450 For alle habbez lijgt of hire : and with oute hire nougt on 
Ase man may bi [>e Mone iseo : f>e gwyle heo is neowe rigt 
A luyte rondel ase a sikel: Men seoth [>ar on ligt 
And al J)at ojrnr del with Inne : swifre blak as a rauon 

it is 

Rigt so blae is al [>e mone : of hire sulf i wis 
455 Bote |>are ase f>e sonne schynez : f>at hire ligt gif hire al 
And Makez hire schyne aboute : brigtore f>ane ani cristal 
For gwanne [>e sonne schynez on cristal : o£ur in wa- 

tere der 

A gret leome it gif out agein : and schynez feor and ner 
Also fareth [>e Mone iwis: f>e sonne schynez doun rigt 
460 Euene on hire and heo agein : and among us sent hire ligt 
And for f>e sonne is feor aboue : rigt at fore J>e prime 
Bi neofien hire |>e Mone is euene : and f>e sonne schyne 

bityme 

Al In [>e ouere side of [>e Mone : and hiderward nowigt 
J>anne ne seo we nougt of hire : ne heo ne gifth no ligt 
465 So J>at J>e sonne bifore geth: luyte and luyte iwis 

And schyneth on [>e hiderore half : on frnlke |)at ner him is 
Heo makez f>e Mone wexe so : luyte and luyte bi stounde 
So |>at J>e Mone is heigful : gwane f>e sonne geth to 

grounde 

f>e Mone bigynnez bi este arise : euene agen hire rigt 
470 f>at in fmlke half toward us : {>e sonne sent hire lijgt 

f>anne is f>e ouere half deork : and £e hiderore half al 

brigt 

And sent hire leome hidere to us: and schinez al f>e nigt 
So J>at heo drauth hire feor |>e sonne : and luyte and 

luyte is blak 

And euere is der toward J)e sonne : and ]>at ojmr del is 

blak 

475 And ate laste toward us is al blae : at|>e monfres ende 
And der aboue ase is f>e sonne : £at to hire ligt deth 

sende 

So J>at f>e sonne in f>e haluendele : schinez euere mo 
Jwat aboue and gwat bi neo^e : hov so hit euere go 
Ase man may iseo bi ane candele : fiat is biside ane balle 


453 as a rauon ist am Rande beigeschrieben. 

469 ri^t am Rande beigeschrieben. 473 hire am Rande. 
Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. P. I. 12 


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170 


Horstman* 


480 f>at jifth lijt on Jat haluendel: hov so it euere falle 
And jwane Je sonne is onder Je eorje : and Je Mone 

aboue anyjt 

Biside Je eorje in Jat on half : jeot Je sonne sent 

hire lijt 

An hundret sij>e and fiue and sixti: ase it is i write 
f>e sonne is more Jane Je eorje : ho so it wole iwite 

485 And J>e eorje i3 more Jane Je Mone : nye sije iwis 
Je Mone Jinchez wel Je more : for heo so neij ns is 
Je sonne is herre Jane Je Mone : More Jane schwche Jreo 
Jane it beo heonnes to Je Mone : Je lasse heo is to seo 

Muche is bitwene heouene and eorje : for Je man Jat 

mijte go 

490 Euereche daye fourty mile : and jeot sumdel mo 

He ne scholde noujt to Je hexte heouene : Jat je alday 

iseoth 

Comen in eijte Jousende jer : Jere ase Je steorrene beoth 
And Jei adam ore fürste fader : hadde bigonne a non 
{>o Jat he was furst imad : and to ward Je heouene igon 

495 And hadde eche daie fourti mile : euene oprijt igo 

He ne hadde noujt jeot to heuene icome : bi a Jousende 

mile and mo 

Sikere je beon i segge jeov soth : I leue ho so ileue 
Hov sehulle we Jat comiez so late : after Adam and eue 
Ake jwane a man is on eorje ded : and is soule beo 

guod 

500 Heo nath witli hire non heuinesse : of flesche ne of blöd 
gif heo is Janne with oute sunne : heo hath Aungles 

cuynde 

And mai beo nouje here and Jer : ase quik ase mannes 

muynde 

For ase je I seoth Je lijtingue : out of Je cloudene iwende 
Jat comieth of Jat on half of Je world : and also sone 

in J>e ojur ende 

505 Wel smartloker scheot ane mannes soule : je more Jane 

swuche seuene 

gif heo is oute of sunne : Jene rijte wei into heouene 
Ake wel sonere he may to helle come : Jare fore it is 

isene 

Jat wel mo to helle wendez : je ich drede swuche tene 


500. Ms. doppelt of flechs of flesche. 505. smartloker, 90 Ms. öfter st. 
smart! iker. 


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Die Legende des h. Michael nach Ms. Land 108. 171 

BJneof>e J>e loweste heuene : f>at J>e mone is on i brougt 
510 So beoth. f>e foure Elemenz : of gwan we beoth i wrougt 
Next J)e Mone f)at fuyr is hext: echone huy beoth rounde 
|>e eir is f>anne next bi neothe : and tillez rigt to £e 

grounde 

Sethfre is watur and sethf)e J>e eorf>e : |>eos beoth foure 

iwis 

Of gwan man and eche quic {ring : for soJ)e I maked is 
515 Ore louerd in echon of f>is foure : al dai scheweth is 

migte 

Ase ge mowe in J>e stude* of fuyre : I seo a wonder sigte 
Scheote as J>ei it a steorre were : bi f>e loffce an heig 
Ake {)© steorrene beoth feorre aboue : for |>at is sumdel 

' neig 

pe sonne mayhere among us : gret strencfje and migte do 
520 Heo drauth up f>e kuynde of f>e watere : and of J)e eorfre 

also 

He draugth up op J>e eor£e in druye wedere : ase it were 

a druye breth 

So £at Jjorug hete of f>e sonne : aboute f>e eir it geth 
And gwane it comez a mong J>e fuyre : sone it bigynnez 

forto tiende 

And al beminde it scheot forth : hit beo ibard to- 

ende 

525 f>are fore men ne iseoth no swuch f)ing : bote it beo in 

hete 

Ligtingue comez al so f>are of: gwane it comez to wete 
For al |)at ilke druye breth : f>at is so idrawe an heig 
j>orug hete j»t was bifore : and a cloude f>at J>are was 

neig 

Anon so it is a fuyre : it scheot fjorug J>e cloude 
530 And {>e gwile it is in J>e watere : it gofreleth swyfre 

loude 

Ase gif a man nome ane sclabbe of Ire : f>at glowynde 

were a fuyre 

And pulte in watere it wolde goJ>eli loude: f>at men mig- 

ten it feor i huyre 

Also f>at fuyr up an heig : f>at bi f>e cloude is itend 
Hit gof>elez in £e watere loude : as it f>orug out I went 
535 And J>at is f>e f>ondre iwis : and siker non ofrnr J>ing 

And gwane f>at fuyr scheot f>orug out : J>at is £e ligting 


517 scheote, so Ms. statt sitte Harl. 521 op st. of. 
ib&rad, ibrend. 


524 ibard st. 
12 * 


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1?2 Hobstmann 

And £at scheot abrod f>oru al {>e world : |>afc comez aftur 

{>e dunte 

And natbeles it {)inchez bifore : for it ne may nougwere 

at stunte 

gif here were an heij stepel: and a man aboue sete 

540 And men iseijen him smiten al an heij : guode duntes 

and grete 

|>ou mietest him seo wel longue smite : {>e duntes with 

f)ine eije 

Are J)ov scholdest {jene dunt iheore : jif he were ougt heije 
For man mai iseo wel feor a {>ing : anon so it is ido 
gif {>are nis no {)ing bi tweone : ake man ne may noujt 

iheore so 

545 gwane |>at fuyr comez into £e jwater : gret noyse anon 

{>are is 

Ake men ne heorez it noujt anon : for is it so feor iwis 
f>e ligtingue we iseoth anon : jwane it is {joruj ibroujt 
J>are fore men {jinchez it comez bifore : bote natheles it 

ne doth nou£t 

For jwane J>e lijtingue is icome : Anon we habbez J>e 

sijte 

550 Ake {>et soyn ne may noujt: so sone a doun to us alijte 
Nov{>e nis {>e druyje breth of eor{>e : neuere withoute hete 
I drawe up {>at comez bifore : ne a queint with oute wete 
f>are fore bote after hete : man ne schal ,no f>ondre iseo 
And {>at {>e weder smite in wete : for non o|>ur ne mai 

it beo 

555 So f>at man schal in puyr somer : selde {>ondre ihuyre 

For {>er is {>anne selde wete : to maken quenchingue of 

fuyre 

Ne in puyr winter no {>e mo: for {>anne nis non hete 
To drawe up J>e drouj^e of {>e eor{>e : for f>e muchele wete 
f>are fore Men seggez {>at wynter {>ondre : selde man schal 

guod iseo 

560 For he ne may neuere come : bote {>at weder onkuynde beo 
Ake bi' tweone somer and wynter : ase in Aueril and may 
And effc sone fram heruest: forto seint Clementes day 
f>anne is {>e {jondre kuynde Inoy : and lijtingue also 
For {>anne is f>at weder wet: and ofte hot {>ar to 

565 ge mouwen axi gwane it {mndre is : I meingt of fuyr 

in wete 

Hov is {>at hit aquellez men : ofte bi weye and strete 

554 unten am Rande zugeschrieben; for non ojiur bis to maken 
fehlt in Harl. 


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Die Legende des h. Michael nach Ms. Laud 108. 173 

And smit adoun wel grete treon : and deth wel mani 

a wonder 

f>are fore ich mot eov more teile : of kuynde of J>e fronder 

{>o ore louerd frolede on eor£e deth : and bond f)ene deuel 

for man 

570 Ad debruysde helle gates : with frondre pudere he cam 
f>are fore euereft Afturward : gware so J)e deouelene beo 
Of fxmdre huy beoth so sore aferd : f>at huy nutez gwo- 

dere to fleo 

And huy |>at woniez in f>e luffce : and ofrare ase wel so heo 
In strongue fere comieth a doun : and nutez gwodere teo 
575 And huy siez men bi |>e weie : ase man may ofte I seo 
f>at muche fere god heom gyue : and no £e worse us ne beo 
In ofmr manere Jmre comez geot harm : of f)e frondre 

a mong 

For f>are ase f>at weder is : £e tempeste is ful strong 
Of wynd. of watur. and of fuyr : [>at J>ei |>are weren J)ere 
580 A Mulleston he scholde al to driue : f>ei he of molten 

bras were 

gwane f>e tempeste is £are so strong : me fcinchez it nis 

no wonder 

f>ei f>are come leome ofte a doun : with [>e dunte of J>e 

f>onder 

gwane f>e wynd and |>at fuyr smiteth : f>orug f>e watur 

cloude 

With swyf>e grete strencfre it ligt a doun : ase man mai 

i huyre loude 

585 And smit ase it were a dunt: ofmr blast of grete migte 
No wonder J>ei it smite harde : gwane it so deth aligte 
And brekez treon and quellez men : and deth gret o|mr 

wonder 

In f>is manere comez |>e harm : f>at men i seoth of £e 

fronder 

Men I seoth ofte ligtingue : brenne hous and schrenche 
590 f>at vnnefte mai ani watur : £at fuyr £arof a queenche 
For of f>e watur cloude a boue : f>at fuyr is out i brougt 
And for it out of J>e watere comez : J>at fuyr nele quenche 

nougt 

Nof>eu mouwe ge Axi in gwuche manere: gwater comez 

so heige 

And gwarof comez rein and snovg : f>at ge i 3eoth with 

eige 

595 f>e sonne [>at is al maister here sent a doun hire hete 
570 ad Bh and. 573 u. 574 fehlen in HarL 


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174 


Horsthann 


And makez |>e wateres brej>i uprijt: as f>ei huy scholden 

swete 

BoJ>e. f)e. sees. an ferohse wateres : and draujth op so J>ane 

breth 

So |>at aboue in £e luffce : £ilke mist euene geth 
Nov|>e is |>are uppe in f>e lüfte : a swyfre cold stude iwis 
600 For bitweone heoue and eorfje : so cold non frare nis 

f>are ase J>e blake cloudene beoth : and o|>ur wederes also 
Hit nis uprijt fram £e eor£>e : bote Ane mile o{)ur two 
gwane £e sonne hath pudere idrawe : £ene mist for hete 
It ne may no feor for J>e colde : ake bicometh al to wete 
605 And gaderez f>are to one watur cloude : and houeth f>are 

ane stounde 

Forto £e tyme come |>at it Ryne : and droppinde falle to 

grounde 

gif it is cold up an heij : J>e dropen bicometh to snowe 
And franne huy freosez adoneward : are huy comen here 

oujt lowe 

And jif it is f>oruj out cold : f>at huy alle i frozen beo 
610 j>anne it is haul puyr : ase je mouwen al day iseo 

J>e breth of f>e watere |>at f>e sonne : draujth op 

ajein eue 

gwane f>e sonne is to grounde igo : it ne, may noujt bileue 
And jwane no£ing ne halt it up : and [>e hete is al ido 
f>anne it fallez softe adoun : and to dewe bicomez rijt so 
615 And hangueth on leues and on gras : forto £e heteamo- 

rewe come 

And |>e sonne luyte and luyte : it habbe eft sone up 

inome 

f>e höre forst cometh jwane it is so cold : [>at it freo- 

seth a nyjt 

And J>e Dev freose adoneward : jwane he is adoun a 

lijt 

gif J>e Devj is also up i drawe : and a doneward i 

falle also 

620 And J>are come a Jucke myst: and a cold forst |>er to 
f>anne freost J>e J>icke Myst : and cleouez an heij on J>e 

' treo 

And [>arof comez J>e Rym forst: ase {)ilke Mist deth fleo 
He cleouez on hegges al abovte : and In f>e wodes also 
In f>is manere je mowen iseo : J>e kuynde of reyne and 

snowe 

625 On treo on stones on bestes also : J>are it may cleouien to 
Ichot wel on mi fore top : it hauez wel ofte ido 

625 fehlt in HarL 


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Die Legende des h. Michael nach Ms. Laud 108. 175 

Of hawel . of snovj . of Rym forst : of höre forst J>at 

freost lowe 

Of cloudene and of Mist also : for al o J>ing it is 
For alle huy comiez of waterbreth : |>at f>e sonne draujth 

up iwis 

630 Novf>e is watur here on eor£e : wel more f>ane J>e londe 
For sum o see : withoute mo :.is more ich onderstonde 
For J>e gret. se. of occean : In £e on ende i wis 
Is more f>ane al f>e eorfre beo : and gret wonder it is 
For aboute al f)e eorf>e heo geth : and brod heo is J>are to 
635 Ase f>e jwyte of f>e Eye goth aboute f>e jeolke : and more 

is also 

Ech ofmr. se. among us here : ne beo heo so gret non 
Nis böte a lime of frulke se : and fmdere In huy goth 

ech on 

Wellene comiez of grete wateres : and muche del of f>e se 
f>oru£ veynes al vnder eor£e : and to f>e se wendez aje 
640 For farebeoz aseit veynene weren : onder eorJ>e mani on 
j>at sikeniez out of f)e se : and f>arof springueth {>is wellene 

ech on 

And f>are fwruj eornth £at watur faste : aboute fram f>e se 
And f>are ate wellen springuth out: and eft eometh In aje 
So f>at for alle f>e grete wateres : £at to J>e se goth echon 
645 Vnne is[>e seeni f>ing f>emore : ake euere heo is bi on 
For äse swi£e it geth under eorJ>e : ase it comez in to 

£e se 

And .euere to wellene it geth abrod : and eft sone ernth 

in aje 

And also sone ase ech watur comez : to £e se in is ende 
To £e grete se of occean : ase swi£e it deth iwende 
650 Fore alle J>e wateres : f>at to f>e se doth gon 
|>e se mot nedlingus beo : euere more bi on 
f>at heo flowez and ebbez : and wexet In a f>rowe 
f>at is fjoruj kuynde of £e mone : and rijt noujt f>orug 

hire owe 

f>E eorf>e a midde f>e grete se : ase a luy bal is round 
655 And puyr helle amidde £e eorfre: ho so soujte |>ene 

ground 

And jeot ase gret ase f>e eor£e frinchez : and ase luyte 

ase heo is 

626 ist rechts am Rande nebengeschrieben; die Verse sind an 
dieser Stelle umzusetzen. V. 625 u. 6 hinter 623, V. 624 vor 627. V. 644 
— 648 fehlen inHarl; 645 ist statt vnne vnnebe zu lesen. 660 f>areistvor 
fore ausradirt. Die richtige Lesart hat Cott. Cal. A 9: J>are fore for. 
654 Mb. luy st. luyte. 


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176 


Horbtmann 


j>are nis bote J>at seouenJ>e del : |>at Men woniez on iwis 
For In £e north side here : ho so lie nele 
For it is feor fram sonne : no Man ne wonez for chele 
Ne In f>e south half noJ>e mo : for J>e grete hete 
Of f>e sonne £at is aboue: £e leomene beoth so grete 
And manie ofrnr studes also : f>ei men mieten wonien J>are 

Inne 

Huy ne berez nofrur com ne fruyt : Manne is mete to 

wynne 

And f>ei f>e eorJ>e were al to delt: ho so mi^te bi Art 
geot nis |>are to wonien Inne : onne|>e fte seuenf>e part 
Of f)is foure elemenz : ech quic J)ing imake is 
Of eorf>e . of watur . and of £e eyr : and of fuyre iwis 

Man hath of eor£e al is bodi : and of watere he hauez 

wete 

Of fre Eyr he hath breth and wind : of fuyr he hath hete 
670 Ech quic J)ing ofalle £eos foure : of some more and lasse 
Ho so hath of £e eorJ>e mest: he is slouj ase f>e Asse 
Of fade colur of hard huyde : boistous fourme and ded 

strong 

Of muche ftoujt of luyte speche : stille groyninde and 

wrath long 

Of slouj wreche and Aruj mouth : fast. and loth to jyue 

guod 

675 Sone old and noujt willesfol : stable and studefast of mod 
Ho so hath of f>e watere mest : he schal beo jwit and 

fat also 

Of nesche her and nofring crips : gret slepare and slovj 

fjarto 

Snvuelinde nose and wet mouth : of fewe wordes : and 

luyte drinke 

Of schorte wrathj>e and de bonere : Arvj and luyte luste 

swinke 

680 Ho so haueth of f>e eir mest : he is of guod colour 
Fat and of nesche her : wel large and gret lechour 
LijJnde and of glad semblaimt: and somdel of pruyte 
Habbe he mete and drinke I novj : he carez elles luyte 
Wrath|>e he berth luytel jwyle : he wole beo ballede sone 
685 Glad and blif>e and onstable : of J>at he hath to done 
Ho so hath of fuyre mest: he is smal and red 
Of)ur he is blae with cripse here : lene and sumdel qued 
Hinderful and of bost I novj : hardi and ofte lie 

680—686 fehlen in Harl. 688 Harl. he. auchlie. . 



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Die Legende des h. Michael nach Ms. Land 108. 177 

Sweriare and of manie word : and fol of lecherie 
690 Proud and wemod and drinkare : and in wrath|>e al mest 

wod 

Hardi and lijt and stalewarde : and wakiare wel guod 
Ake euerech of f>eos foure elemenz : entempriez ofrnr iwis 
So |>at vnnefre In ani Man : any rij puyr maister is 
Ake jif f>ov nimst rijt puyr hot watur : and dost cold 

J>arto 

695 |>ov mijt it makien euene wlach : and entempri it so 
f>o ore louerd formest made man : he made him iwis 
Of alle foure Elemens : ase man jeot imad is 
j>o made he £e kuynde in eche manne : ase je mouwe 

iwite 

Bitwene Man and womman : of jwan we beoth bijite 
700 A swyj>e foul J)ing is J>at sed : of jwan Man is ispreind 
Bof>e Man and womman : to gadere huy beoth imeind 
Of jwyjt colour it bi ,leuez: ase it is iwrite 
Forto aboute f>e twelfte day : £at it was bi jite 

Formest f>are keniez f>arof: smale bollene f>reo 
705 Ake euerech hangez faste on o£ur : ho so it mijte iseo 
Of f>e hexte bolle comez J»t brayn : f>e heorte of f>ane 

amidde 

f>e liuere J>at is nehmest: heo comez of J>e J)ridde 
J>is beoth |>e £reo hexte limest: J»t formest ikenede beoz 
And In heom is al ane Mannes lijf: ase nou|>e iseoth 
710 f>are nis non of fmlke {>reo : J>at hadde any wounde 
f>at euereft mijte I held beo : to libbe anie stounde 
Aftur {>e twelf formeste dawes : |>at J>et sed hath jwijjtibeo 
Hit bicomez to a {>icke blöd : and chaungez al is bleo 
Hit f>ickez to Nye dawes : for to f>e on and twentyf>e day 
715 |>anne it tornez formest to flesch : ase [>e kuynde may 
Aftur eijte and twenti dawes : fourme it bigynnez to nyme 
So J>at In with fourti dawes : it haueth euerech lime 
And in lasse jif it is a knaue : for he is of more hete 
gwane J>e limes beoth formest imad : huy ne beoz noujt 

ful grete 

720 A smal weob it bicluppez al aboute : to holden it to ga¬ 
dere faste 

Fram f>at hit is formest ikened : forto hit beo ibore atf>e 

laste 

Al round it lith in f>e wombe : and ibouwed ase an 

hare 


693 Ms. rif st. rifi 708 limest si limes. 709 fehlt fe nach ase. 


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178 


Horstmann 


gwane f>at heo in fourme lith : for is. In. is sumdel nare 
Al Ibuyd f>e leggues beoz : it nolde nougt eiles feige 
725 f>e helene to f>e bottokes : £e kneuwene in eif)ur eige 
f>at heued is ibuid adoneward : £e Armes al with Inne 
f>e elbouwes rigt in f>e schere : J>e fastus to f>e chinne 
Al ibuyd is J>e rüg : so f>at neig round it is 
Man gwar of cometh fri pruyte : for f)are nis non iwis 
730 So heig J>ov makest £e bere : and to noman |>ou nelt 

abuye 

Loke hov crekede f>ov were |>are : and nouf>e to noman 

£ov nelt abuye 

ne migtest nougt J>o holde up f>in heued : ne enes 

ondo |>in eige 

Fra gwam cam it sethf>e £e : to beren f>in heued so heige 
Jif man him wolde bifjenche : and rigt him onderstonde 
7 35 He scholde beo meoke : and milde of heorte : and to noman 

habben onde 

In eche manne J>reo soulene beoth : ake nougt alle Iliche 

guode 

Ase ich seide eov er of f>reo bollene : gif ge it onderstode 
In f>e Nef>emeste bolle : |>at £e liuere deoth of springue 
|>are comez o manere soule : at £e biguynningue 
740 Ase it were a manere lijf: f>at sent norischingue 

To f>e limes al aboute : and biginnez in is wexingue 
So f>at ane mannes norischingue : and is wexingue also 
Of frulke fürste soule comez : and of |>e liuere |>er to 
|>ulke manere soule is : in ech wexinde f)ingue 
745 In treon and in gras also : huy ne migten nougt elles 

springue 

f>orug vertue of f)ulke soule : gwane it is f>erto ibrougt 
f>at mannes lymes ifourmede beoth : |>at f>are ne faillez 

nougt 

{>anne comez J>are In £e heorte : J)at f>e oJ>ur bolle was 
A soule f>at bringuz J)at lijf: £are it neuer er nas 
750 f>at child is f)anne quick anon : ake strencf>e nath it nougt 
Enes forto wawie him : are hit beo feorrore ibrougt 
Of f>ulke soule hath ech man : f>at he mai wawi an gon 
In is biguynningue and al is lijf: and is fif wittes ech on 
f>ulke soule hath ech f)ing : J>at vuel may ouer gp 


733 Ms. ursprünglich iram; m ist ausradirt. 734 u. 735 fehlen in 

Harl. 744 u. 745 fehlen in HarL 754 Harl. J>at mai vele o{>er go. • 


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Die Legende des. h. Michael nach Ms. Laud 108. 179 

755 Beet, and foul and fisch also : worm and of>ure mo 

f>eos 80 ule {>at bringüez f>at lijf: is ate heorte grounde 
{»arefore ho so is |>are i smyte : he deijez in luyte stounde 
j>eos soule comez of mannes cuynde : and f>e oJ>ere bifore 

also 

{»are fore jwane a mah deijez : huy deijez bof>e to 
760 geot {»re is {>e ftridde soule : {>at al heore maister is 

For jwane a child hath alle is limes : quike huy beoth iwis 
In {>e ende of f>e feor{>e monfte : £at it was bijite 
Of>ur sone {>ar aftur ward : ase we findez iwrite 

{>E cuynde f>at ore louerd made : and porueide also 
765 f>o he hadde Man formest Im ad : and in parays ido 

To myenge {>e kuynde of heuene • to mannes kuynde her 
And soule of witte and of liue : {»t is Aungelene ipier 
Heo comez fram {>e kuynde of Aimgles : and in f>is fourme 

alijt 

And miengez with {>is wrechche flesch : ase ore louerd it 

hath idi£t 

770 And makez f>e kuynde {>at nas eribotease abestonnefce 
{>e kuynde of aungles with him bere : forto he come to 

de{»e 

{»ulke soule nimth hire In : and bileuez iwis 
In {>e childes brayn an hei$ : {>at is hexte lime is 
{»ulke soule ilast euere : and ne dei^e neuere mo 
775 And went jwane a man schal dei^e : to weoleo{>ur to wo 
Al f>at man hath bifore a best: of>ur more resun can 
Al he it hath of {>ulke soule : jware f>oruj he is man 
And jwane man went out of {>is liue : {>ulke soule iwis 
Biguynnez departi fram f>e soule : {>e jwile he aliue is 
780 And wend ase heo hauez of serued : to Ioye o{>urtopine 
f>e soulene {>at hire ferene weren : beoth sone ibroujt 

to fyne 

{»ulke £at halt ane Mannes lijf : and stikez in {>e 

heorte 

gwane heo schal with f>e bodie : {>at in strong Anguy sehe 

deth smeorte 

£if he onderjit his felawe : to Joye fram him iwende 
785 {»are fore heo maketh signe of Joye : and deth as {>e 

Inende 

And heo deiez with f>e bodie : fair chere heo makez and 

softe 


756 ate, vgl. 475 ate laste; 381 aten ende. 762 Harl. of |>e fürste 
mon|>e. 379 soule st. bodi. 783 fehlt deife hinter bodie. 


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180 


Hoestmann 


And bilef |>at bodi in swych point : ase man may iseon 

wel ofte 

f>e eijene I closede faire inovj : J>e mouth of faire chere 
Ech lyme also faire istreijt: In guod poynt ase he were 
790 f>e frridde soule also jeot: £at deiez atfren ende 

f>at norischingue to al f>at bodi : ant to f>e limes deth 

sende 

He deth ane signe in f>e bodie : jif is felawe geth to 

guode 

And bilefth f>at bodi in fair hev : jwijjt of>ur red of 

blöde 

f>eos soulene deijez in a man : gwane f>e hete is al ido 
795 j>e rafmr £at he leost is breth : and wawejJngue also 
gwane huy iseoz heore felawe : to torment ibronjt 
Lufmr semblaunt huy makiez boJ>e : as it ne likede heom 

noujt 

And bileueth £at bodi in foule heowe : f>e eigene stare- 

Inde 

And f>e mouth of foul semblaunt: and ofte is grenninde 
800 Swuche signes {>at fereliche beoth : f>at man may ofte iseo 
Beoth signes £at f>e wrechche soule : in luf>ere weie beo 
Nov Jehu crist f>at us soule jaf: graunte us £at we hire 

moten so here rede 

803 {>at seint Mijhel hire mote afongue :find bifore to Joye 

lede. Amen. 

Münster, den 29. Juni 1872. 

Dr. Carl Horstmann. 

Docent an der Kgl. Akademie. 

779 Statt soule ist bodie zu lesen. 786 fehlt deife hinter bodie. 


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Li romans de Durmart le galois. 


181 


Li romans de Durmart le galois. 

Nach dem Mahle bestimmt Artus, gemäss dem Rate Jo- 
zefents, die Königin und die vom Mühlenschlosse unter Ge- 
lobung sicheren Geleites anher zu bescheiden , zum grossen 
Schrecken Nogants, der das Ende leicht absehen kann. Joze- 
fent selbst begibt sich nach Limeri, dies der Königin zu mel¬ 
den, die bereit ist, sich vor Artus zu rechtfertigen. Nur möge 
Jozefent warten, bis sie sich bereit gemacht habe. 

Sire, ne uos enuit noient 
Atendes moi, si uos agree 
Tant que ie me soie acesmee. 

Dame, fait li rois, uolentiers, 

Mais il n’est mie grans mestiers, 

De uos acesmer autrement, 

Car nul plus bei acesmement 
Ne poes auoir ne mostrer 
Que uostre bei uiaire der 
Et uostre gent cors auenant. 

Lors s’en est tomee riant 
La roine sens plus parier, 

Maintenant se fait acesmer 
Si cum a roine couient. 

So kommen sie an Artus Hof. Nogant wiederholt ihr 
ins Angesicht seine Anschuldigung, die Königin verteidigt sich 
würdevoll und legt folgendes Credo ab: 

279 r a] Or entendes, comment ie croi 

En deu que ie pas ne mescroi, 

Ie croi la sainte trinite 
Et si sai bien de uerite 
Que deus nasqui uirginelment 
Et prist baptesme disnement 
Et qu’il establi manage, 

Ce doiuent croire tuit*) li sage 
Et si morut en crois por nos 
Li sire(B) qui piez est et dos 
Et al tier[c] ior resuscita 
Et ses amis d’infer geta 

*) Msc. tot. 


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182 


Fokrster 


Par debonaire entention 
Et al ior de Tascention (fo) 

Monta en son ciel la amont 
Cil qui sire est de tot le mont 
Et cui on doit seruir pardroit 
Al ior de Penthecoste droit, 

Ses sains apostles assensa, 

Mout grant docor uers auz pensa 
Tot ce croi ie bien uraiement 
Et si uos di certainement 
Cant ie uoi le cors deu sacrer, 

Del cner le croi sens mespenser. 

En den ai tote ma creance, 

Sens engien et sens mescreance 
Et se li rois Artus mes sire 
Ne me croit de ce qu’il m’ot dire, 

Si face. i . grant fu alumer 
Et beneir et coniurer 
Et je irai parmi le f(e)u,*) 

Se deus qui tot tens iert et fu 
Me fait eschaper sauement, 

Dont sara om certainement 
Que ie me serai bien ostee 
De ce dont uos m’aues retee**) 

Et uos remanres, ce sacbies, 

En tel point com uos me iugies. 

Car qui par tort fait mal autrui 
Li malz doit reuertir sor lui. 

Ihre Unschuld ist klar am Tage. Artus ist nicht wenig gegen 
Nogant ergrimmt und will ihn für seinen Trug züchtigen. Nun 
trifft noch Durmart mit der tapfem Besatzung ein—er wird von 
Artus und Jozefent erkannt. Rührendes Wiedersehen zwischen 
Durmart und der Königin. Nogant wird, als er in dem frem¬ 
den Ritter Durmart, mit dem er bei Landoc bereits Bekannt¬ 
schaft gemacht hatte, erkennt, nicht recht wohl zu Mute und 
nun gar, als ihn dieser auf Leben und Tod fordert, entzieht 
er sich durch die Flucht aller Gefahr. Die Königin, deren 
Namen wir plötzlich unvermutet erfahren, die Königin* Fenise***) 
also begnadigt ihre abgefallenen Vasallen und, die Verdienste 
Durmarts würdigend, verspricht sie ihm jedes Geschenk, das er 

*) An andern Stellen ist wirklich fu geschrieben. 

**) Cod. restee. 

***) Also wie die Geliebte Cliges’. 


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Li roinans de Durmart le galois. 


183 


verlangen würde — pourtant com ie le puisse auoir. Worauf 
Dijrmart eine nach unsern Begriffen etwas zu langschweifige 
aber rhetorisch gut disponirte Liebeserklärung loslässt, die wir, 
sammt der kurzem Antwort zur charakterisirung der damaligen 
höfischen Anschauungen hieher setzen wollen, 
f 280 r c] Dame, fait il, uos aues dit 

Que iu arai sens contredit 
Tel don que ie auoir uorai. 

Uerites est et bien le sai 
Que uos me poes plus merir 
Que ie ne puisse deseruir 
Et se uos me uoles doner 
Tel don, com ie sarai rouer, 

Si haut don uos demanderai 
Que trop grant outrage ferai 
De demander si riche don. 

On le tenra a mesprison, 

Mais grans desirs et fors talens 
Font trespasser raison et sens. 

Tot afujssi iert [il] ia de moi: 

Ie uos demanderai par foi 
Le don que mes cuers plus desire, 

Grant paor ai de Tescondire. 

Dame, dones moi quitement 
' Tot uostre cors entierement 
Et uostre amor sens repentie, 

Si arai la plus bele amie 
Et la millor qui soit uiuans 
A tos iors mais serai ioians, 

Se ie puis si bial don auoir 
Je ne desir tant nul auoir 
Com le don que i’ai demande 
Et fine amors m’a comande 
A demander si hautement, 

Si ne le puis faire atrement 
Cant fine amors le me comande, 

Grans est li dons que ie demande 
Et se ie a cest don faloie 
Iamais atre don ne querroie, 

Ains aroie a tos biens failli, 

Douce dame, et se ie mesdi, 

Si en prendes le uengement 
Tot a uostre comandement. 

Dex doinst que ie n’aie parle 
Encontre uostre uolente; 


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184 


Foerstsb 


f280 v a 


Se bien uos plaist ce que Tai dit ; 
Certes, dont n’ai ie pas mesdit, 

Et s’il ne uos plaist bonement, 
Dont ai ie parle folement. 

Dame, tot a uostre plaisir 
Me poes ci faire tenir 
A bien fol u a bien sene. 

Se i’ai ce que i’ai demande, 

Lors dira on certainement 
Que par sens et par bardement 
Arai si riche don conquis 
Et comme sages le requis. 

Certes, et se ie fail al don, 

A fol parlier me tenra on, 

Li plusor diront par enuie 
Que ie requis trop grant folie. 

II auient quant . i . hom enprent 
Une chose hardiement, 

Se bien l’en uient, mout est loes, 

Si Ten mescbiet, si est blasmes. 

Tot en tel auenture sui 
D’auoir grant ioie u grant enui. 
I’arai le quel que uos uorres. 

Dame, merci, ne uo[s] ires, 

Se i’ai requis uostre amor fine. — 
Certes, fait la bele roine, 

Beauz doz amis, n’en dotes mie 
Cil doit bien auoir baute amie 
Qui bautement l’oze conquerre, 

Mais ne doit ba[u]te amor requerre 
Nus hom qui deseruir ne l’ose. 

Ne uos dotes de nule chose, 

Car uos n’aues de rien mesdit 
De cant que uos aues ci dit, 

Ains aues parle si a point 
Qu’il ne me desagree point 
Se uos aues m’amor requise, 

Uos l’aues bautement conquise, 

Si n’aues requis nul desroi; 

Uos estes fiex de riche roi 
Et ie sui par iferite fine 
Fille de roi et de roine, 

Se m’est auis, se bei uos senble, 
Que nos auenons bien ensenble, 

Et deus nos doinst si assenbler 
Qu’a tot le monde pui[s]t senbler 


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Li romans de Durmart le galoia. 


18Ö' 

Que bone soit nostre assenblee, 

Iamais ne soit de&assenblee 
Nostre compaignie a nul ior 

Wer weiss, wie lange noch die Königin ihre rhetorische 
Uebung fortgesetzt hätte, wenn nicht diesmal Kez mit seiner 
gewiss treffenden Bemerkung ihren Redestrom unterbrochen 
hätte: 

Or n’en faites plus lonc seior, 

Fait mes sire Kez en riant, 

Faisons les noces tot errant. 

Artus bestimmt die Hochzeit auf den kommenden Tag, 
worauf Kez die Bemerkung wagt: 

Dez quar fuissent il cochie ia 
En une chambre a recelee 
Loins de la gent une loee . . . 

Des andern Tages wird unter grossem Pomp die Königin 
unserm Helden angetraut. Nun schaltet der Dichter einen 
Excursus ein, der bezeichnende Schlaglichter auf die damaligen 
Anschauungen von der Ehe wirft und der unserm Dichter nur 
zur Ehre gereicht. 

280 v c] Li plusor blasment et reprendent 

Tos ceaz qui lor amies prendent, 

Mais ne sont pas d’amors sopris. 

Certes, n’en doit estre repris 

281 a] Fins amans qui s’amie prent. 

Ie di que eil qui l’en reprent 
A le euer felon et amer, 

Car fins amans doit plus amer 
La ioie qui li est donee 
Que celi qui li est prestee. 

Cil est en perilleuz dangier 
Qui s’amie n’a a moillier 
Car uns autres li puet tolir 
Et deuant lui prendre et saisir 
Et esposer deuant ses iez. 

Tuit*) li sage ameroient miez 
C’uns beaz auoirs lor fust dones 
Qu’il**) ior fuist par dangier prestes. 

*) Tot msc. 

**) Qui msc. 

Jfthrb. f. rom. u. engl. Lit. N. T. I. 13 


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186 


FoER8TEB 


Qui s’amie prent a moillier, 

H ne le nuet pas eslongier, 

Ains le prent por auoir tosdis 
Et si en uuet estre saisis 
Et sa ioie si affermer 
Qu’altre n’i puist nul droit clamer. 

Qui s’amie uoit deuant lui 
Baisier et acoler autrui 
Et faire trestos ses desduis, 

Ce li senble trop grans enuis, 

S’il aime bien de euer entier. 

Dont doit fins amans conuoitier 
Qu’il ait s’amie quitement 
En sa baillie fermement. 

Certes, fins amans n’est il mie 
Qui*) renfuse a prendre s’amie 
N’a amie nel**) tient il pas; 

Cant il ne li ne son solas 
Ne uuet prendre sens departir, 

Il n’en a mie grant desir. 

Tuit*** ****) ) eil qui font chiere d’amors 
Ne sentent mie les dolors . .. **♦*) 

D. wird zum König von Irland gekrönt. Es folgt die 
letzte Beschreibung eines Mahls, die wie in den homerischen 
Gesängen, auch in der franz. Epik einen so weiten Raum an¬ 
gewiesen hat; zum Schluss heisst es: 


281 r b] La ne fu mie ioie estainte, 

Car on i aporte en chantant 
Les mes qui sont bei et plaisant, 
Et apres mangier si carolent, 
D’amors et de ioie parolent, 

Li. i. uuelent oir chanter 
Et li alquant font uieler 
Harpes et gigues i sonerent 
Dames et puceles chanterent 
Mont fu bien la ioie esbaudie, 


*) Quil cod. 

**) Ne la, o. pic: ne le. Dieser Fall ist im Burguy übergangen. 

***) Tot cod. 

****) Cf. Cliges 6797 ff. De s’atnie a faite sa ferne, Mais il l’apele 
amie et dame, Ne porce Ne pert eie mie Qne il ne l’aint come s’amie. 


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Li romans de Durmart le galois. 

Lors funt iuer de plusors giez 
Iluec auoient bien lor liez 
Cil qui sauoient bien chanter 
V beaz mos dire u uieler. 

Adont estoient de grant pris 
Cil qui faisoient les beas dis 
Cil iert mout ames et mout sire 
Qui bien sauoit a cel tens dire 
Des hystoires et des chancons, 

A ceaz donoient les beaz dons. 

Or uoi errer et cheuacier 
Une uoide gent sens inestier 
Qui ne seuent raison mostrer 
Por coi on lor doiue doner. 

Li un dient ie sui al roi. 

Ie uois de toraoi en tornoi, 

Fait li altres qui ne set el 
Que tencier et braire a 1’ostel. 

Li un contrefont le sot sage 
Si sunt lor mot nice et uolage. 

Li autre font si le cortois 
Qu’il heent les amans des dois. 

Li un sunt de . c . contenances, 

Si contrefont autrui senblances 
Et li plusor portent paroles 
D’unes amors nices et foles. 

Por tant uuelent beaz dons auoir 
Et si quident asses ualoir. 

Cil qui set l’iure contrefaire 
Rueue maintenant robe uaire. 

Trop en uoi de fouz et de nices 
Cui on dontf beaz dons et riches, 

Mais li sage bien entendant 
Ne uont pas telz gens aleuant, 

Ains uos di que li cheualier 
Mal entendant et garconier 
Qui alieuent gent garconiere 
Por ce qu’il sunt de lor maniere. 
Chascuns aime gens a son fuer 
Selonc ce qu’il est de halt euer. 

Li sage aiment les entendans 
Et li nice les non sachans 
En cui il n’a sens ne bonte. .. 

El palais ot grant melodie 
De psalteres et de citoles. 

Quant finees sont les Caroles, 

13* 


187 


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188 


F0ER8TER 


Cel ior i ot asses donees 
Robes tranchies et coees 
Li bon menestreu de haut pris 
Orent palefrois et roncis 
Et beaz ioeaz et bons deniers. 

eine bezeichnende Stelle, auf die wir später zurückkommen. 

Die Art wie unser Dichter die Brautnacht schildert, ist 
nicht weniger für ihn bezeichnend und sticht stark von raffi- 
nirten Schilderungen, wie etwa im Parthenopez oder den der¬ 
ben in den Chansons de geste ab. 

281 r c] En un bial lit plaisant et gent 

S’est mes sire . D . cochies 
Lez s’amie ioians et lies, 

Li euesques de Limeri 
Segna lor lit et benei, 

Fors de la chambre tost s’en ist. 

Et mes sire . D . se gist 
Desoz . i . couertoir d’ermine 
Mout pres de la bele roine, 

Si uos di bien qu’il l’a sentue 
Entre ses bras suef et nue 
Et eie come de bon aire 

v Li soffri tos ses bons a faire, (cf. Erec 2077 ff.) 

Nach drei Tagen zieht Artus mit seinem Heere, reich be¬ 
schenkt, in seine Heimath zurück und D. herrscht in Frieden 
und Segen in seinem neuen Reiche, in stiller inniger Liebe 
zu seiner Gattin. Diesem ehelichen Glücke widmet der Dich¬ 
ter einige tief gefühlte Verse. 

Nach einiger Zeit begibt sich D. mit seiner Frau und 
seinem Vater nach Gales in die weisse Stadt, wo sie von seiner 
Mutter Andelise freudig begrüsst werden und unter dem Zu¬ 
strömen einer grossen Menschenmenge in die Stadt einziehen. 

Laiens sont les cloches sonees 
Par ces*) glises mout hautement, 

Les rues sunt plaines de gent 
Et si sunt bien encortinees 
De uerdes foillies ramees 

*) Dieser Gebrauch des Dem. ist in unserm Gedicht, wie in andern 
sehr häufig. 


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189 


Li romans de Durmart le galois. 

Et de porpres et de cendas*). 

D. herrscht gerecht und milde und hütet sich wohl, wie 
Erec, sich zu „verliegen“. 

Durement amoit sa moillier 
Mais il ne uot onques laissier 
Por li ne por sa compaignie 
Son pris ne sa chevalerie 
Dins maintenoit bien sa proece ... 

Li periceus as cuers laniers 
Cil enpirent por lor moilliers. 

Mais li Galois n’enpira mie 
De ce qu’il esposa s’amie. 

Uerites fu que mout l’ama, 

Mais ains por li ne seiorna 
Por tant qu’il quidast en l’errer 
Son pris auancier ne garder. 

Es ist dem menschlichen Herzen eingepflanzt, dass es, 
wenn der Mensch im höchsten ungetrübten Glück sich bewegt, 
ohne sich darob Rechenschaft geben zu können, ein unbe¬ 
stimmtes Bangen fühlt, eine Furcht vor einem plötzlichen Um¬ 
schlag, die dem Altertum bereits bekannt, sich am stärksten 
bei Herodot bis zur Ansicht von dem cpöövoc 0€ujv zuspitzte, 
die in der Geschichte des Croesus und Polycrates ihren Nach¬ 
klang tönen lässt, die im Miteialter manchen in die Wüste 
oder ins Kloster trieb h die ihren prägnanten Ausdruck in 
Guillaume d’Angleterre, der in deutscher Umbildung als 
Volksbuch noch fortlebt, fand. Unser Dichter widmet in 
seinem umfassenden Bilde damaliger Zeit und damaligen 
Lebens dieser Idee den Schluss seines Gedichtes, das zwar 
bei seiner ^Lösung* angekommen ist, jedoch in seinem An¬ 
fang bereits eine Verwicklung enthält, die eine eigene ,Lösung* 
verlangt. Diese wahrscheinlich alt keltische Sage, die wol 
mit der deutschen Julsage in Zusammenhang zu bringen ist, 
findet sich, freilich ganz äusserlich, mit der Idee der Entsüh¬ 
nung verbunden und erfährt eine künstliche allegorische Deu¬ 
tung, ein Beweis, dass damals schon das Verständnis der Sage 
geschwunden war. 


*) Cf. Chev. au lyon 2340 sq. Erec. 2322 sq. 


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190 Foemteb 

f. 282 r c] En sa bone cheualerie 

Et en sa plus grant seignorie 
S’est li rois J). porpenses 
Que par deu est il amontes . . . 

Bien uoit que totes les hauteces 
Et le beuban et les richeces 
Et tos les terrien8 solas 
Couient finer cest. i. trespas, 

Mais la ioie de paradis 
Icele durera to[s]dis . .. 

Li rois . D. a ce pensoit, 

Et tot ades l’en souenoit, 

Mout en a sa uie amendee. 

Mainte abeie a estoree 

282 v a] Et mainte haute chanesie ... 

Dabei aber hielt er einen königlichen Hof: 

. . bien quidoient li auquant 
Qu’il n’amast se le siede non, 

Mais sa plus grant entention 
Metoit en Jbesu Crist seruir. 

Deu et le siede uot tenir . .. 

Jetzt folgt abermals die merkwürdige Erscheinung, die er 
' am Anfang seiner Laufbahn* in einem Forste gehabt hatte. 

. J . ior estoit en boz ales 
Et o lui cheualier asses, 

Cel ior li plot mout a chacier. 

Tant que li soliaz dut cochier, 

Dure la chace et li desduis, 

Lors uient li uespres et la nuis, 

Et li rois D. s’oblia 
“ Si corut tant et cha et la, 

Qu’il perdi ses chiens et sa gent... 

Lors a deuant lui regarde, 

Si uoit une grande clarte, 

Si eiere qu’il s’en esbabist 
Vers la clarte li rois guenchist 
Et quant il uient desor . i. gaut, 

Lor uoit sor . s . grant arbre en haut 
Tant de chandelles atachies, 

282 v b] Si espessement arengies, 

Que nus ne les seust conter 
Et les plusors ardent si der 
Que li Galois s’en esmeruelle,' 


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Li romans de Durmart le galois. 


191 


Noire flanbe, inde et uermelle 
Les plusors chandoilles ietoient 
Et mout obscurement ardoient 
Et les autres qui cleres sont, 
Getent la flanbe contre mont, 
Droit uers le ciel si clerement 
Que li airs en luist et resplent. 
Li rois . D. qui tot ce uoit 
Desore les chandoilles droit 
Uoit . i . enfancon aparoir 
Qui si beas li senble a ueoir 
C’ains mais bealte ne regarda 
Si uolentiers com celi la 
Et de l’enfant li a senble 
Qu’il le uoit en . V . liez naure 
Et es . ij . mains et es .lj . pies 
Et deuers destre, ce sachies, 

Li seubloit el coste ferus, 

Si que li sans en coroit ius 
*Et se li senble en l’esgarder 
Que il uoit 1’enfancon tomer 
Les cleres chandelles a destre 
Et les autres deuers senestre 
Et lues apres s’enuanui 
Li enfecons et tot ausi 
S’enuanuirent les chandoilles 
Ausi comme cleres estoiles, 

Les unes contre mont lancierent 
Et les autres ius trebuchierent, 

Si giterent mout grant fumee. 
Cant la clartes est trespassee 
Tantost uint . i . si grans effrois 
Que il senble bien le Galois 
Que tos li boz soit deffroißsies, 
Dont s’est li rois . D . segnies. 
Lors li dist. i . uois Serie: 
Cheualiers, ne t’esmaie mie! 

Car quanque tu as ci ueu 
C’est depar deu le roi Jhesu, 
Mais ia a nul ior de ta uie 
Ne saras que ce signifle 
De ci adont que tu seras*) 

La ou tu te confesseras 


♦) Cod: saras. eine hier eingestreute burgundische Form. 


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192 


F0EB8TER 


Al saint aposto[i]le de Rome 
Qui done conse[i]l a maint home. 

A Rome, ce sachies sens dote, 

Est li chies de uostre loi tote, 

Dont est ce li plus hauz uoiages 
Et li plus hauz pelorinages 
Qui soit nul lieu, c’est uerites, 

Fors en la terre ou deus fu nez; 

La meismes tienent la gent 
La loi de Rome hautement. 

Sor tote la crestiente 
A Vapostoiles poeste, 

Car el lieu saint Piere est assis 
Sui les des a de paradis. 

Qe ta uues de Tenfant sauoir 
Et des* chandelles tot le uoir, 

D’aler a Rome t’aparelle, 

A laposto[i]le te conselle, 

Si croi ce que il te dira! 

Iamais ioie ne te faura, • 

Se tu tiens bien sa commandise, 

Menbre toi del ior del iuise 
La u li bon seront ioiant 
Et li mauais seront dolant 
Va t’ent de ci, pense de toi, 

D’or en auant ser le grant roi 
Qui tos les seruices merist. 

La uois se taist que plus ne dist 
Et li rois . D . s’en torna .. . 

Gleich darauf findet er seine Leute. Des andern Tages er¬ 
öffnet er seinen Eltern und seiner Frau den Entschluss nach 
Rom zu wallfahrten, wobei sich Jozefent sofort als Begleiter 
anbietet und rät, eine stattliche Zahl von Rittern und Knech¬ 
ten mitzunehmen, um ungefährdet durch die perilloj passages, 
kommen zu können. Phenise jammert so lange, bis Jozefent 
Andelise und Durmart seine Frau mitzunehmen sich ent- 
schliessen. 

L’on ne se doit pas menüliier 
Se nos nos moilliers i menons, 

Car bien sai que miez en ua[u]rons 
La u mestiers iert de ualoir. 

Warum, wird nicht gesagt. Zum Schluss wartet unser 


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Li romans de Durmarfc le galois. 193 

noch eine Ueberraschung, auf die schwerlich Jemand gefasst 
gewesen sein dürfte. 

283 r b] Tant cheuachent par lor iomees 

Que la eite de Rome uoient. 

En icel tens uenu estoient 
. iiy . roi paien deuant Rome 
Et plus de . iiij . c. mil[e] home*) 

Qui tuit**) haoient sainte glise, 

La eite auoient assise. 

N’i auoient que . ij . iors siz 
Mout s’effroient eil del pais. 

De cele auenture fu lies 
Li' rois . D ., bien le sachies, 

Et il et ses pere ensement, 

' Armer fisent tote lor gent 
Et lor batailles conreerent. 

Si uos di que il assenblerent 
As mescreans mont durement 
En l’onor deu omnipotent 
Se combatirent tot. i. ior 
Et tant soffrirent en l’estor 
Qu’il desconfirent les paiens 
Ce fu grans ioie as crestiens, 

Plus de . ij . liues chacierent, 

Par dedens le Toiure noierent 
Plus de . xx . mile mescreant 

Man glaubt plötzlich in eine Chanson de geste hineinge¬ 
raten zu sein. Einerseits mögen dieselben wirklich hier von 
Einfluss sein, andererseits die zu Lebzeiten des Dichters ge¬ 
haltenen Kreuzzüge zugleich eingewirkt haben.***) — Der 
Papst zieht in Prozession den Siegern entgegen und absolvirt 
sie vor ihren Sünden. Hierauf beichten erst die beiden Kö¬ 
nige und deren Frauen. In der Beichte erklärt der Papst die 


*) home ist trotz der gram. Abhängigkeit als Subjekt gedacht, cf. 
lat amplius quingenti erant. 

**) tot, M8C. 

***) Jedenfalls ist dieses Hereinziehen eines solchen Stoffes den 
Romans d’aventures fremd. Erst in den spätem Romanen des XIV. XV. 
Jhd., z. B. dem von der Heiaine, der Mutter Martins, spielen diese Züge 
eine noch bedeutsamere Rolle, als in den Chansons de geste. 


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194 


FoEB8TER 


befremdende Erscheinung: der Baum sei die Welt, die Kerzen 
die Menschen, die hell brennenden die gerechten, die andern 
die sündigen; das Kind sei der Christ, der da sondert die Gott¬ 
losen von den Gerechten, und der grosse Lärm schliesslich be¬ 
deute den Weltuntergang. 

Die Pilgrime kehren nach ihrer Heimat zurück, worauf 
D. nach Irland zieht. Hier regierte er in eines echten Königs 
würdiger Weise bis an sein Ende. 

Bei dieser Gelegenheit betont der Dichter in einer etwas 
verdächtigen Weise die largece des Königs, über deren Wert 
er sich in einer Art auslässt, die stark anRaoul de Houdenc er¬ 
innert, was um so mehr auffällt, da er bis jetzt in dieser Hinsicht 
sich sehr zurückhaltend gezeigt hatte. Er dürfte eben diesen 
für ihn nicht unwichtigen Punkt für die wirksamste Stelle sich 
aufbewahrt haben. Seiner Freigebigkeit allein verdanke er 
es, dass man nach seinem Tode noch seine Thaten erzähle, 
und die Dichter seien es, die Unsterblichkeit gewähren, ein 
Gedanke, den der Dichter schon früher einmal breit getreten 
hatte und der stark an horazische Stellen erinnert. 

Li bons rois Artus est fenis, 

Mais encore dure ses pris, 

Et de Charlemaine ensement 
Parolent encore la gent 
Et d’Alixandre, ce sauons, 

Dure encore li grans renons. 

De lor pris et de lor ualor 
Chantent et content li plusor 
Porce que de haute onor furent, 

Puis que lor non encore durent.. . 

Chascuns hauz hom se doit pener 
Qu’il puist en tel guise finer 
C’om doiue son non retenir. 

Cant il couient*) Tome finir 
Et ses nons muert ensenble o lui, 

Ie conte por noient celui. 

Or entendes a ma raison 
Roi et duc et conte et baron, 


*) Man beachte die bei couient regelmässige Constr. d Acc. c. Inf., 
wenn kein Pronomen dabeisteht. In diesem Fall steht sie seltener (cf. 
Besant 339. 2240. 3292 u. sonst), häufiger der Dativ. 


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Li romans de Durmart le galois. 


195 


Yos qui les grans terres tenes 
Et qui poure nie menes, 

Menbre uos des bons anciens 
Qui iadis fisent les grans biens, 

Dont il les grans bonors conquisent. 

Faites ausi, corae eil fisent 
Dont li grant bien sont raconte 
Souiegne uos de lor bonte, 

Soit renouelee et florie 
Et que par uos soit rensaucie 
Onors qui trop est abaissie.*) 

Car li auctors di st et li contes 
Que c’est damages et grans hontes**) 

De ce que li siecles enpire, 

A paines qu’en tot . i . empire, 

Puet om . 1 . riche home trouer 
Qui uelle le siecle amender. 

Moi est auis que trop mesfont 
De ce que si poi de bien font 
Li roi et li duc et li conte. 

Ci fine l’ystoire et li conte***) 

Mainte gent le prisent et loent 
Et mout uolentiers dire l’oent. 

Es folgt eine Anrufung Christi, eine reuocatio in inte¬ 
grum aller etwaigen Falles sündhaften Stellen und Bitte um 
die Aufnahme ins Paradies. Hierauf ein rubrum: Ci finist li 
romans de Durmart le Galois. — Explicit. — Ici apres com- 
mence li hystoires del saint Graal et comment il fu conquis 
et*v (unvollendet).****) 

Dies der Inhalt des gegen 14,000 Verse zählenden Romans, 
der zu den bedeutendsten seiner Art gehört und sich mit denen 
Chrestiens, den der Dichter stets vor Augen hat, messen lässt. Es 


*) Eine überaus harte Verbindung. Wir schlagen vor: 

Souiegne uos de lor bonte 
Et que par uos soit rensaucie 
Et renouelee et florie u. ff. 

Que hängt von Bouiegne ab. 

**) Häufig masc. bei den beiden Conde, so Baud VIII., 208. Jeh. 
XXIII. 431. 682. Gregor Dial. f. 1567. 

***) Auffällige Verletzung der Deklin.-Regel. 

****) Stengel besorgt für den lit. Verein in Stuttgart eine vollstän¬ 
dige Ausgabe unseres Gedichtes. 


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196 


Foerster 


ist zu verwundern, dass sich derselbe, so viel bekannt, nur in 
einer einzigen Handschrift erhalten und dass der Name des Hel¬ 
den, ngteines Wissens wenigstens durch kein etwaiges Citat be¬ 
kannt geworden ist. Dass die Fabel nicht die Erfindung des 
Dichters ist, erhellt einerseits aus der Sache selbst, andrer¬ 
seits aus der des öfteren vorkommenden Wendung li contes, 
o. li auctors nos dist, worunter eine Prosavorlage gemeint sein 
dürfte, endlich aus der am Ende stehenden Behauptung, dass 
diese Erzählung von vielen Leuten gepriesen und gewürdigt 
werde, es sei denn, dass diese Verse dem Kopisten nicht aber 
dem Dichter. zuzuschreiben seien, wofür jedoch kein innerer 
noch äusserer Grund sich Vorbringen lässt. Dass die Handschrift, 
in der sich unser Roman findet, nicht die Urschrift sei, er¬ 
hellt 1) aus dem Charakter des Msc. — es ist ein Missellan- 
codex, in seiner Gänze von nur zwei Händen geschrieben, 2) 
aus der Sprache des Stückes, indem der Dialekt des Kopisten 
ein anderer ist als der des Verfassers. Doch davon weiter un¬ 
ten. Wer ist der Dichter, wann und wo lebte er, was wissen 
wir von seinen Lebensverhältnissen? Unsere Antwort: wir 
wissen nichts davon. In folg. Versen: 
f. 283 v a] La tint sa cort li rois Durmars, 

Mout i dona de riches dons. 

Por uoir tesmoigne sauechons, 

Que bien auient o la proece 
Grant cortoisie et grant largece. 

kann Sauechons nur der verderbte Name des Autors für den 
zitirten Spruch, nicht aber unseres Gedichtes sein, entweder 
Sanechons statt Seneca oder sonst ein anderer Name (dans 
Catons). 

Was sein Alter betrifft, so ist durch das Msc., das der 
Mitte des XIH. Jahrhd. nach meiner Schätzung angehören 
dürfte, eine Schranke gesetzt. Beziehungen auf Zeitgenossen 
oder Zeitgeschichte habe ich vergebens gesucht; nur die eine 
ziemlich vagen Inhalts lässt sich anführen, wo von Bethlehem, 
oder in weitern Sinn vom heiligen Land gesagt wird: 

La meismes tienent la gent 
La loi de Rome hautement. 

Daraus kann man entnehmen, dass Jerusalem damals in den 
Händen der Christen war. Aeusserste Grenze wäre daher 1244, 


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Li romans de Durmart le galois. 


197 


in welchem Jahre Jerusalem auf immer verloren ging. Die 
Klagen am Ende des Gedichts, dass in einem ganzen Reiche 
kaum ein reicher Mann zu finden sei, qui uelle le siede 
amender, lassen sich freilich schwerlich auf die Lauheit, das 
Kreuz zu nehmen, beziehen — denn dann könnten wir zu 
einer Zeit emporsteigen, wo Jerusalem gefährdet oder verloren 
war; allein das Wort riche zwingt, die Stelle in Bezug auf den 
Dichter, d. h. auf die largece, von der er zuvor gesprochen, 
zu beziehen. Sonst ist nur noch £ 249 r 2) der Ausfall gegen 
etliche hohe Barone, die wir oben mitgetheilt haben, zu er¬ 
wähnen. Doch diese Beziehung können wir bei jeglichem 
Mangel irgend einer nähern Andeutung nicht verfolgen. Ein 
besseres Mittel, glaube ich, ist die Vergleichung mit andern 
Dichtem seiner Art, vor allem mit Chrestien de Troies und 
Raoul de Houdenc. Unser Dichter steht unbedingt ersterem 
näher, als letzterem, der bereits die höfische Kirnst im Verfall 
zeigt. Was bei Chrestien Schönheiten und Feinheiten waren, 
ist bei Raoul stark übertrieben und dabei macht sich ein Herein¬ 
ziehen der Allegorie in einer Art bemerkbar, von der beiun- 
serm Dichter ebenso wenig wie bei Chrestien nichts zu finden 
ist, wie sie aber bei spätem Dichtem, beispielsweise bei Baudoin 
de Conde zur Hauptsache wird. Dasselbe gilt von den Wort¬ 
spielereien, wovon Raoul Vengeance (wir betrachten Mussafias 
Zuweisung des Stückes für den 2. Theil wenigstens als ge¬ 
sichert) v. 4558—4568 ein hübsches Beispiel zeigt, wogegen 
eine ähnliche Stelle in unserm Dichter, die Spielerei mit senbler 
f 280 v a (oben mitgetheilt) durch ihr Masshalten vortheilhaft 
absticht. Auch diese Künstelei ist bei Baudoin bis an die 
Spitze getrieben. — Auch die sprachliche Seite rückt un¬ 
ser Gedicht näher an Chrestien, dessen Eleganz es freilich 
ebensowenig erreicht als seine kunstvolle Versifizirung. Hier 
müssen wir jedoch näher eingehen, um zu versuchen, ob wir 
nicht eine bes. dialektische Färbung bestimmen können, die uns 
ein Fingerzeig für die Landsmannschaft des Dichters sein 
könnte. Die Reime weisen uns auf den picardischen Dialekt; 
so reimt die lat. Endg. ilis mit osus in Folge der dem picar¬ 
dischen eigenthümlichen Behandlung der Endung ilis-ieus, auch 
iex oder iez geschrieben; daher reimt gentiex mit ententiex, 


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198 


Fobrsteb 


fiex (filius) mit diez (deus)u. liez (locus); in Folge dessen müssen 
die gelegentlich in der Mitte von Versen vorkommenden For¬ 
men: vieutes (vilitas) etc. nicht dem Kopisten, sondern dem 
Verfasser zugeschrieben werden. Wir merken hier gleich an, 
dass die Sprache im Allg. (von den Reimen abgesehen) durchaus 
kein picardisches Gepräge hat, daher der bekannte Unterschied 
in der Behandlung des c und 9 in der franz. Weise durchge¬ 
führt ist; freilich übersah der Kopist manches und liess hie und 
da Formen, wie depechier, lanche, douch, doche, achaindre mes- 
queance us£ stehen. 

Eine zweite Eigenthümlichkeit des picard. Dialektes be¬ 
steht in der Behandlung der Endsilbe aneus rom. anius, die 
sich in andern Dialekten bald in aigne, bald in ange gestaltet, 
während das pic. nur die erstere Form kennt; so finden wir 
denn immer nur Reime, wie compaigne; estraigne, f 285 v a 
gegen den Reim sogar estrange geschrieben; montaigne: 
estraigne, selbst in der Mitte von Versen haben sich einzelne 
Formen wie menchoigne, erhalten. 

Eine grosse Verwirrung herrscht aber in den Reimen, 
wo lat. ca usf. sich findet. Also Reime wie: auance: 
franche, chercie: drecie, biche: honisse, entechies: auancies, 
blanche: lance und contenance, boche: doche usf. ganz gewöhn¬ 
lich. Dies dürfte sich vielleicht durch die Annahme erklären 
lassen, dass der Dichter der Sprachgrenze des picard. und 
franz. Dialektes zuzuweisen sei. Aber echt picardisch sind die, 
wenn auch einzeln in der Mitte der Verse erhaltenen weib¬ 
lichen le f. la, was freilich auch dem Copisten zugeschrieben 
werden könnte, aber durch die Beachtung von Fällen, wie li 
aube, li escluse usw. wo die Silbenzahl der Prüfstein ist, wer¬ 
den wir aufs picard. geführt. Li oz f. 274 v a wollen wir nicht 
anführen, da bei diesem Worte das Geschlecht schwankt. 
Auch dem picard. gehörig ist die Accentverschiebung bei den 
Pari pas. fern, der Verba auf ier, also i 6 e=ie. So immer in 
unserm Gedicht: maisnie: auancie, compagnie: irfe usf. — 
Wir bemerken noch, dass die Declination fast durchweg ge¬ 
wahrt ist, wir haben sogar für die Zahl duo die Form doi, 
oder dui (Reim mit lui) für Mascul. und doz für Fern. Nom. 
— Die Elision des stummen e ist streng gewahrt, ich fand 


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Li romans de Durmart le galois. 199 

nur drei Ausnahmen, die auf Versehen beruhen müssen. Na¬ 
türlich ist Hiatus bei monosyllabis gestattet. 

Nun kommen dazu Formen wie chaus(=ceux) reim mit haus, 
trouomes seromes, ferner die Form pulent, die, wenn auch anderswo 
vorkommend, doch mit bes. Vorliebe in der Picardie gebraucht 
worden ist. Dann das Wort defois, eine männliche Ableitung 
von defendere, das mehrmals wiederkehrt, habe ich nur in 
picard. Denkmälern angetroffen. Picard, ist ferner: prendent: 
resplendent, die Erhaltung des lat. t in portet (sowol pörtat, 
als portatum), at (habet), pret (pratum), ent (inde) usf. 

Dem picard. direct widersprechende Reime habe ich in dem 
ganzen Gedichte nur folgende gefunden : auer (habere)*): re- 
courer und pais (pacem): mais (mensem), die völlig ver¬ 
einzelt dastehen und die wol die Folge einer stärkeren 
Textänderung sein mögen, denn unser Text muss auch durch 
norman. Hände gegangen sein, wie Formen wie sunt, funt, 
(faciunt), respunt zeigen; was freilich das einmal in der Mitte 
des Verses vorkommende estot bedeuten soll, ist schwer zu 
sagen, da dieses norm, nur esteit lautet. 

Wir möchten daher aus dem Gesagten die Vermuthung 
wagen, das Gedicht sei von einem Picarden, der aber an der 
Grenze des franz. Dialektes lebte, geschrieben, spätestens am 
Anfang des XIH., eher gegen das Ende des XH. Jahrhun¬ 
derts. Was die persönlichen Verhältnisse unsres Dich¬ 
ters anlangt, können wir aus den gelegentlichen Anspielungen, 
dann aus dem ganzen Tenor seines Gedichtes entnehmen, er 
sei ein Hofdichter gewesen, der ausschliesslich für höfische 
Kreise schrieb; freilich bleibt dann auffällig, dass das Gedicht 
keiner hohen Persönlichkeit gewidmet ist. Jedenfalls war er 
kein herumvagirender Menestrel, wie etwaRaoul; dies beweist 
sein bissiger Ausfall gegen dieselben; gleichwol führen seine 
starken Variationen über das Thema der Largece am Ende 
des Gedichtes nothgedrungen auf einen auf Gunst angewiesenen 
Hofdichter. Was seine Bildung betrifft, überrascht der gänz¬ 
liche Mangel von Beziehungen auf das class. Altertum, mit 
dessen Kenntniss die Schriftsteller so gern zu prunken pflegten. 


*) Die Stelle ist sicher verdorben. Es ist za lesen trouer. 


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200 


FOBESTIB 


Denn die Stelle überDarius hat er ans einem Alexanderroman, 
wie er denn am Ende dieses Helden Erwähnung thut. Aus 
letzter Stelle ersehen wir auch, dass die karlingischen Helden¬ 
gedichte damals noch in Ansehen standen und an den Höfen 
gehört wurden. Eine genaue Bekanntschaft zeigt der Dichter 
mit der Artussage, und ganz bes. mit den Chrestienschen 
Romanen und hält sich eng an die Tradition. Gauvain*) 
Kex, Percival, Lancelot etc. alle haben ihren herkömmlichen 
Charakter, nur die Königin Genivere ist ohne ihre gewöhnliche 
Makel im Tugendkleide vorgeführt. Dem Chrestien abgelauscht' 
sind die Monologe, die an sich selbt gestellten Fragen, das 
Spielen mit Antithesen und dgl. Man muss unserm Dichter 
das Zeugnis geben, dass er Mass zu halten verstanden. Dabei 
hat der Dichter, wiewol Kunstdichter, offenen Sinn für die 
Natur — wir folgern dies nicht aus den stereotypen Frühlings- 
beschreibungen, sondern aus einer Morgenbeschreibung, wo der 
Gegensatz zwischen der lachenden Natur und dem betrübten 
Durmart echt menschlich ist. Wenn wir nun nach der Wich 
tigkeit des Romans fragen, so liegt diese einerseits in der Be¬ 
reicherung für die Literatur, andererseits in der eminenten 
Wichtigkeit desselben für ein altfranz. Glossar, dem es manches 
Wort zuführt, das keines der bisherigen Glossare mitführt (was 
freilich bei dem Zustande derselben nicht viel sagen will), 
hauptsächlich aber in der Bedeutung für die Kulturgeschichte. 

Es ist eine ideale Verherrlichung des Rittertums, seiner 
Vorzüge, Tugenden, seiner Liebe, seiner Kurzweil, kein Mo¬ 
ment ist ausgelassen worden, so dass wir eine Art Encyclo- 
pädie desselben erhalten. Für den Dichter existirt nur der 
königliche Hof und das Ritterschloss (auch Chrestien war nur 
ausnahmsweise im Erec im Anfang niedergestiegen, und zu¬ 
dem ist der arme uauasor doch ein Ritter) — der vilain ist 
nur da, um einmal dem Helden den Weg zu weisen. Wir 
werden zum Turnier geführt, zum Ritterschlägen, in den ernst¬ 
haften Kampf; wir belagern eine Stadt, nachdem wir früher 
an Moriois die liebliche Schilderung des hier herrschenden 

*) Die Art, wie Gauvain mit dem Helden des Gedichts Freundschaft 
schliesst, erinnert stark an den Cliges. 


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Li romans de Durmart le galois. 


201 


Segens vernommen, dann gehen wir auf die Jagd, sehen den 
Falken steigen, die Hunde den Hirsch hetzen, und wenn wir 
ermüdet sind, setzen wir uns zu Tische, und gespeist und ge¬ 
tränkt ergötzen wir uns an Gesang und allerlei Spiel, — dann 
hören wir die zarten, süssen Worte der Liebe, sowohl der in¬ 
nigen wahren als der rein sinnlichen — unser Dichter, der 
wohl nicht ganz in Einklang mit seinen Zeitgenossen steht, 
lässt natürlich die erstere siegen und wir sehen aus der Apo¬ 
logie der Ehe und der wahrhaft ergreifenden Schilderung des 
Eheglückes, dass die epikureischen Maximen der jungen Sene- 
schalsfrau nicht die Ansicht des Dichters, sondern die seiner 
Zeit sind, gegen die er kluger Weise nicht mit einer Abhand¬ 
lung, sondern mit der ganzen Tendenz seines trotz der Länge 
doch nicht ermüdenden Romanes entgegentritt. 

Paris, Anfang December. 

Dr. W. Foerster. 


Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. I. 


14 


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Etymologisches. 

A. Guadiana. 

Dass die romanischen Sprachen mit unverkennbarer Vor¬ 
liebe dem Germanischen gerade solche Wortstämme entnom¬ 
men haben, die an altbekannte längst verwerthete und zu eigen¬ 
stem Besitze umgestempelte lateinische oder griechisch-lat. 
Wurzeln antönten; dass auf diese Weise, o,ft mit gleicher, oft 
mit ähnlicher, nur in feinen Nüancen abweichender Bedeutung 
eine deutsche Wurzel sich neben einer urverwandten latei¬ 
nischen fortentwickelte; dass dann und waim, wo die Gleich¬ 
artigkeit der Form es gestattete, beide in eins verschmolzen: 
all diese Grundprincipien romanischer Philologie, die in ihren 
Einzelerscheinungen oft schwer zu zerlegen sind, stets aber er¬ 
läuternden Einblick in die Schöpfungsgeschichte der rom. 
Sprachen gewähren, sind jetzt nichts Neues mehr. Wir kön¬ 
nen annehmen: das deutsche spehön sparon strechjan beffcn 
rostjan schernön tharrjan reffen hatjan sneitan gripan sturm 
und stall lebten nicht im it. spiare spar-agn-are strkcare [sehr 
üblich in der romagn. Mundart: striccä strecchä] beffare ar- 
rostire schemire , nicht im frz. tarir hdir suinier gripper , nicht 
in stormo und stallo fort, wenn dem Ohr und der Zunge der 
rom. Nationen die lat. Formen speculare parcere stringere 
baubari torrere carinare (s. D. W. I.) rapere odisse sudare 
arripere turma und stabulum nicht geläufig gewesen wären, 
[s. Max Müller: Deutsche Schattirung rom. Wörter in Kuhn 
V. und Caix: Saggio sulla storia della lingua e dei dialetti 
dltalia. Parma 72.] So hätten die rom. Völker umgekehrt 
nicht gerade das lat. laxare für sinere eingetauscht, wenn das 
deutsche „lassen" nicht dagewesen wäre. So stammt guider- 
done (it.) wohl vom ahd. widarlön, als zweites Element aber 


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Etymologisches. 


203 


setzte es an Stelle des fremden „Lohn“ das ihm vertraute do- 
num [s. Atzier: die germ. Eiern, im Frz. Coethen 67]. So 
schuf Italien neben brida aus ahd. brittil noch die vollere Form 
brettina mit deutlicher Anlehnung an retinae. So ging guaina 
(it.) aus vlat. vagina hervor, span, guapo aus vappus; beide je¬ 
doch unter deutschem Einflüsse. So klingen frz. guepe und 
guivre entschiedener an Wespe und wipera als an avispa und 
vipera an, so aspirirte das Frz. die lat. Formen altus und avena 
in Erinnerung an hoch und Hafer; so hat guastare dem lat. 
vastare und dem ahd. wastjan seine Herkunft zuzuschreiben, 
so verdankt das Ital. die Doppelform guado und vado dem 
doppelten Einflüsse der mächtigen Gegner. In vado bewahrten 
it. sp. port. sard. treu den lat. Stamm vad-, während das Deutsche 
wat watan im it. guado sguazzare, im cat. guau gual od. guan, 
im span, esguazo esguazar lebt. Das deutsche Element zeigt 
sich als Alleinherrscher im frz. gue, oder herrschte wenigstens 
so entschieden vor, dass es sich den lat Stoff assimilirt hat: 
der span. Sprache aber ist das deutsche Wort direct gar nicht 
überkommen, und auch in der dem prov.-cat. entlehnten Form 
esguazo ist es nie populär geworden, vielleicht weil sonst je¬ 
des der drei tongebenden Elemente des span. Idioms ihm einen 
in Form und Inhalt zu nahe verwandten Stoff zugeführt hätte, 
wenn das arabische Guad auch keine selbständige Rolle ge¬ 
spielt hat. 

Dem Einflüsse des Germanischen auf die rom. Sprachen 
ist schon eingehend und mit glücklichem Resultate nach¬ 
gespürt worden; wie überhaupt so erstrecken sich auch hier Spe¬ 
cialforschungen nur auf das frz. Gebiet. Das noch unbebaute 
Feld span. Sprachstudien wird auch hier reichhaltiges eigenar¬ 
tiges Material zu bieten im Stande sein, besonders in seinen 
nördlichen Dialekten, die vom arab. Einflüsse weniger berührt 
werden als der Süden, dafür aber von deutscher Rauhheit und 
Kraft mehr in sich aufzunehmen vermochten. Wir könnten 
es durch manches noch unerörterte Beispiel schon jetzt belegen, 
ziehen es jedoch vor erst den ganzen Stoff zu sammeln um 
aus der Zahl und Analogie der Beispiele für jeden einzelnen Fall 
die sichere Basis zu legen. Das oben genannte Wort (guadana) 
jedoch heben wir heraus, gerade weil es schon eine Stelle in dem 

14* 


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204 


Michaelis. 


Meister-Lehrbuch gefunden hat, das wir Romanisten keinen Tag 
aus der Hand lassen können und weil wir gern geneigt sind, 
ohne weiteres gut zu heissen, was aus der Feder des Führers 
geflossen ist: hier aber glauben wir ihm mit Recht zu wider¬ 
sprechen. Wahrer Ehrfurcht wird doch selbst Widerspruch 
verziehen? 

Im ersten Theile seines Etym. Wörterb. p. 226 mischt 
Diez unter die anerkannt aus dem deutschen weidanjan wei- 
danon gesflossenen. rom. Bezeichnungen für Ackergewinn Ge¬ 
winn das span. Wort guadana —Sichel 5 *'), dessen Bedeutung nur 
durch allzukühne Sprünge und ohne jedes Mittelglied an den 
feststehenden Sinn des frz. gagner it. guadagnare zu knüpfen 
ist. Das span. Verbum desguazar ein Stück Nutzholz mit der 
Axt grob behauen blieb Diez unbekannt; sonst hätte er sicher 
guad-ana Sichel an diesen Stamm „mit einem scharfen Instru¬ 
mente bearbeiten und beschneiden" »geschlossen, und hätte sei¬ 
ner Herleitung entsagt, in der ihn so aber folgende Stelle be¬ 
stärken musste: aus dem Tesoro des Covarrubias 7 der im rech¬ 
ten Rathen oft so glücklich ist. 

Guadana es una cuchilla falcada que puesta en un astil largo 
siegan con ella la yerba y el heno que se ha de encerrar para dar de 
comer ä los bueyes y ä las bestias el invierno despues de seca. „No 
alcanzo de do se pueda haber dicho sino es de la palabra toscana gua- 
dagno que vale ganancia,“ por ganar su vida algunos gabachos ä cortar 
el heno como otros a segar con las hoces los panes. 

Im Stamme guad oder guaz, welcher guadana nebst seinen 
selteneren Derivaten guadanero guadanil guadanar und des¬ 
guazar zu Grunde liegt, glauben wir die deutsche Wurzel hvas 
zu erkennen die sich in „ wetzen“ erhalten hat. Sie liegt vor 
im goth. Adverb, hvassaba von hvassa=scharf, das nach Grimm 
und Leo Meyer [s. Gothische Sprache. Nr. 41. 178 etc.] 
aus ursprünglichem hvatta hvatjan entstand; ags. hvettan; an. 
hvetja hvatta; ahd. hwazjan hwazzan, neben welchem schon 
Substantivbildungen wie ahd. hwas hwassa wassa wessa = ensis 
cuspis acies; nhd. wasse wesse = aculeus spiculum spina exi- 


*) Der Tod mit seiner guadana ist ein bei span. Dichtem oft wieder- 
kehrendes Bild. 


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Etymologisches. 


205 


stiren. [s. Diefenbach Lex. Indogerm. II hv. 7.] Die nahe Ver¬ 
wandtschaft des goth. mit dem lat. cos cotis Wetzstein und mit 
catus scharf schlau, ist klar, doch ist ihm nicht die mindeste 
Theilnehmerschaft an der Bildung der span. Form zuzuerken¬ 
nen. [s. auch Lottner's Verzeichniss der Wörter und Wurzeln 
die das Italische allein mit den nordischen Sprachen theilt in 
K. Z. Vn und XI p. 164.] 

Derselbe Wechsel zwischen Dentalen und Sibilanten, der 
in den germ. Formen vor sich geht, wiederholt sich in den 
besprochenen span. Worten guad guaz: hinreichende Analogien 
bieten schon die in diesen Zeilen erwähnten Wörter, das prov. 
it. u. span; guado esguazo esguazar sguazzare zu waten; das 
prov. cat. gazanhar (cat. auch guadagnar guaanyar guanyar) 
neben it. guadagnare; das cat. gazardon neben it. giuderdone. 
Die Herbeischaffung weiteren Materials ist also unnütz.— Und 
was das Suffix aha betrifft, so braucht es uns keine Schwierig¬ 
keit zu machen, da Diez selbst uns schützt, indem er an zwei 
verschiedenen Stellen, gerade auch von germ., einfachen Stäm¬ 
men, mit Hülfe des rom. Suffixes agn erweiterte Formen ab¬ 
leitet, oder die Möglichkeit ihrer Ableitung zugiebt [s. E. W. I 
unter guadagno u. taccagno, 8. auch Atzler p. 101.] Im 
übrigen aber intriguirt uns die unsichere Deutung dieses Suf¬ 
fixes das — von den einfachen Fällen abzusehen, in denen es 1) 
lat. aneus anea entspricht: castana calcanar 2) gr. avCa: mi- 
1 grana 3) lat. agine: probana neben provena i. e. propagine — 
stets an dunkle Stämme tritt, von denen der eine oder der an¬ 
dere sich vielleicht noch aus deutschen Ursprüngen am besten 
aus Verben auf—jan lösen Hesse. Dunkel sind cabana cucana 
magana marana (s. u. B.) madagana lagana pitana pargana.*) 

Wenn wir zu guadana noch guadijeno Dolch Stilett hin¬ 
zuziehen wollten, so Hesse sich formeU kaum etwas dagegen 
einwenden, doch machen ij sowohl als eho die Erklärung „in 


*) Dass hazana (alt faciana) sich auf facere zurückbeziehen sollte, 
wie Diez (Gr. II p. 347 u. 395) anzunehmen scheint, will uns nicht 
einleuchten.' Es gibt ein goth. hazjän loben preisen; hazeini Lob 
Loblied und das altspan, faciana bedeutet öfter noch als That eiteles 
Gerede und Gerücht, S. Alexandre. 767. — 


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206 


Michaelis. 


der Stadt Guadiz verfertigt“ glaubwürdiger. Sie sei hiermit 
versucht. 


B. Marana. 

In Pitr h: Canti popolari siciliani [Palermo 71] lesen wir 
auf p. 207 des ersten Bandes: 

mi ammaragni li rai di lu soli 
welches, inNoto übliche, Wort der Herausgeber durch oscurare 
erklärt. Doch scheint das interessante Wort seltenen Gebrauchs 
zu sein, da fortgesetztes Lesen es mir nicht zum zweiten Male 
vorführte und da auch Wentrup’s Darstellungen des sic. und 
neap. Dialektes es nicht erwähnen. Doch bieten die emilia- 
nischen Dialekte [s. Biondelli] maragna und marogna für bica, 
mucchio; maregna und marogna für Metallschlacke, die piemon- 
tesischen maröca für Brack. Das entsprechende it. marame ge¬ 
hört also auch hierher. 

Diesen Bildungen liegt eine Wurzel mar zu Grunde-, an' 
welche sich naturgemäss auch das sp. marana [enmaranar, port. 
maranha, maranhar enmaranhar] = Verwickelung Verwirrung, 
mit wildem Gesträuch und Heidekraut bewachsener Ort an- 
schliesst. Wenn nicht der Name des Entdeckers den Amazo¬ 
nenfluss Maranhäo getauft hat, so liegt es nahe den dunkelen 
Quellen des mächtigen Flusses auch diese Benennung zuzuschrei¬ 
ben. Analogien würden sich sehr zahlreich bieten. Wir wollen eine 
solche aus etwas entfernterem Gebiete greifen und nennen den 
Namen des gallischen Flusses Dubis [s. Zeuss-Ebel. Gr. Clt p. 
14 u. BacmeistePs Alemannische Wanderungen p. 110. Anm. 3]. 

In allen hier erwähnten Entwickelungen von mar ist Dun¬ 
kelheit Wirre und Unordnung die Hauptidee, und obwohl ihre 
engen Beziehungen zu der des Irrens Aergerns Grämens und 
Verfehlens nicht geleugnet werden können, so ist es doch genauer 
und sachgemässer marana von marrar frz. marrir it. smarrire 
d. h. vom goth. marzjan zu trennen, und die südital. und span. 
Wirrnisse und Dunkelheiten an das gr. fiavQog zu knüpfen: 
freilich mag dies nebst den stammverwandten a-^avQog apoQßog 
upokyog 1) mit slavisch. mrka [russ. mraku böhm. mrak] 2) 
mit goth. marzjan 3) mit altnord, myrkr, schwed. mörk dän. 
mark engl, mirk schliesslich aus einer Wurzel erwachsen 


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Etymologisches. 


207 


sein. Doch unterlassen wir es hier die Grenzen des rom. 
Sprachgebietes zu stark zu überschreiten und verweisen nur 
auf Curtius: Griech. Etym. 69 p. 516. — Leo Meyer in K. Z. 
Vni 363. — Lottner in K. Z. XI p. 164. — Kuhn in Bd. XV 
p. 240 und Diefenbach II M. 34. 

C. Esquerp. 

Zur Erläuterung der unter A gegebenen Andeutung: „das 
Catalanische ersetze oft durch deutsche Form was das Casti- 
lianische arabisch wiedergäbe," führen wir als ein sprechen¬ 
des Beispiel das oat. esquerp an, dem das cast. zahareno port. 
safaro (s. D. E. W. II b) entspricht. Denn esquerp , dit de las 
personas que tenen lo geni intractable, scheu, spröde insuavis 
durus aspcr ist nichts anderes als ahd. scarp scart=scharf, dem 
Graff durus und asper ganz wie Joaquin Esteve [Barcelona 30J 
seiner cat. Form gleichstellt. 

D. Mojigato, mogato. 

Das sprachliche Räthsel, welches auch die span. Bezeich¬ 
nung für Heuchler den Etymologen bisher aufgab, glauben 
wir ungezwungen lösen zu können. Auch der flüchtigste Blick 
muss sehen, dass von den beiden obenstehenden Formen mo¬ 
gato die spätere ist, und dass sie nur durch Zusammenziehung 
aus mojigato entstehen konnte wie hidalgo aus hijodalgo, cejunto 
aus cejijunto. Eine Special-Lösung des span, mogato, wie Covar- 
rubias sie versucht, ist also unnütz und würde es bleiben, selbst 
wenn sie mit glaubwürdigerem Scheine trügen könnte als der 
Versuch mogate Glasur Fayence mit mogato=mojigato zu 
identificiren. *) 


*) (s. Tesoroü 552: Mogate es nombre ar&bigo y sinifica cobertura 
o bano que cubre alguna coÄ, y asi particularmente llamamos mogate 
el vidriado basto y grosero con que los alfahareros cubren el barro de 
los platos y escudillas. Y porque algünas veces no cubre maß que sola 
la una haz se llam6 esta obra de medio mogate. Su raiz es mugati que 
en aräbigo vale cubierto 6 disimulado: y de alU llamaron mogatos y 
moxigatos d los disimulados. Neuerdings hat Joseph Müller noch ein¬ 
mal versucht die Fayence - Hülle thönener Töpfe mogate mit der Hülle 
der Heuchelei gleichzustellen, und mogato — woraus sich dann mojigato 


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208 


Michaelis. 


Der Gesammthabitus des Wortes, besonders der vermit¬ 
telnde Bindevocal i weist unverkennbar auf eine Zusammen¬ 
setzung, deren zweiter Theil keiner Deutung bedarf, da gato 
Katze in sich klar ist. Und auch der erste Theil ist durch¬ 
sichtig genug, denn moj ... kann nur mit miz mizo micho mit 
it. micia mucia, mit port. mi§a, mit bair. Mitz Mutz [s. Schmeller] 
aus der mittellat. Bezeichnung der Katze als Mausefänger hervor¬ 
gegangen sein. Mojigato entspräche also mehr oder minder ge¬ 
nau — je nachdem man im deutschen Mies eine selbstständige 
Neuschöpfung in Nachahmung des Naturlautes oder Verwandt¬ 
schaft mit dem eben berührten bair. Worte anerkennt 
— unserem populären Miesekatze. Das lat. musio dem sich 
span, moj ... (cat. mox und mix) näher und getreuer an- 
schliesst als das Simplex miz micho wird schon von Isidor in 
seinen Etymologien (XII 2.) erwähnt: „Musio appellatus quod 
muribus infestus sit“. 

Das Aneinanderfügen zweier Synonyma zum Zwecke kraft¬ 
vollerer lebendiger Vorstellung ist eins der Mittel, aus welchen 
der span. Sprachgeist sich einen so eigenartigen Stoff gewebt 
hat; kernige Prägnanz kann wohl Niemand den Doppelformen 
bobitonto bobibellaco carricoche artimana varapalo mendigarl- 
lote absprechen und schliesslich auch nicht der doppelten 
Katzennatur, die in mojigato steckt, und demgemäss ein 
heuchlerisches, scheinheiliges aber eben so oft ein wirklich 
kluges listiges Wesen bezeichnet [astutus callidus versutus]. 

- Den schlagendsten Beweis für unsere Erklärung bietet 
wie gewöhnlich das Dialektstudium, denn wenn in Aragonien 
eine kluge Heuchlerin (mujer redomada mojigata! hipocrita) 
den Namen gatamusa trägt, so dürfen wir wohl hierin eine 
Bestätigung der cast. Form-Erklärung sehen*). 


erweitert hätte! — vom arab. ^ia£ raata bedecken, abzuleiten, weil 
Pedro de Alcalä einmal das span, caratulado, mit einer Maske versehen 
durch mit bedektem Gesichte, übersetzt, [s. Sitzungsber. d. 

Münchener Akad. II 2. p. 110.] 

*) S. Borao. Diccionario de Voces Aragonesas. Zaragoza 69. — 
Ob nicht auch Scheler’s und Brachet’s Erklärung des frz. chattemite als 
catta mitis einer Analogie zu unserem span. Worte Plate machen darf? 


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Etymologisches. 


209 


E. Cohete. 

Das catalanische Wort cuet bedeutet Schwärmer, Rakete 
und ist als eine Zusammenziehung des span, gleichbedeutenden 
cohete anzusehen. Dies entstand, durch Metathesis und mit 
verstärktem Anlaut aus foguete Diminutiv von fuego = focus. 
Die Heimat des Wortes muss Portugal sein, denn hier ist es 
seiner echten Gestalt ( foguete) treu geblieben, den ursprünglich 
concreten Sinn aber hat es zum Abstractum erweitert; so dass 
foguete den Feuerschwärmer und einen harten Verweis, eine 
Strafpredigt, fogueteiro einen unbesonnenen, aufbrausenden 
Menschen bezeichnet. 


F. Carcoma. 

Diez.E. W. II b. sagt: „Carcomer sp. pg. anfressen (vom 
Holzwurm); carcoma Wurmfrass, Holzwurm; zsgs. aus caro 
Fleisch, innerer Theil des Baumes, und comedere. So schon 
Covarrubias “ Ein Compositum in dessen erstem Gliede cnr 
Fleisch bedeuten soll, stellt Diez noch einmal für das Rom. 
auf und beide Fälle mögen einander zur Stütze gedient haben. 
S. unten carcaj. — Uns hat der Zweifel am einen auch den 
Glauben an den anderen erschüttert, und wenn die hier ge¬ 
sammelten Thatsachen auch noch nicht genügen, um den neuen 
Gesichtspunkt, unter den wir carcoma stellen möchten, als 
den richtigen zu erweisen, so genügen sie doch um den 
Zweifel an der Zulänglichkeit der alten Erklärung zur Gewiss¬ 
heit zu machen. 

Unsere neue Hypothese ist folgende. Sämmtliche span 
port. cat. arag. Bezeichnungen für die am Korne am Holze 
oder am thierischen Körper nagende Krebskrankheit gehen auf 
eine Wurzel carc corc zurück, die im griech. xagx-ivog vorliegt, 
sich im Lat. erstens zu canc modificirt hat, zweitens aber in 
curc-ulio gurg-ulio den r=Laut bewahrt hat. Für das Rom. we¬ 
nigstens lässt sich das Neben- und Durcheinander von canc 
und carc und corc nicht leugnen. 

I. canc. Das lat. caneer Krebs ist ins Span, und Port, 
übergegangen, freilich mit der Nebenform cancro, an welche 
sich das span. Diminutivum cangrejo pg. carangueijo und das 


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210 


Michaelis. 


in catalanischer Weise verkürzte cranc schliesst. Das lat. can- 
cerotna cancroma haben die Idiome der iberischen Halbinsel 
verloren, wenn nicht etwa die port. Benennung des Tucan- 
vogels (Holzschnäbler, Löffler = cancroma) auf eine uns unbe¬ 
kannte zerstörende Thätigkeit dieses Thieres weist. 

II. carc. Canceroma hat das port. in seiner griechisch¬ 
lateinischen Form carcinoma (xa^xtvcogcc) bewahrt: als Krebs¬ 
schaden. Um den nagenden Wurmfrass am Holze zu bezeich¬ 
nen, bedient es sich, wie das Spanische, der aus dem nimmer 
müden Dissimilationstriebe erstandenen kürzen Form carcoma; 
carc zeigt sich ausserdem noch im span, carcino, lat. carcinos 
gr. xaQXivog. 

III. corc. A und o wechseln sp. pg cat. häufig miteinander, 
gewöhnlich so, dass a das ursprünglichere ist. Daher ist es 
wenig überraschend, wenn im port. neben carcoma auch cor- 
coma vorkommt; weit wichtiger ist, dass im Cat. einfaches 
corc dem sp. carcoma entspricht, dem sich arag. corca an- 
schliesst; dass dieses corc 1) Holzwurm, 2) Korn wurm .sein 
kann; und dass wir so ein Bindeglied zwischen cancer cancro 
carcino und gorgojo pg. gurgulho lat. gurgulio und curculio ge¬ 
funden haben. *) — Dem span, carcomer, carcomido entspricht 
also cat. arag. corcar -se corcat. 

In welchem Verhältnisse zu den betreffenden Formen das 
pg. caruncho (carunculus ?) carugem — carcoma; und das sp. 
carcuezo abgezehrt, steht, ist mir noch nicht klar. 

G. Guit. 

Gnit guito böse böswillig, ein in Aragonien und Cata- 
lonien besonders zur Betitelung störrischer Maulthiere gebrauchtes 
Wort, stimmt auf das beste mit dem echt baskischen Worte 
gait gaitz gaist überein, das denselben Begriff, nur in dem 
ganz allgemeinen Sinne „schlecht“, repräsentirt. Ableitungen 
davon sind: gaitz-tu = schlecht werden; gaist-atcea dasselbe; 
gaitc-eztea hassen; gaisto-queria Bosheit, gaitz Krankheit, gaizki 
Tadel; fida-gaitza misstrauisch, gaiz*guitea schaden. 

*) Corculio 8. Scbuchardt. II 170. 


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Etymologisches. 


211 


H. Feligres. 

Das span. „Pfarrkind“ erklärt Diez E. W. II b als filius 
gregis, Cabrera dagegen als filius ecclesiae, und diesem letz¬ 
teren müssen wir wohl beistimmen, da er naehweist, dass diese 
Bezeichnung im Mittelalter stehender Terminus war. Er führt 
zahlreiche Beweise dafür an; z. B. aus dem 13ten Canon des 
concilium tarraconense (516) aus dem 3ten Cap. (n. 4) des 
concilium coyacense. „Doceant autem clerici filios ecclesiae ut 
symbolum et orationem Dominicam memoriter teneant.“ (1050) 
u. s. fort. 


J. Carämbano. 

Auf die verschiedenartigsten Dinge, welche rohrähnliche 
Gestalt an sich tragen, hat, unserer Meinung nach, der Spanier 
den Namen calamus übertragen: und caramel Sardelle, cara- 
mdo Zuckerstangen von Mandelteig, caramiello ein asturisclier 
Hut, caramillo Schalmei, encaramarse sich in die Höhe richten, 
erheben, haben ihren gemeinsamen Ausgangspunkt in cälamo. 
Wenn wir nun die pg. Bezeichnungen des Eiszapfens=cara- 
mello carambano carambina, die cat. caramell calamaco oder 
calamoco im Hinblick auf die Gestalt desselben ins Auge fas¬ 
sen, das b im §pan.-port. aber an ähnlichen Erscheinungen 
als gewöhnlichen Einschub nach m kennen, so könnte uns 
nur noch der daktylische Accent in carambano daran hindern, 
auch dies Wort zu den Verzweigungen von calamus zu stellen. 
Gerade die Endung ano aber finden wir (mit alo aro) an 
einer so unverhältnissmässig grossen Zahl daktylisch betonter 
Wörter, dass eine Accentversetzung, die hier übrigens noth- 
wendig war, im Anklange an ledano medano tetano tuetano 
trästano trepano zangano täbano (s. it. tafäno) tängano räbano 
azötano ärgano (cat. arga) büzano (nb. buz) nicht auffällig ist. 
Die Vorliebe für diese Endung documentirt das Span, be¬ 
sonders in cöfano aus cophinus, sötano von soto (subtus), 
almiiedano vom arab. muezzin! 

K. Bizzeffe. 

Zu unserem früheren Artikel über bizzeffe (Jahrb. IX 291) 
bietet neues Material: Liebrecht. Uebers. d. Pentamerone von 


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212 


Michaelis. 


Basile, und Caix. Saggio sulla storia della lingua e dei dia- 
letti d’Italia. (p. 92.) 

In Erinnerung an Herrn Schuchardts freundliche und 
ehrenvolle Entgegnung möge er uns erlauben ihm diese Ar¬ 
beit — herzlich grüssend — zuzueignen. Den Gruss begleite 
ein kleines Gastgeschenk. 

Schuchardt: Vulgärlatein III p. 207. — Diez: E. W. I unter toso. 
— Curtius: Gr. Etym. p. 142. — Curtius: Studien I 250. 52. 54. — 
Pentamerone v. Basile etc. Liebrecht p. 254. — Pitrö: Canti Pop. Sic. 
p. 216 Nr. 65. 

L. Die romanischen Bezeichnungen des Köchers. 

Das reiche und vielfarbige Nebeneinander der Stämme, 
welche die romanischen Sprachen zur Bezeichnung des Köchers 
verwenden, das Uebergreifen verwandter Begriffe in das dem 
Köcher zugehörige Formengebiet und das scheinbar verwandter 
Formen in seine enge Begriffswelt schien uns einer Unter¬ 
suchung werth, deren g Substrat wir hier bieten, so kurz der An¬ 
spruch möglichster Vollständigkeit es gestatten will. 

Schon von vorn herein muss die erste Rundschau befrem¬ 
den. Sie zeigt, dass gerade das Wort, welches im Griechischen 
und Lateinischen der Hauptträger des Begriffes „Köcher“ war, 
dass das volltönende qpapftpa pharetra in den Tochtersprachen 
verloren ging. Hingegen ein schon im Griech. vereinzelt dastehen¬ 
des Wort, das neben dem beliebteren — weil aus einem le¬ 
benskräftigen Stammverbum erwachsenen — Nebenbuhler eine 
magere Existenz fristete und das im Lat. noch sparsamer ver¬ 
wendet ward, hat sich nach Spanien und Portugal in die ört¬ 
lich entlegensten der rom. Sprachen geflüchtet: wir meinen 
ycDQvrog. Dort hat es seine Stelle bewahrt, obwohl Arabien 
der span. Provinz den einfachen, jetzt unter allen Köchernamen 
die erste Rolle spielenden Terminus äljaba zuführte. So wie 
nun Spanien und Portugal diesen doppelten Specialbesitz, so 
kann Frankreich hier wie so oft den eines deutschen Stammes 
aufweisen, der im vorliegenden Falle in quivre oder couire nur 
eine vorübergehende Herrschaft ausüben konnte. Italien be¬ 
wahrte, freilich nur als dichterischen Kunstterminus das lat. 
pharetra: was über seinen Verlust gesagt ist, kann also hier- 


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Etymologisches. 


213 


durch kaum beeinträchtigt werden. Den drei grossen Schwester¬ 
sprachen gemein ist nur ein Ausdruck und zwar eine freie 
volkstümliche Schöpfung, wie wir zunächst mit Diez anneh¬ 
men, das it. carcasso frz. carquois sp.-port. carcaj. Seinen eige¬ 
nen Weg ging das Wallachische, indem es den griechischen 
Bechernamen xovna cupa in Hinsicht auf die Gestalt des Köchers 
mit dem Neugriech. auf diesen übertrug, neben kumpure aber 
das slavische tulbc aufhahm. 

Wenn wir nun noch das altfr. tarquois, das it. turcasso, 
das span, linjavera, das cat. buyrach hinzunehmen, so liegt 
die Fülle der verschiedenen Bezeichnungen vor uns, die sich 
leider zum grössten Theil in tiefes etymologisches Dunkel 
hüllen. Und die Versuche und Bemühungen, volles Licht 
hineinströmen zu lassen, haben uns nicht ganz gelingen wollen: 
das Material aber haben wir ziemlich vollständig gesammelt 
und geordnet*, und da vom Schichten und Sichten das Lichten sich 
niemals ganz trennen will, so haben wir auch an manchen Stellen 
die rechte Klarheit gefunden. Die Ausführlichkeit dieser ety¬ 
mologischen Untersuchungen aber gibt Andern vielleicht die 
Möglichkeit einer letzten glücklichen Aufklärung, die wir nach 
vergeblichem Suchen gern aus anderem Munde hören werden. 

Goldre — couire — carcaj — tarquois 
und in ihrem Gefolge 

ycjQvxog — Köcher — xovxovqov — kimpure 
tulbe, — xaQxijaiov — xaQxdöiov 
— turcasia — axQccxxog — tarkus 
wollen wir in ihren Elementen und in ihrer Zusammengehörig¬ 
keit aus dem Labyrinthe herauszulösen versuchen, in welches 
die Dauer der Zeit und die Zahl der aufnehmenden, umarbei¬ 
tenden und weitersendenden Nationen und Etymologen sie ver¬ 
wickelt haben. 


1 . Goldre . 

Wir können die erste der rom. Bezeichnungen für den 
Köcher nicht erwähnen, ohne vorher noch einmal zu fragen, 
weshalb die Romanen pharetra einbüssen mussten: und finden 
die richtige Antwort wohl erstens darin, dass Stämme, deren 
Form sich wenig zu weiterer Neubildung eignete, absterben 


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214 


Michaelis. 


mussten, dass demnach fero tragen, einmal wegen seiner Kürze 
und dann wegen seiner Collision mit ferio verwunden, unter¬ 
gehen musste. Mit ihm aber gingen die in Form und Sinn 
nächststehenden Derivaten für das Volk verloren. Zweitens hat¬ 
ten die neuen Sprachen dennoch den Versuch gemacht, sich 
des nahe verwandten feretrum zu bemächtigen, mit dem pharetra 
in eben so heftige Collision wie fero mit ferio gerathen wäre. 
Das Lat. selbst mischte schon beide Formen unter einander 
wie die von Schuchardt vol. I p. 207 nachgewiesenen Schrei¬ 
bungen pharetrum und pheretrum für feretrum beweisen. Alt- 
frz. existirt fiertre als Todtenbahre und Heiligenschrein; Italien 
und Spanien haben feretro dichterisch bewahrt, die Volks¬ 
sprache aber gab es frühe auf. Das Span, und mit ihm Süd- 
Italien ersetzte es reichlich durch das arab. ataud [sic. tabbutu 
s. Pitre I p. 23], ferner aber durch kernigere Bezeichnungen 
wie arcaza andas lechiga andarillas escaüo (arag.); das It. 
setzte an seine Stelle das deutsche bara, freilich ohne zu ahnen, 
dass es den griechisch-lateinischen Repräsentanten des indo¬ 
germanischen bhar— tragen nur aufgab, um dieselbe Münze zu 
germanischem Eigentum umgeprägt dafür einzutauschen. Das¬ 
selbe geschah in Frankreich durch bar bard biere. Seltsam 
lebt das von den rom. Sprachen verworfene feretrum im bre- 
ton. feirtre fort. [s. Diefenbach I. B. 6.] 

Pharetra aber war unrettbar verloren, obwohl griechisch 
und lat. sein Uebergewiclit über corytus unbestreitbar ist: so 
kehrt z. B. im 21ten Buche der Odyssee pharetra vier bis 
fünf Mal wieder ehe wir einmal yaQvtos hören: das einzige 
Mal wo Homer es überhaupt gebraucht. Sein vereinzeltes 
Auftreten auf hispanischem Gebiet ist daher überraschend, doch 
vermögen wir, wie Diez nach Covarrubias und Cabrera, dem 
span, goldre kein anderes Etymon abzugewinnen. 

S. Covarrubias: Tesoro II 440 goldre: aljaba donde se 
llevan las flechas = coritus. 

Cabrera. Dicc. de Etim. II 336 goldre: aljaba carcaj. Vino 
de corytus. 

Diez E. W. n b schreibt corythus. 

Keiner unserer Vorarbeiter auf diesem Theile des Köcher* 
gebietes erwähnt den griech. Ursprung oder die griech. Form des 


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Etymologisches. 


215 


lat. Wortes, dessen gewöhnliche Schreibung cöryt(h)os cöryt(h)us 
von Koch in seinem Virgillexikon geradezu als fehlerhaft bezeich¬ 
net und durch' görytus ersetzt wird. Sonst wäre es uns gewiss 
nicht aufgespart worden, folgende Randglosse anzubringen: 

Nicht nur bei Klotz sondern auch bei Freund und For- 
cellini wird cörytus wohl durch Tradition! mit der in Paren¬ 
these stehenden griech. Form xmQvtog versehen. Eine solche 
aber existirt nicht, auch nicht im Thesaurus, muss also wohl 
von dem ältesten der drei Lexikographen aus dem homerischen 
yagwog verderbt sein. Nach dem Ausweis des Thesaurus 
kommt dieses seltene Wort fast nur bei Dichtern, Glossatoren, 
und Grammatikern vor, welche letzteren auch die Nebenform 
Xcoqvtos kennen; yoQvrog bietet uns nur Hesychius, doch ist 
diese Form nicht ganz unwichtig für die Ueberleitung ins La¬ 
teinische. Bei lat. Dichtern nun ist corythos, das Forcellini 
mit den handschriftlichen Nebenformen corythus coritus cho- 
rytus gorytus ausstattet, nicht eben selten, scheint aber im ^ 
Mittelalter wie ausgestorben, was durch die Existenz der da¬ 
mals entstandenen cucurum und turcasia erklärt wird [s. un¬ 
ten.] — Du Cange kennt es in keiner Form. [Gloss. Med. 
Lat.]. Das Griechische jedoch hat es bis in das späteste Mit¬ 
telalter gerettet, denn noch Nicetas^ kennt es, wie Du Cange 
[Gloss. Med. Graec.] unter xovtcovqov , nicht in besonderem Ar¬ 
tikel, nachweist, und wie die alte Ausgabe des Nicetas, die wir 
benutzen konnten, bestätigt: nur dass auch hier die Schreibarten 
variiren; Du Cange schreibt yoQvftog, und Hieron. Wolf (Ba¬ 
sel 1557) yagvrog. 

Wenn es sich nun darum handelte, dem Wege des Wortes, 
das uns zum ersten Mal aus dem Munde Homers entgentönt, von 
den Gestaden Joniens bis nach Spanien nachzuspüren, so könn¬ 
ten — da Sidonius Appollinaris aus Lugdunum es kennt — 
die Bewohner Phocäas es nach dem „Dreisprachigen a Massilia 
gebracht haben, ein Markt, auf dem noch heute mit Hülfe 
der lingua franca Waaren und Worte ausgetauscht werden. 
Sidonius ist auch der einzige, der corythus in den beiden ersten 
Sylben verkürzt, während alle anderen Stellen es mit einem 
Spondäus beginnen lassen, dochthat er dies wohl kaum „inepte a , 
wie Stephanus will, sondern nach analogen Vorgängen der 


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216 


Michaelis. 


Volkssprache, ob er gleich das Wort seinen dichterischen 
Vorbildern entnehmen mochte. 

Und dass die Wege der Worte oft dunkel und seltsam 
sind, ist den Sprachkundigen nur zu bekannt! Wer erinnerte 
sich hier nicht an Gudruns galine (yafojvr)), zu .dem Hilde¬ 
brand in der Z. für d. Phil. II 475 ähnliche Bemerkungen 
macht! Wer dächte nicht an das vulgärlat. und rom. tabanus 
dem nur Sanscrit tapanas entspricht! [S. Ascoli in K. Z. XII 
436.] Und kaum ist es weniger seltsam, dass griech. %okoCitog 
im frz. clop [s. Diez IIc.), dass £a)ftdg kaitr\ und xoQfiog 

im span, zumo nema lapa corma fortleben, dass das provinciell 
aragonische brasmar tempestad, risa demasiada 6 ruido das 
griech. ßQaö^a aufbewahrt hat. (Borao. Dicc. 59.] 

Ein lautliches Hinderniss steht dem Uebergang von cory- 
thus in span, goldre port. coldre nicht entgegen. Von dakty¬ 
lisch betontem cörythus ausgehend, war Ausfall des tonlosen 
Vocals nothwendig, die Erweichung der Tenues in die ent¬ 
sprechenden Medien nichts als die einfachste Bethätigung der 
romanischen Lautverschiebung. Im Anlaut begünstigt das 
Span, überhaupt die weichen Consonanten: so finden wir lat. 
coactus als gacho; cureulio als gorgojo; camella als gamella; 
creb. .. . (cribrum) als garbiliar; curvus als gurvio; aquilina als 
guilena; cossus als gusano. Und die Einschiebung des r im 
Auslaut, die allenfalls noch fraglich sein konnte, mögen fol¬ 
gende Beispiele als eine im Span, ganz gewöhnliche Erschei¬ 
nung feststellen: 
r eingeschoben 

nach 
nach 
nach 


nach 


b: calibre (Ja*l3==qalib) 
alubre (alt) aliubi 
c. lacra (ndtsch. laeke) 
lacre (dtsch. lack) 
t: lastre (ahd. hlast) 
fieltro (ahd. feit) 
adelantre alt für adelante 
registro (regestum) 

riatre ) (te8tii > 
d: landre (glans) 


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Zn „The Harrowing of Hell“. 


217 


liendre (lens) 
rodrig-on (ridica) 
gueldre (Geld) 
ledro (ahd. leid) 
jaldre aus jaldo (galbinus) 
baldre aus balde 
barandra ub. baranda 
poncidre ub. poncil. 

Goldre ist also dem griechischen ycapvrog gleichzusetzen. 

(Fortsetzung folgt.) 


Zu „The Harrowing of Hell“. 

Herr Dr. Wülcker hat in seiner jüngst erschienenen Schrift 
„Das Evangelium Nicodemi in der abendländischen Literatur“ 
Veranlassung genommen, in einem Excurse S. 76 ff. gegen 
mein Verfahren bei Herausgabe der Dramas „the Harrowing of 
Hell“ zu polemisieren, in der Absicht, darzuthun, 0 sei die 
beste Hs., nicht L, und ich hätte deshalb bei meiner Ausgabe 
jene, nicht diese, zu Grunde legen sollen. Ton und Art seiner 
Polemik zu charakterisieren, unterlasse ich, da der Leser sich 
aus dem Folgenden selbst sein Urtheil darüber bilden kann; 
doch muss ich von vorn herein gegen das Verfahren des Hrn. 
W., aus meinem Beweismaterial nur das ihm zusagende auszu¬ 
wählen und das übrige auf sich beruhen zu lassen, Einsprache 
erheben. So sagt er über die Interpolationen in 0, die ich S 5, 
6 nachgewiesen habe und die doch für die Beurtheilung der 
Hss. so schwer ins Gewicht fallen, kein Wort, sondern bringt 
aus dem gesammten Material nur Folgendes vor. Vs. „85 (wif> 
zu streichen), 154 Q>u überflüssig)“; beides soll nur dem Schreiber 
von 0 zur Last fallen; aber in 85 liest E ebenfalls wif>; der 
Fehler ist also älter und stammt wohl aus N; „ 154 (J>u überflüssig)“ 
habe ich so nicht angeführt und f>u überhaupt nicht gemeint, 
sondern, wie aus der Stelle in ineiner Schrift S. 5, 6 (vgl. auch 
S. 45) hervorgeht, die Verse, die nach 154 folgen, als Beleg, 
woran man Interpolationen zu erkennen habe, herangezogen. — 

Jahrb. f. rom. n. engl. Lit. N. F. I. 15 


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218 


E. Mall. 


Sodann citiert Herr W. die Stelle 147 0 und meint, bei der 
von mir zugegebenen Wichtigkeit der Fesselung des Satans im 
Stück dürfe man sich nicht wundern, dass dieser Gedanke in 
zwei Versen ausgesprochen sei. Dabei ist vergessen, dass ich 
(S. 5, 6) gerade diese Art der Wiederholung überhaupt als 
Kennzeichen von Interpolation hervorgehoben habe, weil sie 
solche auch in andern Stellen (154 ff. nach 224, 228) kennt¬ 
lich mache und namentlich hier, wo, wie S. 43 weiter ausge¬ 
führt ist, E ebenfalls auf dieselbe Art mit einem anderen Verse 
flickt. Wäre 0 147 als echt anzusehen, so wäre auch gegen 
die Echtheit von L nach 154 und von 0 nach 224, 228 nichts 
mehr zu sagen, und doch hält auch Herr W. S. 78 L nach 
154 für schlecht. — Ferner soll 155—164 0 besser sein als 
L, weil L 157, 158 Wiederholung von 59 ff., 159 ff. aber von 
151 ff. sei. Auch hier ist, wie fast überall in den Argumen¬ 
ten des Excurses, E vergessen, die, obwohl mit 0 gleicher 
Abstammung, gerade für die Echtheit dieser Stellen, ein wenn 
auch stammelndes, doch vollwichtiges Zeugniss ablegt. Ausser¬ 
dem beweist der Einwand des Verf. zu viel, denn wenn wir 
aus den von ihm angegebenen Gründen die Stellen streichen, 
so müssen wir dies auch bei den Stellen in der Rede Evas 
169, 170 und 171, 172 thun, weil auch sie der WülckeFsclie 
Vorwurf trifft; dies geht aber nicht, weil 169—172 in allen 
3 IIss. überliefert sind. Die Wiederholung des Gedankens von 
151 ff. ist auch darum weniger anstössig, weil, wie ich S. 45 
ausgeführt und wie auch Herr W. (S. 80) überzeugt ist, die 
Stelle 149—154 einem Chor der Seelen in den Mund zu legen 
ist. Wie man aber die Verstümmelung der Stelle in 0 für 
besser halten kann, begreife ich nicht; muss doch in ihr ein 
ausführliches Schuldbekenntniss Adams, wie es die anderen Hss. 
haben und auch Eva ausspricht, unbedingt erwartet werden. 

Was das Verhältniss des romanischen Bestandtheils in 
den verschiedenen Hss. angeht, so muss es auch hier bei meiner 
Ausführung S. 10 bleiben. Der Vergleich der Haupttheile in 
0 und L ergiebt auch bei Hrn. W., der mounte als zur Kate¬ 
gorie von tour und ncwcn gehörig ausscheidet, ein Plus in 0 von 
zwei Wörtern, wobei aber noch zu erinnern ist, dass das eine, 
comaundemewt in 0 zweimal steht und an einer Stelle 169 für 


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Zu „The Harrowing ofHell“. 


219 


das germanische /teste von L. Da dies Resultat nun meiner 
Ansicht günstig wäre, so rechnet Hr. W. die Prologe der Hss. 
mit ein und erhält dann allerdings ein Plus in L von zwei 
Wörtern und mit Heranziehung der Epiloge ein noch ungün¬ 
stigeres Verhältniss für L. Er fährt fort: „Mall hilft sich da¬ 
durch, dass er Prolog und Epilog für unecht erklärt“. Das 
ist nun nicht mehr fair play . Dass der Prolog von L E jünger 
ist als der Haupttheil, habe ich vorher S. 8 f. bewiesen, ohne 
auf den romanischen Bestandtheil Rücksicht zu nehmen und 
mit Gründen, die mit demselben nichts zu thun haben; für den 
Epilog habe ich allerdings denselben als Beweismittel ver¬ 
wandt, weil mit der Unechtheit der Einleitung auch die des 
Schlusses ohnehin wahrscheinlich geworden war. Ich muss 
mich deshalb entschieden dagegen verwahren, dass ich Prolog 
und Epilog für unecht erklärt, um mir zu helfen. 

Was die Unechtheit des Prologs angeht, so hält Hr. W. 
meinen Beweis, dass er nach dem Haupttheil gedichtet sei, für 
unerheblich und fragt: „Welcher Dichter wird jemals erst den 
Prolog und dann das Stück schreiben oder welcher Schrift¬ 
steller erst die Vorrede und dann das Buch!“ Also der Ver¬ 
gleich eines mittelalterlichen Mysters und seiner Einleitung mit 
einem heutigen Drama und dessen Prolog oder gar einem Buche 
und dessen Vorrede soll mich widerlegen! Eine ernstliche Ant¬ 
wort wird man mir erlassen; wenn ein derartiger Vergleich 
etwas beweisen könnte, müsste er wenigstens zutreffen; in 
diesem Falle könnte der Prolog nur mit der Exposition eines 
heutigen Dramas verglichen werden, und wer wird diese nach 
der Action dichten? Und was die Behauptung selbst angeht, 
dass Prologe stets und selbstverständlich nachgedichtet werden^ 
so möge man sie an ihren Consequenzen prüfen; dann sind 
z. B. die verschiedenen Gower-Prologe im (Shakespeare’schen ?) 
Pericles alle nach den betreffenden Acten gedichtet! Im Uebri- 
gen giebt Hr. W. zu, dass der „Prolog in L nichts taugt“ S. 78; 
aber der von 0 soll der bessere sein. Ich habe aber S. 8, 9 
erwiesen 1) dass der Prolog in L so alt ist, wie die Ueberlie- 
ferung überhaupt, 2) dass der Prolog von L direct auf Grund 
des Haupttheils gearbeitet ist, 3) dass der von 0 und der 
von LE verwandt sind, so dass also einer von dem aitdern ab- 

15 * 


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220 


E. Mall. 


• 

hängen muss; daraus folgte und folgt noch heute für mich, dass 
nur der von 0 der abhängige, also spätere, sein kann. Denn wer 
die von mir S. 9 verzeichneten Stellen nachsieht, wird bemer¬ 
ken, dass 0 und L nicht nur in solchen Versen übereinstim¬ 
men, die aus dem Haupttheile stammen, also möglicherweise 
auch von 0 selbständig daraus entnommen sein könnten, son¬ 
dern auch in anderen, die nicht dorther stammen (vgl. 11, 12, 
0 mit 25, 26 L; vgl. auch 23 0 mit 41 LE). An diesem 
Schluss könnte auch ein noch so ungünstiges Verhältniss des 
roman. Bestandtheils nichts ändern; in Wahrheit ist es aber 
gar nicht ungünstig für L, denn L enthält im Prolog 6, 0 zwar 
nur zwei roman. Wörter, aber dafür hat der Prolog in L auch 
42 Verse, der in 0 nur 24. 

Auf die Frage „und was ist der Hauptgrund für die Vor¬ 
trefflichkeit zu L?“ ist nicht die einzige Antwort, das was Hr. 
W. S. 78 anführt, sondern hauptsächlich der Nachweis der 
Inferiorität von E und namentlich von 0, die sich besonders 
in vielfachen Interpolationen zeigt. — Dass folcwcn sich sonst noch 
öfters findet, habe ich selbst S. 38 bemerkt; das beweist aber 
nicht, dass es nicht früh veraltet sei, finden sich doch oft 
principiell längst aufgegebene Flexionsformen noch lange ver¬ 
einzelt und bei einzelnen Autoren, vgl. die Beispiele bei Stur¬ 
zen-Becker (Some Notes on the leading gram. Characteristics 
of principal E.Engl. Dialects passim); namentlich vermag der 
Einwand nichts gegen die Thatsache, dass folewen in L 206 
durch den Prolog 22 beglaubigt, aber inO und E getilgt ist, 
wenn auch in 0 ein anderes germanisches Wort dafür steht. 
Mit beste L 169 verhält es sich übrigens ebenso; auch das fin¬ 
det sich noch später (Roh. Glouoester 493, 556), und doch hat 
es 0 mit comaundement vertauscht; ist darum letzteres we¬ 
niger schlecht? — Herr W. möchte nun noch gern die Verse 
in 0 nach 82 retten, aber warum spricht er nicht von den 
Versen in 0 nach 70, die mit jenen stehen und fallen? Nun, 
diese letzteren wird eben Niemand für echt ansehen, sie ziehen 
aber jene auch mit in den Abgrund; wozu noch kommt, dass 
der Reim Satanas : was allein hinreichen würde, sie im höchsten 
Grade verdächtig zu machen, da der Text meist wes hat, ge¬ 
sichert durch den einzigen Reim, in dem das Wort vorkommt: 


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Zu „The Harrowing of Hell“. 


221 


wes: fies 194. Und warum hören diese epischen Zuthaten, 
die sich in LE nicht finden, in 0 so früh auf? Dass Hr. W. 
von Seite 79 ab bei der Betrachtung des Inhalts des Gedichts 
nach 0 citiert, ist bei .seiner Ansicht begreiflich; doch will ich 
nicht unterlassen, zu bemerken, dass die angezogenen Stellen 
nichts für 0 und gegen L beweisen; denn 41, 42 L sagen 
dasselbe, wie 23 f. 0; 137, 138 stehen in allen Hss. (wegen 
der in OE folgenden vgl. meine Note S. 44); die Verurthei- 
lung Satans und der Seinen steht auch in L 231, 232 und die 
Heils Verkündigung an die Seelen ist in L 229, 230 hinrei¬ 
chend ausgesprochen. Ueber den Schluss von 0 könnte man 
verschieden denken, doch kann ich die S. 9 dagegen geäusser- 
ten Bedenken noch heute nicht aufgeben. — Wie sich aus 
allem diesem ergiebt, muss ich den Bemerkungen Hrn. W. 
gegenüber mein Verfahren in allen Punkten aufrecht erhalten. 

Breslau, im Febr. 1873. 

E. Mall. 


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Kritische Anzeigen. 

Etymologisches Wörterbuch der romanischen Sprachen von 
Friedrich Diez. Dritte verbesserte und vermehrte Ausgabe. Zwei 
Theile. Bonn 1869/70. Adolph Marcus. XXXII, 451 u. 494 S. gr.8. 

Seit dem Erscheinen der neuen Ausgabe des rubricirten Werkes 
ist bereits längere Zeit verflossen und die literarische Anmeldung der¬ 
selben dürfte etwas verspätet dünken; allein ein Meisterwerk wie das 
vorliegende bedarf entweder einer solchen überhaupt nicht, da eben 
sein wiederholtes Erscheinen eine hinreichende Ankündigung ist, oder 
sie kommt andererseits stets zur rechten Zeit, indem es sich hierbei 
ja nicht um den Reiz der Neuheit handelt. Allerdings ist in letzterem 
Falle die selbstverständliche Voraussetzung, dass die etwa zu machenden 
Bemerkungen von kundiger Hand ausgehen und nicht von einem Laien 
auf demGebiete der Etymologie; gleichwol vermag auch ein solcher 
in diesem wie in andern Zweigen der Wissenschaft und Kunst zuweilen 
das Richtige durch neue Beweise oder Beispiele zu stützen, hin und 
wieder sogar das weniger Richtige zu erkennen und auf das Richtigere 
hinzuweisen, obschon er freilich selbst wieder bei diesem Bestreben 
dem Irrthum ausgesetzt ist. Von diesem anspruchlosen Gesichtspunkte 
aus möge man das hier Mitgetheilte beurtheilen, welches zugleich aber 
auch als Beweis für die genaue Sorgfalt, mit der ich die Arbeit des 
Meisters der romanischen Sprachkunde durchgegangen, dienen kann. 

Band I. Aere S. 8. „In den bekannten Verbindungen de hon aire, 
de mal aire , de gentil aire , de put aire bedeutet aire die Art, das heisst 
das Geschlecht, wie lat. gcnus, sp. linage. u Dies ist ganz richtig imd führe 
ich es nur deswegen an, um daran die Bemerkung zu knüpfen, dass 
die nl. Ausdrücke gocdcrticren, quaderticrcn und putcrtiercn, welche 
Grimm Gr. 3, 80 und nach ihm Bormans, Leven van Sinte Christina 
p. 320 von dem s. f. ticr oder ticre indoles, genus ableiten, mir nicht 
von diesem herzustammen, sondern den entsprechenden altfr. Aus¬ 
drücken de hon aire, de mal aire , de put aire nachgebildet zu sein 
scheinen. Das t in jenen ist durch falsche Nachbildung von den etymo¬ 
logisch ganz verschiedenen eneghcrtiere , alrctiere , menigcrtiere hinein¬ 
gekommen. 

AUarme S. 15. „Daher occ. alarmo Intcrjection der Verwunderung, 
it. arm' arme! u Vgl. mhd. teufen, mnl. ivapenc , wapen! 

Allegro S. 15. „Altfr. hulaigre ein sehr üblicher Ausdruck und 
hat sich auch als Geschlechtsname aligre fortgesetzt.“ Letzteres als 


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Adj. im Roman d’Alexandre ed. Michelant p. 86, 21: „que tous li plus 
haligres est entres en dehait“; p. 350, 3: „ne s’en alast haligres et 
trestous en sante“. 

Aezardo S. 41. Du Meril, Etudes d’Archäologie etc. Paris u. 
Leipzig 1862 p. 301: „Hasard est un mot tudesque (Haschart [1. Has- 
liart oder Hasehart]) qui signifiait primitivement mauvais esprit*. Er 
hat dies sicherlich aus Grimm DM. 841 entnommen, wo „ Hashardi 
minae“ angeführt sind, in welchem Hashardus Grimm eine Personifi- 
cation des Fr. hasard, liasart, du Meril aber das Primitivum des letztem 
sieht, und in der That finden sich einige Namen böser Geister, die sich 
auf — art endigen, wie Mumhart , Pappart. Grimm Gr. 3, 707. 

Bagascia S. 45. Im Alban, heisst ßal&t, ßdagct (Demin. ßccagefc) 
das Mädchen. 

Bagattila S. 45. Für beccatdla , Dem. von beccata, also eigentlich 
ein Bisschen, eine Kleinigkeit? — Wegen g für c vgl. sgurarc von curare; 
fr. hagard aus altengl. hauke . 

Bargagno S. 54 altfr. bargagnc Handel; auch fig. Rom d’Alex. 
p. 24, 30. 25, 7. 88, 17. 127, 13. 

Basto S. 59 „fr. bätir, sp. bastcar, it. imbastire (verdruckt steht 
imbastare ) sp. cat. cmbastar mit weiten Stichen nähen.“ Füge hinzu 
engl, to bastc, norweg. besta. 

Blgvo S. 67 „lat. aquüo von aqailus. u Vgl. jedoch Grimm DM. 
600 f. Uhland, Schriften 8, 546 ff. — S. 68. „Die Grundbedeutung 
unsres Wortes war dunkelfarbig;“ nämlich wenn es von bombycius 
purpurfarbig abstammt, wozu ich bemerke, dass auch das gr. noqyvQtoq 
dieselbe Grundbedeutung hatte. 

Bis S. 70 „eigentümlich roman. nur in Zusammensetzungen 
übliche Partikel, die das ungehörige, unächte, verkehrte ausdrtickt und 
aich zuweilen in die Formen her oder bar kleidet.“ Diese Formen ent¬ 
sprechen vielmehr dem mhd. bor y ahd .por y bora; vgl. Gr. 2, 550 und bei 
Diez H, 217 barlong, welches = ist dem ahd. boralanc , mhd. borlanc . 
Diez frägt: „Aber woher diese Partikel?“ nämlich bis . Sie ist vielleicht 
aus mhd. bocser{ adv. böse) entstanden. 

Branca S. 80 „prov. Kralle, Zweig.“ Der Vergleich der Kralle 
(Zehe) mit einem Zweige oder Spross findet sich auch in dem ngr. 
%Xccöo7i6öaQov (= xlado7roda(>*), eig. Zweigfuss, d. i. ein in Zweige 
(Klauen) geteilter Fuss, bei Passow TQayovöta Pcajiai'xa Lips. 1860 
p. 107 no. CXXXVIII v. 8: „xalAto va <pay xd vvyw. ror, xd TiXadoTtQSaga 
xov“ wo nXaSoitodctga dem vv%ia (Nägel, Krallen) gleichgestellt ist. 
Im Glossar s. v. nkctdos findet sich die mit einem Fragezeichen ver¬ 
sehene Erklärung: „pedes ramis arborum insidentes“; richtiger aber 
übersetzt es Kind, Anthol. neugr. Volkslieder. Leipz. 1861 S. 37: 
„Weit besser wär’s, dass jene Klau’n, die eignen Klau’n er frässe.“ 
Aehnlich heisst bei Hesiod op. 744 die Hand tcbvxo^ov der Fünfzweig 
und in der Sämundischen Edda Atlam. 62 heisst die Zehe ükvistr der 
Fusssohlenzweig. — S. 81. „Kymr. breich Arm (des Baumes Aeste 


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sind seine Arme).“ Im Altn. heisst lim f. und n. Zweig und lim f. limr 
m. Glied; beides engl, limb. 

Briga S. 85 „it. altpg., altfr. brigue u. s. w.“ Bald darauf heisst 
es: „dsgl. it. brigante u. s. w.. . . Dass sich alle diese Wörter zu einem 
Stamm brig mit kurzem i bekennen, ist leicht zu ermessen. Die Grund¬ 
bedeutung mochte Unruhe, Geschäftigkeit sein. Die german. Sprachen 
bieten diesen Stamm nirgends, bekannt ist dagegen das celti briga in 
Städtenamen . . . und das kymr. brig Gipfel, aber auch nur der Buch¬ 
stabe gewährt Anlehnung.“ Hierzu füge ich folgende Stelle an aus 
Traditions, Superstitions and Folk-Lore etc. By Charles Hardwick. 
Manchester u. London 1872 p. 13. „Professor Morley says that 
portion of the population „„in the North of England who battled 
against the gradual progress of expulsion, was known as Brigamted, 
fighting thieves.““ Brig and Brigant meaning top or summit, in mo¬ 
dern Welsh, and Brigantwys the people of the summit, Brigantes has 
doubtless only originally meant the dwellers in the hilly country. The 
habits of the brigands of Greece, Spain ; and Italy, of the present day, 
sufficientey account for its application to mountain hordes organized 
for the purposes of plunder and blodshed.“ 

Broglio S. 88 „und bruolo it. . .. Brühl u. s. w.“ Weiter unten: 
„Das Wort wird für celtisch gehalten.“ Andere leiten es ab vom ngr. 
TUQißofoov, umzäunter Ort, Park. Die Durchgangsform müsste dann 
wol, wie mir scheint, gelastet haben briboglio, woraus also broglio 
wurde, und dieses ist „per metaf. tolto a significare i modi intricati, 
clandestini e coperti che si usano da chi inganna. Da broglio i verbi 
brogliare e imbrogliare, in senso d’intricare, corrispondenti al francese* 
embrouiller e allo spagnuolo embrollar, voci che il Bullet (citato dal 
Tramater) fa derivare dal celtico brouiXla, che vale il medesimo.“ Lizio 
Bruno, Canti popol. delle Isole Eolie. Messina 1871 p. 54. 

Bronco S. 88. „It. cespo, Strauch, ccspicare , straucheln.“ Ebenso 
lat. caespes , Rasen und davon in den Gloss. caespitarc, straucheln. 

Bruno S. 91. Geber die Verbindung der Bedeutung gebrannt, 
brandschwarz und brennend, leuchtend, s. Grimm WB. s. v. Braun; sie 
findet sich auch im gr. aift wv. 

CaMbro S. 100. Stammt vielleicht das arab. kalib, qälab, Modell 
von dem gr. ndvctßog ? 

Carogna S. 114. Aus Charonea (st. — ea) sc. caro, bestia? 

Codardo S. 131. Hier noch eine andere Etymologie. Engl, to 
cow, einschüchtem (vom altn. kuga?), davon coward , Feigling (gebildet 
wie drunkard, dullard, niggard, sweetard; über die deutsche Ableitungs- 
sylbe — hart, mnl. — aert, nnl. — aard , s. Gr. 2, 339 f., 3, 706) und 
von diesem frz. couard, pr. coart. Bei dem it. codardo mag dann aller¬ 
dings die Erinnerung an coda Einfluss geübt haben. 

Coppa S. 138, it. auch masc. coppo , Becher. Zunächst vom mhd. 
köpf, Becher? Vgl. übrigens Passow Griech. WB. s. v. xvßfj. 

Cuccagna S. 146. Victor Ledere, Hist. Litt, de la France 23, 149 


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bemerkt: „La description du poßte (näml. des Fabliau de Coquaigne) 
fait assez comprendre que pour lui le pays de Cocagne est surtout 
le pays de cuisine (coquina).“ Dies wäre also Coquinea; vgl. das Plau- 
tinische Peredia, Perbibesia. 

Droga S. 158. „Eigentlich trockne Waare.“ Vgl. das engl. (bes. 
amerikan.) dry-goods, Ausschnittwaaren. 

Estribo S. 166. Mit striepe u. streep vgl. man das mlat. strcpa, 
streva , Steigbügel. 

Ficcare S. 179. Steht das schwed. fikas trachten, streben in 
irgend welcher etymol. Verwandtschaft mit dem nl. hijgen von gleicher 
Bed. (eig. keuchen)? — Bei dem aus dem Roman, stammenden deut¬ 
schen Worte Ficke (Tasche) gedenkt man auch des ngr. qnjxaQ Scheide, 
Futteral; doch ist dieses wol aus (Dem. von fojxrj) entstanden 

(vgl. altgr. (prjg für ‘fbfc)* Eine Scheide anderer Art ist das it. fica. 
Hängt dieses zusammen mit it. ficcare? (auch isl. puss heisst Ficke u. 
vulva) oder ist es movirt aus it. fico , Feige? Das gr. avxov hat beide 
Bedeutungen. 

Folie S. 183. Bergmann, Das Graubartslied (Harbardsliod). Leipz. 
1872 S. 92 bemerkt: „öli, die schwache Form statt der starken ölr, be¬ 
deutet trunken, dann Narr, so wie das roman. folle, fol (Narr) dem 
gothischen fulls und dem deutschen voll (trunken) entspricht. 11 Anderer¬ 
seits verweise ich auf das altn. föl Narr. 

Formaggio S. 187. „Das lat. Wort wäre foimaticus von forma“ 
In der That heisst formaticus oder — um im Mlat. der Käse. 

Fr et. S. 191. Engl, freight, Fracht. 

Galda S. 196. Vgl. altgr. yavkog (yavkog), ein phönik. Kauffartbei- 
schiff. 

Garzone S. 202. Zu xoQog vgl. noch II, 116 Chabasca und füge 
hinzu «ffrrlog, xkadog, sämmtlich wie unser Spross , Sprössling im fig. 
Sinne gebraucht. Andererseits kann das von Diez angeführte it. toso, 
Knabe, eigentlich bedeuten der Geschorene (tonsus), weil, wenn ich nicht 
irre, den altröm. Knaben die Haare im siebenten Jahre zum ersten 
Mal abgeschnitten wurden; jedenfalls heisst auch sicil. carusu der Knabe 
und gehört ohne Zweifel zu carusari, scheeren. Tosa, Mädchen, deren 
Haar ungeschoren bleibt, ist movirt aus toso. 

Giulivo S. 214. „it., pr. altfr. joli für jolif fröhlich, nfr . joli artig, 
hübsch.“ Auch engl, jolly fröhlich. Die Bedd. fröhlich u. hübsch hat 
auch lat. festivus. — „dän. jul Weinachtsfest.“ Auch altengl. u. 
schott. yule. 

Gvlpe S. 217. „ngr. paQyiokog“ ist das it. mariolo . 

Guaime S. 227. „it, altfr. gain. .. nfr. zsgg. re-gain.“ Im Athe- 
naeum 1866 no. 2017 p. 827 heisst es: „In the thirteenth Century the 
second crop of grass or aftermath, was called rewannum, whence, 
doubtless, are derived the rawing of our East-Anglian fanners, and the 
rowen of the agriculturist of New-England.“ Bcicannum ist wahrsch. 
aus regam gebildet. 


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Inganno S. 237. „Das einfache Wort findet sich im ältern Mlatein: 
gannat yXtvatu 61. lat gr., sbst. ganntm , Spott.. .. Wer gannum ans 
Ingenium entstehen lässt, der setzt sich über die handgreiflichsten Laut¬ 
regeln hinweg/* Dagegen Max Müller Lectures on the Science of 
Langnage. Sixth Ed. Lond. 1871. II, 273: „Ingenium, which meant 
an inborn faculty, is degraded into the Italian ingarmare, which means 
to cheat.“ Meinerseits erinnere ich an das im alten Norden so berüch¬ 
tigte finnische Zauberthierchen gan (altn. gan Zauberei, ganfluga dän. 
gan Zauberfliege), daher altfr. enganer, ursprünglich vielleicht be¬ 
zaubern, dann blenden, täuschen, betrügen. 

Lesto S. 249. „it., pg., fr. leste, sp. listo gewandt, flink.“ Vom lat. 
sublestus schwach, gering (z. B. vinum sublestum) scheint das Wurzel¬ 
wort lestus zu sein, und dies könnte „leicht“ dann auch „gewandt, 
flink“ bedeutet haben, wie auch lat. levis beide Bedeutungen vereint. 

Lia S. 248 „sp. Weintrester, pg. lia . . . bret. ly , Hefe.“ Füge 
hinzu mhd. lie , gleiche Bedeutung. 

Lonza S. 254 „it., mit weggeworfenem Anlaut, sp., pg. onza, fr. 
oncc. u Deutsch Unze. Sollte das Grundwort nicht wie bei der Mehrzal 
der Formen des Wortes ohne l gelautet haben und dieses in dem it 
Worte nur der damit verschmolzene Artikel sein, also eig. Vonza? 

Losa S. 255 „piem., sp. lousa, pr. lauza, altfr. lauze, bosk. ar-lauza 
(<arri , Stein) Grabstein, Steinplatte, eig. Grabschrift, vom lat. laudes, 
wie auch span, lauda Grab [Grabstein] bedeutet.“ Eckermann Kelten 
Cap. VII S. 45 Anm. 2 sagt jedoch: ,JLoza in der Provence und Lan¬ 
guedoc Stein, das Departement Lozcre wegen der steinigen Gebirge. 
Bretagnisch ist lag (lag) heiliger Stein, Dolmen;“ und im Text wird 
ein Hügel de la Lauze erwähnt; demnach scheint das Grundwort doch 
celtisch zu sein. 

Mäschera S. 267. „Das occit. roumeco Popanz . . . leitet Honnorat 
aus roumec Dornstrauch/ Diese Etymologie ist nicht zu verwerfen; 
s. meine Ausführung in den Heidelb. Jahrb. 1866 S. 867 f. 

Ninno S. 289: „sp. hacer la nana, schlafen.“ Deutsch provinz. 
(z. B. Schlesisch) Ninnei machen. 

Ora S. 294. „Wie sich hora u. augurium berühren, lehrt die 
Redensart en bona ora (äla bonne heure) = en bon aür. u Ebenso be¬ 
deutet sp. agur sowol agora d. i. ahora, jetzt, wie d (buen) agüero d. i. 
Lebe wol (ä Dios). 

Papa S. 303. It. paffuto stammt vielleicht von itayyq. Wechsel 
von % mit cp zeigt sich bei r^v^co und xqvcpoq, fys u. ocpig y x6ipix°S u * 
xo<f<fv(pog, ßgitpog ngr. ßgexog- Hinsichtlich der Endung — uio vgl. 
lat. canus , später canutus , it. canuto . 

PappagaMo S. 304. „Doch darf man nicht vergessen, dass papa 
Papst, nicht Geistlicher heisst.“ ? 

PappaXardo S. 304. „baciapile Säulenküsser;“ vielmehr Weih- 
kesselküsser. 

Parare S. 305. „Eine neue Zss. ist sp. ; pg., pr. emparar , am- 


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parar ... in Besitz nehmen, ergreifen.“ Füge hinzu altfr. emperier, 
ebenso. „Les Sycambiens ne porent la citeit avoir ne emperier “. Chron. 
de Jean d’Outremeuse, VoL I. p. 145 (Acad. de Bruxelles). 

Piloto S. 320. „it., sp., pg., dsgl. it. pilota .“ Letzteres Wort ist 
möglicherweise aus pirata y mlat. der Seesoldat, später Steuermann, mit 
veränderter Form zum Unterschied von Pirat . 

Pistola S. 324. „unser Wort müsste al&opistuola heissen.“ Könnte 
aber nicht dieses in pistola übergegangen sein, wie uomo in omo? 

Pote S. 330. Altn. pottr , Kessel. Mit diesem Worte ist verwandt 
nhd. Bottich dolium, ahd. potah, nhd. bottech, corpus, truncus Gr. 3, 457, 
vgl. WB. s. v. Bottich u. Ztschr. f. deutsche Mythol. 3, 90 ff. — Mit 
pr. pot, Schweiz, u. lothr. polte, Lippe u. faire la potte, faire lamoue, die 
Diez anführt, vgl. engl, pout das Schmollen, Maulen, dessen Grund¬ 
bedeutung Lippe gewesen zu sein scheint, wovon to pout, die Lippen 
hervorstrecken, maulen (auch to mdke a Up ), weshalb es auch „hervor¬ 
ragen“ heisst. Mit dem alban. puze , neugr. pot, limous. poutou Kuss 
(Diez) vgl. schwed. puss, gl. Bed.; pers. pussidn küssen. 

Pozione S. 331. „altfr. cnherber vergiften.“ Sp. criherbölar . 

Prebenda S. 331. „providere versorgen;“ vielmehr besorgen, an- 
schaffen. 

Ranco S. 341 „. . . kreuzlahm, venez. verdreht.“ Altn. rdngr, 
krumm, schief, schw. vrang , diin. vrang, engl, wrong verkehrt, 
unrecht. 

Rangifero S. 342. „lappisch-finnisches raingo ;“ ist nicht vorhanden 
nach Beauvois in der Rev. Crit. 1870 no. 5 p. 67. 

Rima S. 352. Zu sp. arrimar zusammenstellen, in den Schiffsraum 
packen (stauen) u. fr. arrimer schichten, gehören auch die s. v. Rombo 
S. 357 anders abgeleiteten fr. arrumer, sp., pg. arrumar . 

Rosignuölo S. 358. „Der Albanese nennt ihn (den Vogel) mit 
einem weder lat. noch gr. Worte biljbilj, welches auch der Macedo - 
romane angenommen.“ Dieses Wort ist das pers.-türk. bülbül . Bekannt 
sind die von den pers. Dichtern vielbesungenen Liebeshändel des Bülbül 
und der Gul (Rose). 

Saggio S. 362. „altfr. saive. u It. savio. 

Sagire S. 362. „it. in Besitz setzen . . v das altfr. saisir hat auch 
die it. Bed....; noch jetzt se saisir de qch ., sich einer Sache bemächtigen.“ 
Es ist auch noch als reines v. a. vorhanden, saisir qqn. de qch , jemand 
wovon in Kenntniss setzen. 

Scdma S. 364. „fr. sommelier, Kellermeister.“ Sp. sumiller, hoher 
Hofbeamter z. B. de la cava Oberkellermeister, Oberschenk. 

Sgurare S. 382. „Schon das einfache curare hat im venez. u. prov. 
die Bed. reinigen.“ Ebenso fr. eurer . 

' Strada S. 402. „Das altfr. estraier, estracr ... heisst umherirrend, 
von Thieren, auch herrenlos ... estraiere, dem Fiscus verfallenes Gut, 
wofür sogar estree vorkommt.“ Engl, stray, verirrt; Sbst. verlaufenes 
Thier; herrenloses Gut. 


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Strega S.403. „Roquefort kennt cstric .“ S. Dolopathos y. 8658—9. 

Tamarindo S. 408. „vom arab. tamr hindi d. h. indische Dattel/ 4 
Von tamr auch sp., pg. tdmara Dattel. 

Toso S. 419. S. oben zu Garzone . 

Travaglio S. 423. Die Bed. reisen hat das altfr. travdlier offenbar 
auch im Rom. d’Alex. p. 6, 36 : „14 ü sot sage clerc, dusqu’en la mer 
vermelle — pur espondre le songe ses message travelle, u Das altn. 
drna vereint gleichfalls d. Bedd. bewirken u. reisen, wandern (Grog. 7. 
Fiölsv. l) u. ärn heisst entweder itio oder labor Rigsm. 2. 

Treggda S. 424. „Papias: collibia sunt apud Hebraeos, quae nos 
vocamus tragemata vel vilia munuscula ut cicer frixum cet. 44 Statt He - 
braeos muss es heissen Graecos ; mit collibia sind gemeint xollv/ta d. h. 
TQayqfiaTa, die vilia munuscula erklären sich durch das von Kind, An- 
thol. neugr. Volkslieder Leipz. 1861 S. 215 zu v. 22 Angemerkte. 

Trincare S. 425. In dem neap. trinche Imze bedeutet letzteres 
Wort wol nicht Landsmann, sondern Lanze d. i. Landsknecht. 

Tromba S. 428. „ tuba , noch fortdauernd im churw. tiba, Alphorn 
(i aus u ist hier häufig)/ 4 Dagegen bemerkt Stenzei in seiner Anzeige 
des WB. in der Academy 1871 vol. II p. 361: „Diez asserts that the 
Latin tuba is still preserved. . . in the Rhaeto - Romanic tiba; but the 
latter is far more likely the Latin tibia, as in the „Oberländisch“ dia- 
lect, towhich the word belongs, only the Latin ü is changed into i, not 
the ü as well/' 

Truan S. 432. „Sein Ursprung ist celtisch: kymr., com., bret. tru 
adj. elend = altirisch trög, dass. 44 Kausler, Denkmäler altniederl. Spr. 
u. Litt. 3, 390 bemerkt zu v. 308 hört hoc die truwant. „Durch die von 
van den Bergh angeführte Stelle, wonach in „de Clute van Playerwater 44 
V. 335, und zwar im Reime, truacht statt truant oder truicant vorkäme, 
würde die von Diez Etym. Würterb. unter truan gegebene Ableitung 
dieses Wortes in merkwürdiger Weise bestätigt/ 4 

Uracano S. 436. In Centralamerika heisst oder hiess Hurakan der 
Sturmgott, dessen Namen in verschiedenen Formen in die europ. Spra¬ 
chen übergegangen ist; s. Tylor, Primitive Culture. Lond. 1871.1, 328 
(Die Anfänge der Cultur u. s. w., übertr. von Spengel u. Poske. Leipz. 
1872.1. 357.) 

Vecchio S. 440. „Andere Reste des Wortes (vetus) liegen vor . .. 
in geographischen Namen, wie pg. Torr es Vedras, sp. Murviedro, it 
Castcl-vetro .“ — Vielleicht jedoch weisen diese Namen auf jene uralten 
Glasthürme, Glasmauern, Glasburgen hin, von denen sich Reste weit 
umher in Europa finden und sonst in Sagen vielfach die Rede ist S. 
meine Ausg. des Gervasius von Tilbury S. 151 Anm. 2, wie so den An¬ 
zeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1859 no. 1—4. 

Vihtppo S. 444. „altval. envolpar, romagn. agulpb einwickeln, 
ven. bnbolponare einpelzen: man wird sie als Contractionen betrachten 
müssen, da vulpes, an das man zunächst denken dürfte, nie die Bed. 
Fuchspelz zeigt/ 4 Das venez. Wort weist jedoch deutlich auf volponc 


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junger od. alter Fuchs. Dass in andern Sprachen der Name des Thieres 
für sein Fell gebraucht wird, will ich nicht in Anschlag bringen, z. B. 
gr. ßaööctQa, Fuchs; Fuchspelz, altfr. bele (Diez II, c. s. v.) Wiesel; 
Wieselfell; sp. zorro Fuchs; Fuchsfell. Auch wir sagen: „Mein Ueber- 
rock ist mit Fuchs, Zobel u. s. w. gefüttert.“ 

ZimbeUo S. 450. „Altfr. u. pr. cembel bedeutet überdies Zu¬ 
sammenkunft zur Kurzweil.“ Altn. stnribl, ags. simbel convivium. Gr. 2, 
555. 3, 128. 

Band H. A. Italienisches Gebiet. BacceUo S. 7. „Hülse, 
Bohnenschote.“ Gr. (paarikog Art Bohnenschote, Phasole. 

Barba S. 9. „Oheim.“ Ngr. fncaQfmag^ wahrscheinlich aus dem 
It. — „Dsgl. it. barbano, mlat. barbanus, also ein altes Wort; wol nichts 
anderes als das lat. barba, Bart.“ Dieser demnach gewissermassen 
persönlich gefasst. Vgl. das altn. skeggi der Bewohner (eig. bärtig), 
gewöhnlich in Zusammensetzungen, z. B. eyjarskeggi Inselbewohner. 

Bufera S. 15. Das Suffix — era scheint sich auch noch in dem 
Namen des bekannten florentin. Buchhändlers Barbera (so schreibt er 
sich) zu finden. 

Bussare S. 17 „anklopfen.“ . . . busse, Schläge, mhd. busch, 
biusch Schlag. 

Casco S. 19. „Nicht vom it. cascarc .... da aus intransitiven 
keine solche participialadjectiva geprägt werden.“ Aus it. bacare , 
wurmstichig werden, ist jedoch gebildet bacato wurmstichig. 

Chiazza S. 20 vom deutschen Glatze? Umgekehrt g aus c in 
sgurare aus curare ; cf. unten zu II, c Megue. 

Downola S. 2G. Füge hinzu dän. brud eig. Braut 

Frignare S. 31 „(in lombard. Mundarten) weinen, wimmern, auch 
den Mund verziehen, höhnen, com. frigna weinerliches Weib.“ In der 
Bed. höhnen kann man an frigna cunnus denken; denn die Nachahmung 
eines solchen mit den Fingern ist ein Zeichen des Hohns; vgl. it. far 
le ficke, neugr. ysiloKOTKo u. s. w. Wahrscheinlich jedoch ist dieses 
doppelte frigna nur ein und dasselbe Wort, so wie das lat. cunnus 
gleichfalls beide Bedd. hat Das Volk und die alte Zeit ist und war 
nicht sehr zimperlich, namentlich im Süden; die Strassburger Futbiirger, 
der altn. futflogi sind wie gewisse franz., it. u. sp. Interjectionen bekannt 
genug, daher andere Beispiele überflüssig. Deshalb begegnet man denn 
aufch häufig sehr sinnlichen Vergleichungen, wie z. B. im Span, der ein¬ 
henkelige und der zweihenkelige Krug durch die Endung und das 
grammat Genus unterschieden werden, nämlich jarro und jarra, gleich¬ 
sam Krug und Krügin; der Grund hiervon leuchtet ein, wenn man be¬ 
denkt, dass der Krughenkel eine runde Oeffnung bildet; im Ital. heissen 
Häkchen und Oesen maschj und feminine, sp. machos und hembras, wie 
auch wir von einer Schraubenmutter sprechen. Alles dies wird es wahr¬ 
scheinlich machen, dass das von Diez angeführte lomb. frigna in der 
Bed. Felsenöflhung, Felsspalt eben nur auf dem Vergleich eines solchen 
mit einem cunnus beruht; vgl. umgekehrt mhd. krenne, kerbe, it. fessa, 


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fr. fentc, sämmtlich mit zwiefacher Bed. Fast unzweifelhaft wird übri¬ 
gens die Sache durch folgende Bemerkung in Imnan’s Ancient Faiths. 
Lond. 1872. 2 d . ed. 1, 114. 415 f., wo er von der im Heidenthum 
häufig geübten Ceremonie der symbolischen Wiedergeburt spricht 
und dabei bemerkt: „Both in the Eastern and the Western world, 
natural chasms in rocks or holes in the earth of unknown origin, have 
been taken as emblems of the celestuü mother . There is much curious 
Information on this point in Godfrey Higgins’ Anacalypsis; where we 
are told that the early Christian preachers found the custom in York- 
shire, and tried to abolish it by cursing the sacred chasms, and naming 
them Cwrmi Diabolu“ Jene symbolische Wiedergeburt bestand näm¬ 
lich darin, dass man durch Felsspalten u. s. w. kroch und sich so von' 
seinen Sünden befreite. 

Grascia S. 86. „Lebensmittel.“ Sskr. gras essen, verzehren; 
grdsa Futter, Nahrung. Benfey’s Or. u. Occ. 3, 316 f. Daher wol auch 
yQttGxiq, xQaöug Gras, Heu, Futter und unser Gras, auch altfr. grosse . 
„Lä s’arestat ilh en I. beal preis oü ilh avoit grant grosse pour les che- 
vals.“ Chron. de Jean d’Outremeuse vol. Y. p. 575. Zu dieser Wörter¬ 
familie gehört wol auch das it. grascia. 

Guano S. 39. „altit. Sirene, Hexe.“ In der Ferd.-Ztschrft. Inns¬ 
bruck 1870 S. 212 bemerkt Ludwig v. Hörmann: „In Enneberg heissen 
nach Staffiere Mittheilung (II. 2. 294) die wilden Weiber Gannes . Eine 
etymol. Erklärung dieses Namens* dürfte nicht so leicht sein. Schneller 
(Rom. Volksmundarten in Südtirol S. 224) bringt es als verkürzte Form 
von angana, eguane und enguane mit der Wurzel aqua (aquane) in Ver¬ 
bindung, wohin auch das von Diez (WB. II, a) angeführte altitaL guana, 
Hexe zu ziehen wäre. So sehr diese Ableitung den Lautgesetzen nach 
stimmen mag, so scheint mir doch der mit angane, aiguane etc. ver¬ 
bundene Begriff Wasser-Fräulein — „Sirenen“ — dem entschiedenen 
Charakter dieser Berg- und Waldwesen zu widersprechen.“ Hierzu die 
zwei Anmerkungen. „Erst nach Beginn des Druckes erhalte ich die 
interessante Notiz, dass der Bach, der aus dem innersten Thalwinkel 
herauskommend den Wald durchströmt, in dem die Gannes wohnen, 
Bui d? la Ganna heisst. [Also doch ein Gewässer in Verbindung mit 
den Gannes]. — Steub, Rhät. Ethnol. S. 177 verweist unter Anderem 
zur Erklärung der Gannes auf die bei Dio Cassius erwähnte wahr¬ 
sagende keltische Priesterin Ganna (rdwa, al. Tavvc), was in so fern 
beherzigenswerth ist, als unser Hexenglaube hauptsächlich auf der ent¬ 
würdigten Tradition von den altd. u. nord. Zauberfrauen beruht. Vgl. 
Grimm DM. S. 49. 85. 991.“ 

Loja S. 42. „Koth, Schlamm.“ Vgl. poln. kaiuza Schlamm, Pfütze 
(schlesisch abgekürzt in luze. Das z spr. wie das frz ,j). Slav. Ursprung 
sind im Ital. auch indamo u. palascio. 

Maccherone S. 48. Die griech. Speise pcmaqla d. i. Seligkeit, er¬ 
hielt wol nicht deswegen, weil sie so höchst lecker war, ihren Namen; 
denn sie bestand blos aus Brühe und Gerstengraupen, sondern wahr- 


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scheinlich, weil sie bei den Leichenessen zu Ehren der Verstorbenen 
(Seligen, paKaQeg, (uxKagltai .) in Anwendung kam, welches Essen auch 
jetzt noch hcoucqIcc heisst. Kind a. a. 0. S. 215. 

Mancia S. 44. „Trinkgeld.“ Auch engl, glove-money. 

Maniato S. 45. „pron. s. v. a. medesimo, stesso.“ Vom ngr. ftov* 
arov d. i. povog crcov (avxov) = fiovog xov (er) allein, (er) selbst. 

Menno S. 47. „Castrat.* Es ist vielleicht das deutsche Mann, 
mhd. u. nnl. mm, spöttisch gebraucht; wie z. B. it trincare (trinken) 
zechen; frz. rosse (Boss) Schindmöhre, engl, frow (Frau) Schmutzhanne, 
Schlampe. 

Strozza S. 72. „Kehle.“ Nnl. strot. 

Tattera S. 74. „Gerümpel, Plunder.“ Altn. tötr Lumpen. 

Ticchio S. 74. „wunderlicher Einfall.* Fr. tic Laune. 

Vampo S. 78. „Gluth . . . von vapor ... menar vatnpo heisst 
prahlen, aufschneiden.“ Ebenso engl, to vapour. 

Verone S. 79. „offener Gang, Erker.“ Fr. perron . — „Ungefähr 
dieselbe Bed. hat androne, gr. avSyciv.“ Es scheint vielmehr zu stehen 
ftir andone (— andito) und das r eingeschoben zu sein, wie it. vetrice 
für vetice; pr. fronda, frz. ftonde aus funda, s. I Fionda; oder vielleicht 
ist androne dem verone nachgebildet. 

Zotico S. 82. „bäuerisch, ungeschliffen.“ Vom ahd. zota, mhd. zote, 
zäte Zotte; adj. zdtoht, zotteht zottig, rauch (zotig). 

B. Spanisches Gebiet. Achaque S. 84. Vgl. Andromina. 

Agumaldo, aguüando S. 86. „sp. Weihnachts- oder Neujahrs¬ 
geschenk; unbekannter Herkunft.“ Es ist das fr. aguilanmf, worüber 
de la Villemarque, Barzaz Breiz 4. ed. 1, 346 folgerfdes bemerkt. „On 
donne le nom d’etrenneurs & des mendiants qui se röunissent toutes les 
nuits par troupes, & l’öpoque de Noöl, en plusieurs cantons des mon- 
tagnes, et vont de village en village demander l’aumöne, en chantant 
une chanson dont le refrain est: Eghinad d'e! eghinad d*6 par contraction 
Egliina’ «^(Etrennes a moi! ötrennes 4 moi!) lequel refrain, changö en 
Aguüaneuf, hors de la Bretagne, devait faire longtemps le dösespoir 
des etymologistes.“ 

Aleve S. 91. „sp. treulos, verrätherisch. . .. Goth. laevjan ver- 
rathen ... ags. laeva Verräther.“ Vgl. altfr. alever übertreten (eine 
Lehre). Born. d’Alex. p. 251, 26. 

„Or m’en dirai, biaus meetres, de vos sermons floris . . . 
j4 ne n ieft I. par moi aleves ne francis.“ 

Alnado, andado S. 94. Vgl. nnl. voorhmd Kind erster Ehe. 

Anil S. 96. Singalesisch nil blau. Kusa Jatakaya. By Thomas 
Steele. Lond. 1871. p. 212. 

Bruxa S. 110. „Hexe.“ Vielleicht abzuleiten aus bruchus, gr. 
ßgov%og ungefltigelte Heuschrecke, Baupe, wegen des Zusammenhanges 
nämlich der zwischen Holden, Baupen, Schmetterlingen, elbischen 
Wesen und Hexen besteht; s. Grimm DM. 1027, wo unter anderm auch 
angeführt ist, dass Libelle, Baupe und Hexe mit derselben Benennung 


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bezeichnet werden, nämlich Teufelsbraut, Teufelsbuhle, balüise, palause, 
pelewyse d. i. Hexe. Vgl. zu Gervas. v. Tilbury S. 76. 

Charco S. 117. „sp., pg. Pfütze.“ Vgl. altn. JyÖrr, schw. kärr (spr. 
dschärr) Sumpf, dän. kjerr, (spr. kärr) Lache, Pfütze. 

Farroupo S. 132. „pg. Ferkel... Woher?“ Verwandt mit dem 
engl, farrow, gl. Bed. ? 

Fisga S. 132. „sp., pg. Dreizack zum Fischen.“ Verwandt mit 
fuscma? 

Sandio S. 176. Vielmehr sdndio. Prof. Milä in Barcelona ant¬ 
wortete mir auf meine Anfrage folgendes: „Es s&ndio y no sandio. En 
el Dicc. de la Academia ed. 3 a y ult. y sin duda en todas las demas se 
lee sandio (= sandio). Asi lo he oido pronunciar siempre k pesar de 
la anarquia que hay ahora en cuanto al acento de algunas palabras. — 
Sandia o zandia es melon d’cau.“ 

Tasajo S. 183. „. .: Oder, wie Cabrera meint, von tcssella Würfei¬ 
chen ?“. Höchst wahrscheinlich; man vgl. gr. xvßiov das in viereckige 
Stücken eingesalzene Fleisch des %r\laivvg (Art Thunfisch). 

Urraca S. 189. „sp., pg. Elster. .. . Schwerlich ist der edle span. 
Frauenname Urraca (in den Urkunden Hurraca und Orraca) daher 
entnommen“ Ich glaube dies gleichwol; denn aus verschiedenen An¬ 
gaben erhellt, dass die Elstern in der alten Volks Vorstellung angesehene 
Vögel waren. Ihr Angang bedeutet auch jetzt noch nach Umständen 
Glück oder Unglück; eine Elster zu tödten bringt grosses Unheil; s. A. 
Kuhn in v. d. Hagen’s German. VII, 435. Sie waren also sehr heilig 
und heissen Glücksvögel; J. W. Wolf, Beiträge z. d. Myth. 1, 213 no. 117. 
Wenn sie sonst für Hexen und daher für Unglticksvögel gelten (Kuhn, 
Westph. Sagen 2, 51), so weist dies darauf, dass sie ehedem für Göt¬ 
tinnen, die in ihrer Gestalt erschienen, angesehen wurden; vgl. Grimm 
DM. 991. In Poitou dauert noch eine Spur des Elstercultus fort, auf 
den Gipfel eines hohen Baumes wird ein Strauss von Haide und Lor¬ 
beer der Elster zu Ehren angebunden, weil sie den Einwohnern durch 
ihr Geschrei den nahen Wolf anzeigt: porter le cröpe 4 la pie. Grimm, 
a. a. 0. 640. Aus allem diesem erhellt, dass edle span. Frauen wol den 
Namen des göttlichen Vogels führen konnten. Der in der interpolirten 
Turpinübersetzung von Saintonge vorkommende Frauenname Furaque 
(s. Gaston Paris, Hist, poetique de Charlemagne p. 262 no. 2) scheint 
übrigens der nämliche zu sein wie Urraca , und es fragt sich nur, ob 
er in Saintonge heimisch oder aus Spanien eingewandert war; in ersterm 
Falle müsste dort die Elster ehedem furaque geheissen haben. 

Zorra S. 195. „schäbiges Fell.. . öffentliche Dirne = scortum.“ 
Vgl. sp. pelleja, welches gleichfalls beide Bedd. hat. 

C. Französisches Gebiet. Aumaille S. 210. „Hornvieh.“ Sp. 
alimana Thier, aus animalia. 

Babeurre S. 214. „Buttermilch.“ Eigentlich wol Unterbutter, 
weil sie nach dem Buttern zurtickbleibt; vgl. baUvre Unterlippe. Wie 
sollte auch eigentlich bat-beurre seiner Bildung nach zu übersetzen sein? 


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Bahne S. 216. „Grotte durch einen überragenden Felsen ge¬ 
bildet . . , barme in roman. Mundarten.“ Vielleicht das goth. barms, 
altn. barmr, deutsch barm Schoss. Die Grotte bildet einen verbergenden 
bedeckenden Schoss. Ueberdies heisst auch barmr der Rand d. i. der 
oben erwähnte überragende Felsen, und daher gehört hierher wol auch 
fr. berme Rand am Festungsgraben. 

BeUezour S. 221. „neapol. Superlativ bdledissimo .“ Auch im alt- 
toscan. bellidissimo; s. Sitzungsberichte der Wiener Akad. phil.-hist. 
Abth Bd. LXm S. 214 Anm. 

Bmc S. 221. „pr. descendion d’aqui aval . .. per us bcncs“ Altn. 
backi (für banki) Rand, Ufer, schw. backe, dän. bakke Hügel, engl, bank 
Ufer, Hügel. Vgl. gr. o%frr\ jede Erdhöhung, bes. Hügel, Ufer. 

Baue S. 232. „Abgeleitet ist fr. boucher, pr. bochier, eigentlich 
Bockschlächter.“ Bockfleisch scheint also ehedem auch anderwärts 
ebenso beliebt gewesen zu sein, wie es im Norden war und in Island 
noch ist. S. GGA. 1872 S. 1860 f. 

Bouse S. 235 „fr., pr. boza, Kuhdünger.“ Ngr. auf einigen Inseln 
ßov£ia. Sakellarios Ta KvnQiaxa. Athen 1868. IH, 257 sagt s. v. 
Bovvla' rj ßcovla nag* fj(uv 9 rj xoTCQog xov ßoog , .... naqci Kakvfivloig 
xal akkotg ydzoGiv av rwv vrjßioitaig ßov£ta.“ 

Bros S. 236. „Malz .... vom gallischen brace, bei Plin. ein Ge¬ 
treide, woraus Malz bereitet ward.“ Vgl. gr. ßQ%a, eine Getreideart in 
Thrakien und Makedonien, noch jetzt Wriza genannt; vielleicht braute 
man daraus gleichfalls ein Getränk. Verwandt damit scheint ß^vtov , 
ßgihog, eine Art Gerstenbiers, ferner ßgvrsa, ßgvna, lat. brisa Trester 
(also eine Art Träber) und mlat. brisica, welches die deutschen Glossare 
durch Wirz übersetzen; es bedeutet eigentlich Malz, während Wirz, 
jetzt Würze (Bierwürze) der technische Ausdruck für die durch Mei- 
sclien gewonnene süsse und helle Flüssigkeit ist. 

Bru S. 240. „Schwiegertochter . . . goth. bmths, ahd. mhd. brüt, 
nhd .Braut . . . engl, bride, altn. brudr, schwed. brud, die Verlobte kurz 
vor der Hochzeit oder die Neuvermählte. Im Goth. jedoch hat das 
Wort dieselbe Bed. wie im Franz., wobei es unentschieden bleibt, ob 
sich letztere daraus herleite oder ob sie sich unabhängig aus der ge¬ 
meindeutschen entwickelt habe.“ In dem gr. vv^uprj zeigen sich alle 
drei Bedd., es heisst nämlich in der alten Sprache auch die Neuver¬ 
mählte und im Ngr. Braut und Schwiegertochter. In Saintonge heisst 
bru überhaupt die Gemahlin (wie noris der Gemahl, movirt aus nore 
Schwiegertochter), s. Bachofen, Mutterrecht. Stuttg. 1861 S. 419 b, 
wo sich auch bru von dem gall. broa die bebaute Erde, abgeleitet 
findet. 

Cingler S. 257. „fr. geissein; nach Huet von cingulum Gürtel als 
Werkzeug des Geisseins verstanden.“ Vgl. it. staffile Steigriemen, 
staffilare damit hauen, frz. donner les flrividres. 

Cornard S. 264. „Hahnrei (Hörnerträger) .... Comard ist spe- 
ciell französisch, der Italiener sagt dafür becco cornuto gehörnter Bock 

Jahrb. f. rora. u. engl. Lit. K. F. I. IQ 


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oder schlechtweg becco, der Spanier cabron Ziegenbock.“ Letzteres 
ist der wissentliche Hahnrei (it. pappataci, engl, wittöl ); sonst heisst 
er sp. comudo. 

Empeltar S. 284. „pr., cat. propfen .... yoti pellis oder besser von 
dem prov. dimin. pelcta, woher auch engl. pelt , frz. pelletier“ Letztere 
beiden kommen nicht von dem prov. peleta; sondern das auslautende 
t des erstem entspricht dem deutschen z, wie auch in feit, Jieart, bolt, 
holt u. s. w. und das t in pelletier ist zur Vermeidung des Hiatus einge- 
sclioben wie in bijoutier, cafetier u. s. w. 

Ferrant und Auferrant S. 302. „altfr. . . . von Pferden gebraucht“ 
Auch in einem it. Gedichte des XV. Jahrh. kommt das Wort vor und 
ist wahrscheinlich dem Franz, entliehen. 

„Noi savam cinque cento cavalieri, 

Che passavamo a’ piei della montagna; 

Fummo asßaliti da quel gran destrieri, 

Tutti ci ha rotti per quella campagna. 

La damigella udendo tai mestieri 
Forte stridendo di pianto ßi bagna; 

Marsilio, Falserone e Balugante . 

Maravigliavansi del fiero afferante .“ 

Pio Rajna, La Materia del Morgante etc. p. 3G (Separatabdruck 
aus dem Propugnatore. Bologna 1869. vol. n). 

Grdgues S. 329. „fr. (plur.) Hosen; vom kymr. u. s. w. u Menage 
leitet es richtig, wie es scheint, vom lat. Graecus ab, also griechische 
Hosen; denn auch im Sp. heissen sie gregücscos. 

Hallier S. 338. „fr. Busch . . Nahe liegt hasla der L. Rip.: in 
• hasla h. e. in ramo.“ Altn. hasla Haselzweig, ein vielgebrauchtes 
Wort; vgl. Uhland’s Schriften 8, 414 Anm. 

Hanneton S. 238. „champ. cquergnot“ In diesem Worte steckt 
vielleicht das lat. quemus, also Weidenthier; vgl. das von Diez ange¬ 
führte Weidenhahn. Die Endung ot wie in escarbot, escargot. 

Liart S. 359. „altfr., pr. liar hell von Farbe, weiss... . Nfr. liard 
Name einer kleinen Kupfermünze.“ Früher jedoch war es eine Silber¬ 
münze, also = blanc, sp. blanca, gleichfalls eine alte Silbermünze. 
Dies Wort gehört daher zu dem altfr. Hart . 

Loup-garou S. 363 „ist ein Pleonasmus“. Zu den angeführten 
Beispielen füge hinzu neapol. caneperro ein Schimpfwort, aus dem it. 
can mnd sp. perro. 

Migue S. 3?4. „fr. Molken.“ Vielleicht aus diesem deutschen 
Worte entstanden, indem das l ausfiel, wie in hatcrcl für halteret und 
der Wurzel vokal mit Einmischung von melken beibehalten wurde; vgl. 
gr. fi&xa saure Milch, oder es stammt von dem griech. Worte selbst, 
wobei g aus k erweichte, wie in hagarcl aus altengl. hauke, it. sgurare 
aus curare . 

Nargucr S. 385. „fr. spotten, gleichsam naricare, die Nase ver¬ 
ziehen“ oder rümpfen; gr. (avxt 7 ]qI£co ; vgl. naso adunco suspendere bei 
Horaz. 


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Orfroi S. 389. Roman d’AIex. p. 6, 19: „d’un cier pale or fr6s6 
estoit la couvreture. u Or fresc ist aurum fresimi — or moulu, und an 
jener Stelle adjectivisch gebraucht. Ueber fremm Subst. vgl. Uhland, 
Schriften 1, 279 Anm. 1. Verschieden von diesem fresd ist vielleicht 
Rom. d’Alex. p. 31, 12: „la peuissiez veoir mainte ensegne fresse;“ 
wofür frisc p. 41, 27: „dejusqu’as puins li bat li gonfanon frisßs,“ wel¬ 
ches dann zu fraiser , friser gehört. 

Öter S. 391. „Die Bedd. aufheben und wegnehmen aber liegen 
nahe zusammen, wie die lat. verba tollere und levarc lehren.“ Auch 
engl, to Hfl aufheben und stehlen. 

Pier S. 399. „wie auch der Spanier etnpinar aus ifiniveiv . . . . 
bildete.“ Ich glaube kaum; vielmehr entspricht empinar dem deutschen 
heben d. i. zechen, w r obei zu ergänzen „den Becher“ oder „den Elbogen,“ 
welcher letztere (el codo) auch zuweilen dabei steht; ebenso im Franz. 
hausscr le coude. 

Taveler S. 437. „einem Dinge das Ansehen eines Brettspiels (1. 
Spielbretts) geben.“ Ebenso engl, to ckecker vom fr. echiquicr. 

Varech S. 449. „Meergras, dsgl. gesunkenes Schiff.“ Vom altn. 
vagrek Strandgut, eigentl. alles von der See Ausgeworfene, daher auch 
engl, wrack Wrack; dsgl. Seegras. 

Veit S. 450. Zu fyoTtctkov füge nccGöcdog, zvkog, pavöakog^ yiQQOv. 

Warbler S. 456. „vom deutschen wirbeln (mit der Stimme) . . . 
engl, whirl.“ Genauer noch engl, warble. 

Schliesslich will ich noch einige mir aufgestossene Druckfehler 
berichtigen. 

B. I. S. 66 z. 9 v. u. lies putil — 80, 15 v. o. abrasar — 93, 14 
v. u. pösi — 106, 13 v. o. Centralamerica — 168, 17 v. u. faggiuola 

— 171, 7 v. u. st in letzterer Bed. 1. Flitterstaat — 190, 15 v. u. 

frizzle — 212, 8 v. u. enebaer — 228, 22 v. o. reinneo — 255, 19 
v. o. hlutr — 327, 14 v. u. itokizda — ebend. 3 v. u. policy — 365, 
10 v. u. sardina — 411, 21 v. o. — 432, 14 v. o. inlautendes 

— 449, 6 v. u. cioso. 

Bd. II. S. 26 z. 2 v. o. vvpepizfc — 47, 2 v. u. muccus — 53, 17 
v. u. plebes — 114, 21 v. o. regelar — 249, 3 v. o. capsus — 254, 
17 v. u. statt (f.) lies (m.) — 255, 10 v. o. lagarta — 260, 4 v. o. 
%(okoinovg — 339, 3 v. u. harouche — 383, 6 v. u. statt (f.) L (m.) — 
430, 15 v. o. SchmutzbarteL 

Lüttich. Felix Liebrecht 


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Zeitschriften. 


Romania. Recueil trimestriel consacre ä l’etude des langues ei des 
litt£ratures romanes, publiß par Paul Meyer et Gaston Paris. 
Paris, librairie A. Franck. 

Wir haben im vorigen Hefte das Erscheinen dieser neuen, unserer 
Wissenschaft gewidmeten Zeitschrift angezeigt und geben, unserm 
Versprechen gemäsz, heute den Inhalt der bisher erschienenen Hefte. 

I. Ann 6 e. Janvier. P. 1. Romani, Romania, LinguaRomana, Roman- 
cium. Sehr interessanter Einleitungsartikel von Gas ton Paris 
über die ursprüngliche Bedeutung und die späteren Anwendungen 
der obigen Benennungen. — P. 23. Notes sur les po£sies de Baudri, 
abb 6 de Bourgueil par L. Delisle. Bericht über die in einer 
Vaticanischen Handschrift aufbewahrten lateinischen Gedichte 
Baudri’s, der 1130 als Bischof von Dol starb. — P. 51. Paul 
Meyer. Tersin, tradition arlesienne. Zwei verschiedene Texte des 
bis lang unedirten, nach P. M.’s Ansicht aus einem provenz. Ge¬ 
dichte des 13. Jahrh. geflossenen Romans. — P. 69. Derselbe, 
Le Chevalier, la dame et le Clerc, fabliau anglo-normand. Noch 
unbekanntes Fabliau aus einem Ms. des Corpus Christi College 
in Cambridge. — P. 88 . A. Brächet. Vocabulaire tourangeau. — 
P. 92—128. Melanges et Comptes-Rendus. 

Avril. — P. 129. d’Arbois de Jubainville. La langue 
franque, le vieux hautallemand et la langue fran^aise. Der Verf. 
versucht gegen Grimm und Diez die Verschiedenheit der fränki¬ 
schen Sprache zurZeit der Merovinger und der Karolinger an dem 
Vocalismus und Consonantismus der in beiden Perioden in das 
Französische eingeführten germanischen Wörter aufzuweisen. — 
P. 146. A. Darmestetter. Glosses etglossairesh 6 breux-fran 9 ais 
du Moyen-ftge. — P. 177. G. Paris. Sur un vers du Coronement 
Loois. Der Verf. knüpft an einen Vers des Gedichtes eine für die 
Beurtheilung des ganzen Cyclus von Guillaume d’Orangesehr wich¬ 
tige Untersuchung. — P. 190. P. Meyer. Henry d’Andeli et le 
chancelier Philippe. Der Verf. giebt neue Aufklärungen über 
beide. — P. 216—272. Melanges et Comptes-Rendus. 

Juillet. P. 273. G. Paris. La Vie de Saint-L£ger. Texte 
revu sur les Ms. de Clermont-Ferrand. Erste kritische Ausgabe 
des Gedichtes nach dem Originalmanuseripte mit einer ausge¬ 
zeichneten Einleitung über Sprache, Versification und Quelle des¬ 
selben. — P. 318. d’Arbois de Jubainville. La Phonötique 
latine de l’ 6 poque mßrovingienne et la phonetique fran^aise du 
XI siäcle dans le Saint-Alexis. Der Verf. gelangt durch die Ver- 


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Zeitschriften 


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gleichung des Saint-Alexis mit den Originalurkunden der m'ero- 
vingischen Zeit zu mehreren von den durch G. Paris aufgestellten 
abweichenden Ansichten. — P. 328. Fr. Bonnardot. Document 
en Patois lorrain, relatif a la guerre entre le comte de Bar et le 
duc de Lorraine. — P. 352. V. Smith. Germine, la porcheronne, 
chansons for6ziennes. — P. 360—399. Mßlanges et Comptes- 
Rendus. 

Octobre. P. 401. Paul Meyer. M61anges de Littßrature 
proven 9 ale. Bringt sechs noch unedirte provenzalische Stücke 
von nicht unbedeutendem sprachlichem Interesse. — P. 420. Der¬ 
selbe. Le Bestiaire de Gervaise. Zu den bisher bekannten 
Bestiaires von Philippe de Thaun undGuillaume de Normandie 
kommt dieses dritte bisher unbekannte, dessen Verf. gleichfalls 
ein Normanne war. Es ist einem Ms. des Brittischen Museums 
Addit. Mss. 28260 entnommen. — P. 444. C. Joret. Loi des 
finales en espagnol. Der Verf. sucht zu zeigen, dass das Spanische 
seine Mannigfaltigkeit und seinen Wohlklang seiner glücklichen 
Behandlung des Auslautes verdankt. — P. 457. Paulin Paris. 
De Torigine et du dcweloppement des Romans de la Table Ronde. 
Der Verf. prüft in diesem ersten Abschnitte seiner Arbeit die 
Entstehung und die ersten Entwickelungsphasen der Graals- 
sage. — P. 483—508. Melanges et Comptes-Rendus. 

II. Ann6e. Janvier. P. 1. G. Groeber. La D6struction de Rome, 
premiöre branche de la Chanson de Geste de Fierabras. Das hier 
zum ersten Male publicirte Gedicht ist nur in einer einzigen auf 
der Stadtbibliothek zu Hannover befindlichen Handschrift, welche 
zugleich den Fiebras enthält, aufbewahrt, und bildet den Anfang 
desselben. Die Handschrift ist offenbar von einem Engländer, der 
Herausgeber vermuthet aber ein picardisches Original. — P. 49. 
P. Rajna. Codici francesi possedutidagli Estensi nel secolo XV. — 
P. 59. V. Smith. Chants de Quötes. Noel du premier de l’an. 
Chants de mai. — P. 72. H. Schuchardt. De Torthographe du 
roumain. — P. 81—151. M61anges et Comptes-Rendus. 

Avril. P. 153. P. Raj na. Uggeri il Danese nella lettera- 
tura Romanzesca degritaliani. — P. 170. Paul Meyer. Le 
Roman de Blandin de Comouailles et de Guillot Ardit de Miramar. 
Erste Publication des Gedichtes nach der einzigen leider sehr 
fehlerhaften Handschrift auf der Turiner Bibliothek. — P. 203. 
A. Longnon. F. Villon et ses lßgataires. Enthält neue Bei¬ 
trägezu V.’s -Lebensgeschichte. P. 237—279. Melanges et Comp- 
tes-Rendus. _ 

Rivista di Filologia Romanza, diretta da L. Manzoni, E. Monaci, 
E. Stengel. Vol I. Fase. 1. Imola 1872. 

In dieser neuen Zeitschrift hat nunmehr auch Italien ein Organ 

für die romanische Philologie erhalten. Es liegt uns davon bis jetzt 


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238 


Zeitschriften. 


nur das erste Heft vor, dessen bedeutendsten Theil der Anfang von 
Stengel’s Studi sopra i canzonieri provenzali di Firenze e di Roma 
bildet. Dieser erste Abschnitt beschreibt einen kleinen der National¬ 
bibliothek zu Florenz gehörigen bisher unbenutzten Codex und giebt 
ein Liederverzeichniss und Auszüge aus demselben. Canello unter¬ 
sucht die auf Participien beruhenden romanischen Substantiva und be¬ 
spricht die Auslegung einer Stelle der Vita Nova. Unter der Rubrik 
Varieta finden wir ein Documento in Dialetto sardo dell’ anno 1173, 
mitgetheilt von Stengel. Die kritischen Anzeigen besprechen Fornaciari’s 
Grammatica storica della lingua italiana, Demattio’s Sintassi* della 
Lingua italiana, Ernst Martin’s Ausgabe des Fergus, Canello’s Federigo 
Diez e la Filologia romanza nel nostro secolo, Bartoli’s Codici francesi 
della Biblioteca Marciana, Paul Meyer’s Derniers Troubadours de la 
Provence und schliesslich die Zeitschriften. L. 


In Heft 1 sind folgende Druckfehler zu berichtigen: 


p. 

66. 

Z. 

12 

v. unten 

liess: biens 

»1 

67. 

ii 

2. 

3 v. 

0. 

„ roials-uassals 

11 

70. 

i> 

15 

ii 

ii 

„ mains 

JJ 

72. 

ii 

4 

ii 

ii 

„ a que (oder quoi) qu'il tort cf. Erec. 48. 

11 

79. 

ii 

11 

ii 

u. 

„ traitiz. Note *) zu streichen. 

11 

85. 

ii 

18 

ii 

0. 

„ Branlant 

11 

85. 

ii 

1 

ii 

u. 

„ desduit 

u 

88. 

ii 

12 

ii 

0. 

„ Qui 

ii 

97. 

ii 

15 

ii 

u. 

„ Est 

ii 

97. 

ii 

5 

ii 

11 

„ haute 

if 

101. 

ii 

1 

ii 

0. 

„ Par. 


Im Nom. Sgl. ist überall eil statt cis zu lesen. 


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Soeben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: 

ARCHIV 

LITTERATURGESCHICHTE. 

BEGRÜNDET 

VON 

RICHARD GOSCHE 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

D«. FRANZ SCHNORR VON CAROLSFELD 

8KCB. D. K. Ö. BIBL. ZU DBKSDEN. 

III. Band. I. Heft. 

Preis eines Bandes von 4 Heften 4 Thlr. 20 Ngr. 


Druck und Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. 


Das von RhJhard Gosche begründete Archiv für 
Litteratnrgeschichte’ soll, wie bisher, für Studien auf dem 
Gesammtgebiete der Literaturgeschichte als Organ der Mit¬ 
theilung dienen. Die Bevorzugung der neueren europäischen 
Literaturen, besonders der deutschen, ist zwar als eine Folge 
der bestehenden Arbeitsvertheilung zwischen den verschiedenen 
philologischen Disciplinen vorgesehen, doch sind auch solche 
literarhistorische Arbeiten, welche auf anderen Litteratur- 
gebieten sich bewegen, von dem Plane der Zeitschrift nicht aus¬ 
geschlossen. Je mehr indess die Literatur Deutschlands seit 
dem Reformationszeitalter den Mittelpunct der Bestrebungen 
bilden wird, um so mehr wird auf diesem Gebiete auch der 
Detailforschung, der Veröffentlichung unbekannter Litteratur- 
producte, biographischen Untersuchungen und kleineren quellen- 
massigen Mittheilungen aller Art Raum gegeben werden. 

Das vorliegende Heft möge von dem Werthe und der 
Reichhaltigkeit der litterarischen Quellen, welche dem Archiv’ 
zu Gebote stehen, Zeugniss ablegen. Aber auch die ergiebigsten 
Quellen können diejenige Vielseitigkeit, welche eine Zeitschrift 
zu erstreben verpflichtet ist, nicht sicher stellen, wenn nicht 
die persönliche Unterstützung der Fachgenossen hinzukommt. 
Meine Bemühungen waren daher im voraus darauf gerichtet, 
hervorragende Fachmänner zu thätiger Theilnahme an dem 
Unternehmen zu veranlassen, und freue ich mich ausser den¬ 
jenigen, welche das vorliegende erste Heft mit Beiträgen bedacht 
haben, die nachfolgenden Herren als solche, welche bis jetzt 
ihre Mitwirkung in Aussicht gestellt haben, nennen zu können: 


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K. A. Barack, R. Bechstein, M. Bernays, W. Freih. von 
Biedermann, C. A. H. Burchardt, M. Carriere, L. Cho- 
levius, H. Düntzer, H. Dünger, K. Goedeke, R. Gosche, 
0. v. Heinemann, W. Herbst, H. Hettner, K. Hillebrand, 
W. L. Holland, A. von Keller, A. Klette, Art. Köhler, 
A. Laun, C. Lemcke, E. Liebrecht, G. von Loeper, E. Martin, 
H. Oesterley, R. von Raumer, K. Rosenkranz, Ad. Stern, 
W. S. Teuffel, A. Tobler, K. Weinhold, R. Zöllner. 

Dresden, 27. Januar 1873. 

Dr. Franz Schnorr von Carolsfeld. 


Das Archiv für Literaturgeschichte wird von jetzt an 
durchaus regelmässig in 4 Heften jährlich erscheinen. Der 
Preis eines Jahrgangs von circa 36 Druckbogen ist 4 Thlr. 
20 Ngr. Die beiden ersten von Dr. R. Gosche herausgegebenen 
Bände sind ä 4 Thlr. pro Band auch ferner in allen Buch¬ 
handlungen zu haben. 

Leipzig, im Juli 1873. 


Die Verlagshandlung 

B. 0. Teubner in Leipzig. 


Inhalt des ersten Heftes des in. Bandes. 

Vier ungedruckte Fastnachtsspiele des 15. Jahrhunderts. — Urkunden 
Hanns Sachs betreffend. Von Georg Wolfg. Karl Lochnkb. — Herzog 
Georg von Sachsen als Dichter. Von Johann Karl Seidkmann. — Zwei 
neue Meistersängerhandschriften. Von Franz Schnorr von Carolsfeld. — 
Martin Opitz au Nicolaus Rittershausen. — Paul Fleming an seinen 
Vater. Mitgetheilt von Wilhelm Loose. — Der sächsische Dichter Gottfried 
Fiuckelthauss. Von Heinrich Pröhle. — Aus G. Kestnkrs Briefsammlung. 
I. Goethes Mutter. — Christoph Martin Wielands Helvetisches Bürger¬ 
recht. Von Ludwig Hirz kl. — Schiller und eine Steile aus Tausend uud 
einer Nacht. Von Reinhold Kühler. — Zu Schillers Teil. Ein Wort 
in eigener Sache. Von Heinrich Düntzer. Nebst Zusatz von Richard 
Gosche. — August Wilhelm Schlegel an C. A. Böttiger. — Zur Geschichte 
der niederländischen Litteratur. Von Carl Schröder. 


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Ungedruckte Briefe 
des Grafen Giacomo Leopardi 

an Christian Carl Josias Freiherrn von Bunsen. 

Aus der Biographie des Freiherrn von Bimsen (I S. 228) 
war bekannt, dass in dem Nachlasse des berühmten Staats¬ 
mannes und Gelehrten Briefe von Leopardi sich vorfinden. 
Die Verehrer und Freunde des Einen wie die des Andern 
werden es sicherlich nicht minder dankbar als ich anerkennen, 
dass der Sohn des Erstem, Herr Georg von Bunsen, indem 
er mir die Veröffentlichung dieser Briefe gestattete, es mög¬ 
lich gemacht hat, einen tieferen Einblick in die Beziehungen 
zwischen den beiden Männern zu gewinnen, welche, bei aller 
Verschiedenheit der Lebensstellung, der Gemüthsanlage, der 
Lebensauffassung und der Lebensziele, doch in so vertrauensvoller 
Theilnalime einander zugethan gewesen sind. Wenn ich den 
nachstehend in ihrer Gesammtzalil, vollständig und buchstäb¬ 
lich genau Zum Abdrucke gebrachten Briefen nicht irgend 
etwas zur Charakteristik Bunsens oder Leopardis voranschicke, 
sondern mich begnüge, jedem Briefe in ein paar Zeilen voran¬ 
zuschicken, was mir zum Verständniss unentbehrlich scheint, 
so habe ich des kein Hehl, dass ich es nicht bloss darum 
unterlasse, weil eine so weit ausholende Einleitung mir nicht 
erforderlich scheint, sondern mehr noch darum, weil ich schon 
mir selbst nicht würde Genüge thun können. Aus Gründen 
sehr verschiedener Natur: der deutsche Herausgeber von Bun¬ 
sens Leben sagt mit Recht, es trete in den durch ihn Deutsch¬ 
land vorgelegten Mittheilungen „Bunsens eigenstes Wesen 
völlig unverhüllt und unverschleiert hervor; nichts sei Ver¬ 
jährt», f. rom. u. engl. Lit. N. F. I. 17 


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240 


Toblee 


steckt oder verwischt“, und fügt hinzu, dass nicht vieler Men¬ 
schen innerstes Denken und Fühlen geeignet sei, gleich rück¬ 
haltlos aufgedeckt zu werden. Wie schwer aber, die Fülle 
des Erlebten, des Geleisteten, des Erstrebten und des Empfan¬ 
genen zu übersichtlichem Bilde zusammenzufassen, zumal dem, 
der sich selbst unfähig bekennen muss, gewisse Vorgänge, 
wie treue Wiedergabe es erheischt, innerlich nachzuerleben! 
Für Leopardis endgiltige Charakteristik ist wohl die Zeit noch 
nicht da: dem Schriftsteller und dem Gelehrten • gerecht zu 
werden, wird Jedem leicht; schon eine geringere Begabung als 
Sainte-Beuves würde der Aufgabe gewachsen gewesen sein 
(nur dass mir allerdings die Paralipomeni den übrigen Werken 
anzureihen jederzeit schwer geworden ist); aber dem Menschen 
auf den Grund zu sehn, ist hier doch ganz besonders schwie¬ 
rig. Wenn nur solche Ungleichheiten in seinen Urtheilen über 
manche Personen uns entgegenträten, wie z. B. die Niebuhr 
betreffenden (man vergleiche die Aeusserungen gegen den Bruder, 
Epist. I 295, die gegen Bunsen liier No. XII und den in den 
Paralip. VII 2 nach dem Gelehrten geführten Hieb), so würde im¬ 
mer noch nicht Grund vorhanden sein, Mangel an Gradheit 
zu beklagen; warum sollte nicht im Laufe der Jahre, nament¬ 
lich in Folge der Bekanntschaft mit Niebuhrs hervorragendster 
Leistung in des Italieners Schätzung des Deutschen, in welchem 
jener anfänglich zunächst nur ein Werkzeug der eignen För¬ 
derung sah, wirklich ein Wechsel sich vollzogen haben? Aber 
weniger leicht zu erklärende Schwankungen des Urtheils oder 
vielmehr Aeusserungen, die bis auf Weiteres gradezu als Be¬ 
weise eines sich selbst nicht recht treuen Wesens erscheinen 
müssen, treten leider in grosser Zahl einem aufmerksamen 
Leser des Epistolario entgegen und erschweren ungemein fest¬ 
zustellen, wie in Wirklichkeit der Unglückliche zu Vater und 
Geschwistern, Freunden, Christenthum, Wissenschaft, Heimat 
gestanden habe. Ich scheue mich, so vieles auch zur Recht¬ 
fertigung des schweren Vorwurfs zu sagen wäre, und so sehr 
derselbe sich andererseits durch Hinweisung auf unselige Ver¬ 
hältnisse würde mildern lassen, auszusprechen, Leopardis Welt¬ 
schmerz habe seinen letzten Grund wohl mit in Mangel an 
innerer Wahrhaftigkeit, an Treue gegen sich selbst; ich scheue 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 241 

mich davor namentlich, so lange Leute leben, die ihm nahe 
genug gestanden haben, um aus persönlicher, Erfahrung ge¬ 
wichtige Aussagen über ihn thun zu können, sobald sie nur 
wollen; und begnüge mich zu gestehen: das Wesen des Man¬ 
nes wird nicht recht klar aus dem, was zu seiner Beurtheilung 
vorliegt; möglich dass bisher noch nicht gehörte Zeugen uns 
manches Räthsel lösen. Das Verhältnis zu Bunsen ist, so 
viel ich sehe, von Anfang bis zu Ende ein reines und ein¬ 
faches, nur in so fern sich selbst nicht ganz gleiches, als die 
nie sich mindernde, werkthätige, herzliche Theilnahme des 
deutschen Diplomaten für den italienischen Philologen und 
Dichter im Laufe der Jahre den zurückhaltenden Sinn des Letz¬ 
tem zu vertrauensvoller Freundschaft zu erwärmen vermochte. 
Es ist zu bedauern, dass Bunsens Briefe an Leopardi sei es 
nun verloren oder doch nicht bekannt sind; indessen auch so 
sind die Leopardis verständlich, und wird seines Gönners liebe¬ 
volle Fürsorge bis ins Einzelne ersichtlich. — Leopardis Briefe 
sammt den hier ebenfalls abgedruckten aus dem Vatikan stam¬ 
menden Schriftstücken fanden sich in Bunsens Nachlasse nach 
der Zeitfolge sorgsam zusammengebunden. Als sie mir zur 
Abschrift Vorlagen, waren ein paar Blätter beigefügt, auf 
denen sich von Bunsens eigner Hand und datirt „Totteridge 
Park 18. Oct. 1849“ Aufzeichnungen fanden, die über Leo¬ 
pardis Lebensumstände und seine Beziehungen zu dem Ver¬ 
fasser Aufschluss gaben. Ich habe dieselben fast vollständig 
abgeschrieben, halte es aber nicht für nöthig, sie in ihrer 
ganzen Ausdehnung hier wiederzugeben, da sie grossentheils 
nur wohl bekannte Dinge melden; Einiges aber, das anders¬ 
woher nicht bekannt geworden ist, nehme ich in die den 
Briefen beigegebenen Anmerkungen auf. 

Adolf Tobler. 


1 . 

Die ,Annotazioni sopra la Cronica d’Eusebio* sind zwar, wie 
der vollständige Titel besagt, schon 1819 verfasst, aber wie 
der von Pietro Pellegrini zusammengestellte sorgsame ,Indice 
delle scritture di G. Leopardi* S. 376 (in den Studi filologici), 
Prospero Vianis Anmerkung zu Leopardis Brief vom 6. Januar 

17* 


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242 


Tobler 


1823 und dieser Brief (Epistolario I 279) lehren, erst 1823 
gedruckt worden. Es scheinen auch gar nicht diese im 10., 

11. und 12. Bande der Effemeridi erschienenen Annotazioni 
gewesen zu sein, welche Leopardi zur Bekanntschaft mit Nie- 
buhr verhalten, sondern die zwar später niedergeschriebenen, 
aber schon im 9. Bande jener Zeitschrift abgedruckten, la¬ 
teinisch äbgefassten Studien, welche der erwähnte Indice 
delle Scritture unter No. XXIX und XXX aufführt Wie der 
Brief Leopardis an seinen Bruder Carlo vom 22. Januar 1823 
(Epist. I 284) zeigt, hatte er geradezu die Absicht, durch diese 
Arbeiten die Aufmerksamkeit Niebuhrs (diversi forestieri, mi- 
nistri ec.) auf sich zu ziehn (scrissi quelle bagattelle lat ine 
ad effetto espresso d’introdurmi nella conoscenza di Niebuhr, 
come mi riusci, ebenda 1310); und der Zweck wurde erreicht. 
Was er selbst nur als eine ,coglioneria‘ ansah oder doch von 
seinem Bruder als solche taxirt zu sehen erwartete (Brief vom 

12. März 1823 eb. I 295), trug ihm schmeichelhafte Bot¬ 
schaften von Seiten des Ausländers ein, der ihn bei sich em¬ 
pfing und mit Lob überschüttete (eb. I 296). Hiernach sind 
die augenscheinlich aus nicht völlig mehr sicherer Erinnerung 
niedergeschriebenen Angaben Bunsens über die erste Begeg¬ 
nung Leopardis und Niebuhrs (in den Lebensnachrichten über 
Barthold Georg Niebuhr, Band III, S. 313) zu berichtigen. 
Dem wirklichen Sachverhalte näher steht der Bericht, welchen 
P. Capei seinem Nekrologe Niebuhrs (Antologia, Vol. XLI 
C, 156 vom Jahre 1831) einverleibt hat, ohne übrigens das 
wahrhafte Verhalten Leopardis zu seinem Gönner so darzu¬ 
stellen, wie es uns jetzt aus des Italieners vertraulichen Aeusse- 
rungen sich ergibt.*) Wie in Folge dieser persönlichen Bekannt- 


*) Ne qui parmi dover mandare in silenzio che quando ii Niebuhr 
non conosceva ancora della persona questo nostro italiano, ma erasi 
preso ad ammirazion di lui che in tenerella eta aveva potuto mandar 
fuori dei saggi pieni di veramente greca e romana emdizione, moströ 
un bei giorno desiderio di vederlo e accoglierlo in sua casa. II quäle 
recatosi da lui, giovinetto com’era e di ßolitaria vita, ai Bmarri alcun 
poco aila presenza di un tanto uomo, cui cresceva esterna dignitä il 
titolo di ministro del re di Prussia. Di che accortosi, e della cagione, 
il Niebuhr si perde anch’ egli assaisaimo, e verecoudia il prese della 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 243 

schaft verabredet wurde, Leopardi solle sich in einer Denkschrift 
bei dem Cardinal Staatssecretär Pius’ VIL, Ercole Consalvi, um 
eine Anstellung im Staatsdienste bewerben, welches Schriftstück 
Niebuhr überreichen und unter Hinweisung auf seinen bevor¬ 
stehenden Abgang befürworten würde, wie nach Rücksprache 
mit den in Rom wohnhaften Onkeln Leopardis die Stelle eines 
cancelliere del censo ins Auge gefasst und in der bezeichneten 
Weise erbeten wurde, zeigen folgende Stellen: Epist. I 296, 
302 und folgende, sowie in sehr gedrängter Darstellung die 
kurze Autobiographie eb. 487. Niebuhr brach am Sonnabend 
vor Ostern, also am 29. März 1823, von Rom auf (Epist. I 
311), ohne für seinen Schützling etwas erreicht zu haben. 
Am Ende des nächsten Monats kehrte Leopardi nach Recanati 
zurück. Die Fürsorge für ihn hatte Niebuhr seinem Nach¬ 
folger Bunsen ans Herz gelegt, der, wie der nachstehende 
Brief zeigt, die Sache weiter betrieb, auch ein Exemplar der 
ersten Ausgabe des M^robaudes (St. Gallen 1823) im Aufträge 
des Entdeckers und Herausgebers an Leopardi befördert hatte. 
— Die Klagen über Recanati als einen zur Fortsetzung irgend 
welcher Studien völlig ungeeigneten Ort kehren in Leopardis 
Briefen immer wieder, oft mit massloser Heftigkeit hervor¬ 
brechend: questa porca cittä, dove non so se gli uomini sieno 
piü asini o piü birbanti, Epist. II 12; invece d'essere disprez- 
zato e fuggito, come sono stato necessariamente a Recanati 
(cosa che per altro ha pregiudicato per sempre al mio carat- 
tere), II 64; qui.., dove morrei di rabbia, di noia e di ma- 
linconia, se di questi mali si morisse, II 120; io vi sarei de- 
bitore della vita, quando uscissi per mezzo vostro di questa 


propria grandezza; siech & ambedue rimaaero per qualche tempo a mi- 
rarsi Tun l’altro asperai il volto di pudore e appena proferendo poche 
ed interrotte parole. A. a. 0. S. 159. Es sei hier noch erwähnt, dass 
Niebuhr unzweifelhaft Leopardi im Sinne hat, wenn er 1824 in einem 
Briefe an die Hensler (Lebenanachrichten über B. G. Niebuhr III 92) 
sein wenig gültiges Urtheil über die Männer, die er in Rom vorge¬ 
funden habe, durch den Beiaatz müdert: „Doch habe ich einen jungen 
Mann kennen gelernt, der unter den allerangünBtigaten Umständen sich* 
sehr tüchtig ausgebüdet hat und mit ausgezeichneten Geisteagaben ein 
nobles Gemüth verbindet.“ 


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244 


ToULEli 


prigione, per venire a vivere al vostro lato, II 124; non e il 
minor dei dolori che provo in Roma, il vedermi quasi ripa- 
triato; tanta parte di canaglia recanatese ignota in tutto il 
resto del globo, si trova in questa cittä, II 169. Schön im 
Jahre 1817 hebt der Jammer an (I 28), und die verständigen 
Erwägungen Giordanis (II 277) werden mit grösster Ent¬ 
schiedenheit zurückgewiesen (I 33). — Uebrigens hat Leopardi 
nicht bloss in Briefen, welche nicht für die Oeffentlichkeit be¬ 
stimmt waren, sondern auch in dem durch ihn selbst heraus¬ 
gegebenen schönen Gedichte Le Ricordanze (1831) seinen 
Widerwillen gegen die engere Heimat ausgesprochen: 

N£ mi diceva il cor che Tetä verde 
Sarei dannato a consumare in questo 
Natio borgo selvaggio, intra una gente 
Zotica, vil; cui nomi strani, e spesso 
Argomento di riso e di trastullo, 

Son dottrina e saper; che m’odia e fugge, 

Per invidia non giä, che non mi tiene 
Maggior di se, ma perche tale estima 
Ch’io mi tenga in cor mio, sebben di fuori 
A persona giammai non ne fo segno. 

Qui passo gli anni, abbandonato, occulto, 

Senz’ amor, senza vita u. s. w. 

Im Gedanken an diese Stelle schrieb wohl der Dichter 
im October 1830 an seinen Bruder in Recanati, er möge je¬ 
dem der sechs Leute, die auf sein Buch (die 1831 erschienenen 
Canti, in welchen die ,Ricordanze' zuerst gedruckt wurden) 
subscribirt hätten, besonders danken und ihnen sagen, sie 
sollten dasselbe gratis bekommen, da es aus mehreren Gründen 
unbillig sein würde, wenn die Recanatesen es zu bezahlen 
hätten. — 

I. 

Illustriss, e Pregiatiss. Signore 

Ebbi la sua gentilissima lettera in data dei 12 del cor- 
rente, insieme collo stimatissimo dono del Sig. Ministro, e le 
rendo dell’una e delTaltro infinite grazie. Ho letto con som- 
mo piacere il Merobaude, e trovatovi un nuovo ed insigne 
testimonio della vasta e profonda dottrina del celebre Inven- 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 


245 


tore. Supplico -V a . Sign a . Illma a volerne esprimere da mia 
parte al Sig. Ministro la piü viva riconoscenza, e nel tempo 
stesso raccomandarmegli e presentargli i miei rispetti. Sa- 
rebbe mio dovere di scrivere al Sig. Ministro io medesimo, 
e desidererei grandemente di farlo; ma dopo avergli scritto a 
Napoli poco appresso il suo arrivo colä, non ho mai potuto 
sapere dai miei corrispondenti di Roma, doye egli si ritro- 
vasse, benche ne abbia piü volte domandato, e con gran pre- 
mura. 

Non posso che protestarmele sommamente tenuto degli 
ufficj ch’Ella si e compiaciuta di fare a favor mio, come ri- 
levo dalla sua pregiatissima. E ben vero che stante la scar- 
sezza d’impieghi secolari in questo Govemo, parve al Sig. 
Ministro ed a me, che un posto di Cancelliere del Censo fosse 
il meno incompatibile alle circostanze per ora, e questo posto 
fu domandato nella Supplica presentata a S. Eminenza. Ma 
non fu parlato punto di Recanati, la quäl citta non ha e non 
ebbe mai il Cancellierato del Censo, ed e un soggiomo af- 
fatto improprio a qualunque genere di studi, de' quali in queste 
parti non si conosce neppure il nome. 

Rinnovandole i miei piü distinti e sinceri ringraziamenti, 
e pregandola a volermi onorare de’ suoi comandi s'Ella mi 
crede buono a servirla in alcuna cosa, passo colla piü singo- 
lare stima e considerazione a confermarmi 

Di V a . Sign a . Illma 

Recanati 18. Agosto 1823. 

Devmo obblmo servitore 
Giacomo Leopardi. 

Adresse fehlt. 


2 . 


Der zweite Brief bedarf keiner Erläuterung. Die darin 
erwähnte Danksagung an Niebuhr steht gedruckt im Episto- 
lario I 322 und ist vom 10. Novemberjdatirt, 


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24G 


Tobler 


H. 

Stimatissimo Signore 

I/interesse che V. S. Illma ha ben voluto mostrare a quello 
che mi riguarda da che ebbi Tonore di conoscerla, mi ha dato 
cagione di sperare che la sua gentilezza, malgrado il mio poco 
merito, non ricuserebbe di favorirmi quando l’occasione si pre- 
sentasse. Questa fiducia mi fa ahimo di chiederle la sua assi- 
stenza in un affare dove essa potrebb’essermi di grande uti- 
litä. E venuto a vacare in questi Ultimi momenti il posto di 
Cancelliere del Censo in Urbino; e questo uffizio essendo suf- 
ficientemente provveduto, e non esigendo gran travaglio, po- 
trebbe somministrarmi i mezzi di passare la metä delfanno 
in Roma, e per conseguenza la possibilitä di esercitare e con- 
tinuare i miei deboli studi, i quali nel paese in cui mi trovo 
sono privi, com’ Ella sa bene, di ogni soccorso, e impossibili 
a coltivare. Io non so se Ella troverä opportuno di fare su 
questo soggetto qualche uffizio in mio favore nel modo che 
le sembrasse piü a proposito. In caso che non le rincrescesse 
di favorirmi, io le professerei le piü vive e le piü sincere ob- 
bligazioni, qualunque esito d altronde potesse avere il mio af- 
fare. E se questo riuscisse, io sarei tenuto principalmente a 
Lei del conseguimento di una cosa che dovendo proccurarmi 
la possibilitä di studiare, forma il piü grande e quasi lunico 
mio desiderio. 

Dopo Tavviso che Ella si compiacque di farmi pervenire, 
io scrissi al Sig. Niebuhr a Berlino per ringraziarlo deiresem- 
plare del Merobaude di cui mi aveva onorato. Non avendo 
mai saputo se la mia lettera gli sia giunta, ardisco pregarla 
caldamente di voler dirgli una parola che gli ricordi il rispetto, 
la riconoscenza e il devoto attaccamento ch’io gli professo. 

Y. S. Illma si compiaccia di perdonare la mia confidenza, 
e di accettare i voti ch'io formo per la sua felicitä nel nuovo 
anno, come dettati dalla stima e dalla riverenza con cui ho 
lonore di ripetermi 

Di Y. S. Illma 

Recanati 22 Decembre 1823 Devmo Obblmo Servitore 
Ohne Adresse. Giacomo Leopardi. 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 


247 


3. 

Auf welche Schritte Bunsens sich die in diesem und den 
nächst folgenden Briefen enthaltenen Danksagungen Leopardis 
beziehen, ergibt sich aus folgenden Worten der Eingangs er¬ 
wähnten eigenhändigen Aufzeichnungen des Ersteren. Die 
Stelle, die ich nicht zerreissen will, fasst freilich Dinge zu¬ 
sammen, welche ziemlich weit auseinander liegen und welche 
dem Verfasser nach so langer Zwischenzeit auch nicht mehr 
ganz in der thatsächlichen Folge gegenwärtig gewesen zu sein 
scheinen. „Bald starb Pius VIL [dies war schon den 20. August 
1823 geschehen] und kurz darauf Consalvi [24. Januar 1824], 
ohne dass für Leopardi etwas geschehen war. Bunsen ver¬ 
suchte nun, nachdem er selbst sich mit Leopardi befreundet 
hatte, das erhaltene Versprechen unter dem neuen Pontificate 
geltend zu machen [Leo XII., erwählt den 23. September 1823]; 
er überreichte auf Leopardis Bitte und in dessen Namen dem 
Cardinal Staatssekretär della Somaglia [Giulio Maria, geboren 
in Piacenza 1744, in seinem achtzigsten Jahre zu der angege¬ 
benen Würde erhoben] einen kurzen, aber sehr schön ge¬ 
schriebenen Aufsatz, worin Leopardi ausführte, um dem seichten 
Materialismus zu steuern, in welchen seit geraumer Zeit die itali¬ 
enische Speculation und Philosophie gerathen — ganz im Condil- 
lac’schen Sinne —, scheine nichts ihm geeigneter als eine in 
echtem altem Italienisch verfasste Antologia platoniana mit 
entsprechenden Einleitungen und Erläuterungen*) [der Vor¬ 
schlag, die sämmtlichen Werke Platos zu übersetzen, war ihm 
früher von einem Buchhändler gemacht, aber abgelehnt worden. 
S. Epist. I 280 und 282]. Er verlangte nur Mittel, um Müsse 
für dieses Werk zu gewinnen, wofür er schon vieles vorgear- 


*) Es liegt kein geringer Wandel der Ansichten zwischen diesem 
Vorhaben, wofern es Emst damit war, und den späteren Aeusserungen 
über Plato in dem Dialogo di Piotino e di Porfirio, Opere II 61 (Alla 
scuola e nei libri, aiami stato lecito approvare i sentimenti di Platone 
e seguirli; poichfc tale & Tußanza oggi: nella vita, non che gli approvi, 
io piuttosto gli abbomino, was unverkennbar des Autors eigenes Ver¬ 
halten charakterisirt) und über die Philosophie des 18. Jahrhunderts im 
vierten Gesänge der Paralipomeni Str. 14 und folgende. T. 


f 


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248 


Tobleu 


beitet habe. Der Cardinal fand die Idee vortrefflich. Der weit 
verbreitete Dichterruf Leopardis und seine Meisterschaft in 
der Sprache der Trecentisten waren damals schon mächtige 
Zeichen, was von einem solchen Geiste erwartet werden könne." 
Es folgt eine Notiz betreffend die Leopardi so gut gelungene 
Mystification der gelehrten Zeitgenossen, darunter bekanntlich 
Cesari (s. Epist. I 428) und, wie Bunsen erzählt, della Soma- 
glia, durch die Herausgabe des Martirio de' Santi Padri, dessen 
erste Exemplare Leopardi (Epist. I 419) erst im Januar 1826 
erhielt, und die in Folge davon an ihn ergangene Einladung, 
die Stelle des Rettore della Sapienza, der von Leo X. gegrün¬ 
deten römischen Universität, anzunehmen unter der Bedingung, 
dass er in den geistlichen Stand trete. Daran dass Leopardi 
sich auf Letzteres nicht habe einlassen wollen, sei die Sache 
gescheitert. „Die hierarchische Reaction, welche Leo Xn. auf 
den Thron gehoben hatte und sein Pontificat leitete, machte 
unmöglich, was unter Pius VII. nur schwer gewesen war.“ 
In den Anfang der hier in kurzem Berichte zusammengefassten 
Verhandlungen fallen folgende nicht uninteressante Einzel¬ 
heiten: Im Juni oder Juli des Jahres 1825 hatte Bunsen, 
wie er später an Niebuhr meldete (s. seinen Brief vom 16. 
August im ersten Bande S. 225 seiner Biographie), seinen Be¬ 
werbungen für Leopardi bei dem Cardinal Staatssecretär da¬ 
durch rascheren Erfolg zu sichern versucht, dass er dem Letz¬ 
teren ein Schriftstück vorlegte, welches ihn die Gefahr sollte 
erkennen lassen, den hochbegabten jungen Mann an die geg¬ 
nerische Partei zu verlieren, die denselben durch begeistertes 
Lob zu gewinnen suche. „Ich benutzte ein mit invidiösen 
[soll wohl heissen: insidiösen] Anspielungen auf Rom gewürztes 
Lob der Antologia di Firenze von dem hier verhassten Gior- 
dani, um den Cardinal Secretär zu bestimmen, den ✓geistreichen 
und tiefsinnigen Jüngling durch verdiente Protection aus den 
Netzen dieser Menschen zu ziehen." Es handelt sich dabei 
um einen umfangreichen dem Januarhefte des Jahrgangs 1825 
der Antologia vorangedruckten (späterhin im 11. Bande der 
Opere oder dem 4. der Scritti editi e postumi di Pietro Gior- 
dani, Milano 1857 S. 93—117 wiederholten) Aufsatz, in wel¬ 
chem Giordani Bericht erstattet über ein literarisches Unter- 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 


249 


nehmen, mit dem er sich lange Jahre getragen, das eine ein¬ 
gehende Darstellung alles dessen habe bieten sollen, was an 
Naturanlagen und an sorgsam angewandten Bildungsmitteln 
die unerlässlichen Voraussetzungen vollendeter italienischer 
Schriftstellerthätigkeit ausmache, ein Unternehmen, welches 
durchzuführen er sich nicht getraue, so dass er sich bescheide 
eine Scelta di Prosatori italiani in 25 Bänden herauszugeben 
mit einleitenden Abhandlungen, die in Verbindung mit den 
Musterwerken geeignet sein mögen, etwelchen Ersatz für die 
unterlassene theoretische Darlegung zu gewähren. Der Auf¬ 
satz, welcher allerdings durch mehrfachen Hinweis auf Galilei^ 
durch die Erinnerung an das Ausbleiben eines geistigen Auf¬ 
schwunges in Italien in der ersten Hälfte des 16. Jahrhun¬ 
derts (S. XXn), durch die Erwähnung des ostinato furore 
di Clemente VH u. dgl. am römischen Hofe verletzen mochte, 
enthält mit Beziehung auf Leopardi, mit dem ja Giordani seit 
langen Jahren innig befreundet war, folgende Worte: ,Quello 
che io ho invano benche fervidamente desiderato, sarä fatto ... 
forse dal conte Giacomo Leopardi, se a quellingegno im- 
menso e stupendo, se a quegli studi fortissimi, se a quella 
gioventü promettitrice credibile di cose straordinarie, la for- 
tuna (che giä troppo gli e invidiosa) permetterä una vita, 
non chiedo 'felice e lieta, ma almeno tolerabile (S. XV)/ Das 
Heft der Antologia erhielt Bunsen mit folgendem Briefe des 
Cardinais zurück. 


a. 


Dalle Stanze del Vaticano No. 6217. 

li 16: Luglio 1825. 

Nel renderle il Fascicolo delVAntologia di Firenze, che 
VS. Hlma mi ha gentilmente favorito, Le eonfermo quanto 
in voce Le esternai riguardo al Sig. Conte Leopardi, al quäle 
procurerö in ogni modo di rendermi utile, sicuro, se il mio 
pensiero ha luogo, di beneficare in Lui la patria letteratura. 

Per quanto ho pensato alla maniera di riuscirvi, trovo, 
che la piü nobile sarebbe quella di porlo nell'impegno di fare 


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250 


Tobuik 


qualche opera, che mentre prowedesse alla sua gloria nella 
etä futura, riunisse una pubblica utilitä. Potrei allora far 
sentire al Santo Padre la necessitä di fornirgliene i mezzi 
nella ristrettezza attuale di quelli, che la Prowidenza ha posti 
finora a sua disposizione. Che se l’Opera avesse una stretta 
relazione colla Religione, si renderebbe tanto piü facile Tese- 
cuzione del mio disegno. 

Potrebbe intanto presentarsi la occasione di situarlo de- 
corosamente, ed in corrispondenza della sua nascita, e de’ suoi 
talenti. 

Ella, che ha qualche sorte di familiarita con Lui, poträ 
fargli sentire questo mio suggerimento, e se Egli lo gusterä, 
farä -bene, se mi farä per di Lei mezzo conoscere la scelta 
dell’Argoinento, su cui si proporra di esercitare il suo raro 
ingegno, e le molte cognizioni, delle quali in etä ancora si 
fresca ha saputo fare un tesoro. 

Rinno vo intanto a VS. Illma i sentimenti della mia di- 
stinta stima. 

Gm. Card. le della Somaglia. 

Sig. C e . Bunsen, 

Incaricato di Affari di S. M. il Re di Prussia. 


Hierauf erfolgte ohne Zweifel der von Bunsen im Vor¬ 
stehenden erwähnte Vorschlag Leopardis, er wolle die durch 
eine Staatsanstellung zu gewährende Müsse zur Ausarbeitung 
einer Antologia platoniana verwenden. Von den beiden nach¬ 
stehenden Schriftstücken, deren erstes ohne Datum und ohne 
Unterschrift ist, gehört wenigstens das zweite sicher hieher; 
es ist dasjenige, welches Bunsens allzufrüh frohlockenden Brief 
vom 16. August an Niebuhr veranlasste. „Einer der ange¬ 
nehmsten Vorfälle in meinem hiesigen Geschäftsleben ist ge¬ 
wesen, dass ich endlich durchgesetzt habe, dass Leopardi an¬ 
gestellt wird und zwar gerade die Stelle erhält, die er wünscht, 
nämlich Generalsecretär der Academie der schönen Künste in 
Bologna mit dem speciellen Auftrag, seine Müsse zu benutzen, 
um seine italienische Blumenlese aus Plato mit Abhandlungen 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 251 

gegen den Materialismus seiner Landsleute und Glaubens¬ 
genossen (d. h. doch wohl der Katholiken?) zu schreiben, wo¬ 
für er eine besondere Zulage erhält, d. h. erhalten soll. Aber 
die Anstellung ist -bereits erfolgt. . .. Ich habe dem vortreff¬ 
lichen alten Manne (dem Cardinal) auch in Ihrem Namen ge¬ 
dankt, indem ich ihm erklärte, dass ich dieses ganze im- 
pegno von Ihnen geerbt und deshalb so eifrig betrieben 
habe." 


b. 

Pro Memoria 

Al Sig®. Di Bunsen 

Incar°. di affari di S. M. Prussiana in Roma. 

Essendo vacata la Cancelleria del Censo nel Distretto di 

Urbino, la quäle per l’estensione del suo Circondario e di pri- 

mario rango, si da luogo alla promozione di altro Cancelliere, 

e perciö alla vacanza probabilmente della Cancelleria Censuaria 

in Loreto. 

♦ 

Sarebbe questa la piü bella opportunitä per il Conte Gia¬ 
como Leopardi, onde godere gli effetti della preziosa bene- 
volenza del Sig. Barone Di Niebuhr, e dellegregio Sig°. Di Bim¬ 
sen Incaricato di affari di S. M. Prussiana. 

II Govemo potrebbe opporre a questa domanda la mas- 
siraa adottata di conferire le vacanti Cancellerie del Censo 
agli attuali Sostituti, volendo che tali secondarj impieghi re¬ 
stin o per siffatto modo successivamente soppressi. 

Ma non vi ha legge senza eccezione, come se ne hauno 
frequenti esempj. Nel caso presente poi Teccezione a favore 
del Conte Giacomo Leopardi sarebbe un atto di giustizia, su- 
bitochfe il giä Sig®. Card. Segretario di Stato (sotto il Ministero 
del quäle erasi stabilita quella massima) promise tuttavia al 
Sig. Baron di Niebuhr, e ne fece aver la conferma al Sig®. Di 
Bunsen, che alla prima vacanza il Conte Giacomo Leopardi, 
in vista delle sue letterarie fatiche, avrebbe ottenuta Fimplo- 
rata Cancelleria del Censo. 

Sieche quando il prefato gentilissimo Sig. Di Bunsen, per 
quella bontä che mostra verso il Conte Leopardi, interponga 
alluopo, e con efficacia la sua mediazione, non sembra cre- 


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252 


Tobleu 


dibile, che il Governo possa revocare la data promessa. E 
se mai si rispondesse, che giä la vacante Cancelleria del Censo 
e stata conferita, ottenga almeno l’egregio Mediatore un Pon- 
tificio Rescritto, con cui fin da ora si assicuri il Conte Gia- 
como Leopardi, che alla prossima vacanza verra a Lui conferita 
la Cancelleria del Censo in Loreto, o almeno in altro distretto 
nella Marca o nel Ducato di Urbino ecc. ecc. ecc. 


c. 

Illmo Signore! 

CoR Ordinario di oggi ho scritto una Lettera pressan- 
tissima all’ Emo Legato di Bologna perche disponga quell’ ac- 
cademia a scegliere in suo Segretario il meritevole Sig r . 
Conte Leopardi. Sarö ben fortunato se potrö cosi contribuire 
a conservare fra noi un Uomo che ci onora. La di Lui Let¬ 
tera, che V. S. Illma mi ha cortesemente trasmessa me lo ha 
fatto stimare di piü per la rettitudine de’ sentimenti che con 
amalgama ben raro in questi nostri giomi di aberrazione men¬ 
tale congiunge al suo straordinario sapere. Io la riterrö an- 
cora per qualche tempo presso di me, se V. S. Illma me lo 
permette, onde valermene in di Lui elogio. Per tutto il ri- 
manente, di cui mmtrattiene Ella piacevolmente nella sua 
gentilissima Lettera, ne parleremo insieme, dopo che avro 
avuto risposta da Bologna alla mia di questo stesso giomo. 

Debbo ringraziarla dell’impegno che si prende da Lei a 
pro di questo esimio giovane che in cosi verde etä e cosi ma- 
turo di cognizioni. Ella mi ha agevolato nell’esercizio d’uno 
de’ miei doveri piü sacri e piü cari, cioe nel favorire il merito 
reale di cuore e di mente. 

Le rinnovo in tale incontro le assicurazioni sincere dellä 
mia distinta stima, con cui ho il piacere di confermarmi 

Dalle Stanze del Yaticano Di Y. S. Illma 

li 11. Agosto 1825. Servitore V°. 

Gm. Card le . della Somaglia. 


Sig r . C. Bunsen 

Incaricato di AflFari di S. M. Prussiana. 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 


253 


Die Freude Bunsens erwies sieh als eine vorzeitige. Schon 
den 30. Januar 1826 schrieb er an Niebuhr: „Leopardi und 
mich hat man schrecklich an der Nase herumgezogen; nach 
allen, auch schriftlichen, Versprechungen geschieht nichts für 
ihn.... Wäre ich reich, er sollte in einem Monat über den 
Alpen sein.“ (Bunsens Leben I S. 226.) Soviel zum Ver- 
ständniss der nächstfolgenden Briefe. — Der Marchese Antici 
ist der auch späterhin erwähnte Bruder von Leopardis Mutter 
Adelaide. 


m. 

Pregiatissimo Signore 

II Marchese Antici mi ha informato della moltitudine e 
grandezza delle obbligazioni che mi corrono verso V. S. Illu- 
strissima, dandomi conto di ciö che Ella si e compiaciuta di 
fare in favor mio, e degli effetti che n'e sono risultati. Mal- 
grado il timore che io ho di turbarla nelle sue occupazioni, 
e quantunque io speri che lo stesso Marchese Antici non la- 
scerä di far con Lei le mie parti nel modo il piü energico, 
crederei di mancare al piü preciso dovere se non cercassi d’espri- 
merle io stesso e testificarle la mia somma riconoscenza. 
Quanto e minore il merito che io scuopro in me, tanto cresce 
il sentimento della gratitudine che m ispirano i suoi favori. 
La supplico a credere che io non sono per dimenticarli in al- 
cun tempo, ne mi riputerö mai sciolto dalTobbligo che mi pre- 
gio di professare a V. S. Illustrissima. 

Desidererei bensi vivamente che Ella si compiacesse di 
proccurarmi occasione nella quäle io potrei dimostrarle effetti- 
vamente qualche parte della mia gratitudine. Quantunque io 
conosca la mia insufficienza, nondimeno ardisco pregarla istan- 
temente a volermi dar campo di porre in opera il desiderio 
che tengo di servirla. 

Le tante prove di cordialitä e di gentilezza che V. S. Il¬ 
lustrissima si h compiaciuta darmi finora, non lasciano luogo 
a dubitare che Ella non voglia compir l’opera sua, continu- 
andomi il suo aiuto e il suo appoggio fino al termine del 


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254 


Tobler 


mio desiderio. Ella sara mossa per lavvenire dalla sua pro- 
pria cortesia senza mio merito, come per il passato. 

Ritorno ad offrirmi con tutto l’animo ai suoi comandi, e 
pregandola soprattutto a conservarmi la sua benevolenza, ho 
Tonore di ripetermi con piena e singolare stima 

Di Lei Pregiatissimo Signore 

Recanati 30 Maggio 1824. 

Devmo Obblmo Servitore 
Giacomo Leopardi. 


4. 

Der Merobaudes, für dessen Zusendung Leopardi im Fol¬ 
genden sich bedankt, ist die zweite Auflage (Bonn 1824), in 
welcher Leopardis Conjecturen zu dem Autor, die in dem 
oben angeführten Briefe an Niebuhr stehen, mit den oft (z. B. 
Studi filol. S. 336) wiederholten freundlichen Worten durch 
diesen beurtheilt sind. — Der weiterhin genannte Herr Rein¬ 
hold kommt auch im Epistolario ein paar Male vor; ein Brief 
an ihn findet sich I 329, genannt wird er ausserdem II 26, 
73, 93-, er scheint die gesammte Familie Leopardis wohl ge¬ 
kannt zu haben. Nachrichten über seine Lebensumstände von 
seinem Freunde J. H. von Wessenberg bilden die Einleitung 
zu „Dichterischer Nachlass von Johann Gotthard von Rein¬ 
hold, weiland Königlich Niederländischem Gesandten in Rom 
etc. Herausgegeben von K. A. Varnliagen von Ense. Leip¬ 
zig 1853.“ Zwei Bände. Unter seinen zahlreichen Ueber- 
setzungen aus dem Italienischen (er hat u. A. den ganzen 
Canzoniere des Petrarca verdeutscht) finden sich keine von 
Leopardi sehen Dichtungen. Er war 1771 zu Amsterdam ge¬ 
boren und starb 1831 in Hamburg. 

IY. 

Recanati 31 Luglio 1824. 

Pregiatissimo Signore 

La sua gentilissima dei 13 dello spirante mi e giunta 
ritardata per uno di questi soliti errori postali, insieme col 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 255 

Merobaude che Ella mi ha favorito per parte del Sig. Nie- 
buhr. Sono rimasto confuso di tanta bontä delTuno e delFal- 
tro, e in particolare non trovo parole sufficienti per ringra- 
ziarla della somma cordialitä che Ella mi dimostra nel. co- 
gliere le occasioni propizie di ricordarmi all’ Emo di Stato. 
Conosco tutta la giustezza, del di Lei consiglio circa il man- 
dare una Supplica dove sia specificato un posto vacante, ed 
avrei grande speranza che questa supplica presentata dalle di 
Lei mani, ed aiutata dalla sua interposizione, ottenesse Teffetto. 
Ma pur troppo veggo la difficolta di conoscere le vacanze dei 
posti opportunamente, tanto piü trovandosi, come io mi trovo, 
lontano dalla capitale. Io farö tuttavia le diligenze possibili 
per avere le notizie occorrenti, e quando mi riesca di aveme, 
non mancherö di seguire il di Lei consiglio, mandando a Lei 
una Supplica secondo la sua insinuazione, e profittando della 
gentile offerta che Ella mi fa di presentarla personalmente. 

Il mio Zio Antici (il quäle e pienissimo di stima singo- 
lare verso di Lei, e mi parla spesso delle sue rare qualita) 
m’incarica di farle mille complimenti dalla sua parte, e di 
ringraziarla distintamente della notizia favoritagli intorno al 
Sig. Reinhold, al quäle mi dice avere scritto a Brusselles nel 
Giugno passato. 

Quanto al Sig. Niebuhr, io sono stato sorpreso del pregio 
che egli ha voluto dare alle mie debolissime congetture, e 
della menzione onorevole che gli e piaciuto far di me nel suo 
degno ed eruditissimo lavoro. Gli scriverö io stesso per rin- 
graziarlo, ma in caso che Ella ne abbia occasione, non lascio 
di pregarla a volergli significare la mia riconoscenza, affinche 
i miei ringraziamenti, venendo da Lei, gli riescano piü graditd. 
Io le sarö gratissimo anche di questo favore. 

Sarebbe per me una vera gioia il rivederla personalmente 
in questo tempo che Ella passera in Italia, e godere della 
sua conversazione con qualche speranza di profittare de'suoi 
lumi. Il desiderio che Ella stessa si compiace di testdficarmene, 
mi obbliga alla piü tenera gratitudine. Avrei ben caro che 
la speranza di ciö corrispondesse in me al desiderio grandis- 
simo che ne tengo. Ma in ogni caso, o vicino o lontano da 
Lei, non perderö mai la memoria dei suoi favori, la viva ri- 

^fthrb. f. rom. n. engl. Lit, N. F. I. 18 


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256 


Tobler 


conoscenza che le debbo, la particolare stima che le professo, 
e la brama di essere onorato dei suoi comandi, ai quali offe- 
rendomi di tutto cuore, mi ripeto col maggior sentimento 
possibile 

Di Lei Pregiatissimo Signore 
Devmo Obblmö Seryitore 
Giacomo Leopardi. 


5. 

Leopardi war im Sommer des Jahres 1825 über Bologna, 
wo er sich vom 18. bis zum 27. Juli aufhielt, nach Mailand 
gereist, wo wir ihn vom 30. Juli bis zum 26. September fin¬ 
den. Ihn hatte dahin der dortige Verleger Stella berufen, 
welcher seine Einsicht in philologische Dinge zwei zu veran¬ 
staltenden Ausgaben der Werke Ciceros wünschte zu Gute 
kommen zu lassen, wozu Leopardi sich gern bereit finden 
liess (8. Epist. I 377). Von hier an datirt das für die äussere 
Lage des Dichters bedeutungsvolle, erst zur Zeit seiner Ar¬ 
beitsunfähigkeit abgebrochene (s. Epist. 'II 105) geschäftliche 
Verhältniss zu dem achtungswerthen Buchhändler, der ihm 
monatlich anfänglich 10 (Epist. I 378), später 20 römische 
Scudi auszahlen liess, einen zur Befriedigung von Leopardis 
sehr mässigen Bedürfnissen ungefähr ausreichenden Betrag 
(Epist. II. 122), wogegen derselbe Beiträge zu Stellas Rico- 
glitore, sein Martirio de’ Santi Padri, seinen Petrarca, seine 
Crestomazia, seine Operette vermuthlich nicht ohne weiteres 
Honorar lieferte und mit der Aufsicht über die Ausführung 
der Cicero-Ausgaben betraut blieb. — Von Mailand kam Leo¬ 
pardi den 29. September nach Bologna, wo ausser der Be¬ 
schäftigung für Stella einträglicher Unterricht an wohlhabende 
junge Männer die Unterstützung von Seiten des Vaters ent¬ 
behrlich machte. — Bunsen hatte an Leopardi das Secretariat 
in Bologna betreffend noch nach Mailand geschrieben (Epist. 
I 381), über denselben Gegenstand, wie wir hier und Epist. 
I 388 erfahren, zum zweiten Mal am 5. October durch Ver¬ 
mittelung des Oheims Antici in Urbino. Wir sehen aus Leo¬ 
pardis hier folgender Antwort in Verbindung mit seinem 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacorao Leopardi. 25? 

Briefe an Carlo. vom 28. October, dass der Cardinal eine Pro¬ 
fessur der griechischen und der lateinischen Eloquenz an der 
römischen Sapienza als leicht erreichbar in Aussicht gestellt 
hatte für den Fall, dass er über das Secretariat in Bologna 
nicht nach Bunsens Wunsche sollte verfügen können. Der im 
Eingang erwähnte, kurz vor dem 24. October geschriebene 
Brief Leopardis scheint sich eben so wenig erhalten zu haben, 
wie der andre, ostensible. 

V. 

Bologna 24 Ottobre 1825 

Pregiatiss. Sig. Cav. 

Presi la libertä d'incomodarla con una lunga mia lettera 
Tordinario scorso, col quäle appunto mi giunse da Milano la 
notizia della sua dei 5 Ottobre diretta al mio Zio Antici, che 
credendomi ancora a Milano mi scrisse colä. Dalla sopraddetta 
mia Ella avrä conosciuto lo stato dell'afifare relativamente 
al Segetariato di questa Accademia di B. Arti, il quäl posto 
e ancora effettivamente e pienamente in mano e a disposizione 
deir Emo di Stato. Forse mi riuscirä di muovere questa me- 
desima Legazione a tomare a scrivere in proposito alla Segre- 
teria di Stato, e a proporle di dare qualche compenso al Sig. 
Tognetti, assegnando a me il Segretariato deir Accademia. In 
qualunque modo ardisco di farle osservare che da una parte 
il soggiomo di Roma, specialmente nell estate, e poco adattato 
al mio temperamento, e alla mia salute assai debole; dal- 
Paltra parte, che una cattedra non so quanto mi potrebbe con- 
venire per due ragioni, Tuna fisica, cioe la grandissima debo- 
lezza del mio petto, l'altra morale, cioe la miapoca attitudine 
a trattare con una scolaresca, sempre insolente, attesa la ti- 
midita naturale del mio carattere. Dubito ancora che gli 
emolumenti annessi alle cattedre di cotesta Universita possano 
bastare a mantenermi in Roma, dove le spese quotidiane sono 
assai maggiori che in Bologna. 

Per queste considerazioni, profittando della sua insigne 
bonta e delle sue gentilissime esibizioni, liberamente le dirö, 
che se Ella, servendosi delle notizie avute dalla mia del pas- 
sato ordinario, potesse indurre TEmo di Stato a volgere nuo- 
vamente il pensiero al Segretariato di questa Accademia, cid 

18 * 


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258 


Tobleb 


mi sarebbe caro sopra ogni altra cosa: ma che quando ciö 
non si possa, io sono disposto ad accettare con gratitudine 
qualunque altro posto che la sua officiosissima e amorosissima 
cura poträ impetrare dalla beneficenza deirEmo di Stato. 
Quest' ultimo sentimento e quello che ho espresso nella let- 
tera ostensibile che le accludo. 

Ripeto che la mia riconoscenza alle infinite grazie usa- 
temi da Lei, non ha limiti, e non avrä mai fine; e pregandola 
nuovamente dei miei distinti rispetti al Sig. Niebuhr, ho l’o- 
nore di dirmi 

Suo Devmo obblmo servitore 
Giacomo Leopardi. 

P. S. Io mi fermerö ancora per qualche tempo in Bo¬ 
logna, dove Ella poträ dirigermi le sue lettere, qualunque volta 
mi voglia onorare dei suoi caratteri. 

A Sua Eccellenza 
II Sig. Cavalier de Bunsen 
Incaricato di affari di S. M. Prussiana in 

Roma. 


6 . 

Leopardi antwortet auf den Brief, den er auch in dem 
Schreiben an Carlo (Epist. I 388 unten) vom nämlichen Tage 
erwähnt. — Die Uebersetzung der sämmtlichen Werke Pla¬ 
tons von Cousin hatte 1825 zu erscheinen angefangen. 

VI. 

Bologna 28 Ottobre 1825 
Pregiatiss. Sig. Cavaliere. 

In questo momento ricevo ramabilissima sua dei 25 dei 
corrente, piena anzi ridondante di gentilezza e bontä. A que- 
st’ora credo ch'Ella avrä ricevuta la mia dei 24, colT acclusa 
ostensibile. Ora le dico che se remolumento della Cattedra 
combinata di eloquenza greca e latina* pare a Lei che basti 

*) Von Bunsens Hand ist am Rande bemerkt: „200 scudi! u was in 
Uebereinstimmung steht mit der Angabe Leopardis an seinen Vater 
Epist. I 396. 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 259 

a vivere onoratamente in cotesta cittä, Ella puö fin da ora 
far tutti quei passi che crederä opportuni perchfe io ne sia 
graziato, giacche son disposto di accettarla, e di recarmi costä 
al primo cenno del Governo. Bensi, parlandole con quella 
confidenza e schiettezza, che mi e permessa dall’amicizia ch’Ella 
mi dimostra, le soggiungo che io mi trovo ora in tali stret- 
tezze, che (non volendo gravare la mia famiglia) il viaggio 
di qui a Roma mi riuscirebbe difficile ad intraprendere, e perö 
la pregherei di supplicare l ; Emo di Stato a porre il colmo 
alla sua bonta verso di me con farmi somministrare qualche 
somma sufficiente al viaggio, in caso che Sua Eminenza si degni 
di onorarmi e beneficarmi colla nomina alla detta Cattedra 
combinata. 

Piü non mi dilungo, perchfe la posta parte. Ho letto il 
Platone di Cousin, e per quello che si poteva aspettare da un 
francese, mi pare un lavoro assai diligente. Lo trovo poi ottimo 
quanto alla parte filosofica, ed anche quanto alla eleganza e 
purita dello stile. Non dissimulo che alcune sue interpretazioni 
non mi paiono giuste, ma cio non toglie al merito dell'opera 
in generale. Il mio desiderio di riveder Lei, e di profitt^re 
della sua conversazione e dei suoi lumi, e infinito. Colla dolce 
speranza di godere di questo bene fra poco, e colla piü viva 
gratitudine all ; amorevolezza che Ella mi ha usata e mi usa, 
offerendomi in ogni cosa ai suoi comandi, ho Tonore di ri- 
petermi 

Suo dmo obblmo servitore affettuosiss. 

Giacomo Leopardi. 


7. 

Der Brief Bunsens, auf welchen Leopardi im Folgenden 
Antwort gibt, wird von ihm auch seinem Vater gegenüber be¬ 
rührt (Epist I 395), dem er über Ursache und Art seines 
Leidens ausführlich berichtet, während er es demselben bis 
dahin geheim gehalten hatte. — Von der Anerbietung, die 
mit 200 Scudi dotirte Professur zu übernehmen, ist auch da 
die Rede 5 ein damit wohl nicht identischer Vorschlag, der 
nicht viel später erfolgt sein muss, ist gegen die Schwester 


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260 


Tobler 


(Epist. I 471) erwähnt; auch er war unannehmbar durch 
die daran geknüpfte Bedingung, das geistliche Gewand zu 
tragen.*) — 

Von den Ulfilas-Arbeiten Castigliones erschien, nachdem 
1819 die erste Probe gegeben worden war, erst 1829 Wei¬ 
teres. — Das literarische Vorhaben, dessen am Schlüsse ge¬ 
dacht wird, kommt in den Briefen an Stella oder an dessen 
Sohn (Epist. I 392, 399, 442) mehrfach zur Sprache. Was 
von erwähnten Arbeiten vollendet worden ist, hat man, Leo- 
pardis Nachlasse entnommen, dem zweiten Bande der Opere 
ein verleibt. — Ueber die Natur vonBunsens „amorosa quanto 
generosa e nobile offerta“ gibt der vorletzte der hier mitge- 
theilten Briefe Aufschluss. 

VII. 

Bologna 16 Novembre 1825 
Pregiatissimo Sig. Cavaliere 

Ciascuna sua lettera e piena di tanto amore e di tanta 
bontä, che mi fa non solamente intenerire di gratitudine, ma 
meravigliare. Questa poi che ora ricevo dei 12 del corrente, 
e tale, che qualunque cosa del mondo non avrebbe forza di 
farmi dimenticare finchfe io vivrö le prove della vera e raris- 
sima amicizia che Ella con essa mi da. il ben vero che in 
contraccambio io non le posso offerire altro che i sentimenti 
piü vivi e piü intimi di un cuore che conosce ed apprezza il 
suo quanto merita. Ella si compiaccia di accettar dunque 
questi sentimenti, che sono Tunica cosa che io possa dare, 
assicurandola che saranno eterai. 

Conosco benissimo' la saviezza 1 del suo consiglio di venire 
a Roma immediatamente, e veggo, come Ella dice, che questo 
sarebbe il modo sicuro di esser finalmente impiegato. Ma debbo 
confessarle che in questi momenti mi sarebbe assolutamente 

*) Es handelt sich hier ohne Zweifel um. dieselben Dinge, über 
welche weiter oben (zum dritten Briefe) aus Bunsens Notizen Einiges 
mitgetheilt ist, um das Anerbieten nämlich, zu welchem der Cardinal 
durch die Kunde gebracht wurde, Leopardi sei der Verfasser des Mar- 
tirio. Dieses war im Januar 1826 erschienen (Epist. I 377, 386, 419, 
428, 436); im August konnte Leopardi der Schwester bereits melden, er 
habe abgelehnt. 


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Ungednickte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 261 

impossibile di pormi in viaggio, perche alle altre mie disgrazie 
si h aggiunta ora una malattia intestinale, prodotta dal calore 
che ho sofferto nel viaggio di Milano questa estate. La quäl 
malattia, quantimque non grave finora, mi h perö molto in- 
comoda, e mi rende insopportabile il moto, massimamente 
della carrozza; e quel ch'e peggio, par molto ostinata. Questa 
ragione nTimpedisce di profittare della veramente amorosa 
quanto generosa e nobile sua offerta, della quäle non mi ri- 
corderö mai senza tenerezza. Ci6 che Ella mi scrive circa 
l’emolumento di cotesta Cattedra vacante, unito alle passate 
mie considerazioni sopra le insalubrita di cotesto clima nel- 
Testate, e sopra la debolezza mia fisica e morale, poco atta a 
dar lezioni ad un pubblico, mi fa tomare al mio primo de- 
siderio di vedermi collocato piuttosto qui in Bologna, dove il 
vivere onoratamente costa assai meno che in Roma, dove fa- 
cilmente si hanno libri dagli amici, e dove il posto di Segre- 
tario delT Accademia, esigerebbe ben piccola fatica e piccolo 
tempo. Per tanto, se l’affare della Cattedra e ancora, come 
Ella mi dice, res integra, io avrei molto caro, che Ella vo- 
le88e continuare ad impiegare il suo credito presso TE^o di 
Stato per ottenermi o il Segretariato, o anche qualche altro 
piccolo emolumento qui in Bologna piuttosto che altrove. Se 
queato perö fosse impossibile, resti sempre fermo che io ac- 
cetterö la Cattedra, purche Temolumento basti a poter vivere, 
e mi porterö costa al primo cenno, subito che la mia salute 
me lo permetta. 

L'affare delT Ulfila, per quel poco che io conosco, e fatti- 
bilissimo, specialmente con buone raccomandazioni. Mi pare 
ricordarmi che anche TAbate Bentivoglio, Dottore del Col- 
legio ambrosiano, mi disse che Castiglioni non pensava per 
ora alTülfila. Ho molta amicizia con questo Ab. Bentivoglio, 
che e continuamente nelTAmbrosiana, e che per via privata 
potrebbe essere utilissimo a chi volesse copiar qualche cosa 
da quella Biblioteca, della quäle egli e quasi il Custode, ed 
io non mancherei d’impegnarlo ad aiutare per sua parte Tim- 
presa il piü che potesse. Il suo modo di pensare e molto 
diverso da quello del Mai. 

Costi in Roma ebbi in mano per qualche momento il 


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262 


Tobleb 


Platone di Bekker, ma confesso che non ebbi o il tempo o 
la diligenza di esaminarlo quanto alTordine. Veggo che il 
Cousin, il quäle per altro ha fatto grandissimo usodi Schleier¬ 
macher, non Tha perö seguitato nelF ordine, tenendosi piuttosto 
alTantico; e che l'Astio segue un ordine nuovo e immaginato 
da esso medesimo. — Nel ritiro a cui mi obbliga qui la mia 
malattia, ho intrapreso la traduzione di una Scelta di mora- 
listi greci, nella quäle doyranno entrare anche i Pensieri di 
Platone. Oramioccupo di una raccolta dei piü bei frammenti 
conservati nella collezione di Stobeo, opera troppo trascurata, 
anzi dimenticata affatto nelle lingue moderne, per quello che 
io sappia. Il manifesto di questa Scelta di moralisti uscirä 
presto in Milano ed anche il primo volume, contengnte le 
Operette morali d'Isocrate, che io aveva giä tradotte poco fa. 
Ella segua ad amarmi, e sia certa delTetema riconoscenza 
del suo 

Dmo, gratissimo ed affettuosissimo amico e servitore 
Giacomo Leopardi. 

P. S. Debbo pregarla a non far parola della mia ma¬ 
lattia con chi potesse scriveme alla mia famiglia, alla quäle 
Tho tenuta fin qui costantemente celata, sapendo che la no- 
tizia di essa getterebbe i miei parenti in una grande angustia. 

A Sua Eccellenza 
Il Sig. Cav. De Bimsen 
Incaricato di affari di S. M. Prussiana in 

Roma. 


8 . 

Bunsen hatte, wie aus Leopardis Briefe vom 4. December 
an seinen Vater ersichtlich wird (Epist. I 401), neuerdings 
Hoffnung auf das Secretariat in Bologna machen zu dürfen 
geglaubt. Aus dem nämlichen Schreiben erfahren wir auch, 
was es mit dem Amte auf sich hatte (tener certi registri e 
fare una volta alFanno un discorso che poi si stampa), 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 263 

vm. 

Bologna, 5. Dicembre 1825 
Pregiatissimo Sig. Cavaliere 

Sono in debito di ringraziarla della stimatissima e caris- 
sima sua dei 22 Novembre. La mia salute, per la qu^le Ella 
gentilmente e amorosamente mostra si vivo interesse, va di 
giomo in giomo migliorando, benchä lentamente. Pur non 
sono obbligato a guardare il letto, e posso anche uscire un 
poco di casa, camminando adagio. 

Ella mi da pur buone nuove circa Taffare del Segreta- 
riato di quesf Accademia. Io debbo a Lei ogni cosa in 
questo affare, e riuscito che sia, come Ella mi da ferma spe- 
ranza, potrö dire con veritä di esser creatura sua, come 
fin da ora mi pregio e mi pregerö sempre di esserle un amico 
obbligatissimo e pieno di gratitudine. Ma poichä Ella mi 
vieta di ringraziarla, non mi distenderö piü a lungo in questo 
proposito. Quanto alla somma che la sua squisita cordialitä 
ha posta a mia disposizione in Bologna, io non posso altro 
che prometterle di profittame in caso che io mi trovi in cir- 
costanza da abbisogname, e Tassicuro che se questo caso fosse 
giä venuto, io ne avrei giä profittato. 

Che notizie ha Ella del Sig. Niebuhr ? Non dimentichi, la 
prego, di riverirlo da mia parte e tenermegli raccomandato. 
Se la mia salute non vi si fosse opposta, avrei giä fatto a 
questfora, con una buona occasione che mi si era presentata, 
il viaggio di Firenze, principalmente per vedervi e copiarvi, 
se fosse stato possibile, un'operetta greca inedita, notata nel 
Catalogo del Bandini, la quäle mi e stata sempre a cuore. 
Quando la mia salute me lo permetta, sono risoluto di effet- 
tuare la mia intenzione, e di andare anche a Ravenna per 
TAristofane che il Sig. Niebuhr mi raccomandö qualche tempo 
addietro. 

Ella segua ad amarmi, ed onori qualche volta dei suoi 
comandi il suo 

Devmo e gratissimo servitore ed amico 
Giacomo Leopardi. 


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264 


Toblub 


9. 

Die Begebenheiten, welche am 30. Januar 1826 Bunsens 
oben angeführten Brief an Niebuhr veranlassten, ‘ waren von 
demselben ohne Zweifel in seinem Briefe vom 27. des nämlichen 
Monats.dem zunächst Betheiligten kundgethan worden; der wohl¬ 
meinende Deutsche hatte den Schmerz über das Schwinden der 
lange gehegten Hoffnungen zu lindem gesucht durch Eröffnung 
der Möglichkeit einer angemessenen Verwendung in Preussen. 
Der Gedanke einer Verpflanzung Leopardis auf deutschen 
Boden begegnet verschiedentlich, aber ohne dass recht klar 
wird, wann er zuerst auftauchte, unter welchen Umständen er 
neu aufgenommen und der Verwirklichung am nächsten ge¬ 
führt, und wann er endgiltig aufgegeben wurde. Schon in 
einem Briefe vom 9. März 1825 (Lebensnachr. von B. G. Nie¬ 
buhr III 130) theilt Niebuhr von Berlin aus seiner Frau mit: 
^B.*s (d. h. wohl Bunsens) Brief ist mit einem Neapolita¬ 
nischen Courier gekommen, und mit ihm ein Band Gedichte 
von Leopardi, die so auf einen ersten Blick recht achtungs- 
werth an Gesinnung und Kunst scheinen. Ich habe Alten¬ 
stein vorgeschlagen ihn hierher zu rufen, da es hier an einem 
fehlt, der die italienische Litteratur vortragen könnte, und A. 
bezeigte grosse Neigung. Damit ist nun.freilich nicht gesagt, 
dass die Sache zu Stande kommt; und wenn es geschehen 
sollte, — bereite ich dem edlen jungen Manne Glück oder 
nicht? Ich wollte, er lebte mit uns an einem Ort. Dann lebte 
die Sprache auch bei uns und unsem Kindern fort.“ Bunsens 
handschriftliche Aufzeichnungen sprechen davon als von Vor¬ 
gängen , die kurz vor Leopardis Tode stattgehabt hätten. 
„Bunsen machte damals (?) der preussischen Regierung den 
Vorschlag, eine Professur des Dante in Berlin im Sinne dieser 
grossartigen Stiftung von 1810 für Leopardi zu gründen. Der 
damalige Minister Freiherr von Altenstein war sehr geneigt 
darauf einzugehen. 1500 Thaler oder 1000 Scudi waren dafür 
bestimmt, ein nie gehoffter Reichthum für Leopardi. Die 
Aussicht erfreute ihn; Dante war immer sein Lieblingsschrift¬ 
steller gewesen, er wollte ihn in derselben geistreichen Weise 
herausgeben, welcher wir seine Ausgabe des Petrarca ver- 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 


265 


danken, die einzig in ihrer Art ist durch classische Klarheit, 
Kürze und Scharfsinn. Aber der Tod machte nach vielen 
Leiden, leiblichen wie geistigen, ein Ende.“ Damit ist zu ver¬ 
gleichen Bunsens Leben I 227, wo es heisst: „die Furcht vor 
dem nordischen Winter und die Liebe zu seiner heimatlichen 
Sonne bestimmten den Dichter (nachdem die Berliner Profes¬ 
sur erlangt war), auf einen Plan zu verzichten, welchen er 
zuerst warm unterstützt zu haben scheint.“ — Nach dem mir 
in Abschrift vorliegenden Bruchstück eines leider undatirten 
Briefes von Bunsen an Niebuhr, fragte Ersterer bei Lezterem 
über die Ausführbarkeit der Anstellung Leopardis in Berlin 
„für italienische Litteratur, italienische Vorträge“ zu der näm¬ 
lichen Zeit an, wo sich in Rom die Möglichkeit einer Ver¬ 
wendung auf der vaticanischen Bibliothek aufzuthun schien. — 
Auch in einem Briefe vom 12. Juni 1828 spricht Leopardi 
von der erhaltenen Einladung einen Lehrstuhl in Preussen ein- 
zunehmen. „Ma come abbandonare la mia famiglia e ITtalia, 
e come sopportare il clima della Germania!“ (Epist. II 89). 
Freilich auch in Bologna litt er von der Kälte nicht wenig, 
wie unser Brief und wie ein kurz vorher an den Vater ge¬ 
schriebener (Epist. I 418) zeigen. Das Manuale di Epitteto, 
von welchem hier und so auch wiederholt in andern Briefen 
aus dieser Zeit die Rede ist, wurde erst aus Leopardis Nach¬ 
lasse veröffentlicht (s. darüber Epist. I 399, 417, 420, 434). 
Die Uebersetzung war das Werk eines halben Monats und der 
Verfasser von derselben mehr als von andern Arbeiten ver¬ 
wandter Art befriedigt. 

IX. 

Bologna 1 Febbraio 1826 
Signore ed Amico pregiatissimo. 

Rispondo alla gentilissima sua dei 27. Gennaio. Ella ha 
molto bene giudicato circa la proposizione delU Emo di Stato 
relativa a un] impiego nella Vaticana, ed il suo proverbio 
tedesco e ottimamente applicato. Il mio affare, di cui Ella 
mi parla colla solita sua bontä ed affezione, h una nuova prova 
del quanto poco, anzi nulla, ci possiamo noi confidare in questo 
nostro Govemo gotico, le cui promesse piü solenni vagliono 


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266 


TOBLEB 


meno che quelle di un amante ubbriaco. La idea che Ella mi 
propone di una cattedra in Berlino o in Bonn, h tale, che io 
Tassicuro che niim' altra mi potrebbe riuscir piü grata e lu- 
singhiera. Ma syenturatamente ora la mia povera salute e 
in uno stato cosi tristo che io non ardisco fermare il pensiero 
in una proposizione che del resto mi sarebbe giocondissima. 
Crederä Ella che appena io posso sopportare rinvemo di Bo¬ 
logna, e che passo questi giomi in un continuo spasimo e in 
un tormento indicibile, cagionato dalla mia malattia d’intestini, 
che dal freddo riceve un grandissimo pregiudizio ? Or che sa¬ 
rebbe nei climi di Germania? Tuttavia, la mia guarigione non 
essendo punto disperata, ed i Medici promettendomi che a 
Primavera io sarö ristabilito o migliorato assai, la prego cal- 
damente a non abbandonare Tidea di cui Ella mi ha parlato, 
la quäle credo che non esiga fretta, e che possa sopportar di- 
lazione. A stagion migliore, consultandomi colla mia salute, 
io potrö risponderle piü precisamente sopra la sua proposi¬ 
zione, che mi h carissima e mi sta sommamente a cuore; e 
forse anche potrö venire a Roma e cercare di trattenermi seco 
Lei a voce. Per ora Ella ben vede che mi sarebbe impossi- 
bile d'intraprendere, come Ella mi consiglia, il viaggio per 
costa, essendo io obbligato a passare la maggior parte del 
giomo in letto per garantirmi da questi orridi e micidiali 
freddi. 

Spero di poterle di qui a non molto, mandare un esem- 
plare del Manuale di Epitteto che si stamperä presto in Mi¬ 
lano, tradotto da me ultimamente con tutto Tamore e lo Stu¬ 
dio possibile. Yi ho premesso un brevissimo preambolo sopra 
la filosofia stoica, che io mi trovo avere abbracciata natural¬ 
mente/ e che mi riesce utilissima. . Ma Ella non puö credere 
che miseria sia quella di Bologna e di Milano in genere filo- 
logico. Roma h una Lipsia a paragone di queste citta e di 
tutta lltalia superiore. La filologia e nome affatto ignoto in 
queste parti, ed appena, con grandissima difficolta, si possono 
trovar classici greci in vecchie e imperfettissime edizioni. In 
tutta Bologna, citta di 70 m. anime, si contano tre persone 
che sanno il greco, e Dio sa come. Nondimeno si voleva in- 
traprendere qui una vasta e bella opera, cioe la stampa di 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 


267 


una Collezione completa di tutti i Classici greci Variorum, 
della quäle si voleva che io fossi capo, quanto alla parte 
letteraria. In tal easo avrei ayuto gran bisogno, e fatto gran 
ricerca, dei di Lei consigli ed aiuti. Ma il tipografo Pomba 
di Torino, che intraprende una Collezione simile, per la quäle 
dice di avere in pronto molte cose inedite, e fra gli altri, 
dTsocrate, ha guastata ogni cosa. Io son certo che i Clas¬ 
sici greci di Pomba non saranno migliori che i suoi Classici 
latini. Potrebb'essere perö che Fimpresa di qui si tomasse 
ad assumere. A proposito di Platone, ha Ella yeduto i Pen- 
sieri di quel filosofo, scelti, tradotti e pubblicati in greco e 
in francese a Parigi, Fanno ora scorso, dal prof. Le-Clerc, 
editore delCicerone latino e francese? Mi paiono molto male 
scelti, peggio tradotti, e ancora peggio illustrati. Pure il suo 
libro e stato destinato all'uso delle scuole di Francia. 

Non mancherö di avere in vista quanto Ella mi dice circa 
scolture vendibili ec. Per ora non saprei dirle nulla di posi- 
tivo, ma ne farö ben ricerca. 

Io ardo di desiderio di rivederla, e di stringere final¬ 
mente in presenza quell'amicizia che Ella senza mio merito 
si h compiaciuta di concedermi da lontano. Segua ad amarmi, 
come io Famo, la venero, e sono e sarö etemamente tutto suo 
con tutto Fanimo. 

Dmo Obblmo servitore ed amico 
Giacomo Leopardi. 

I miei complimenti al Sig. Niebuhr, se Ella ne avrä 
occasione. 

A Sua Eccellenza 
Il Sig. Cav. De Bunsen 
Incaricato di affari di S. M. Prussiana in 

Roma. 


10 . 

Die zwischen dem vorstehenden und dem nächstfolgenden 
Briefe liegenden dritthalb Jahre, eine Zeit fleissiger Arbeit 
(Ausgabe des Petrarca und Zusammenstellung der Crestomazia), 


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268 


Tobler 


erfolgreichen künstlerischen Schaflens (ein Theil der Gedichte 
und der Dialoge) und ansprechenden Verkehres hatte Leopardi 
grösstentheils in Bologna zugebracht. Den 20. Juni 1827 
brach er von da auf und langte den folgenden Tag in Florenz 
an (Epist. II 20), wo ihn wohl besonders das Verlangen nach 
Giordani einen Aufenthalt zu machen bestimmt hatte. Erblieb 
daselbst, anfänglich von einem sehr lästigen Augenleiden ge¬ 
quält, bis zum 9. November. Die Beförderung Bunsens zum 
Ministerresidenten war im Laufe des Sommers erfolgt (Bun¬ 
sens Leben I 275) und an Leopardi durch seine Schwester 
(Epist. II 27) gemeldet worden. Dieser schrieb am nämlichen 
Tage wie seinen Glückwunsch auch an den Bruder einen 
Brief, aus welchem wir sehen, dass die gegen Bunsen so zurück¬ 
haltend vorgebrachte Erinnerung an früher für ihn gethane 
Schritte bestimmt war erneuerte Versuche zu veranlassen 
(Epist. II. 33). Eine Antwort war den 8. September noch 
nicht eingetroffen (Epist. II 39). — Der ,ministro dei Paesi 
Bassi* ist der im vierten Briefe erwähnte Reinhold. — Das 
traurige Wort: un morto passa la sua giomata assai meglio 
di me, lesen wir auch in einem Briefe an Puccinotti vom 16. 
August (Epist. II 32). 

X. 

Firenze 23 Agosto 1827 
Pregiatissimo Sig. Cavaliere 

Adempio tardi a un dovere che mi corre verso di Lei, 
ma la tardanza non e provenuta da altro che dallestrema 
difficoltä che io provo allo scrivere, cagionata da debolezza 
de' nervi ottici. Seppi dai fogli pubblici, e poida questo Sig. 
Ministro de' Paesi-Bassi la sua nominazione a Ministro resi¬ 
dente di S. M. Prussiana in Roma. Me ne rallegro di cuore 
anche piü con me medesimo che con Lei: perche finch' Ella 
rimarrä in Italia, io non perderö la speranza di rivederla an- 
cora una volta. 

Non la tratterrö del mio stato e della mia vita presente, 
perche la materia non potrebbe essere piü malinconica. Un 
morto passa la sua giornata assai meglio di me. Molto meno 
le parlerö dell'impiego che Ella con tanta bonta si compiacque 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 269 

giä di sollecitare per me, senza poter vincere lindolenza e la 
noncuranza del nostro Govemo. Solamente le ricorderö la 
mia rispettosa affezione verso di Lei, la mia vivissima gra- 
titudine alla cordialitä dimostratami da Lei cosi splendida- 
mente, e il desiderio che ho di poter essere atto a servirla, 
secondo la piccolezza delle mie forze. 

Qui si aspetta con impazienza qualche volume della tra- 
duzione francese della Storia Romana del Sig. Consigliere De 
Niebuhr. Sono stato pregato con tanta istanza a farne un 
estratto fagionato per questa Antologia, cheforsenon potrö 
dispensarmene, se pure i miei occhi ricupereranno qualche parte 
della loro facolta. 

Ho l’onore, Sig. Cavaliere, di ripetermi con tutto l'animo 
Suo umilm o, obblmo servitore 
Giacomo Leopardi. 


11 . 

Bunsen hatte ein persönliches Zusammentreffen in Florenz 
in Aussicht gestellt, zu welchem es, als er auf dem Wege von 
Rom nach Berlin jene Stadt berührte, denn auch wirklich 
kam, wie Leopardi den 4. October an seinen Bruder berichtet 
(Epist. H 40). Bunsen erzählte bei dieser Gelegenheit, der 
Cardinal habe wiederholt versichert, Leopardi werde nicht ver¬ 
gessen werden. „Se dopo ciö si debba ancora sperare, giudi- 
calo da te stesso.“ Die gegen Ende des hier folgenden Briefes 
erwähnte Botschaft von einer in Rom zu hoffenden Professur 
war demnach so wenig gegründet, wie die im August des 
vorigen Jahres dem Vater zugekommene Nachricht von einer 
bereits erfolgten Ernennung (Epist. I 473). Die nächste Zeit 
konnte nun auch kaum Hilfe bringen; denn Bimsen, welcher 
im December nach Rom zurückzukehren beabsichtigt hatte 
(Epist. H 45 und 61), traf daselbst erst im Mai des folgenden 
Jahres wieder ein (Bunsens Leben I 335), nahm aber auch 
sogleich, wie er an Leopardi ungemahnt berichtete, die Be¬ 
werbung um das Cancellierato del Censo wieder auf (Epist. 
II 87). Am 30. Januar 1829 zeigt sich Leopardi endlich mit 


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270 


Tobt.er 


sich darüber einig, dass er von der römischen Regierung nichts 
hoffen dürfe (Epist. II 124), und denkt dann eine Zeit lang 
daran sich ujn einen Lehrstuhl für Naturwissenschaften in 
Parma zu bemühen, den er aber am 22. Mai als ebenfalls un¬ 
erreichbar erkennt (II 134). 

XI. 

Pregiatissimo Sig. Cavaliere 

Le sue espressioni verso di me sono piene di quella gen- 
tilezza, la quäle se non mi fa maraviglia, perch'io vi sono 
accostumato, non lascia perö di confondermi, perchö conosco 
il mio poco merito. Debbo renderle grazie infinite per la 
conoscenza che Ella mi ha proccurata del Sig. Barone de Sa- 
vigny e della sua famiglia. L'uno, tanto buono quanto dotto 
e grande; Taltra, non saprei se piü amabile o piü colta. La 
sua lettera e il Sig. Barone mi hanno cagionata una gratissima 
sorpresa, annunziandomi che fra pochi giomi io avrö il bene 
di rivederla in Firenze. Avrö veramente carissimo di essere 
informato del suo arrivo al piü presto possibile. Se Ella ne 
mandera avviso, arrivando, a questo Gabinetto letterario del 
Sig. Vieusseux, io non mancherö certamente di saperlo e di 
profittame senza ritardo. A voce le renderö buon conto di 
tutto ciö che conceme il Sig. Niebuhr. I libri che egli desi- 
dera, non ho potuto fin qui ritrovarli in Firenze, anzi non gli 
ho mai veduti in mia vita, eccetto il Trattato di Leone Al- 
lacci de Georgiis nella ristampa datane nella Bibi. gr. del 
Fabricio. Il Sig. Niebuhr mi onora molto superiormente al 
mio merito, quando egli mi propone delle fatiche filologiche. 
Senza alcuna esagerazione di modestia, io mi conosco in questa 
materia tanto ignorante, che mi vergognerei di attribuirmi in 
ciö la minima capacita: massimamente attesa Tassoluta man- 
canza di libri filologici in Italia, la pochissima lettura che io 
posso fare, e la necessita in cui mi sono trovato e mi trovo, 
di occuparmi in altri studi. Del resto io farö per servire il 
Sig. Niebuhr (cosa di cui mi protesto ambizioso) tutto quello 
che mi permettera lo stato de' miei occhi, il quäle ö tanto in- 
felice, che in Firenze io non ho mai potuto uscir di casa du- 
rante il giomo, e non altrimenti che con gran difficolta e per 
intervalli, ho potuto scrivere questa lettera. 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 


271 


Seppi ultimamente che Ella aveva dato awiso al mio 
zioAntici, <Jie si pensava a nominarmi costi ad unaCattedra. 
Questo impiego mi sarebbe molto grato, purche l'onorario fosse 
sufficiente a un discreto mantenimento. 

Con yiva impazienza di rinnovarle personalmente le Pro¬ 
teste della mia gratitudine e rispettosa affezione, omi c-n 
fermo 

Firenze 20 Settembre 1827 

Suo dmo obblmo amico e servitore 
Giacomo Leopardi. 


12 . 

Vom 9. November 1827 bis zum 9. Juni des näch¬ 
sten Jahres hatte Leopardi in Pisa gelebt, dessen Klima 
ihm ganz besonders zusagte; er kehrte von da nach Flo¬ 
renz zurück, wo er den Verkehr, den er sich wünschte, am 
ehesten fand, und wo er bis zum 10. November blieb. Dann 
aber wandte er sich wieder nach Recanati, welches mit einem 
erträglicheren Aufenthaltsorte zu vertauschen bis Ende Aprils 
1830 keine Möglichkeit sich aufthat. Die Klagen über sein 
Befinden werden ■ immer häufiger und lauter. Durch einen 
Ausbruch des Lebensüberdrusses ähnlich dem, welcher im nach¬ 
stehenden Briefe begegnet, hatte Leopardi im Juni 1828 seine 
Freunde in Parma aufs tiefste erschreckt. 'Mi viene una gran 
voglia di terminare una volta tanti malanni, e di rendermi 
immobile un poco piü perfettamente...., ma non temete, che in 
somma avrö pazienza sino alla fine di questa maledetta vita/ 
Epist. II 92l Mit noch grösserem Nachdruck spricht sich das 
sehnliche Todesverlangen in einem an den Vater gerichteten 
Briefe vom 3. Juli 1832 (Epist. II 196) aus, nirgends mit 
massvollerer Schönheit und gerade darum eindringlicherer 
Kraft als in den Schlussworten des letzten Dialogs: 'In altri 
tempi ho invidiato gli sciocchi e gli stolti, e quelli che hanno 
un gran concetto di se medesimi; e volentieri mi sarei cam- 
biato con qualcuno di loro. Oggi non invidio piü ne stolti 
ne savi, ne grandi ne piccoli, ne deboli ne potenti. Invidio 

Jfthrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. I. «q 


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272 


Todler 


i morti.Mit den Worten, in denen Leopardi es als einen 
der wenigen Glücksfälle seines Lebens bezeichnet, .Niebuhr per¬ 
sönlich gekannt zu haben, ist zusaxnmenzuhalten, was er einige 
Monate früher an den trefflichen Colletta schrieb: 'E vi dico 
con veritä che il ripensare: Ho veduto questo e questaltro 
uomo amabile ed ammirabile, e sono vissuto un tempo con 
lui, e son certo che egli mi amava o mi ama, mi sarä un 
conforto grandissimo in ogni tempo, comunque la fortuna sia 
per disporre della vita che mi rimane.’ Ueber das Bullettino 
und die in dem Briefe genannten Personen wird es besonderer 
Anmerkungen nicht bedürfen; der Dr. Nott ist der auch aus 
Bunsens Leben bekannte Stiftsherr von Winchester (gestor¬ 
ben 1841), der sich um die italienische Literatur durch 
Herausgabe des Busone da Gubbio (Florenz 1832) verdient 
gemacht hat. 

XII. 

Mio pregiatis. Signore ed Amico 

Mio padre, il quäle ama d'immaginarsi che nella casa 
patema io stia meglio che altrove, le ha data del mio stato 
un' idea ben diversa dal vero. Non solo i miei occhi, ma 
tutto il mio fisico, sono in istato peggiore che fosse mai. Non 
posso nä scrivere ne leggere ne dettare ne pensare. Questa 
lettera, finche non l’avrö terminata, sarä la mia sola occupa- 
zione; e contuttociö non potrö finirla se non fra tre o quattro 
giomi. Condannato, per mancanza di mezzi, a quest’ orribile e 
detestata dimora, e giä morto ad ogni godimento e ad ogni 
speranza, non vivo che per patire, e non invoco che il riposo 
del sepolcro. 

Sono dovuto entrare in questi noiosi dettagli per iscu- 
sarmi con Lei del mio tardo rispondere alla sua ‘favoritissima 
dei 7 Agosto, ed ancora per discolparmi se non corrispondo al 
gentilissimo invito che Ella mi fa di scrivere pel nuovo Gior- 
nale archeologico. Intanto le dirö con tutta sincerita che 
limpresa, secondo il mio debole giudizio, non avrebbe potuto 
essere nä meglio concepita, pensata e disegnata, ne piü egre- 
giamente condotta. Gli articoli del Bullettino (del cui esem- 
plare la ringrazio distintamente), e in particolare i suoi, e 
quelli del S. Gerhard, sono, per quanto ho potuto vedere, pre- 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 


2?3 


cisamente quello che debbono essere per corrispondere allo 
scopo nel miglior modo che possa desiderarsi. Confesso ancora 
che mi fa non piccola maraviglia il veder superate si felice- 
mente le grandi difficoltä che si saranno incontrate per otte- 
nere in Roma nna stampa nitida e una lingua italiana esatta 
ed intelligibile. 

Sulla fine delTinvemo passato, potei finalmente leggere 
nella traduzione inglese la Storia romana del Niebuhr. Pochi 
altri libri ho mai letti in mia vita con tanto e si continuo 
piacere, e forse nessun libro moderno ini ha ispirato tanta 
ammirazione, tanto rispetto per l’autore, come quest'opera. 
Non posso stendermi di piü ; ma Faccerto che io conto fra le 
pochissime felicita della mia vita (la quäle spero o certamente 
desidero prossima ad estinguersi) Faver conosciuto personal¬ 
mente l’autore di questa Storia, che fara epoca negli annali 
della filosofia applicata alla filologia ed alla cognizione del 
mondo antico. 

Si contenti clvio la preghi de' miei saluti al Dr. Nott, e 
de' miei complimenti al Sig. Cons. Kestner, ed al Sig. Ger¬ 
hard, i quali ebbi Fonore di conoscere a Firenze. Ella si con- 
servi alFincremento delle lettere, e voglia bene al suo 

Recanati 5. Settern. 1829. dmo e leale amico e servitore 

G. Leopardi. 

Gradisca, la prego, gli ossequi di mio padre. 
j A S. Ecc. 

II Sig. Cav. Carlo Bunsen 
* Ministro residente di S. M. Prussiana in 

Roma. 


13. 

In den ersten Tagen des Mai 1830 war Leopardi über 
Bologna nach Florenz zurückgekehrt, wo er bis zum l.October 
des nächsten Jahres blieb. Die edle Freundschaft des Generals 
und Geschichtschreibers Pietro Colletta und ihm nahe stehen¬ 
der Männer hatte die Uebersiedelung möglich gemacht, der 
Verkauf des Manuscripts der 'Canti* 80 Zechinen eingetragen, 
die bei der Spärlichkeit der von Hause zufliessenden Mittel will- 

19 * 


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274 Tobler 

kommen genug mögen gewesen sein. (Epist. IT 144 und 156). 
— Der Mathematiker Pierre Francois Yerhulst war 1804 in 
Brüssel geboren, wo er auch 1849 gestorben ist. Er hatte 
sich durch eine 1824 in Leyden erschienene gekrönte Schrift 
De Maximis et Minimis rühmlich bekannt gemacht. 

xm. 

Veneratiss 0 Sig®. Cav 6 . 

II Sig®. Werhulst di Bruxelles dotto matematico viaggiando 
costä desidera di conoscerla, ed io uso quest'occasione per ri- 
cordarle la mia costantissima servitü ed amicizia. Non ho 
bisogno di raccomandarle il Sig^ Werhulst poiche le persone 
di merito le sono abbastanza raccomandate per se medesime. 
Altro non aggiungo; Ella sa ch'io non posso piü ne scrivere 
ne dettare lungamente, ma che sarö sempre con tutta l’anima 
Firenze 11. Agosto 1830 

il suo Leopardi. 

(Nur die Unterschrift von Leopardis Hand.) 


14. 

Aus Gründen, die von Leopardi meines Wissens nirgends 
angegeben sind, die er selbst seinem Bruder nicht vertrauen 
wollte (Epist. II 169 zu vergleichen mit II 174 und 178),— 
Ranieri sagt, auf den dringenden Rath der um das Leben des 
Kranken besorgten Florentiner Freunde (Biographie im ersten 
Bande der Opere S. 19), Brandes nach mündlicher Ueberlie- 
ferung, in Folge des Schwindens liebender Hoffnungen (Leo¬ 
pardis Dichtungen S. 59) — verliess Leopardi im October 1831 
plötzlich Florenz und langte den 5. in Rom an, wo er nun 
natürlich öfter mit Bunsen zusammenkam, wie auch der Brief 
an Sinner vom 31. December ausdrücklich bezeugt, und von 
wo er erst den 17. März 1832 sich wieder zurück nach Florenz 
wandte. 

Die dem nachstehenden Briefe zu entnehmenden, Antonio 
Ranieri (in Bunsens Leben I 228 ist sein Name seltsam in 
Ramisi entstellt)^ betreffenden Angaben sind bisher wohl nicht 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 275 

zu öffentlicher Kenntniss gelangt, sind wenigstens Brandes, 
der am angeführten Orte ziemlich ausführlich über Ranieri 
spricht, und dessen neuestem Biographen A. De Gubematis 
(Rivista Europea Nov. 1872) unbekannt geblieben. Trotzdem 
dass sie einen Lebenden betreffen, will ich den Brief, der sie 
enthält, doch weder unterdrücken noch verkürzen, da er mir 
nicht geeignet scheint, der verdienten Achtung, welcher Ra¬ 
nieri sich unter seinen Landsleuten erfreut, irgend Eintrag zu 
thun, ihm im Gegentheil, hoffe ich, als ein aus langer Ver¬ 
schollenheit neu auftauchendes Denkmal von Leopardis warmer 
Freundschaft willkommen sein wird*) — Von diesem Briefe 
an bedient sich Leopardi in der Anrede an Bimsen des trau¬ 
licheren 'voi’ anStelle des ihm lästigen 'Ella/ Epistolario I 
57 sagt er zu Giordani: 'quando le parlo, vorrei parlarle a 
quattriocchi e che non ci fosse sempre la Signoria in mezzo 
che mi sentisse,’ und im nächsten Briefe an denselben: 'vi rin- 
grazio del bando dato alla Signoria;’ ähnlich im Epistolario 
II 125 an Maestri: 'comincerö dal ringraziarvi di aver dato 
bando a quel maledetto spagnolismo della terza persona, per 
trattarmi colla famigliaritä che conviene alTamicizia nostra.’ 

XIV. 

Veneratissimo Amico e Signore, 

Non essendo mai uscito di casa, e poche volte di letto, 
prima della nria partenza, che sarä domani, non ho potuto ve¬ 
nire in persona, come avrei dovuto e desiderato, a prender 

*) Sollte Herr Ranieri, was ich jedoch nicht zu verdienen mir völlig 
bewusst bin, sich mir um der Veröffentlichung dieses Briefes willen zu 
Dankbarkeit verpflichtet glauben, so würde ich dieselbe am liebsten in 
der Weise bethätigt sehen, dass er sich etwas ausführlicher als bisher 
über Leopardis letzte Jahre vernehmen liesse. Der Briefe und sonstigen 
Lebensäusseruugen L. s. aus dieser Zeit sind so wenige, dass man geneigt 
sein könnte, ein mit dem Schwinden der Lebensfreude Hand in Hand 
gebendes Sinken der geistigen Regsamkeit anzunehmen; und doch stammt 
aus der Zeit nach der Julirevolution und nach Niebuhrs Tode (auf Bei¬ 
des weist das Gedicht ja hin) ein Werk, das Leopardi von einer ganz 
neuen Seite kennen lehrt, und das, wenn gleich hie und da vielleicht 
einer letzten Handanlegung bedürftig, als dichterische Leistung aller¬ 
mindestens auf gleicher Höhe mit dem Besten steht, was er je zuvor ge¬ 
schaffen hatte. 


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276 


TOBLER 


congedo da ,Voi e da Madama vostra consorte, e a chiedere 
i yostri comandi per Firenze. Desidero che questa vi sia 
testimonio del dolore ch’io provo partendo, perchfe le mie in- 
disposizioni mi abbiano impedito di godere della dotta ed 
amabilissima compagnia vostra quanto avrei voluto, e che vi 
ricordi altresi la vivissima gratitudine ch’io vi professo e vi 
professerö mentr'io vivo. Credetemi, degnissimo ed ottimo 
amico, che nessun altro dispiacere sento io nel partir da Roma 
cosi vivo, come quello di allontanarmi da Voi. 

La storia del giovane Ranieri ch’io avrei voluto che egli 
vi raccontasse, in sostanza e questa. Non per alcuna'sua 
colpa, ma per molto strette reiazioni avute con un letterato 
italiano che Yoi conoscete (il Sig. Carlo Troya), col quäle 
egli si trovava allora a viaggiare per lltalia, Ranieri fu esili- 
ato dagli Stati di Napoli sua patria; ed ebbe il dolore di 
ricevere la prima notizia di cid nel momento che chiedeva a 
Firenze il suo passaporto per volare a riveder la sua madre 
moribonda, che poi morL Richiamato nel Gennaio del 1831, 
egli sarebbe tornato a Napoli, se avesse avuto la certezza, o 
almeno la probabilitä, di poterne poi riuscire. Ma accertato 
anzi del contrario, per Fesempio di tutti gli altri richiamati, 
e vedendosi costretto, se ritornava, ad abbandonare per sempre 
il corso di vita intrapreso nei cinque anni che avea menati 
fuor della patria, cioh ad abbandonare i suoi studii, e tutte 
le sue piü care e piü utili reiazioni, egli ottenne dal padre, 
dopo breve renitenza, di rimaner fuori. Passati perö pochi 
mesi, il padre, uomo di natura inferma e totalmente passiva, 
circondato ora e dominato da acerbissimi nemici del giovane, 
il quäle colla morte della madre ha perduto ogni suo appoggio, 
si ostinö a volere che il figlio tornasse, rivocando il consen- 
timento dato e le promesse fatte, e gli sospese gli assegna- 
menti, dei quali il giovane h privo affatto da ben nove mesi. 
In tale stato di cose, io vi dimandai il permesso di presen- 
tarvelo, con intenzione che egli, confidandovi le sue circostanze, 
vi chiedesse se, tomando egli a Napoli, aveste voluto racco- 
mandarlo a quel Rappresentante di Prussia in maniera, che 
una sua parola (e questa sarebbe bastata) gli valesse ad otte- 
nere il suo passaporto, quando fosse voluto riuscire. Ma io 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 277 

stesso gli dissuasi poi di parlarvene, temendo ehe, non ostante 
la sua innocenza politica e la vostra personale gentilezza, pure 
a cagione del posto che Yoi occupate, potesse pareryi ed 
essere cosa indiscreta il dimandarvi favore per una persona 
incorsa una volta in sospetto del suo goyerno. Ora egli se 
ne toma con me a Firenze, risoluto di perire piuttosto che 
seppellirsi in un paese dove Voi sapete e sa tutto il mondo 
come si viva. 

Addio, mio veneratissimo e prezioso ed incomparabile 
Amico. Conservatemi la vostra benevolenza, fate, vi prego, 
i miei complimenti a Madama vostra consorte, e credetemi in- 
teramente e perpetuamente vostro. 

Roma 16 Marzo 1832 

G. Leopardi. 

Sua Eccellenza 

II. Sig. Cavaliere Ministro Residente di 
S. M. il Re di Prussia presso la S. Sede. 


15. 

Nach einem neuen Aufenthalte in Florenz, der bis zum 
2. September 1833 dauerte, folgte Leopardi der Einladung 
seines Freundes Ranieri nach Neapel, wo er im October 1833 
ankam und das er nicht wieder verliess. Auf den hier folgen¬ 
den Brief wurde schon oben in den Zeilen hingewiesen, welche 
dem siebenten Briefe vorangehn. 

XV. 

Veneratissimo Signore ed Amico 

Sono dieci anni che Voi aveste la generosita di mettere 
a mia disposizione a Bologna, dove io mi trovava, una somma 
colla quäle io potessi fare il viaggio di Roma, che credevate 
utile ai miei interessi. Io mi trovo ora in una grave e non 
preveduta angustia, nella quäle, per piü ragioni, mi h impos- 
sibüe'di ricorrere a mio padre. Ho preso con Voi una liberta 
che non ho e non avrei mai preso con altra persona al mondo: 
cioe di trarre al vostro indirizzo una cambiale per dodici 
luigi; i quali vi renderö il piü presto ch'io possa; e spero di 


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278 


Tobleb 


potere in breve. Non aggiungo discolpe: perdonate il mio 
ardire, e tenetelo per una delle maggiori prove ch’io potesa 
mai darvi della stima quasi unica, e del rispetto in cui vi 
tengo. Avrei yoluto evitare di porre il vostro indirizzo sidla 
cambiale, traendola piuttosto per quäl che via indiretta; ma 
non essendomi sovvenuto per il momento alcun mezzo oppor- 
tuno a questo effetto, e non conoscendo il nome del vostro 
banchiere costi, debbo pregarvi a perdonarmi anche questa 
specie d’inciviltä. 

Napoli 20 Giugno 1835 

Vostro devotiss. obbligatiss. servitore ed amico 
Giacomo Leopardi. 


16. 

Das Buch, welches Leopardi mit dem nachstehenden 
Schreiben Bunsen zusandte, werden die Operette morali ge¬ 
wesen sein, die, zum Theil schon vor 1826 in Zeitschriften 
veröffentlicht, 1827 zum ersten Mal gesammelt und 1834 
in zweiter Ausgabe erschienen, diesmal um zwei neue Ge¬ 
spräche vermehrt. Die Ernennung Bunsens zum ausserordent¬ 
lichen Gesandten, zu welcher Leopardi seinen Glückwunsch 
darbringt, war, wie es nach Bunsens Leben I 426 scheint, 
schon ziemlich lange erfolgt. Die Abberufung des Gesandten 
aus Rom erlebte Leopardi nicht mehr; sie trat erst 1838 ein. 
Der zweimal genannte Dr. Schulz ist der durch seine „Denk¬ 
mäler der Kunst des Mittelalters in Unteritalien“ (Dresden 
1860, vier Bände 4 °) bekannte Heinrich Wilhelm Schulz (ge¬ 
boren zu Dresden 1808, gestorben ebenda 1855), über dessen 
Lebensumstände F. von Quast in der Einleitung zu dem be- 
zeichneten Werke Einiges mittheilt, Weiteres in der Wissen¬ 
schaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung 1855 Nr. 46—49 
sich findet. Er war im Herbste 1831 schon nach Italien ge¬ 
kommen, machte Leopardis Bekanntschaft aber erst nach 
dessen Niederlassung in Neapel, wo Ranieri ihn demselben 
zuführte, so wie Schulz hinwieder den Grafen Platen mit 
Leopardi in eine Verbindung setzte, aus welcher bald eine 


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Ungedruckte Briefe des Grafen Giacomo Leopardi. 279 

innige Freundschaft geworden sein soll. (S. Giacomo Leo¬ 
pardi; sein Leben und seine Schriften von H. W. Schulz, in 
„Italia“ herausgegeben von Alfred Reumont, 2. Jahrgang, Ber¬ 
lin 1840, 8. 237—270). 

XVI. 

Mio caro Signore ed Amico 

Ebbi dal Dott. Schulz la pregiatma vostra dei 5 Luglio: 
della gentilezza della quäle, e della generosita con cui vi com- 
piaceste di estinguere la mia cambiale, yi rendo grazie senza 
maravigliarmene, come uomo che da gran tempo conosco Tec- 
cellenza del vostro carattere e della vostra virtü. Io sono 
sempre memore del mio debito, e sempre in isperanza di 
estinguerlo in breve. 

Ho tardato fin qui a replicare alla vostra cordialissima, 
aspettando di poter farvi omaggio deirannesso volume, che 
non si h pubblicato prima di questa settimana. Yoi avete 
ragione che nelle mie prose la malinconia h forse eccessiva 
e forse anche qualche volta fa velo al mio giudizio. Datene 
la colpa parte al mio carattere, e parte all’eta in cui furono 
scritte: perchfe a 26 anni le scrissi, e d allora in qua, benchfe 
ristampate con qualche mia correzione, mai non ho potuto 
rileggerle interamente fino al giomo d’oggi. La propria mia 
esperienza m’insegna che il progresso dell'eta, fra i tanti can- 
giamenti che fa nelluomo, altera ancora notabilmente il suo 
sistema di filosofia. Anche neirannesso volume, se aveste la 
pazienza di scorrerlo, trovereste forse qualche eccesso malin- 
conico, e me ne riprendereste, e non a torto. 

Io tralasciai neirultima mia lettera di farvi le mie con- 
gratulazioni sul vostro nuovo titolo di Ministro Plenipotenzi- 
ario. Adempio oggi, benche tardi, a questo piacevole dovere: 
ma nel tempo medesimo vi confesso che sono abbastanza ego- 
ista per sapermi a fatica risolvere a desiderare che i vostri 
avanzamenti siano si rapidi, che l’Italia (come odo che sia 
piü che possibile) debba perdervi in breve. Yi assicuro, to- 
gliendo di mezzo ogni ombra di cerimonia, che il pensiero di 
non piü riyedervi mi cagionerebbe un gran dolore. Del resto 
ho fiducia che in qualunque luogo i vostri nobili destini vi 
chiameranno, non lascerete di portare qualche rimembranza 


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B' & 


280 


Toblbb 


me, come certamente nessuna lontananza poträ cancellare 
me la memoria yostra. 

H Dott. Schulz e ora viaggiando nella provincia, occu- 
pato nelle sue ricerche storiche. Yi prego de'miei umili osse- 
qui a Madama vostra consorte, e de'miei distinti complimenti 
ai vostri egregi ed amabili bambini. Conservatemi nella vostra 
benevolenza e credetimi 

Napoli 26 Settembre 1835 

Yostro dmo ed affettuoso amico e servitore 
Giacomo Leopardi 


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Du Vallet qui d’aise a malaise se met. 

Altfranzösisches Fabliau, zum ersten Male herausgegeben nach 
Paris B. N. fr. 12603. 

Kein gottbegnadeter Dichter, wohl aber ein guter Men¬ 
schenkenner, der mit offenem Auge das Treiben der Mensch¬ 
lein um sich herum betrachtete, ist der Verfasser des inter¬ 
essanten Gedichtes, das wir hiermit unsern Lesern bringen. 
Wenn man bei dem Begriff Fabliau an die bisher veröffent¬ 
lichten Stöcke, die neben sehr viel Witz und Humor ebenso 
viel, wenn nicht mehr Unflath bergen, denkt, möchte man 
diesen Namen unserm Texte absprechen, wenn nicht der Be¬ 
griff dieses Wortes ein weiterer wäre und demgemäss der 
Verfasser selbst das Gedicht nicht so benannt hätte. Der 
Stoff ist mitten aus dem Alltagsleben mit geschickter Hand 
herausgegriffen — ein armer Schlucker heirathet, taub gegen 
guten Rath, ein armes Mädchen, und der Jammer ist fertig. 
Das Thema ist, wie man sieht, sehr alt und bleibt immer neu, 
so lange, als es Menschen geben wird. Es ist zugleich so 
einfach, dass man sich wundert, wie man die sich offenbar 
daraus ergebende Moral, nur reich zu heirathen oder gar nicht, 
erst nach etlichen dreihundert und achtzig Versen finden sollte. 
Unser Dichter macht es anders. Die Moral kommt gar nicht 
— ein jeder macht sich dieselbe selbst —, dafür entrollt er 
vor uhsem Augen ein gelungenes, trefflich durchgeführtes Genre- 
bildchfcn, ein Eidyllion, reich an feinen Zügen, geschickten 
Schilderungen; er verzichtet auf alle Ausschmückung — viel¬ 
leicht gebrach ihm diese Gabe —, die Phantasie, Sprache und 
Reim gewähren. Er bleibt bei dem Realen stehen, das er so 
gut beobachtet, vielleicht (wer kann das wissen?) selbst zu 
seinem Schaden milgemacht hatte. Der Diener, der einen or- 


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282 


Foebster 


deutlichen Rock hat, und daher selbstständig sein muss, das 
Mädchen, das sich schon am Brautaltare sehen oder noch lie¬ 
ber schon die Haube tragen möchte, der Werbung aber kühl 
entgegenkommt, um den armen Vogel noch fester zu leimen, 
vor allem aber die Mutter (auf das Gerede der Nachbarsleute 
verweisen wir nur so nebenhin), die ihre Tochter anbringen 
will, und deshalb einerseits den Mann Abends, wie sie im 
Bett zusammen sind, so bearbeitet, dass er sich auf die an¬ 
dere Seite legt — es nutzt ihm Alles nichts, er muss nach¬ 
geben —, andererseits den künftigen Schwiegersohn immer 
fester an sich zieht, wie sie ihre Tochter herausstreicht, durch 
das Vorschieben eines andern Freiers, der Geld verlangt, ihren 
künftigen Schwiegersohn darauf vorbereitet, dass er keines 
bekommt — sind lauter so scharf und treu gezeichnete Bil¬ 
der, dass man sie in unserer Umgebung finden zu können 
meint. Wir müssten das ganze Fabliau zergliedern, wollten 
wir auf alle diese gelungenen Einzelnheiten aufmerksam 
machen. 

Der Genuss all dieser Herrlichkeiten wird uns aber ein 
wenig erschwert durch die Gestalt, in der uns das Fabliau 
überliefert ist. Einerseits ist der Kopist mit demselben etwas 
unsanft umgegangen und hat eine Reihe von Versen ver¬ 
stümmelt, andererseits ist die Sprache des Verfassers mit manchen 
Provinzialismen, die zu lösen mir nicht gelungen ist, ge¬ 
würzt; seine Wendungen sind oft hart und seine Reime sind 
meistens keine Reime, sondern blosse Assonanzen, es reimen 
also: enfes: prendre,meschine: courtoisie: uille u. ff. Der Un¬ 
terschied zwischen männlichen und weiblichen Reimen ist je¬ 
doch festgehalten. Die Deklination ist bis auf drei Fälle ge¬ 
wahrt. Der Hiatus wird an drei Stellen angetroffen, und wird 
wohl dem Verfasser zugeschrieben werden müssen. Was die 
Sprache anbetrifffc, so ist die des Kopisten pikardisch, und wie 
ich glaube auch die des Verfassers. Dafür ist anzuführen der 
Inf. uirV. 101, assir V. 134, da die Formen veoir, seoir nicht 
in den Vers gehen. Dafür spricht der Reim diez: soutiex 
(wo x=us), da il=ieu dem pik. Dialekt eigen ist. In zweiter 
Linie kann man dafür anführen ie=iee (169. 277. 320), durch 
den Reim gesichert, dann mi 124. 185 215. 244, Eigenheiten, 


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Du Vallet qui d’aise a malaise se met. 283 

die freilich auch in andre angrenzende Dialekte gedrungen 
sind. 


Das Fabliau ist im Cod. fr. 12603 (früher Suppl. fr. 180) 
der grossen Pariser Bibliothek enthalten. Derselbe umfasst 
303 Pergamentblätter, davon 301 paginirtund beschrieben sind*), 
jedes Blatt zu 44 oder (selten) 45 Zeilen auf jeder der 2 Spal¬ 
ten. Die Schrift gehört, nach dem Urtheile H. Delisles**) dem 
Anfang des XIV., höchstens der Wende des XIII. Jahrhun¬ 
derts an. — () bedeutet addenda, [] delenda. 

l.)f. l r —7l r Abenteuerroman aus dem Artuskreise vom Che¬ 
valier as deux espees, ungefähr 12.400 V. unedirt.***) 

Anfang: Tenue a fans quinte de guerre 

Lonc tans li rois Artus sa terre 
Et ot trestous ses anemis 
A fon uoloir defous lui mis. 

S’iert lies et la roine ert lie 
Et la cours fu moult enuoifie 
Et li boins rois ki tant ualoit 
Se pourpenfa lors k'il tenroit 
Court la plus bele et la grignour 

Natürlich ist zu Pfingsten in Carduel Hof und während 
des Tafelns kommt die ersehnte auenture' eine Verhöhnung 
des Königs, verbunden mit einer Kriegserklärung. Den Namen 
hat der Held (neben ihm ist Gauain noch Hauptperson) erhal¬ 
ten, weil derselbe ein gefeites Schwert, das die Königin von 
Garadigan umgürtet hatte, losbinden konnte, welcher Versuch 
den 366 der Tafelrunde und dann dem ganzen Heere Artus’ 
(Gawain mit zwei der besten war gerade nicht zugegen) miss- 

*) f. 155 ist ein schmaler Streifen mit 14 V., f. 238 ein halbes Blatt 
mit 1 Spalte. 

**) Ich ergreife mit Freuden die Gelegenheit, diesem ebenso ver¬ 
dienstvollen Gelehrten, als liebenswürdigen Bibliothekar meinen besten 
Dank für alle die Förderung und die Gefälligkeiten, die ich bei meinen 
mannigfaltigen Arbeiten auf der grossen Bibliothek gefunden, auszu¬ 
sprechen. 

***) Ich bereite davon eine Ausgabe vor. Mir ist keine andere Hand¬ 
schrift des Gedichtes bekannt; ich bitte deshalb um gütige Mittheilung, 
wenn sich eine solche irgendwo finden sollte. 


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284 


Foerster 


lungert war. Hierauf gürtete der Held dasselbe zu dem seinen 
noch hinzu. — Der Dichter nennt sich weder am Anfang noch 
am Ende, das also lautet: 

Son conte veut finer def lore 
Icil ki fen vaut entremetre 
Du finer, fans öfter ne metre, 

Mais ß con li drois conte va 
L’a dit, ke onques n’i troua 
Riens nouiele ke il feuft 
Que por voir conter ne deuft. 
f. 71 r b. Explicit du ch’r as . i j . espees. 

Der übrige Raum des Blattes ist leer. 

2. ) f. 72 r —110 r b. Ohne Aufschrift 

Artus li boins rois de Bretagne etc. 

Am Ende: Explicit li rommans du ch’r au lyon, von Crestien. 
Von mir vgl., wie alle Par. Crest.-Codd. (ausgen. Perc.)’ 

3. ) f. lll r —155 r der Roman von Eneas, fortgesetzt ohne 
Unterbrechung durch Wace’s Brut. Der Anfang des Eneas 
fehlt, das Gedicht beginnt in der Handschrift mit v. 1947, 
vgl. mit Cod. 1416 (f. 12 r a.) 

Ne fust li volente as diex 
Se de l’ocision as Griex 
Remansist nus ques gouuernast 
' Les murs de Troie restorast. 

(Ausflüchte des Aeneas der Dido gegenüber.) 

Die Verbindungsstelle der beiden Romane lautet: 

Eneas fu a roy leues 
Mout richement fu corones 
Et couronnee fu Lauine 
Rois- fu d’Ytale, eie royne 
Onqes Paris n’ot grignour ioie 
Quant tint Elaine dedens Troie 
Qu’ Eneas (ot) quant tint s’amie 
En Laurence ne quida mie 
C’onques peuft auoir nus hom 
. En tout le mont tout defe bon (1. tant de fon bon) 
Et Lauine requidoit bien 
Que nule ferne neust rien 
Fors li sole, ne fauoit dire 
Nule cofe qui fust a dire 
Qu’ele n’eust tout aconpli 


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Du Vallet qui d’aise a malaise se met. 


285 


Quant (li rois) de Ti loc saiffi 

Et li de li, mout fe fist lie 

La ot feite mout effaucie 

Les nueches durerent . i . mois 

De fe terre garda li rois 

Del miex vne mout graut partie 

La v Eneas Tot coifie 

En fen uiuant li otria 

De toute fe terre (1. Tautre) l’ireta 

Quel fire en foit apries fa mort 

Sans que ce nus l’en face tort 

Apres gaires ne demoura - 

Li rois du ßecle trefpaffa 

Et la terre ot toute Eneas 

S’ot a mouüier Lauinias 

Puisqu’ Eneas Lauine ot prise .... 

Dieser Vers findet sich schon im Brut, jedoch gehen ihm 
in Cod. 1416 (f. 60 v ), dem sich der Text unsrer Handschrift 
sehr nahe anschliesst, 66 Verse voraus, in deren 7ten Wace 
sich nennt 

f. 155 r bricht das Gedicht auf einem schmalen Streifen mit¬ 
ten in der Erzählung vom König Leir und seinen Töchtern ab. 

5. ) f. 156 r —202 r ohne Aufschrift. Bis auf orthographische 
Verschiedenheiten ist der Anfang mit den von Barrois (La 
Chevalerie Ogier de Danemarche P. 1842. p. LX) mitgetheilten 
Versen völlig gleich. 

Der Schlusz lautet: 

f. 202 v ’a) Ci vous lairons des enfances Ogier... 

Ce hure voeil la roine envoier 
Marie cui Jhefus voeille adrecier 
De ce chemin*) tenir sans foruoijer 
Ci explicit, diex le voeille otrijer. Amen. 

Die Umarbeitung der Enfances d'Ogier von Adenes le 
Roi, unedirt 

6. ) f. 203'—238' a. Der Roman von Pierabras d’Alixandre, 
und zwar der von Kroeber und Servois ihrer Ausgabe zu Grunde 
gelegte Text 

7. f. 239^—239 v a. ohne Aufschrift. 


*) Der Weg der Tugend, von dem im Vorhergehenden die Rede ist 


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286 


FoEBflTEB 


IJn fablel vous uoel commenchier, 

Qui ne fu fais ne hui ne hier. 

D’un uilain di et de fe femme 
Vne mout orgueilleufe dame ... 

Veröff. von Barbazan-Meon III p. 440 unter dem Titel: du 
vilain a la c .. . . e noire mit abweichendem Anfang. 

8. ) f. 239 v a — 240 r a. Du uilain qui quida eftremors. 

Se flabliaus puet uerites estre 
Dont auint il, ce dist mes maistre, 

C’uns uilains a Bailluel manoit. . . 

Veröff. von Jubinal Nouv. Rec. I. p. 312 unter der Auf¬ 
schrift Du Vilain de Bailleul. 

9. ) f. 240 r b — 240 T a. Du prestre ki a beuete, unedirt. 

Anfang: Ichi apres vous voel conter 
Se vous me voles efcouter 
• j . flablel courtois et petit 
Si com Garis le conte et dit 
D’un uilain qui ot femme prife . . . 

Ende: Enfi fu li uilains gabes 
Et decheus et encantes 
Par le preftre et par fon fans, 

Qu’il n’i ot paine ne (a)hans. 

Et pour ce que li ius fh tuis, 

Dift on encor[e]: maint fol paift d’uis. 

Ci define li flabliaus du prestre. 

Explicit amen. 

Der Witz ist derselbe wie in Boccacio\s VII, 9., (cf. La¬ 
fontaine/7 weisen Meister etc.), anstatt das Baumes besorgt das 
Schlüsselloch die vermeintliche optische Täuschung. 

10. ) f. 240 v b — 242 v a. Des .iij . 'auules von Cointebarbe, 
veröff. von Barbazan-Meon III. p. 398—408. 

Anfang: Une matere conterai 

Dont le fiablel (ie) uous dirai. 

Je tieng le menestrel a sage, 

Qui en trouuer met son usage . .. 

11. ) f.242 v a—244 v b. Du vallet qui d'aise a malaise 
se met. Im folg, mitgetheilt. 

12. ) f. 244 v b. De . s . Martin, veröff. von Barb. Meon. 
IV. p. 386 als „Les quatre sohaiz de . S . Martin.“ 

Anfang: Un preudomme ot en Normendie 
Je ne lairai que ie n’en die 
. i . flabel merueillous et cointe 


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Da Vallet qui d’aise a malaise se met. 287 

Bloss die ersten 24 Verse sind davon erhalten, der Schluss 
ist mit dem folgenden Blatt ausgeschnitten. 

13. ) f. 245 r a—249 v a. Ohne Aufschrift 

Qui pres de moi se vaura traire 

veröff. von Jubinal Nouveau Recueil I. p. 199 unter der Auf¬ 
schrift: D'Auberee la vielle Maquerelle oder D’Auberee de 
Compiegne. Von neuerer Hand ist unten am f. 244 lacune 
geschrieben; f. 245 r a oben von derselben Hand: de dame 
Aubr^e. 

14. ) 249 v a — 225^. Du lait de Tombre von Jehan 
Renart, veröff. von F. Michel in Lais inedits p. 41 sq. Anfang. 

Je ne uoel pas desauiser 

De bien dire, ains uorrai ufer 

Mon sens en el, que ieftre wifeus . . . 

15. ) f. 255 r a—255 v b. Cheft du vilain ki quidaeftre 
morf. Dasselbe Gedicht wie oben unter 8. 

16. ) f. 255 v b. Chest du lai d'infier. 

Ahay . ha hai! ie fui uenus, 

Salus vous mande Belgibus, 

Et Jupiter et Apolins. 

Je vieng d’infier le droit chemin 
Nouueles uous en fai conter, 

Car g’i fui a nuit a Fhostel 
En la grant fale Teruagant, 

La mangai . i . popelicant 
A vne sause bien broie 
D’une beghinete noie, 

Ki tant auoit du cul feru 
K’ele l’auoit tout recreu. 

Cele nuit fui bien ofteles 
Car de faus moines et d’abes 
Me fift on grant feu el foier; 

Et par deuant et par derier 
Me fieruoient faus efkeuin, 

Mais ains que ie fuiffe au chemin, 

L’endemain m’eftuet il mengier. 

Belgibus me fist complier 
Vn vfurier cuit en . i. pot, 

Apres faus monnoiers en rost, 

. y . faus iugeurs a le carpie 
Et . i. cras moine a le souchie, 

Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. I. 20 


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288 


PoBltSTEii 


Et restankies fui d’auauchas, 

. i . entremes me fist baras. 

A mengier ot a grant plente. 

En tout le plus lonc iourd’este 
Ne vous poroie raconter 
Ne efcrire ne deuiser 

Le grant fuison d’armes dampnees (das Uebrige fehlt) 

Das folgende Blatt ist ausgeschnitten, wie schon das Wort 
lacune unten f. 255 v zeigt. Veröff. Jubinal Jong. et Trouv. 
p. 43. 

17. ) f. 256 r enthält den Schluss eines mir unbekannten 
Fabliaus, das nichts zu thun hat mit Barb. Meon 111. p. 296 
u. folgg. Das erhaltene Stück lautet: 

Le renuoient en s’abeie 

Bien ot li dans Loussiet s’en crie. 

. W . vint a Cokeriaumont, 

Par le pais note et femont, 

Viegne a li ki en a mestier; 

H set de tous maus confeillier, 

II eft li mieudres marichauf 
Be faire reuenir cheuiaus, 

Et bien set f.. . . e as pies descaus 
Et bien refroier uielles piaus. 

Mout eft . W . entiers compains, 

Ki enfi faloufe vilams. 

Ja deniers ne leur demourast, 

Que tout n’euft et emboursaft. 

Et puis, fedi (L ce di), li aida diex, 

K’il fu de par le roi bailheuf. — 

A ceft mot fine sen fabliel 
Li iouenes maires du Hamiel, 

Ki de . W . trouua le nie, 

Dont il fift cefte letanie 
Et cefte grande rifee. 

Coufturielle ufee, 

Poinille huree 
Et coulle encrapee 
De con liepe enflee 
De chou plus m’agree. 

18. ) f. 256 r a—262 T a. Ch'est du prestre c’om portet. 

D’un prestre uous di et recort 
Ki auoit tourne son acort 


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l)u Vallet qui d'aise a malaise se met. 289 

En luxure et en lecherie 
En estre loi et en folie 
Tout en apert se part clamoit 
Le femme d’un preudomme amoii 

Die Idee des Fabliaus ist dieselbe wie in Du secretaire 
et Dame Ydoine (Barb. Meon I). Veröff. wurde es von Barb. 
Meon IY. p. 20—56.*) 

19. ) f. 262 v b—270*0. Du prestre et du cheualier. 

Traijes en cha s’oijes . i. conte 
Si com Milles d’Amiens le conte . . . 

unedirt Ueberlistung eiöes geizigen Pfarrers. Von mir copiert 

20. ) 271 r a—274 r a. Ohne Aufschrift 

Uns riches cheualiers estoit 
Mout frans, a qui il apendoit 
- Affe3 grant terre et grant hounour, 

Mais tant avoit ame s’uisour, 

Ke de sour soi Tauoit leuee 
Et seignourie abandonnee 

Veröff. von Barb. Meon IV. p. 365 sq. unter der Aufschrift 
Da la male dame o. De la dame qui fut escoillie. Bei Meon 
gehen noch 28 Verse Einleitung voraus, die hier fehlen. 

21. ) f. 274 r a—277 v a. Ch'est du songe. 

En songes doit fables auoir 
Se fonges puet deuenir uoir 
Dont fai ie bien que il m’auint 
Que en fonge songant m'auint 
Talens que pelerins feroie. 

Es ist RaouT de Houdenc, Songe d'Enfer’, veröff. von 
Jubinal, Mystöres II p. 384 sqq. 

22. ) f. 277 r a—277 v a. Du noble lion. 

Li lions c’on apele Noble[s] 

Eftoit iadis en . i. uinoble 
Au chief du bos en vne plaigne. 

♦) Die im Mac. Meons fehlenden Verse lauten v. 40. K’ele ne disoit 
mie voir. 

Bei v. 1037 ist die Lücke falsch angesetzt. Es fehlt der Vers 
nach 1038 

Priens et car i prendes garde. 

Li prieus de pres le regarde. . . 

20 * 


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290 


Foebstkr 


Veröff. yon Robert Fables I p. 32. 

23. ) f. 277 y a— 278 r b. De le grue. 

Die ganzen vierthalb Spalten sind sorgfältig abgeschabt 
und grösstentheils unleserlich. Das Gedicht ist veröffentlicht 
von Barbazan-Meon IV. p. 250—255. 

24. ) f. 278 r b—279 r b. De male honte. 

En Engletere fu manans 
. j . uilains riches et poissans 
Riehes hons ert a mout grant force 
La mors qui toute riens enforche ... 

Le prinst . i . iour a son ostel. 

Veröff. von Barb. Meon in 2 Fassungen HI p. 204—215. 
Die vorliegende entspricht der ersten bei Meon, nur fehlen 
die ersten Verse, worin sich Hugo von Cambrai nennt. 

25.) f. 279 y a—301 r b. Ch’estYfopes en romans. 

Anfang: Cil qui feuent de Fefcripture 
Doiuent bien metre lor eure 
En boins essamples et en dis .. . 

Die Fabelsammlung der Marie de France. Interessant 
ist die Variante 

Remoulus ki sot maint langage, 

wo seiner Kaiserschaft nicht gedacht wird. Auch den Schluss, 
worin des Grafen Wilhelm und der englischen Uebersetzung 
König Heinrichs Erwähnung geschieht, fehlt der Handschrift 
nicht Da fast alle Handschriften dieser Fabelsammlung — 
und sie sind überaus zahlreich — in der Zahl und Ordnung der 
Fabeln abweichen, werde ich die Fabeln mit denen Roque¬ 
forts vergleichen. 


Rqf. 

Ms. 


1. 

1. 


2. 

2. 

(von der 1. nicht abgetrennt, der 
1. Vers fehlt). 

4. 

3. 


ö. 

4. 

(nicht abgetrennt von der vorigen.) 


5. 

Katze und Kerze. 

17. 

6. 


6 . 

7. 

nicht abgetrennt 

8. 

8. 


7. 

9. 



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Du Vallet qui d’aiee a inalaiae se met. 


291 


Ms. 

Rqf. 

10. 

13. 

11. 

10. 

12.*) 

11. 

13. 

9. 

14. 

14. 

15. (nicht abgetrennt.) 

20. 

16. 

3. 

17. 

15. 

18. 

16. 

19. 

32. 

20. 

18. 

21. 

26. 

22. (nicht abgetrennt.) 

27. 

23. 

29. 

24.**) 

43. 

25. 

28. 

26. 

33. 

27. 

21. 

28. 

30. 

29. 

34. 

30. 

31. 

31. 

35. 

32. 

36. 

33. 

87. 

34. 

37. 

35.***) 

42. 


*) Der Cod. fügt am Ende hinzu: 

Et a Bon oes ueut amasser 
La le poee uous bien prouuer 
Qne nua n’est ricbes sens mentir 
Qui point en ueille departir. 

**) Die Moral lautet also: 

Autreggi est du rice auer 

S’il voit poure homme en pris monter 

V de terre ou d’autre honnour 

Se li atourae a deshonnour 

Ja tant n'ara plente de biens 

Se ne li souffriet uns des siens. 

***) Die Moral lautet anden: 

Autrestel est de mainte gent 
Qui par lor fol contenement 
Perdent lor bonte quant le font 
Si qu’en la fm nul gre n’en ont. 


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292 


F OE MT KB 


Ms. 

36. 

37. 

38. 

39. 

40. 

41. 

42. 

43. 

44. 

45. 

46. 

47. 

48. 

49. *) 

50. 

51. 

52. **) 

53. 

54. ***) 

55. 

56. 

57. 

58. 

59. 

60 . f) 

61. 

62. 

63. 

64. 

65. 

66 . 

67.++) 


Rqf. 

74. 

44. 

45. (nicht abgetrennh) 

66 . 

67. 

68 . 

69. 

70. 

19. 

38. 

39. 

22 . 

40. 

41. 

47. 

23. 

71. 

73. 

72. 

75. 

46. 

25. 

48. 

24. 

49. 

50. 

51. 

52. 

53. 

54. 

55. 

56. 


*) In der Mitte beginnt ein neuer Absatz, entsprechend Roq. p. 
211, Z. 11. 

**) anderer Schluss. 

***) die zwei letzten Verse fehlen, 
t) Statt des Wolfes ist es ein Fuchs. 

t+) Statt der letzten 2 Verse findet sich im Ms. eine zweite Moral. 
Par cest essample monstre chi 
Que tont li leu sont envilli 
En cele pel v il sont ne 
y La remaine(nt) tont lor ae 

Qui sour le len mestroit boin maistre 


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Du Vallet qui d’aise a malaise se met. 


293 


Ms. 

Rqf. 

68. 

57. 

69. 

58. 

70. 

59. 

71. 

60. 

72. 

61. 

73. « 

62. 

74.*) 

63. 

75. 

64. 

76. 

65. 

77. 

76. 

78. 

77. (nicht abgetrennt.) 

79. 

78. 

80. 

79. 

81. 

80. 

82. 

81. 

83**) 

82. 

84. 

83. 

85. 

84. 

86. 

85. 

87. 

86. 

88.***) 

87. 

89. 

88. 

90. 

89. 

91. 

90. 

92. 

91. 

93. 

92. 

94. 

93. 

95.+) 

94. 

96. 

97. 


Quel doctrinast a estre paistre(-preßtre) 

Si seroit tous iours mes li leus 
Fel et engres, lais et hideue 
Ausi est du euer au felon 
Ja pour bei dit ne pour biau don 
Ne sera simples ne piteus 
Asses en i voit on de teus. 

Ee ist die« der Anfang von Fab. 82 bei Roquefort. 

*) Die letzten 2 Verse fehlen. • 

**) b. Note 1. — Anfang: 

Uns paistre voelt iadis aprendre 

***) Die Fabel ist dieselbe wie 33, steht also zum 2. mal da. Der 
Text bietet Varianten. 

t) Die Moral hat nur dieselben Verse wie bei Roquefort. 


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294 


Fo ERSTER 


Ms. 

Rqf. 

97. 

99. 

98. 

98. 

99. 

100. 

100. 

101. 

101. 

102. 

102.*) 

103. 


Der Text ist mit dem Roquefort sehen vergl. unbedingt 
besser, er gewährt meistens ältere Wörter und Phrasen; so 
z. B. sei nur erwähnt, dass f. 280*a statt sa laine bei Roq. 
steht son viaure (vellerem). 

26.) f. 301 v a—b. De le femme qui cunquie sen baron. 

Je vous dirai fil vous siet 

D’un caftiel qui for le mer siet 

Qu’il n’auint n’ a pas lonc tans 

Ja fu ensi c’uns paifTians 

En cele ville femme prist 

Biele et gente, mais tant mesprist. . . 

im Ganzen 85 Verse. Sie lässt den Wein auslaufen, den der 
Mann mit dem Daumen stopft, indess der Liebhaber entkommt. 
Das Ende fehlt, da mit diesem Blatte der Codex schliesst. 

Der Codex ist, mit Ausnahme des Fierabras und einiger 
Stellen im Eneas, die eine andere Schrift aufweisen, abwech¬ 
selnd von zwei Schreibern verfertigt. Der erste, der den klein¬ 
sten Theil geliefert, hat eine schöne gefällige Handschrift und 
sein Text ist sehr sorgfältig; der zweite hingegen verfuhr sehr 
nachlässig und sein Theil wimmelt von sinnstörenden Fehlem. 

Die zwei Blätter, die ausgeschnitten sind, muss eine züch¬ 
tige Hand ausgerissen haben, vielleicht dieselbe, die an an¬ 
derer Stelle geduldiger sich der Mühe des Schabens unter¬ 
zogen hat. Die vier Wünsche des h. Martinus wimmeln von 
verpönten Wörtern und das verlorene Fabliau (17.) muss von 
schneidender Würze gewesen sein, soviel wenigstens der er¬ 
haltene Schluss merken lässt. 

Der zweite Schreiber hat den gesammten Text, auch wo 


*) Das Msc. fügt der Moral zwei Verse bei 

Soit hom ou femme quels qu’il soit 
3a nature cangier ne puet. 


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Da Vallet qui d’aise a maJaise se met. 295 

er es urprünglich nicht war, picardisirt; der erste verfuhr be¬ 
deutend schonender. 

Aus dem Inhalte dieser Handschrift ergiebt sich von 
selbst, dass dies der von Gautier (Epop. fr. H p. 307 Note) 
für verschollen erklärte Codex Nr. 2290 der protypographi¬ 
schen Bibliothek von Barrois ist. Zum Schlüsse fügen wir 
hinzu, dass unsere Handschrift schon in Le Roux de Lincy’s 
überaus seltener „Description des manucrits du Roman de Brut“, 
aber ungenau beschrieben ist. " 3 

f. 252 T a. Du uallet qui d’aise' a malaisej sejmet. 
Uoles uous oir du uallet, 

Qui d’aise a malaise se met? 

Quant li valles a tant g[a]aign(i)e, 

(Et) assamble et espamie 

Qu’il a une cote en son dos 5 

De bleu, de rouge ou d’estainfort, 

Et il a braies et chemises: 

Dont a fes foingnes aemplies, 

Ne il'ne dort ne il ne foingne 


Et quant il a un fercotel, 10 

Dont per(t) il tont fon reuel; 

Que il cuide mout bien sans faille 
Valoir . x . tans k(e)il ne uaille. 

Dont se commenche a forquidier, 

Pour che fe met au fol meflier. 15 

Maintenant commenche a amer, 

Et difb s’il eftoit maries, 

262 v b Qu’il feroit fires et refais. 


Et ie di bien, se dix m’ait, 

Que dont deue(n)roit il caitis. 20 

Ie uous conterai bien le conte, 

Comment li ualles ua a honte, 

Et li baifelete enfement,] 

Qui se marie pourement. 

Li valles vint a une uille, 25 

Si parole a une meschine, 

Cell quiconques miex li siet. 

Li valles deles li s’asiet, 

Puis si li dist: „Ma douche seur, 

Titel. Cod: q. V. 11. j>. st. pert. Es fehlt eine Silbe, man kann er* 
gänzen; (A)dont oder (tres)tout T — V. 17. se il. 


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296 


Foebster 


Ie uous ainme de tout men euer.“ 30 

Cele respont: „Laissie(s) me ester, 

„Biau s sire, et si ne me gabes; 

„Enuis m’ameries, s’aries droit. 

»Plus bele et plus cointe de moi 

„Ames uous, ce qui(c) ie bien 35 

„Laiffief me en pais, si feres bien, 

„Car ce n’est mie courtoisie, 

„Se uous gabes une meschine“. 

Et chiex respont: „Ma douche amie, 

„Sachies, ie ne uous gäbe mie, 40 

„Anchois uous ai mout enamee. 

„N’a meschine en ceste contree, 

„Cui i’ainme tant com ie fac uous, 

„Pour honne(u)r faire, uieng a uous, 

„Si uous prend[e]rai, se uous uoles. 45 

„S’irai a uos amis parier, 

„Et a uo dame et a uo sire.“ 

Celle respont, qui le desire, 

Et bien uauroit, que che fust fait: 

„Biaus sire, tenes uous em pais, 50 

„De marier n’ai ie mestier, 

„I’en ai encore peu g[a]aignie. 

„Dechi a . ans chi auant 
„I uenrai ie asses a tans. 

„Riehes hom n’est mie mes pere[s], 55 

„Et ie ne sui atournee.“ 

Et chius respont: „Pis apparans 
Se marieront en cest an 
Voire uoir . xxij . ou plus.“ 

Tant parlerent et sus et ius, 60 

Que li uoisin d’aual le rue 
253 r a En ont la nouuelle espandue. 

Se li dient: „Yous ne saues, 

„Chius ualles ueut fille amer.“ 

Dont uienent li fol et li sage, 65 

Si parolent du manage. 

Dist li uns: „S’il auoit uo fille, 

„Elle seroit mout bien assisse. 

„En non diu, c’est . i. boins waign(i)ere[s], 

„Et si n’est ne fol ne lechiere[s]. 70 

„Encor n’aient il grant auoir, 

Y. 35. Es fehlt eine Silbe. Yielleicht: Ames uous (ia) oder (tres) 
bien. —V. 41. Cod. Ains. — 66. Ergänze etwa (point) atornee. —V. 64. 
Eine Silbe fehlt, s. Anmerkung zu Y. 64. — 


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Da Yallet qui d’aise a malaise so met. 


297 


„Si porront il asses auoir.“ 

Ciertes il dient uerite, 

Voirement aront il asses, 

On dissetes ou pouretes 75 

Aront il tout plain les costes. 

Ore est li mere en grant pensee, 

Comment se fille ert mariee. 

Quant eie gist les sen preudomme, 

Dont ne li puet prendre nus fommes. 80 

„Sire,“ fait el[e], „uous ne saues, 

Chius ualles ueut uo fille amer. 

Ciertes, ch’est . i . boins ualles 
Ne fol ne trumelere[s] n est, 

Et si est uns boins w(a)aigniere[s] 85 

Et si n’est ne fols ne lechierefs] 

Chius se retourne en l’autre coste. 

„Oiies,“ fait il, „de ceste fote! 

„Ciertes, uous n’estes mie sage, 

„Qui m’aparles de manage 90 

„Pour ches deniers que i’ai gissans 

„Et pour chu mueble que i’ai tant 

„Or estes vous bien cour(e)cliie 

„Que no fille [n]est aharnesquig.“ 

„Ha hai! sire, que dites uous? 95 

,Je ne le di mie pour chou 
„Ains le di pour ches (baiseletes), 

„Qui font si tres soteletes. 

„Se eile waignoit . i. quastron, 

„Puis n’oseriens uir . i. preudon. 100 

„Toutes uoies esce nos enfes, 

„Si i deuons bien garde prendre 
„En tant que nous le marions 
„Et preudefemme[s] le faissons. 

„Chius le prend(e)ra pour petit, 105 

253*b „Car il l’ainme, ie l[e] fai de fit. 

„Anchois le prendroit il pour nient 
„Qu’il ne l’eust, ce fai ie bien.“ — 

Quant li femme entre en le reddie, 

• Ou faice fauoir ou folie, 110 

Anchois mangeroit fer ou boise, 


V. 80. Cod. nul. — V. 88. Eine Silbe fehlt. Entweder cho est oder 
mout (v. tres) boins. — 85. Eine Silbe fehlt, s. Anmerkung. — V. 94. 
Eine Silbe zu viel, s. Anmerkung. — Y. 98. Eine» Silbe fehlt. Ich weise 
den Yers nicht zu verbessern, ensi passt nicht sonderlich. — Y. 108. Cod: 
saice. Freilich kann ebenso gut saices gelesen werden. 


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298 


FoER8TRR 



252 T a 


Qu' eie ne uainque ou qu’ele uoisse. 
Et li preudom si laifc a dire. 

„Dame,“ fait il, „vous en souui[e]gne 
„Se chius marchies pooit uenir, 

„Ie l’otroi[e]roie endroit de mi. 
„Ainmi las! que nous li donrons 
„Ou prenderons nous garissons, 

„Que nous li puisomes donner 
„Que puist auoec li aporter?“ 

„Nous li donrons une uakielle 
„Et . i. petitet de no terre, 

„S’ai de mes coses en tour mi 
„De mes napes et de men lin. 

„Se uous taiffies d’ore en auantj 
„Laissies m’ent souuenir atant.“ 

Or iert li ualles bien uenus, 

Quel eure qu’il soit reuenus. 

(Et) quant il reuient a s’amie, 

Sa dame ne se targe mie, 

Que[le] ne li faiche boine chiere; 

Soit Tour lesson, foit Tour keiere 
Le fait assir deles se fille, 

Et puis si li set tres bei dire: 

„Bien soies uous uenus, biaus fix! 

„Ie cuit que vous seres mes fix. 

„Ie ne quidaiffe en mout grant tans 
„Que mes sire[s] uous amast tant; 

,;I1 uous aime, ie l[e] sai de fi.“ 
„Dame“, fait chius, ,,l[e] foie merchi, 
„Et dix le mire men boin sire, 

„Ie ne li fis onques seruiche; 

„Mais s’il auoit de nous mestier, 
„Nous li ferielines uolentiers.“ 

Dist la dame: „Je le sai bien, 

„A fon preu estes et au mien. 

„Mais . i. ualles de cele uille 
„Nous fait apparler de no fille, 

„Qu’ il le prendroit mout uolentiers, 
„Se nous li uoliemes aidier. 

„Et ie respondi lues pour uous, 

„Plus chiere l’auroie auoec uous. 
„Vous n'eftes mies deputaires, 

„Ains eftes forment deboinaires. 


115 


120 


125 


130 


135 


140 


145 


150 


114 Cod: couuiegne. — 117. Cod: que li donrons nous. — 119. Cod. 
puisons. -- 193. Cpd. en tour nous mi, — 136, Cod: couuenir. — 


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Du Yallet qui d’aise a malaise se met. 


299 


„Qui me fille donroit . i. cop, 155 

„Ciertes, il me donroit la mori 
„Que, par toua sams, c’est uns boins enfes ! j 
„On ne set en li que reprendre, 

„Qu’ eie ne faice bien filer, 

„Et bien preftir et bien buer; 160 

„Et si uous di par le boin iour, 

„Que fe ie demouroi[e] . viij . iours, 

„Ne perderoi[e] mien enscient 
„Le pieur louche de chaiens. 

„En non diu! et s’est eureuse, 165 

„Et s’est bien sage et bien uifeufe, 

„Mais chiex qui amenra me fille, 

„N’aura pas tout a une fie 
„Che que ie \i uaurai donner; 

„Se i’ai ma char, se i’ai mon sei, 170 

„Je voeil que chiex qu[i]’ ara ma fille, 

„Le prengne si com[me] soi meifme.“ 

„Dame,“ fait li ualles, „par foi! 

„Chou est uns boins enfes, ie croi. 

„Plus chier l’au[e]roie a mains d’auoir 175 

„Que une autre pour plus auoir.“ 

Or oiies de le boine femme 
Qui deuant l’uoeil li trait le pane. 

„Dont uous dirai ie que feres. 

„Ales a uos amis parier, 180 

„Se uous a confeil le trouues, 

„Reuenes cha, fe uous uoles.“ 

„Par le saint diu,“ chiex respondi 
„Li confaus en gist tous en mi. 

„Mais ie leur dirai toutes voies, 185 

„S’il i ueulent eftre, fi foient 
„Et se che non, ie uous di bien, 

„Que pour aus ne demour(r)a rien.“ 

Mieus li uenist [or] le malostrut 
Le chatif et le durfeüt, 190 

C’om le fresist d’un graut baston 
A l’issue d’une maison, 

Si le cachast on a la rue, 

253 r b S’alast cachier une carue. 

Li ualles ist de le maison, 195 

Puis si dist a fen compaignon; 

„Tu ne ses que ie te dirai, 


183. Cod: par le . b’ . diu. — 189. Cod: le. — 191. Cod: dur fut. 
Muaeafia besserte. 


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PoBfeSTSÜ 


800 



„Compains, ie me marierai.“ 

„Et cui prenderas tu?“ fait eil. 

„Par . iij . cent sains,“ fait chiex, „celi* w 

200 


Si le noinma par son droit non. 

„Ha hai! fi le te donra on.“ 

— „Oil, certes, mout uolentiers, 

„Se mere le me dist Fautrier. 

„ Mout a de honte et peu est plains 

205 


„Chiex, qui se leuwe a ces uilains. 

„Mais fe i’eftoie maries, 

„Et Festoie par mi toumes, 

„Me femme aueroit fen bei lit, 

„Si gerriens aise moi et li, 

210 


„Si passeriens de peu le tans. 

„La merchi dieu, il est boins tans! 

„Auan quant ie me reuesti, 

„Si mis ie d’argent (de)feur mi 
„ . xlvy . s. et demi. 

215 


„Che vous conterai ie bien, 

217 


„Mentirs n’i uaut, ce uoi ie bien. 

„A me cote eut . xiiij . saus, 

„ . iiij . saus a mes estiuaus. 

220 


„Enne sont che . xviij . saus?. 



„(Et) braies et chemise ausi, 

223 


„Que i’euc de . vi . saus et demi, 

„Que du keudre que du taillier; 

225 


„Che sont . xxiiij . saus et . vj . denier. 

„Et me cape que i(e) ai chi 
„Que i'euc de . x . saus et demi 
„Enne sont ce . xxxvi., 

„Qui sont ia (de)feur mi assis? 

230 


„Vne petite cauchemente, 

„Que ie chauce le di(e)mence, 

„Cele me coufta . iiij . saus. 

„Enne sont ce . xl. saus? 

„Et . i. tacons deffous mes pies, 

235 

254 r a 

„Que i’a[i]catai de . ix . deniers, 

„Qu’il me couui[e]nt paiier tous seus. 

„Et s’en eut . iij . en . i. huuet; 

„Vne ooroie et. i. blans wans 
„Que i’a[i]catai . vi . deniers blans. 

240 


199. Cod. qui. 200. Cod. par . c. . b* . 214. Cod. misse d’argent. 
Zu Y. 216 und 221 fehlt der Reiinvers. 217. Eine Silbe fehlt, etwa (mout) 
bien. 218. Cod. uät. 227. Cod. A me cape. 229. Eine Silbe fehlt, oder 
mit Hiatus zu lesen trente et siz. 


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Du Vallet qui d’aise ä malalie se tuet. 


SOI 


„Vois, par le tiefte diu,“ fait il, 

„Comment me poroie tenir! 

„Ne iou pinies ne ie laues 
„Ne onques n’ai mes dras bues. 

„Tant les ai portes entour mi, 245 

„C’a peu k’il ne me font pouri. a 
Or le depart du compaignon, 

Auquel a dite fa raifon, 

Si fen reuient a fes parens, 

Si lor conte[nt] son errement, 250 

Que il fe vora marier 
Et k’il uorra par lui toumer. 

Adont li dift uns siens parens, 

Et auques mout crueufement. 

„Biaus nies, k’ aues uous enpense, 255 

„Qui or uous uoles marier! 

„Yns rices hon[s] de cele uille 
„Ne yous donra mie fe fille. 

„N’aues maison, n’aues ostel, 

„Ou uous le puissies mener. 260 

„En court terme et en peu de tans 
„Porres mout auoir d’enfans. 

„Ales encor maiftre feruir, 

„Car uous ne porres mie iffir.“ 

Chiex respont: „Certes, non ferai, 265 

„Jamais uilain ne seruirai. 

„Mais se vous voles, s’i soiies, 

„Se vous voles, si le laiffies; 

„Et se ce non, vous di ie bien, 

„Que pour vous n’en demour(r)a rien. u 270 
Dont li respont . i . fiens parens: 

„Marie toi hardiement, 

„Et fe tu n’as un (tien) oftel, 

„Je te prefteroie un cambrel.“ 

Et chiex respont: „Mout uolentiers,“ 275 

Qui bien set qu’il en iert mestiers. 

Si s’en reuient uers sen amie, 

Cheroit fait k’il l’a fianchie, 

Li prestres fait fes bans hanster, 

Et [li] dons li pramet a donner; 280 

Et 11 n’a nient taut efpamie, 

Qu’ il ait . x . saus de ses deniers, 

De quoy il puift fes noches faire. 

262. Eine Silbe fehlt, etwa: porres (uous). —277. Vielleicht: si s’en 
reuient (tost) uers s’amie. — V. 279. s. Anm. — 283. Cod: peust. 


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Foebstbb 


802 

254 r 6) Si l’en couuerra meschief faire, 

Si ua . i. sien ami proier 285 

Tant k’il ait . x . saus de deniers, 

Et li a en couuent saus faille, 

Que des deniers de reuidaijle 
Li rendera tout erraument, 

Ja ne deu[e]ra plus longement. 290 

Et chiex li prest[r]e les deniers, 

Ki uoit bien k’il en est mestiers. 

Or a acate li dansiaus 
Ses affiches et ses iuiaus, 

Pour la ioie k’il se marie, 295 

Et pour ce k(e) il prent famie. 

Ceroit fait k’il l’a efpousee, 

Adont on(t) fait lor destinee. 

On les reuida l’endemain, 

On leur aporta uin et pain; 300 

De deniers lor aport’ on pau, 

Ne n’eurent pas iufqu’ a . viij . saus; 

Font les commeres, qui la sont: 

„De cest premier auoir, k’il ont, 

Chou eft boine eftrine nouuelle, 306 

S’en acatent pot et paiele, 

Che doit on faire du premier. 

Que dix leur doinst eur de bien. 4 * — 

On leur aporte pute eftrine, 

. j . pourcelet et . ij . gelines. 310 

Par chou perdront (il) leur cambrel, 

Que leur parens leur a preste. 

Li pourceles i ua fouant, 

[Et] les gelines i uont gatant; 

Li boine femme les en cache, 

Si les hue et si les manache; 

Si leur dift tout appertement, 

Et auques mout crueufement, 

Que ne doit auoir nourechon 
Li femme ki n’a se maifon. 

Cele en eft forment cour(e)chie, 

Si em pleure et si en crie; 

A sen baron uint, si li dist: 

„Biaus dous frerefs] se dix m’ ait, 

„Moi sambleroit, buer fuiffe nee, 

„Se de chi eftoie efcapee, 

„Que nous euiffiens . i. torciel, 


314. Vielleicht gratant. — 322. Hiatus. 


315 


320 


325 


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Du Vallet qui d'aiee a malaise ge met. 


303 


254 T a) „Yne maison et . i. pourchiel.“ 

Ses drapiaus uent tous ki les a, 

Et chiex les siens teuls k’il les a, 
Et tant qu(e) il ont . i . torciel, 

Vne maison et . i. pourciel, 

Ou il pneent leur huche assir, 

Et leur lit faire a lor plaisir. 

Or vous dirai ie des deniers 
C’on empru(n)ta as ussuriers. 

B ne seront iamais rendu[s], 

Si au[e]ra . xxx . saus ou plus. 

Et quant che uient au chief de Tan, 
S’est cele grosse d’un enfant; 

Or li kiet li pois reueleus, 

Et se li mue li couleurs. 

Mais s’ele se plaint, ne puet nient, 
Car plus a de mal que de bien. 
Chiex ua trestout le iour ouurer, 

Et w(a)aignier et labourer; 

Et quant il uient a son ostel, 

Dont li estuet le fu souffler 
Et Fiaue du baing aporter. 

Dont se prent »caitis 4 a clamer, 
„Vois,“ fait il, „maugres en ait dixl 
„Comme ie sui mausoutiex, 

„Quant ie fui onques maries. 

„Com bien en sui ore amendes!“ 

Si malade n’est cele mie, 

Qu*eie ne saice mout bien dire: 

„Que dites vous, puans pendus? 

„C’a male hart soiies pendus! 

„Quant i[e]’issi de Tostel mon pere, 
„Ie en issi bien endrapee, 

„Ie aportai mout boine plice, 

„Et boin sercot et souscanie; 

„Vous me les- aues tous vendus, 
„Tous al(o)uies, tous despendus. 
„Qu’a male hart soiies pendus!“ 

Que vous iroie iou contant, 

Ne qu’iroie ramenteuant — 

Trestout le plus lonc iour d’este 

N’aroie mie raconte 

Trestous ne leur fais ne leur dis, 


330 


335 


340 


345 


350 


355 


360 


365 


370 


342. Cod. le couleurs. 343. Vielleicht uaut st. puet. 351. Lies: diex. 
363.Cod.VouBlesmes. 364. Cod. aluies. 365. Zu diesemVers fehltderReimvers. 

Jahrb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. I. 21 


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304 


Foerstbr 


Que plus uiuent, (et) plus ont pis, 

254 T b] Et tout ades de mal em pis. 

Pour che vous di ge bien de fi 

Qu’il n’ait si male que de .. . 375 

Ensi com(me) cis flabliaus dist. 

Or you8 ai ie dit du vallet, 

Qui d’aife a mallaise se met, 

Que si feifoit le cretelet, 

Et qui refamble ToiTelet, 380 

Qui ains, qu[’e] ait elles, ueut uoler, 

Et puis fi demeure afoles. 

Or uorroit eftre a marier, 

- S’en deust aler outre mer; 

Or dist il, se diex li ait 385 

Que s’il iffoit de cest peril, 

Que iamais ne s’i rembat[e]roit, 

Se diex li ait et sainte crois. 

Mais ne li uaut, que c’est trop tart, 

II s’est trop fort lachies el lach. 390 

Explicit. 


Anmerkungen. 

6. eatainfort ein Wollstoff 8. Du Cange unter stamen. 

8. soingnes, pic. form statt songe, hier weiblich, wie auch sonst. 

10. sercotel mit abgeschwächtem u in unbetonter Silbe. 

14. Forquidier. Ich kann dieses Compositum nicht belegen. Die 
Bestandtheile zeigen klar den Sinn — wenn nicht etwa sorquidier zu 
schreiben ist. 

18. Da in dem Gedicht, wie überhaupt in picardischen Texten die 
Deklinationsregeln meistens gewahrt sind, ist wohl zu lesen: Qu(e) il 
seroit sire[sj et refeis. — Zu dieser Zeile fehlt der entsprechende Reim- 
vers, wie oben für Zeile 9. Der Sinn selbst lässt nichts vermissen. 

47. a uo sire (s. 141) gegen die Deklinationsregeln, wie 100. preudon. 

P7. Sinn: viel ärmere Leute als wir sind, werden in diesem Jahre 
heirathen, warum wir nicht? 

63. Se li dient, wem? Man könnte lesen: Se dient il. Vielleicht ist 
aber die Mutter des Mädchens gemeint, deren freilich im Vorhergehen" 
den keine Erwähnung geschah. Damit stimmt V. 68 ,s’il auoit uo fille‘ 
und so wird man auch V. 64, dem eine Silbe abgeht, lesen müssen: 
China ualles ueut (uo) fille amer. Dem entspricht völlig 77 sq. ,Ore est 
li mere en grant pensee etc/ 


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Du Vallet qui d’aiae a malaise se met. 


305 


' 69. Die V. 69 — 72] könnten auch der Mutter zugewiesen werden. 
Die Y. 73—76 müssen jedoch wegen des ironischen Schlusses dem Ver¬ 
fasser in den Mund gelegt werden. 

85. Man wird wohl w(a)aigniere (V. 69 aber waingniere) schreiben 
müssen und annehmen, dass der Verf. nach Bedarf sich der einen oder 
der andern Form bediente, wie es von hiaume und diable in andern Tex¬ 
ten bekannt iBt. Zwar musste V. 3 und 52 gaignier (wie v. 99 auch 
Überliefert ist) gegen die Ueberlieferung gelesen werden (nur an letzterer 
Stelle konnte man zwischen encor mit apokopirtem e noch schwanken), 
aber weiter unten V. 346 muss gegen die Ueberlieferung w(a)aignier ge¬ 
schrieben werden. 

94. Wenn ich den Sinn recht verstehe, so will der Vater sagen: 
,Euch verdriesst es wohl, dass unsere Tochter gut ausgestattet ist, dass 
sie etwas Vermögen von uns bekommt; und ihr möchtet es gern sehen, 
wenn sie durch eine arme Heirath um das wenige käme/ Das Compo¬ 
situm aharnesquie, das ich sonst nicht belegen kann, muss den Sinn des 
einfachen haben. — Von einem Pferd sagt man aber, und dies ist die 
Grundbedeutung, harnesquies et atournes, so z. B. chev. as deux espees 
V. 4044. Könnte man dies nun übertragen vom Mädchen sagen: ,Euch 
verdriesst es wohl, dass unsere Tochter noch nicht angeschirrt, noch 
nicht emgespannt ist ins Ehejoch 1 (was freilich zu dem Vorausgehenden 
nicht so gut passt), so müsste n e beibehalten und [a] harnesquie gelesen 
werden. 

99. quastron = questron, uneheliches Kind. s. Du Cange s. v. que- 
stuarius. 

101. esce pikard.=- est ce. 

109. la reddie ein bezeichnendes Wort, vielleicht eine Neubildung 
des Verfassers. Die Bemerkung, die nun folgt, dass das Weib eher Eisen 
o. Holz (=buche) schlucken würde, als dass es nicht den Sieg behaupten 
oder gar den Streit aufgeben sollte, trägt ganz den Charakter eines 
Sprichwortes, das ich jedoch in le Roux’ Sammlung nicht finden konnte. 

124. lin in der Assonanz mit mi zeigt, dass für den Verfasser das 
i seinen Laut noch bewahrt hatte. 

132. lesson, eine Bank s. Du Cange. So findet es sich in Jehan de 
Lanson. Si fori Danemon, Que mort le trestorna par desoz un lesson. 

162. 163. Die Unterdrückung des e in oie ist bes. in pikardischen 
Texten anzutreffen, z. B. Baud, de Conde 1 , 196 (s. Scheler dazu); 3, 99. 
7, 4. 8, 205. 18, 268. 54. Jehan de C. 34, 406. usf. — EnBCient, pikard. 
Form statt escient, vgl. damit im Durmart: ensaucier=essaucier, en- 
8aier=*es8aier usf. 

164. louche (Löffel) noch jetzt im Gebrauch, s. Sigard s. v. 

167. amenra, der Ausgangspunkt ist verschieden vom dtsch: heim¬ 
führen; dann müsste es enmener heissen. Ebenso stand oben 120 
aporter. 

171 ff. Der Zusammenhang ist mir nicht klar. ,Die Mitgift bekommt 
er nicht auf einmal; wenn ich auch mein Fleisch immer habe, d. h. 

21 * 


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306 


FOER8TEB 


in guten Umständen lebe, so darf mein Schwiegersohn nicht darauf 
rechnen* (?). 

176. Man erwartet chiere. 

206. leuwe sich verdingt. 

208. ,wenn ich selbstständig wäre* im Gegensatz zum dienstlichen 
Verhältnis (?). Die Wendung ist mir sonst nicht bekannt; in unserem 
Stücke kehrt sie wieder 262. 

218. auan=»oan, so Guill. d’Anglet p. 119. 

226. A me cape würde eine Konstruktion verlangen, wie oben 219. 
220. Hier aber, wie schon 223, und weiter 281 usf. einfache Aufzählung. 

216 ff. Die Rechnung stimmt nicht. Der erste Fehler ist V. 229, 
denn die Summe beträgt 36, dem liese sich abhelfen durch die Aenderung 
onze im V. 229. Wenn man im Folg, auch 86 zugibt, so erhält man 
V. 234 vierzig sous; dann deniers 9 + 3 und 6 weisse =» 30 gewöhn- 
liehe. 42 den. =- 3 sous mehr einem halben, daher im Ganzen 43% 
sous, mithin fehlen 4 sous. Wenn wir auch noch für den Riemen be¬ 
sonders sechs weisse deniers rechnen, fehlen noch immer l 1 /, sous. Auch 
wenn man V. 238 drei sous (was wahrscheinlicher ist) rechnet, so wird 
die nothwendige Summe auch nicht getroffen. 

242 f. Die Verse sind nicht recht klar; pinier und lauer kann man 
nicht leicht auf dras beziehen, denn die Stellung ist hart, buer wäre 
neben lauer kaum mehr als Wiederholung, pinier müsste etwa »bürsten* 
heissen. Es ist auf den uallet zu beziehen mit der Aenderung: n’ere 
pinies ne ne laues, o. als abs. Pari zu betrachten. Er meint doch, als 
als er im Dienste gewesen, habe er seine werthvollsten Sachen verdorben, 
so sei er eingespannt gewesen. Habe er einmal einen eigenen Haushalt, 
so würde das anders werden. 

278. cheroit und 297 ceroit, mir unbekannt Etwa: Ce roit? 

278. Subjekt in 278 ist uallet, desgleichen in 280 fort, nur zwischen 
den beiden Versen ist plötzlich ein anderes Subjekt, das den ganzen Zu¬ 
sammenhang unterbricht. Man lese daher „Le prestre fait ses bans 
haster,** wobei le prestre der Dativ ist, der bei faire und andern ähn¬ 
lichen Verben beim Zusammentreffen zweier Accusative nothwendig ist. 
Die Form hanster ist entweder nur orthographisch verschieden (cf. conse in 
vielen Handschriften st. cose), oder das n würde eingeschaltet, wie etwa 
in han8te von hasta, wenn die Ableitg. richtig ist. 

281. Ueber Et si im advers. Sinne s. Tobler aniel 168 Note. Schon 
Burguy macht auf diesen Gebrauch aufmerksam und Scheler hat in 
seinem B. und J. Conde an mehreren Stellen, z. B. B. C. 13, 120. 16, 30 
darauf hingewiesen, ln demselben Ch. Lyon, woraus Tobler seine Beispiele 
nimmt, gibt es noch viele ähnliche Fälle, so 4288. 6026. 6064 etc. Ebenso 
in provenzalischen, z. B. Bartsch 61, 19. 

288. deniers de reuidaille, das Geld, welches die Gäste bei ihrem 
Besuche (reuider V. 299), den Tag nach der Hochzeit als Geschenk brin¬ 
gen sollen. Die Entstehung des Wortes ist mir nicht ganz klar, etwa 
reuisitare (?). 


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Du Vallet qui d'aise a malaise se met. 307 

305. cstrine, pik. Form st. estrene, so Rieh. Ii biaus 4321. 4436. Chev. 
as .ij. esp. 3645. 

326. torciel, Pfütze(?). Du Cange kennt torcia. Eg ist zu unterschei¬ 
den von torsiel, Bündel. 

329. tous ki les a gibt keinen Sinn (,die Frau welche dieselben hat 1 }; 
zu lesen, wie im folg. Vers teus ke les a, ist eben wegen dieser Gleich¬ 
heit nicht statthaft. Vielleicht tous ke eie a. 

837. Man erwartet rendu. Da unser Verf. durchaus nicht für das 
Auge reimt, sich sogar meistens mit blossen Assonanzen begnügt, habe 
ich rendu hergestellt. 

352. Eine Silbe fehlt. Ich möchte lesen: Comme ie fis que mausou- 
tiex (male subtilis), quant. . . 

376. Flabliaus, diese provinzielle Aussprache zeigt so recht deutlich' 
die Beweglichkeit des 1 (Diez I 205). In dem italienisirten Text des 
Anticrist (Ars. Hdschfk 305) steht Flabe statt Fable, (der Italiener dachte 
an sein Fiaba), und der Schreiber unseres Fabliaus schrieb in chev. as 
ierp. mehrmals blouce — boucle, und traf so mit dem span, bloca zu¬ 
sammen. 

377. faire le cretelet, ein volkstümlicher Ausdruck, über dessen 
Bedeutung ich kaum eine Vermutung bringen kann. Steht cretelet st. 
crestelet, und ist dies irgend ein Ausdruck für Hahn, da creste bes. den 
Kamm bezeichnet? Es wäre also ungefähr *=- ,der so stolz aufgetre¬ 
ten war. 4 

Paris, Januar 1873. 

Dr. W. Foerster. 


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Etymologisches. 

II. Couire. 

Eigentümlich klingt an span, goldre das altfrz. couire 
an, welches Diez E. W. II c. bespricht. Zu der bedeutend ab¬ 
weichenden Nebenform quivre stellen wir noch aus Hensleigh 
Wedgwood: A dict. of Engl. Etym. III L. 65. folgendes Citat 
aus dem Liv. des Rois: „David prit les armes d’or et les 
quivres d'or“ und aus dem prosaischen Theil des Psalt. Gail. 
Yet. ed. Fr. Michel entnehmen wir dem lOten Psalm (in un¬ 
seren üblichen Bibeln der Ute) die Worte: „Li peccheur ten- 
dirent lur arc et apareilerent lur saietes en quivre“. 

Dem altfrz. quivre , dem das engl, quiver sein Dasein dankt, 
entspricht das mittellat. cucuvum, das mgr. xovxovqov\ beiden 
Fremdlingen gelang es die classischen pharetra und gorytos 
zu verdrängen. Das mlat. cucurum wird von Du Cange 
durch folgende Stelle aus dem Capitulare de Villis (c. 64) be¬ 
legt: „et ad unum quoque currum, scirtum, et lanceam, cucu¬ 
rum et arcum habeant,“ als pharetra corytus theca sagittarum 
erklärt und aus dem deutschen koker (theca!) hergeleitet Das 
mgr. xovxovqov dem Du Cange nur theca beisetzt, muss in 
der Yulgärsprache sehr verbreitet gewesen sein, denn in dem 
oben erwähnten Satze des Nicetas (48. 13) [6 nkrtpos yaQ 
ccvrotg yaQvxog inl trjg ityog iirjQTrj^ievog nkayiog xai xafi- 
nvka xo%a xcd axQaxxoi ungenau mit arma eis sunt, pharetra 
sagittis plena de humeris suspensa et arcus übersetzt] liest 
ein codex barbarograph. es für yoQvxog. [S. den Index der 
Barbarenwörter ed. Wolf, der nicht wie Du Cange xovxov¬ 
qov sondern xoxjxovqo. schreibt.] — Die von Du Cange herbei¬ 
gezogene Stelle des Theophanes: ite(i7t£i avxä xovxovqov yepov 


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Etymologisches. 


309 


vo[uö(idtov , mit dem Zusatze ubi alii perperam xovqxovqov, 
wird aus lat. Quelle als marsupium wiedergegeben. Muss hier 
nicht zweifelnd die Frage wach werden ob der griech. Form 
vorwiegend der Sinn des Bogenbehälters zukam? ob sie nicht 
vielmehr wie unsere deutsche Form „Köcher“ den allgemeinen 
Begriff des umschliessenden Behälters ausdrücke? Die Möglich¬ 
keit in dem barbarischen Wildling eine echt griech. Wurzel 
zu suchen, ist überhaupt nicht da, doch ist seine Aufnahme 
durch die Existenz von xcoqvxog [Stephanus vitiose xoQvxog] 
saccullus marsupium*) gewiss wesentlich erleichtert worden. 

Sicher ist couire cucurum xovxovqov und die von Wedg¬ 
wood angeführte uns unbekannte ital. Form coccaro unser 
deutsches Köcher. 


III. Köcher 

ist ahd. chochari chochare chochar chocher kocher kolihar; 
mhd. kochir kocher kochsere; ags. cocer cocur; schwed. coger; 
dän. kogger; altfries. koker’ kocker; neufr. koker. Eine gotische 
und eine altnordische Form existirt nicht. [S. E. Jonsson. 
Oldnordisk Ordbog 63.] Seine weite Verzweigung in die gerrn. 
Sprachstämme weist auf echt germ. Abstammung und doch 
steht das Wort überall vereinzelt da 5 es will sich an keinen 
Stamm schliessen lassen und gerade analog gebauten Wör¬ 
tern unserer Sprache — Becher, Fächer — liegt ein fremdes 
Etymon zu Grunde. 

Den Köcher erklärt uns Weigand als einen langen hohlen 
Behälter zum Tragen der Pfeile, Bolzen und Schreibfedern, der 
alte Frisch als eine theca die einen Deckel hatte. Wenn wir 
nun wissen, dass wir selten, die Holländer aber auch jetzt 
noch unbedenklich von einem Pfeil-, einem Barbier-, einem Fe¬ 
der- und Scheer-Koker sprechen, so liegt wohl auf der Hand, 
dass der ursprüngliche Sinn des Wortes der des umschliessen¬ 
den, umfassenden kastenartigen Behälters für einen beliebigen 
Gegenstand ist. Dazu passt vortrefflich die oben citirtc Stelle 

*) Die Bedeutung Sack, Beutel übertrug eich als Blase, blasenartiger 
Auswuchs an Pflanzen von %(6qv%o$ auf das Dimin. %<6qv%i$. Eine Ana¬ 
logie bietet daeWal., welches mit kukuiu Beule Auswuchs, mit koukoudi 
Bläschen bezeichnet. Beide erinnern an xovxovqov und Köcher. — 


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310 


Michaelis 


des Theophanes, die uns den Köcher als Geldbeutel zeigt; dazu 
passt dass dasNeugr. [s. Theodor Kind’sLexicon] von der äusseren 
Gestalt ausgehend mit xovpuiovQi den Köcher, mit xov[17Covqiov 
den Köcher, den Mastkorb und in umgekehrter Begriffs Wan¬ 
delung mit altgr. xaQ%r\Gi°v nur den Mastkorb, neugr. aber 
mit demselben Worte (xccQxaGiov) den Mastkorb und den 
Köcher bezeichnet. Und noch trefflicher passt es, dass das 
Finnische mit unserem Köcher = kukkaro auschliesslich den 
Begriff der Börse und des Beutels verbindet. (S. Renvall. 
Aboae. 26.] 

Ein schöner Traum, der sich für uns an das Finnische 
knüpfte, war leider ohne Wahrheitsfond. Wir glaubten, das 
Finnische könnte ein verlorenes gotisches Wort allgemeineren 
Sinnes, aus dem Köcher und kukkaro sich herausgeschält hät¬ 
ten, aufbewahrt haben. Doch blieb unser Suchen in Thom- 
sens: Einfluss der germ. Sprachen auf die Finnisch-Lappischen 
ganz fruchtlos. Dann hätten wir den einsamen Köcher, zu dem 
keine der urverwandten Sprachen eine Parallelle bietet, viel¬ 
leicht, irgend wie, an irgend ein altes Wort knüpfen können. 

Eine andere Vermuthung die ebenso unbegründet sein mag, 
wagen wir wenigstens auszusprechen, da nicht die Syrene des 
Gleichklangs allein uns verführt hat, und fragen also, ob Köcher 
denn in absolut keinem Zusammenhänge mit dem gr. xoipivog 
steht. So verkehrt will uns die Meinung des alten Frisch gar 
nicht scheinen der in Kopen und Koven in Kober und Koffer 
und in Köcher („da ch und ff oft miteinander verwechselt wer¬ 
den“) nur eine vielgliedrige Kette zu sehen scheint, die der 
Deutsche aus dem griech.-lat. cophinus geschmiedet hat. — 
Die Stellen des Neuen Testamentes, die uns in den Speisungs¬ 
wundem eine got. Uebertragung von xoipivog bieten mussten, 
haben alle das weitabliegende tainjön. — Und doch, wie ver¬ 
schlungen dann auch die Wege des Wortes wären aus cophi¬ 
nus in Koffer Köcher und mit dieser veränderten Bedeutung 
zurück in cucurum xovxovqov , wir möchten beide Wörter nicht 
von einander trennen. Vielleicht liegt ihnen wenigstens eine 
gemeinsame Wurzel zu Grunde, welche umfassen, hohl sein be¬ 
deutet? — Wir wagen Zusammenstellungen wie diese in voller 
Bescheidenheit, weil wir uns vor Irrthum und Fehlern nicht 


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Etymologisches. 


311 


scheuen und kühne Hypothesen für erlaubt haltern wo genaue 
Specialforschung nicht mehr ausreicht. 

Eine so einfache Wurzel aber dürfen wir ruhig voraus¬ 
setzen, im Gedanken an pharetra und tul. 

IV. Tulbe. 

Das Walachische bezeichnet, wie wir schon im Anfänge 
erwähnten, den Köcher durch tulbe. Roesler erklärt in seinen 
griech. u. türk. Elementen des Romanischen (Wiener Sitz.-Ber- 
y. 65) dies Wort, mit Beifügung von JjO-dul und alban. dul- 
bi, für türkisch; was vor ihm schon Linde (Slownik J§zyka 
Polskiego 59) nach Meninski gethan hatte: wie wir glauben 
fälschlich. Dasselbe Wort in demselben Sinn finden wir im 
poln. tut, im böhm. toul toulec, im wend, tulz, im bosn. tulifa, 
im ragus. tul; sehen uns aber keineswegs gezwungen aus dem 
Indogermanischen herauszutreten um seine Quelle zu finden. 
Wie pharetra aus der Wurzel bhar=tragen, so ging tul aus 
der gleichbedeutenden Wurzel tal [cfr. fero (te)tuli (t)latum 
ferre] hervor: ein bemerkenswerthes Zusammentreffen, dem schon 
Tobler in K. Z. IX 246 ein kurzes Wort widmet, und das auch 
Curtius in seinen griechisch klaren und ebenmässigen Grund¬ 
zügen auf p. 112 erwähnt, deren mehrfachem Durcharbeiten 
wir manche frohe Stunde danken. In ähnlicher Weise bezeich- 
nete auch der Hebräer den Köcher als „das hängende“ = ibn 

von ttbn. — 

»* 

V. Kumpure . 

Auch diese zweite der wal. Bezeichnungen des Köchers 
veranlasst uns zu einer Bemerkung. Kumpure wurde dem ngr. 
xov(i7tovQi xovuitovQiov, welches Mastkorb und Köcher bedeu¬ 
tet, entnommen. — Passow in seinen Popularia Carmina Grae- 
ciae recentioris L. Teubner 60. nr. CCIX setzt zu dem betref¬ 
fenden Worte in folgendem Verse: 

nS%£i tovfpsxi (iccvtöaQl xal xa xov(17CovqI atirfoucc das lat. 
pharetra und sagt confer xowtcc. Dem mgr. xon7ra=crater ca- 
tinus setzt er aber xvßrj bei. Erstens wäre wohl xvnrj genauer, 
obwohl auch directe Herkunft vom lat. cupa denkbar ist, ähn¬ 
lich wie aus cavea (rom. gabbia) das neugr. ycc^iTua Mastkorb 


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312 


Michaelis 


hervorging.* **) ) Zweitens aber kann der Sinn kaum eine Bewaff¬ 
nung mit Flinte und Köchern im Plural zulassen! Warum 
sollten es nicht Kugeln sein? Cfr.: xofuta^ccg Granate*, xoft- 
ndxiov und xo(ißaxiov Knopf. — 

Der schwierigste Theil unserer Arbeit beginnt jetzt erst mit 

VL Carquois . 

Wie überall wo wir das Etymon eines rom. Wortes suchen 
greifen wir auch hier zuerst zu unserm Diez, in der Voraus¬ 
setzung hier stets das sicherste und beste zu finden, und wenn 
es uns diesmal nicht gelingt, so spricht dies für das schwie¬ 
rige Durcheinander der verwickelten Einzelheiten, muss also 
auch für uns entschuldigend sprechen, wenn ungelöste Fragen 
übrig bleiben. 

Ausser carquois , in alter Form carquois und carcas , den 
frz. hierher gehörigen Bezeichnungen des Köchers, denen das 
span, carcaj, das it. carcasso entspricht, besitzen die rom. 
Sprachen — nach Diez und Scheler — die fast oder ganz 
gleichlautenden Formen carcasse carcasa carcassa zur Bezeich¬ 
nung des von seinen Gliedern getrennten Rumpfes oder des 
fleischlosen Gerippes. Für carcasse kennt das altfrz. die Form 
charquois, wenigstens in drei Stellen aus dem Menagier I, deren 
Anführung wir Littre verdanken. Wir lassen sie folgen um 
so mehr als sie uns in ihrer Technik nicht ganz klar sind: 

1. )Prenez escrevices cuites, et en ostez la char des queues; 

et le surplus c’est assavoir coquilles et charquois . 

2. ) Pour faire perdriaulx de poucins, il convient avoir petites 

poulettes, copper les jambes et les cols, oster les charcois. 

3. ) Puis ostez la gorge et les boyaulx du poucin et l’en pourrez 

paistre a Tune fois des eles, l’autre fois des cuisses puis 

au derrenier du charquois. 

Dass Spanien carcasa = Gerippe kennt, wollen wir gern glau¬ 
ben, doch haben wir es niemals gelesen und auch in keinem der 
zugänglichen Lexica*) gefunden, können also mit gutem Ge- 

*) Hier hätten wir wiederum Gelegenheit über eine Analogie der 
Formentwickelung zu staunen, welche zum neugr. novpnovQiov das span, 
cofa (= cupa) Mastkorb stellt. 

**) Der von Diez benutzte Seckendorf ist nicht darunter. 


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Etymologisches. 


313 


wissen behaupten, dass es niemals in Spanien recht heimisch 
ward; in Italien dagegen hat es, von Anfang an bis heute, 
carcasso Kocher in den Hintergrund gestellt, in Frankreich 
ihm lange mindestens das Gleichgewicht gehalten.. Beide For¬ 
men carquois und carcasse identificiren Diez und Scheler, und 
sehen darin ein Compositum car-cassa = Fleischka§ten, dessen 
derbe Volkstümlichkeit mit Leichtigkeit auf eine mit Reifen 
umgebene Bombe übertragen werden konnte, denn in allen drei 
Sprachen bedeutet carcassa Brandkugel. 

Die Erfindung dieses Fleischkastens und auch die Ueber- 
tragung möchten wir Italien vindiciren, denn sowohl das span, 
carcasa als das frz. carcasse sehen entlehnt aus; das Simplex 
cassa passt nur in die it. Sprache gut; frz. würden wir in 
einer originalen Volksschöpfung caisse oder chässe, sp. caja erwar¬ 
ten. Dass aber diese Uebertragung sich weiter auf die schlanke 
und zartere Gestalt eines Köchers ausdehnen sollte; bei dem 
das mit Reifen Umgebensein unseres Wissens gar keine oder 
eine s'ehr untergeordnete Rolle spielt, wollen wir dem gesun¬ 
den und scharfen Volksgeist nicht Zutrauen: ironischer Identi- 
ficirung von Gegensätzen aber wäre der Gegenstand nicht werth. 
Auch die Seltenheit des it. carcasso spricht dafür. — 

Wir trennen also in ihrem Ursprünge die beiden Formen 
ausdrücklich von einander und erkennen, bis auf Weiteres, das 
it. carcassa Gerippe, welches Frankreich adoptirte, als volks¬ 
tümliche Bildung an: denn an der Möglichkeit einer rom. Zu¬ 
sammensetzung car-cassa brauchen wir nicht mit Littre zu zwei¬ 
feln dem gerade die eigene Sprache in champart orfevre merluche 
trefonds lundi Analogien genug bieten konnte. [S. Johannes 
Schmidt: Ueber frz. Nominalzusammensetzung. Progr. d. Luisenst. 
Gymn. 72.] Doch bekennen wir offen, dass unser Glaube ein 
ziemlich schwacher ist, und dass wir uns bemühen werden car¬ 
cassa zu stürzen_wie wir car-coma (s. ob. F.) gestürzt haben: 
vielleicht führt das Studium ital. Dialekte auf ein carc, das den 
rom. Bezeichnungen für Rumpf, Gerippe, am deutlichsten dem 
cat. carcanada=Vogelgerippe (avis ossea compago) zur Basis 
gedient hat- C arcaj = Kocher aber stellen wir entschieden, wie 
Littre und Scheler schon zweifelnd versuchten, und wie Covar- 


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Michaelis 


rubias*) richtig annimmt wenn auch in beschränkter Bezug¬ 
nahme auf das hispanische Gebiet, zum altgriech. %aq%r\6io v: 
was wohl seltsam aussehen mag, was aber auf vielfache Weise 
motivirt werden soll: 

1) xaQxrjöiov wurde schon im Griech. über den terminus 
nauticus hinaus auf einen in seiner Gestalt an den Mastkorb 
erinnernden Becher übertragen. 

2) xaQx^dtov hat sich im Neugr. erhalten, und zwar in 
der Form xapxatuov , denn das neue xaQxv ai0V ist wohl nur als 
forme savante der hellenischen Puristen anzusehen. 

3) xccQxaöiov bedeutet jetzt Mastkorb und Köcher! eine 
Begriffsverwandtschaft die uns schon kumpurion (s. ob. Nr. V) 
gelehrt hat, die uns also vom Griech. ins Rom. nicht über¬ 
raschen darf. 

4) carquois war noch im 17ten Jahrh. als „oberes Ende 
des Mastbaumes" „Mastkorb" gebräuchlich. Folgende Stelle, 
von Littre dem Essay des merveilles de nature des P. Rene 
Francois 1629 p. 106 entnommen, beweist es: carquois est le 
haut bout du mast oü il y a certaines polions propres pour tirer 
la corde attachee ä la verge. 

5) Neben der Formübertragung auf Becher und Köcher 
zeigt das span, carcaj eine noch einschlagendere: caraj bedeu¬ 
tet auch das Futteral, in dem bei feierlichen Processionen das 
Crucifix getragen wird.**) 

*) „Carcax vale aljaba, lat. pharetra, corytus, la caja donde van reco- 
gidas las flechas 6 saetas del arco. Dijose carcax del nombre griego 
xctQxrjoiov por la semejanza que tiene k nn vaso ancho de boca y alto 
que Be viene ensangOBtando hacia el fondo. . Los cestones de lae g&bias 
qne estan en lo mas alto del maatil de la nave se llaman tambien (ito 
griech.) carchesia, por tener la mesma forma recogidos del asiento y 
abiertos de boca, puee esta mesma forma tienen los carcajes que en lo 
hondo do vienen k eentar los casquillos 6 puntas de las saetas son an- 
gostas, y en lo ancho por razon de las plumas yser las hastas masgrue- 
Bas vienen k ser mas anchos. 11 Wie man sieht, auch hier nicht die lei¬ 
seste Erinnerung an „Gerippe 11 . 

**) Darf der Nachweis, dass auch hier Form und Gestalt massgebend 
sind, noch einmal für kukkaro =» Köcher = cophinus plaidiren? Darf die An¬ 
nahme die dem Köcher zu Grunde liegende Idee bezeichne vielleicht 
das zum Behältnisdienen, das Umfassen' eine neue Stütze dadurch er¬ 
halten, dass carcaj erstens auch einen Hals, Arme oder Füsse der Mauren 


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Etymologisches. 


315 


6) Formell nähert sich die altsp. Form der griech. am 
meisten. Die Gran conquista de Ultramar schreibt carcajo, und 
wir machten schon einmal darauf aufmerksam, dass griech. 
Elemente im Span, nicht karg vertreten sind. 

Man wird gestehen, dass der Sprung vom Fleischkasten 
bis zur liturgischen Bezeichnung des Kreuzfutterals, welches 
die Küster übrigens im Gürtel tragen, wie der Köcher oft, statt 
auf der Schulter getragen ward, immerhin ein gewagter 
ist 7 selbst wenn eine Bombe und ein Köcher ihn vermitteln 
sollen. Umgekehrt können wir Littre auch nur lächelnd zugeben, 
„que d'une sorte de vase par extension on a pu passer ä re- 
cipient ä fleches et de lä ä carcasse recipient si Ton peut dire ainsi 
ä chair." Dass man es wirklich gethan hat, erlässt man uns 
wohl zu glauben, auch so lange carcasse noch nicht erklärt ist. 

VII. Tarquois. 

Wer mit uns carquois von carcasse geschieden hat, muss 
uns beistimmen, wenn wir ohne weiteres tarquois von carquois 
sondern, und den scheinbar unmöglichen Wechsel von t zu c 
zurückweisen, den Brächet, Scheler, Müller ohne Weiteres an¬ 
nehmen und den auch Du Cange zugibt, indem er im lat. 
Lexikon turcasso mit carquois, im gr. tarcasso mit carcasso 
[T«pxa<nov = pharetra, Italis tarcasso s. carcasso, nostris car¬ 
quois] zusammenstellt. — Die Form tarquois finden wir im löten 
saec. nämlich im Psalt. Gail. Vet. pag. 268 der Prosastelle 
entsprechend, die wir unter couire ausschrieben: dort heisst es 
„lor saietes et lor tarquais“. Am engsten schliesst sich laut¬ 
lich hieran das mittelhochdeutsche tärkis, das Wolfram von 
Eschenbach im Willehalm zwei Mal verwendet, erstens VII 321 
im Reime auf pris, also auf der letzten Silbe accentuirt, und 
dann VII 357, wo ed. Lachmann die Varianten tserkis Tarkis 
Terkys Terkeis rerkis tserkeis bringt. Treu schliesst sich auch 
ragusanisch tarkäc, bosnisch terkesc an. 

In leicht erklärlicher Anlehnung an den Türkennamen 


umfassenden Ring [ajorca] benennt und dass zweitens carcaj im Sinne 
von Kreuzfutteral vom Catalanen einfach durch bossa=*Börse wiederge¬ 
geben wird? 


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Michaelis 


ward tarquois — denn echt sind nur die Formen, welche den 
a oder e Laut haben — zu turquois umgemodelt: so steht es 
schon im 12. Jahrh. in Garin le Loherain [p. p. Paulin Paris. 
P. 55. I. 37]: as ars Turquois font notre gent yerser wo ein 
anderes MS. tricois liest. Auf dieselbe Stelle verweist Gachet, 
Glossaire, ohne nähere Auskunft, und Littre setzt turquois erst 
in das löte Jahrhundert. Dieselbe Verwechselung liegt italie¬ 
nischem turcasso zu Grunde, oder vielmehr seiner mlat. Muster¬ 
form turcasia, in der freilich die adjectivische Behandlung noch 
nicht zu Tage tritt. Das mlat. turcasia belegen wir mit zwei 
Stellen aus Mauritius Ep. Catanensis: in hist, translat. corp. 
S. Agathae. V. et M. no 4: „artus reliquos ne quovis inditio 
possent detegi, in duabus pharetris quas vulgo Turcasias no- 
minant attulerunt“ und no. 13: „reliquias de Turcasiis reveren- 
ter extraxit“. Ihnen fügt Du Cange die Bemerkung bei: ita 
etiam apud Boll. I febr, p. 638, quibus locisPirrus Tharcasios 
et Tarcasios habet, et recte si vocem Graecanicam aevi inferio- 
ris spectemus, nam t ccqxocöiov hac notione occurrit apud Ca- 
nanum p. 19* et alios a Meursio laudatos. 

r aQxdöLov xaQ%aGiov xaQxdöi und r a%Qcc(Sia d. h. die mit¬ 
telgriechischen Formen für Köcher behandelt Du Cange. Zu 
tccQxdoi und TaQ%doia als den seltnem Formen gibt er Be¬ 
lege : 1) aus Glossen zur Ilias Graecobarb. zu qpap&pa ro rap- 
xaöi ; zu aydig = <pccQtTQccg rccQxdöia ; 2) die schon im lat. Werk 
erwähnte Stelle aus Cananus, die wir lieber einer eigenen Aus¬ 
gabe seiner Werke entnehmen. Siehe Joannes Cananus de 
Constantinopoli oppugnata ed. J. Bekker 1838. p. 464: dkka 
xal itkslovag xovxov ixo&vöav xov nokt^iov xijv Sqccv onotag 
x 6 uQiLctxoipvkdxiov*) el%£ xov Tovqxov xal xd xaq%d(Sia xov q>&od- 
xov. — Die vorausgegangene Notiz, dass jedes Haus eine be¬ 
stimmte Zahl von Pfeilen liefern musste, bezeugt freilich, wie 
gewöhnlich der Umgang mit Pfeil und Köcher den Türken 
war, kann aber die Herleitung aus dem Namen der Türken 
nicht beweisen. 


*) ccQfiatoqjvXdxtov ist in der Uebereetzung annamentarium. Ob der 
spätgriech. Verfasser das homerische aqfiar- mit arma verwechselt? Du 
Cange setzt den spiritus lenis. 


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Etymologisches. 


317 


Diesmal dürfen wir nicht, wie bei pharetra, goldre und 
carcaj mit dem Griech. unsere Untersuchung schliessen, denn 
auch hier stossen wir auf ein Lehnwort, das Griechenland wie 
Italien, Frankreich und Deutschland in der That dem Türken 
dankt. Das türkische Lexikon von Bianchi (Paris 31) bringt 
uns terkesch ß und diese Form liegt allen bisher erwähn¬ 
ten zu Grunde: mit dem Türkennamen, der in ihrer eigenen 
Sprache Ji turk pl. eträk lautet und der den Ottomanen 

wie ein Schimpfname klingt, hat der Köcher nichts zu thun. 
Die u-Formen für Köcher welche die Volksetymologie aus dem 
Fremdling herausbildete, gehören freilich hierher, doch wird 
der verführerische nahe liegende Irrtum, der sie direct vom 
Türken nimmt und die alten deutschen und frz. Formen (äa) 
daran schliesst [s. Diez. E. W. IIc turquois] 'immer wieder¬ 
kehren, so lange die Scheidung nicht auf das genaueste fest¬ 
gestellt ist. Littrö kommt dem Anfang unseres Endresultates 
schon ziemlich nahe, wenn er seine feine Darlegung der Köcher- 
frage mit den Worten schliesst: Pourtant la question (über 
carquois, carcasse) est compliquee par la presence des formes 
en t, tarquois xaQxaOiov et meme avec un u turcasso turcasia; 
ces formes derivent evidemment du turc turkasch terkesch, etui 
ä fleches de sorte que pour designer cet ustensile il faut ad- 
mettre des radicaux tres-dissemblables, Fun latin*) l’autre 
turc et ne differant que par une lettre. Doch genügt es noch 
nicht die Existenz des türkischen Wortes zu kennen, wir müs¬ 
sen auch die Herkunft ermitteln, ehe wir sie an die Spitze 
dieses Artikels stellen; wir freuen uns mit unseraMitteln noch 
weiter forschen zu können; und dem Bewusstsein, auch im 
Türk, sei terkesch fremd, bietet sich das Persische als der na¬ 
türliche Boden, von dem es verpflanzt sein könnte. Und in 
der That, im Persischen, oder wie wir bescheidener sagen 
wollen, in VullePs Persisch.-Lat.-Lexikon finden wir reiche 
Ausbeute. 

✓ 0 / . 

tarkasch (mit der Nebenform tarkäsch ver- 

*) Carchesium ist gemeint: wir würden also griech. dafür setzen, 
um so mehr als Italien der geringste Theil an der Entlehnungsarbeit zu¬ 
kommt. 


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318 


Michaelis 


kürzt aus terkesch bedeutet pharetra, das auch in der 

höchst wichtigen ursprünglichen Form tark citirt wird. 

Dies tark', dem das arabische $jjs Helm entnommen ist, kann 
bedeuten 1) galea ferrea quam tempore belli induunt 2) partes 
yel fasciae vel funiculi tentorii 3) nom. oppidi 4) pkarefca. 
Und dies persische tark tarkasch ist der Quell, aus dem die 
türk. Form mit allen ihren regelrechten und regellosen Spröss¬ 
lingen [griech. lat. it. frz. dtsch. bosn. ragus.] entsprang, ist 
auch der Quell des arab. (pl. tarkasch, in wel¬ 

chem J. Müller die Erklärung des span, carcaj sucht und findet. 
(S. Sitz.=Ber. d. Münch. Akad. 1861. H p. 103]. DieHistoire 
des Sultans Mamelouks von Quatrem&re, auf welche Yuller 
und Müller zu näherer Auskunft über das arabische Wort, 
welches Freytag nicht kennt, verweisen, haben wir — trotz 
aller freundlichen Bemühungen des Herrn Dr. Pfund — nicht 
benutzen können; doch ist diese Versäumnis wohl an keiner 
Lücke Schuld. Denn was brauchen wir zu unserem Zwecke 
weiterer Nachricht als dass das arab. ein spät eingedrungenes 
Fremdwort ist? 

Das echt persische Wort nun scheint aus einem Sanscrit- 
stamme erwachsen, dessen Zweige in verschiedenster Gestalt 
und mit verschiedenster Seele in den einzelnen indogerm. 
Sprachgebieten geblüht haben, doch müssen wir, mit Umgehung 
des Zend*) direct in das Altindische zurückgreifen. Wir ge¬ 
stehen hier noch einmal zu, dass auch in unseren Augen die 
letzten Ringe der etymologischen Kette noch nicht scharf ge¬ 
nug geschmiedet sind und wollen nur Hypothesen nennen, was 
andere erst zur Wahrheit erhärten sollen. Doch umgeben wir 
auch diese letzten fragenden Behauptungen mit möglichst 
sprechenden Beweisen. 

Tark tarkasch lehnt sich so zwanglos an Sanscrit tarku 
Spindel an, dass, wenn die scheinbar kühne Begriffsänderung, 
die höchstens beim ersten Blick zum Stutzen bringen darf, 


*) Justi’s Handbuch bot nichts und andere Mittel lagen ausserhalb 
unseres Bereiches. 


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Etymologisches. 


319 


durch constatirte Analogien glaubwürdig gemacht ist, keine 
Schwierigkeit übrigbleibt. Dies aber soll uns hoffentlich ge¬ 
lingen. 

Von einem Stamm, dessen Ursinn „drehen“ ist, leitet sich 
im Sanscrit tarkus tarhifa Spindel ab [s. Curtius Grundz. p. 
427. — Walter in K. Z.XII 378], dem im Griech. cc-xqccxxoq 
entspricht. — dxgaxxog bewahrt einerseits die echte Bedeutung, 
übertragt aber andererseits, von der Gleichheit der Gestalt und 
der drehenden Bewegung ausgehend, den Begriff Spindel auf 
einen Pfeil und auf den obersten Theil der Segelstange; ein 
Vorgang, den wir aus unserer Sprache kennen, denn Spindel 
oder Spille muss auch bei uns der Schiffssprache dienstbar 
sein, und den uns das Griech. noch einmal vorführt, indem es 
das Synonyme rjXaxdxrj auch von der Spindel zum obersten 
sich drehenden Theile des Mastbaumes und zum Pfeile werden 
lässt. Einmal auf Segelstange und Mastbaum übergeleitet, 
schwankte der Name Spindel (rjlaxdxrf) zwischen den einzelnen 
hohen und höchsten Spitzen des Mastes hin und her, bald be¬ 
zeichnet© er den „dünnsten und höchsten Theil des Mastbaumes, 
über dem jedoch noch das karchesion schwebte“, das wir schon 
zwei Mal (Neugr. karkasion u. kumpurion) vom Mastkorbe zum 
Köcher werden sahen; bald aber erhob sich die sogenannte 
rjlaxdxrj noch über das xaQ%rj6i°Vj auf welchem erst noch das 
ftcDQaxiov ruhete.*) 

Von der Spindel axQaxxog YjXaxdzrj hat das Mastende der 
Mastkorb ( xaQ%riOi°v xctQxddLOv xovfiitovQiov) uns zum pers. 
Köcher tarkasch u. zum mgr. tuQxaöiov xaq%düiovxaqxdc$i xaQxdoict 
geführt, an dessen Stelle in jetzt rettungsloser Ideenconfusion, 
durch den wirklich eigentümlichen Gleichklang verführt, der 
Neugrieche wieder xaQxdöiov setzt, dessen Elemente nun zwie- 


*) Siehe Stephanus Thesaurus unter Karchesion. Schol. Apoll. Rh. I 
665: ^Xandzrj 16 Xenzozazov xal axQOxuxov fiiqog zov tozov, xaxu’Eqa- 
TO&frspTjv vnhq o Sozi z 6 %aQXV 0i0V i und unter &coqdmov: Euöt. p. 
1423, 14: tozov zo (ihv xccxcoxbqcOj cpccai nziqvct xaXuxcu zo &etg peoov 
z{fd%riXog. zo dh xqoq zq> ziXsi HccQxrjaiov, m inCxeixui zo Xeyopevov 
&cßQcicxLOv 7 xBxqdycovov ov xal in uvzov avrjxovocc Big vtpog rj Xe - 

yofiivrj ijXaxdzTj. 

Jahxb. f. rom. u. engl. Lit. N. F. I. 22 




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320 


Michaelis 


fach geworden sind.*) Doch kann jetzt nur von einer Begriffs¬ 
und Lautvet'wechselung die Rede sein. Einen eigentlichen Ueber- 
gang von r ccQxaöLov in xaQxdciov also, auch von tarquois in 
carquois d. li. von anlautendem t in k anzuuehmen, ist über¬ 
haupt kaum, unter den vorliegenden Verhältnissen aber gar nicht 
gerathen [über t u. k s. unten]. Wir müssen also für das alte 
karchesion und das spätere tarchasion zwei verschiedene Stämme 
annehmen, müssen in tärch... das alte atraktos = tarkus wieder¬ 
erkennen und in tarchasion oder tarkasion ein Fremdwort 
zugeben, freilich immer noch indogermanischen Stammes. 
Ob wir auch karchesion fremd nennen dürfen, zumal da sein 
Stamm einsam, das Suffix schwierig, und der Sinn aus dem 
Seeleben genommen ist? Benfey (Gr. Wurz. Lex. II p. 278) 
dem der krumme Becher die eigentliche Bedeutung ist, sucht 
es an einen Sanscritstamm dhvri gekrümmt sein zu scliliessen, 
aus dem sich &vq #oA ^oA %ek %ak %oq %qo und die re- 
duplicirten Formen x£qx°Q u S xoq%oqos verkürzt zu xccqx hi 
karchesion entwickelt hätten! Nahe liegt es zum Stamme kark 
schlank dünn sein zu ziehen, den Pauli [K. Z. VIII p. 167] 
im lat. cracca gracilis findet. Jedenfalls ist seine Herkunft 
noch nicht ermittelt und sein Suffix noch nicht erklärt.**) 
Darum sei die Frage gewagt, ob es durch semitisch-phonicische 
Seeüberlieferung überbracht ist oder ob es vielleicht gar mit 
dem syrischen qarqas Adler zusammenhängt, mit welchem uns 
Paul de Lagarde (Gesammelte Abhandl. 66. p. 81.) bekannt 
gemacht hat.***) Man denkt unwillkürlich an aetog Adler 
und Giebel. 


*) Neben den schon besprochenen Bezeichnungen für Köcher hat das 
puristische Bestreben die Neugriechen noch mit zwei Wörtern beschenkt, 
mit dem klassischen (pccQetQa und dem wenigstens deutlichen ßsXofrrjitT}. 
— axQcntzog lebt noch als adgaxrtoi', dÖQaxztov, aÖQaxTux. 

**) S. Pape’s Etym. W. B. - J. Schmidt in K. Z. XVI 431. — G. 
Buhler: Das griech. Secundärsuffix Gött. 58. — L. Janson’t de 
Graeci sermonis Nom. Dem. Leipzig 69, der 25 Jahre dem Studium der 
griech. Verkleinerungswörter widmete, *ctQ%yaiov aber leider gegen un¬ 
sere Erwartung nur einmal auf p. 17 erwähnt. 

***) Die von demselben p. 80 vorgenommene Zusammenstellung von 
syr. kathraq armenischem kaparg (Köcher) mit pers. tirkas tarkas, it. 
turcasso, frz. carquois ist mindestens kühn. 


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Etymologisches. 


321 


Hier jedoch wollen wir nicht vorwärts gehen, um nicht 
den Verdacht blinden Wühlens und unsichern Umhertappens 
zu erregen! 

VIII. Linjavcra. 

IX. Buyrack. 

erwähnen wir, ohne sie zu erklären. 

Linjavera , welches nur Franceson — und zwar als ver¬ 
altet — aufführt, scheint ein Compositum zü sein, dessen erster 
Theil sich ohne Mühe als liiia Holz erklärt, eine Nebenform 
zu lena leno, die sich z. B. auch in sacalina erhalten hat, eine 
Art Wurfpfeil, mit eisernem Haken an der Spitze der sich von 
dem einmal erreichten Holze nicht loslösen lässt, ohne Splitter 
heraus zu reissen. Die zweite Hälfte ist schwieriger. Vera 
könnte eine Scheideform von vara Gerte, Ruthe, Stab und von 
verga, Ruthe, Stab, Armbrustsehne also aus lat. virga entstanden 
sein, vielleicht in euphonischer Rücksicht auf den unmittelbar 
vorhergehenden aLaut in linja. Aus gleichem Grunde würde 
vara auch in canavera zu vera geworden sein. Doch kann 
man zweifeln, ob canavera ein Rohr, welches an sumpfigen, 
feuchten Stellen wächst, als Wort so wie als Pflanze von cana- 
heja Pfriemkraut, fenchelähnliche Pflanze zu trennen ist, oder 
ob beide aus ferula entstanden sind. Wenn nämlich caiiaherla 
canna und ferula ist, was wir mit Diez II b um so mehr an¬ 
erkennen, als auch die einfache Form ferula sp. dieselbe Pflanze 
benennt, so könnten das cast. caiiahierla canaherla canerla 
caiiareja carraleja, das port. canahecha canafrecha gute Mittel¬ 
stufen zum cast. canaheja cat. canyafera cast. canavera sein, 
d. h. wenn ferla hierla herla erla; hecha frecha; heja reja leja 
fera das lat. ferula sind, so kann auch vera in canavera und 
dann also auch in linjavera dasselbe sein. 

Buyrach sieht wie eine Augmentativbildung aus: es könnte 
zum frz. buire Schenkkanne gehören und würde dann eine 
neue Analogie zu Becher (carchesion) und Köcher (carcaj) 
bieten. 

M. Uebergcmg von t in k. 

Wenn wir auch glauben tark und kark ganz von einan¬ 
der trennen zu müssen, so wollen wir damit nicht absolut 

22 * 


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322 


MlCHAELI8 


leugnen, das k je aus t, t je aus k hervorgehen könne. Wir 
wissen wohl, dass die Theorie die Annahme einer rückläufigen 
Bewegung wie der Uebergang von Dentalen in Gutturale ist, 
nicht ohne weiteres gut heissen darf; da aber die Möglich¬ 
keit des fraglichen Lautwechsels von allen Seiten her ange- 
zweifelt und als etwas ganz Unerhörtes hingestellt wird, so 
möchte es nicht unnütz sein, die Thatsachen sprechen zu las¬ 
sen und auf praktischem Wege durch eine Reihe authen¬ 
tischer Beispiele festzustellen, dass dieser seltsame Organwech¬ 
sel dennoch vorkommt, dass also 

die dentale Tenuis durch phonetischen Wechsel 
zur gutturalen Tenuis wird. 

Der entgegengesetzte Schritt von k zu t und g zu d ist im 
Einzelnen längst als factisch erwiesen, doch wird auch er noch 
vielfach in Frage gestellt, und wir unterlassen es daher nicht 
auch diese Kehrseite unserer Behauptung aus dem Dämmer¬ 
licht des Zweifels herauszulieben.*) 

I. Gutturale werden Dentale. 

Den Anstoss zum Uebergang von g in d und k in t gibt ge¬ 
wöhnlich der jLaut, der den Gutt. zuerst durch palatale Färbung 
dem Dent. näher rückt: sei es nun dass dieser j-Laut ein un¬ 
mittelbarer ist, sei es dass er sich aus i oder e consonantirt, 
sei es dass auch i nur eine Mittelstufe auf dem Wege von 1 und r 
ist. Doch kommt der Uebergang auch unter anderen Bedin¬ 
gungen vor. 

1) g tvird d. Bekannt sind die zahlreichen Fälle, in denen 
griech. S aus ursprüngl. g(skr. $£) hervorging. (S. Curtius und 
Sophus Bugge in K. Z. XIX.) Ein rom. Beispiel ist das sicil. 


*) Da genaueste Angabe aller Beispiele hier nicht am Platze ist, 
verweisen wir nur auf die Stellen aus denen diese Uebersicht sich leicht 
vervollständigen lässt, Schuchardt: Vok. des Vulg. Lat. vol. I 164. III. 
88. — Corssen I 39. 168. 178. 278. — Curtius 442. 447. 668. — Schlei¬ 
chers Compendium p. 203. — Diez: Gram. I 404. 408. II 198—222. — 
Kuhns Zeitschrift: IV 32. 186. VI 235. VIII 409. X 191. XVII 149. 
XVin 440. XIX 254. 422. XX 130. — Kuhn: Beitr. VI p. 444. — 
J. Schmidt: Die Verwandtschaftsverhältn. der Indogerm. Sprache. — 
Deville: 6tude du dialecte tzaconien. P. 66. 


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Etymologisches. 


323 


dinocchia (Pitrfe 61) durch ginocchio ausgenuculus, wozu man Diez 
Gr. I p. 412. Anm. zum prov. denolh für genolh, ditar für 
gitar vergleiclien möge! 

2) gl mrd dl: Altpreuss. addle entspricht litth. egle; ostlad. 
dlaca entspricht lat. glacies vödle = vigilare; dliesa = ecclesia; 
auredla = auricula. 

gl wird di: it. diaccio = glacies. lothr. diore = gloria. 

Jd mrd tl: ostlad. tlame = clamare; tler— clarus nieddtsch. 
kraetling für kraekling (frz. craquelin) engl, wird nach Webster 
clear und clean wie tlear und tlean gesprochen. 

3) gn mrd dn: dvo<pog aus yvoyog; advov aus ayvov 
xvövog aus xvxvog durch cygnus; ’AQiadvrj aus ' AQtdyvrj . 

4) ki mrd t: sard. erittu= lat. ericius, litos(pl.) = licium 
corriatu = coriaceum; farinatu = farinaceum südfrz.: intieter für 
inquieter; tita für quitter; quet = quelque. 

5) kr mrd tr: lat.: sartophagus für sarcophagus, martu- 
lus für marculus, nd. triesel = Kreisel, altfrz. cartre = carcer 
crastre = crescere, fautre = fulcrum, veintre = vincere it. Otricoli 
= Ocriculum. 

6) sk mrd st: lat. stumus entspricht böhm. skofec (s)talpa 
gr. öxakoifr, neben ags. stridan steht ahd. scritan; neben fröstle 
ahd. droBcla; altport. estoupo = scalprum; it. damasto für da- 
masco; die toskaner Mundart spricht stiaccia für chiaccia, stiavo 
für schiavo, fistio für fichio (s. Tigri 816. 717. 276.) in Bo¬ 
logna hört man stiäntär für schiantare; stiatta für schiatta 
stiop für schioppo; stiuma für schiuma. 

7) Abgesehen von den bekannten Pronominal- und Nu- 
meralstämmen xig re tcbvxb xB öticcQsg welche altindischem kis 
ka kankan katvaras entsprechen, zeigt sich die Schwächung 
von k zu t in r l<o = skr. ki; xektiov = altbaktr. karsa, skr, karsu; 
im preuss. prei-talis = litth. praikalas, torbis = karbas, tuylis = 
kuilys, turpelis=kurpalius, wo Pauli (K. B. VI) den palatalen 
k' Laut vermuthet. — Ausserdem im rumon. toma aus coma; 
und im niederdeutschen tobold aus kobold. 

II. Dentale werden Gutturale. 

1.) d mrd g. Oft citirt werden die span. Formen gama 
gazapo golfin, in denen anlautendes d vor einem Vocal zu g 


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324 


Michaelis 


geworden ist. Wenn nun Schuchardt nach Erwähnung dieser 
Formen (I 158) fortfährt: Im Prov. wird in der Conjugation 
stammhaftes d durch g vertreten, und zum Beweise pogut po- 
guez neben potere potuistis; segut neben sedere setzt und cat. 
pogre durch potere habeo erklärt, (was S. Bugge Kuhn XX 
adoptirt) so können wir diese Worte nur so deuten: hier wie 
in obigen span. Fällen sei g ein directer Sprössling des ur¬ 
sprünglichen Dentals. Dieser Ansicht aber können wir nicht 
beistimmen; der Weg auf welchem d zu g wird, ist nicht so 
einfach. 

Das Provenzalische und mit ihm das Catalanische liebt — 
speciell im Verbum — den Auslaut c, den beide Zwillings¬ 
sprachen auf organische Weise im Präsens aus lat. g (erc= 
erigo; esparc=spargo pr.) oder h (trac=traho) und aus pala¬ 
talem i (venc=venio; tenc, romanc) entwickelten. In halbem 
Bewusstsein zum Kennzeichen der ersten Person Sg. des Präs, 
erhoben, ward dies c auf Verba übertragen, die es aus sich 
selbst heraus niemals entwickelt hätten (pr. prenc=prehendo, 
perc=perdo, estauc=sto, vauc=vado, fauc=facio; cat. noch 
entench restrench estench.) Die Perfecta , welche im lat. ui hat¬ 
ten, verwandelten das tonlose u, welches denselben Laut wie 
germ. w repräsentirte, gleich diesem in gu. Aus dolui, dolwi 
ward dolgüi dolgui; aus calui calgui, aus habui ha(b)gui ver¬ 
kürzt dolc calc hac. Nach Analogie dieses c-Auslautes, den 
auch alle sc=Formen darboten [visc durch Umstellung aus 
vicsit; surresc=surrecsit.], ward diese Bildung, ganz wie im 
Präsens auch auf ungehörige Fälle ausgedehnt, und ein lat. ui 
vorausgesetzt, wo es in Wahrheit nie existirt hatte; am frühesten 
wo die Grundform ein v enthielt conoc crec moc (novi crevi 
movi), dann in bec (bebi) sec (sedi) in tolc weil völc = volui 
in sufferc weil cuberc=cooperui existirte. — Auf diese Perfect- 
stämme nun ist die Participialbildung in g-ut und c-ut 
zurückzuführen, an einen directen Sprung von pod zu pog aber 
nicht zu denken. 

Entweder, man sucht in den cat. Part, segut jagut cregut be- 
gut degut mogut plagut Entwickelungen aus den einfachen, in den 
entsprechenden Infinitiven seure jaure creure beure deure (gew. 
deber) moure plaure liegenden Stämmen und hat g dann als 


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Etymologisches. 


325 


hiatustilgend aufzufassen. Hierfür kann sprechen, dass neben 
plagut auch plaut (wie neben hagut auch haut ahut, freilich 
von anderem Infinitive!) vorkommt; dagegen aber spricht, dass 
aus caure wohl caut cahut cagut, niemals aber die regelmässige 
Form caigut hätte werden können. Sehr bequem aber schliesst 
sich caigut wie* alle Participia auf gut und cut an die 3te Pers. 
Perf. caich caech. Man thut also recht, wenn man das entweder 
dieses Satzes streicht und das oder annimmt: dass nämlich das 
cat. u prov. Part, (g-ut c-ut) aus dem Perfectum abzuleiten 
und dass also segut jagut cregut begut degut mogut plagut 
unter nöthiger Schwächung der Auslautstenuis aus sec jac crec 
bec dec moc plac entstanden, und pogut poguetz von poc kom¬ 
men.*) So und nicht anders erklären sich die Partie, conegut cor- 
regut volgut tolgut dolgut caigut valgut viscut tengut etc., die 
nur aus den Perfecten conech correch volc tolc dolc eale vale 
visc tenc, unmöglich aber aus den Infinitiven coneixer correr 
voler tolre (toldre toldrer) dolre (doldre) calre (caldre caler) 
valre (valdre valdrer valer) viure tenir abzuleiten sind. Auch 
hier erleichterte der schon vertraut gewordene c=Klang des re¬ 
gelmässigen crescut v. creixer, nascut v. naxer, plangut v. 
planyer neben klassischem nat plant, die Aufnahme der neuen 
Schöpfung. — Die Futurbildung pogre, die uns im Altcat. nie 
begegnet ist, sondern stets regelrecht pore lautet, und die auch 
Bartsch für das Prov. nicht kennt, ist daher wohl eine ver¬ 
einzelte Neubildung, die nur aus Analogie zu der lten Pers. 
Präs.: puesc puisc puch , dem davon abgeleiteten Conj. puga; 
dem Perf. puch poguest poch poguem poguets pogueren dem 
Conj. Perf. pogues und Fut. poguera entstehen konnte. 

2) t wird Je im Auslaute. Schon in der Vedasprache 
steht savishak für sävishat (s. K. IV 32.); im engl, hört man 
thick und thack für thit (this) und that; das nd sagt piwit 


*) Auf c auslautende Perfectstämme aus Ranion Muntaner, Jaime 
und Pere sind: nasch visch cresch; vench tench fonch, entenchnb. entes 
als käme es von tenir! hach plach yach trach, stech dech sech dich 
moch doch poch ploch, volch tolch absolch, valch caich nb. calech pa- 
rech conech correch, vielfach auch erweitert zu tenguä vengue nasquö 
diguö etc., und im Anschlüsse hieran wieder respongue prengue romangud 
enccngu£ neben respos pres romas ences! 


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326 


Michaelis 


und piwik (Kibitz) so wie das Cat. cucue und cucut (wohl 
Dissim.) kennt. In der 3ten Pers. Perf. der schwachen Conj. 
ersetzt das Prov. Cat. t durch c (moric preguec) ein Wechsel, 
den es auch sonst begünstigt; im prov. bahuc Belzebuc, im 
Cat. änac anec fern, anada aneda Ente; tamarich nb. tamarit; 
almodroc nb. cast. almodrote. — Die Adjectivformen ruch und 
nuch aus rudis nudus, welche Schuchardt mit altfrz. puc aus 
puteus zusammenstellt, sind selten*) und werden gewöhnlich 
durch nu und rudo ersetzt: dass man sie aber im Bewusstsein 
die Adjectivend. uc zu kennen (durch mal-estruch, paoruc; ca- 
luc faduc s. Diez Gr. II313) dennoch durch c verstärkte ist nicht 
seltsamer, als wenn dem Catalanen sum — auch durch Analogie 
— zu soch ward. 

3. ) t ivird Je inlautend vor i, e. In Canada spricht die 

niedere Yolksklasse mekier moikie für metier moitie, ebenso 
lautet in Südfrankreich bäteau bequiä, amitie amiquie, pitie 
piquie, arete ereque. Im Neugriech. z. B. in Plomarion auf 
Lesbos wird xvqC qxDXLa xivxa für xvql (pootia xi drj gesagt: 
und namentlich im Zakonischen ist diese Erscheinung sehr 
häufig: d£ö7Coxrj=S£07c6xrjg xlovqs=xvql 7tQccxiov= 

Tckatog etc. 

4. ) nd wird ng: im ndtsch. fang für fand; mange = ags. 
mand; im Zakonischen etc. 

5. ) st wird sh: im Zak. auf Plomarion z. B. 6xvlog=6tv- 
Aog; sicil. resca=aresta; und schon im Sanscrit (s.Kuhn IV). 

6. t wird Je vor l und r. 

dr wird gr: lat. und rom. categra für catedra; span, 
gragea nb. dragea aus r Qayrjtm 

tr wird er: prov. cremer frz. craindre==tremere; sp. crema 
= tQrjiia. paris. crapu = trapu. rhätorom. inclegier = intel- 
legere, Barclamiu=Bartholomaeus, it. raschiare=rasclare v. lat. 
rastrum, vecchio = veclus von vetulus. Dass eine grosse Zahl 
litth. Formen auf klas ursprünglichem tlas entspricht, dass lat. 
crum und clum nichts als euphonische Verwandlungen aus 
trum und tlum sind, dass der Lautübergang von tl in kl auch 
sonst oft vorkommt und also physiologisch nahe liegen muss, 


•) Wir bekennen abermals, dass wir sie noch nicht kennen. 


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Etymologische«. 


327 


haben Benfey, Ebel, Leo Meyer und Ascoli angedeutet und hat 
Bugge durch Herbeiziehung reichhaltigen Sprachstoffes aus dem 
lat. litth. finn. zigeun. dän. Sanscrit endgültig nachgewiesen 
(Kuhn XX). 

Alle vorliegenden Fälle, die gegen das Gesetz der abwärts 
steigenden Lautschwächung fehlen, lassen den Grund ihrer 
Abweichung im Einwirken der Nachbarlaute suchen; aus dem 
Dissimilationstriebe erklärt sich Kartoffel für tartufola; und 
selbst wo im Auslaute c an die Stelle von t tritt, liegt mei¬ 
stens die Möglichkeit vor, Angleichuug an den (im Prov. Cat.) 
sichtlich beliebten harten Auslaut c anzunehmen. Wie aber 
erklärt es sich — von dem einsamen roveret. trient. carol für 
it. tarlo ganz zu schweigen — dass der stärkste, und von allen 
Consonanten mit grösster Kraftanstrengung zu sprechende Laut, 
dass k in Formen, welche die Sprache unaufhörlich gebraucht, 
im Part. Pass, aller schwachen Verba und stets in der zweiten 
P. Plur. — den t-Laut ganz verdrängt hat? Und das ist im 
vulgär florentinischen Dialekte geschehen! Zwanzig Fälle aus 
einer einzigen Seite der kleinen Novelle Paolina: scritta in 
lingua fior. it. von Pietro Fanfani (Firenze 70. 3te Auflage) be¬ 
weisen es hinlänglich. Auf p. 35. lesen wir vedeche für vedete; 
vus8ieche=voi siete; oleche=volete; sapeche=sapete; tartas- 
8acho=tartas8ato; vieniche, scusache, rammentache, particha, 
vuwoleche=voi volete, strampalache, nachi, respiracho, dis- 
graziachamente, temucha, venducha, vuvvedreche, sapeche, dichemi 
=ditemi! — Wir erinnern an folgende Worte Max Müller’s 
(Vorles. II 158). „In der Sprache der Sandwichinsulaner ver¬ 
schwimmen die beiden Laute t und k zu einem und es er¬ 
scheint einem Fremden unmöglich zu sagen, ob er einen Gut¬ 
tural oder Dental hört.“ — 

9 

NB. Und nun zum Schluss, ist ital. bisbetko gleich a^upis- 
ßrjTixog? 

Berlin, Januar 73. 

Caroline Michaelis. 


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Zu Hermann Oesterley’s Ausgabe des Dolopathos 
des Johannes de Alta Silva. 

Hermann Oesterley, bekanntlich um die mittelalterliche 
Litteratur schon mehrfach verdient, hat sich ein neues und 
bedeutendes Verdienst um dieselbe erworben, indem in Folge 
seiner eifrigen Nachforschungen und Bemühungen die lang 
vermisste und, wie es schien, verloren gegangene Orvaler 
Handschrift des Dolopathos des Johannes de Alta Silva end¬ 
lich in der Bibliothek des Athenäums zu Luxemburg wieder 
aufgefunden worden ist, und er nun nach dieser Handschrift 
die erste Ausgabe des wichtigen Werkes geliefert hat.*) „Ich 
konnte" — sagt er S. X seiner Ausgabe — „den Text der 
[noch dem 13. Jahrhundert angehörenden] Orvaler Hand¬ 
schrift zum Abdrucke bringen, ohne dass es erforderlich ge¬ 
wesen wäre, die weit jüngeren, jeder Autorität entbehrenden und 
dabei theils unvollständigen, theils entsetzlich fehlerhaften 
Ausflüsse [d. h. die drei früher von Mussafia entdeckten Do- 
lopathos-Handschriften und eine von Oesterley selbst in Iuns- 
bruck entdeckte] näher zu berücksichtigen; indessen habe ich 
doch den Innsbrucker Codex vollständig und die drei von 
Mussafia aufgefundenen soweit, wie dessen Mittheilungen 
reichen, genau verglichen, ohne aber irgend erwähnenswerthe 
Abweichungen zu finden.... Ich habe an dem Texte nichts 
geändert, als was durchaus unerlässlich erschien, um ihn les¬ 
bar zu machen, doch ist der mangelhafte Wortlaut überall 
angemerkt." 

*) lohannis de Alta Silva Dolopathos sive de rege et septem sapien- 
tibus. Herausgegebeu von Hermann Oesterley. Strassburg. Karl J. Trübner. 
London. Trübner & Co. 1873. 8°. XXHI und 100 Seiten. 


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Zu H. Oesterley’s Ausg. d. Dolopathos des Johannes de Alta Silva. 329 

Es wäre aber nur vortheilhaft gewesen, wenn etwas mehr 
geändert, überhaupt mehr für Herstellung eines correcten 
Textes gesorgt worden wäre. Wie er vorliegt, ist der Text 
durch viele dem Johannes de Alta Silva nicht zuzutrauende 
Fehler entstellt, mögen dies nun Fehler der Handschrift selbst 
oder Lesefehler sein. Dazu kommen zahlreiche Druckfehler. 
Auf der letzten Seite sind einige dreissig Druckfehler be¬ 
richtigt, aber mehr noch dürften unberichtigt geblieben sein. 

Die Berichtigungen und Verbesserungen, die sich mir beim 
Durchlesen ergeben haben — von Interpunctionsfehlern habe 
ich fast ganz abgesehen — mögen denn hier Platz finden. 

2, 1 raraque avis in terris alboque simillima eigne. Albo 
mag in der Handschrift stehen, aber Juvenal VI, 165 hat: 
rara avis in terris nigroque simillima cycno; und so hat ge¬ 
wiss auch Johannes de Alta Silva nigro geschrieben. 

3, 2 puram in properacub positam dicere veritatem. Lis: in 
propatnlo. 

3, 21. 22 alii philosophantes, quos melius dixerim deluan- 
tes . Lis: delirantes. 

4, 12 scias me non multum in Oipriani regulis desudasse. 
Johannes hat gewiss nicht Cipriani, sondern Prisdani ge¬ 
schrieben. 

9, 30 spendet quod se. . . . resp nsurum. Lis: spondetque . 

11, 5 sieque indigni vita digna morte perempti. Es ist 
doch wol zu lesen indigna. 

12, 30 mos erat regum aut nobilium filios non anmiis con- 
viviis patrum Interesse, quam infantiam exivissent. annuis ist 
eine Aenderung des Herausgebers statt anna, wie die Hand¬ 
schrift angeblich hat. Es ist jedenfalls zu lesen antea 

18, 4 Qua ablata. Lis: oblata . 

19, 20 ne viderim tibi doloris ae tristitie auctor existere. 
Lis: viderer. 

21, 25 Bene esset, ut mandatis pa/rerem regis , si michi 
liceret ad patriam cum Luseinio repedare . Die Hs. hat leve, 
nicht bene, und ich sehe nicht ein, weshalb der Herausgeber 
das dem Zusammenhang durchaus entsprechende leve ge¬ 
ändert hat. 

31, 33 Aiebant eum phisicos traderc . Lis: önim st. eum. 


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330 


Rbinhold Koehlbk 


37, 5 Clitemestra. Ebenso steht 80,18 Clitemestrcm. Sollte 
der gelehrte Johannes selbst wirklich so geschrieben haben? 

42, 7 conticuerunt omnes intentiquc ora tacebant. Lis: 
tenebant st. tacebant Der bekannte erste Vers des 2. Buchs 
der Aeneide ist benutzt. 

42, 15 res a parentibus sibi successe rdietas . Es ist wol 
successorie (s. Ducange) zu lesen. 

42, 16 Ipse enim, ut moris est iuvenum, corruens in vitium, 

flecti monitoribus asper , utilitim tardus provisor, prodigus eris 
[i. e. aeris ], sublimis , cupidus et amata relinquere pemix. Hier 
haben wir, was der Hg. nicht bemerkt zu haben scheint, 
drei Verse aus der Ars poetica des Horaz (V. 163—165), aber 
der erste Vers ist hier entstellt, denn er muss lauten: Cereus 
in vitium flecti, monitoribus asper, und statt cupidus muss es 
heissen cupidusque. * 

43, 10 in infoiori rote fortune catho. Lis: cantho . 

51, 21 quomodo eos miles albis nigrisque armis pertitus 
decepisset. Statt des unsinnigen pertitus ist partitis zu lesen, 
wie auch, nach Mussafia’s Mittheilung in den Wiener Sitzungs¬ 
berichten, phil.-hi8t. Classe, LV1I, 78, die Prager Hss. haben. 
Kurz vorher heisst es ja von dem Ritter: Subtili ergo ingenio 
arma partita fabricat, tota scilicet ab una parte alba et nigra 
ab altera. 

60, 12 militem se esse respondit, iuris legumque peritum 
fore , ac iudiciorum subtilem investigatoretn. Es ist offenbar zu 
lesen: . .. peritum, fori ac iudiciorum ... 

61, 16 cccntheriata conscientia . Lis: cautcriata . Vgl. 16, 
19 Uli, quos cauteriata redarguebab conscientia . Die cautcriata 
conscientia stammt aus 1. Timoth. 4, 2: cauteriatam haben- 
tium suam conscientiam. S. äuch Ducange. 

68, 29 coactus sum ipsum digitum cum anulo abscidere . 
Hier wird vor abscidere das Wort dentibus fehlen, das die bei¬ 
den Prager Hss. und die Wiener haben und das auch die 
Vorlagen des französischen Dolopathos und der deutschen 
Prosaübersetzung gehabt haben müssen. 

69, 11 per apruta montium valliumque concava . Lis: per 
abrupto . 

72, 4 sillabas crutino. Lis: trutino . 


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Zu H. Oesterley’s Ausg. d. Dolopathos des Johannes de Alta Silva. 331 

72, 21 regina strigide sevior. Statt strigide ist doch wol 
tigride zu lesen. 

74, 25 celatque internum animi raucorem. Lis: rancorem. 

76, 6 animo eins super auditis tillitante. Lis: titiUante. 
Titülare ist hier so viel als titubare , s. Ducange. Vgl. auch 33, 13: 
quis tarn insenstbilis , cuius coro ad impudicos attactus non 
titillaret? 

77, 2 per mane aeris volitantes . Lis: mare . 

83, 25 gms Aodie ... patris mutetur iustitiam ? Lis: imi- 

tetur. 

88, 26 @wis flcat Empedocle dem immortalis haberi qui 
cupiens sponte flagrantem etham insüuit. Diesem „verderbten 
und in den übrigen Handschriften fehlenden Satz", den der 
Herg. nicht im Text gelassen, sondern nur in den Noten an¬ 
geführt hat, liegt, wie auch E. Böhmer, Romanische Studien, 
Heft 3, S. 439, bemerkt hat, Horaz Ars poetica V. 494—96 
zu Grunde: 

. . . deus immortalis haberi 
Dum cupit Empedocles, ardentem frigidus Aetnam 
Insiluit. 

Hiernach ist in obigen Worten zu ändern: Empedoclem und: 
Etnarn. 

91, 6 Silvestres qtioque, ut ait Oratius , homo sacer inter- 
presque deorum , cedibm et victu fedo deterruit Orpheus, dictus ob 
hoc lenire ügres rapidosque leones, dictus et Amphion Tebane 
conditor urbis , saxa movere sono testudinis, prece blanda ducere 
quo vellet. Die Hs. hat homines, der Hrsg, hat dies aber in 
homo geändert. Er würde diese Aenderung unterlassen haben, 
wenn er sich durch die Worte ut ait Oratim veranlasst ge¬ 
sehen hätte, im Horaz nachzusuchen, in dem er dann in der 
Ars poetica Y. 391—96 Silvestres homines — Ducere quo vellet 
gefunden haben würde. Bei Horaz steht aber nicht rapidos , 
sondern rdbidos , und ein syntaktisch und metrisch notwendiges 
et vor prece blanda. 

91, 10—17 Nam initio , ut idem ait poeta, cum prorepse- 
runt — ne quis adulter . Wir haben hier wieder Verse aus 
Horaz, und zwar Satir. I, 3, 99—106, aber mit einigen Ent¬ 
stellungen, nemlich et cubilia st. atque cubilia, deinde st. dein , 
assistere st. absistere, ne quis adulter st. neu quis adulter . 


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332 


Reinhold Koehler 


94, 29 hohes Martern furentem, ebrium Bacum (d. i.Bacchum) 
et stementem , Venerem fornicantetn. Statt des unsinnigen ster- 
nentem ist stertentem zu lesen. 

95, 2 ligna quoque et cepe et alia coluerunt, maxime autem 
Egyptii. Vgl. Plinius H. N. XIX, 6: alium caepasque inter 
deos in iure iurando habet Aegyptus. Hiernach ist doch wol 
alium statt alia zu lesen. 

96, 22 Mercurii habetur liber , qui logostolios , id est de 
perfecto verbo, titulum habet. Die hier gemeinte Schrift des 
Hermes Trismegistos heisst koyog rskEiog oder ’AtixkfiTUog. 
Vom griechischen Original sind uns bekanntlich nur ein paar 
Fragmente erhalten, dagegen liegt uns eine dem Apulejus zu¬ 
geschriebene lateinische Uebersetzung vor (in Hildebrand’s 
Ausgabe des Apulejus H, 279 ff.). Es ist möglich, dass 
Johannes de Alta Silva oder der Schreiber der Hs. wirklich 
logöstolios statt logostelios geschrieben, vielleicht aber ist letz¬ 
teres auch nur Druckfehler. Johannes hat wahrscheinlich aus 
dem dem Augustinus beigelegten Tractatus adversus Y hse- 
reses cp. 3 (Augustini opera, Antwerpiae 1700, T. VIII, Appen¬ 
dix pg. 3) geschöpft, wo es heisst: „Hermes, qui latine Mer- 
curius dicitur, scripsit librum qui A oyog zeksiog appellatur, 
i. e., verbum perfectum“, und wo einige Zeilen weiter die¬ 
selben Sätze aus dem koyog rikeiog wie im Dolopathos 
Z. 27—34 folgen. Mit der dem Apulejus beigelegten Ueber¬ 
setzung stimmt die im Tractatus keineswegs überein. 

96, 29 Quoniam ergo hunc fetit primum et solum et unutn , 
bonus autem ei visus est , et plenissimus omnium bonorum letatus 
est et valde dilexit unigenitum suum. Aus dem eben erwähnten 
Tractatus adversus Y haereses und aus Lanctantius IV, 6, wo 
die Stelle im griechischen Original steht, geht hervor, dass 
das Komma nach visus est zu tilgen, dagegen nach omnium 
bonorum zu setzen und tanquam vor unigenitum suum einzu¬ 
schieben ist. Vgl. auch die dem Apulejus beigelegte Ueber¬ 
setzung cap. VIII. 

96, 31 quem primo factum dei unigenitum postea appellavit. 
Im Tractatus adversus V haereses: quem primo factum dixit, 
postea unigenitum appellavit. Ich gestehe, in beiden Lesarten 
sind mir die Worte dunkel. Bei Lanctantius fehlen ent- 


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Zu H. Oesterley’s Ausg. d. Dolopathoa des Johannes de Alta Silva. 333 

sprechende Worte, ebenso in der dem Apulejus beigelegten 
Uebersetzung. 

99, 3 Eodem die Lu sein ins . . . bapHzatus est nomenque 
Priscum sibi retinuit. Lis: nomenque priscum. 

Folgende Fehler, meist offenbar nur Druckfehler, mögen 
ganz kurz aufgezählt werden. Es steht 4, 3 colerare statt 
colorare , 4, 21 cui st. qui, 6, 2 peperat st. pepererat , 6, 3 bo- 
tronibus st. botrionibus , 6, 18 meram st. mero, 7, 31 in occultis 
st. in occulto, efficiunt st. effeiant , 7, 32 examerunt st. exa- 
cuunt, 7, 35 curam st. curiam , 8, 7 si st. sw?, 9, 36 respondi 
st. respondendi , 10, 12 conpellabar.~ Quod sh conpelldbar, quod, 
11, 17 laudis st. Zntfis, 16, 34 me st. essetf, 18, 10 meatun sh 
meatum y 20, 18 repedas st. repedes, 21, 33 prefeduri st. y>ro- 
fedurij 25, 10 ferre st. ferri, 26, 38 medium st. medium, 27, 

15 offerebatur st. offerebantur , 32, 36 manum st. mannum, 33, 

16 carum st. earum , 37, 18 colubrum st. colubromm oder eo/n- 

brarum, 37, 34 wafre st. matris , 38, 14 prindpus st. principi - 
&ws, 39, 35 ignabus st. ignibus , 40, 29 congeriens st. emgmes , 
40, 32 st. onustis, 42, 13 generositate st. generositati , 42, 

32 fcrms st. 6rm, 43, 6 temperarit st. temperavit, 44, 24 peni- 
iendi st. penitendxm , 45, 27 gtwa st. gworf, 47, 30 wferes st. 
tffere, 48, 16 iadurum st. iacturam, 53, 2 dictum st. 53, 
30 tantum st. tantam , 54, 27 eongregatus st. congregatis , 55, 22 
meliorum st. meliorem , 57, 11 ewes st. civis 7 57, 35 magisto st. 
magistro, 59, 15 delusione st. delusionem , 61, 27 prosmiscui st. 
promiscui, 62, 11 eis st. sie, 62, 25 gallimulam st. gallinülam , 
63, 13 adorat st. adoret, 63, 16 i/urgurio st. tugurio , 63, 26 
satisfacimt st. satisfaeiens , 64, 4 medium st. mediam, 65, 28 
respondunt st. responderunt, 67, 11 cacabrum st. cacabum, 68, 
26 arbusti st. arbusta, 71, 23 deluserat st. deluserit , 72, 19 ser- 

st. servitute , 72, 25 celestum st. scelestum , 73, 24 fortuna 
st. fortumm, 73, 26 accomodo st. accomoda, 75, 24 crimem st. 
crimen , 77, 34 sonm* st. sonoro , 79, 6 scelestem st. scelestam, 
79, 18 insolitem st. in solitam, 79, 20 peperat st. pepererat, 79, 29 
tfw st. tfwi, 80, 30 simulatates st. simultates, 81, 25 segne st. se, 
81, 36 dimissoque sh demissoque, 85, 19 curens st. carens, 87, 
14 transferetur st. transferretur, confirmaretque st. confirmaretur- 
que } 88, 17 hominium st. hominum, 92, 24 corriperat st. corru- 


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334 


Reinhold Koehler 


perat, 94, 1 dominare st. dominari, 99, 2 plorentium st .ploran- 
tium, 99, 28 produxerunt st. produxerint. 

Folgende Stellen sind offenbar auch irgendwie verderbt, 
ich weiss sie aber nicht zu bessern: 

5, 27 conversisque ad meliora studiis, qui de rapina pan - 
perum antea vivere solebant , ingratus tarn mente hilari de lucro 
proprio pauperem sustentabat. 

32, 30 Ille vero lote vitro fuscate coloribus ... 

67, 22 ille ferventi oleo totas corporis profunditate partes 
decoriatus . 

70, 14 cibastam peragunt cenam. 

90, 7 Hinc citropee cetereque leges suppresserunt initium . 
Die entsprechende Stelle im französischen Dolopathos (V. 12033) 
lautet: 

Puis fut troveie premerainne 
La lois ke [fut] Eytropiainne; 

[Et] les autres loys ansimant 
Prisent lor encomancemant. 

In citropee (.Eytropiainne) steckt doch wol ein verderbter Name. 
Statt suppresserunt initium ist vielleicht zu lesen: suscepenmt 
initium . E. Böhmer, Romanische Studien, Heft 3, S. 439, 
ändert schwerlich mit Recht: Hinc ultro citroque leges sup¬ 
presserunt vitium. 

Johannes de Alta Silva citirt zuweilen Verse lateinischer 
Dichter oder verwebt sie geradezu seiner Prosa ein, von 
welcher Gewohnheit einige der oben verbesserten Stellen schon 
Beispiele liefern. Der Herausgeber hat keineswegs überall 
nachgewiesen, woher die Verse stammen*), und ich trage des¬ 
halb folgende Nachweise, welche doch manchen Lesern will¬ 
kommen sein dürften, nach. 

9, 9 Opprime dum nova sunt , subiti mala semina morbi. 
Pnncipiis öbsta 7 sero medicina paratur, cum**) mala per longas 
invaluere moras . Ovid Remedia amoris V. 81, 91, 92. Bei 
Ovid steht jedoch convaluere, 

*) In den Nachweisen auf S. 96 und 96 haben sich Versehen einge- 
schlichen. Man lese S. 95, Z. 2 v. u.: Satir. I, 8, 1—6. Seite 96, Z. 2 
und 3 v. u.: 16 Virgil. Eclog. IV, 7—19 Virgil. Eclog. IV, 6—20 Virgil. 
Aen. I, 664. — 21 Virgil. Aen. II, 650. 

**) So lese man statt: paratur . Cum .... 


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Zu H. Oesterley’s Ausg. d. Dolopathos des Johannes de Alta Silva. 335 

29, 8 sic omnia sunt hominis tenui pendentia filo. Ovid 
Ex Ponto ep. IV, 3, 35: Omnia sunt hominum etc. 

29, 9 mors .. . equo pede pulsans regum turres, pauperum 
tdbemas, nec regi nec pauperi seit parcere. Nach Horaz Od. 
1,4,13: 

Palüda mors aequo pulsat pede pauperum tabernas 

Regumque turres. 

29, 17 Invida est mim fatorum series stmmisque negatum 
Stare diu . Lucan Pharsalia I ; 70: Invida fatorum series etc. 

36, 32 vere ut ait poeta: Varium et mutabile semper fe- 
mina. Siehe Aeneis IV, 569. 

42, 20 equis armisque novis gaudere et aprici gramine 
campi. Vgl. Horaz Ars poetica 162: 

Gaudet equis canibusque et aprici gramine campi. 

66, 10 qui viridi latebat anguis in herba. Virgil Ecl. 
IH, 93: latet anguis in herba. 

85, 29 cetera cum prona spedmt animalia terras (1. terram ), 
os homini sublime dedit celumque vidiere iussit et erectos ad celum 
tollere vultus . Ovid Metam. I, 84: 

Pnonaque cum spectent animalia cetera terram, 

Os homini sublime dedit, coelumque tueri 
Iussit et erectos ad sidera tollere vultus. 

Folgende Gitate und Anspielungen auf Dichter weiss ich 
nicht nachzuweisen, vielleicht wissen es Andere: 

16, 20 rubore perfusi satis secundum poetam vultu et 
colore actum criminis fatebantur. 

26, 25 quoniam Urne ibi iuxta poetae dictum minima 
pars erat ipsa puella sui . 

43, 14 quoniam , ut quidam ait, miseros fäciunt sola loca 
beatos . Der Vers verlangt: loca sola . 

66, 29 quoniam perdere secundum poetam ver'ba leve est 
parvaque iaetura. 

92, 20 unde eleganter ex persona, eins [Christi] matrisque 
virginis quidam ex nostris dixisse videtur: Sum, inquiens, quod 
eram, nec eram, quod sum, modo factus utrumque.*) 

Ein Hexameter liegt 36, 35 vor: Solvitur in risum, lacri - 
mis madidatur amaris . 

*) So muss interpungirt werden, nicht sum modo factus, utrumque. 

Jahrb. f. roxn. u. engl. Lit. N. F. I. 23 


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336 


E. Koehler: Zu Oesterley’s Ausgabe etc. 


Zum Schluss dieser Bemerkungen noch ein paar Nach¬ 
träge zu dem, was der Herausgeber S. XIX—XXIII über die 
einzelnen Erzählungen im Dolopathos beigebracht hat. Zu 
Nr. 2 („das Schatzhaus“) wäre auch auf das von Liebrecht 
in diesem Jahrbuch XI, 367 ff. übersetzte cyprische Märchen 
und auf A. Schiefher’s Aufsatz „Ueber einige morgenländische 
Fassungen der Rhampsinit-Sage“ im Bulletin der Petersburger 
Akademie der Wissenschaften XIV, 299—316 = Melanges 
asiatiques VI, 161—186, zu verweisen. Zu Nr. 4 („Fleisch¬ 
pfand“) musste die neue Auflage von Simrock's Quellen des 
Shakespeare I, 213 ff. angeführt werden*), und wäre auch 
das italienische Volksgedicht von der Madonna Lionessa**) 
zu erwähnen. In diesem Gedicht wird der Gemahl der Ma¬ 
donna Lionessa, weil er in Paris der Königin von Frank¬ 
reich einen Liebesantrag gemacht, vom König verurteilt, dass 
ihm zwei Unzen von seiner Zunge weggeschnitten werden 
sollen. Er erhält aber auf seine Bitte eine Frist von 100 Tagen 
bis zur Vollstreckung des Urteils und schreibt aus dem Ge- 
fängniss nach Mailand an seine Gattin. Diese verkleidet sich 
als Mann, zieht mit grossem Gefolge nach Paris und gibt 
vor, sie sei Salomon und aus dem Paradies wieder in die 
Welt gekommen, „a rinovar le leggi“. In Paris erklärt sie 
dem König, das Urteil könne vollstreckt werden, es dürften 
dabei aber genau nur zwei Unzen abgeschnitten werden. Dar¬ 
aufhin lässt der König den Verurteilten frei. 

*) Wenn Oesterley dabei auch Knight, Stories of Shakespeare, 1850, 
2, 228, eitirt, so ist statt Stories zu lesen Studies. 

**) Madonna Lionessa, cantare inedito del secolo XIV, aggiuntavi 
una novella del Pecorone. Bologna 1866 (Dispensa LXXXIX der Scelta 
di curiosita letterarie inedite o rare dal secolo XIII al XVII). 

Weimar, November 1873. 

Reinhold Köhler. 


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Kritische Anzeigen. 

Albert Stimming, der Troubadour Jaufre Rudel und seine 
Werke. Kiel 1873, Schwers. 8°. VI und 71 S. 

Vorliegendes Schriffcchen trägt den Ruhm davon, zum ersten 
Male die Lieder eines Troubadours auf Grund des gesammten in 
England, Frankreich und Italien zerstreuten handschriftlichen Ma¬ 
terials herauszugeben. Stimming wählte einen der ältesten Trou¬ 
badours, den durch Uhlands liebliche Romanze auch in Deutschland 
bekannten Jaufre Rudel, von dessen sechs Liedern (mehr sind uns 
nicht erhalten) sich nach Stimming zwei auf Jaufres culturhistorisch 
und psychologisch gleich merkwürdige Liebe beziehen. 

Der Text der Lieder, dem eine genaue Darstellung von Jaufres 
Metrik vorausgeht, ist, was die Kritik der Lesarten betrifft, mit 
Sorgfalt und Geschick hergestellt. Eine allgemeine Klassificierung 
der Provenzalischen Liederhandschriften ist nicht durchzuftthren, 
da von den Liederbüchern, aus denen dieselben zusammengestellt 
wurden, nach Paul Meyer nur zwei oder drei doppelt auf uns 
gekommen sind. Daher ist die Methode des Herausgebers, bei 
einem jeden Liede eine neue Klasseneintheilung der Handschriften 
zu machen, dann die den einzelnen Klassen zu Grunde liegenden 
Originale zu erschliessen und aus diesen Originalen meinen Text 
zu construieren, für die in zahlreichen Handschriften überlieferten 
Provenzalischen Lieder die einzig berechtigte. 

Auf Kritik der Sprachformen, mit deren Durchführung Bartsch 
in der Chrestomathie proven^ale den Versuch gemacht, hat sich 
der Herausgeber nicht eingelassen und nur die Schreibung des 
qu, v, j, lh, nh geregelt. Zu rügen ist Gujana IL 34 statt Guiana; 
ferner die Abwesenheit der Trennungspunkte in Worten wie lälntz 
HI. 43, esclen IV. 12, esbaltz IV. 44. Nicht berechtigt war die 
Aenderung ieum aus iem IV. 55, da dieses gerade die gewöhnliche 
Form statt ieu-me ist. 

Die Abhandlung über Jaufres Leben hätte, da sie im wesent¬ 
lichen nichts neues bringt, wol weniger wortreich ausfallen können. 
Es hätte Erwähnung verdient, dass Jaufre Rudel Prinz von Blaya, 
dessen Tochter vom Troubadour Richard von Barbezieux besungen 
wurde (Raynouard, Choix V. 433), ohne Zweifel mit dem von 

23* 


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338 


Kritische Anzeigen. 


Stimming S. 1—2 (und früher schon von Diez) im Jahre 1231 
urkundlich nachgewiesenen Jaufre Rudel identisch ist. — Hugo 
Brun, dem Jaufre sein zweites Lied widmet, ist entweder Hugo VII. 
Brun von Lusignan, der im Jahre 1146 das Kreuz nahm, oder 
Hugo VIII, der Vater des Königs von Jerusalem. Denn Hugo IX. 
der 1181 die Gräfin Mathilde von Angoulßme heirathete, lebte 
schon zu spät, um in Betracht kommen zu können. Vgl. Bouquet 
XII S. 945 l’Art de verifier les dates X S. 230. Des letztem 
Sohn Hugo X. von Lusignan, der von 1208—1249 regierte, wird 
in der prov. Lebensgeschichte der Maria von Ventadom (Choix V. 
258) und in der des Gaucelm Faidit (V. 162) erwähnt. Sein Name 
ist hier zu Uc de la Signa entstellt, wofür wol Uc de Lesinha zu 
lesen ist. Dieselbe Entstellung im Namen des Troubadours Ebles 
de Signa zu vermuthen, verbietet des letztem Erwähnung im Rüge¬ 
liede Peters von Auvergne (Chr. prov. 77, 7). — Die paubre mot, 
von denen in Jaufres Lebensgeschichte die Rede ist, stehen offenbar 
im Gegensätze zu dem ric trobar. Der Ausdruck paubre mot 
bezieht sich also auf die Abwesenheit des dunkeln Stiles und der 
gesuchten Reime (rims cars) und soll einen wirklichen Tadel gegen 
Jaufre aus drücken, der dieser lange herrschenden Moderichtung 
nicht huldigte. (Anders fasst Stimming S. 12 die Stelle auf.) j£| 

Stengel hat in der Ausgabe des Durmart S. 504 die Ansicht 
vorgebracht, die Liebesgeschichte Jaufre Rudels sei blosse Fabel. 
Stimming erklärt sich mit Recht gegen diese Ansicht. Eine solche 
phantastische Liebe war vollkommen im Geiste der Zeit. Die 
Kluft zwischen Minneleben und Minnesang war zumal bei den 
ältesten Troubadours keine so grosse, als Stengel annimmt, wenn 
er Jaufres Schwärmen für eine Geliebte, die er nie gesehen, für 
blosses Phantasiespiel erklärt. Die Lebensgeschichten Peire Vidals 
und Ulrichs von Lichtenstein zeigen zur Genüge, dass das Phan¬ 
tastische der Minne nicht allein in den Liedern, dass es in hohem 
Grade auch im Leben selbst vertreten war. 

In der deutschen Prosa-Uebersetzung, die der Herausgeber 
Jaufres Liedern hinzufttgte, hat er zwei Stellen nicht zu über¬ 
setzen vermocht, da er sie nicht verstand (vgl. S. 63. 66): V. 51—56 
des dritten und V. 35—36 des sechsten Liedes. Jene Stelle 
übersetze ich so: Daher wächst mir mein Schmerz mehr davon, 
weil ich sie an gelegenen Orten höre; denn ich bringe nicht so 
viele Seufzer und Thränen hervor, als sie [ihren Gatten vgl. V. 18] 
zu küssen pflegt nach Schicksalsfügung, was das Herz mir gesund 
und heil halten könnte. Gut ist die Liebe und sehr viel werth, 
und von dieser Krankheit kann sie mich heilen ohne Gehtilfen 
eines weisen Arztes. Die Redensart per escaritz V. 52 (escaritz 
ist gleichen Ursprungs mit dem deutschen Worte Bescheerung) 
heisst wie das Französische ä escheri nach Fügung, nämlich 


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Kritische Anzeigen. 


339 


entweder d©6 eignen Willens oder eines fremden Willens oder des 
Schicksals. Die drei Bedeutungen zeigen folgende drei Stellen aus 
Fouque de Candie p. p. Tarb6. A escheri remestrent et planchier 
S. 43. — Issus est de la vile tout seul 4 escheri d. h. auf Befehl 
seiner Herrin, der Ganite S. 103. — Ont la rolne 4 escheri trovee 
S. 35. vgl. auch S. 43. 77. Aus der Provenzalischen Litteratur 
ist mir nur noch per escarida Chr. prov. 223, 21 begegnet, wo 
die erste der drei Bedeutungen vorliegt (una noit, per escarida 
qu’a me s'en vengues). 

An der andern Stelle VI. 35 hat Stimmings Text: mei voler 
son siei anc issi de ma mort qu’estiers non sera. Zu lesen ist: 
mei voler son siei ancessi qe m an mort; qu’estiers non sera. ancessi 
heisst ein gedungener Mörder (frz. assassin) und ist noch heute 
als Provenzalischer Familien-Name vorhanden: Victor Ancessi heisst 
der Verfasser der Etudes de grammaire comparee. Paris 1872. 

Im dritten Liede V. 10 ist zu lesen burdens statt bordeitz; 
burdens ist das Part, von burdir, das hier von Kindern wie Chr. 
60, 16 von jungen Fohlen gebraucht wird. 

Das einzige uns erhaltene Lied des Grimoart Gausmar, das 
die Handschriften, die es enthalten, Jaufre zuschreiben, wird S. 57 
zum ersten Male veröffentlicht. Dieses Lied ist in formeller Be¬ 
ziehung interessant, da sich im Innern der einzelnen Strophen 
der grammatische Beim durchgeftthrt zeigt. Der Herausgeber 
scheint dieses nicht erkannt zu haben, da er suelh statt fuelh V. 11, 
desabalei statt descabalei V. 25, afina statt aclina V. 32, rodelha 
statt roduelha V. 53 schreibt. 

Durch die geringfügigen Ausstellungen, die wir machten, soll 
natürlich der Werth, den Gründlichkeit und Fleiss dem Buche 
verleihen, nicht geschwächt werden. Wir hoffen, dass der Verf. 
desselben bald die Lieder eines andern Trobadours in gleicher 
Weise bearbeitet. 

Marburg, 7. September. Hermann Suchier. 


Der Mönch von Montaudon, ein provenzalischer Trou¬ 
badour. Sein Leben und seine Gedichte, bearbeitet und 
erläutert mit Benutzung unedierter Texte aus den Vaticanischen 
Handschriften Nr. 3206, 3207, 3208 und 5232 sowie der 
Estensischen Handschrift in Modena von Emil Philippson. Halle 
1873, Lippert. 8°. 99 S. 

Philippsons Ausgabe der 17 Lieder des Mönchs von Mon¬ 
taudon unterscheidet sich von Stimmings Ausgabe des Jaufre 
Rudel zu ihrem Vortheile dadurch, dass sie sprachliche und sach¬ 
liche Erklärungen gibt, auf welche sich Stimming nicht einliess, . 
zu ihrem Nachtheile aber dadurch, dass sie das handschriftliche 


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340 


Kritische Anzeigen. 


Material keineswegs ausgenutzt, vielmehr nur nach den auf dem 
Titel genannten Handschriften ergänzt hat. Ueberhaupt aber 
erweist sich durch Btiinmings sorgsame Kritik seine Arbeit als 
der Philippsonschen bei weitem überlegen. Anstatt die Hand¬ 
schriften für die einzelnen Lieder besonders einzutheilen, begnügt 
sich letzterer mit einer oberflächlichen allgemeinen Classification 
(S. 9) und verfährt in Folge dessen bei der Constituierung der 
Texte mit völliger Willkür. Ja, oft werden die handschriftlichen 
Lesarten unter die Varianten verwiesen, während des Herausgebers 
Entstellungen an ihrer Statt im Texte prangen. So bietet das 
zweite in nur einer Handschrift überlieferte Lied an zehn Stellen 
unnöthige oder verkehrte Conjecturen. Man lese V. 6 Al pl. 
V. 8 n’Amor pregui et na Meroe (das Praesens wegen fauc. i 
vor e macht keinen Hiatus. Bartsch, Peire Vidal S. LXXI). V. 9 
vielleicht qu’en aquestas mi cre V. 11 De lai V. 12 Mas pus de 
re no la pr. V. 13 plus lang. V. 25 sim fauc, que quez ieu m'an 
dizen V. 32 sill d. h. wenn [ich] ihr V. 50 Qu’elh mais nous 
am V. 51 E nous V. 52 o tenra V. 53 diraus.* In den Varianten 
wird die Handschrift I durchaus mit J bezeichnet, was zu Irr- 
thümem Veranlassung geben kann, seitdem Stengel im ersten 
Bande seiner Rivista di filologia romanza von einer neuentdeckten 
Handschrift J die Beschreibung geliefert. Stellen, die Philippson 
selbst für verdorben hielt, hätte er lieber unter die Varianten 
verweisen als in den Text aufhehmen sollen (z. B. I 65—66), 
und die Lieder, die Bartsch (Grundriss S. 164) dem Mönche ab¬ 
sprach, und die ihm in der That abzusprechen sind trotz Philippsons 
Auseinandersetzungen, der für VH und VTH die Autorschaft des 
Mönchs in Anspruch nehmen möchte, hätten besser in einem An¬ 
hang als unter den fortlaufenden Nummern der Lieder des Mönchs 
ihren Platz gefunden. Eine orthographische Neuerung Philippsons 
besteht darin, dass er einsilbige Worte, die vor vocalischem An¬ 
laute ihrnn Yopal yerlier^^ statt den Apostroph anzuwenden, mit 
dem vorhergehenden Worte zusammenschreibt (nom en I. 44 al 
avinen IV. 9 quet en XI. 4). Entschieden fehlerhaft ist die 
Schreibung Meryoil] X. 49 statt Meruoill und besser noch Maroill. 
Den Napiep Saill X. 61 schreibt Raynouard beharrlich Sal'l (Choix 
lll. 254 V. 439), mit welchem Rechte ist mir nicht bekannt. — 
t)ie Lage der von der ^btei Auxillac abhängigen Priorei Mont- 
awtyn ist noch ..nicht nachge^ipsen. Eher als an ein hjontaud 
wäre jedenfalls an 'de Monte-Albedone* an denken, welches in der 
Hist. gen. de Lang. IV. 479 im Jahre 1J56 vorkömmt. Nostra- 
dämus scheint Montaudon nicht gekannt zu haben, da er es durch 
den Namen des in der Provence gelegenen Dorfes Montmajoür 

Beiläufig verbessere ich noch töt lo pa'is I. 59 tötz mos tains (iih 
Sinne ist talane zu ergänzen) IV. 50 qu’ades IX. 1Ö S^o XIY. 2, 281 


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Kritische Anzeigen. 


341 


ersetzte. — Den besten Theil des Büchleins bilden jedenfalls die 
Anmerkungen, unter denen der Herausgeber manches treffliche 
beibringt (wovon ein Theil aus dem Schatze von Toblers Wissen 
geflossen ist). Die für die Erklärungen prov. Worte bisher zu 
wenig benutzten Wörtersammlungen Hugo Faidits hat Philippson 
für manche Stellen aufs glücklichste verwerthet. — Was die 
Metrik betrifft, so vermisse ich eine Erwähnung von Bartschens 
wichtigen Nachweisen zur Strophenform des XIV. Liedes (vgl. Jahr¬ 
buch XH. 4) und zur Versform des XV. (vgl. Jahrbuch XEI. 12. 
Die Sequenzen des Mittelalters S. 216, 6. Paris, röle de l’accent 
latin S. 112). Das XVllL. und XX. Lied durften nicht getrennt 
werden; sie stehen in den Handschriften zusammen und bilden ein 
Ganzes. Das beweist von dem Inhalte abgesehen schon die Ueber- 
einstimmung in der Form, auf diePhilippson nicht einmal aufmerk¬ 
sam macht. Interessant sind die zahlreichen Freiheiten, die sich 
der Mönch im Reime erlaubt. Da sie Philippson nicht zusammen¬ 
stellte, so gebe ich sie hier in Uebersicht: cre (credo) H. 9. fes statt 
fe III. 44. merces statt merce IV. 36. aillor VI. 27. vezer statt 
vezers 42. — fetz (fecisset) X. 76. venguis statt venguist XH. 6. servis 
für servisc 12. grazis für graz isc 17. fezis für fezist 33. amis 36. auzi 
für auzit XIV. 2,81. chauzi für chauzit 82. comprässan: an 88.* espley 
für espleyt XV. 18. drey für dreyt 28. formis für formitz 34. plevis 
für plevisc 37. fazedor nom. 61. ten (tenet) XVHI. 28. salvaire 
acc. XIX. 46. son (somnum) 71. Man sieht, in den satirischen 
Gedichten gestattet sich der Mönch weit grössere Freiheiten als 
in den Minneliedem. Nach der Stelle, wo reten im Reime Tor¬ 
kömmt (erwähnt von Bartsch, Germania H. 460), habe ich in der 
Ausgabe vergebens gesucht. 

Hermann Suchier. 


Biographie des Troubadours Bernhard von Ventadorn. 
Von Hans Bischoff. Berlin 1873. 8°. 82 S. (Göttinger 

Inaugural-Dissertation.) 

Es ist keine Frage, dass Bernhard von Ventadorn von allen 
Sängern der Provence die zartesten, innigsten Lieder gesungen 
hat. Die beste Darstellung von Bernhards Leben hat bis jetzt 
Diez (Leben und Werke der Troubadours S. 17) geliefert. Doch 
musste er schon deshalb, weil ihm nur ein Theil von Bernhards 
Liedern bekannt war, manches zweifelhaft und unentschieden lassen. 
Bischoff hat in der vorliegenden Abhandlung über das, was in 
Bernhards Leben noch dunkel war, mit klarer anziehender Dar¬ 
stellung Licht verbreitet. Bernhards erste Lieder waren der jungen 

* Dergleichen Reime besprach Mussafia eingehend in den Wiener 
Sitzungsberichten vom Jahre 1864. S. 410. 


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342 


Kritische Anzeigen. 


Vizgräfin vnn Ventadom gewidmet. In Bezug auf die Persönlich¬ 
keit der Vizgräfin standen sich bisher zwei Ansichten gegenüber, 
die Ansicht Diezens, nach der sie die Gattin Ebles II. war, und 
die Ansicht Fauriels, der sie für die Gattin Ebles IQ. erklärte. 
Mit Recht gibt Bischoff der letztem den Vorzug. Verdienstliek 
ist besonders der Nachweiss, dass die Angabe, Ebles III. habe 
sich mit Adelheit im Jahre 1156 verheirathet, die sich aus einem 
historischen Werke in das andre verschleppt hat, auf einer falsch 
aufgefassten Stelle von Baluze beruht. 

Von der Vizgräfin verabschiedet wandte sich Bernhard nach 
der Normandie, wo er die schöne Eleonore von Poitou in Liedern 
feierte. Als Eleonore Königin von England wurde, blieb Bernhard 
in der Normandie zurück, folgte ihr aber später auch übers Meer. 
Von einer weitern Liebe Bernhards ist uns nichts berichtet; es 
handelt sich also darum, die uns erhaltenen Lieder auf die er¬ 
wähnten beiden Damen zu vertheilen. Den Anhaltspunkt dafür 
müssen die Verstecknamen abgeben. Solche kommen in einer An¬ 
zahl von Bernhards Liedern vor und haben Beweiskraft, da man 
dieselben Namen für dieselbe Dame festzuhalten pflegte. Die 
Untersuchung über die Verstecknamen in Bernhards Liedern, der 
ein interessantes Kapitel über die Wahl und Anwendung der Ver- 
stecknamen überhaupt vorausgeschickt ist, ergibt als Resultat, dass 
er seine erste Liebe unter den Namen Bel-Vezer und Tristan, 
Eleonore aber als Aziman und Conort besang. Aus Bischoffs Dar¬ 
stellung, die an manchen Stellen Scharfsinn und feine Beobachtungs¬ 
gabe verräth, ergibt sich die chronologische Ordnung der meisten 
Lieder Bernhards, für die bisher nur wenig festgestellt war. Den 
Schluss des Buches bildet ein Kapitel über Bernhards Metrik. 

In der Auffassung einiger Stellen, die der Verfasser der Bio¬ 
graphie heranzieht, kann ich ihm nicht beistimmen. So scheint er 
mir die Schlussverse von Be m’an perdut S. 25 nicht richtig herge¬ 
stellt zu haben. Die Lesart von Bartsch ist vorzuziehen (Chr. 48, 13. 
Die Stelle lautet in N ebenso wie in L), da nur sie die Abwei¬ 
chungen der Handschriften erklären kann. Das Zeitwort faiturar 
wird von Bernhard auch sonst angewendet (L. R HI. 283). Herr 
Faituratz ihr Buhle und Herr Alvemhatz der Herr von Beaucaire 
sind also zwei Personen. Dass letzterer mit der Vizgräfin ein 
Liebesverhältnis gehabt und Bernhard aus ihrer Gunst verdrängt 
habe, ist eine Fiction Bischoffs. Die Betheuerungsformel ‘fe que 
dei ’n Alvernhatz’ S. 37 ergibt weiter nichts, als dass Alvemhatz 
Bernhards Freund oder Gönner war (vgl. fe queus dey. Choix IV. 
363). Mit dem En Bel-Vezer de Belcaire S. 49 wird die Geliebte 
des Alvemhatz bezeichnet zum Unterschiede von Bernhards Bel- 
Vezer; sie ist also nicht mit der Vizgräfin identisch. — Zur Er¬ 
klärung der esperansa Bretona S. 61 dienen die Stellen im L. R. 


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Zeitschriften. 343 

II. 255 (Hoffnung ohne jegliche Aussicht auf Erfolg). Vgl. auch 
Lambert, cat de la bibl de Carpentras I S. 200. 

Eine Untersuchung der Heime wäre von Nutzen gewesen, um 
die Sprache Bernhards festzustellen, was sich feststellen liess. Mir 
fallen gerade zwei Formen ein, die sich vielleicht durch französischen 
Einfluss erklären, sei (lat. sit) im Reime (70, 5), das sich zu sia 
wil estei zu estia (lat. stet) verhält, relna dels Romans (70, 33), 
soweit mein Blick reicht, das einzige Beispiel, wo bei Bernhard 
ursprünglich isoliertes n zu n in ursprünglicher Position reimt. 

Auch später noch spielte die Familie der Vizgrafen von Ven- 
tadorn eine Rolle in der Geschichte des Minnesangs. Maria von 
Turenne, Gattin Ebles IV. seit 1174, kommt im Leben des Pons 
von Chapdeuil sowie in den Gedichten des Mönchs von Montaudon 
(in Philippsons Ausgabe S. 20) vor, wo sie von Ventadom und 
Tomes (d. i. Gebiet von Turenne) heisst, (vgl. über sie Diez, Leben 
und Werke S. 181. 256). Da ihr Vater Boso H. im Jahre 1143 
starb, muss sie vor diesem Jahre geboren gewesen sein. Diez (Leben 
und Werke S. 362. 540) hält sie für dieselbe Maria von Ventadorn, 
deren Biographie die Handschrift H enthält, die von Gaucelm Faidit 
besungen wurde und mit Gui d’ Uisel eine Tenzone wechselte. Wenn 
wir nicht annehmen wollen, dass man noch auf mehr als fünfzig¬ 
jährige Frauen Minnelieder verfasste, müssen wir jedoch die letzt¬ 
erwähnte Maria für Maria von Limoges, Gattin Ebles V., ansehen. 
Vielleicht theilt der Herausgeber Bernhards von Ventadom (Stengel) 
einen Stammbaum des Hauses Ventadom mit, der die angedeuteten 
verwandtschaftlichen Beziehungen anschaulicher macht. 

Hermann Suchier. 


Zeitschriften. 

I. ROMANIA. Nr. VH P. 281. F. A. Coelho. Formes 
divergentes portugaises . Eine Zusammenstellung der portugiesischen 
Doppelformen (volkstümliche und gelehrte). Der Verf. beschränkt 
sich hier auf die Wörter lateinischen Ursprungs, die nicht lateini¬ 
schen wird ein späterer Artikel behandeln. — P. 295, G. Paris. 
La Passion du Christ, texte revu sur le manuscrit de Clermont-Ferrmd. 
Der Text ist hier genau nach dem Ms., nur mit Verbesserung 
augenscheinlicher Schreibfehler, veröffentlicht. Eine Anzahl von 
Conjecturen von Diez und Hofmann werden dadurch in überraschen¬ 
der Weise bestätigt — P. 315. W. Fo er st er. Del tumbeor 
Nostre-Dame. Eine bisher unedirte reizende Marienlegende, für 
deren Veröffentlichung man dem Herausgeber Dank schuldet. Sie 
ist aus einem Ms. des Arsenals. — P. 326. Etgmölogies italienms 


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344 


Zeitschriften. 


et romanes von J. Storm und M. Brßal. P. 329. G(aston) 
P(aris). Noms de pcuples paiens dans ln Chanson de Roland . Eine 
kurze Untersuchung über einige der in der Chanson vorkommenden 
Völkernamen, um so dankenswerther, da dieser Gegenstand von den 
bisherigen Erklärem einigermassen oberflächlich behandelt worden 
ist. P. 335. H. Suchier. Le Manuscrit de GuiUatme <2 Orange 
anciennement conservS ä Saint-Guillem du Disert. Das bisher ver¬ 
loren geglaubte Ms. wird hier mit dem der Bibi, nai 774 fonds 
fran 9 . identificiert — P. 337. Sur quelques passages des granmaires 
provengales von A. To bl er und P(aul) M(eyer); eine Anzahl schätz¬ 
barer Emendationen zum gedruckten Text der Gr. pr. 

P. 351 ff. Comptes-rendus über Rajna’s Reali di Francia, 
Bernoni’s Canti popolari veneziani, die Maniöre de langage, Anlei¬ 
tung zur französ. Conversation aus dem 14. Jahrh. und Th. Brag&’s 
EpopOas da raza mosarabe. P. 371 ff. Uebersichten über die Zeit¬ 
schriften. P. 381 ff. Chronique. 

Nr. XIII. P. 385. A. d’Ancona. Le fonti del Noveümo. In 
dem vorliegenden ersten Theile dieser interessanten Untersuchung 
erörtert der Verf., nachdem er die verschiedenen Redactionen der 
Cento Novelle kurz besprochen hat, die.Fragen nach der Abfassungs¬ 
zeit und dem Verfasser derselben und gelangt zu dem Resultate, 
dass sie gegen das Ende des 13. Jahrh. abgefasst seien und zwar, 
aller Wahrscheinlichkeit nach, trotz einzelner Verschiedenheiten des 
Styls, nur von einem Verfasser und zwar einem Florentiner Popo- 
lanen herrühren, mithin von keiner der bisher als Verfasser genannten 
Persönlichkeiten. — P. 423. Paul Meyer. Explication de la pidce 
de Peire Vidal: Drogoman seiner , s’agues hon destrier. Der Verf. 
giebt einen nach 8 verschiedenen Mss. verbesserten Text des Stückes 
und knüpft daran eine veränderte Erklärung desselben, eine sprachlich 
und sachlich sehr interessante Erörterung. Zu den vom Verf. 
citirten Stücken, welche dieselbe Strophenform aufweisen, hätte 
auch Bertran de Born's Eu m f escondisc y dompna, que mal mon mier 
(bei Bartsch Chrest. p. 109) gezählt werden können, welches über¬ 
dies nicht nur einen der beiden Reime (ier) mit ihm gemein hat, 
sondern in zwei Versen (IV, 5 und V, 3) auch die coupe nach 
der 5. Sylbe. — P. 437. E. Rolland. Vocdbulaire du patois du 
pays messin . — P. 454. V. Smith. Chants de pauvres en Forez 
et en Velay . — P. 477. Melanges. 

Die Comptes-rendus bringen eine sehr eingehende und 
instructive Besprechung von Oesterley’s Ausgabe des Dolopathos, 
von G. P(aris). 

Den Schluss macht die Analyse der Journale und die Chronique, 
letztere die romanistischen Vorlesungen auf den französischen und 
deutschen Hochschulen und literarische Notizen enthaltend. 

n. RIVISTA DI FILOLOGIA ROMANZA. Vol .1, fase. 2, 
p. 71. L. Manzoni. B camoniere vaticano 3214. Verzeichniss der 


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Zeitschriften. 


345 


im Codex enthaltenen Dichter mit den Liederanfängen und einer 
Anzahl ungedruckter Liedtor. — P. 91. A. Mussafia. Osservazioni 
sulla Storia di atctmi participii nett’ italimo e in cdtre Ungue 
ramame . Bemerkungen zu dem Artikel von Canello über denselben 
Gegenstand im vorigen Hefte. — P. 98. J. Cornu. Deux kistoires 
tnttageoises en patois vaudois. Verfasser dieser beiden Erzählungen 
ist der Doyen Bridel, der sie gegen Ende des vor. Jahrh. schrieb. 
Obgleich also nieht unmittelbar volkstümlichen Ursprungs, geben 
sie doch, nach der Versicherung des Herausgebers, die Sprache des 
Volkes genau wieder, und zwar aus einer Zeit, wo dieselbe noch 
wenig oder gar nicht vom schriftmässigen Französisch beeinflusst 
war; Bie zeigen daher verschiedene jetzt obsolet gewordene Formen. 
Die Orthographie ist phonetisch. Ein Glossar ist angefttgt. — 
P. 113. G. PitrA Nuovo saggio di Fiabe e Novelle popölari sici - 
liane. Aus einer grösseren Anzahl von ihm gesammelter siciliani- 
scher Volksmärchen wird Herr P. in der Rivista nach und nach 
10 veröffentlichen, deren erste hier vorliegt. Die übrigen werden 
als besonderes Buch erscheinen. Je wünschenswerther es schon 
längst war, die sicilianischen Märchen auch in der Originalsprache 
aufgezeichnet und gesammelt zu sehen, um so mehr darf man sich 
jener Ankündigung freuen. 

Unter der Rubrik „Variete“ bespricht Coelho das altportu¬ 
giesische cka und Stengel giebt einen Nachtrag zu seinem Artikel 
über das sardische Document in Heft 1. 

In der Eivista bibliografica bespricht Morel-Fatio die 
Biblioteca catalana von Aguüö y Fuster , E. Monaci Martin’s Examen 
critique des manuscrits du Boman de Benart und Canello d’Ovidios 
Origine dett’ unica forma flessionale del nome italiano . 

Den Schluss macht die Uebersicht über die Zeitschriften. 

III. ROMANISCHE STUDIEN, herausgegeben von Eduard 
Boehmer. II. P. 163. A. Neubauer, un vocabtdaire Mbraico - 
franqais. Das Vocabular ist aus einer Handschrift der Bodleyana, 
in welcher auch die französischen Wörter mit hebräischen Buch¬ 
staben geschrieben sind, während über denselben sich die lateinische 
Uebersetzung befindet. In diesem Druck erscheint der französische 
Theil vom Herausgeber transscribirt, zum Theil mit Anwendung 
modificirter lateinischer Buchstaben. Ueber das dabei befolgte System 
giebt p. 197, E. Boehmer de vocabulis francogatticis judaice tran- 
scriptis Auskunft. — P. 221. Derselbe. Be colorum nominibus 
equmortm . Untersuchung über die verschiedenen in den rom. 
Sprachen vorkommenden Bezeichnungen der Farben von Pferden. 
— P. 295. Derselbe. Be sonis grammaticis accuraUus distin- 
guendis et notandis . Der Verf. schlägt zum Ausdrucke der verschie¬ 
denen Laute besondere Bezeichnungen der Buchstaben vor, ein 
Vorschlag, der für gewisse Zwecke Beachtung verdient, — Ein 
Beiblatt enthält literarische Notizen. 


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346 


Zeitschriften. 


III. P. 309. A. von Flugi. Chamuns poptdaras d'Engadina. 
36 Lieder, ein schätzbarer Beitrag zur engadinischen Volksdichtung. 

— P. 336. Derselbe. Der ladmische Tobias. Poetische Geschichte 
des Tobias im ladinischen Dialect, aus dem 16. Jahrh. nach einer 
Handschrift v. J. 1678. — P. 358. J. Cornu. Le Ram des 
Vackes de la Gruyere et la chanson de Jean de Böllieta , avec glossaire . 
Der E. d. V. erscheint hier in neuer Eecension in den beiden Dia- 
lecten von Gruyöre und dem Jorat, die Chanson in denen von 
Ober- und Nieder-Gruydre. Die phonetische Orthographie ist nach 
Boehmer’s System (s. oben). — P. 373. H. Suchier, AUfrcmzö- 
sische Lebensregeln . Aus einer Handschrift der Bibi, zu Hannover. 

— P. 376. Derselbe. Bruchstück aus Giriert de Metz. Bruch¬ 
stück von 93 Versen, gleichfalls aus der Bibi. v. Hannover. — 
P. 286. E. Stengel. Die Chansondcgestc-Ha/ndschriften der Oxforder 
Bibliotheken . Probe aus dem vom Verf. verheissenen vollständigen 
Kataloge der Oxforder Handschriften. — P. 409. E. Martin. 
Le Pderinage Rcnart . Sonderausgabe dieses Stückes mit sämmt- 
lichen Lesarten, als Vorläufer einer beabsichtigten Gesammtausgabe 
aller Branchen. — P. 438. Beiblatt mit literarischen Notizen. 

L. 


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Miscelle. 


Are we to transcribe the runic letter P, occurring in Anglo- 
Saxon manuscripts by m; or by v? 

Jacob Grimm (Deutsche Gramm.) and after him Ettmüller, 
Grein and Heyne, in their resp. A.-S. glossaries, guided by 
the pattem ot the corresponding Latin and Gotic character, 
transcribe it by v just as they represent the Gotic rune y by 
the same Latin y (v. Ufilas ed. Stamm-Heyne p. 370). 

Koch (v. Gramm. I, p. 101) and Loth (A.-S. Gr. p. 43), 
on the other side, prefer the transcription of the A.-S. rune 
by w ! without, however, advancing a clear and sufficient ac- 
count for their choice. 

In favour of w as the more probable equivalent of the runic 
character I have to point out a double argument: 

1) If it is a fact, that both in Old- and Semi-Saxon (viz 
within those periods of the history of Low-German, immedia- 
tely preceding and succeeding that of Anglo-Saxon) v is found 
frequently coinciding and used promiscue with the aspirated 
labial f, (v. Heyne Gramm, p. 112, Koch Gr. I p. 101), 

2) If it is beyond question, that in Modem-German as 
well as in Modern-English the letter v is intended like f to 
denote the sound of the aspirated labial only, I do not he- 
sitate to maintain, that both from Modern-German and Eng¬ 
lish point of view the greater probability speaks in favour of 
Koch and Loth, who transcribe the A.-S. runic character by 
w } which letter signifies the breathing sound or the labial Spi¬ 
rans for the German as well as for the English tongue. — 

Oxford, 

Taylor Institution, August 1. 1873. 

H. Krebs. 

Ph. D. 


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Corrigenda zu „Verhandlungen der XXVIII. Philologen- 
versammlung“. 


S. 209 

Z. 9 von unten 

ZU 

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99 

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concipiren statt anticipiren 


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Corrigenda. 


349 


P. 214 


II II 

II II 

II II 


216 


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II ii 

ii ii 


216 


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II II 


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II II 

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218 


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3 

von 

oben 

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(2817—2820) statt (2817—2820, 

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11 

36 

ii 

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11 

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11 

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11 

26 

ii 

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ii 

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11 

34, 

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ii 

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11 

36 

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ii 

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11 

38 

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ii 

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11 

24 

ii 

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der üblen Behandlung nämlich, 
statt die etc. 

11 

26 

,i 

ii 

i, 

ii 

des Spottes 

11 

27 

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n 

ii 

ii 

Mit „Aber noch auf einen zwei¬ 
ten Punkt“ etc., sollte, da hier 
ein 2. Abschnitt beginnt, neue 
Zeile beginnen. 

11 

6 

,i 

ii 

n 

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zu liegen statt zu lügen 


6 

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ii 

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12 

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ii 

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16, 

17,21 etc. 

ii 

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11 

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11 

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31 

11 

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31 

11 

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11 

36 

11 

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ii 

ii 

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43 

11 

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11 

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ii 

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11 

11 

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ii 

ii 

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n 

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ii 

ii 

ii 

V erwahr ungen statt V erehrungen 

11 

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11 

ii 

ii 

ii 

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11 

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11 

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ii 

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11 

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ii 

ii 

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ii 

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ii 

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II 

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ii 

ii 

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Corrigenda. 


Seite 182 Z. 2 1. so statt fo 


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Endlich dürfte p. 187 Z. 10. v. u. das Qui der Handschrift in Cil zu 
bessern sein. 


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Ysopet hebräisch, 

ein Beitrag zur Geschichte der Fabeln im Mittelalter. 

Die gegenwärtige Notiz und eine später folgende Abhand¬ 
lung über die Fabeln des Berachja sollen einen kleinen Bei¬ 
trag liefern zur Geschichte der s. g. aesopischen Fabel im 
Mittelalter, d. h. der zunächst an Phädrus — Romulus — 
Galfred (oder wie er sonst heissen mag) sich anschliessenden 
Bearbeitungen, deren Verhältniss zu einander seit einem hal¬ 
ben Jahrhundert, von Robert bis zu Oesterley, vielfache Be¬ 
leuchtung gefunden und doch noch nicht ganz abgeschlossen 
scheint. Ihre Beziehung zu den grossen indischen Fabel¬ 
kreisen, welche in ihrer weiten Wanderung immer mehr zu 
Rahmen für eingeschachtelte Märchen und Erzählungen wur¬ 
den, sind hier zunächst ausser Acht gelassen. In diesen sind 
die jüdischen Uebersetzer der Aufmerksamkeit der Forscher 
nicht entgangen, und es ist gelungen, unbekannte Details aus 
der hebräischen Literatur zu verwerthen*). Durch den, aller¬ 
dings hervorragenden Einfluss arabischer Wissenschaft und 
Literatur auf die Juden Südeuropas seit dem X. Jahrhundert 
konnte man verleitet werden, Alles was in der mittelalterlichen 
hebräischen Literatur über den engem Kreis der nationalen 
Studien hinausging und fremden Ursprung verrieth, auf ara¬ 
bische Quellen zurückzuführen**), unter Anderem auch die 


*) Ueber Barlaam und Josafat aus dem Arabischen, über Kalila 
we-Dimna, s. D. M. Zeitschr. Bd. 5, 18, 24, 25, 27; über Mischle Sin- 
dabar, Hebr. Bibliographie N. 78 ff.; zur Sentenz-Literatur vgl. 
Jahrb. XD, 353 ff. 

**) Dagegen sind z. B. in Bezug auf Medicin Ausläufer der griechisch¬ 
lateinischen Wissenschaft im X. Jahrhundert (Sabbatai Donnolo) und 
hebräische Uebersetzungen von 20 lateinischen Werken im Jahre 1199, 
Jahrb. f. rom. u. engt Lit. N. F. I. 24 


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352 


M. Steinschneider. 


Schriften und insbesondere die Fabeln des Berachja. Ein 
in jeder Beziehung verdächtiger Schriftsteller, E. Carmoly, 
rückt Berachja ins XII. Jahrhundert hinauf, lässt ihn aus dem 
arabischen Kalila we-Dimna schöpfen und macht die hebräi¬ 
schen Fabeln zur Quelle der Marie de France; wie er in 
gleicher Umkehrung des Sachverhältnisses die Disciplina den - 
calis des Petrus Alfonsi grossentheils aus einem hebräischen 
Buch Henoch schöpfen lässt (citirt von Landau, Quellen des 
Decamerone 1869 S. 148), während es längst bekannt ist, dass 
das s. g. Buch Henoch eine hebräische Bearbeitung von Cap. 
2—3 der Disciplina ist *). In einem Artikel „Ueber die Fabel 
bei den Hebräern, mit Proben einer deutschen Uebersetzung 


ausser einer Anzahl salernitanischer Schriften von unsicherer Zeit, 
nachgewiesen in Virchow’s Archiv Bd. 37 — 42, s. insbesondere Bd. 42 
S. 53 ff. — Isolirt stehen die von Landsberger herausgegebenen Fabeln 
des Sophos (Syntipas), in welchen ich schon in der Hehr. Bibliogr. II 
(1869) S. 106 (vgl. S. 114, vgl. Comparetti, Rtcerche intorno dl libro di 
Sindibad, p. 33 des Sonderabdr.) eine blosse Abschrift aus dem Syri¬ 
schen vermuthetej und in der That scheint eine Handschrift des Syrischen 
von Wright aufgefunden; s. Geiger in D. M. Zeitschr. Bd. 27 S. 150. — 
Die, allerdings jungen, wahrscheinlich von Christen verfassten Fabeln 
des Lok man sind erst 1819 von Ekelund in Lund theilweise und mit 
wenig Geschick ins Hebräische übersetzt worden; s. Hebr. Bibliogr. 

XI, 77. 

*) S. mein „Manna“ Berlin 1847 S. 102 und andere Citate in mei¬ 
nem „Schach bei den Juden 4 *, Berlin 1873 S. 34 (186). Die französische 
Uebersetzung Pichard’s (Paris 1838) ist leider hier nicht aufzutreiben. 
Goedeke, Every mail S. 4, glaubt, dass das Hebräische von Petrus selbst 
herrühren könnte, was mir sehr unwahrscheinlich ist. Die einleitenden 
Sprüche des Lokman-Bileam (Roth, Philol. VHI, 132) gehören dem s. g. 
Testament an, welches ebenfalls christlichen Ursprungs ist; s. Jahrb. 

XII, 363, H. B. XHI, 15, 33. Edelest. du Meril, Po6s. in£d. p. 447, 
erwartet ohne allen Grund Aufschluss in dem aethiopischen (apokryphen) 
Henoch. — Eine sehr erweiterte Bearbeitung derselben Erzählung vom 
„Freund und halben Freund“ enthält die wunderliche hebräische Samm¬ 
lung Ose PeZe, herausg. von Jos. Sabb. Farhi, Livorno 1869 Bd. n Bl. 
1—12; daselbst f. 9 b spricht der König: „Ich möchte ein Genosse euerer 
Liebe sein, so dass wir ein dreifacher Faden werden, der nicht schnell 
reisst“ (Kohelet 4, 12), erinnernd an den Schluss der Bürgschaftssage, 
wovon eine arabische und hebräische Bearbeitung deutsch übersetzt ist 
im Magazin für die Lit. des Auslands 1846 n. 27, 28. 


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Ysopet hebräisch. 


353 


der Mischte Schuälim (Fabeln der Füchse) des Rabbi Berachja“ 
u. s. w., in dem von Leop. Stein herausg. Jahrbuch Achawa II 
(Leipzig 1866) S. 126, sieht Landsberger den Ysopet der 
Marie de France als Quelle Berachja's an, wie schon Roth 
im Philologus VM, 141 vorsichtiger „eine Sammlung, wie 
Marie de France“, jedoch nur für die an die Reinhartsfabel er¬ 
innernden, z. B. n. 52, 85, 94, 99. Bald darauf erkannte ich 
in BerachjVs unedirtem Dialog zwischen Onkel und Neffen 
eine Bearbeitung der Quaestiones naturales des Adelard von 
Bath. Die Beschreibung der hebräischen Handschriften der 
hiesigen k. Bibliothek (1869) gab mir Gelegenheit durch ge¬ 
nauere Kenntniss eines Epigraphs eines Sohnes (nicht En¬ 
kels) Berachja’s im J. 1333, über allen Zweifel festzustellen, 
dass Berachja in der Mitte des XIII. Jahrhunderts jedenfalls 
noch gelebt habe, wie Zunz, mit Rücksicht auf jenes Epigraph, 
angenommen hatte*). Ueber Berachja’s VerhältnisS zu Marie 
muss ich mir eine eingehende Notiz Vorbehalten und bemerke 
hier nur, dass ihr Ysopet (einen anderen kennt Landsberger 
nicht) dem Berachja nicht die „meisten“ Fabeln seiner Samm¬ 
lung zugeführt haben kann, wie Landsb. glaubt, da überhaupt 
nur etwa die Hälfte der 106 Fabeln Berachja’s Themen von 
Marie’s Ysopet enthält. 

Die gegenwärtige Notiz gilt einer angefangenen, oder 
nur fragmentarisch erhaltenen hebräischen Uebersetzung von 
Fabeln. Sie erschien als Bestandteil einer höchst seltenen 
Sammlung kleiner Schriften, zuerst die s. g. Chronik des 
Moses u. s. w., u. A. auch die Mischte Sindahar und das er¬ 
wähnte „Buch Henoch“ (unmittelbar vor den Fabeln), enthal¬ 
tend. In der Inhaltsangabe am Schluss der ersten Ausgabe, 
Constantinopel 1516, wird das Schriftchen als mTn**) 


*) Hebr. Bibliogr. XIII, 1873 S. 80: Berachja, zum Theil im Zusammen¬ 
hang mit einem Art. „Die Matrone von Ephesus“, über die hebr. 
Bearbeitungen, welche Grisebach imbekannt geblieben; vgl. unten 
zu n. 7. 

**) Chida ist Räthsel und Gleichniss, vgl. Landsberger, Fabeln 
des Sophos S. XIV. Jede Fabel beginnt mit der Formel: „Ich will 
euch ein Räthsel aufgeben von..“, die man als Ueberschrift ansehen 
kann. — Ueber die Ausgaben s. meinen Catal. Bodl. n. 5484 u. 3538. 

24 * 


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354 


M. Steinschneider. 


Chidot Izopete (od. IzopitiT) d. h. Räthsel oder Gleichnisse des 
Isopet bezeichnet; zu Anfang wird der Verfassemamen 
Jesopeto geschrieben — doch sei gleich hier bemerkt, dass 
der Endvocal, namentlich bei der Aehnlichkeit der Vocalbuch- 
staben und i, nicht viel auf sich habe (vgl. weiter unten). — 
Diese Ausgabe liegt mir in einem Exemplar des Dr. Zunz 
vor; die wiederholten Ausgaben Venedig 1544, 1605, sind mir 
jetzt unzugänglich. Unter dem fingirten Titel 'b b* ‘■»DIE 

Musar al pi ha-chida (Moral durch das Räthsel) erschienen 
die Fabeln hinter dem s. g. Alphabet des Ben-Sira*) Amster¬ 
dam 1697. Auch diese Ausgabe liegt mir nicht vor, aber 
ein mit dem Vorwort des Amsterdamer Herausgebers versehe¬ 
ner Abdruck, Zolkiew 1738, bei den Brüdern Ahron und 
Gerson, Söhnen des verstorb. Chajjim David, 53 Bl. in sehr 
kleinem Format, nur bis Bl. 47 paginirt «— 47 verso beginnt 
Ethisches und Rituales für Reisende, wahrscheinlich in dieser 
Ausgabe hinzugefügt. Die Fabeln stehen f. 25 b — 33 a ; das 
Vorwort ist verkürzt, ’ der Namen des Verfassers daher ver¬ 
schwunden; die 11. Fabel ist ausgefallen; auch sonst fehlen 
Zeilen, und ist der Text selbst in Bibelstellen (z. B. Vorr.) 
corrumpirt; da ich (Catal. Bodl. S. 204) nachgewiesen, dass 
in der Amsterd. Ausgabe die Alphabete des Siracides umsteht 
worden u. s. w., so ist wahrscheinlich auch in allem Uebrigen 
dieselbe nicht vollständiger als der Abdruck. Der Columnen- 
titel „Ben Sira“ ist hier wie dort über die Fabeln fortgesetzt! 


Duke 8, Isr. Annal. 1,244, hat den falschen Titel Mischte u. Constant. 1519 
(und so Landsberger, Fabeln des Sophos S. 127) u. Ven. 1546; der 
falsche Titel mit hebr. Lettern bei Landsberger, Fäbulae aliqu. 1846 
S. 13, wo Const. 1516, Ven. 1546; daher beide Titel und Ven. 1545 
(Druckf.) bei Roth, Phüol. VIII, 133. — In Zedner’s Catal. Brit. Mus. 
fehlt der Titel im Index S. 846, s. S. 37. 

*) Dieses Büchlein, welches ich 1859, nach einer HS. ergänzt, edirt 
habe, verdient die Aufmerksamkeit der Romanisten. Das darin enthal¬ 
tene Gespräch zwischen Nebukadnezar und Pseudo-Siracides ist vielleicht 
das Prototyp des Buches Sidrach (s. meine Notiz II libro di Sidrach, 
aus dem Buonarroti, her. v. E. Narducci 1872), des Dialogs zwischen 
Salomo u. Marcolf oder Saturn (her. v. Kemble) u. dgl. — Die Schwän¬ 
gerung der Mutter durch ein sperma im Wasser erinnert an Adrika im 
Mahabharata (Gubematis, Zoolog. Mythölogy H, 182, 331). 


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Ysopet hebräisch. 


355 


Nach dieser Ausgabe scheint die ganze Sammlung in einer 
freien jüdisch-deutschen Bearbeitung herausgegeben in No- 
widwor 1784 in kl. 8. unpaginirt, wo z. B. das ganze Vor¬ 
wort weggelassen ist, welches für die Quelle von grösster 
Wichtigkeit sich erweisen wird. Hier fehlt ausser n. 11 noch 
15; n. 10 wird an 9, n. 17, 18 an 16 angeschlossen, mit der 
Formel: „Noch ein Maschal“. Willkührliche Substitutionen 
s. unten zu 3, 9, 14, 16. 

Von den ungezählten 20 Fabeln der Ed. pr. hat A. Alsop 
(Fabulartim Aesopicarum deledus , 8. Oxonii 1698, S. 90—98) 
aus eifern nicht näher angegebenen Druckwerke der Bodleiana 
(ohne Zweifel aus der erwähnten Ausg. Const., welche im 
allgemeinen Catal. libr. impressor., H, 801b ed. Bandine], mit 
dem ungenauen Jahr 1577 verzeichnet ist) in umstellter Ord¬ 
nung (s. weiter unten) mit lateinischer metrischer Bearbeitung 
abgedruckt, an der Spitze einen Titel p (s. weiter unten) 

aus dem Vorworte, auch sämmtliche Ueberschriften aus dem 
Anfang genommen oder dem Inhalte fingirt, die Moral (nb*m 
„Nutzen“ im Texte) stets weggelassen, in seiner Uebersetzung 
manchmal mit Cursivlettem an den Anfang gesteht. In der 
Vorrede liest man: Qui cos transtulit (!) ibidem dicitur Jcso- 
pito, quod ficttmve (!) fuerit an verum nomen ncscio; scient 
forte Juda ei cum illorum venerit Messias, So lange zu warten 
war aber nicht nöthig, da schon Jo. Christ. Wolf (Bibi. hebr. 
I, p. 135, vgl. Jeschurun, her. v. J. Kobak VIII, 70) in dem 
vermeintlichen Uebersetzer Jesopito den Aesop erkannte. Das 
Vorwort (s. weiter unten) lässt darüber keinen Zweifel zu. Ob 
nach Wolf (1715) noch Jemand das Büchelchen selbst beachtet 
habe, ist mir unbekannt, ebenso wenig, ob die von Planta- 
vitius und Meelführer (bei Wolf Bd. I und III) erwähnten 
hebräischen Handschriften aesopischer Fabeln mit den unseren 
in irgend einem Zusammenhänge stehen*). 

In neuerer Zeit erwähnte diese Fabeln meines Wissens 
zuerst Dukes, in einer Uebersicht hebräischer Fabeln (Israelit. 


*) Cod. Ghirondi-Schönblum 60 enthält Fabeln in italienischer Prosa 
mit gereimter Moral (und eine dreifache hebräische Bearbeitung), über 
welche ich mir eine spätere Mittheilung Vorbehalte. 


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356 


M. Steinschneider. 


Annalen, her. v. Jost, Frankfurt a. M. 1839, I S. 244). Ueber- 
setzer und Zeitalter, bemerkt er, sind unbekannt, und schwer 
anzugeben, ebenso ob die Fabeln aus griechischer (!) oder 
einer anderen Sprache übersetzt seien. Den hebräischen Ueber- 
setzer hält er für einen Spanier oder Italiener, wegen 
(8), welches das italienische gru (!), und für das hebr. 

Yiöp (15, lies 16), welches spanisch tortuga , auch bei Kimchi 
dafür angegeben sei*). In meinem Artikel Jüdische Literatur 
in Ersch u. Gruber’s Encykl. Bd. 27, S. 433, § 20, Anm. 35 
(engl. Jetvish Literature p. 175, 349 — wo Annal. S. 204t 
Druckfehler für 244) beschränkte ich mich auf die Bemerkung, 
dass diese Fabeln nicht aus dem Arabischen übersetzt scheinen. 

Roth (die aesopische Fabel in Asien, Philologus VIII, 
1853, S. 133, 138, 140) kennt nur Landsberger’s Citate in 
Fab. aliquot etc. und die zehn Fabeln Alsop’s. Den Namen 
„Ysopti“ (sic) erklärt er aus Ysopet der Franzosen im XIII., 
XIV. Jahrhundert und vermuthet eine lateinische oder fran¬ 
zösische Quelle. 

Bei Edelestand Du Meril (Poesies inedites etc. 1854, p. 29, 
nachdem von Berachja die Rede gewesen) liest man: „ Un autre 
. rabbin, qui ecrivait cn France de 1210 ä 1220 (!), composa 
egalement un recudl de fahles , public , au moins en partie , saus 
le titre de Hidoth Aisöpiti et de Gan idounim; mais il ne 
s 9 y trouve non plus rien d 9 essentiellement hebräique dont Vhistoire 
de la fable ait a tenir compte etc .“**). Ein Beweis für Vater- 

*) Wörterb. S. 330 ed. Lebrecht, welcher zuerst proven$. tortuga, 
tartugue heranbringt; in der That lebte die Familie Kimchi in der Pro¬ 
vence, und zwar David noch 1236 (s. Hebr. Bibi. XIII, 112); ob auch 
das vemaculäre Wort, wie das arabische (das aber einen Yogel bedeutet, 
— chouette hat auch Salomo Isaki für das hebr. Kippod , Jes. 34,11) im 
Namen des Vaters Josef mitgetheilt sei, ist zweifelhaft. Da Kippod 
gewöhnlich Igel bedeutet (vgl. Lewysohn, Zoologie des Talmud S. 100, 
306), so hat der Fabelübersetzer die auffallende Anwendung wohl aus 
Kimchi; zugleich ergiebt sich, dass die Worterklärungen in der Landes¬ 
sprache ihm selbst angehören. 

**) Was weiter Isak Sahula (der 12 81 schrieb, wahrscheinlich in 
Guadalaxara, s. Catal. Bodl. S. 1150) angeht, so ist sein Werk, das mehr 
in die Erzählungsliteratur gehört, schon kurz charakterisirt in meinem 
„Manna“, Berlin 1847, S. 113, wo die gezwungene Allegorisation der 
Fabeln hervorgehoben ist; vgl. Dunlop-Liebrecht S. 485, A. 271. 


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Ysopet hebräisch. 


357 


land und Zeit ist nicht geführt, noch eine Autorität dafür 
angegeben. Der zweite Titel (übersetzt: Jourdain de delices ) 
ist der von Alsop aus dem Vorwort fingirte; auch Du Meril 
kennt, nach eigenem Geständniss, nur die zehn von Alsop 
mitgetheilten Fabeln, wovon neun im Phädrus Vorkommen; 
über die letzte s. weiter unten. 

Landsberger, in der erwähnten Abhandl. (Achawa II, 
127), führt gelegentlich auch unsere Fabeln auf Marie de 
France zurück. „Isopeti“ sei Ysopet mit „hebraisirter“ En¬ 
dung; — was das bedeuten soll, weiss ich nicht recht, der 
hebr. Endvocal i bedeutet „mein", oder bildet Adjectiva rela- 
tionis, also etwa „aesopisch“; dann müsste es aber dem Sub¬ 
stantiv entsprechend fern. plur. also isopitijjot heissen, und zu 
einer solchen, dem Genius der Sprache widerstrebenden Ver¬ 
wandlung war durchaus keine Veranlassung gegeben. Ueber- 
haupt hat diese, nur im Epigraph des Druckers vorkommende 
Namensform keine Autorität, und im Buche selbst erscheint 
der Endvocal o, wie oben bemerkt worden, jedenfalls als 
romanische Endung, die dem Uebersetzer, aber auch einem 
Abschreiber oder dem Drucker Ibn Naamias (Spanier) an¬ 
gehören kann. Dass der Uebersetzer ein Proven 9 ale oder 
wahrscheinlicher ein Spanier sei, wollte Landsberger anderswo 
nachweisen, wahrscheinlich in der beabsichtigten, bis jetzt 
nicht gelieferten, vollständigen Uebersetzung Berachja's. Er 
kennt, wie bereits bemerkt, nur den Ysopet der Marie. Auch 
ich bin erst kürzlich auf die von Robert (Fahles inedites) her- 
ausgegebenen beiden Ysopet gerathen, deren Zeitalter mei¬ 
nes Wissens noch nicht genau festgesellt ist*), und 
finde nunmehr eine vorwiegende Uebereinstimmung zwischen 
unseren hebräischen Fabeln und dem Ysopet I. Nebenbei 
scheint sich aus der Vergleichung anderer Quellen zu ergeben, 
dass etwa soweit als das hebräische Fragment reicht (Phädrus 
Buch I), alle aus dem Romulus fliessenden Bearbei- 


*) Die älteste H.-S. des wahrscheinlich älteren Ysopet I, der nach 
Galfred und Avianus („Yb. Avionnet“ bei Robert) arbeitete — ist vom 
Jahre 1333; s. Robert p. CLXIV, Oesterley, Romulus S. XXYI. Vgl. 
unten zu n. 8 u. 14. 


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358 


M. Steinschneider. 


tun gen weniger Abweichungen in der Reihenfolge bieten, als 
in den späteren Theilen. Es fragt sich, ob dieser Umstand 
zu weiteren Aufschlüssen über die specielle Geschichte des 
Romulus führe, welche Oesterley durch den Göttinger Codex 
glücklich gefördert hat (vgl. Jahrb. XU, 381)*). Ich gebe 
hier zunächst eine vergleichende Tabelle aus folgenden Samm¬ 
lungen, mit der Abbreviatur, deren ich mich in der sich an¬ 
schliessenden Erörterung von Einzelnheiten und in einer 
späteren Notiz über Berechja bediene: 

1. m Ch. Chidot, die hebräische Sammlung; das in Paren¬ 
these gesetzte A bedeutet die Nummer bei Alsop. 

2. Y. YsopetI mit Nummer nebst Band- und Seiten¬ 
zahl bei Robert {Fahles inedites etc. 1825) zur bequemeren 
Aufsuchung, da sie dort grösstentheils als Parallelen zu La¬ 
fontaine gedruckt sind; zur Controle etwaiger Druckfehler 
dient die Tabelle bei Robert II, 585. 

3. Fs. Ysopet II; wo keine Seitenzahl angegeben ist, 
steht die Fabel hinter Y. 

4. R. Romulus, nach ed. Oesterley (1870)**). 

5. G. Galfred, so bezeichne ich den, verschiedenartig 
(Garicius etc. Hildebert, Ugobard de Salmone, Waltherus, 
Salo, Serlo)***) genannten Verfasser der nach Romulus bear¬ 
beiteten elegischen lateinischen Distichen, früher gewöhnlich 
als anonymus Neveleti bezeichnet, — ich benütze die Ausgabe 
Argentorati 1810 hinter Phädrus, p. 123—62 ****). Die in Par- 


*) Zu Jahrb. XII, 379, R. II, 11, bemerke ich, dass Ber. 22 geradezu 
die UeberBchrift: die Schlange und der Reiche hat. In Gesta Roman . 
141 wird Zedechias durch Turniere und hastiludia arm. 

**) In Oesterley’s Tabelle S. XXXI ff. ist unter n. 51 Marie 53 
zu streichen, welches unter n. 121 richtig angegeben ist; ebenso unter 
n. 79 Marie 74; — n. 113 lies Rom. 31, n. 132 Rom. 39. — Im Rom. 
vermisse ich Marie 60: Fuchs ( GourpiT) und Bärin, was Oest. S. XXXV 
übersieht. 

***) S. die Citate bei Roth, Philol. I, 526; Du Meril p. 162; 
Oesterley, Rom. S. XXIV; Schwabe S. XCIX ed. 1810. — Er existirte 
schon Mitte XII. Jahrh., s. Roth S. 527; vgl. Robert I S. LXXXVI. 

****) Das VerhältniBs zwischen Oesterley’s Romulus und Galfred ist 
in folgendem kurzen Schlüssel zu übersehen. R. 13 G. 14; R. II, 8 


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Ysopet hebräisch. 


359 


enthese danebengesetzte Ziffer mit Gg. bezeichnet die italie¬ 
nische Uebersetzung, herausgegeben yon Ghivizzani unter 
dem Titel Volgarizzamento delle favole di Galfredo dette di 
Esopo (Bologna 1866, Bd. II, vgl. Bd. I p. LXIII, CXIV, 
Du Meril, Po6s. in&L p. 162); wobei zu beachten ist, dass die 
von Ghivizzani benutzten H.-S. in der Anordnung abweichen, 
z. B. 4 u. 5. 

6. PÄ. Phädrus. 

7. P. Berachja — nach der Ed. pr. 1557. 

8. M. Marie de France, Poesies ed. Roquefort 1820, T. II. 

9. N. Neckam, Novus Aesopus, in Ed. Du Meril, Poesies 
ined. p. 169 ff. 

Die Ueberschriften — deren Abweichung freilich oft 
die Auffindung*) von Parallelen erschwert, aber auch nicht 
ohne kritischen Werth ist — gebe ich mit möglichstem An¬ 
schluss an den Anfang von Ch. aus der eben erwähnten 
Rücksicht. 


G. 13; R. 14 G. 1Ö u. 8. w. R. 19 G. 20. — R. II. 1 G. 21 u. s. w. 

R. II, 21 G. 41. — R. III, 1 (Androclus) fehlt in G.; R. III, 2 G. 42 

u. s. w. III, 8 fehlt in G., R. 9 G. 48 u. s. w. R. 19 G. 58 (vgl. Oeet. 

S. XXY). — G. 59 Judaeu8 et pincerna (Gg. p. 142; Y. 58, Rob. II, 482; 

vgl. Du Meril 1. c. 164) ist eine Nachahmung der Kraniche des Ibicus, 
wovon eine arabische und hebräische Version nachgewiesen ist Jahrb. 
XII, 356. — G. 60 de cive et milite. 

*) Der spanische „ Ysopete “ (nach Roth, Phüol. I, 526, eine Ueber- 
setzung des Galfred) Burgos 1496 (vgl. Benfey, Orient u. Occident I, 167; 
Tüknor, deutsch von Julius, I, 71, bei Amador de los Rios, Hist. crit. 
IV, 162) ist mir leider unzugänglich. Moralische Parabeln nach Art 
des Aesop im Escur. citirt Rodriguez de Castro I, 171, wie ich früher 
richtig angegeben (vgl. Kobak’s Jeschurun VIII, 69, 71), aber nicht in 
spanischer Sprache, wie man aus der Angabe mit „rabbinischen Lettern“ 
bei Du Meril p. 153 A. 2 annehmen möchte. 


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360 


M. Steinschneider* 



Ch 

Y 

Ys 

R 

G 

Ph 

J? 

M 

N 

Hahn (u. Perle) 

l(A.l) 

1, I 82 

0 

1 

1 

IH,12 

4 

I 1 

! ° 

Wolf u. Lamm 

2 

2, I 58 

10 

2 

2 

1 

3 

2 

io 

Maus, Frosch etc. 

8 (A. 6) 

3, I 259 

6 

3 

3 

0 

2 

3 

6 

(Hund u. Schaf) 

4(A.8) 

4, II 449 

14 

(p.525) 

4 

4 (Gg- 5)^ 

17 | 

7 

4 

15 

(Hund u. Fleisch) 

5 

6(Av.)II50 

11 

5 

5 (Gg. 4) 

4 

5; 

5 

13 

Ziege, Kalb, Löwe etc. 

6(A.10) 

6, I 34 

9 

6 

6 

5 

12 

11, 12 

9 

Wittwe (u. Dieb) 

7 

7, II 28 

16 

7 

7 

6 

76 

6 

7 

Wolf u, Kranich 

8 

8, I 195 

1 

8 

8 

8 

8 

7 

1 

Hündin (bei anderer) 

9 (A. 2) 

9, I 116 

27 

9 

9 

19 

9 

8 

28 

Schlange u. Mann 

10 

10, II 23 

0 

10 

10 

IV, 19 

0 

o*) 

0 

Esel u. Wildschwein 

11 (A.4) 

11, 11 148 

0 j 

11 

11 

29 

0 

76 

0 

Haus- u. Feldmaus 

12 

12, I 53 

0 

12 

12 

0 

10 1 

9 

0 

Löwe u. Wolf 

13(A. 9); 

0 

0 

IH, 20 

0 (Gg. 73) 

IV, 13 

0' 

37 

0 

Hegemon, Hund u. Esel 

14 

17, I 134 

4 

16 

17 (Gg. 20)1 

0 


16 

5 

Adler u. Fuchs 

15 (A. 7) 

13, II 451 

22 

II, 8 

13 (Gg. 63) 

28 

lli 

10 

0 

Adler u. Schildkröte 

16(A. 5) 

14, II 453 

0 

13 

14 

II, 6 


13 

0 

Rabe u. Fuchs 

17 

15, I 9 

26 

14 

15 

13 

,13 

14(51) 

27 

Löwe (im Alter) 

18(A. 3) 

16, I 208 

0 

15 

16(Gg.l9) 

II, 8 

1 

15 

0 

Löwe u. Maus 

19 

18, I 131 

38 

17 

18(Gg.21) 

0 

15 

17 

41 

Weihe (?) u. Mutter 

20 

24, II 459 

! 

0 

i 

18 

19 (Gg-18) 

0 

°, 

i 

87 

0 


Es folgt zunächst eine vollständige wörtliche Uebersetzung 
des Vorworts, welches in seiner Kürze G. selbst am nächsten 
steht, auch Y. entspricht, während Gg. gelehrte Citate anbringt. 

„Es spricht Jcsopito der Verfasser (‘■nriEM): 

Dieses Buch ist ein Garten der Lieblichkeiten**), und in 
ihm sind Blüthen (Blumen) und Früchte. Die Blüthen ge¬ 
währen einen Glanz, lieblich von Ansehen, eine Lust für die 
Augen: die Frucht ist gut zur Speise und angemessen als 
Heilmittel. [Von letzterem Nichts bei G. Gg. u. Y.] Gefällt 

*) Bei Legrand XV, 193, fehlt bei Roquefort. 

**) Gan Iddunim ist eine Anspielung auf Gan Eden, Paradies, wie 
auch die folgenden Phrasen aus Genesis 2, 9 entnommen sind. An einen 
Buchtitel ist hier so wenig zu denken, als bei G/s: hortulus iste parit 
fructum cum flore, bei Y. d'un petit jardin .. Et fleur et fruit , also erst 
Blüthe, wie bei Ch., auch bei Gg. belli fiori e frutti. 


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Ysopet hebräisch. 


361 


deinen Äugen die Frucht besser als die Blüthe, so nimm die 
Frucht. Gefällt deinen Augen die Blüthe besser als die Frucht, 
so nimm die Blüthe. Gefallen deinen Augen beide, so strecke 
deine Hände aus, fasse Dieses und lasse deine Hand auch von 
Jenem nicht [Exod. 4,4 verbunden mit Kohelet 7,18], denn 
besser sind die zwei als der eine [Kohelet 4,9 — soweit ed. 
Zolk.]. 0 Herr! erleuchte meine dunkeln Worte in den Augen 
aller sie Sehenden; und sind auch meine Worte gering, so 
sind sie doch kostbarer als Perlen [Prov. 3,15], wie gefunden 
wird in der Schale eine Frucht gut zur Speise, so wird ge¬ 
funden in meinen Gleichnissen gute Sitte und vorzügliche An¬ 
leitung.“ 

Man sieht schon an diesem Beispiele, wie der Hebräer 
nicht bloss in gewohnter Weise in die Bibel als seinen 
Sprachschatz übergreift, sondern auch sachlich Bibelsprüche 
substituirt oder einflicht. Dazu bietet ihm die Moralisation 
noch mehr Gelegenheit, und seine directen Citate aus Bibel 
und Talmud liefern einerseits frappante Parallelen, anderseits 
verdunkeln sie die Criterien zur deutlichen Erkenntniss der 
Quelle. 

Sollte eine vollständige Uebersetzung der sämmt- 
lichen Fabeln wünschenswerth erscheinen, so bin ich bereit, 
eine solche zu liefern; vorläufig beschränke ich mich auf einige 
kurze Bemerkungen ohne Mittheilung des Wortlautes der ver¬ 
glichenen Bearbeitungen, wo dieselbe nicht unerlässlich erschien. 

1. (vgl. de Gubematis, Zoobg. Mythology 1872, II, 291). 
Eine Beziehung auf die Fabeln selbst — wie man nach der 
Yoranstellung dieser Fabel vermuthen möchte (vgl. Rom. V, 
6 bei Oesterl. S. 38 Anm.), findet sich auch hier nicht. — 
Die Perle gleicht den verständigen Dingen. 

2. Das Lamm sagt: „Ich bin ja erst seit kurzer Zeit ge¬ 
boren.“ Schluss: Die Wölfe finden sich in jeder Stadt, in 
jeder Provinz, zu jeder Zeit; wie G. Gg., nicht Y. u. s. w. 

3. Der Yogel !“p2T* (s. n. 4), — jüd. deutsch: Adler, für 

Frosch: Heuschreck! Der Frosch ist laut (lies und 

geschwätzig, wie loquax bei G. Die Maus begiebt sich auf 
eine Geschäftsreise von Stadt zu Stadt (ist das ein jüdischer 
Zusatz?); bei Gg. andando in suo viaggw. Furcht und Schrecken 


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362 


• M. Steinschkeideb. 


geben Kraft und Festigkeit, „wie bekannt ist demjenigen, der 
sieb mit Naturwissenschaft beschäftigt" (der Uebersetzer 

— wenn es nicht Glosse — war also ein Gelehrter). Moral: 
„Wer einen Stein wälzt u. s. w " (Prov. 26, 27); Y. 260: La 
pierre refiert y celui gui ferir li cst abeli — „dennoch wehe dem 
BQsewicht, wehe seinem Nachbar!" (Talmud). 

4. Der Hund bringt als Zeugen seine Diebsgenossen ölD 
('Ossifraga ?) und TDt* (s. 3) — beide Levit. 11, 13 genannt 

— vor den Wolf, welcher der Richter ist. Etwa eine 
falsche Auffassung von G. „ Pro cane stat milvus, stat vultur , 
stat lupus: instant " etc.? bei Gg. und Y. steht der Wolf in 
der Mitte der 3 Zeugen, M.: li Ecufles e li Leus . 

5. Fleisch, bei Y. als autres dient; alle andern haben Käse. 
Der Hund steht auf der Brücke, auch bei M. (vgl. Guber- 
natis 1. c. I, 137, II, 22), und bleibt „kahl hier und dort", 
talmudische Phrase in dem Gleichniss vom jungen und alten 
Weibe (vgl. das Citat bei Landsberger, Fabeln S. XLHI, 183; 
Hebr. Bibliogr. XÜI, 10, 106). 

7. Wittwe — worin ich eine Analogie zur Matrone von 
Ephesus zu finden geglaubt (Hebr. Bibliogr. XIII, 81, s. Be¬ 
richtigung S. YI) stimmt besser mit Ys. als Y. besonders in 
der Moral: „wie sie sagen: Erbarmen mit den Bösewichtem 
ist Grausamkeit gegen die Frommen;" die Gegenseite bei einem 
Autor des XIH. Jahrhund. s. Kobalts Jeschunm, hebr. VIII, 13. 
R. beginnt vicini erant fures frequentdbant nuptias; sollte hier 
nicht ein Fehler stecken? M. und B. haben nur die ältere 
Fabel von der Sonne; vgl. Ghivizzani I S. 4 XXI, H S. 20. 

8. TD* Agur für Kranich — auch bei B. — nach der 
Erklärung Saadias, während Andere es durch Schwalbe oder 
Elster ( gaza bei Kimchi) erklären (vgl. Lewysohn, Zool. S. 169); 
das hinzugefügte ifiTTD ist jedenfalls verstümmelt,, also die 
Sprache nicht zu bestimmen, am wenigsten mit Dukes (s. oben) 
an das italien. gm zu denken; Gg. hat Agrua; am ehesten 
grue bei Y. Der Knochen ist nur bei Ys. d’une chievre . Den 
Arzt soll der Hase holen, bei Ys. schlägt der Fuchs den 
Kranich vor, bei M. B. N. sind es alle Thiere. Für die Zeit 
des Y. ist vielleicht zu verwerthen: de Montpellier estoit 
venue Madame Hauteve la grue gui de phisique avait licence } 


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Ysopet hebräisch. 


363 


was eine Berühmtheit der dortigen medizinischen Schule vor¬ 
aussetzt. In Rom. Par. 21 bei Robert II, 560 kommt der 
Fuchs aus Salerno; obwohl schon der Namen „Ysengrin" er¬ 
scheint (vgl. Oesterley S. XXX). — Der Kranich verlangt 100 
, Geldstücke (Susini). Die Moral giebt einen chaldäischen Spruch: 
„Gutes thue nicht dem Bösen u. s. w." der aus Sirach 12,4 
stammend als n. 9 in Pseudo-Sira Alphab. II vorkommt, aber 
schon im Midrasch (und daraus in Ose Pele III, 25) zur Ge¬ 
schichte vom erweckten Löwen angeführt wird (also besser zu 
n. 10 passte); s. Zunz, gottesd. Vorträge S. 102, Lands¬ 
berger, Fdbulae aliquot p. 11 (wo das griech. „oötw kcikoI 
ttoioöci euepTCTac" angeführt wird), Fabeln des Sophos LXV, 
Tendlau, FellmeieFs Abende S. 76; D. Morg. Zeitschr. XXVII, 
561, 563; ferner folgt Prov. 13, 20. — Die Fabel wird an¬ 
geblich von Josua b. Chananja, dem „Scholasticus" erzählt 
(der mit Hadrian zusammengebracht wird,— wie Secundus, 
vgl. Jahrb. Xn, 366, mein Libro di Sidrach p. 6 — s. die 
Citate in meinem Jew . Lit. 315 und Hebr. Bibliogr. 1861 S. 18; 
vgl. noch 2. Abhandl. von Opitius, Kiel 1722—3, Catal. libr. 
impr. Bodl. II, 898b; M. J. Landau, Geist d. hebr. Spr. 65; 
Grätz, Gesch. d. Juden IV, 155; Zeitschr. Ben Chananja 1862 
S. 68; Perles, etymol. Stud. 121) — in Genesis Rabba K. 64 
Ende (bei Dukes, Annal. 1. c., Landsb. Fab. d. Sophos XXX); 
dort ist der Kranke der Löwe, der Arzt ein aegyptischer 
fcmp, nach Landsb. Ibis u. s. w.; Lewysohn, Zool. 375 sub- 
stituirt den Raben. 

9. Im Jüd. Deutsch ist das schwangere Thier eine Ziege 
(a'ntt)? Der Hebräer ergeht sich wieder in biblischen Redens¬ 
arten: „Zwillinge in ihrem Leibe" u. s. w. — Die Hündin bittet 
in zärtlichen Ausdrücken des Hohl.; zuletzt ein mir unbekannter 
Spruch: „Wie man zum Bösewicht sagt: Gieb ihm [ed. Zolk, 
wie die Leute sagen: Gieb dem B.] von dem Deinigen und 
lass ihn ziehen." 

10. vgl. Benfey, Pantsch. I, 117; Oesterley, Gesta 471 zu 
174; Landsb. Sophos XXIX; bei Tendlau, Fellm. Ab. 277 
(Salomo!). Der Mann wärmt die Schlange mit einem Kleide; 
zuletzt: „endlich ward er seiner (Schlange ist masc., Ed. Zolk 
setzt fern.) mächtig, und warf ihn aus seinem Hause", wie 


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364 


M. Steinschneider. 


Gg. Io vülano lo caecid via . Moral: Gift für Honig, G. pro melle 
vmenum . 

11. Der Eber wetzt die Zähne und „schleift die Augen“. 
— „Meine erhabenen Zähne verachten dein gemeines, schlechtes 
Fleisch“, R. ne de vano sanguine dentes meos coinquinem; G. u. 
Gg. vilem dens nobilis escam Spemit. Moral kurz, wie G. u. Y. 
Z. 1—6. — Ygl. auch unten zu 13. 

12. Die Feldmaus hat Körner (D^iant), Bohnen (Gg. fave 
ed altre granella) und Linsen, die Stadtmaus Feigen und 
Pistacien. Jene fiebert, wie bei G., Gg. u. Y. und beginnt 
mit Prov. 17,1. Das Ende ist in Ed. Zolk defect. 

13. Roquefort zu Marie 185 citirt: Sanbader, Fablet 
hebr. fab. IX, ebenso Sanbader fab. 4 p. 300 zu n. 70: Floh 
und Kameel (B. 73, Rom. App. 13, vgl. Fliege und Stier bei 
B. 90 und über die Verwechslung Roth, Philol. I, 541) an¬ 
statt zu n. 76 (oben 11). Wie Alsop zum Namen Sanbader 
(etwa für Sendabar?!) kam, weiss ich nicht. Robert ü, 148: 
Ratte und Elephant, citirt Marie 70 und bringt Y. 11 als 
Parallele. Du Meril, Poes. 29 A.: falsch: la demiere, le loup 
et le renard (Ueberschriffc Alsop's n. 9), bei Phädrus IV, 13 
Leo regnans nur der Anfang, und der Löwe selbst thut Busse, 
wie bei R. und Cod. Palat. bei Ghivizzani II, 186. Wegen 
des üblen Geruchs erinnert Oesterley, Rom. 77 an Frido¬ 
lin (Gesta Rom. 449 n. 283); schon in Exod. 5,21 heisst den 
„Geruch stinkend machen“ (für stinkend erklären?) so viel als 
verleumden. — In Ch. wird der Wolf nach acht Tagen krank, 
und so viel vergeht stets nach dem Verzehren von Hirsch 
und Lamm; der Fuchs will von der Kälte selbst übel riechen 
und entrinnt. R. nennt nur den Affen, der zuletzt verzehrt 
wird; Gg. hat Cavriuolo 7 Fuchs und Affen, M. dagegen Chevroil y 
une autre Beste und Affen; Rom. Par. bei Robert II, 561: 
capreola , damula , Affe. 

14. „Hegemon“ bedeutet in neuhebräischen Schriften ge¬ 
wöhnlich einen hohen Geistlichen; jüd. deutsch „Herr“ (ob 
aus Censurrücksichten??). Y. 236 (A. 6) heisst der Esel 
Messires Bemart Varcheprestre ; vgl. Du Meril p. 128. — Eine 
kleine Hündin, welche man [vemaculär] atr:n:a nennt; jeden¬ 
falls corrumpirt; am nächsten liegt chiennette (chiennct bei Y. 


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Ysopet hebräisch. 


365 


u. M.); R. CateUus, 6. Catulus, 6g. Cagniuölo. Dieselbe steigt 
zum Munde und an den Hals des Herrn. — Moral Prov. 26,1 
und: „was nicht in der Natur des Menschen ist"; G. quod 
natura negat; Gg. Vuomo che vuol fare quello che la sua natura 
nolli da. 

15. s. Oesterley, Rom. XXV, — sehr kurz; Baum für 
Nest. — Moral auch aus Talmud, wie in n. 16! 

16. zu tortuga s. oben S. 22 Anm. *; jüd. deutsch ein 
Vogel! R. u. G. testudo; Gg. testuggine (s. d. Var. bei Ghiv. 
S. 36); M. Welke — vgl. den Wettstreit der Schildkröte mit 
dem Adler bei Du Meril p. 263, 269, 273 und Gubematis 
1. c. H, 197, 369. — Nuj Y. hat limas und so B. önn, 
welches Isaki (Chagiga 11, bei Lewysohn, Zool. 279) durch 
limace erklärt. Der begegnende (n^5, lies nms) Vogel heisst 
fcO'vip, cornix bei R. u. G.; Cornicce Gg.; Comille Y.; Corneille 
M., dafür Rabe bei B. Der Adler befolgt den Rath, und die 
Moral ist, dass auch der Kleine dem Grossen rathen 
könne!! G. sagt nicht ausdrücklich, dass die Krähe die 
Schildkröte verzehre, hatte etwa der Hebräer die Fabel ohne 
Moral vor sich?? 

17. vgl. Gubematis II, 251. Robert 1,5 citirt noch 
Marie 94?! Bei Du Meril 198 fehlt Romulus u. s. w. — Den 
Vergleich mit dem Schwan (G. u. Gg.) hat auch Ch. nicht; 
eben so wenig: wie der Vater singen (Y. u. M. 51: Hahn). 
Moral (in Ed. Zolk fehlen vier Wörter): bringt giftiges Lachen; 
nur G. fellitum patitur rismi quem thellit inanis gloria. 
Dann noch Prov. 27,14 und eine sinnige Anwendung des 
Verbots (Exod. 20,26) auf Stufen zum Altar zu steigen und 
dadurch Blossen zu geben. 

18. Löwe, Eber, Ochs, Esel, sehr kurz; anf. der Löwe in 
Jugend und Kraft schadete u. s. w., nur Y. qui force et 
nöblesse Ot jadis. — Moral: Man soll nicht schaden, denn 
man weiss nicht, was der Tag gebiert (Prov. 27,1). 

19. Der Löwe „nachdem er seinen Wanst gefüllt". Die 
Betrachtung desselben, bei Y. sogar in der 1. Person aus¬ 
gedrückt, wird hier (auch B. u. N.) der Maus in den Mund 
gelegt. Löwe antwortet: „Was kannst du mir nützen?" wie 
Gg.u. Ys: Ja ne me serviras; G.: Haec tarnen ernte movet animo: 


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366 


M. Steinschneider. 


Quid ... emes . Die Jäger auch in Gg. u. Y. genannt. Jemehr 
der L. sich anstrengt, frei zu werden, desto mehr befestigt er 
seine Gefangenschaft in der Schlinge, wie Y s. Er wundert sich, 
dass die Zähne der kleinen Maus vermochten — bei G. pru- 
dentia, Gg. ingegno. — Moral: Wenn sie nicht schaden können, 
so können sie nützen; kürzer G. u. Gg., mehr in Y. 

20. OIB (s. zu n. 4) „der Dieb, der Räuber, der Zerreisser"; 
R. u. G. milvus; Gg. Nibbio; Köpa£ bei Furia 87 (Ghiv. S. 41); 
Ecouffle Y. u. M. — Moral: Busse hilft nicht in Alter und 
Krankheit, wie in Jugend und Gesundheit. Ob die Verweisung 
auf Maimonides Bussregeln ein Zusatz sei, da sonst der¬ 
artige Citate nicht Vorkommen, lasse ich dahingestellt. Dass 
man Anderen nicht thue u. s. w. ist bei Gg. herbeigezogen. 


Ist das Resultat obiger Vergleichung kein befriedigen¬ 
des, so liegt darin vielleicht gerade der Werth derselben, in¬ 
sofern man auf eine noch unbekannte Quelle geführt 
wird. Das Vorwort stammt ohne Zweifel aus Galfred, aber 
vielleicht aus einer prosaischen Bearbeitung, da die Hebräer 
eine Anregung wenigstens zur Reimprosa nicht leicht spurlos 
vorübergehen lassen. Die Reihenfolge und der Name Isopet 
stimmen noch am besten mit Y., aber letzterer ist sicherlich 
nicht ausschliessliche Quelle, und dass der Hebräer meh¬ 
rere Bearbeitungen zugleich benutzt habe, ist nicht wahrschein¬ 
lich. Ueber die Zeit haben wir nur einen weiten Spielraum 
innerhalb des XIV.—XV. Jahrhunderts. Für das Vaterland 
sind sichere Kriterien nicht vorhanden; als Wiege hebräischer 
Uebersetzungen bietet sich die Provence dar. Ist aber das 
Original ein französisches, so gewinnt das kleine Schrift- 
chen ein allgemeines Interesse, wie wir schliesslich kurz an¬ 
deuten wollen. 

Unter den romanischen Sprachen ist das Französische in 
der jüdischen Literatur verhältnissmässig sehr unbedeutend 
vertreten, was freilich die grosse Vertreibung der Juden im 
J. 1306 erklärlich macht. Aus älterer Zeit sind nur einzelne 
Worterklärungen und Glossare (seit XI. Jahrhundert) bekannt 
und kürzlich in der Pariser „Romania" und in Böhmens Stu- 


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Ysopet hebräisch. 


367 


dien (vgl. Hebr. Bibliogr. XIII, 77, 102) für die Sprach¬ 
geschichte interessant befunden worden. Das bekannte, im 
J. 1245 verfasste Image du monde (Hist. lit. de la France XXIII, 
1856, S. 296) hat auch eine, in zwei Recensionen erhaltene 
hebräische und später eine jüdisch-deutsche Bearbeitung ge¬ 
funden (Nachweisungen im Catal. 1. hebr. Bodl. 1683; Hebr. 
Bibliogr. IX, 46). Von den „Fuchsfabeln" Berachja's — 
die wir vielleicht nicht vollständig besitzen (vgl. n. 107 mit 
Robert I p. CI, exbrav. 161), — ist oben die Rede gewesen. Im 
• J. 1273 übersetzte der Jude Hagins (Chajjim?) zu Mecheln, 
im Hause des Henricus Bates die astrologischen Schriften des 
Ibn Esra aus dem Hebräischen ins Französische, und zwar mit 
mehr Sachkunde, als P. Paris ihm zuerkennt (s. D. M. Zeitschr. 
XXIV, 371 A. 40). Eine Elegie über jüdische Märtyrer in 
Troyes (1288), von Jakob ben Jehuda Yolaterranus (verfasst?, 
s. Zunz, Literaturgesch. d. syr. Poesie 489) ist nach Assemani 
auch französisch (letzteres allein bei Wolf, Bibi. Hebr. II, 1419 
nach Bartolocci) — hingegen der hebräisch-französische Hymnus 
eines Mordechai im Rituale von Avignon, welchen Jellinek 
im Ldteraturbl. des Orient 1845 S. 91 mit lateinischen Lettern 
wiedergegeben, vielleicht von M. Ventura um 1765, nach Zunz, 
zur Gesch. u. Lit. 473. Eine Hymne desselben Ritus ist nach 
der Melodie von Les flies de Tarascon gedichtet (A. Asher im 
Litbl. 1844 S. 733*). — Etwa acht französische Sprüchwörter, 
die ich gelegentlich mittheilen werde, citirt der im J. 1484 
anonym gedruckte Commentar zur „Perlenauswahl" (von Gabi- 
rol?), dessen Verfasser wahrscheinlich Simson Munay (Cham¬ 
pagne) vor 1338 (Catal. 1. h. Bodl. S. 2325). — Die proven- 
5 alischen Dichter Folquet und Cardinal erwähnt rühmlich Abra¬ 
ham Bedarschi (d. h. biterrensis), gegen Ende des XHI. Jahr¬ 
hunderts, in einem Gedichte über Poesie und Poeten (Vers 124), 
welches in Amsterdam 1865 mit der Synonymik erschienen ist. — 
So mögen denn die Kenner französischer Literatur es 
nicht verachten, dem heimatlosen hebräischen Ysopet das 
Vaterland wiederzugeben, wie es den vertriebenen Juden sich 
wieder geöffnet hat. 

M. Steinschneider. 

*) Ueber andere Hymnen nach französischen Melodien ein ander mal. 
^ahrb. f. rom. u. engl. Literatur. N. F. I. 25 


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Zum Text des catalanischen Thierepos 

von Eamon Lull. 

In den Abhandlungen der k. bayerischen Akademie der 
Wissenschaften I. CI. XII. Bd. UI. Abth. hat Konrad Hofmann 
einen Abschnitt aus Ramon LulFs Libre de Maravelles in ca- 
talanischer Sprache abgedruckt. Es ist dies das VHte Buch 
aus jenem bedeutenden Werke und enthält unter der Ueber- 
schrift De besties ein förmliches Thierepos, das durch seine 
gänzliche Verschiedenheit von der deutsch-französischen Thier¬ 
sage, vornehmlich in der Art der Behandlung und den haupt¬ 
sächlich handelnden Persönlichkeiten, für den Philologen wie 
für den Literarhistoriker von dem höchsten Interesse ist. 

Ausserdem ist dieses Werk so recht geeignet ein helles Licht 
auf eine bis jetzt in der Beurtheilung Ramon Lull's noch nicht 
genügend berücksichtigte Seite seiner Wirksamkeit zu werfen, 
indem es den gelehrten Franciskanermönch als unermüdlichen 
Moralisten und Missionar kennzeichnet, der bei keiner Gelegen¬ 
heit seine didaktischen Zwecke aus dem Auge lässt und sich 
nicht scheut sogar den Thieren Worte des Evangeliums in den 
Mund zu legen, um seinen Lesern die Lehren des Christen¬ 
thums fester einzuprägen. 

Wie wichtig es bei einem Werk von solcher Bedeutung 
ist, einen möglichst correkten Text herzustellen, unterliegt wohl 
keinem Zweifel. Hofmann haben zu diesem Zweck zwei Hand¬ 
schriften zu Gebote gestanden, beide in der Münchener Hof- 
und Staatsbibliothek befindlich: die Eine, A, aus dem l4ten 
Jahrhundert; die Andere, B, aus dem 17ten, eine in den 
Sprachformen und vielen Ausdrücken modernisirte Abschrift. 
Mit Hülfe Beider ist es ihm gelungen, den trotz einiger Lücken 


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Zum Text des catalanischen Thierepos. 369 

im Granzen ziemlich correkten Text herzustellen, den er ver¬ 
öffentlicht hat 

Eine dritte bis jetzt unbeachtet gebliebene Handschrift des 
Libre de Maravelles befindet sich in der Bibliothek des Bri¬ 
tischen Museums, Add. Mss. 16428. Schon bevor ich von der 
Herausgabe des Abschnitts De les besties durch Hofmann 
wusste, hatte ich diese HS. abzuschreiben begonnen, und bin 
der Meinung, nach sorgfältiger Vergleichung dieser HS. mit 
dem von Hofmann gedruckten Text, dass auch jetzt noch eine 
Angabe der von demselben abweichenden Lesarten von Inter¬ 
esse ist Diese HS., auf Papier geschrieben, ist datirt vom 
Jahre 1386. Sie enthält 181 Folio-Blätter, von denen der 
Abschnitt De les besties 20 einnimmt, Blatt 53 bis 73. Jede 
Seite ist in zwei Columnen getheilt. Die HS., die ich mit C 
bezeichnen will, ist also etwa von demselben Alter wie die 
Münchner A und beiden liegt augenscheinlich derselbe Urtext 
zu Grunde, was aus einigen gemeinschaftlichen Lücken und 
Fehlem, z. B. I, 2*) erhellt. In einer Anzahl von Fällen je¬ 
doch hat C den vollständigen Text, wo A lückenhaft ist; 
ebenso finden sich in A eine ganze Reihe von Fehlem, deren 
meist richtige Emendirung durch Hofmann von dem Texte der 
HS. C bestätigt wird. Fehlerlos ist C freilich auch nicht: es 
fehlt nicht an Schreibfehlern und Nachlässigkeiten des Ab¬ 
schreibers; doch sind diese, im Ganzen genommen, von weniger 
Belang, als die in A sich vorfindenden. Ich werde sämmt- 
liche Fehler angeben, um eine genaue Feststellung des respec- 
tiven Werthes beider HSS. zu ermöglichen. 

Da es zu weit führen würde, sämmtliche Varianten, deren 
Zahl wegen der durchgängig verschiedenen Schreibweise man¬ 
cher Wörter ausserordentlich gross ist (durchschnittlich 3 in 
jeder Zeile des Hofmann'schen Textes), so halte ich es für 
angemessener, vorerst nur die auf den Sinn bezüglichen Ver¬ 
schiedenheiten anzugeben, und hernach die wesentlichen gram¬ 
matischen und othographischen Punkte kurz zusammenzu¬ 
stellen. 


*) Die Zahlen bezeichnen die Capitel und Paragraphen des Hof- 
mann’schen Textes. In HS. C sind keine §§ unterschieden. 

25* 


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370 


G. SoLDAN 


Noch muss ich bemerken, dass C Anmerkungen und Cor- 
rekturen von einer älteren und einer jüngeren Hand enthält. 
Corr. 1 ist jedenfalls nur um ein sehr Geringes jünger als 
der Abschreiber selbst und scheint seine Berichtigungen und 
Ergänzungen nach einem andern ihm vorliegenden Text aus¬ 
geführt zu haben. Corr. 2 dagegen corrigirt und ergänzt wie 
ein aufmerksamer Leser, der das Verständniss ihm fehlerhaft 
oder unklar erscheinender Stellen sich und Anderen erleichtern 
will. Ich gebe die Anmerkungen dieses zweiten Correktors 
nur an solchen Stellen an, wo es mir entweder durch den 
Sinn oder durch den Hofmann’schen Text geboten erscheint. 

Cap. I. De la eleccio del rey. 

1. Lo bou contrasta. — et add. vor humil. — que vor no 
do von Corr. 1 hinzugefügt.— no ha semblant (mit B). —nar¬ 
renart s ’adenenta. — enten^o del senglar C; corr. 1 verändert 
del senglar zu del bou , was richtiger ist. — et add. vor cor 
si falsa. — entencio hi hccien C; Corr. 2 harnen. — romanalles 
que romanen. — la fehlt vor noblea. — la cort es torbada. — 
et a la eleccio fo enpatxada. — 

2. Ondos y C.; Corr. 2 hdbondos. — de persona bell, umgestellt. 
— cabiscol (mit B). — Nach paraules ist C lückenhaft wie 
A und B. — han contrast. — qui menuguen cam. — 

3. De la ordemcio de sa cort. — hac fam e demana, C; 
Corr. 1. hagueren und demanaren. — fill del bou. — menjar 
abandonadanient. — en son cavall (mit A). — feu arar lo bou; 
a laurar fehlt. — 

4. Molt desira . — a fehlt vor esser sotsmes. — Nach e 
cor ergänzt Corr. 1 richtig: lo cavall . — et ama mes. — qui 
no menuga cam. — qui menuga. — del blat de la terra . . . 
levava, C; que la terra, A; vielleicht ist zu lesen: qtie de la 
terra. — que ere exit hujat de Varada; quant } das Hofm. rich¬ 
tig ergänzt, fehlt; ebenso das fehlerhafte a vor exit. — men- 
jades les ovelles. — lo li havia tret venal. — Li add. zwi¬ 
schen feyt und havia. — ploraren. — li add. zwischen mes 
und valia. — Nach mort ist in A eine durch das zwei Mal 
vorkommende perill de mort herbeigeführte Lücke; in C heisst 


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Zum Text des catalaniscben Thierepos. 371 

es nach mort: en repos et enfre sos parents 7 que en perill de 
mort ne en treball u. s. w. 

Cap. II. Del consell del rey. 

1 . Com lo leo io elegit; statt leo stand ursprünglich ein 
anderes Wort; Corr. 2 add. rey nach elegit. — mort et guerres 

— peccat de poble — et a son regnar; a falsch. — paria del rey. 

— et tot 90 que poguessen. — elhor elegit, von Hofm. rich¬ 
tig gestrichen, fehlt in C. — encompanyia. — Vor per 90 que 
no s’ergullasen fehlt das dem Sinn schadende e. — egucdar . — 
e qui vivien d'erba, fos exempli. — tots aquells. — et el hoch 
et el molto, umgestellt. — 

6 . De les gallines. — per la malavolentat. — torbar lo 
consell add. del rey. — se tanyen. — Presencia , von Hofm. 
vor del rey ergänzt, findet sich in C. — En volentat fo lo 
rey. — 

7. Grans diners al escriva. — los ardits (de 90 fehlt) que 
1 rey faria en sa guerra. — sa sembla^a. — qui viven 
d'erba. — 

Cap. HI. De la tracio que Na Renart tracta del rey. 

Aquestes paraules a Taurifany, umgestellt. — D'aqui ade- 
nant gran enemistat sera enfre les besties que menuguen carn 
et les besties que menuguen erba; cor lo rey e sos consellers 
menien carn et vosaltres no havets en son consell nenguna 
bestia etc. Die Lücke bei A durch C vollständig ergänzt. — 
Nach dem Satz: En gran consirer etc. enthält C noch: per la 
eleccio del rey et per sos companyons; die Lücke ist bei A 
durch das wiederholte sos companyons leicht erklärlich. — 
no hagues temor. — 

9. Que aquella rata caygues. — feu de una rata. — Si 
volia per marit la luna. — Et add. vor ella dix. — Que (la 
luna fehlt) no havia sa claredat. — Vos volets, umgestellt. — 
la nun. — ni volch Tome. — 

10. No l descobris. — Volenter von Corr. 2 hinzugefügt. 

— Com (ho fehlt) havia dit. — de edat. — amava lo cavaller 
sa müller . — que en continent. — que dit li hama. — a fehlt 
vor aquell feu manament. — que per null temps. — 


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372 


G. SOLDAN 


11. Una lebre doppelt geschrieben. — Trigua a anar (mit 

B) . — tro ha hora. — temia morir, ohne de, (mit A). — la quäl 
era. — bassa (mit B). — et la ombra ( d’ella e fehlt) del leo 
aparegue. — et vol menjar. — que fos Io leo. — ab sa certea 
romas com hac fet morir lo leo; nach certea von Corr. 1 theil- 
weise an Stelle des ausradirten ursprünglichen Textes. — 

12. De als barons. — la un d’aquells donzells, wieHofm. 
emendirt hat. — Pus durchgängig. — E fehlt vor lo rey 
dona — dona al rey lo poll ? umgestellt. — s ’esquiva fortment. 

— sos vestits. — donar aquell donzell, ohne Präposition — 
una sota fembra, mit A. — com eil fos rey. — 

Cap. IV. En quäl manera Na Renart fo porter del Rey. 

13. Saluda al altre. — Die aus B. ergänzte Stelle lautet 
bei C: quäl es vostra volentat? Lo bou dix a na renart. — 
fugia al home (mit A). — 

14. Molt mal consell. — e nach consell fehlt. — en vor 
inaesmable fehlt (wie B). — Nach anar fehlt estar . — 

15. Havia un bisbe. — la add. vor desonestat. — qui fera 
en aquella $iutat ; 1. fora mit A und B. — En tan gran (mit 
A). — un canonge lo falliment. — auciu et dona als lops. — 
Cosiment (mit A). — Nach consell Corr. 2 add. pusque era 
malvat en son regiment. — 

16. Es aquexa. — Molt add. vor santa vida. — pogues 
enduyr. — Et add. vor lo bon hom. — Et add. vor a la fi 
dix. — a fehlt vor vida (wie B.) — longament tro que — de 
deu amor. — per les quals lo rey. — 

17. JE fehlt vor en continent; corr. 2 add: dix ne renart. 

— com vos, senyer, add: en bou . — 

18. Nach estava fehlt pahoros e; Corr. 2 add: axipahoros. 

— li fo apres . — lo vent tnenava (mit B.) — en les branques. 
la quäl retendi . — Un simia . — bona de menjar. — sl\ leo. — 
Et add. vor en tal manera. — estava lo leo. — et lo Zeo et 
sos companyons. — No’s poch obtenir. — e lo leo. — na add. 
vor Renart. — ja veus add. tu. — que yo ( qui fehlt auch in 

C) som tan. — poderos (wie B). — 

19. un niu. — una gran serpent (pent von Corr 1). — go- 
sava. — per forqa wie Hofm. emendirt. — Esdevench se un 


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Zum Text des catalanischen Thierepos. 373 

dia. — Was nach on posaria la garlanda folgt bis zu dem 
Punkt, ist von Corr. 2 hinzugefügt. — 

20. Al leo. —Aaist, wie bei A, vor aquesta veu ausgefallen. 

— Crida fehlt nach terrible. — E fehlt vor com Na lienart. 

— Conweilers add. del rey. — 

21. Agro (mit A). — cogita art e manera wie A und B. 

— per la quäl add. art. — lo leo dix. — per la quäl. — fo 
occasio. — tro a la nit. — L'agro se plora. — planyia la mort. 

— aqxiell estany mit A und B. — pescados ohne r, wie A, durch¬ 
gängig. — Nach d'aquest estany C add. Lo cranch, com oy 
aquestes paraules, hac granpahor et dix ho alspeixs qui eren 
en aquell estany. — dix a Tagro, a falsch. — port de un a 
un tot ha un estany. — cayes. — gran fangua. — poden do- 
nar. — semblant . — L’agro estes. — ab ammedues ses mans. — 
tfes mester que t'aiuds. — lo coli de Tagro. — 

22. Nach tots los mals add: qui son. — en est mon. — 
Lo leo dix. — 

23. Trames lo demanar. — et que lo represes d'alguns vi- 
cis. — sigens st. segons (mit A). — a add. vor esquivar. — 
com viu. — Nach senyer fehlt rey. — et add. vor majorment. 

— aucis add. lo rey. — 

24. Si eil lo volia. 1 — que fehlt nach volia. — en vostres 
gents C; gets A; Hofm. schreibt richtig gests nach B gest.— 
de vostres gets statt gests. — per pechs (mit A). — eil fehlt vor 
se maravellava. — se temia (1. tenia) per mal mirent. — cor 
temor. — et add. vor faya tremolar; zu tilgen. — et espaor- 
diment. — am Schluss: en lo mon. — 

25. Senyer add. rey. — en una cija; imd so schreibt C 
das Wort so oft es vorkommt. — cascun li n promes. — et 
el corp. — et com ne voleh traher. — serpent del consell. — e 
fehlt nach bresques. — menjades de les bresques. — molt fehlt 
vor prefiosa. — de la ßla vor del rey, add. Corr. 1 . — Molt 
fehlt vor gran goig. — Retes (mit A). — qui menava (mit A). 
Die Stelle ist verderbt. Hofm. conjicirt comanava; das prae¬ 
sens comana , nach B encomana, würde dem Sinn mehr Zusagen. 

— La serp. — pogues guarir (mit B). — com lo posas, 1 . la 
mit A und B. — justigia. — demamanas 1. demanas mit A 
und B. — que eil degues aver temor (del rey fehlt) dels ho- 


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374 


G. Soldan 


mens, e eil ( 1 . el) bou dix. Die ganze bei Hofm. eingeklam- 
merte Stelle ist in C von Corr. 2 an den Rand geschrieben. 

— en enamistat. — del rey dels homens. — et per a?o paria 
a vos bo C; Corr. 1 si parria. — Nach consell add. seria bo. 

— al rey (mit B). — recomptassen. — go nach tench per bo 
add. Corr. 1. — 

26. Die bei Hofm. eingeklammerte Stelle heisst in C: 
sobre (Corr. 2 add. maestria) et maestria deya lo contrari. Lo 
rey volch saber. — la un 7 1. una, mit A und B. — amdos (mit 
B). — trametets missatges . — podets defendre. — De l’altra 
part allega Na R. — a totes passades. — lo devia conssellar. 

— se altaven (mit A). — Nach natura es dels Corr. 2 add. reys 
dels. — Vor dels pus nobles Corr. 2. add. e. — en semblanfa 
de vostra ymatge. — per 90 que n cam 7 C. Die Stelle ist 
corrupt; lies case mit A. — Se alten molt. — de cagar. — 
Lo offifi que l ca solia tenir, richtig. — 

Cap. V. Dels missatgers que lo leo trames al rey 
dels homens. 

27. Nach savis fehlt e. — be acordants. — companya. — 
de noble pringep . — trameses (mit A). — se yor deguessen 
cap tenir, von Corr. 1 . — en una ciutat. — de bordell. — et 
en presencia (mit B). — 

28. de muller. — C hat gar keine Präposition vor aquella 
folla fembra. — et sa muller dix a son marit. — 

29. Lepava (mit A). — li fehlt vor donaren. — Et add. 
vor dementre que. — Leupart senyer (mit A). — hintadors 
de la ciutat. — entraren sen en la ciutat. — Es nach Humil 
add. Corr. 1 (?). — lo vol veser hi parlar, lies ni mit A und 
B. — porters (mit B). — malvestat. — de laussengeries von 
Corr. 1. an die Stelle von Etwas anderem. — gloriosos add. Corr 
1. nach vcma 7 mit dem die Columne schliesst. — batles (mit 
A). — procuradors mit B. — y 7 das bei B steht, fehlt in C. 

— injuriosos von Corr. 2 hinzugefügt. — el conexen. — 

30. a fehlt nach trames — un cavaUer von Corr. 2 bei¬ 
geschrieben. — demana als juglars. — lo fehlt vor loaren. 

31. De fehlt vor lur senyor. — molt add. vor gran poder. 

— procura (mit B.) — en los barons del rey, 1 . et mit A 


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Zum Text des catalamschen Thierepos. 


375 


und B. — gosaven. — lur manas. — estaven plants. — E fehlt 
vor com lo rey. — parlat longament . — menjava lo rey. — 
vench steht zwischen home und pobrament. — del rey nach 
taula, add. Corr. 2. — nil desonrament. — a tots los altres 
(mit B). — Nach 90 que faya a loar, Corr. 2 add. e que blas- 
mas 90 que faya a blasmar. — lo veguer , wie A. — paraules 
nach aquestes, von Corr. 1 . — Nach respos add. dient — e add. 
vor justicia von Corr. 1. — se penit — Amdos los missatgers. 
lo rey gran pariament, umgestellt. — moltes, moltes gents. — 
Les messions. — una questa fer, weitaus besser als festa. — 
e faya questes. — no negun . — n fehlt vor seguia. — la renda. 
— noveiles 0 hagues. — et add. vor eil no deya res. — par- 
teocen se. — La una , Corr. 2. add. raho. — ha vor avol con- 
sell von Corr. 2. — no (n fehlt) ha cura. — entrar parlar 

(mit A). — logats los porters. — pus prop d’dl. — VIII 

homens. — al rey fehlt. — que tenien. — tota fehlt vor sa 
terra. — son consell provaria. — lur fayen parts. — s'en 
tornaven. — bell add. vor lop. — Amdos los missatgers. — de 
sa cort. — nulla cosa. — feu semblants . — tomarm. — s’m- 
contraren. — Aytant com los missatgers anarm . — form , wie 
A und B. — malvat regiment. — 

32. Molts pelegris qui vmim et cmavm en Jherusalem. — 

leupart hac hoytes (aus detes, von Corr. 2). — Nach conech 

fehlt lo leopart . — bestia, wie B. — eil add. vor no sia res. — 

contra lo mal (mit A.) — desemperassm . — 

33. Dels homens nach rey, von Corr. 2 . — et pres aquella. — 

34. Reeomptada lur missatgeria. — cuyda atrobar. — li 
havia feta. — Nach fo yrada Corr. 2. add. ho pagada . — de vos 
mit A und B. — cresch la yra. — Gran add. vor desplaher. — 

Cap. VI. De la batalla del leopart et de la onssa. 

35. Et vor qui 1 viu venir, zu tilgen. — estammt, wie 
A. — Vor que us estia Corr. 2. add. f 0 es. — m!auciura. — 
feu lo leo. — dampnatge de sa muller. — honrats fehlt vor 
barons. — esdir de tra 9 io. — li n combatria. — 

36. Poble de rey que Imsmyor sia apellat. — Corr. 2. add. 
fer vor desonor se vol. — mes que ( a fehlt) ella. — man - 
tengua falsedat. — a fehlt vor hora de completa. — lo sfor - 


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376 


G. SOLDAN 


Caven. — revenien , mit A. — Tant era forts, mit B. — venfe 
la onqa, mit B. — Et tan gran vergonya, lies en mit A und B. 
—- va lo leupart, mit A. — en la pla?a dd rey , mit A. — 
iros e traydor; e von Corr. 1 . — 

37. Molts orsos. — quäl era. — pus {que fehlt) Tors et 
el lop.— qui son de son consell, mitA und B. — L’ors vor 
ni 1 lop ist in C ausgefallen. — si s ’escusassen. — qui me - 
nars , 1. menas mit Hofm. — per presentayes. — Nach de la 
cort add. del rey . — 

38. Fremra mit B. — $o que les paraules, mit B. — et 
dix add. Corr. 1 . — esposes , mit B. — fo de sa cort, 1. foren 
mit Hofm. — que eU degues fer. — contra l rey. — E fehlt 
vor adonchs. — consella que cridas. — gran fehlt vor fam. — 
que no (s fehlt) sabia. — que l demanaria. — menjar lo rey, 
umgestellt — Et add. vor lo paho. — si sentia ncguna bestia. 

— mas {que fehlt) sentia. — consenti en la mort. — no {$ 
fehlt) sabia. — mas {que fehlt) sentia. — significa. — Statt: 
dix a aquell, per que duptava a menguar lo bou, steht in C von 
Corr. 2 beigeschrieben: el s’acosta al rey et dix, per que no men- 
java lo bou. — totes les vcgades. Lo leo havia gran fam. — 
tuyt wie A. — ofir. — digues que t menuch. — tu digues. — et add. 
vor que la mia cam. — et eil ana al bou; et mit A zu tilgen. — 

39. Que n pogues haver. — tira assi , lies a si mit Hofhi. 

— honrament del cavaller. — que li n hauria de la proferta; 
n zu tilgen, mit Hofm. — que add. vor encara, zu tilgen. — coses 
ordenat. — no havia aldre 7 lies dl re, mit A und B. — Et add. 
vor a tota lur volentat, zu tilgen. — 

40. Lo leo demana. — 

41. A fehlt vor entendre. — que’s creegues del consell, 
wie Hofm. richtig conjicirt statt A tregues. — menys, wie A. 

— agra ls fets, tro que na R. — 

42. Dada tanta de scwiea et de scienjia. — enteses, wie A 

— huiat, wie A. — que jaye e s ’amave C; Corr. 1 s’aiomave. 

— tu add. vor torns. — e no {t fehlt) dons. — per 90 que 
Tum no 1 tomas . — lo fems. — son add. vor senyor del bou; 
zu tilgen. — se {n fehlt) ris. — de fehlt auch in C. — no 
li 0 volch. — s fehlt nach temia. — 90 de que s'era ris. — no 
li volch dir. — Li add. vor dix. — li 0 deya. — tota add. 


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Zum Text des cafcalanischen Thierepos. 


377 


vor aquella nit. — que fehlt nach dementre. — Repres , wie 
Hofm. richtig conjicirt. — lo gall qui cantava. — Amdos se 
consolaren. — son senyor, lies lur mit Hofm. — e fehlt vor 

10 gall canta. — so fehlt vor dix lo ca. — fort muller ; wie 
A. — ta fehlt vor Ventura. — que en est cas te portas, rich¬ 
tig. — lo fehlt vor loch. — que add. vor batria. — lo gall 
e 1 ca, umgestellt. — 

43. Son fehlt vor consell. — en multitut de consellers a 
trop gran desvariament. — es moltes vegades torbat. — 

44. Que s calfas . — reeb consell. — que era foch. — m- 
dregar. — cort; lies tort mit A. — mils li pogues, umgestellt. — 

45. Adonchs fo na Renart, umgestellt. — eU membra. — 
Nach estament add. en. — 

Cap. YH. De la mort de na Renart. 

46. Qm add. vor temia s; dann aber darf* kein Punkt vor 
d'altra part stehn. — trahi lo rey. — matex fehlt nach enfre 
si. — auciure dl rey. — cap tracio gertea , wie Hofm. emen- 
dirt. — en mon cor, lies cors . — N fehlt zwischen senyer 
und aurifany. — vos add. vor en que. — rctom. — neguna 
cosa. — e fehlt vor que ab la serpent. — que 7 in C wie in 
A; von Hofm. mit Recht getilgt nach B. — 

47. Lo fet fehlt nach tractaria. — en quinya conditio. — 

48. S add. vor ach pensada. — s fehlt nach proposa. — 

C que enganas Na Renart. Dix na Renart; e vor dix und 

a nach dix von Corr. 2. — tota promesa. — et (si add.) yo 

per aventura . — no m 7 wie B. — millors mit B. — de nulla 

cosa. — que u tendrien fehlt in C; Corr. 2. add. que a 90 ten- 

drien. — pcvrlar primerament. — parlava ab lo senglar . — 
rey nach traydor, von Corr. 2 . — yo add. nach poria. — N 
fehlt vor aurifany. — podia conexer. — mas add. vor altra 
bestia. — e diu add. li. — qtie vos consellara, wie A; Hofm. 
tilgt que mit Recht. — atretal add. vor semblant ergullos. — 

50. En poca anap no pot. — que add. vor siats franch. — 
us vor sotsmetats fehlt mit Recht. — e fehlt vor en axi. — 

11 add. vor ho havia dit. — tot fehlt vor lo fet. — Nach par¬ 
lava ist in A eine Lücke, die C folgendennassen ergänzt: na 
renart ana al leo et dix li, que lo senglar lo volia au^ure et 


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378 


G. SoLDAN 


adonchs lo leo conech etc. — e fehlt vor el senglar, vor na 
Renart, und vor la conill. — per go que yo temptas; que yo 
von Corr. 1. — escusar al rey. — nuUa cosa, mit B. — que 
l<i natura von Corr. 2.; 'per que lo conill et lo paho von Corr. 
1. — eil dix. — et gitan (ne fehlt) lo conill et lo paho. — 
Per tal que vees. — 


Es sei mir nun noch gestattet, in wenigen Worten die 
wesentlichen orthographischen und sprachlichen Punkte zu er¬ 
wähnen, in welchen beide HSS. von einander abweichen. In 
Beiden ist keine consequent durchgeführte Orthographie, son¬ 
dern dieselbe ist bisweilen im höchsten Grade willkürlich be¬ 
handelt ; in einzelnen Fällen findet sich das nämliche Wort auf 
3,4, ja sogarö verschiedene Weisen geschrieben. Es kann sich hier 
natürlich nicht darum handeln, alle Verschiedenheiten aufzuzäh¬ 
len, sondern nur einige derjenigen Wörter zu erwähnen, deren 
Schreibweise einigermassen consequent differiri Dabei möchte 
ich im Allgemeinen die Bemerkung vorausschicken, dass C im 
Ganzen genommen consequenter verfährt als A, und mit mehr 
Regelmässigkeit an der einmal adoptirten Schreibweise festhält. 

A hat eine wohl spanischem Einflüsse zuzuschreibende 
Abneigung gegen ss ; z. B. zeigt sie im Impf. conj. fast stets 
s wo C ss hat: A: menjasen, fosen, poguesen, vivisen etc. C: men- 
jassen, fossen, poguessen, vivissen. Ebenso A: eser, basa, pa- 
sava, honsa, misatge, necesitat etc.; C: esser, bassa, passava, 
onssa (auch onfa), missatge, necessitat. — 

Dieselbe Erscheinung zeigt sich bei cc, wo A immer nur 
c hat. A. pecat, pecador, ocasio. C: peccat, peccador, occasio. 

Anlautendes ll ist in beiden HSS. selten; in C blos hier 
und da bei llur, A lur; dagegen A: lloar, 11a; C. loar, la. — 
A immer Rrenart, mit rr; auch rrenda; C: Renart, renda. — 
Ff anlautend bei C in ffenit und ffinalment. A finit, 
finalment. — 

Der Gebrauch des h ist der grössten Willkür unterwor¬ 
fen; fast ein jedes vokalisch anlautende Wort kann gelegent¬ 
lich ein Ä bekommen, ohne Rücksicht auf Etymologie. Na¬ 
mentlich findet sich bei A häufig das der Abstammung des 


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Zum Text des catalanischen Thierepoe. 


379 


Wortes Widersprechende. Das Auxiliär haver schreibt C in 
allen seinen Formen durchgängig mit h; nur ausnahmsweise 
fehlt dasselbe; bei A ist es umgekehrt; das h fehlt fast 
immer. Dagegen A regelmässig: honsa, hon, hors, hira, hirat, 
hixir, husar, hordenar, himatge, sogar gelegentlich hun; C: 
on£a, on, ors, yra, yrat, ixir, usar, ordenar, ymaga, un; u. s. w. 
— Inlautend, zwischen zwei Vokalen, findet sich h zur Til¬ 
gung des Hiatus viel häufiger in A als in C. A: hahirar, ma- 
lahi, cahia, exohi, certeha, sarrahi, enduhir, veher, dehia etc. C. 
airar, malay, caya, exoy, certea, seray, induyr, veer, deya etc. — 
In einigen Fällen hat A ch wo in C ein einfaches c steht: 
A. cha, rocha, ach (perf. v. aver), flach. C.: ca, roca, meist hac, flac. — 
Qu bei A häufiger als bei C. A.: paguat, guat, guosar, 
burgues, enguan etc. C.: pagat, gat, gosar, burges, engan. — 
Auslautendes n, wie bei fon und ben fällt bei C häufiger 
weg als bei A. Auch im Inlaut C nicht selten: cosell, co- 
sellar, compayo, coscienfia, negun; A in der Regel: concell, 
concellar, companyo(n), conciencia, nengun. — 

R fällt bei C sehr häufig aus in: missatges; auch in: pes- 
cados, pastös gelegentlich; A durchgängig missatgers, pescadors, 
pastors. — 

Vor auslautendem x schiebt C gern ein i ein: peix, ma¬ 
teix, segueix. A: pex, matex, seguex. — 

C meist lutxuria, lutxuriegar, retgla; A in der Regel ohne t. — 
Inlautend zeigt A mehrfach die media d, wo C dietenuis 
bewahrt hat. A; toda, todes, falyedat; C: tota, totes, falfecat. — 
C zieht die Form home vor, A hom; C anciure, A dl - 
ciure und ouciure; C negun, A nengun und dengun; C con- 
se^nents, A conseguents; C et, Ae; C det, A dit. — 

C stets bruvolar, A: bravollar, brevollar, brovellar, bro- 
yollar, brevellar. — 

C stets aurifany, A aurifant, orifant. — 

C prohomens, A promens. — 

Lewpart, statt leopart, bei C häufiger als bei A. Das Wort 
erscheint immer getrennt geschrieben: leu pari — 

C dampnatge, A oft dapnatge. — 

C de i'altra part; A d’altra part. — 


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380 


G. Soldax: Zum Text des catalanischen Thierepos. 


C durchgängig person&, A oft pre sona; C ^roposar, A 
jpreposar. — 

Folgende Wörter und Ausdrucksweisen wechseln in bei¬ 
den Handschriften so häufig und so willkürlich mit einander- 
dass es zu lange geworden wäre, jeden einzelnen Fall anzu¬ 
geben: Est und aquest; et, ne und ni; qui und que; per 90 
que, per 90 com und per 90 cor; com und cor (car fast blos 
in A); trobar und atrobar; con 9 ellar und acon 9 ellar, portar 
und aportar; cove und se cove; esdevench und esdevench se 
oder s'esdevench; axi und en axi. 

In grammatischer Hinsicht ist zu beachten, dass in der An¬ 
rede C stets die Form senyer anwendet, A häufiger senyor. — 
In 3. pl. perfedi der zu der S-Classe gehörigen starken 
Verben bevorzugt C die starke s-Form, A die von der 3. p. 
sing, gebildete schwache Form: C dixeren, resposeren, pre- 
seren, enteseren; A digueren, respongueren, prengueren, enten- 
gueren. Im impf. conj. ähnlich: dixes, C (neben digues); 
digues A. — In Verben wo C auch die Form mit dem Gut¬ 
tural hat, zeigt A oft eine kürzere, zusammengezogene Form. 
C: hagueren, vingueren, pogueren; A : agren, vengren, pogren. 
Nur ausnahmsweise findet sich hagren bei C. — 

Im impf. ind. und praes. conj. endet die 3. sing, bei C. 
häufiger auf e statt a , als bei A. — 

Die auf Na Renart sich beziehenden Adjektiva und Pro¬ 
nomina sind bei A consequenter im Femininum als bei C, wo 
meistens das dem natürlichen Gefühl entsprechendere Mascu- 
finum wieder eingetreten ist. — 

Den Plural von Wörtern auf s bildet C öfters auf es y 
wo A os hat, z. B. C trameses, poderoses; A. trainesos, pode- 
rosos. — 

A sagt: elegir a rey; C lässt in der Regel die Präpo¬ 
sition weg. — 

London, August 1873. 

G. Soldan. 


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Zur Lautlehre der Strassburger Eide. 


Die Französischen Eide vom J. 842 sind nach der allge¬ 
mein anerkannten Ansicht Diezens so gut überliefert, dass ihr 
Text nur eine Entstellung zeigt (suo statt sua ) *). Für die Be¬ 
merkungen, die ich im folgenden über die Ueberlieferung der 
Eide machen will, lege ich den Text von Bartschens Chresto¬ 
mathie de Tancien franfais Sp. 3—4 zu Grunde. Doch ist in 
diesem Texte aiudha 3, 21. 4, 19. que 4, 16. nun 4, 17 zu 
bessern. Schon Diez (altrom. Sprachdenkm. S. 8) und Brakel- 
mann (Zeitschrift für Deutsche Philologie III. S. 92) haben 
gezeigt, dass aiudha der Form mit j vorzuziehen ist. ae in 
quae ist gar kein Romanischer Laut; der Schreiber versah nur 
deshalb e mit einem Häkchen, weil ihm vom Lateinischen her 
nur quf , nicht que bekannt war. Statt des non 4, 17, das 
Bartsch aus der Abkürzung auf löste, entspräche nun wie 
4, 20 besser der Orthographie der Eide. 

non 4, 18 erklärt sich daraus, dass sich der Schreiber 
verführen liess, die Lateinische Form zu setzen, wo diese, wie 
in que und nunquä, sich nur durch einen kleinen Zug von der 
Romanischen unterschied. So wenig mich der Strich, den der 
Schreiber über das a von nunqua machte, veranlasst, dieses 
für eingemischtes Latein zu halten, ebenso wenig hält mich 
die Lateinische Form der Worte in danrno sit , deren Schrei¬ 
bung auch Romanisch völlig correct ist, davon ab, auch diese 
für acht Romanisch zu erklären, in danrno sit steht im Gegen¬ 
sätze zu dem in aiudha er am Schlüsse des zweiten Eides. 
Es scheint mir natürlicher, da/mno (wie aiudha) als Romani¬ 
schen Accusativ zu betrachten, denn es für einen Lateinischen 
Ablativ zu erklären, der obendrein dem Sinne minder als der 

*) G. Paris (sur le röle de l’accent latin S. 24) hält für möglich, 
dass o in suo den Laut des dumpfen e bezeichnet. 

Jahrb. f. rom. u. engL Lit. N. F. I. 26 


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384 


Hermann Suchier. 


Accusativ entspricht. Wir emendieren also nun 4, 18, nun- 
qua 3, 24 und halten auch die Worte in damno sit für Fran¬ 
zösisch. 

Nur in den unbetonten Yocalen der Endsilben (a, o, e) 
scheint die Aussprache schwankend gewesen zu sein, a blieb 
unverändert ausser in fazet 3, 23. o und e blieben in ein¬ 
silbigen Worten und nach einer Doppelconsonanz, die im Aus¬ 
laut unaussprechbar wäre; Ausnahmen sind nur Karle 3, 25 
neben Karlo 3, 21. 4, 16 (u zeigen deus und Kärlus, doch 
o meös) und fradra 3, 22 neben fradre 3, 21. 4. 16. 

In einem Falle scheint die Schrift der Aussprache nicht 
genau zu folgen, nämlich in den Formen savir podir dist mi 
sit , in denen i begegnet, während wir ei wie in dreit erwarten 
sollten. Dieses i ist wenigstens in savir podir dist sit in der 
Französischen Sprache unerhört*). Da wir nun hin und wie¬ 
der den Diphthong ei durch e ausgedrückt finden (wie im 
Alexander-Bruchstück Y. 74 und öfter im Anglonormannischen 
Brandan in der Handschrift Cotton Vesp. B. X), so ist die 
Möglichkeit vorhanden, dass der Schreiber in den angeführten 
Wörtern e vor sich hatte, dieses für eine Correctur statt für 
einen Diphthong ansah und mechanisch i in den Text setzte, 
wo ei gemeint war. Denkbar wäre jedoch auch, dass der 
Schreiber der Original-Urkunde den Laut ei, der dem langen 
i gewiss sehr nahe kam, durch i für genügend bezeichnet 
hielt. Das von Diez S. 8 angeführte secundum meutn savirum 
lässt sich aus demselben Grunde erklären. Wollen wir die 
Aussprache genau wiedergeben, so müssen wir saveir podeir 
deist mei seit schreiben. 

Ausserdem ist die einzige Form, die lautliche Schwierig¬ 
keiten macht, tanit , das nach Diez S. 12 = tenet sein soll. 
Aber die Form tanit ist schon deshalb unhaltbar, weil sie 
gegen das Auslautsgesetz verstösst. Die Form tanit, die nach 

*) Die Formen podibat und podist (Burguy, grammaire ü. 46) finden 
sich nur in Denkmälern, welchen in der Wiedergabe der Laute nicht zu 
trauen ist; jenes in einer Merovingischen Urkunde (Marini, papiri dipl. 
S. 100, um das Jahr 697), dieses im Bruchstück von Yalenciennes. 
Picardisches setr und vetr (Diez, Grammatik II 3 , 240) haben in älterm 
seeir und veeir ihren Grund. 


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Zur Lautlehre der Strasaburger Eide. 


385 


einfachem Consonanten ein unbetontes e der letzten Silbe be¬ 
hält, ist dem Lateinischen gegenüber ebenso unberechtigt als 
im Verhältniss zu den spätem Französischen Formen. Nicht 
minder auffallend ist der Uebergang eines Lateinischen e in a. 
Diez bringt nur Beispiele dieses Ueberganges für betontes e 
in Position und für unbetontes e, die nichts beweisen. Ich 
schlage vor, statt nun los tanit zu lesen: lo franit . n schrieb 
der Schreiber, weil ihm nun conservat yorschwebte; er gab 
aber die folgenden Worte seiner Vorlage wieder, ohne n zu 
entfernen. Wie nahe die Buchstaben fr dem ft der Hand¬ 
schrift stehen, lehrt ein Blick auf eines der Facsimiles. Nach 
Wattenbach (Anleitung zur Iah Palaeographie. Buchstabe T.) 
gab es ein dem r sehr ähnliches t, das vielleicht den Schrei¬ 
ber verführte, r seiner Vorlage für t zu halten. Dem Sinne 
entspricht franit vollkommen; der Deutsche Text hat forbrichhit; 
der Form nach ist es die notbwendige Zwischenstufe zwischen 
Iah frangit und frz. fraint . Erst der Uebergang des mouillier¬ 
ten n , das. in franit durch ni ausgedrückt ist, in das nasale 
hat gleichzeitig dem Diphthong ai in fraint seine Entstehung 
gegeben. Hermann Suchier. 


Zur Metrik der Eulalia-Sequenz. 

Die Metrik der Eulalia - Sequenz ist schon an mancher 
Stelle erörtert worden, und doch scheint mir der Gegenstand 
noch nicht erschöpft zu sein. Ich führe kurz die Literatur 
auf, wo die Frage berührt ist: 

Willems, Elnonensia 1837, S. 23. 

Dinaux, les trovöres de la Flandre 1839, S. 6*). 

F. Wolf, über die Lais, Sequenzen und Leiche 1841, S. 
115. 117. 

Ackermann, trait6 de l'accent 1843, S. 65*). 


*) Mir nicht zugänglich. 

26 * 


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386 


Hermann Suchirr. 


Diez, altromanische Sprachdenkmale 1846, S. 19. 

W. Grimm, zur Geschichte des Reims 1851, S« 166. 

G. Weigand, de la mesure des syllabes. Bromberg 1857. 

Littre, etude du chant d’Eulalie. Journal des Savants 1858. 
S. 725, aufs neue gedruckt in der Histoire de la langue 
fran9aise II. 287. 

Simrock, die Nibelungenstrophe 1858, S. 92. 

P. Meyer, notice sur la metrique du chant de S. Eulalie. 
Bibi, de l'Ec. des Chartes V. 2. 1861. S. 237. 

Littre, Histoire de la langue fran£aise 1862. H. 305. 

G. Paris, sur le metre de la cantilene de S. Eulalie, in der 
Etude sur le röle de Taccent latin 1862, S. 107—108.127. 

ten Brink, conjectanea in historiam rei metricae Franco- 
gallicae 1865. 

G. Paris, Lettre ä M. Leon Gautier sur la yersification 
latine rhythmique 1866. S. 22 Anm. 

Bartsch, die Lateinischen Sequenzen des Mittelalters. 1868. 
S. 166. 

G. Paris, Alexis 1871. S. 31, Anm. 2. 

G. W eigand, traite de yersification fran 9 aise. Seconde edition. 
1871. S. 124. 211. 

Ich lege für das folgende den Text zu Grunde, den Bartsch 
in seiner Chrestomathie de Tancien fra^ais, Sp. 3—6 abge¬ 
druckt hat. Doch bedürfen folgende Stellen dieses Abdruckes 
der Verbesserung: 4b ist das Komma hinter manatce zu tilgen, 
weil regiel das Lateinische Adjectivum regalis ist — 5 a Niule 
— 6a E — 7a El — lei — 11a A ezo — 12b ruovet — 
13b orem*). 

Von denen, welche das Französische Gedicht für eine 
Nachahmung der Sequenzen hielten, ist Bartsch der einzige, 
der angibt, wie er die einzelnen Versikel betonen zu müssen 
glaubt. Da Bartsch jedoch eine Quelle, aus der er Klarheit 
über die Frage hätte schöpfen können, unbenutzt liess, hat er 
das richtige nicht immer getroffen. Diese Quelle ist die La¬ 
teinische Sequenz auf die heilige Eulalia, die sich unmittelbar 
vor der Französischen in der Handschrift findet und bei 


*) So liest auch G. Paris vgl. Romania 1872. S. 290 Anm. 4. 


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Zur Metrik der Eulalia-Sequenz. 


387 


Willems S. 5, bei ten Brink S. 8 gedruckt ist. Dass diese 
Lateinische Sequenz das metrische Vorbild der Französischen 
war, scheint mir zweifellos festzustehen. Schon die gleiche 
Länge der beiden Sequenzen, die völlige metrische Ueberein- 
stimmung im Anfang, der Umstand, dass sich nur zwei Ver- 
sikel von dreizehnsilbigen Versen in beiden Sequenzen und in 
beiden an derselben Stelle (als fünfter und elfter Versikel) 
finden, beweist genug. Dass aber die Lateinischer Sequenz 
das metrische Vorbild der Französischen war und nicht etwa 
das umgekehrte Verhältnis stattfand, was auch denkbar wäre, 
ergibt sich daraus, dass jene mit grösserer Regelmässigkeit 
gebildet ist als diese. 

Ich beabsichtige nun zu zeigen, dass das Lateinische Ge¬ 
dicht Cantica virginis Eulalia# eine höchst kunstvolle strophi¬ 
sche Bildung verräth, und dass das Französische diese stro¬ 
phische Form durchaus nachahmt. Nur für ein Reimpaar 
(das siebente) hat der Französische Dichter mit Absicht ein 
andres Metrum gewählt, im übrigen aber sich nur ganz un¬ 
bedeutende Abweichungen erlaubt. 

Dass im Französischen Gedichte eine kunstvolle Strophen¬ 
bildung vorliege, hatte schon Weigand angenommen. Doch 
ist die Art, wie er dieses näher darzulegen sucht (traite de 
versification fr. S. 211), willkürlich und darum verfehlt. 

Was zunächst die Lateinische Sequenz betrifft, so nehme 
ich an, dass der letzte Versikel durch ein Versehen des Schrei¬ 
bers hinweggeblieben ist. Das wird nicht nur aus der Ver¬ 
gleichung mit dem Französischen Texte wahrscheinlich, der 
vom Schlussverschen abgesehen, aus 28 Versikeln besteht, 
während der Lateinische ausser dem Schlüsse nur 27 Versikel 
hat. Die symmetrische Gliederung des Lateinischen Gedichtes 
beweist schon an und für' sich, dass eine Zeile vor dem Schlüsse 
fehlen muss. Wenn wir nämlich diesen Versikel ergänzen, 
besteht die Lateinische Sequenz aus 14 Doppelversikeln und 
dem Schlussverse. Von den 14 Doppelversikeln bestehen fünf 
aus zehnsilbigen, zwei aus elfsilbigen, fünf aus zwölfsilbigen, 
zwei aus dreizehnsilbigen Versen. Bezeichnen wir nun die 
aus zehnsilbigen Versen bestehenden Doppelversikel mit A, 
dis. aus elfsilbigen bestehenden mit B, die aus zwölfsilbigen 


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388 


Hermann Shchier. 


zusammengesetzten mit C, die aus dreizehnsilbigen mit D, 
ferner den Schlussvers, der mit dem Anfänge des zwölfsilbigen 
Verses metrisch übereinstimmt, mit c, so ist die Reihenfolge 
der Versikelpaare diese: 

AA CBDC CA CBDC AA c. 

Von diesen sechs Theilen entsprechen sich der erste und fünfte, 
der zweite und vierte vollkommen; der dritte bildet das Binde¬ 
glied zwischen dem, was vorausgeht, und dem, was folgt. 
Diese Symmetrie aber würde aufgehoben, wenn wir die Latei¬ 
nische Sequenz für vollständig überliefert hielten. Auch ten 
Brinkes Vermuthung, der letzte Vers sei im Gesänge wieder¬ 
holt worden, zerstört ohne Noth die sonst vollkommene Sym¬ 
metrie der Versbildung. 

Die zehnsilbigen Verse, die sich im 1. 2. 8. 13. und 14. 
Verspaare zeigen, haben folgendes Metrum: 

die elfsilbigen (im 4. und 10. Doppelversikel) dieses: 

Das Metrum der zwölfsilbigen (im 3. 6. 7. 9. und 12. Vers¬ 
paare) ist: 

— v — vy - v - v | — w v - 

und das der dreizehnsilbigen (im 5. und 11. Verspaare): 

Alle Versikel, ausser dem Schlussversikel, haben den glei¬ 
chen Ausgang: - -—— Vor diesem Ausgange zeigt sich eine 
Cäsur, die nur zweimal (2a und 6b) ausser Acht gelassen ist; 
denn lb ist cithara smvisona zu lesen. Die Verse sind vor 
der Cäsur nach dem Accente gebildet, hinter der Cäsur 
nach der Quantität. Ausnahmen vom ersteren Falle sind 2 a, 
8b; vom zweiten 3a, 6a, 9b. 

Wenden wir uns nun zu der Französischen Sequenz. 
Zunächst sei bemerkt, dass der Dichter drei Lateinische 
Wortformen einmischt, die er mit der im Lateinischen ge¬ 
bräuchlichen Aussprache und Betonung anwendet: Eulalia la, 
anima lb und dementia im Schlussversikel. Clementia darf 
also keineswegs dreisilbig gelesen werden, wie Paul Meyer 
wollte. 

Wenn wir nun die beiden Zeilen der Doppelversikel mit 


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Zur Metrik der Eulalia-Sequenz. 


389 


einander vergleichen, so finden wir, dass dieselben im Latei¬ 
nischen stets die gleiche Silbenzahl haben, im Französischen 
aber die Silbenzahl in drei Versikelpaaren verschieden ist: 
im sechsten Paare hat der zweite Versikel eine, im neunten 
der erste Versikel eine, im zwölften der zweite Versikel zwei 
Silben zu wenig. Ich glaube, dass die Verschiedenheit nur 
die Folge fehlerhafter Ueberlieferung ist. Die Aenderungen, 
durch welche sich für beide Versikel die gleiche Silbenzahl 
hersteilen lässt, liegen zu nahe, um nicht erlaubt zu sein. 
Ich schlage daher vor, zu lesen: chi rex eret a icels dis 6b, 
qued die perdesse sa 9a, eile volt la[i]szier lo seule 12b. 

Die drei Cönjecturen, die ich mache, werden dadurch 
noch wahrscheinlicher, dass durch dieselben der Rhythmus 
der betreffenden Versikel völlig correct wird. Die oben an¬ 
gegebenen fünf Metra liegen nämlich ebenso sehr dem Fran¬ 
zösischen als dem Lateinischen Gedichte zu Grunde. Die ge¬ 
ringen Freiheiten, die sich der Dichter bei der Behandlung 
derselben erlaubt, sind folgender Art: 

1) Eine Silbe mehr zu setzen erlaubt er sich zwei¬ 
mal: 12 a und 13 a. In beiden Fällen findet sich die über¬ 
zählige Silbe als Auftact, also vor der ersten Hebung, und 
zwar ist sie nur im ersten, nicht im zweiten Versikel des 
Reimpaares vorhanden. Auch in den Lateinischen Versen und 
ihrer Französischen Nachbildung, die ten Brink S. 10 anführt, 
liegt die Verschiedenheit nur im Vorhandensein oder Fehlen 
des Auftactes. (Nebenbei bemerkt, ist die Tacteintheilung der 
Noten bei F. Wolf, über die Lais. Notenbeilage V b, auf die 
sich ten Brink beruft, grundverkehrt.) 

2) Eine Silbe hinwegzulassen erlaubt er sich drei¬ 
mal: im 3., 4. und 9. Doppelversikel. Die Silbe fehlt jedes¬ 
mal nach der letzten Hebung vor der Cäsur und zwar gleich- 
mässig in beiden Versikeln eines Paares. 

3) Es bleibt nur noch der siebente Doppelversikel, der 
aus richtig gebildeten zehnsilbigen Versen mit dem Metrum: 

— V/ V __ V/ V | —VW - 

besteht, während die Lateinische Sequenz an dieser Stelle 
zwölfsilbige Verse zeigt. Ich halte dieses Reimpaar, das durch 
eine Conjectur schwerlich dem Lateinischen nahe zu bringen 


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390 


Hermann Süchieb. 


ist, für richtig überliefert und glaube, dass der Französische 
Dichter absichtlich der kunstvollen Form eine noch grössere 
Regelmässigkeit gab. Durch seine Aenderung fügte er näm¬ 
lich zu den schon in der Lateinischen Sequenz vorhandenen 
Uebereinstimmungen der einzelnen Theile für die Französische 
noch die Uebereinstimmung des dritten Theiles mit dem ersten 
und fünften hinzu, so dass die Reihenfolge der Doppelversikel 
bei ihm diese ist: 

AA CBDC AA CBDC AA c. 

Leider sind uns die Melodien der Lateinischen und der Fran¬ 
zösischen Sequenz nicht erhalten. Ohne Zweifel hatte nur 
der siebente Versikel eine andere Melodie in der Französischen 
als in der Lateinischen Sequenz, während alles, worin die 
Französische sonst abweicht, in der Melodie ausgeglichen 
wurde. 

4) Die Cäsur vor der viertletzten Silbe jedes Versikels 
vernachlässigte der Französische Dichter meist. Im übrigen 
aber gibt er den Rhythmus seines Originales so genau wieder, 
als es der Character der Französischen Sprache zulässt. Doch 
scheint er gegen das Ende der Sequenz weniger sorgfältig als 
im Anfang gewesen zu sein. Wenigstens hat er in den elf- 
silbigen Versen (4 und 10), die ihm besondere Schwierigkeit 
machen mochten, und in den beiden letzten aus zehnsilbigen 
Versen bestehenden Reimpaaren (13 und 14) den Rhythmus 
nicht gewahrt und nur die erforderliche Silbenzahl eingehalten. 
Die übergrosse Schwierigkeit der gewählten Form wird diese 
Ungenauigkeit zugleich erklären und entschuldigen. 

Wir aber werden dem Dichter, den Willems vielleicht 
mit Recht mit Hugbald identificiert, auch so unsere Bewun¬ 
derung nicht versagen können für die Kunst, mit der er jene 
schwierigen Metra übertrug, und für das Mass, mit dem er 
seine Freiheiten beschränkte. 

Hermann Suchier. 


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Kritische Anzeige. 

Schauspiele von Lope de Vega. Uebersetzt von Moritz Rapp. 

Hildburghausen, Verl. d. Bibi. Instituts. 1868—1869. 

(Biblioth. ausländischer Klassiker N. 89 u. 81, enthaltend: 

Columbus. Ein Volksschauspiel.) 

Oben erwähnter Band gehört zu einer Reihe spanischer 
Schauspiele, welche Moritz Rapp in Uebersetzungen bei uns 
einzuführen nicht erfolglos sich bemüht. Einem Dramatiker 
von so phänomenaler Fruchtbarkeit gegenüber, wie Lope de 
Vega erscheint, war eine beschränkte Auswahl solcher Stücke, 
die zugleich für die Manier ihres Verfassers charakteristisch 
und für den deutschen Leserkreis interessant sein sollten, keine 
leichte Aufgabe, und man muss gestehen, dass unser Ueber- 
setzer sie mit Umsicht und Geschmack gelöst hat. Seine Be¬ 
mühung, seine Verdeutschung spanischer Originale möglichst 
leicht lesbar zu machen, wurde ihm freilich wesentlich ge¬ 
fördert, indem er an die Stelle der wechselnden geeinten und 
assonirenden Trochäen überall den von Lope selbst nur selten 
und ausnahmsweise angewandten reimlosen fünffüssigen Jambus 
setzte. Was durch das Aufgeben der von andern Uebersetzem 
spanischer Dramen beibehaltenen Versformen verloren geht, wird 
vielleicht durch die alsdann ermöglichte grössere Treue in der 
Wiedergabe des Wortsinns, durch die freiere, zwanglosere Be¬ 
wegung der Rede vollständig compensirt. Jedenfalls erscheint 
bei einem Lope solche Abweichung und Emancipation von 
der metrischen Vielgestaltigkeit des Originals eher gerecht¬ 
fertigt^ als sie z. B. bei einem Calderon erschiene, dessen höhere 
Kunstvollendung eine Nichtachtung seiner Versformen von 
Seiten der Uebersetzer schon bedenklicher machen würde. 

Die grössere Freiheit und Bequemlichkeit, welche unserem 
Uebersetzer für seine Arbeit der von ihm gewählte dramatische 
Blackvers gewährte, hätte ihm andererseits die Verpflichtung 
auferlegen sollen, sowohl auf den richtigen Bau seines Verses 
als auch auf die richtige Reproduction seines Textes desto 


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392 


Kritische Anzeige. 


grossere Sorgfalt zu verwenden. Dass er aber in beiden Be¬ 
ziehungen gelegentlich es hat fehlen lassen, werden folgende 
Proben, die uns bei der Vergleichung des interessantesten dieser 
Lope'schen Dramen im Original mit der Rapp'schen Ueber- 
setzung aufgestossen, darthun. Die betreffenden Stellen sind 
dabei nach der Sceneneintheilung des Uebersetzers citirt. 

A. 1. Sc. 1. Dahin bracht' ich einst einen Steuermann, 

Meines niedrigen Hauses alten Gastfreund, 

Der auf der See sein Leben lang gedachte 
Ihr in Krankheit und Tod auch treu zu sein, 

Sie sei ihm Gasthof, und Spital und Grab. 
Columbus brachte den Steuermann nicht nach Madeira, son¬ 
dern dieser landete von selbst dort (Adonde aportd un pi- 
loto); und weit entfernt, auf dem Meere sterben zu wollen, 
wählte er das Haus des Columbus zum Zufluchtsort. (Este, 
de la mar perdido, enfermo vino a tomarla). Das la bezieht 
sich nicht auf la mar } sondern auf das vorhergegangene mi 
humüde casa. 

ibid. Dir, Herr, leg' ich 

Ein zweites Reich zu Füssen, das du einst 
Kannst deinem Portugal zur Seite stellen. 
Vielmehr: eine zweite Welt, die deinem Portugal Tribut ent¬ 
richte (Que a Portugal rinda parias). 

ibid. Und ich will nach Castilien, denn dies Land 
Hat mich von jeher freundlicher empfangen. 
Castilien hat bisher für Columbus noch Nichts gethan, wohl 
aber hat Columbus für Castilien mehr Liebe gehegt, als für 
Portugal (porque es tierra a quien mas amor cobre). 

A. 1. Sc. 2. Wie diesen Gott auf Cypem Venus einst 
Zu nicht gemacht. 

Venus hat den Mars nicht vernichtet, sondern nur seiner Stärke 
beraubt. (Que en Chipre ese dios tan fuerte Io pudo rendir 
de suerte Venus que no lo fu£ mas.) Der Uebersetzer hat das 
auf fuerte bezügliche lo übersehen. 

ibid. Im Feld von Albenzaide starb der Graf von Palma. 
Umgekehrt: Albenzaide ist ein Mohr, den der Graf von Palma 
auf dem Schlachtfelde erlegt hat (El conde de Palma ha muerto 
en la campana ä Albenzaide). 


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Kritische Anzeige. 


393 


ibid. Don Fernando schwor. 

Nicht Dienstag gehe dahin, eh’ er sich diese (seil. 
Granate) 

Als Hauptzier in den Königsmantel pflückt. 

Es ist ein Wortspiel zwischen Granada (der Stadt) und gra- 
nada (der essbaren Frucht), welche Fernando vor Dienstag 
auf seiner königlichen Tafel (en sus manteles reales) haben 
und verspeisen will. 

A. 1. Sc. 3. Und kamt ihr nicht auf dieser (seil, der Insel 

Madeira) zu Verstand? 

Sidonia fragt aber den Columbus: Wäret Ihr nicht besser auf 
Madeira geblieben, statt zu uns zu kommen. (Y mejor no 
estuvieredes en ella?) Vom Verstände sagt er kein Wort. 

A. 1. Sc. 4. Dich neuen Cid, den mächtigen Cordobaner, 
Erhebt man bis in's fernste Afrika. 

Vielmehr: bis nach Afrika hin, du grosser Cordobaner, nennt 
man dich den neuen Cid. 

A. 1. Sc. 4. Unmöglich sei's, sagt er, dass Menschen wohnen 
In heissen und kalten uns unbekannten Zonen. 

Das Original sagt dafür: Er sagte, es sei eben zu unmöglich, 
dass es eine andere Welt und Menschheit ausser der bekann¬ 
ten gebe und die heisse Zone bewohne, wie dass die kalte 
Zone heiss würde. 

ibid. So kam ich bei König Fernando vor. 

Nach Lope spricht erst der Cardinal Mendoza mit dem König, 
und nacher Columbüs. (Hablö luego al rey Fernando, ä quien 
he hablado tambien.) 

A. 2. Sc. 1. Willst du aus Wolken uns ein Land abtrocknen? 
Arana meint vielmehr die Luftspiegelungen auf dem Meere, hinter 
denen nichts Wirkliches stecke. (<jQue es de los celajes secos?) 
ibid. Ihr als Erfahrner müsst es wissen, dass ich 
Euch nicht betrüge. 

Pinzon . 

Nein, ganz Spanien. 

Terrazas. 

Ein ganzer Mann. 

Im Original versetzt Pinzon: Ja, er betrügt uns. Dann fährt 
er fort: Weg, nach Spanien! Und Terrazas ruft eben so: Weg, 


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394 Kritische Anzeige. 

Meister! — Der Uebersetzer bat das AÜo Weg von hier, 
fort! nicht verstanden. 

A. 2. Sc. 2. Ich bin ein Mensch, könnt Ihr mich nicht betasten? 
Pinzon verbittet sich das vielmehr ausdrücklich und sagt: Ver¬ 
greift Euch nicht an mir (no me atenteis). 

A. 3. Sc. 1. Und durch den Drang wird noch die blasse Färb’ auf 
Den niedrigsten Karat herabgebracht. 
suibirse ist nicht „herabbringen“, sondern in die Höhe bringen, 
steigern. Je blasser das Gold wird, desto feiner wird es. ( A an 
quüate singulär ist also das Gegentheil vom niedrigsten Karat.) 
ibid. Das Kreuz, das der gebenedeite Mönch 

Uns predigte und auf den eignen Schultern 
Herantrug, der die Welt erlösen soll. 

Der Mönch predigte vielmehr, dass Christus das Kreuz zur 
Erlösung der Welt auf seinen Schultern getragen. — Trujo 
bezieht sich nicht auf Aqueste monge , sondern auf das vor¬ 
hergegangene Dios y Cristo. 

A. 3. Sc. 3. Nicht nur Bartolome, Columbus würdest 
Du hier beleidigen. 

Im Original ist nur von Einer Person die Rede, da ja beide 
Brüder Columbus heissen: No faltes, que enojaräs A Barto¬ 
lome Colon. 

A. 3. Sc. 5. und mit solcher Frechheit 

Hat er euch überwältigt. 

Nicht „Frechheit“, sondern Arglist (y con esto ardid os vence) 
charakterisirt den Teufel. 

ibid. weil einst der Mensch 

Gott selbst durch seinen Leichtsinn hat beleidigt. 

Wie eben vorher das Wort ardid , hat hier der Uebersetzer 
das Wort aleve missverstanden, das nicht „leichtsinnig“, son¬ 
dern treulos, rebellisch bedeutet. 

A. 3. Sc. 7. Der Kirche von Toledo sei's geweiht (seil, das Gold), 
Sie nehm’ es in die kräftigste Verwahrung. 

Die Toledaner Kirche soll vielmehr aus dem von Columbus mit¬ 
gebrachten Golde eine prachtvolle Monstranz (una custodia 
famosa) machen lassen. 

Bonn, August 1873. N. Delius. 


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Miscellen. 


Einige beispile wie die herauszgeber altenglischer 
texte worter machen. 

In the Ancren Riwle p. 370 druckt J. Morton: „stod on 
holi mon neorrento“, und findet keine schwirigkeit zu über¬ 
setzen: „a holy man stood not far off“, obgleich „neorrento“ 
ein unding ist, dasz seine existenz nur der leichtfertigkeit zu 
ferdanken hat. esz ist nemlich ein lesefeier für veorren to , 
wasz durch die varia lectio „of feor“ auszer zweifei ge¬ 
setzt wird. 

R. Morris druckt in the story of Genesis and Exodus 
y. 2947: „In everilc welle, in everilc trike“ mit der erklären¬ 
den bemerkung p. 161: „trike , a rivulet, smal stream, eyidently 
connected with the verb trickle u (!) „trike“ ist einfach ein 
lesefeier für crike. 

„Ich wot zef snuwes schal uvele clenche“ the Owl and 
the Nightingale, ed. by Th. Wright, v. 1204. Wasz der herausz¬ 
geber sich unter „snuwes“ gedacht hat kan ich nicht angeben, 
wol aber dasz esz ein lesefeier für smifies ist 

F. H. Stratmann. 


Mitforschem erlaube ich mir folgende fragen for zu 
legen : 

I. In den Additions zu meinem Dictionary of the Old 
English language, 2“ d edit. p. 584 habe ich baud hypothetisch 
= ribcmd gesetzt; findet dise hypothese beifall und Unter¬ 
stützung? 


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396 


Miscellen. 


II. Woher komt dasz altengl. qvert, qwert (incolumis 
sospes)? Dictionary p. 392. auch subst. qvert Man. 9990; his 
wif was not in qverte e. T. 821. 

III. In the Ancren Riwle, und damit ferwanten quellen, 
findet sich eine anzal substantive auf -ild (beggild , cheapild, 
forschuppild, fostrild , gruechüd, maJädüd , mötild, sunegild), die 
in bedeutung denjenigen auf -ind, -inde, -ende gleich zu komen 
scheinen; solte ersteresz suffix, dasz, so vil ich weisz, in kei¬ 
ner andern germanischen spräche forkommt, eine entstellung 
des letzteren sein? 

F. H. Stratmann. 


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Bibliographie der Jahre 1871—1872. 

1. Zur französischen Literaturgeschichte. 

Von Adolf Ebert. 


A. 

1. Catalogue g6n£ral de la librairie fran^aise pendant vingt- 
cinq ans (1840—1865) etc.; par 0. Lorenz [6. J. 70, Nr. 1]. 

2. Inventaire des liyres et du mobilier de Bernard de B6arn, 
b&tard de Commenge (1497) par Desbarreaux-Bernard et A. Bau - 
douin. Toulouse 1872. 8°. 52 p. 

S. Rev. crit. 72, Nr. 40. 

3. Jacques Bauchant, sergent d’armes, bibliophile saint-quen- 
tinois. (XIV® s.) Amiens. 8°. 11 p. 

4. Les manuscrits de la biblioth&que du Louvre, brül£s dans 
la nuit du 23 au 24 mai 1871; par L. Paris . 1872. 8°. XI, 165 p-, 

5. Rev. crit. 72, Nr. 20. 

5. Grundriss zur Geschichte der provenzalischen Literatur 
von K. Bartsch. Elberfeld 1872. 8°. IV, 216 p. 

5. Literar. Centralbl. 1872, Nr. 8, und Romania p. 379 ff. 

6. Die Provence und ihre Sänger im Mittelalter, mit Hin¬ 

blick auf den Einfluss der provenzalischen Dichter in Spanien, von 
A . Manitius . Dresden 1872. 8°. VI, 82-p. 12 Sgr. 

7. Le poöme de Boßce revu sur le manuscrit, par P. M. 

In: Romania, l re ann6e. 

8. De rorigine et du döveloppement des romans de la Table- 
ronde, par P. Paris . 

In: Romania, 1” annße. 

Dieser Artikel hat die besondere Ueberschriffc: Le St. Gra&l. 

9. Les romans de la Table-ronde mis en nouv. langage etc.; 
par P. Paris [s. J. 69, Nr. 14], Tome III. Lancelot du lac. 
1872. 391 p. 

10. Roncevaux et la Chanson de Roland, simple reponse & 
une question de geographie historique, par F. Saint-Maur. Pau 
1871. 8°. 12 p. 


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398 


Bibliographie v. 1871—72. 


11. Die französische TJebersetzung der beiden Bücher der 
Machabäer, von H. Breynwm . 

In: Arch. f. d. Stnd. d. neuem Spr. XLVII. Bd. 

12. Examen critique des manuscrits du roman de Renart, 
par E. Martin . Basel 1872. 8°. 43 p. 12 Sgr. 

13. Die altfranzösischen Romanzen und Pastourellen, Vor¬ 
lesung von G . Gröber . Zürich 1872. 8°. 24 p. 10 Sgr. 


14. Les orateurs sacrös 4 la cour de Louis XIV, par l’abbß 
A. Hurel. 2 Vol. 8°. 1872. CIV, 254, 406 p. 12 Pr. 

Nach einer Einleitung werden erst die Vorgänger und Zeitgenossen 
Bossuet’s, dann dieser selbst, endlich seine Nachfolger behandelt. Man¬ 
ches Material ist aus Handschriften geschöpft; im Anhaug werden aus 
solchen auch Reden mitgetheilt. Einzelne Irrthümer über Bossuet wer¬ 
den berichtigt. Rev. crit. 78, Nr. 43. 

15. Literatur und Gesellschaft in Frankreich zur Zeit der 
Revolution 1789 —1794. Von F. Lotheken. Wien 1872. 8°. 268 p. 

Der Abschnitt über die Literatur wird von der Rev. crit. 72, Nr. 32 
sehr gerühmt. 

16. L’institut national de France, ses diverses organisations, 

ses membres, ses associ6s et ses correspondants 1795—1869. 1872. 
8°. XX, 474 p. _ 

*17. D’AubignA — Theodore Agrippa d’Aubignö 4 Genöve. 
Notice biographique avec pi4ces et lettres inGdites recueillies par 
Th. Heyer. Genf 1870. 8°. 175 p. 

Aus den Mömoires de la Soc. d’hist. et d’archöoL — S. Rev. crit. 
72, Nr. 21. 

18. B6ranger. — B6ranger als Bonapartist, von L. G. 
Silbergleit 

In: Archiv f. d. Stud. d. neuern Spr. XLVII. Bd. 

19. Bersnire. — Notice biographique sur le Benödictin Pierre 
Bersuire, premier traducteur fra^ais de Tite-Live, par L. Pannier. 

In: Biblioth. de l’Ec. des chartes 1872. 

Sein Name lautete lateinisch Berchorius; heute gewöhnlich unrich¬ 
tig Bressuire genannt. Er war etwa in den letzten 15 Jahren des 13. 
Jahrh. geboren; in Avignon wurde er mit Petrarca befreundet; dieüeber- 
setzung unternahm er auf Befehl König Johanns, dessen Secretär er war. 
Später wurde er Prior von St. Eloi. 

*20. Clotilde de Surville. — Un procös d’histoire littßraire. 
Les poesies de Clotilde de Surville. Etudes nouvelles, suivies de 
documents inGdits; par A. Mact. Grenoble 1870. 8°. 197 p. 

Der Verfasser macht den vergeblichen Versuch, die Aechtheit der 
Gedichte zu beweisen, doch ist die Schrift nicht ohne Interesse. S. Rev. 
crit. 73, Nr. 9. 

21. Commilies. — Quelques notes bibliographiques pour ser- 
vir 4 l’ötude des ouvrages de Philippe de Commines et d’Auger 
de Bousbecques, par A. Dupuis. Lille 1871. 8°. 47 p. 


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%ur französischen Literaturgeschichte 399 

22. Corneille. — Corneille als Lustspieldichter, von E . Schmidt 

In: Archiv f. d. Stud. d. neuern Spr. L. Bd. 

23. Cousin. — Etüde sur Jean Cousin, suivie de notices 
sur J. Ledere et P. Woeiriot, par A. F. Didot 1872. 8°. XII, 
306 p. 15 Pr. (Mit Portr.) 

S. Rev. crit. 72, Nr. 39. 

24. Folqnet. — Der Troubadour Folquet de Lunel, von F 1 
Eichelkraut (Dissert.) Berlin 1872. 8°. 55 p. 12 Sgr. 

25. Froissart. — Jean Froissart und seine Zeit, von G. 
Weber . 

In: Räumers Hist. Taschenbuch. Fünfte Folge. I. Jahrg.1871. 

26. Henri d’Andeli. — Henri d’Andeli et le chancelier Phi- 
lippe, par P. Meyer . 

In: Romania, l re annöe. 

Enthält zugleich ein Dit des H. d’A. über den Kanzler. 

27. Joinville. — Joinville et les enseignements de St. Louis 
4 son fils, par Natalis de Waüly. 

In: Bibi, de l’Ecole des chartes 1872. 

Gegen die Anfechtungen, welche die Authenticität dieser Schrift 
und die Memoiren Joinville’s erfahren haben. 

Joinville. — S. unten Nr. 36. 

28. Marot. — Notices biographiques sur les trois Marot par 
G. Cölletet, pröcedemment transcrites d’aprös le msc. dötruit etc. 
et publ. p. la prem. fois par G. Guiffrcy. 8°. 62 p. 

29. Moliöre. — Bibliographie Molieresque contenant 1° la 
description de toutes les öditions des oeuvres et des piöces de Mo¬ 
liöre; 2° les imitations et traductions des dites piöces; 3° les 
ballets, fötes de cour, poösies de Moliöre etc.; 4° l’indication des 
ouvrages, en tout genre concernant Moliöre, sa troupe et son thöätre, 
avec notes et commentaires par le bibliophile Jacob (Paul Lacroix). 
Turin 1872. 8°. Vm, 242 p. 

In 204 Expl. — S. Literar. Centralbl. 73, Nr. 23. 

30. Moliöre. — Moliöre. Eine Ergänzung der Biographie 
des Dichters aus seinen Werken, von P. Lindau . (Mit Porträt.) 
Leipzig 1872. 8°. VIII, 102 S. 28 Sgr. 

31. Moliöre. — Documents inödits sur J. B. Poquelin Mo¬ 
liöre , döcouverts et publ. avec des notes par E. Campardon. 

12°. 81 p. 

32. Monluc. — Le testament du maröchal Blaise de Monluc, 

publiö en entier pour la premiöre fois avec un codicille inödit. 
Agen 1872. 8°. 70 p. 

33. Pibrac. — Vie de Guy du Faur de Pibrac, par G. 
Cölletet , publiöe avec notes et appendices par Ph. Tamizey de Lar- 
roque. 1871. 8°. 75 p. 3 Fr. 

S. Rev. crit. 72, Nr. 15. 

Jahrb. f. rom. u. engl. Literatur. N. F. I. 27 


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400 


Bibliographie v. 1871—72. 

34. Rabelais. — Francois de Rabelais und sein Traite d’6du- 
cation mit besonderer Berücksichtigung der pädagogischen Grund¬ 
sätze Montaigne’s, Locke’s und Rousseau’s, von A. Arnstadt. Leip¬ 
zig 1872. 8. Vm, 296 p. 

35. Vatizelles, de. — Notice sur Jean de Vauzelles, prieur 
de Montrottier, littßrateur et po6te lyonnais du XVI® s. Lyon 1872. 
8°. 24 p. 

36. Villehardouin. — Villehardouin et Joinville. Notice lue 
par Natalis de Wailly dans la s£ance publique de l’Acad. des inscr. 
1872. 4°. 25 p. 

37. Villehardouin. — Notice sur six mss. de la Biblioth&pie 
nationale contenant le texte de Geoffroy de Villehardouin par Nat. 
de Wailly. 1872. 4°. 144 p. 

Aus den Notices des Mss. T. XXIV, 2° partie. 

38. Voltaire. — Defense de Voltaire contre ses amis et 
contre ses ennemis, par Courtat. 1872. 8°. VIII, 231 p. 3 Fr. 

S. Rev. crit. 73, Nr. 10. 

39. Voltaire. — Ueber die Voltaire’sche Uebersetzung des 
Jul. Caesar von Shakespeare, von J. Peters. 

In: Archiv f. d. Stud. d. neuem Spr. XLVII. Bd. 


B. 

40. La vie de St. L6ger, texte revu sur le ms. de Clermont- 
Ferrand, par G. Paris. 

In: Romania, 1™ ann6e. 

Eine genaue Untersuchung über die Sprache, den Vers, die Stoff¬ 
quelle ist dieser vortrefflichen Edition vorausgeschickt. 

41. La vie de St. Alexis, poöme du XI 0 s. et renouvellements 
des XII 0 , XIII 6 et XIV 0 siöcles, publi6s avec pr£faces, variantes, notes 
et glossaire, par G. Paris et L. Parmier. 1872. 8°. XU, 413 p. 
(Theil der Bibi, de Yb c. des hautes 6tud.) 

Dieses Werk, dessen Bedeutung überau anerkannt ist, bedarf hier 
keiner weitem Empfehlung. 

42. La chanson de Roland, texte critique accompagn6 d’une 
traduction nouvelle et pr6c6d6 d’une introduction historique par 
L. Gautier. (Mit Stahlstichen.) Tours 1872. gr. 8°. 2 Vol. CCI, 
325; VH, 507 p. 

Der 2. Band enthält Noten, Varianten und ein Glossar, auch eine 
Karte. S. über diese Ausgabe Literar. Centralbl. 72, Nr. 21. — Auch 
eine bloBse Textausg. erschien im selben Jahr in 4°. 

43. Roncesval, 6d. critique du texte d’Oxford de la chanson 
de Roland, par E. Boehmer. Halle 1872. 8°. 110 p. 16 Sgr. 

44. La chanson de Roland, poöme fran^ais du moyen-äge, 
traduit en vers modernes par A. Lehugueu. 12°. XVIII, 369 p. 


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Zur französischen Literaturgeschichte. 


401 


45. I codici francesi della biblioteca Marciana di Venezia 
descritti da A. Bartolo. I. Poemi del ciclo trojano. Venedig 1872. 
8°. 38 p. 

Abdruck aus dem Archiyio veneto III, 2. Enthält ausser ein paar 
Abschnitten der Dichtung des Benoit, auch einen Roman d’Hector. 8. 
darüber Literar. Centralbl. 72, Nr. 41. 

*46. La passion du Christ. Po&me ecrit en dialecte franco- 
venitien du XIV® s., publ. p. Boucherie . Montpellier 1870. 8°. 29 p. 

Aus der Revue des langues romanes. 

47. Le Chevalier, la dame e le clerc, fabliau en anglo-normand, 
publ. pour la prem. fois d’aprös un ms. de Corp. Christi College, 
par P. Meyer. 

In: Romania, l re an nee. 

48. Li dis dou vrai anel. Die Parabel von dem ächten Ringe, 
franz. Dichtung des 13. Jahrh., aus einer Pariser Handschr. zum 
ersten Male herausgegeben von A. Tobler. Leipzig 1871. 8°. 
XXXII, 32 p. 15 Sgr. 

Die Handschr. ist Nr. 26,566 (Fonds La Valliere Nr. 81) der Natio¬ 
nalbibliothek. Nach der Vorrede ist das Gedicht zwischen 1270 und 
1294, wahrscheinlich noch vor 1285 verfasst. — Angehängt sind schätz¬ 
bare sprachliche Anmerkungen. S. auch Liter. Centralbl. 71, Nr. 44. 

49. Prißre Thßophile dit du XV® s., publice pour la premiöre 
fois d’apr&s un msc. [par F. Herbet]. Chateauroux 1872. 8°. 24 p. 

Nur in wenigen Expl. — Ein Gebet an die h. Jungfrau von 47 sechs¬ 
zeiligen Strophen, aus der Biblioth&que Monmerque. 

50. Le bestiaire de Gervaise, publ. par P. Meyer. 

In: Romania, l re annße. 

Dies von einem unbekannten Gervasius nach einer lateinischen Vor¬ 
lage verfasste Gedicht von 1278 achtsilbigen Versen scheint dem Anfang 
des 13. Jahrh. anzugehören. Es ist aus einem Msc. des Britannischen 
Museums entnommen. 

51. Altfranzösische Uebersetzung der Remedia Amoris des 
Ovid (ein Theil des allegorisch-didactischen Epos 'Les Echecs amou- 
reux’), nach der Dresdener Handschr. herausgeg. von G. Körting. 
Leipzig 1871. 8°. XXV, 101 p. 24 Sgr. 

52. Fragment d’une anthologie picarde, par A. Boucherie. 
1872. 8°. 30 p. 

Enthält einige Gedichte von artesischen Dichtern, zwei von Adam 
de la Halle, nach dem Msc. 236 der Bibliothek der Ecole de mddecine 
von Montpellier. 

53. Potisies du XV® si£cle. Chanson et complainte d’une josne 
fille mariee ä un vieillart jalous avec le dit du sing. Par Alione. 
Florenz. 8°. 16 p. 

54. Le th6fttre fran$ais avant la renaissance 1450 —1550. 
Mystöres, moralit^s et farces. Pr6c£d6 d une introduction et accom- 
pagne de notes pour Tintelligence du texte par E. Fournier. (Mit 
Porträts.) 1872. 8°. VII, 462 p. 

S. Literar. Centralbl. 73, Nr. 23. 

27* 


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402 


Bibliographie v. 1871—72. 


55. Le myst&re de St. Louis, roi de France, publ. p. la prem. 
fois d’aprös un ms. de la Biblioth. nationale, par F. Michel. West- 
minster 1871. 4°. XLII, 413 p. 

Gedruckt für den Roxburghe-Club. 

56. Die provenzalische Liederhandschrift Cod. 42 der Lau- 
renzianischen Bibliothek in Florenz nach der von E. Stengd ge¬ 
nommenen Abschrift. 

In: Archiv f. d. Stud. d. neuern Spr. XLIX. u. L. Bd. 

57. Epltres farcies de la St.Etienne en langue romane, publ. 
par L. Gaudin. 

In: Revue des langues romanÄ, II. 

Die eine Epitre war schon bekannt, die andere ist hier zum ersten 
Male veröffentlicht nach einem Msc. von Montpellier. 

58. Melanges de litterature proven^ale, par P. Meyer. 

In: Romania, 1™ ann6e. 

Eine Anzahl ans Handschriften herausgegebene Gedichte. 

59. Tersin, tradition Arlesienne; par P. Meyer. 

In: Romania, l re ann6e. 

Ein kleiner provenzal. Prosaroman der Karlsage. 


60. Le Chansonnier huguenot du XVI® si£cle; (par PT. Bordier). 
1871. 8°. LXXIY, 496 p. 

Enthält etwa 120 Lieder oder Gedichte, die von französischen oder 
schweizer Protestanten im 16. Jahrh. verfasst sind. — S. über diese in¬ 
teressante Sammlung Rev. crit. 72, Nr. 40. 

61. Recueil de pi£ces rares et facetieuses anciennes et mo¬ 
dernes en vers et en prose, remises en lumiöre pour Pesbattement 
des Pantagruelistes avec le concours d’un bibliophile. 4 Vol. 1872. 

Den Grundstock dieses ‘Recueil’ bildet eine 1802 von einem Schau¬ 
spieler Caron gemachte Sammlung, die mit Ausschluss einiger Stücke 
wesentlich vermehrt hier wieder erscheint. Der erste Bd. enthält u. a. 
Farcen — Abdruck einer 1612 in Paris erschienenen seltenen Sammlung, 
von der Viollet le Duc in seinem Ancien thdätre fr. nur zwei mit- 
getheilt hat. 

62. Adam de la Halle. — Oeuvres compldtes du trouväre 
Adam de la Halle (poesies et musique) pübliees sous les auspices 
de la Societä des Sciences, lettres et arts de Lille, par E. de Cousse - 
mdker. 1872. 8°. LXXIV, 440 p. 

63. Berryer. — Oeuvres de Berry er, Discours parlamentaires. 
Tom. I—II. (1830—39). 1872. 8°. XXXII, 459, 498 p. ä 7 Fr. 

64. Chenier, AndrA — Oeuvres en prose d’Andre Chenier. 
Nouv. 6d. par Becq de Fouquiere. 1872. 8°. CXX, 408 p. 3% Fr. 

*65. Descartes. — Rene Descartes’ philosophische Werke 
übersetzt, erläutert und mit einer Lebensbeschreibung desselben 
versehen von J. H. v. KircJimann . Berlin 1870. 8°. 2 Bde. 

(Theil der philos. Bibliothek.) 


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Zur französischen Literaturgeschichte. 


403 


66. Deschamps. — Le traicte de Getta et d’Amphitrion, 
po&me dialogue du XV® s., traduit du latin de Vital de Blois, par 
Eustache Deschamps, publ. pour la prem. fois d’aprös les mss. de 
la Biblfoth&que de Paris avec une introduction et des notes par 
le marquis de Queux de St. Hilairc. 1872. 12°. XXIV, 60 p. 5 Fr. 

67. Deschamps. — Le lay des douze estats du monde par 
Eustache Deschamps. Reims. 8°. 48 p. 

68. Doublet. — Elegies de Jean Doublet, suivies des 6pi- 
grammes et rimes diverses. 16°. XV, 261 p. 

Doublet schrieb um die Mitte des 16. Jahrh. 

69. Froissart. — Oeuvres publ. par Kervyn de Lettenhove 
[s. J. 70, Nr. 40]. Tome XV. 

70. Froissart. — - Oeuvres, Poesies publ. par Scheler [s. J. 
70, Nr. 41]. Tomes II—III. 1872. LXXV, 481, 453 p. 

S. Literar. Centralbl. 1872, Nr. 35. 

71. Froissart. — Chroniques publ. par Luce [s. J. 70, Nr. 
42]. Tome III. (1342—46). 1872. 8°. LXIII, 462 p. 9 Fr. 

72. Guülaume le Clerc. — Fergus, Roman von Guillaume 
le Clerc, herausgeg. von JE. Martin. Halle 1872. 8°. XXIV, 240 p. 

2 Thlr. 

S. Zeitschr. für Österreich. Gymnas. 73, Heft 2—3. 

73. Guillaume de Lorris. — Li romans de la rose. Pre¬ 
miere partie par Guillaume de Lorris. Von Puschel. Berlin 1872. 
4°. 26 p. 12 Sgr. 

Enthält die ersten 834 Verse der Dichtung.S. darüber Romania, p. 391 f. 

Henri de Valenciennes. — S. unten Nr. 91. 

74. Imbert. — Premiere partie des sonnets exoteriques de 
Gerard Marie Imbert; publ. avec une preface et des notes par Ch. 
Tamxzey de Larroque. 1872. 8°. 105 p. 

Nur in 100 Expl. — S. Rev. crit. 72, Nr. 11. 

75. La Boetie. — La servitude volontaire ou le Contrun 
par La Boötie, r6imprim6 sur le msc. d’Henry de Mesmes, par Z>. 
Jouaust. 1872. 12°. XII, 70 p. 

76. La Fontaine. — Oeuvres compietes de La Fontaine,' 
nouv. 6d. tres-soigneusement revue sur les textes originaux, avec 
un travail de critique et d’erudition, aper^us d’histoire litteraire, 
vie de lauteur, notes et commentaires, bibliographie ect., par L. 
Moland. 1872. 8°. T. I—II. CXXV, 368, 507 p.15 Fr. 

S. Rev. crit. 72, Nr. 45. 

77. Lamartine. — Memoires inedits de Lamartine, 1790— 
1815. 1871. 8°. IX, 369 p. 

78. Magny, Olivier de. — Les Gayetez d’Olivier de Magny, 
texte original, avec notice par E. Courbet. 1871. 8°. XXTT, 
110 p. 5 Fr. 

S. Rev. crit. 72, Nr. 15. 


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404 


Bibliographie v. 1871—72. 


79. Marmontel. — Lettre inedite de Marmontel a Diderot, 
publ. par Ficdon. Reims 1871. 8°. 12 p. 

*80. Montaigne. — Essais de Michel de Montaigne, texte 
original de 1580, avec les variantes des 6ditions de 1582 et 1587, 
publ. par Dezeimiris et Barckhausen. Bordeaux 1870. 8°. T. I. 
XX, 362 p. 

S. über diese interessante Ausg. Bibi, de l’Ec. d. ch. 71. 

81. Montaigne. — Les essais de Montaigne, accompagnes 
d’une notice sur sa vie et ses ouvrages, d’une etude bibliographique, 
de variantes, de notes, de tables et d’un glossaire, par E. Courbet 
et Ch. Boyer. 1872. T. I. 8°. X, 457 p. 

82. Pange. — Oeuvres de Francis de Pange (1789—96), 
publikes pour la premiöre fois par Becq de Fouquiöres. 1872. 8°. 
LYII, 278 p. 3 l /2 Fr. 

Diese Werke waren fast unbekannt; sie sind aus den Journalen 
jener Epoche genommen, wo sie vergraben waren; sie behandeln fast 
dieselben Gegenstände als die des Zeitgenossen Chdnier, und wie der 
Kritiker der Rev. crit. 1873, Nr. 11, meint, selbst mit mehr Schwung des 
Gedankens und grösserer Formschönheit. Die Biographie des Dichters 
ist mit grosser Sorgfalt von dem Herausg. abgefasst, ein Werk eigener 
Forschung. 

83. Rabelais. — Oeuvres de Rabelais, 6d. conforme aux 
derniers textes revus par l’auteur, avec les variantes de toutes les 
6ditions originales, des notes et un glossaire. 8°. T. I—II ä 5 Fr. 
(Bibi. elz6v.). 

84. Rabelais. — Les Quatre Livres de maistre Fr. Rabelais, 
publ. par A. de Montaiglon et L. Lacour [s. J. 69, Nr. 66]. T. III 
(dernier). 1872. 326 p. 

85. Rabelais. — La seconde Chronique de Gargantua et 
Pantagruel, pr6cedt*e d’une notice par P. Lacroix. 1872. 12°. XX, 
123 p. 8 Fr. 

*86. Racine. — Oeuvres, 6d. Mesnard [s. J. 67, Nr. 102]. 
Tomes V—VII. 

87. Racine. — Iphigenie von Racine, übers, von L. Michaelis. 

• Im: Progr. des Gymnas. von Guben. 1870. 

Eine Uebertragung in fünffussigen Jamben, welche wohl gelungen 
sein soll. 

88. Rägnier. — Oeuvres complötes de Rtignier. Nouv. 6d. 
avec le commentaire de Brossette, publ. en 1729, des notes litt6- 
raires, par P. Poitevm. 1872. 12°. XXXV, 346 p. 

• 89. Retz. — Oeuvres du Cardinal de Retz. Nouv. ed. revue 
sur les plus anciennes impressions et les autographes et augmentee 
de morceaux inßdits, de variantes, de notices, de notes, d’un lexique 
des mots et locutions remarquables, d’un portrait etc., par A. FeiUet . 
T. I—n. 1870—72. 8°. VIII, 353, 702 p. 15 Fr. 

Theil der Grands öcrivains de la France. — S. Rev. crit. 72, Nr. 29. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 405 

90. Vanqnelin. — Les diverses po§sies [s. J. 69, Nr. 72]. 
Tome II. 

91. Villehardonln. — La conquöte de Constantinople, par 
Geoffroi de Yille-Hardouin, avec la continuation de Henri de Va- 
lenciennes. Texte original, accompagne d’une traduction, par Na- 
talis de Waiüy. 1872. gr. 8°. XXVI, 511 p/ 15 Fr. 

S. über diese wichtige Ausg. Rev. crit. 72, Nr. 46. 

92. Voltaire. — Oeuvres compldtes, avec prüfaces, notes et 
commentaires nouveaux, par E. de la BedoUiere et G. Avenel. 
T. I—II. a 3 Fr. 


II. Zur italienischen Literaturgeschichte. 

. Von Adolf Tobler. 

A. 

1. 

93. Bibliografia italiana, giornale deir Associazione libraria 
italiana compilato sui documenti communicati dal Ministero del- 
Tlstruzione pubblica. Anno V. 1871. Anno VI. 1872. 8°. Prezzo 
per T Italia 1. 7, 50; per TEstero 1. 9. 

Erscheint den 16. und den 30. jedes Monats. 

94. Repertorio bibliograflco delle Opere stampate in Italia 
nel secolo XIX compilato da D. Giuseppe Bertocci. Fase. I. Roma 
1871. 24 — 8 — 8 p. 8° gr. Fase. II. Roma 1871. 49 p. Fase. 
IH. 1872. 

Hefte von ungefähr 40 Seiten zu 1. 1. Anordnung nach Fächern; 
über jedes Buch eine kurze Notiz. 

95. Biblioteca tipografica italiana per G. Ottino . Firenze 
1871. 73 p. 16°. 

In 60 Exemplaren gedruckt; umfasst vier Abtheilungen: 1. Storia 
della Tipografia. 2. Storia della Tipografia in Italia. 3. Storia d. T. 
nelle provincie italiane. 4. Storia d. T. nelle cittä italiane. 

96. Della Tipografia Veronese , saggio storico letterario di 

monsignor Carlo GMiari . Verona 1871. 196 p. 8°. 1. 4. 

S. Petzholdts Anzeiger Jan. 1872. 

97. Di Bemardo Cennini e delT arte della stampa in Firenze 

nei primi cento anni dalT invenzione di essa, sommario storico con 
documenti inediti per G. Ottino . Firenze 1871. 120 p. 8°. con due 
illustrazioni. 1. 2. 

Diese Schrift und die folgende sind veranlasst durch die auf den 
24. Juni 1871 in Florenz veranstaltete Feier des 400sten Jahrestages der 
Geburt des berühmten Goldschmieds und Druckers. S. Riv. Sicula agosto 
1871, Arch. veneto T. II. P. I, Arch. stör. it&L S. III. T. XIII. 


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406 


Bibliographie v. 1871—72. 


98. Le feste del IV centenario Cenniniano. Relazione di Piero 
Baribra, Firenze 1871. 

Enthält eine Rede von A. Bertolotti: Bernardo Cennini e il suo 
tempo, ferner von C. Fontanelli: Un pensiero alla stampa. 

S. Riv. Sic. agosto 1871, Petzholdts Anzeiger Sept. 1871. 

99. I Codici e le Arti a Monte Cassino per D. Andrea Ca- 
ravita . Vol. II ? 1. 5, e vol. III, 1. 5. Monte Cassino. 1871. 326 — 
304 p. 8°. 

S. Bibliogr. von 1869 Nr. 168. Anzeigen in Academy 1871 Nr. 25, 
in Reuschs theol. Literaturblatt 1871 Nr. 15 und Nr. 20 (von Ruland), 
in N. Antol. 1872 febbr. (A. D’A.). 

100. Bibliografia della Biblioteca Marciana per Gius. Volenti - 
nelli. Archivio Veneto T. I, p. 450 e seg. 1871. 

Anfang de8 Verzeichnisses der auf die Bibliothek, ihr Personal und 
ihre Gönner bezüglichen Schriften, der Cataloge, der Handschriften- 
beschreibungen, der Benutzungen derselben u. 8. w. 

101. Del grande Arcbivio di Napoli, delle scritture antiche e 
moderne che contiene e del loro ordinamento, cenno storico-critico 
di Giuseppe del Giudici. Napoli 1871. VIII—136 p. 8°. 1 Th. 18 Sgr. 

102. Cenni storico-bibliografici della R. Biblioteca Nazio- 
nale di Firenze di Luigi Passerini, Firenze 1872. 52 p. 8°. 

Die Magliabechiana und die Palatina sind gegenwärtig zu einer B. 
Nazionale vereinigt. S. N. Antol. 1872 die. 

103. Cenni storico-bibliograflei della R. Biblioteca Riccar- 
diana di Firenze di Alessandro Bulgarini. Firenze 1872. 28 p. 8°. 

104. Snlla Biblioteca Nazionale di Palermo relazione del dott. 
cav. Filippo Evola, bibliotecario capo della medesima. Palermo 1872. 

S. Arch. stör, sicil. I. p. 285. 

105. La Biblioteca universitaria di Genova, cenni storici 
di Emawucle Celesia . Genova 1872. 16 p. 8°. 

106. L’archivio e la biblioteca de 1 manoscritti di Monte- 

cassino, relazione. Montecassino 1872. 28 p. 8°. 

107. La biblioteca nazionale di Cremona. Cremona 1872. 
4 p. 8°. 

108. La biblioteca universitaria di Catania. Catania 1872. 

11 p. 8°. 

109. La Biblioteca universitaria di Messina per C . Carrac - 
ciolo. Messina. 16 p. 8°. 

110. Relazione snlla Biblioteca della R. Universität di Pisa 

per M. Ferrucci. Pisa 1872. 18 p. 8°. 

111. Notizie della Biblioteca nazionale di Napoli per V. 

Fomari. Napoli 1872. 96 p. 8 e . 

112. Cenni storico - statistici snlla R. Biblioteca universi- 
taria di Torino per G. Gorresio. Torino 1872. 18 — XII p. 8°. 

113. Breve ragguaglio della Biblioteca Marucelliana di 

Firenze per Pietro Fanfmi. Firenze 1872. 12 p. 8°. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


407 


114. Relazione sulla R. Biblioteca Pubblica di Lucca per 

L. Del Prete. Lucca 1872. 12 p. 8°. 

115. Notizie storiche sulla Biblioteca universitaria di Bo¬ 
logna, pel prof. Carlo Gemelli con appendiee. Bologna 1872. 
48 p. 8°. 

116. Dei catalogM a stampa di codici manoscritti delle 
biblioteche italiane di Giuseppe Valentvnelli. Venezia 1872. 

Vorrede über die beste Art Handschriftencataloge anzulegen, sodann 
Bibliographie der Kunde von Handschriften italienischer Bibliotheken. 
S. N. Antol. luglio 1872 (A. D’A.) und Fulin im Arch. ven. T. VI. P. 1 (1873). 

117. Bibliotheca manuscripta ad S. Marci Venetiarum. 

Digessit Jos. Valentvnelli. Codices manuscripti latini. T. IV. Ve- 
netiis 1871. 324 p. 8°. T. V..1872. 394 p. 8°. 1. 12. 

S. Bibliogr. 1870 Nr. 136, 1869 Nr. 167, 1868 Nr. 179. 

118. I Codici francesi della Biblioteca Marciana di Venezia 

descritti da Adolfo Bartoli , archivio veneto. T. DI. P. II. 1872. 

Der Anfang der Arbeit handelt von den Gedichten des trojanischen 
Sagenkreises und gibt interessante Auszüge. S. Lit. Centralbl. 1872 
Nr. 41 (Msf.) und Romania II 135 (P. Meyer). 

119. Saggio del Catalogo dei Codici di Emmanuele A. Ci- 
COgna (per cura di B. Fulin). Archivio veneto T. IV. 1872. 

120. Catalogo dei Novelliert italiani in prosa raccolti e 

posseduti da Giovanni Papanti , aggiuntevi alcune novelle per la 
maggior parte inedite. 2 vol. Livorno 1871. VI — 218—LII — 
XII—152 —CXIX p. 8°. gr. 1. 12. 4 Th. 25 sgr. 

Angezeigt von Reumont Augsb. Allg. Zeitg. 1872 Nr. 70, von A. D’A. 
in N. Antol. 1872 apr., von Pietro Salvatico im Propugn. V, 1, 158. 
Als Anhang folgen dem Cataloge 44 meist ungedruckte Novellen. Auch 
eine besondere kleine Schrift von Adolfo Boelhouwer, Del catalogo dei 
Novellieri u. s. w. Livorno 1872, 17 S. 8°. handelt von Papanti’s Werke. 

121. Die vaticanische Liederhandschrift 3793 von Dr. Justus 
Grion. In Böhmers Romanischen Studien Heft I, S. 61—113. 1871. 

Verzeichniss der Anfänge sämmtlicher in der wichtigen Hds. ent¬ 
haltenen beinahe 1000 Canzonen und Sonette mit Angabe der dazu nam¬ 
haft gemachten Verfasser. Es schliesst sich daran eine längere An¬ 
merkung von Karl Witte über den in der Hds. mehrfach vertretenen, 
noch wenig bekannten Chiaro Davanzati. Eine Ausgabe der Sammlung 
ist von D’Ancona und Comparetti verheissen. 

2 . 

122. Compendio della storia della lingua e della lettera- 

tura italiana con le notizie biografiche intomo ai piü illustri scrit- 
tori di ciascun secolo e i giudizi critici sulle opere loro ad uso 
delle scuole del Regno pel prof. F. Folezzani. Venezia 1871. 
184 p. 8°. 1. 2, 80. 

123. Lezioni di Letteratura italiana dettate neir Universitä 
di Napoli da Luigi Settembrini. Vol. III. Napoli 1872. 8°. 


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408 


Bibliographie v. 1871—72. 


S. Bibliogr. des Jahres 1868 Nr. 187. Ueber das mit dem 3. Bande 
abgeschlossene Werk s. das Octoberheft des Jahrg. 1872 der Biblioth. 
onivers. et Revue suisse, und A. de Gubernatis Riv. Europ. 1873 apr. 

124. Vestigia primitive della lingua e dei dialetti italiani 

per Cesare Cantü. Atti del R. Istituto Veneto di scienze, lettere 
ed arti. T. XVI. S. HI. Disp. 1. 1871. 

125. Le Lettere in Italia prima di Dante. Con un appen- 

dice sui varii accidenti subiti dalle diverse forme del verbo ita- 
liano del dott. JFortumto Bcmattio, prof. ord. nell’uni versita di 
Innsbruck. Verona 1871. VI — 288 p. 8°. 1 Thlr. 

A. Bartoli im Arch. Veneto T. I. S. 392 ff. macht zahlreiche wohl 
begründete Ausstellungen; Corazzini bespricht das Buch in d. Riv. filoL 
lett. I. S. 250. 

126. I primi poeti d’amore o del nascimento della poesia 

VOlgare in Italia, discorso dell’ avvocato prof. Giovanni Frmciosu 
Memorie della R. Accademia di scienze, lettere ed arti in Modena. 
T. XII. Modena 1871. 16 p. 4°. 

127. Studi sulla letteratnra italiana del primo secolo per 
Francesco Corazzini. I. I Dialetti. Riv. filol. letter. I, 1. 1871. 

Die Zeitschrift hat früh zu erscheinen aufgehört und eine Fort¬ 
setzung der Arbeit scheint nicht gegeben worden zu sein. 

128. I primi dne secoli della letteratnra italiana per A. 

Bartoli. Milano 1871, 1872. Dispense 1—10. 296 p. 4°. 

in Berlin 4 Thlr.! 

Bildet einen Theil des Werkes: L’ltalia sotto l’aspetto fisico, storico, 
artistico e statistico, und zwar der Abtheilung desselben, welche den 
Titel trägt: Storia letteraria d’Italia scritta da una societa di amici sotto 
la direzione di Pasquale Villari. 

Inhalt des bis jetzt Erschienenen: Origini della lingua italiana, Fatti 
che apparecchiarono le prime manifestazioni della letteratnra italiana, 
Letteratura dialettale nell’ alta Italia, Lett. dial. nella bassa Italia, Let- 
teratura nell’ Italia di mezzo, le Rappresentazioni, Condizioni letterarie 
nel medio evo specialmente in Italia, le Enciciopedie, Poesie insegnative 
e morali, la Prosa. 

Anzeigen von F. Corazzini, Riv. Hol. letter. I. S. 70—78, von A. D’A., 
Nuova Antol. 1873 apr. (mit einigen Berichtigungen). 

129. Firenze e il Triumvirate letterario del secolo XIV 
per Crwsuc Carducci. Nuova Antol. 1872 genn. 

130. The Popes and the Italian Humanist». Edinburgh 
Review 1872 july. 

Anknüpfend an von Reumonts losch, d. Stadt Rom, Zeller's L'Italie 
et la Renaissance und Burckhardts Cultur der Renaissance. 

131. I Letterati a Roma e il potere temporale nel secolo 
XV con nuovi documenti per A. Paoli Nuova Antol. 1872 ott. 

132. Come lo studio degli Umanisti nel secolo XV si ri- 
colleghi col risorgimento della riflessione scientiflca per Alcs- 
sandro Paoli. Riv. Europ. 1871 ott. e die. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


409 


3. 

133. Saggio critico sulla letteratura lombarda per Bmedetto 
Prim,. Firenze 1871. 

Gedrängte Uebersicht der literarischen Entwickelung von Vergils 
Zeit bis auf heute, s. N. Antol. 1871 ag. und A riscontro e per occasione 
del saggio critico s. 1. 1. del prof. B. P. considerazioni di G. L. F. Berti, 
Firenze 1871. 16 p. 8°. 

134. Notizie biograflche e bibliografiche degli scrittori 
del dialetto napoletano compilate da Pietro Martorana. Napoli 1871. 

Erscheint in Lieferungen. Vittorio Imbriani im Maiheft der N. 
Antol. 1871 macht auf einige Gebrechen des Werkes aufmerksam; des 
Recensenten bei dieser Gelegenheit vorgebrachte und in nicht erlaubter 
Weise sich auf Liebrecht (Jahrb. X, 331 ff.) berufende Behauptung, Schil¬ 
lers Räuber seien eine Copie von Andreini’s Lelio Bandito, stellt 0. 
Hartwig in der Zeitschrift „Im neuen Reich“ 1871 Nr. 44 als das hin, 
was sie ist. 

135. Bibliografla del dialetto veronese e proposta di una 
generale per gli altri dialetti italiani, lettera del co. G. B. Carlo 
Giuliari all’ ill. comm. Fr. Zambrini con un aneddoto in antico 
volgare veronese. Bologna 1872. 37 p. 8°. 

Die Proposta di una Bibliografla de’ dialetti italiani sammt dem 
documento aneddoto ist abgedruckt im Propugn. V, 2, 306 — 339. Letzteres 
interessante Stück ist betitelt: Quialoga se perten la passion del nostro 
segnor Jesu Cristo secondo che scrive li quatro evangelisti. 

136. Le Lettere, le Scienze et le Arti in Sicilia negli anni 
1870 e 1871 per Giuseppe Pitre . Palermo 1872. XY—300 p. 16°. 

1. 3. 

Angezeigt von Mattia di Martino in Riv. filol. letter. Yol. II fase. 4, 
ausführlich von Liebrecht in Gött. Gel. Anz. 1872 St. 14, von Gaidoz im 
Polybiblion 1872 avr. (abgedruckt in d. Riv. Europ. 1872 maggio), von 
0. Hartwig in v. Sybels histor. Zeitschrift 1873, Heft 4. 

137. Fronde e flori del Veneto letterario in questo secolo, 

racconti biografici di Luigia Codemo Gerstenbrand . Venezia 1872. 

S. A. D’A. in N. Antol. 1873 apr. 

138. Dizionario bibliografleo istorico della Bepnbblica di 

San Marino contenente le indicazioni delle opere, delle effemeridi 
e degli opuscoli che trattano della stessa in qualsivoglia argomento, 
del commendatore Carlo Padiglione. Napoli 1872. 491 p. 4°. 

S. Arch. stör. S. HI, T. XYH. 

139. Cenni biografici dei personaggi illustri della citti di 
Pescia e suoi dintomi per Giuseppe Ansaldi Pescia 1872. 456 p. 8°. 

S. Riv. Europ. 1872 die. Beschäftigt sich (wie das vorstehende 
Werk) nicht bloss mit literarischen Berühmtheiten; unter diesen aber 
finden sich Giusti, der Lustspieldichter Martini u. a. 

140. La Letteratura veronese al cadere del secolo XV e le 
sne opere a stampa per G. B. C. Giuliari Propugn. V, 2, 105 
(1872) u. ff. 


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410 


Bibliographie v. 1871—72. 


141. Dello Studio pnbblico di Hantova e dei professori 

che vi hanno insegnato a tutto ranno MDCCCLVIII, cenni sto- 
rico-bibliografici di Antonio Mainardi. Mantova 1871. 24 p. 8°. 

142. Contribnto alla storia dello Studio di Perugia nei 
secoli XIV e XV per Guido Padelletli. Bologna 1872. 134 p. 8°. 

Drei umfangreiche Documente: ^. Verzeichntes der Schüler und der 
Lehrer des Jahres 1339 (S. 8—11). 2. Universitätsordnung aus der ersten 
Hälfte des 14. Jahrhunderts. 3. Statuten der Universitas der Studenten 
in der Redaction von 1457. Eine lehrreiche Einleitung erörtert sorg¬ 
fältig die Bedeutung der Documente. 

143. Le canzoni popolari sarde del Logudoro per Giuseppe 
Pitre. Riv. filol. letter. I. 1 (1871). 

Mit Bezug auf Spano’s 1863—67 erschienene Sammlungen und die 
an ächter Volksdichtung mehr bietende Sammlung vom Jahre 1870: Se¬ 
conda serie: canzoni storiche e profane (s. Bibliogr. des Jahres 1870 
Nr. 228). 

144. Proflli e paesaggi della Sardegna di Paolo Mantegazza. 

Milano 1869. 232 p. 8°. 1. 3. 

Enthält S. 118—189 zwei Abschnitte, um deren Willen das Buch 
hier nachträglich erwähnt werden mag: I Proverbi sardi, classificazione 
e Btattetica dei proverbi, le superstizioni studiate nel proverbio u. s. w. 
und La Poesia popolare in Sardegna, gli improvvisatori e le loro lotte 

B oetiche, poesie amorose, poeti sacri antichi e moderni, i mteteri u. s. w. 

essen, was der Verfasser nicht Spanu’s Wörterbuch oder Heinr. von 
Maltzan’s Reise auf Sardinien verdankt, ist nicht eben viel. 

145. Ricordi e reminiscenze nei canti popolari siciliani 
per Giuseppe Pitrd, Riv. Sicula 1872 apr., maggio. 

146. La Parodia nei canti popolari siciliani per Giuseppe 
Pitrd. Riv. Sicula 1871, die. 

147. I canti popolari del Monferrato, studi di Giuseppe 
Ferraro. Riv. Europ. 1872 maggio-luglio. 

Eine Art Vorrede zu des Verfassers Sammlung (s. Bibliogr. 1870 
Nr. 231) mit etwelcher Ausführung der dort in blossen Citationen liegen¬ 
den Angaben über Herkunft und Verbreitung der erzählenden Dichtungen. 


4. 

148. Della pubblica eloquenza in Italia, discorso di Fr. 

Simoncelli. Viterbo 1872. 36 p. 8°. 

149. Intorno lo stato presente della poesia lirica in Italia, 
pensieri di Giovanni Fanti. Propugn. V 1, 438 (1872). 

Sehr wenig lehrreich. 

150. Studii sulla commedia italiana del secolo XVI per 

Alberto Agresti. Napoli 1871. 166 p. 8°. 1. 2. 50. 

151. L’imitazione latina nella commedia italiana del secolo 
XVI studio di Vincenzo de Amicis. Pisa 1871. 

Diese Arbeit wird von der Riv. Europ. 1871 Nov. S. 574 sehr ge¬ 
rühmt. Eingehender besprechen sie und die vorangehende Schrift A. 
D’Ancona N. Antol. 1871 nov. und Francesco D’Ovidio Propugn. V 1 S. 134. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


411 


152. I precnrsori di Goldoni , saggi di Eugenio Camerim. 

Milano 1872. 208 p. 8°. 1. 3. 

153. Sopra lo stato presente del Teatro in Italia, sermoni 
1Y del cav. dott. Luca Vivarelli. Bologna 1871. 

Dichtungen, deren Inhalt L. Savorini im Propugn. IV 1, 462 aus¬ 
führlich angibt. 

154. Dell' avvenire del romanzo in Italia, discorso di Anto¬ 
nio Fogazzaro. Vicenza 1871. 

S. N. Antol. 1872. ott. 

155. II teatro italiano contemporaneo, saggi critici di Luigi 

Capuana, nuovamente raccolti e riveduti dall’autore. Teatro ita¬ 
liano contemporaneo. Teatro straniero. Letteratura. Palermo 1872. 
XXXH —460 p. 16°. 1. 5. 

S. Pitr& in der Riv. Europ. 1872 apr., N. Antol. ott. — Es sind 
gesammelte Feuilletons zumeist der „Nazione“, welche die wichtigsten 
Aufführungen der florentinischen Theater begleiteten. 

156. II poeta popolare per Pietro Fanfani. N. Antol. 1871 
maggio. 

Beschäftigt sich vorzüglich mit den volksthümlichen Sonetten in 
Pisaner Mundart eines jungen in Florenz lebenden Architecten Renato 
Fucini (Neri Tanfucio), gebürtig aus Vinci bei Pisa, von welchen an¬ 
ziehende Proben gegeben werden. Eine Sammlung derselben ist seither 
erschienen: Cento sonetti in vemacolo pisano di Neri Tanfucio, Firenze 
1872. XII — 108 p. 12°. 1. 2. 

157. Questioni di poesia popolare. All’ illustre professore 
Manuel Mila y Fontanals lettera di Giuseppe PitrL Riv. filol. 
letter. Vol. I f. 5 (1871). 

158. Studi di poesia popolare per Giuseppe Pitrt. Palermo 

1872. VIII—400 p. 16°. 1. 4. 

Fünfzehn gesammelte kleinere Abhandlungen und Besprechungen, 
welche die Bibliographie deB Jahrbuchs früher einzeln aufgeführt hat. 
Die Titel derselben s. Riv. Europ. 1872 sett.; s. ausserdem A. D’A. in 
N. Antol. 1872 ott., Liebrecht in Gött. Gel. Anz. 1872 Stück 43, F. Bru- 
netti im Arch. Vcneto T. IV, Puymaigre im Polybibi. 1873 janv. und in 
Rev. Crit. 1873 Nr. 24, Saturday Rev. 9. Nov. 1872, Riv. veron. II, 4. 


5 . 

159. Rivista fllologico-letteraria pubblicata da F.Corazzmi, 
Ad. Gemma, B. Zandonclla. Verona 1871. 

Es sollte jeden Monat ein Heft erscheinen, der Jahrgang 1. 12 
kosten; er ist aber, wie es scheint, nicht vollständig geworden. Die auf 
ital. Lit.-Gesch. bezüglichen Artikel und Aufsätze sind je an ihrer Stelle 
angeführt. 

160. Romanische Studien herausgegeben von Eduard Böhmer . 

Heft I. Zu italienischen Dichtern. Halle a. S. 162 S. 8°. (Heft H. 
Quaestiones grammaticae et etymologicae 1872 S.163—308, berührt 
die ital. Lit.-Gesch. nicht.) ^ r/ : .r 


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412 


Bibliographie y. 1871—72. 


Die sechs Aufsätze des ersten Heftes sind an ihren Stellen ange¬ 
führt. Anzeigen: Msf. im Lit. CentralbL 1871 Nr. 46 (mit vielen Nach¬ 
trägen), A. D’A. in N. Antol. nov., B. ten Brink in Reuschs theol. Lit. 
Bl. Nr. 20, Bartsch in Heidelb. Jahrb. 1872 Nr. 1, Böddeker in Herrigs 
Arch. Bd. 48. 

161. Saggi di critica letteraria di Giuseppe PürL Palermo 

1871. 70 p. 8°. 

Angezeigt von S. Muzzi im Propugn. IV 1. S. 462. 

162. Filologia e Letteratura siciliana, studi di VmcenzoDi 
Giovanni. Parte prima: Filologia. Palermo 1871. XV — 310 p. 8°. 
Parte II: Letteratura. Palermo 1871. XVI—373 p. 1. 8. 

Angezeigt von Liebrecht, Gött. Gel. Anz. 1871 St. 41, von R. F. in 
N. Antol. ott., von Guido Falorsi im Arch. stör. it. S. HI, T. XIV, von 
Savorini im Propugn. IV 2, S. 284, von Puymaigre im Polybiblion 
1873 janv. 

163. Studi letterari di Giovanni Danelli. Livorno 1871. 

210 p. 8°. 

Von Arbeiten literarhistorischen Inhalts, die der Band neben Er¬ 
zählungen und Gedichten des Verfassers enthält, nennen wir nach der 
Riv. Europ. 1871 ott. die über Guerrazzi’s Destino, über Montanelli’s 
lyrische Dichtungen, über Berchet. S. auch Propugn. IV 2, S. 493. 

164. Scritti vari di Carmelo Pardl Vol. I. Versi, Elogi fu- 

nebri. Vol. II. Discorsi vari, critica letteraria, scritti d’arte. 
Palermo 1870, 1871. 340—490 p. 8°. 

Nach einer ausführlichen Anzeige im Propugn. IV 2, 478 sind unter 
den Arbeiten literarhistorischen Inhalts hervorzuheben: Intorno alla Uni¬ 
versalität del genio di Dante (der auch eine Zusammenstellung der durch 
die div. Commedia veranlassen Werke bildender, dichterischer, musika¬ 
lischer Kunst gibt) und eine Biographie Foscolo’s. Ein dritter Band ist 
in Aussicht gestellt. 

165. Opuscolo contenente un esame critico sul triforme poema 
di Dante Alighieri, una rivista dei principali scrittori italiani, la 
decadenza deÜa nostra lingua per le invasioni straniere, un com- 
mentario sulle opere di G. B. Vico, le risposte categoriche ai de- 
trattori del nostro trattato di giustizia sociale ed infine un appen- 
dice etnografica sulla Italia, del cav. Serafino Pachini. Teramo 

1871. 130 p. 8°. 

166. Profil! biografici e letterarii dei poeti contemporanei 
delT Italia meridionale pubblicati per Domenico Bianehi. Cosenza 

1872. Puntate 1—3, p. 1—48. 

Die ersten drei Lieferungen behandeln Gir. Ardizzoni, U. A. Amico, 
Michele Bertolami. 

167. Scritti letterari editi ed inediti di Francesco Ambrosoli 

con una prefazione di A. Zambelli. Vol. I. Firenze 1871. XXXII— 
432 p. 8°. 1. 5. 

168. Storia civile nella letteraria, studii di Niccold Tom - 
maseo. Torino 1872. IV — 556 p. 8°. 

Nach Propugn. IV 2, 494 sind folgendes die in dem Buche be¬ 
handelten Gegeuetäade: G. B. Vico und seine Zeit, Gasparo Gozzi und 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


413 


Venedig und Italien zu seiner Zeit; P. Chiari; G. B. Roberti, die Litera¬ 
tur und die Jesuiten im 18. Jahrh., Anton Maria Lormia. 

169. Elogi 6 Biografie di Raffaello Lambruschini raccolti per 
cura di Giuseppe Rigutini . Firenze 1872. V— 272 p. 16°. 

Nach der Anzeige von A. Gelli im Arch. stör. S. III. T. XVI be¬ 
rühren die Literaturgeschichte etwa die Aufsätze über Thouar und über 
Vieusseux. 

170. Ricordi biograflei per Angelo Re Gubernatis . Rivista 
Europea 1872. 

Eine Reihe lebendig geschriebener, oft auch durch mitgetheilte 
autobiographische Notizen besonderes Interesse erweckender Biographien 
berühmter lebender Zeitgenossen italienischen Stammes, von denen seit¬ 
her übrigens nicht wenige gestorben sind. Das eigentlich Biographische 
tritt allerdings öfter neben der Charakteristik etwas zu sehr zurück; 
doch wird das Gegebene immerhin namentlich im Auslande sehr will¬ 
kommen geheissen werden, wo man oft ganz ausser Stande ist, auch nur 
zu den spärlichsten Daten zu gelangen, und man das Streben des 
Verfassers, möglichst wenig Parteimann zu sein, besonders dankbar 
anerkennen wird. Im Jahr 1872 erschienen: l.Manzoni (f 22. Mai 1873), 
2. Gino Capponi, 3. Raffaello Lambruschini (f März 1873), 4. Cesare 
Cantü, 6. Niccolb Tommasbo, 6. F. D. Guerrazzi (f 23. Sept. 1873), 7. 
Andrea Maffei, 8. Giulio Carcano, 9. Michele Amari, 10. Pietro Giannone 
(t 24. Dez. 1872, patriotischer Dichter aus Modena, nicht zu verwechseln 
mit dem gleichnamigen Dichter Bibiiogr. 1870 Nr. 195, oder gar mit 
dem 1748 gestorbenen neapol. Geschichtschreiber), 11. Atto Vannucci, 
12. Antonio Ranieri, 13. Giovanni Arrivabene (f 1873), 14. Terenzio Ma- 
miani. — Im Jahr 1873 sind die 42 Biographien der ersten Serie in einem 
Bande von 660 S. 8° (1. 5) in Florenz gesammelt erschienen. 

171. Italiani illustri ritratti da Cesare Cantü. Milano 1872. 

Das Werk soll aus drei Bänden zu 30 bis 40 Bogen bestehn und 

erscheint in Lieferungen von vier Bogen Text oder von drei Bogen Text 
mit einem Portrait in Stahlstich, deren jede 1. 1 kostet. Der Subscrip- 
tionspreia für das Ganze ist 1. 30. — Ueber die ersten sieben Lieferun¬ 
gen, die übrigens ihren Stoff theilweise dem Italien der Römer entnehmen, 
8. Arch. stör. ital. S. III, T. XVI. 

172. Note di letteratnra italiana di Piero Corbellini . Dis¬ 
pense 1 — 6, p. 1 — 96. Pavia 1872. 1. 0,90. 

173. Letteratnra e fllosofia, opuscoli di Pasquale Garofalo duca 
di Bonito. Napoli 1872. CVI —154 p. 8°. 

Enthält allerlei nicht unwichtige Inedita, s. Propugn. V 2, 149. 

6 . 

174. Accarigi. Deila vita e degli scritti di Francesco Acca- 
rigi, memoria di Michele Maroni . Siena 1871. 

Rechtslehrer in Siena, Pisa, Parma und nochmals in Pisa, gest. 1622. 

175. Aleardi. Dei canti di A. Aleardi considerazioni di Fcr- 
dinemdo Sbigoli . Firenze 1871. 

Den Angriffen des Verfassers tritt Zandonella in der Riv. filol. 
letter. Vol. II, fase. 4 mit grossem Eifer entgegen. 

176. Alfleri. L’idea politica nella mente di Vittorio Alfieri, 
discorso del prof. Tommaso SanesL Prato 1871. 

S. A. D’A. in d. N. Antol. 1871 luglio. 


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414 


Bibliographie v. 1871—72. 


177. Alfieri. La volontä ed il sentimento religioso nella vita 
e nelle opere di Vittorio Alfieri (con documenti inediti) per Do¬ 
menico Berti N. Antol. 1872 marzo. 

178. Ambrosoli. Sugli studii di Francesco Ambrosoli nelle 

lettere grecbe e latine ragionamento di Stefano Grosso . Milano 
1872. 80 p. 8°. 1. 1,50. 

S. Arch. stör. ital. S. III T. XVII p. 224. 

179. Angeli. Bonaventura Angeli per A. Bonckini Atti e 
Memorie delle R. R. Deput. di Storia patria per le *prov. mod. e 
parmensi. Vol. V.p. 233—249 (1870). 

Aus ungedruckten Quellen werden mancherlei Ergänzungen und Be¬ 
richtigungen der Biographien gegeben, die wir von dem ferraresischen 
Rechtsgelehrten und Geschichtschreiber von Parma in den bekannten 
lit. histor. Werken von Barotti u. Aff6 haben. 

180. AnselmtL8. Anselm der Peripatetiker nebst andern Bei¬ 

trägen zur Literaturgeschichte Italiens im 11. Jahrhundert, von 
Ernst Dümmler. Halle 1872. VI—111 S. 8°. 1 Thlr. 

S. Lit. Centralbl. 1873 Nr. 19. 

181. Aretino. Pietro Aretino ed Ercole II dhca di Ferrara 
per Giuseppe Campori Atti e Memorie delle R. R. Deputazioni 
di Storia Patria per le provincie modenesi e parmensi. Vol. V. 
p. 29—37. (1870). 

Mehrere ungedruckte Briefe von Aretino, dem Herzog und dessen 
Botschaftern in Venedig, welche in Verbindung mit Aretino’s gedruckten 
Briefen ein Bild von des Schriftstellers Art geben, mit den Grossen seiner 
Zeit zu verkehren. 

182. Ariosto. Notizie per la vita di Lodovico Ariosto tratte 
da documenti inediti a cura di Giuseppe Campori Seconda edizione 
corretta e notevolmente accresciuta. Modena 1871. 145 p. 8°. 

S. Propugn. III 2, 530, Raffaello Fornaciari in N. Antol. 1871 febbr. 
Die erste Ausgabe (1866) war in den Memorie della R. Accademia di 
Modena erschienen; in der zweiten sind ungedruckte Briefe hinzugekommen. 
(206 Exemplare). 

183. Ariosto. L’Orlando Furioso per Fra/ncesco De Sanctis. 
N. Antol. 1871 apr. 

184. Bagnoli. Giulio Cesare Bagnoli di Bagnacavallo e la 
sua tragedia „L’Aragonese“, memoria del c. T. Luigi Balduzzi 
Propugn. V 2, 340 — 367. 

Notizen über den, wie es scheint, zwischen 1640 und 1550 gebore¬ 
nen und sicher den 25. März 1623 gestorbenen Dichter und eine seiner 
beiden sehr selten gewordenen Tragödien, die dem Verfasser in einem 
Drucke aus Trapani 1682 zu Gesichte gekommen ist; umfangreiche Aus¬ 
züge. — Der Verfasser bittet, nun mit ihm auf das zweite Trauerspiel 
Bagnoli’s „II Giudizio di Paride“ zu fahnden. 

185. Beccaria. Cesare Beccaria per Pietro Custodi con pre- 

fazione e note di Felice Venosta . Milano 1871. 30 p. 32°. 1. 0,25. 

186. Beccaria. Cesare Beccaria e l’abolizione della pena di 
morte. Milano 1872. 309 p. 8°. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


415 


S. Riv. Europ. 1872 febbr. — Das Buch enthält: 1. Studio del prof. 
Amato Amati sulla vita e le opere del B.; von Wichtigkeit ist hier na¬ 
mentlich die Besprechung eines von Amati schon 1867 im Istituto Lom¬ 
bard© behandelten lat. Manuscripts von Beccaria, welches zeigt, wie sein 
Hauptwerk hauptsächlich aus sorgsamem Studium des Baco von Veru- 
lam hervorgegangen ist. 2. Considerazioni del dott. Antonio Buccellati 
suir abolizione della pena di morte. 3. Rendiconto morale e economico 
del comitato centrale d’esecuzione del monumento. 

187. Belli. G. G. Belli und die römische Satire von Hugo 
Schuchardt. Augsb. Allg. Ztg. 1871 Nr. 164 ff. 

S. Bibliogr. 1869 Nr. 318, und 1870 Nr. 161. 

188. Beni. Biografia del dott. Francesco Beni scritta dal 
cav. Gio. Batt. Clernend. Schio 1872. 8°. 

S. B. Mosolin im Arch. stör. ital. S. HI, T. XVI. — Beni (1844 im 
Alter von 78 Jahren in seinem Geburtsort Longare bei Vicenza gestorben) 
war Criminalist, aber zeitweise auch Professor der schönen Literatur in 
Vicenza und Dichter, dessen Leistungen (1839 in Venedig zu einem 
Bande vereinigt) sich der Hochschätzung Vittorelli’s und Cesarotti’s 
erfreuten. 

189. Berchet. Della vita e degli scritti di Gio. Berchet, 
ragionamento di Giuseppe BustelU. Firenze 1871. 

S. A. D’A. in N. Antol. 1871 die. 

190. Berchet. Giovanni Berchet, studio critico-biografico di 
Cesare Bosa. Ancona 1872. 24 p. 8°. 

191. Bemardi. Antonio Bernardi per A. Ronchini. Atti e 
Memorie delle R. R. Deput. di storia patria per le prov. mod. e 
parm. Vol. V, p. 311 — 321. 

Bernardi (f 1566) war der Lehrer des Cardinals Alessandro Farnese 
in der Philosophie und der Verfasser eines lat. geschriebenen Buches 
„de eversione singularis certaminis“ (Basel 1562), dessen Verfasserschaft 
bisher nicht ganz sicher war, da G. B. Possevino’B Uebersetzung ins Ita¬ 
lienische schon 1662 als Werk des Letzteren erschienen war. 

192. Biava. Samuele Biava e i Romantici per Niccolö Tom - 
rnasöo. N. Antol. 1871. 

193. Biava. Samuele Biava per Benedetto Prina . Bergamo 
1871. 52 p. 32°. 

Biografie d'illustri Bergamaschi. 

194. (Boccaccio.) Griselda von Reinhold Köhler. Ersch und 
Gruber, 1. Sect. XCI. S. 413—421 (1872). 

195. Bodoni. Vita di Giambattista Bodoni scritta da Jacopo 
Bemardi. Saluzzo 1872. 239 p. 4°. 

S. Arch. stör. itaL S. III, T. XVUI (Domenico Carutti). 

196. Boiardo, Matteo Maria. 

R. Fulin publicirt im Arch. Ven. T. I S. 164 einen lat. Brief vom 
30. Dec. 1488, in welchem die Dieci von Venedig den Vicedominus von 
Ferrara auffordern, von Bojardo die Auslieferung gewisser Falschmünzer 
zu verlangen, welche bei Scandiano „mit Wissen und unter Theilnahme 
des Grafen“ ihr Gewerbe trieben. Der Brief ist nie abgegangen. 

Jahrb. f. rom. u. engl. Literatur. N. F. 1, 2$ 


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416 


Bibliographie v. 1871—72. 


197. Botero. Nell' inaugurazione del monumento a Giovanni 
Botero in Bene-Yagienna orazione del cav. Casimiro Donna, prof. 
emerito delT universita di Torino. Mondovl 1871. 8°. 

198. Botero. Giovanni Botero per Andrea Ighina. Mondovl 

1872. 10 p. 8°. 

199. Buonarroti. The poetry of Michelangelo. By Walter 
H. Pater . The Fortnightly Rev. 1871 nov. 

200. Buonarroti. Zu Michelagnolo Buonarroti’s Gedichten 
von Karl Wüte . In Boehmers Roman. Studien Heft I (1871) 
S. 1—60. 

Eingehende Darstellung der Geschichte des Textes von der Ent¬ 
stehung der Gedichte bis auf Guaeti’s Ausg. (Bibliogr. 1863 und 1864 
Nr. 317), welche gegen H. Grimm's Angriffe theilweise in Schutz ge¬ 
nommen wird. Zahlreiche Uebersetzungen von Sonetten sollen die ver¬ 
schiedenen Perioden und Seiten von M.’s dichterischer Thätigkeit kennen 
lehren. Hinneigung des Dichters oder seiner hohen Freundin zu refor- 
matorischen Bestrebungen wird nachdrücklichst in Abrede gestellt. 

201. Buonarroti. Michelangiolo amante. L'amore nel Cinque¬ 
cento, per Giuseppe Guerzoni . N. Antol. 1872, giugno, luglio. 

202. Buonarroti. Michelangiolo cittadino. La politica nel 
Cinquecento, per Giuseppe Guerzoni . N. Antol. 1872 die. 

203. Canigiani. Proposta di alcune varianti nella lezione 
del Bistorato, poema di Ristoro Canigiani edito nel 1848 per cura 
del ch. prof. Luigi Razzolini per Giovanni Galvani. Propugn. IV, 
2, 3—52. (1871). 

Das Werk, um das es sich handelt, ist das bei Zambrini (Op. volg.) 
S. 73 verzeichnete. Auf Galvani’s Artikel erfolgte eine Antwort: Saggio 
di risposte allo scritto del ch. conte Gio. Galvani che ha questo titolo: 
Proposta u. 8. w. in der Riv. filol. letter. Yol. I fase. 6. 

204. Carducci s. Zanella. 

205. Caro. Memorie intorno alla vita di Ajonibal Caro per 
Cesarc Cecchetti. Civitanova — Marche 1872. 14 p. 8°. 

206. Castiglione. Di Baldassarre Castiglione, lettura sco- 

lastica di Giacinto Fontana. Mantova 1871. 50 p. 8°. 

207. Castiglione. Deila vita e delle opere di Baldassare 
Castiglione, discorso di Secondo Maffucci. Urbino 1872. 16 p. 8°. 

208. (Castiglione.) De incerti auctoris litteris quae Raphaelis 
Urbinatis ad Leonem decimum feruntur scripsit Dr. Hennan Grimm. 
Jahrb. f. Kunstwissenschaft, herausg. von Dr. A. v. Zahn, IV, 1. 
S. 67 ff. 

Der in Rede stehende Brief ist 1733 in den Opere volgari e latine 
del conte Baldessar Castiglione novellamente raccolte . . da Gio. Antonio 
e Gaetano Volpi nach einem von Scipione Maffei mitgetheilten Texte 
zum ersten Male gedruckt und zwar als Werk Castiglione 7 8. Nachmals 
gelangte zu fast allgemeiner Geltung die Ansicht, in dem Sendschreiben 
habe Baphael das Ergebniss seiner Studien über die Reste des antiken 
Roms niedergelegt, sein Freund Castiglione bloss die Redaction besorgt. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


417 


Wenn die Betheiligung des Einen oder des Andern oder Beider in Zwei¬ 
fel gezogen wurde, so wurde doch kein bestimmter Beweis geführt. 
Grimm nun zeigt unter Benutzung der mehrfach abweichenden Redaction 
des Briefes, die sich in einer Münchener Hds. gefunden hat und bei 
Passavant abgedruckt ist, dass derselbe bereits unter Julius II. geschrie¬ 
ben sein muss, und macht wahrscheinlich, dass Andreas Fulvius ihn ver¬ 
fasst hat, der nämliche, der 1527 seine fünf Bücher über die Alterthümer 
Borns veröffentlichte und in der Widmung des Werks der gemeinsam 
mit Raphael betriebenen Studien gedenkt. 

209. Cibrario. Deila vita del conte Luigi Cibrario, discorso 

inaugurale per la distribuzione dei premi agli allievi delT Istituto 
Sociale letto li 8 dicembre 1870 dal prol^ Costantino Rodella. 
Torino 1871. 16 p. 8°. 1. 0,50. 

210. Cibrario. Luigi Cibrario. Augsb. Allg. Zeitg. 1871, 
Nr. 233 und 234. 

Nekrolog aus der Feder von A. von Beumont gewidmet dem be¬ 
rühmten, am 1. October 1870 verstorbenen piemontesischen Historiker, 
Staatsmann und Dichter. 

211. Cibrario. Notizie della vita e degli studl del conte 
Luigi Cibrario per V. Sclopis. Atti della B. Accad. delle scienze 
di Torino. Vol. VI, 1. (1871). 

212. Cibrario. II conte Luigi Cibrario e i tempi suoi, me- 
morie storiche di Federico Odorici con documenti. Firenze 1872. 
8°. con ritratto. 

Nicht im Handel; wichtiger für die politische als für die Literatur- 
Geschichte. S. Biv. Europ. 1872. die. und Arch. stör. ital. S. HI. T. XVn. 

213. Cibrario. Vita letteraria del conte Giovanni Antonio 
Luigi Cibrario descritta da Leone Tettoni. Torino 1872. 360 p. 16°. 

S. Gaudenzio Claretta im Arch. stör. ital. S. III. T. XVI. 

214. Cicogna. E. A. Cicogna, discorso letto nelT aula del 
R. Liceo Marco Polo dal prof. B. Fulin. Archivio Veneto T. III, 
P. 2. (1872). 

S. A. D.’A. in N. Antol. 1872 ott. 

215. Cicogna. Origine della biblioteca di Emanuele Cicogna 
pel prof. B. Fulin . Venezia 1872 (per nozze). 

S. A. D’A. in N. Antol. 1872 sett. 

216. Cicognara. Memorie inedite di Leopoldo Cicognara e 
sua corrispondenza parimente inedita per Adolfo Bartoli . Arch. 
veneto T. I. p. 1. (1871). 

Bericht über die im Besitze des Marchese Niccolb Bentivoglio zu 
Ferrara befindlichen ungedruckten Denkwürdigkeiten des berühmten 
Kunsthistorikers und die an den nämlichen Besitzer übergegangene Cor- 
respondenz desselben. Die Memoiren sind 1832, kurz vor dem Tode 
Cicognara’s (1767—1834), abgefasst Ihre Herausgabe müsste allgemein 
willkommen sein, ebenso die der Briefe, unter denen sich manche von 
Cesarotti, Pindemonte, Giordani, Strocchi, E. Q. Visconti, A. v. Humboldt, 
Mai, Gino Capponi, Canova finden. 

217. CiüUo d’Alcamo. Ciullo d’Alcamo e la sua tenzone, 
comento di X. Vigo . Propugn. HI 2 ? p. 254—352. 

28 * 


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Bibliographie v. 1871—72. 


Ausführung einer in der „Idea, giornale di Palermo“, anno II, vol. I, 
p. 28 veröffentlichten und 1859 bei Galatola in Catania wieder abge¬ 
druckten „disamina“. Weitere auf die Sache bezügliche Ausführungen 
des nämlichen Verfassers hat derselbe handschriftlich bei der Akademie 
der Zelanti in Aci niedergelegt. Der Verfasser sucht mit mehr Hitze 
als der Beantwortung chronologischer Fragen gut ist, darzuthun, dass 
die Tenzone, wie er das Gedicht nennt, zwischen 1174 und 1188 abge- 
fasst sei. Seine Ausführungen über die „difesa“ und über die „agostari“, 
auf deren erstes Auftreten hier bekanntlich viel ankömmt, befriedigen 
wenig. Ein neu redigfrter Text mit Anmerkungen begleitet die Abhand* 
lung. — Die in der Bibliogr. 1870 Nr. 164 verzeichnete Arbeit Galvani’s 
steht im 6. Bande der Atti e Mem. delle R. R. Deput. di storia patria per 
le prov. mod. e parm. S. 269—296. 

218. Ciullo. II Serventese di Ciullo d’Alcamo scherzo coraico 
del 1247 per Oiusto Orion. Propugn. IV 1. p. 1—80. 

Veranlasst durch Vigo’a Untersuchung verficht Grion neuerdings 
die in seiner Schrift vom Jahre 1858 (b. darüber Mussafia, Jahrb. I, 112) 
aufgestellte Ansicht, nur dass er jetzt mit viel Scharfsinn zwar, aber, 
wie mir scheint, mit völliger Verkennung des Verfahrens volkstüm¬ 
licher Dichter des 13. Jahrh. Anspielungen in den serventese hinein- 
commentirt, die eine ganz genaue Datirung ermöglichen sollen. Auch die 
Ansicht, es sei nicht so fast eine Mischung als ein künstlerisch beabsich¬ 
tigter Wechsel von Mundarten in dem Gedichte nachzuweisen, ist gewiss 
völlig unbegründet und wird sich durch keinen wirklich analogen Fall 
stützen lassen. Auch diese Abhandlung begleitet ein von dem Vigo’- 
schen freilich gewaltig abweichender Text sammt Commentar. Willkom¬ 
men ist die Mittheilung der vaticanischen und der barberinianischen 
(Allacci’schen) Lesarten. 

219. Ciüllo. II Serventese di Ciullo d’Alcamo. Traduzione. 
Verona 1871. 23 p. 4°. 

Hochzeitspublication von Antonio Zambelli. Was der Uebersetzung 
in neuitalienische Verse an Einleitung und Anmerkungen beigefügt ist, 
ist wie der Text selbst Grions Arbeit entnommen. 

220. Colletta. Saggio su la vita e gli scritti di Pietro Col- 
letta per Gius. Occioni-Bonafous . Udine 1872. 60 p. 8°. 

Zuerst in der Riv. Europ. 1871 apr., luglio erschienen. 

221. Colonna. Ueber den kunsthistorischen Werth der Hyp- 

nerotomachia Poliphili. Ein Beitrag zur Geschichte der Kunst¬ 
literatur in der Renaissance von Alb. Ilg. Wien 1872. 135 S. 

gr. 8°. 1 Thl. 

S. A. W—n im Lit. Centralbl. 1873. Nr. 16. 

222. Dante. Bibliographia Dantea ab anno MDCCCLXV in- 

choata. Edidit Julius Petzholdt. Accedit conspectus tabularuni 
Divinam Comcediam vel stilo vel calamo vel penicillo adhibitis 
illustrantium. Dresden 1872. VI — 90 S. gr. 8°. 1 Thl. 

S. Propugn. V 1. p. 488, M. W. Rossetti in The Academy 1. April 
1872, Lit. Centralbl. 1873 Nr. 9. 

223. Dante. I recenti studl Danteschi in Germania per O. 
A. ScartazzinL N. Antol. 1871 luglio. 

Bespricht die Uebersetzungen von Krigar, Baron, Minzloff, die Schrif¬ 
ten von Dal ton, Kraszewski, Keller, Delff und des Jahrbuchs der deut¬ 
schen Dante-Gesellschaft dritten Band. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 419 

224. Dante. Danteliteratur in Deutschland von W. Lang. 
„Im neuen Reich“ 1872 Nr. 9. 

Bespricht Notters Uebersetzung und Pleiderers einführendes Werk. 

225. Dante. Intorno allo studio dei padri della Compagnia 

di Gesü nelle opere di Dante Alighieri lettera del p. Giuseppe 
Melandri Modena 1872. 145 p. 8°. 

226. Dante. Suir Inferno di Dante fatto ebraico dal s. cav. 
dott. Formiggini, lettere due del prof. Lelio della Teure a Bene- 
detto Levi alunno deir istituto rabbinico in Padova, con appendice 
ebraica. Padova 1871. 

S. Bibliogr. von 1869 Nr. 337. 

227. Dante. Dante Alighieri nella valle Lagarina pel dott. 
cav. Enrico Barlow, traduzione di Guglielmo Guiscardi. Napoli 1871. 

16 p. 8°. 

228. Dante. Della scoperta delle ossa di Dante relazione 

di Bomolo ConU con documenti, per cura del municipio di Ravenna. 
Ravenna 1871. 30—LXXII p. 4°. con quattro tavole. 

229. Dante. A Shadow of Dante, being an Essay towards 
ßtudying himself, his World and Pilgrimage by Miss Maria F. 
Rossetti. London 1871. 

S. Academy 1 March. 

230. Dante. Dante onore e lume d’ogni scienza ed arte, 

discorso di Baffacllo Bossi. Udine 1872. 20 p. 8°. 1. 1. 

231. Dante. Dante giureconsulto per V. Lomonaco. Atti 
della R. Accad. di Scienze morali e politiche di Napoli. Vol. 
VII (1872). 

232. Dante. Dell* evidenza dantesca studiata nelle meta- 
fore, nelle similitudini e ne’ simboli, memoria del prof. Giovanni 
Franciosi. Memorie della R. Accad. di Modena. T. XIII (1872). 

233. Dante. Dante Alighieri, der Dichter der göttlichen 

Komödie, von Sander . Hannover 1872. 7% Sgr. 

234. Dante. Dante Alighieri, filosofo e padre della lettera- 
tura italiana discorso del prof. Carlo Vassallo. Asti 1872. 36 p. 4°. 

S. A. D’A. in N. Antol. 1872 luglio. 

235. Dante. Dante e il vivente linguaggio toscano, di¬ 
scorso di Giambattista Giuliani . Firenze 1872. 

Hochzeitspublication, auch im Propugn. V 2, 157—179 erschienen 
und später von dem Verfasser in die dritte Ausgabe seines Buches „Mo- 
ralitä, e poesia del vivente linguaggio della Toscana“ (1873) aufgenommen. 

236. Dante. Nuovo commento sopra la principale allegoria 
del poema di Dante per Francesco Ldbruzzi di Nexima. Roma 1871. 
40 p. 8°. 

237. Dante. Dante’s Göttliche Komödie nach Inhalt und 

Gedankengang dargestellt von B . Pfleiderer. Stuttgart 1872. 8°. 

S. Anzeigen von A — s im Lit. Centralbl. 1872, Nr. 36, von Paar in 
den Blättern f. lit. Unterh. 1872, Nr. 48. 


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420 


Bibliographie y. 1871—72. 


238. Dante. Die Idee der göttlichen Komödie, eine Studie 
von Dr. H K. Hugo Delff Leipzig 1871. XII — 167 S. 8°. 24 sgr. 

Anzeige von B. ten Brink in Reusch’s theol. Lit. Blatt 1871 Nr. 18, 
wo auch des Verfassers Schrift vom Jahre 1869 (s. Bibliogr. 1869, Nr. 238) 
besprochen ist, von Paur, Blätter f. lit. Unterh. 1871 Nr. 45. 

239. Dante. Interpretazione della allegoria della Divina 

Commedia di Dante Alighieri, opera postuma di Giovanni Graziani. 
Bologna 1871. 440 p. 16°. 1. 3. 

240. Dante. La genesi della Divina Commedia per Adolfo 

Borgognoni. Ravenna 1872. 66 p. 16°. 1. 1. 

241. Dante. Ulteriori considerazioni del prof. Andrea Gloria 
intorno alla terzina 16 ft del canto IX del Paradiso. Padova 1871. 

S. A. D’A. in N. Antol. 1871 maggio. 

242. Dante. Pensieri sulla Divina Commedia e il Trionfo 
di Francesca da Rimini, interpretazioni di Maschio Antonio gondo- 
liere. Venezia 1871. 74 p. 8°. 

S. A. D’A. in N. Antol. 1871. ag. 1 , Propugn. V 1 . p. 485. 

243. Dante. Studi particolari sulla Divina Commedia di 
Giovanni Antonelli d. S. P. Firenze 1871.. 76 p. 8°. (Per nozze 
Fossi-Volpini.) 

244. Dante. Filologia dantesca. Un po’ di storia di questi 
studii per Luciano Scarabelli. Riv. filol. lett. VoL I, fase. 4,6. (1871). 

Allerlei zur Abwehr gegen Witte und schliesslich für Purgat. XXXI 
96 Vertheidigung von scola gegen spola mit Berufung auf das altvenez. 
8caula zur Bezeichnung eines leichten Nachens; hierauf über Purg. V, 
136 (disposando und disposata). 

245. Dante. Sopra un passo della Divina Commedia per 
Niccolb Tommasbo. Riv. filol. lett I p. 81 — 91. (1871.) 

Mit Bezug auf A. Gloria’s Ansicht über „Padova al palude cangera 
l’acqua che Vicenza bagna“ (s. Bibliogr. 1869 Nr. 228). 

246. Dante. Osservazioni critiche di Alessandro de CoUe 
sulla terzina X del canto III delT Inferno di Dante. Padova 1871. 
14 p. 8°. 

247. Dante. La Lucia di Dante per Giusto Grien. Verona 
1871. 16 p. 8°. 

248. Dante. Accenni alla Francia nel poema di Dante per 
Niccolb Tonmasbo. Arch. stör. ital. S. III, T. XV (1872). 

249. Dante. L’Italia nella Divina Commedia del dottor 
Cesare Loria. Firenze 1872. 2 voL (Seconda edizione) 

S. A. D’A. in N. Antol. 1873 luglio, wo zahlreiche Fehler berichtigt 
werden; s. Bibliogr. 1868 Nr. 240. 

250. Dante. La Chiarentana e il Bulicame nella Divina 
Commedia, male intesi nelle chiose antiche, illustrati da Fortunato 
Lanci, per Luciano Scarabelli Propugn. V 1, 216 (1872). 


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Zar italienischen Literaturgeschichte. 


421 


251. Dante. Considerazioni sopra alcune varianti della Divina 
Commedia nel testo pubblicato dal chiarissimo sig. Carlo Witte, 
per Giuseppe Bozzo. Propugn. V 1, 328 (1872). 

252. Dante. Dante spiegato con Dante. Gli Ultimi canti del 
Purgatorio, commentati da Giambattista Giuliani. Propugn. V 1, 
394 (1872). 

253. Dante. La Nube tenera per Luciano Scarabdlu Propugn. 
V 1, 456 (1872). 

Ueber Farad. XII, 10, wo „tenua“ (für tenera) verfochten wird. 

254. Dante. Di alcuni luoghi difhcili e controversi della 
Divina Commedia interpretati col volgare siciliano, lettera di Sal- 
vatore Salomone-Marino. Eiv. filol. lett. Vol. II, 76 (1872). 

Auch besonders erschienen (Palermo 1873, 44 p. 16°.), s. Rev. crit. 
1873 Nr. 20, u. A. D’A. in N. Antol. 1873 ag. 

255. Dante. La „Ruina u di Dante secondo l’opinione di un 
ultimo commentatore, per BaffaeUo Fornaciaru N. Antol. 1872. 

Der Commentator, dessen Deutung der Verfasser annimmt und mit 
neuen Argumenten vertheidigt, ist Bennassuti. 

256. Dante. Proposta di una Variante al 72° verso del IX 
canto delT Inferno di Dante pel cav. R. Alby. Girgenti 1871. 12 p. 4°. 

257. Dante. Sopra alcuni luoghi del! Inferno e uno del 
Purgatorio di Dante, chiose di Teodorico Landoni. Propugn. V 
2, 85. (1872). 

S. N. Antol. 1873 genn. 

258. Dante. Intorno ad un celebre verso della Divina Com¬ 
media per G.Barzüai. Corriere Israelitico No. 15—16. 10 die. 1872. 

Zu Inferno VII 1. 

259. Dante. Luoghi del Convivio che illustrano il poema 
di Dante per Niccolö Tonvmaseo. Propugn. III 2, 371 (1871). 

Der Verfasser hält mit Stellen des Convivio, die ihm bei der für 
die Zwecke der Accademia della Crusca unternommenen Ausbeutung des¬ 
selben grammatisch bemerkenswerth schienen, Stellen der D. C. zusammen. 

260. Dante. Jahrbuch der deutschen Dante - Gesellschaft. 

Dritter Band. Mit einer photographischen Tafel und einem Plan 
von Rom. Leipzig 1871. 545 S. 8°. 3 Tbl. 

Angezeigt von Witte in d. Augsb. Allg. Ztg. 1871 Nr. 169, von Paur 
in den Blätt. f. lit. Unterh. 1871 Nr. 46; Paurs Arbeit über Immanuel 
betreffend, s. auch Mag. f. d. Lit. d. Ausl. 1871 Nr. 46. 

261. Dante. Manuale Dantesco di Giuseppe Jacopo prof. 
Ferrazzi. Vol. TV. Bibliografia. Bassano 1871. 3f.— 598 p. 8°. 1.6. 

S. Petzholdts Anzeiger 1872 Jan., Academy 1872, 1. Apr. (M. W. 
Rosse tti), N. Antol. 1872 ott. (A. D’A.). Die vorangegangenen drei Bände 
s. Bibliogr. für 1866, Nr. 181. 

262. Dante. An Introductory to the study of Dante. By 
John Addington Symonds M. A., late fellow of Magdalen College. 
Oxford 1872. 

S. Tozer in The Academy 1873, 16. Jan. 


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422 


Bibliographie v. 1871-^72. 


263. D’Avenza. Deila vita e delle opere di Gio. Pietro 
DAvenza grammatico del secolo XV commentarii di Gio . Sforza . 
Atti e Mem. delle B. R. Deput. di storia patria per le prov. moden. 
e parm. Vol. V p. 393—401, documenti p. 403—411. 

Giovanni Pietro war der Sohn eines Pietro Vitali, nannte sich aber 
Johannes Petrus de Aventia nach seiner unweit von Carrara gelegenen 
Heimat, oder de Luca, Lucensis nach der Stadt, der sein Geburtsort 
mehrfach unterthan war. Er war um 1400 geboren, Schüler des Vitto- 
rino von Feltre, öffentlicher Lehrer in Brescia, Venedig, Lucca, wo er 
1457 an der Pest starb. 

264. D’Azeglio. Massimo D’Azeglio, i suoi romanzi e Ri- 
cordi per Paolo Pavesio. Riv. Europ. 1871 sett. 

265. D’Azeglio. Massimo D’Azeglio, cenni sulla vita, sulle 
lettere e sugli scritti politici per Paolo Pavesio . Riv. Europ. 
1872 genn. 

266. De Boni. Filippo De Boni, cenni di Jacopo Fac6n. 
Riv. Europ. 1871 genn. 

Geboren den 7. August 1816 in Campo bei Feltre, gest. d. 7. Nov. 
1870 in Florenz. 

267. DillO Compagni. Saggio di commento alla Cronica 
fiorentina di Dino Compagni per Isidoro del Lwngo. Propugn. III 
2, 353—383 (1871). 

Probe der Fortsetzung der in der Bibliogr. 1870 Nr. 273 angeführ¬ 
ten Ausgabe. 

268. Dino Compagni. La cronaca Dino Compagni opera di 
Anton Francesco Doni dimostrata per Giusto Grion. Verona 1871. 

60 p. 8°. 1. 2. 

A. DA. bezweifelt in der N. Antol. 1871 ott. mit gutem Grunde 
die Stichhaltigkeit von Orion’s Beweisführung; eingehender bespricht die 
Schrift G. Monod in der Rev. Crit. 1872, Nr. 5 und 6; s. auch Riv. Europ. 
1872 genn. p. 388. Dass übrigens Grion’s Ausführungen nicht etwa, wie 
Einige angenommen haben, bloss scherzhaft gemeint sind, zeigt er in der 
Einleitung der Nobili fatti dAlessandro. 

269. Dino Compagni. Documenti inediti risguardanti Dino 
Compagni lo storico per cura di GugL Enr. Scmtini. Arch. stör, 
ital. S. HI, T. XVI (1872). 

S. A. DA. N. Antol. nov. 1872. 

270. Dino Compagni. Dino Compagni e la sua cronaca, 
studio di Ferruccio Prinoth. Livorno 1872. 32 p. 8°. 

271. (Dino Compagni.) Sopra rintelligenza poemetto in 
nona rima d’ignoto autore saggio del dott. CammiUo BeUi Novi- 
Ligure 1871. 

Nach der Anzeige von A. DA. in N. Antol. 1872 febbr. spricht der 
Verfasser das Werk dem Dino Compagni ab und ist mit Settembrini 
(Lezioni I, 73) geneigt, es als in der normannischen oder hohen staufischen 
Zeit verfasste Uebersetzung eines arabischen Werkes zu betrachten. A. 
DA. hinwieder zeigt, dass es durchweg französische Vorlagen erkennen 
lässt und nicht vor dem Ende des 13. Jahrh. geschrieben Bein kann. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


423 


272. Fazio degli Uberti. Die heiligen drei Könige bei Fazio 
degli Uberti (von A. von Reumont). Augsb. Allg. Zeitung 1872, 
28. Juli. 

Cap. 26 des zweiten BucheB wird „Che i magi tolse“ Btatt „Le imagi 
tolse“ vorgeschlagen und die Stelle auf die von Kaiser Friedrich I. 1164 
dem Kölner Dome geschenkten Reliquien bezogen. 

273. Florido. Francesco Florido per A. Ronchinl Atti e 
Mem. delle R. R. Deput. di storia patria per le prov. moden. e 
parm. Yol. V p. 385—392 (1870). 

Beiträge zur Biographie des 1547 gestorbenen Philologen (Uebers. 
der ersten Bücher der Odyssee in lat. Verse u. a.) aus Poggio Donadeo. 

274. Foglietta. Documenti per la vita di Uberto Foglietta 
per Giuseppe Campari. Ebenda Vol. V p. 199— 207. 

Aus den früher nicht benutzten Documenten ergeben sich verschie¬ 
dene werthvolle Notizen zur Biographie des ehrenwerthen genuesischen 
Historikers (1518—1581). 

275. Forcellini. De Aegydii Forcellini laudibus oratio ha- 
bita Victorii ab prof. I. Zardo. Padova 1871. 24 p. 8°. 

276. Foscolo. Ugo Foscolo poeta e critico per Francesco 
Be Sanctis. N. Antol. 1871 giugno. 

277. Foscolo. Ugo Foscolo, discorso di G . F. M. Cagliari 
1871. 18 p. 8°. 

278. Foscolo. Ugo Foscolo e la sua professione politica. 

Con appendice di alcuni suoi scritti recentemente venuti in luce, 
per Francesco Trevisan , prof. al. R. Liceo Virgilio. Mantova 1871. 
219 p. 8°. 1. 2. 

S. Anzeige von Lorenzo Agostinis in Riv. filol. letter. II 182, Arch. 
stör. ital. S. III, T. XVI. 

279. Foscolo. Ugo Foscolo pel prof. G. L. Pattuzzl Con 
facsimile di una lettera inedita. Milano 1871. 32 p. 32°. 

280. Foscolo. Delle opere artistiche di Ugo Foscolo di¬ 

scorso di Giuseppe Ricca-Salerno. Palermo 1871. 22 p. 8°. 

Die im Jahr 1871 bewerkstelligte Beisetzung von Foscolo’s aus 
England heimgeholten Gebeinen in der florentinischen Kirche von S. Croce 
(worüber u. a. die Augsb. Allg. Zeitung Nr. 165 Bericht erstattet) scheint 
Veranlassung zu lebhafterer Beschäftigung mit dem Dichter geworden 
zu sein. 

281. Foscolo. I Sepolcri di Ugo Foscolo in relazione alla 
lirica anteriore per G. Jndelli . Napoli 1872. 16 p. 8°. 

282. Foscolo. Saggio d’interpretazione del Carme sui Sepolcri 
di Nicolö Ugo Foscolo per Agostmo Siliprandl Milano 1872. 64 p. 8°. 

283. Fracastoro. Girolamo Fracastoro per A. Ronchinl Atti 
e Mem. delle R. R. Deput. di storia patria per le prov. mod. e parm. 
Vol. V p. 193—197 (1870). 

Aus früher unbekannten Urkunden wird gezeigt, dass Fracastoro 
1547 durch Verwendung des Cardinais Alessandro Farnese, des Neffen 
Pauls III. ein Canonicat in Verona ohne Kosten für Bestallung und unter 
Erlassung der üblichen Abgaben von den Einkünften erhielt. 


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424 


Bibliographie v. 1871—72. 


284. Francesco da Barberino. Emendazioni ai Reggimenti 
delle Donne di messer Francesco da Barberino pel conte Giovanni 
Galvani. Propugn. IV 1. p. 5—51 (1871). 

Eine Reihe glücklicher Vorschläge zur Aenderung des durch Manzi 
1815 nach einer einzigen Hds. des 17. Jahrh. gedruckten Textes. Zum 
Theil werden aus in Italien ganz unerhörten Versbildungen oder aus ver¬ 
meinter Prosa Verse üblichen Baues hergestellt, zum Theil in ansprechen¬ 
der Weise sinnlose Stellen gebessert. So lange wir auf jene einzige 
Handschrift angewiesen bleiben, die übrigens nicht völlig ausgenutzt zu 
sein scheint, wird Conjecturalkntik solcher Art ganz verdienstlich sein. 

285. Fnilone. Pietro Fullone e le sfide popolari siciliane 
per Giuseppe Pitre . N. Antol. 1871 sett. 

Volkstümlicher Dichter des 17. Jahrhunderts. 

286. Galilei. The private life of Galileo (anonym). London 
1870. XI—307 p. 8°. 

S. über dieses Buch, über Wohlwills Schrift (Bibliogr. 1870 Nr. 192) 
und über Olivieri’s posthume Arbeit Rev. des quest. histor. 1. Juli 1872. 

287. Galilei. Galileo and the pontifical congregations. Dublin 
Rev. 1871 july. 

288. Galilei. Di Copernico e di Galileo scritto postumo 
del p. Maurizio Benedetto Olivieri, ex-generale dei domenicani. 
Bologna 1872. XXXI—136 p. 8°. 

S. die Bemerkung zur zweitvorhergehenden Nummer. Ausserdem 
ist dieses Buch und das von Gherardi (Bibliogr. 1870 Nr. 193) besprochen 
von Reusch in s. theolog. Lit. Blatt 1873 Nr. 1. 

289. Galilei. Bibliografia Galileiana di Pietro Biccardi. Modena 
1872. 72 p. 4°. 

290. Galilei. Relazioni di Galileo Galilei colla Polonia esposte 
secondo i documenti per la maggior parte non pubblicati del dott. 
Arturo Wolynski. Arch. stör. ital. S. III, T.XVI e XVD (1872). 

Als Buch erschienen, Firenze 1873. 138 p. 8°. 

291. Galilei. Encore le procös de Galiläe ä propos de pu- 
blications r6centes par M. Gilbert, professeur ä Tuniversit de Lou- 
vain. (Extrait de la Revue catholique.) 20 p. 8°. (1872). 

Angezeigt von H. de l’E. in der Rev. d. quest. hist. 1 avril 1873. 

292. Gentile da Ravenna. Gentile da Ravenna per A. Bor - 
gognoni. Ravenna 1872. 16 p. 8°. 

Kurze Notiz über ein 60 Octaven umfassendes, im Jahre 1402 von 
Gentile, einem aus Ravenna gebürtigen Lehrer der Grammatik, verfasstes 
Gedicht, in welchem die im nämlichen Jahre geschehene Vernichtung 
des Thurmes bei Pordenone sammt seiner Einwohnerschaft erzählt wird 
und welches Gius. Valentinelli 1865 im 24. Bande der Diplomataria et 
Acta der Fontes rer. ausix. mit den nötigen historischen Erläuterungen 
veröffentlicht hat. Weitere Nachforschung hat ergeben, dass der Dichter 
seit 1397 in Cividale in Friaul lebte und 1404 daselbst starb. Die kleine 
Schrift gibt auch Auszüge aus Gentile’s einzigem bekannt gewordenen 
Werke. S. Riv. Europ. 1873 apr. (U. A. C.), und N. AntoL 1873 ag. (A. D’A.). 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


425 


293. Ghinassi. Deila vita e degli scritti del cavalier Gio¬ 
vanni Ghinassi faentino, discorso di don Filippo Lanzoni. Faenza 
1872. 116 — XLn p. 8°. 

S. N. Antol. 1872 lnglio und Propugn. V 1, 485. Verdienstliche 
Arbeit über den als Herausgeber der Strocchi’sehen Correspondenz und 
anderer Werke, auch Verfasser eigener prosaischer und dichterischer 
Arbeiten bekannten Gelehrten (1809—1870). Als Anhang werden Briefe 
berühmter Zeitgenossen an Ghinassi mitgetheilt. 

294. Giannone. Lo storico Pietro Giannone per Baff adle 
JBiamonte . Riv. Europ. 1872 die. (im Jahrg. 1873 fortgesetzt). 

295. Gioberti. Deila mente di Vincenzo Gioberti, discorso 
di Baldassare Läbanca . Firenze 1871. 40 p. 16°. 

296. Giordano. Sul testo di alcune prediche di fra Gior- 
dano, lettera di Adolfo Mussafia ad Enrico Narducci. Propugn. 
V 1, 231. 

Beiträge zur Herstellung eines bessern Textes der von Narducci 
herausgeg. Predigten (s. Bibliogr. 1867 Nr. 264) aus einer demselben un¬ 
bekannt gebliebenen Hds. des Museo Correr. 

297. Giovio, Paolo. Artikel von F. Stefani im Arch. Veneto 
T. I, 370—376 (1871). 

Im Anschluss an emen zum ersten Mal gedruckten Brief. 

298. Giraud. II conte Giovanni Giraud per Valentino Car - 
rera . Riv. Europ. sett. ott. 1871. 

Bildet die Eröffnung einer Reihe von Artikeln unter dem Gesammt- 
titel: II Teatro moderno italiano. Profili a tratti di penna. Der Anfang 
bietet eine nicht gerade langweilende, aber auch in kemer Weise fördernde 
Lectüre. 

299. Giustl. I tempi e la satira di Giuseppe Giusti per 

Giuseppe Masi. Milano 1871. 42 p. 32°. 1. 0,25. 

300. Giusti. Deila vita e delle opere di Giuseppe Giusti 
per Luigi de Brun. Riv. Sicula 1872 apr. maggio. 

301. Goldoni. II Goldoni a Firenze per Cesare Chxasti. Arch. 
Veneto T. I, 376—380. 

Enthält Schriftstücke, die sich auf die Ertheilung des Privilegiums 
für die Florentiner Ausgabe der Komödien G.’s beziehen. 

302. Guazzo. Deila vita e degli scritti di Stefano Guazzo, 
discorso detto nel R. Liceo Balbo dal prof. Giovanni Canna. 
Firenze 1872. 

Guazzo (geb. 1530 in Casale) ist der Verfasser des noch immer nicht 
ganz vergessenen Buches: Deila civile conversazione. 

303. Guicciardini. Guicciardini’s Personal and Political Re¬ 
cords. Quarterly Rev. 1871 oct 

304. Guicciardini. Francesco Guicciardini, memoria di Cesare 
Albicmi. Bologna 1872. 

S. N. Antol. sett. 1872. 

305. Leonardo da Vinci. Degli scritti e disegni di Leo¬ 
nardo da Vinci e specialmente dei posseduti un tempo e posseduti 


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426 


Bibliographie v. 1871—72. 


adesso dalla Biblioteca Ambrosiana. Memoria postuma del sac. 
dott. Giovavmi Dozio publicata per cura del sac. Giuseppe Prestmoni 
con appendice. Milano 1871. 47 p. 8°. 1. 3. 

8. Petzholdt’s Anzeiger 1871, Heft 10. 

306. Leopard!. Leopardi e Manzoni, parallelo storico-critico 
di Enrico Bamondini . Napoli 1872. 24 p. 8°. 

307. Leopardi. Le canzoni sepolcrali di Giacomo Leopardi, 
impressioni e pensieri di Matteo Baeli. Noto 1872. 40 p. 8°. 

308. LuisiüO. Francesco Lnisino da Udine per A. Bonckinu 
Atti e Mem. delle R. R. Deput. di storia patria per le prov. mod. 
e parm. Vol. V, 209—218 (1870). 

Biographische Notizen über den 1568 gestorbenen Dichter des dritten 
und letzten Buches zu dem von Fracastoro unvollendet gelassenen bib¬ 
lischen Epos über Joseph. Die Angaben Liruti’s (Notizie sui letterati 
del Friulij werden mehrfach berichtigt und aus Anlass der Stellung, 
welche Luisino als Lehrer und als Begleiter Alessandro Farnese's nach 
den Niederlanden und nach Spanien und später als dessen Secretär ein¬ 
nahm, allerlei Notizen zur Geschichte des Hauses Farnese beigebracht. 

309. Maclliavelli. Saggio sulla vita e sulle opere di Nic- 
colö Machiavelli per l’avv. Giuseppe Saniangeh. Napolo 1872. 
150 p. 8°. 

310. Machiavelli. Der Patriotismus MachiavellTs von Karl 
Knies. Preuss. Jahrb. 1871. 12. Juni. 

311. Machiavelli. Sul libro del Principe pel dott. G. Caumo. 
Riv. filol. lett. Yol. II, 1 (1872). 

312. Machiavelli. Tucidide e Machiavelli, breve confronto 
storico-letterario, discorso di Geranie Cei. Urbino 1872. 22 p. 8°. 

313. Mai. Angelo Mai e le sue principali scoperte letterarie 
per Astorre Pellegrini. Bergamo 1871. 108 p. 32°. 

Aus den Biografie d’illustri Bergamaschi. 

314. Mameli. Goffredo Mameli per Giosue Carducci. N. 
Antol. 1872 ag. 

Ansprechende Charakteristik des am 6. Juli 1849 im Alter von 
21 Jahren in Rom an den Folgen der Amputation eines Beines ver¬ 
storbenen Offiziers aus Garibaldi’s Generalstabe. Seine „Scritti“ sind 
1860 in Genua erschienen» eingeleitet durch seinen Freund Giuseppe 
Mazzini. Im Dienste von dieses Mannes Idealen stand auch des jungen 
Genuesen Dichtung. 

315. Manzoni. Alessandro Manzoni. Eine Studie von Carl 

Marquard Sauer . Prag 1871. 82 S. 8°. 16 Sgr. 

Neue Bearbeitung einer als Programm der Handelslehranstalt zu 
Leipzig 1861 zuerst erschienenen Schrift. Eine anerkennende Besprechung 
in der Riv. Europ. 1873 ag. berichtigt eine nicht geringe Zahl kleiner 
Irrthümer und Ungenauigkeiten. 

316. Manzoni. Manzoni e la questione della lingua in Italia, 

lettura di Pietro Bonini. Udine 1871. 22 p. 8°. 1. 0,65. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


427 


317. Manzoni. 11 mondo epico-lirico di Alessandro Manzoni 
per Francesco Be Sanctis. La poetica di Manzoni per Francesco Be 
Sanctis. N. Antol. 1872. febbr. ott. 

318. Manzoni. Del progresso morale, civile e letterario quäle 
si manifesta nelle opere di Manzoni. Memoria del M. E. prof. 
Antonio BuccellcUi. Rendiconti del Reale Istituto Lombardo di 
ecienze e lettere S. II, Yol. Y (1872). 

1873 als Buch erschienen. Milano. 2 vol. 8°. 1. 9. 

319. Manzoni. Una difesa del Manzoni contro il giudizio di 
Luigi Settembrini intomo ai Promessi Sposi pel prof. Luigi Gel- 
metti. Milano 1872. 32 p. 8°. 

320. Manzoni. Bisposta di Paolo Tedeschi a due critici del 
Manzoni. Lodi 1872. 62 p. 8°. 

321. Manzoni. Lettera del prof. ab. Giuseppe Rizzini in 
risposta all’ articolo di Luigi Settembrini sui Promessi Sposi e le 
altre opere del Manzoni. Brescia 1872. 24 p. 8°. 

322. Manzoni. Settembrini ed i Manzoniani, note critiche 
delT avvoc. Angelo Mazzoleni. Milano 1872. 16 p. 8°. 

323. Manzoni s. Leopardi. 

324. Marenco. Carlo Marenco letterato e cittadino discorso 
di Giovanni Bellardonc. Mondovl 1872. 20 p. 8°. 

325. Matteo da Giovenazzo. Sui Diurnali di Matteo da 
Giovenazzo, memoria di Bartolommeo Capasso, socio ordinario del- 
raccademia di archeologia ecc. Napoli 1872. 64 p. 4°. 

Schliesst sich mit neuen Argumenten und mit Rücksichtnahme auf 
Minieri-Riccio (Bibliogr. 1870 Nr. 214) denen an, die das Werk für eine 
Fälschung halten. S. Propugn. V 1, 483, A. D’A. in N. Antol. 1872 ott., 
0. Hartwig in v. Sybels histor. Zeitschr. 1873, viertes Heft, und Busson 
in Reusch’s theol. Lit -Blatt 1874 Nr. 3. 

326. Metastasio. Pietro Metastasio per Francesco Be Sanctis. 
N. AntoL 1871 ag. 

327. Montanari. Yita di Giuseppe Ignazio Montanari scritta 
da Crescentino Giannini. Ferrara 1872. 12 p. 8°. 

8. Propugn. V 1, 490. 

328. Montanari. Discorso sulla vita e sulle opere del prof. 
Giuseppe Ignazio cav. Montanari per Alessandro Ippoliti. Osimo 1872. 
64 p. 8°. 

329. Montanari. Commemorazione di Giuseppe Ignazio Mon¬ 
tanari per Giuseppe Gazzino. In La Scuola e la Famiglia, Anno 
Vni, nr. 25 (1872). 

330. Monti. Suir apologia politica di Yincenzo Monti per 
Achille Monti, discorso del prof. Ferdmcmdo Santini. Roma 1871. 
(Estratto dal Buonarroti.) 

S. Bibliogr. 1870 Nr. 202. 

331. Mordente. Deila vita e delle opere di Fabrizio Mor¬ 
dente, discorso di Michelangelo Testa. Salerno 1872. 84 p. 8°. 

S. Propugn. Y 1, 486. 


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428 


Bibliographie v. 1871—72. 


332. Muratori. Vita di Lodovico Antonio Muratori, la sna 
mente e ü sno cuore per SebastianoBrigidi. Firenze 1871. 177 p.8°. 1.2. 

Abdruck aus den Letture di famiglia. S. Arch. stör. ital. S. III, T.XV. 

333. Muratori. Muratori’s Bedeutung von Alfred Dove. „Im 
neuen Reich“ 1872 Nr. 43. 

334. Muratori. Lodovico Antonio Muratori e i re sabaudi 

Vittorio Amedeo II. e Carlo Emanuele IH., cenni storici di G. 8i- 
lingardi. Modena 1872. 220 p. 16°. 1. 3. 

S. N. Antol. 1874 febbr. 

335. Muratori. Centenario del Muratori. Scritti inediti di 
Lodovico Antonio Muratori, pubblicati a celebrare il secondo een- 
tenario della nascita di lui. Modena 1872. 700 p. 4°. 

Zwei Theile: 1. Archivio Muratoriano, d.h. Uebersicht von M.’s hand¬ 
schriftlichem Nachlasse, der sich im Besitze von Pietro Muratori in Modena 
befindet, geordnet durch den dortigen Professor Vischi. 2. Scritti inediti, 
nämlich Schriftstücke aus dem modenesischen Archive, die sich auf M. 
beziehn und zwei ungedruckte Werke desselben: Rudimenti di filosofia 
morale, sulla diminuzione delle troppe feste, und Lettere. S. Arch. stör, 
it. S. III, T. 'XVI. und Augsb. Allg. Zeitung 1873, Nr. 262. 

336. Muratori. II Muratori, grande sapiente, storico irn- 
pareggiabile, lettura accademica di G. GrimeUi. Modena 1872. 
20 p. 4°. 

337. Muratori. Cenni storici intomo a Lodovico Antonio 
Muratori per Silvio Campmi. Modena 1872. 68 p. 16°. 1. 0,50. 

338. Muratori. Vita di Lodovico Antonio Muratori dettata 
in occasione del secondo centenario dalla sua nascita da Emilio 
Boncaglia. Modena 1872. 18 p. 8°. 

S. Propugn. VI 2, 304 (1873). 

339. Muratori. Cenni biografici di Lodovico Antonio Muratori. 
Vignola 1872. 

S. Propugn. VI 2, 306; eine anspruchslose Volksschrift wie die vor¬ 
erwähnte. 

340. Niccolini. Un coro deir Amaldo da Brescia di G. B. 
Niccolini per Luigi Mercantmi. Riv. Sicula 1872. ag. 

Bruchstück aus den sechs dem Arnaldo gewidmeten Universitäts¬ 
vorträgen des Verfassers. 

341. Panvinio. Onofrio Panvinio per A. Bonchini . Atti e 
Mem. delle R. R. Deput. di storia patria per le prov. mod. e parxn. 
Vol. VI. fase. 2. 1871. 

Der bekannte Alterthumsforscher des 16. Jahrhunderts. 

342. Parini. Giuseppe Parini per Francesco De Sanctis . 
N. Antol. 1871 ott. 

343. Pellico. Elogio di Silvio Pellico pel prof. Bermrdo 
Piovano . Alessandria 1872. 36 p. 8°. 

344. Peschieri. Dario Peschieri, cenni biografici di B. E. 
Maineri . Riv. Europ. 1872 maggio, giugno. 

P., geb. d. 13. Jan. 1796 in Parma, gest. d. 8. Apr. 1865 im Spittel 
Berner Vaterstadt, ist der Verfasser des ersten Wörterbuchs der parmi- 


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Zar italienischen Literaturgeschichte. 


429 


gianer Mundart (1828—1831 in Parma, zwei Bände mit Anhang; zweite, 
umgearbeitete Ausgabe 1836—1841, Supplement 1853). Die Biographie 
gewährt ein wenig? erfreuliches Bild von literarischer Thätigkeit, die sich 
selten über das niedrige Handwerk erhebt, und von einer Lebensführung, 
die geringe Achtung einflösst. 

345. Petrarca. Studl sopra Petrarca di T. Zano, pubblica- 
zione postuma. Padova 1871. 36 p. 8°. 

346. Petrarca. Petrarca’s Verhältniss zu den römischen 
Dichtern. In „Kleine philologische Abhandlungen“ von Dr. Anton 
Zingerle , Professor am k. k. Gymnasium zu Innsbruck. Innsbruck 
1871. 8°. S. 1—21. 

347. Petrarca. II Petrarca precursore della Rinascenza per 
A. Paoli. N. Antol. 1872 marzo. 

348. Pico. Pico della Mirandula by Walter H. Pater . Fort- 
nightly Rev. 1871, 1 oct. 

349. Polo. Marco Polo and travels in bis footsteps. Quar- 
terly Rev. 1872 jan. 

350. Pomponazzi. Pietro Pomponazzi e la Rinascenza per 
Luigi Ferri. Arch. stör. ital. S. III. T. XV (1872). 

351. Pontano. . 

Von dem in der Bibliogr. 1870 Nr. 209 angeführten Buch weitere 
Anzeigen Lit. Centralblatt 1872 Nr. 29 und Propugn. V 1, 296 ff. von N. 
M. Fruscella. 

352. Porta. I precursori del Goldoni. Giovan Batista Porta 
per Fugenio Camerini. N. Antol. 1871 marzo. 

In Camerini’s oben Nr. 152 angeführtem Buche wiederholt. Porta 
lebte 1538—1615 in Neapel und war mehr als Naturkundiger denn als 
Lustspieldichter berühmt. Von dem nämlichen Autor handelt: 

353. Porta. Gio. Batt. della Porta e il cardinale Luigi 
D'Este per G. Campori. Atti e Mem. d. R. R. Dep. di storia patria 
p. 1. prov. mod. e parm. Vol. VI, fase. 2 (1871). 

354. Rambelli. Della vita e degli scritti di Gianfrancesco 
Rambelli lughese per Domenico Ghinassi. Lugo 1871. 

Der 1871 Gestorbene war lebenslang Lehrer, in Lugo, Alfonsina, 
Persiceto, Cesena, und verfasste manche Schriften zum Schulgebrauch, 
darunter Lettere intorao invenzioni e scoperte italiane. S. N. Ant. 1871 ag. 

355. Robert!. II secolo XVIII negli scritti di Giambattista 
Roberti per Niccolö Tonrmasbo . N. Antol. 1871 ag. 

ln Tommasfco’s Storia civile nella letteraria (oben Nr. 168) wiederholt. 

356. Romagnosi. I fattori e le leggi delT incivilimento, di- 
scorso intorno a Gian Domenico Romagnosi del prof. Bartolommeo 
Fontona. Imola 1871. 

357. Rosmini. Antonio Rosmini -Serbati, orazione tenuta in 
occasione della festa letteraria del R. Liceo-Ginnasio Carlo Alberto 
di Novara dal prof. Adolfo Marconi . Novara 1871. 24 p. 8°. 


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430 


Bibliographie v. 1871—72. 


358. Rosmini. Antonio Rosmini, discorso dell 1 ab. Francesco 
Angeleri. Treviso 1871. 56 p. 8°. 

359. Rncellai. Deila vita e degli scritti di Orazio Ricasoli 

Rucellai studio critico di A . Alfani. Firenze 1872. XXXII — 462 
p. 16°. 1. 4. 

S. Riv. Europ. 1872 febbr., N. Antol. luglio. 

360. Sarpi. Su Paolo Sarpi e le sue opere, discorso del 
prof. Giovanni Palmieri. Salerno 1872. 20 p. 8°. 

361. SigOüiO. Deila vita e delle opere di Carlo Sigonio di¬ 

scorso in questa seconda edizione notevolmente ritoccato dalT autore 
e arricchito di nuoyi documenti e di lettere inedite a Cammillo 
Coccapani per l’awoc. prof. Giovanni Franciosi. Modena 1872. 
100 p. 8°. 1. 3. 

362. (Surigoni.) Di uno scrittore milanese vissuto nel- 
ringhilterra e quasi ignoto tra noi. Lettura del M. E. dottore P. G. 
Maggi. Rendiconti del R. Istit. lomb. S. II, Vol. IV, fase. 15 (1871). 

Stefano Surigoni ist der Verfasser einer Elegie auf den Tod Chaucers, 
gedichtet auf Veranlassung William Caxtons, des Druckers von Chaucers 
Werken. 

363. Tasso, B. Bernardo Tasso, discorso di Pasmo Locatelli . 
Bergamo 1872. 80 p. 32°. 

Aus den Biografie d’illustri Bergamaschi, mit Lob besprochen von 
R. F. in N. Antol. 1872 luglio. 

364. Tasso, T. La Gerusalemme liberata secondo la nuova 
critica per Francesco De Sanctis. N. Antol. 1871 febbr. 

365. Telesio. Bernardino Telesio ossia studi storici su Tidea 
della natura nel risorgimento italiano di Francesco Fiorentino , prof. 
ord. di storia della filosofia nella R. Universitä di Napoli. Vol. I. 
Firenze 1872. 

S. Franck im Journ. d. Sav. 1873 sept. 

366. Torti. Della vita e delle opere di Francesco Torti, 
discorso di Ccsare Bagnotti. Perugia 1871. 

S. A. D’A. in N. Antol. 1871 luglio, S. M. T. in Riv. Sicula ag. 

367. TrivttMo. Cristina Trivulzio principessa di Belgioioso. 

Nekrologe der den 28. Juni 1808 zu Mailand geborenen und den 

5. Juli 1871 daselbst gestorbenen Schriftstellerin haben verschiedene Zei¬ 
tungen gebracht, so die Kölnische (hiernach die Berliner Nationalzeitung). 

368. Valla. Lorenzo Valla owero la filosofia della politica 

nel rinascimento, studio di Al. Paoli , con documenti inediti. Roma 
1872. 48 p. 8°. 1. 1,50. 

369. Vico. Note filologiche di Nicola AlianeUi alTopera 
di Giambattista Vico. Napoli 1871. 75 p. 8°. 

370. Vico. Vico e la scienza della storia per Giuseppe Sergi. 
Riv. gicula Vol. VIII (1872). 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


431 


371. Villani. Giovanni Villani und die Leggenda di messer 
Gianni di Procida von 0. Hartwig . Histor. Zeitschrift von H. von 
Sybel. 13. Jahrg. 2. Heft (1871). 

372. Vittorino da Feltre. Intorno alla vita di Vittorino 
da Feltre dialogo di Francesco Prendüacqua tradotto e annotato 
dal prof. Griuseppe Branibüla. Como 1871. XVI—100 p. 8°. 1. 2.50. 

Der Verfasser des lat. Dialoges war bekanntlich ein Schüler Vittorino’s. 

373. Vittorino da Feltre. Vittorino da Feltre, discorso letto 
agli allievi maestri della scuola normale di Bologna da Luigi Sa - 
vorini, socio della R. Commissione pe’ testi di lingua. Bologna 1872. 
30 p. 8°. (Per nozze Annichini-Foresti). 

374. Zanella e Cardncci. Due poeti, studio critico di Pom- 
peo MobnentL Strenna veneziana pel 1873. Venezia 1872. 

S. darüber Riv. Europ. 1873 febbr. Vgl. Bibliogr. 1870 Nr. 156. 


375. Sulla Visione di Tnndalo appunti di Adolfo Mussafia. 
Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissensch. in Wien, Bd. LXVII, 
p. 157 ff. Auch in besonderem Abdruck 52 S. 8°. 1871. 

S. N. Antol. 1871 giugno. Die treffliche Arbeit handelt nicht bloss 
von den italienischen Texten der Schrift, sondern auch von den verschie¬ 
denen lat. Redactionen, welche denselben zu Grunde liegen. 

376. Sülle versioni italiane della Storia trojana, osser- 
vazioni e confronti di Adolfo Mussafia, membro corrispond. del- 
l’accad. delle scienze di Vienna. Vienna. 50 p. 8°. 

Ebenfalls besonderer Abdruck aus den Sitzungsberichten der k. Ak. 
d. Wiss. in Wien, Bd. LXVII, p. 297 ff. S. Corazzini in Riv. filol. letter. 
Vol. I, fase. 6 und Rom. I, 389. 

377. La Rotta dl Roncisvalle per Pio Bajna. Propugn. III 
2, 384—409; IV 1, 52 — 78, 333—390; IV 2, 53—133. 

378. Intorno ad nna tradnzione italiana fatta nel secolo 
decimoquarto del Trattato d’ottica d’Alhazen matematico del 
secolo XI e ad altri iavori di questo scienziato nota di E. Narducci. 
Roma 1872. 50 p. 4°. 


B. 


1 . 

379. Collezione di opere inedlte o rare dei primi tre secoli 
della lingua pubblicata per cura della R. Commissione pe’ testi 
di lingua. Bologna. 8°. 

Statut! senesi scritti in volgare ne’ secoli XIH e XIV e 
pubblicati secondo i testi del R. Archivio di stato in Siena per 
cura di Luciano Banchi. Vol. II. 1871. XXXII — 372 p. 1. 7,80. 

Der erste Band erschien 1873, besorgt durch F. Polidori. Der 
zweite enthält: Statuto della Gabelia di Siena. Statuto della societu 
del Padule d’Orgia. Statuto delT Arte della lana di Radicondoli. 
Jahrb. f. rom. u. engl. Literatur. N. F. I. 29 


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432 


Bibliographie v. 1871—72. 


Statuto dell’ Arte de’ Chiavari di Siena. Statuto dell’ Arte de’ 
cuoiai e calzolai di Siena. Angezeigt im Arch. stör. ital. S. III. T. XIII 
(G.), in N. Antol. 1871 marzo (A. D’A.). 

I Real! di Fr&ncia. Volume I. Ricerche intomo ai Reali 
di Francia per Pio Hayna seguite dal libro delle storie di Fiora- 
vante e dal cantare di Bovo d’Antona. 1872. XX — 568p. 1. 12. 

S. Riv. Europ. 1872 die., N. Antol. 1873 genn. (A. D’A), Romania 
II, 351 (G. P.). 

I Nobili Fatti di Alessandro Magno, romanzo storico 
tradotto dal francese nel buon secolo, ora per la prima volta 
pubblicato sopra due codici magliabechiani per cura di Giusto 
Orion. 1872. CLXVI—296 p. 1. 9,10. 

380. Scelta di enriosität letterarie inedite o rare dal secolo 
XIII al XVII in appendice alla Collezione di opere inedite o rare. 
Bologna. 16°. 

115. Lottere di Pietro Vettori per la prima volta pubbli- 

cate da Giovanni Ghinassi. 1871. 80 p. 1. 2,50. 

116. Lettere volgari del secolo XIII scritte da Senesi, 
pubblicate e illustrate con documenti e annotazioni da Cesare 
Paoli e da Enea Piccolomini. 1871. XIV—173 p. 1. 6.50. 

Angezeigt im Lit. Centralbl. 1871, 1. Juli (A. T.), N. antol. maggio 
(A. D’A.). 

117. Rime del cav. Leonardo Salviati secondo la lezione 

originale confrontata con due codici per cura di Luigi Manzoni. 
1871. XV— 133 p. 1.4. 

118. La Seconda Spagna e l’Acquisto di Ponente ai 
tempi di Carlomagno, testi di lingua inediti del secolo XIII 
tratti da un manoscritto dell’ Ambrosiana per Antonio Ceruti, 
dottore della medesima. 1871. LXXXVIII — 269 p. 1. 12. 

Eine inhaltreiche, über die Stellung der beiden Werke besser als 
Ceruti’s Einleitung Aufschluss gebende Anzeige von Msf. im Lit. Cen¬ 
tralblatt 1871, Nr. 30. 

119. Novelle di Giovanni Sercambi (per cura di Alessan¬ 
dro DAncona). 1871. IX—204 p. 1. 12. 

Anzeige von Köhler im Jahrb. XII, 347 und 407, von Liebrecht 
in d. Gött. Gel. Anz. 1871, St. 29. Der Besitzer der einzigen Hds., 
welche sämmtliche 156 Erzählungen des Sercambi enthält, hat den 
Abdruck nicht gestatten wollen, so dass der Herausgeber sich begnü¬ 
gen musste, die 33 bereits zerstreut gedruckten zu sammeln. Er be¬ 
gleitet sie mit Bemerkungen über Abstammung und Verbreitung. 

120. Carte da ginoco in servigio dell’istoria e della 

cronologia disegnate e descritte secondo l’autografo della capito- 
lare Biblioteca Veronese da Francesco Bianchini. 1871. 80 p. 
con 4 rami. 1. 3,50. 

121. Scritti varii editi ed inediti di G. B. Adriani e 

di Marcello suo flgliuolo pubblicati a cura di Adolfo BartolL 
1871. X—286 p. 1. 10. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


433 


Vom Vater (f 1678) sind verfasst: das Leben des Cosimo de’ 
Medici (früher nicht gedruckt), die durch den Sohn in’s Italienische 
übersetzte Leichenrede auf den nämlichen Grossherzog (1674 in Florenz 
gedruckt); vom Sohne zwei in die Prose fiorentine aufgenommene, hier 
nach einer Hds. verbesserte Vorlesungen über die Erziehung der vor¬ 
nehmen Jugend. (Reumont’s Tafeln führen zum Jahr 1630 aas Leben 
des Cosimo I. als Werk des Marcello Adriani Mscr. auf.) Eine An¬ 
zeige von G. Piermartini im Arch. veneto T. IV. 

122. Batecchio, commedia di maggio composta per il pelle- 
grino ingegno del Fumoso della Congrega de 1 Rozzi, premessavi 
una lettera di Luciano Ba/nchi sul vero autore della profezia 
sulla guerra di Siena. 1871. 131 p. 1. 4. 

Angezeigt von A. D’A. in N. Antol. 1872 febbr. 

123 und 124. II Viaggio di Carlo Magno in Ispagna 
per conquistare il cammino di San Giacomo, testo di lingua in- 
edito pubblicato per cura di Antonio Ceruti . Vol. I. LXVIII — 
164 p., Vol. II, 251 p. 1871. 1. 12. 

G. Paris in der Rev. Crit. 1873 Nr. 1, macht darauf aufmerksam, 
dass die Einleitung Ceruti’s ein an der Hist. po£t. de Charlemagne 
verübtes Plagiat ist. 

125. Del Governo de’ regni sotto morali esempi di ani- 
mali ragionanti tra loro per cura di Emilio Teza. 1872. 150 p. 

1. 5,50. 

Abdruck des alten Druckes (Ferrara 1683) der italienischen Ueber- 
Betzung des ersten Buches des Pantschatantra aus dem Griechischen. 
S. Msf. Lit. Centralbl. 1872, N. 14, Romania I, 392. 

126. Il Saltero della B. V. Maria compilato da san Bo- 

uaventura, volgarizzamento antico toscano (per cui*a di F. Zam - 
brini) 1872. 116 p. 1. 5. 

Nach einem den Bibliographen unbekannt gebliebenen Drucke 
des 16. Jahrhunderts. Der Text ist mit dem lat. Originale verglichen, 
erläutert und von einem Glossare begleitet. S. Propugn. V 1, 491 und 
Riv. sic. Vol. VIII. 

127. Il Tractato dei Mesi di Bonvesin da Riva mila- 

nese, dato in luce per cura di Eduardo Lidforss. 1872. XXI— 
103 p. 1. 4. 

Eine ausführliche, den Text wesentlich berichtigende Anzeige von 
Mussaüa in Romania II S. 113—124; Michele Cafü’s Besprechung im 
Arch. stör. ital. S. III, T. XVI gibt einige neue Notizen über des (nach 
1313 gestorbenen) Dichters Leben; s. auch N. Antol. 1872 (A. D’A.) und 
Alessandro Wesselofsky im Propugn. V 2, 368—396, der unter dem 
Titel: „Intorno ad alcuni testi nei dialetti dell’alta Italia recentementc 
pubblicati“ Bemerkungen sprachlicher und sachlicher Art an Bonvesin’s 
zuletzt bekannt gewordenes und an Giacomino’s Werke knüpft. 

128. Yisione di Tügdalo, volgarizzata nel secolo XIV ed 

ora per la prima volta posta in luce da Francesco Corazzini. 
1872. XC—138 p. 1. 7. 

Der bibliographische Theil der Einleitung ist ein Auszug aus 
Mussafia’s trefflichen Appunti (s. oben Nr. 375), aber kein sorgfältiger; 
einmal ist er voller Druckfehler in den Büchertiteln, sodann entstellt 

29* 


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434 


Bibliographie v. 1871—72. 


er nicht selten, wo er bloss die Worte ändern will, den Sinn von 
Mussafia’s Aussagen, so wenn er M.’s Angabe „stampato dietro l’unico 
ms. che se ne conosce dall’ Hahn“ ändert in „stampato nelT unico 
ms. conosciuto dall’ Hahn“; wenn er von einem 1843 gedruckten Buche 
sagt: „non & conosciuto che il titolo“, während man bei M. liest: 
„non m’ö dato che citare il titolo d’una versione da me non veduta“ 
und so öfter; aus „Praga“ ist p. XVIII „Padova“ geworden; die von 
Villari herausgegebene italienische Legende die M. richtig als Be¬ 
arbeitung des unverkürzten lat. Textes bezeichnet, macht 0. zu einer 
Uebersetzung des Auszugs bei Vincentius Bellovac. (Beiläufig sei hier 
an eine von Mussafia übersehene Notiz über einen provenzalischen 
Tutglat erinnert, die im 3. Bande der Biblioteca de autores espanoles, 
Madrid 1850, S. XI zu finden ist). — Der edirte Text ist der Riccar- 
dianischen Hds. 2404 entnommen, mit ihm sind zwei magliabechia- 
nische verglichen, deren einer eine ziemlich treue Abschrift des ric- 
cardianischen ist, während der andere entweder die Grundlage oder 
gleichen Ursprungs mit dem von Giuliari 1870 edirten ist (Bibliogr. 
1870, Nr. 223, 112); so Corazzini. Es ist aber nicht zu verkennen, 
dass auch der riccardianische Text im Grunde identisch ist mit dem 
veronesischen, von dem er sich nur durch toscanischen Sprachcharakter 
und grössere Glätte des Ausdrucks unterscheidet. Yillari’s Text steht 
nach wie vor selbständig da. — Ein Abdruck des ersten Capitels der 
verones. Uebersetzung nach der neu verglichenen Hds. bestätigt, dass 
Giuliari’s Ausgabe so zuverlässig nicht ist, wie man sie wünschen 
möchte, ist aber selbst auch wieder nicht genau; Seite LIX ist ein 
ganzer Satz übersprungen worden. Eine Uebersicht der grammatischen 
und lexikalischen Besonderheiten schliesst das Bändchen. 


381. Proverbi florentini di Francesco Serdonati aggiuntivi 
alcuni veneti in versi rimati. Padova 1871. 24 p. 8°. 

Nach A. D’A. in der N. Antol. 1871 maggio eine durch den Prof. 
Pietro Ferrato besorgte Auswahl aus der auf der Florentiner Biblioteca 
Nazionale aufbewahrten handschriftlichen Sammlung des F. Serdonati 
(16. Jahrh.). 

382. Proverbi sardi trasportati in lingua italiana e con- 

frontati con quelli degli antichi popoli. Nuova edizione corretta 
ed accresciuta di altri 500 e piü proverbi. Cagliari 1871. 416 
p. 16°. 1. 1,20. 

Ueber die durch Spanu veranstaltete schätzenswerthe Sammlung 
berichtet Gius. Piträ in der Riv. filol. lett. I, 190. 

383. L’Igiene della tavola dalla bocca del popolo ossia 

Proverbj che hanno riguardo alla alimentazione raccolti in varie 
parti dTtalia ed ordinati da D. G. Bemoni. Venezia 1872. 1. 1. 

384. Saggio di modi di dire proverbiali e di motti popo- 

lari italiani spiegati e commentati da Pico Luri di Vassano [Lu- 
dovico Passarini]. Roma 1872. 355 p. 8°. 1. 3,50. 

S. A. D’A. in N. Antol. 1872 ott., S. S.-M. in Arch. stör, sicil., anno I 
fase. 3 e 4. 


385. Canti popolari siciliani raccolti ed illustrati da Giu¬ 
seppe Pifrd preceduti da uno Studio critico dello stesso autore. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 435 

Volume secondo. Palermo 1871. X—495 p. 16°. (Sechszehn Seiten 
Notenbeilagen). 1. 5. 

Angezeigt von Liebrecht in den Gött. Gel. Anz. 1871, 17. Stück und 
von demselben in The Academy 16. Apr. 1872, von A. D’A. N. Antol. 
1871 apr. 

386. Canti popolari delle Provincie meridionali raccolti da 

Antonio Casetti e Vittorio Imbi'iani. Vol. I. Torino 1871. XVI — 
332 p. 8°. Vol. ü. Torino 1872. XII—447 p. 8°. 1. 4 e 1. 5. 

Bildet den zweiten und den dritten Band der Sammlung, deren 
ersten Band die Bibliogr. 1870 Nr. 231 verzeichnete. Anzeigen: Lieb¬ 
recht in den Heidelb. Jahrb. 1871 Nr. 35, D. P. in N. Antol. 1872 ott., 
Th. de Puymaigre in Rev. crit. 1873 Nr. 48. 

387. Mazzetto di canti popolari savesi raccolti e annotati 
da M. Sdtifone. Napoli 1871. 

Zweiundzwanzig Lieder aus verschiedenen Ortschaften der Terra 
d’Ottranto; s. V. I. in N. Antol. 1871 luglio. 

388. Canti popolari delle isole Eolie e di altri luogM di 
Sicilia raccolti, pubblicati, tradotti in prosa italiana e annotati 
dal prof. Letterio Lizio-Bruno. Messina 1871» 

S. A. D’A, in N. Antol. 1871 die., Liebrecht in The Academy 16. Apr. 
1872, Th. de Puymaigre in Rev. Crit. 1872, Nr. 44. 

389. Ninne-nanne e ginochi infantil! veneziani raccolti da 
Angelo Dal Medico e raffrontati ai toscani e francesi. Venezia 1871. 

S. A. D’A. in N. Antol. 1871 nov. 

390. La Pesca del pesce ne’ valli della veneta laguna al 

tempo delle prime buffere invernali, monologo dascalico (1. didasea- 
lico?) in versi nel dialetto de’ pescatori chioggiotti, del dottor 
Griandomenko Nardo. Venezia 1871. XXIV—104 p. 8°. 

Hier angeführt, weil das Buch nach Propugn. IV 2, 495 ausser eig¬ 
nen Versen und Abhandlungen Nardo’s auch Fischerlieder und andere 
Volkslieder enthält; auch eine Uebersetzung aus Dante’s Inferno (Ugo- 
lino) ist dabei. 

391. Canti popolari dei Greci di Cargese (Corsica) per 

Astorrc Pellegrini. Bergamo 1871. 38 p. 16°. 

392. XLV canti popolari de’ dintorni di Marigliano (Terra 
di Lavoro) pubblicati per Vittorio Imbriani. (Per nozze.) 1871. 
(200 Exemplare.) 

393. Canti popolari calabresi pubblicati per Vittorio Im¬ 
briani Propugn. V 2, 180—193 (1872). 

394. Canti popolari teramesi raccolti ed illustrati da Luigi . 
Molinaro del Chiaro . Napoli 1871. 8°. 

S. Propugn. IV 2, 494. 

395. SizUianische Volkslieder und Volksräthsel herausge¬ 
geben von Felix Liebrecht. Jahrb. XII 337—346. 

396. Canti del popolo di Chioggia raccolti da Angelo Bai 
Medico . Venezia 1872. 20 p. 16°. 

29 Vilote; s. A. D’A. in N. Antol. 1872 giugno, Riv. Europ. 1872 
maggio. 


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436 


Bibliographie v. 1871—72. 


397. Canti popolari veneziani raccolti da Dom . Gius. Ber - 

noni Venezia 1872. Fase. I—XII (di 16 p. Puno). 16°. 1. 3. 

Anzeigen: A. D’A. in N. Antol. 1873 apr. und in Arch. Veneto V, 1 
(1873), Liebrecht in Gött. Gel. Anz. 1873, 6. Stück, G. P. in Romaniall 366. 

398. Canzoni popolari in dialetto sardo centrale ossia logu- 

dorese. Terza Serie: Canzoni storiche e profane. Cagliari 1872. 
96 p. 16°. 1. 0,50. 

S. Bibliogr. 1870, Nr. 228. 

399. El Bochö, Canzone in dialetto veneziano pubblicata da 
Angelo Dal Medico. Venezia 1871. 8 p. 8°. 

400. La Novellaja florentina , cioe fiabe e novelline stenogra- 
fate in Firenze dal dettato popolare e corredate di qualche note- 
rella da Vittorio Inibriani. Napoli 1871. IV—366 p. 8°. 

S. Liebrecht in Heidelb. Jahrb. 1871, Nr. 42; A. D’A. in N. Antol. 
1872 marzo; Propugn. IV 2, 493. 

401. La Novellaja milanese, s. Bibliogr. 1870, Nr. 235. 

Die Sammlung ist abgeschlossen im fünften Bande des Propugn. 

(1872); angezeigt von Liebrecht in Heidelb. Jahrb. 1872 Nr. 45, und 
von A. D’A. in N. Antol. 1873 febbr. 

402. Saggio di fiabe e novelle popolari siciliane raccoltc 
da Giuseppe Pitrc. Palermo 1872. 16 p. 12°. 

S. Rev. crit. 1873 Nr. 6. 


403. Lirici del secolo XVIII a cura di Giosuc Carducci . 

Firenze 1871. 32°. 1. 2,25. 

Die hier zu einer ähnlichen Sammlung, wie die in der Bibliogr. 1868 
Nr. 299 angezeigte, vereinigten Dichter sind: Savioli, Agostino und Gio¬ 
vanni Paradisi, Cerretti, Rezzonico, Cassoli, Mazza, Fantoni, Lamberti. 
Eine lebendig geschriebene Einleitung geht voran. 

404. Qnattro antiche sposizioni in versi delT Ave Maria 
da un codice capitolare del secolo XVI. Verona 1871. 12 p. 4°. 
(Per nozze.) 

405. Poesie storiche tratte dai diarii di Marin Sanndo 
(1499 —1522). Venezia 1871. 12 p. 8°. (Per nozze D’Ancona- 
Nissim.) 

406. Cantilene e Ballate, Strambotti e Madrigali nei se- 

coü XIII e XIV a cura di Giosuc Carducci . Pisa 1871. 343 p. 
8°. (250 esempl.). 1. 8. 

S. Propugn. V 1, 163 (F. Z.), Romania I, 115 (G. P.). 

407. Saggio di restanrazione degli antichi poeti siciliani 

per Francesco Corazzini . Siena 1871. 8°. (Per nozze D'Ancona- 
Nissim.) 

Drei Gedichte (Jacopo da Lentino: Amanda lungamenti, Poeti del 
pr. Bec. I, 280; Tommaso Sasso da Messina: L’amurusu vtdiri, eb. 1,205; 
Inghilfredi: Un disiu d'amuri che soventi , cb. I, 151), in altsizilianische 
Mundart umgesetzt. S. Riv. sicula Vol. VIII. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


437 


408. Saggio di polemica e di poesia politica del secolo 

XVII (da una miscellanea veneta) per Alessandro DAncona. Arch. 
veneto T. III, p. 2. 

409. Rime inedite dei qnattro Poeti (per qura di Domcnico 
Carbonc). Roma 1872. (Per nozze.) 

Nach der Riv. sic. 1872 nov. sind Dante, Petrarca, Ariosto und T. 
Tasso die vier Dichter; ebenda sind die Hdss. bezeichnet, denen die Ge¬ 
dichte entnommen seien; über diese selbst schweigt der Referent. 

410. Tre lettere cavate del Libro d’ Amore e tre poesie 
umsicali del secolo XIV. Padova 1872. 16 p. 32°. 

Ueber den Libro d’ Amore s. Zambrini’s Op. volg. S. 305. 

411. Dieci ballate dei tempi del Poliziano. Lucca 1872. 
14 p. 8°. 

Der Moucke’schen Hds. Nr. 27 der öffentl. Bibliothek in Lucca ent¬ 
nommen durch den Prof. Enrico Ridolfi. 50 Exempl. 

412. Sacre Rappresentaziöni dei secoli XIV, XV e XVI 

raccolte e illustrate per cura di Alessandro I)Ancona. Firenze 1872. 
3 vol. V—471, 469, 527 p. 16°. 1. 12. 

43 Stücke meist aus seltenen alten Drucken mit bibliographischen 
und sachlichen Erläuterungen. Die Verfasser sind nur theilweise bekannt, 
wir begegnen Feo Belcari, Bernardo Pulci, Lorenzo de’ Medici, Giam- 
maria Cecchi. Zambrini im Propugn. V 1, 491 bezweifelt, dass von den 
•Stücken Einiges in’s 14. Jahrh. hinaufreiche; weitere Anzeigen Rev. crit. 
1872 Nr. 36 (P. M.) und Romania II 266 (G. P.). 

413. Lettere inedite di Silvio Pellico e di Lorenzo Costa 
dirette a D. Giulio Cesare Parolari arciprete di Zellarino. Venezia 
1871. 30 p. 8°. (Per nozze Carminati-Muscita.) 

414. Alcnne lettere di scrittori italiani del secolo XVI 
messe in luce per la prima volta per cura del prof. Pietro Ferrato. 
Padova 1871. 23 p. 8°. 

Die Verfasser sind Bargagli, Bembo, Busini, Casa, Contile, Giovio, 
Lottini, Malavolti. S. Arch. stör. it. S. III, T. XIII. 

415. Canzone di Giacomo Leopardi segnita da lettere di 
Dgo Foscolo e Pellegrino Rossi (per cura di Alessandro 1)Ancona). 
Pisa 1871. 28 p. 8°. (Per nozze Perugia-Levi.) 

Angezeigt von R. F. in N. Antol. 1871 die. Die Canzone ist die 
von Leopardi in seinem Briefe an Brighenti (Epist. I, 159) erwähnte; sie 
ist auch in der Riv. Europ. 1872 marzo abgedruckt. 

416. Lettere di Italiani illnstri edite da V. Promis. Torino 
1871. 167 p. 8°. (Estratto dal Vol. XI della Miscellanea di storia 
italiana.) 

Unter den Verfassern sind mehrere der Literaturgeschichte ange- 
hörige, so B. Tasso, F. Redi, P. Giannone, Bodoni, Jacopo Morelli, X. de 
Maistre, G. B. Balbis, Valperga di Caluso. Die Briefe sind sämmtlich 
den handschriftlichen Schätzen der Bibliothek S. Maj. des Königs von 
Italien entnommen. 

417. Lettere inedite di Pietro Metastasio, Carlo Goldoni, 
Vittorio Alfieri (per cura di Antonio Cappelli ). Modena 1872. 
46 p. 8°. (Per nozze.) 

5 Briefe, darunter drei von Metastasio, s. Propugn. V 1, 483. 


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438 


Bibliographie v. 1871—72. 


418. Novelle antiche (per cura di Alessandro D’Ancona e 
di Giovanni Papanti). Livorno 1871. IV—54 p. 4°. 

S. Liebrecht, Gött. Gel. Anz. 1872 St. 17. Dreiunddreissig Novellen, 
durch A. D’A. florentinischen Hdss. entnommen uud durch G. Papanti 
zum Abdruck gebracht. Die 20 Exemplare sind nicht im Handel. Dem 
Inhalt nach fällt die Publication wohl zusammen mit dem von A. D’A. 
.herrührenden Anhänge zum ersten Bande von Papanti’s Catalogo 
(oben Nr. 120). 

419. Un Esemplo morale inedito tratto dal codice Magliab. 
56 P. rv. Propugn. HI 2, 503—504 (1871). 

Titel: Qui parla d’uno religioso come i cittadini si voleano confes- 
sare da lui. 

420. Novella di Ippolito e Lionora di nuovo stampata con- 
forme on codice palatino del secolo XV (per cura di Giovami Pa¬ 
panti ). Livorno 1871. (65 esempl., fuori di commercio). 

S. A. D’A. in N. Antol. 1871 agosto; die Novelle ist die durch 
Byron ’b „florentinische Liebende“ berühmt gewordene, in Italien schon 
öfter, hier besonders glänzend gedruckt. 

421. Novella capricciosa di Francesco Mariotti, agginntivi 
dne sonetti inediti di A. Caro e di G. Gigli. Firenze 1871. 
22 p. 8°. (20 Esempl.) 

422. Leggenda di santa Margherita V. e U. in ottava 
rima pubblicata per Francesco Zambrim. Propugn. 1H 2, 410 — 
435 (1871). 

Dichtung des angehenden 14. Jahrhunderts aus einer Bologneser 
Hds. des 15. Jahrh. Drei italienische Versionen der Legende in Prosa 
und eine in Versen werden vom Herausgeber in Drucken nachge¬ 
wiesen. 

423. La Leggenda della Reina Rosana e di Rosana sna 
flglinola pubblicata da Alessandro D*Ancona. Livorno 1871. V— 
73 p. 4°. (153 esempl.). 

S. Liebrecht, Gött, Gel. Anz. 1872 St. 8. — Geschichte von Flor 
und Blancheflor. 

424. Leggenda di san Silvestro papa scritta in latino dal 
beato Jacopo da Voragine e volgarizzata nel buon secolo, ora per 
la prima volta messa in luce secondo un codice proprio dalP ab. 
Luigi Razzölini. Firenze 1871. 32 p. 8°. 

S. Propugn. V 1, 162. 

425. Storia di s. Piero apostolo nella citti d’Antiochia 

ora la prima volta pubblicata da Di Mauro di Polvica . Propugn. 
V 2, 194—239 (1872). 

Uebersetzung nach Gregor dem Grossen angefertigt im 14. oder 
15. Jahrhundert. 

426. Tre Loggende del bnon secolo della lingna pubbli- 
cate con note da Michele Dello Russo . Napoli 1871. 46 p. 8°. 

Die Legenden von S. Martin, S. Felicitas, S. Theodosia, welche nach 
andern Hdss. früher durch F. Zambrini gedruckt waren in seiner Colle- 
zione di Leggende inedite, Bologna 1866. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


439 


427. Leggenda di sau Giuliano. Propugn. V 1, 244 (1872). 

Druckfertig vorgefunden im Nachlasse des Abbate Luigi Fiacchi (als 

Fabeldichter unter dem Namen Clasio bekannt), ohne Angabe der zwei 
Hdes., denen der Text und die Varianten entnommen sind. 

428. Preghiere scritte Bei secoli XIV e XV aggiuntovi 
nna pia narrazione (a cura del prof. Pietro Ferrato). Padova 1872. 

20 p. 8°. 

S. Propugn. V 1, 174. 

429. Sulla Indulgenza della Porziuncola, testo inedito del 
trecento pubblicato ed illustrato per cura del sacerdote modenese 
D. Luigi Lenzotti. Modena 1872. 40 p. 8°. 

430. Fiore di virtü, codice membranaceo del secolo XIV 
esistente nella Biblioteca comunale Bertoliana di Vicenza, per cura 
dell’ ab. bibliotecario Andrea Capparozzo. Vicenza 1872. 24 p. 8°. 

Ein Stück der Hds. wird neben die entsprechende Stelle des von 
der Crusca citirten Textes (Rom, 1740) gehalten, der mehrfach danach 
verbessert werden kann. Hochzeitspublication in 100 Exemplaren. S. 
Propugn. V 1, 483, Arch. stör. S. III, T. XVI. Die moralischen Unter¬ 
weisungen sind hier auch von Beispielen begleitet, welche den andern 
Hdss. zu fehlen scheinen. Als Verfasser nennt sich Fra Tommaxe da lo 
Spedale. 

431. La Tonia da Castello, stanze d’incerto autore del secolo 
XVII. Firenze 1871. 15 p. 8°. (70 es. numer.) 

432. Lancilotto, poema cavalleresco, pubblicato la prima volta 
per cura di Crescentino Giannini. Fermo 1871. XVI—128 p. 16°. 

433. Sonetto del secolo XIV pubblicato da A. Neri Propugn. 
V 2, 139 (1872). 

434. Canzone d’anonimo cinquecentista. Imola 1872. 16 p. 
8°. (per nozze Castracane-Staccoli e Ansidei). 

435. Due carte inedite in lingua sarda dei secoli XI e XIII 

pubblicate da Leopoldo Tcmfani. Arch. stör. ital. S. III, T. XIII 
(1871). 12 p. 8°. 

Zwei Urkunden von geringem Umfang, dem Pisaner Staatsarchiv 
angehörig, vom Grafen Baudi di Vesme mit einer wörtlichen Uebersetzung 
begleitet und durch Tanfani mit Bezugnahme auf die Arboreafrage ein¬ 
geleitet, in welcher er aber sich hütet Partei zu nehmen. 

436. Di alcune iscrizioni volgari dei secoli XI, XII e XIII 

lettera al commendatore Francesco Zambrini di Carlo Vesme. 
Propugn. V 1, 5—28 (1872). 

Man sehe darüber einen besonnenen Brief von Leone del Prete, 
Propugn. V 1, 256 und eine Entgegnung von Carlo Vesme ebenda V 2, 
409—422. — Voran stehn zwei zwar in Abschriften des 16. und des 13. 
oder 14. Jahrh. vorhandene kurze Inschriften des 11. Jahrhunderts, deren 
erste, eine Glockeninschrift, nur Ein verständliches italienisches Wort, 
ausserdem Namen in italienischer Form enthält, und deren zweite viel 
Latein beimischt; es folgen zwei ganz bedeutungslose von 1103 und 1152, 
sodann die berüchtigte Ubaldini’sche, die Vesme in Schutz nimmt, nur 
dass er meint, sie sei erst einige Zeit nach dem berichteten Ereigniss 


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440 


Bibliographie v. 1871—72. 


angefertigt, woraus sich der chronologische Fehler in ihrem Inhalt er¬ 
kläre; hieran reiht sich eine unzweifelhaft ächte und alte vom Ende des 
12. Jahrhunderts aus dem Campo santo von Pisa; die des 13. Jahrh. 
haben geringeres Interesse. 

437. Capitolo della Compagnia de’ Disciplinati della citta 
di Firenze, testo citato dagli Accademici della Crusca e non mai 
fin qui dato in luce (per cura del prof. Pietro Ferrato). Padova 
1871. XIY—48 p. 8°. 

S. R. F. in N. Antol. 1872 febbr., Propugn. IV 2, 490. 

438. Le anticlie nozze sanesi, capitoli estratti dello Statuto 
volgare di Siena del MCCCX (per cura del cav. Luciano Banchi ). 
Siena 1871. 14 p. 8°. (per nozze D’Ancona-Nissim). 60 esempl. 

S. Arch. stör. S. III, T. XIV. 

439. Ricette chimiche e medicinali in volgare estratte da 
un codice latino di scienze occulte del secolo XIII e XIV per cura 
di Vmccnzo Di Giovanni. Propugn. V 2, 25 (1872). 

440. Trattati della virtü delle pietre, scrittura del secolo 
XIV. Livorno 1871. XIV—24 p. 8°. (Per nozze.) 80 esempl. 

441. Epistola de’ costnmi dei Tartari cavata nel secolo 
XIV dalla Storia dei Mongoli di Giovanni dal Piano de' Carpini 
(per cura di A. Targioni-Tozzctti). Livorno 1871. 

Der Peruginer Mönch schrieb seinen (von D’Avezac neu edirten) 
Bericht im 13. Jahrhundert; s. A. D’A. in N. Antol. 1871 die. 

442. Titoli dei Capitoli della Storia dei Reali di Francia 

per cura di H. Mickelant. Jahrbuch XI und XII. 

Titel der Capitel der zwei Bücher, welche die Fortsetzung zu den 
sechs oft gedruckten Büchern der Reali bilden. 

443. Storia di Alessandro imperadore e di sue opere, teste 
di lingua (per cura di Francesco Zambrini ). Imola 1872 (per le 
nozze Isola-Ruschi-Ivani; pochi esemplari). 16 p. 8°. 

Ein nicht in allen Hdss. sich findendes Bruchstück des von der 
Crusca früher als Libro senza titolo, Genesi, Libro di Btorie diverse, jetzt 
als Libro de’ Fioretti della Bibbia citirten Werkes. Zambrini theilt das 
Bruchstück nach zwei einander sehr nahe stehenden riccardianischen 
Hdss. mit, welche von deijenigen verschieden sind, welche die Crusca 
früher benutzte, und von derjenigen ebenfalls, welche sie jetzt zu Grunde 
legt. (Fabelhafte Geburt Alexanders, seine Deutung der zwiefachen Sen¬ 
dung des Darius, Aristoteles von einem Mädchen geritten.) 

444. II libro trojano della biblioteca comnnale di Palermo 

per Vincenzo Di Giovanni. Propugn. Y 1, 369 (1872). 

Aus der nämlichen Hds. hatte Gioachino di Marzo 1863 (Di un co¬ 
dice in volgare della Storia di Troja di anonimo siciliano del sec. XIV 
esistente nella biblioteca comunale di Palermo, saggio d’illustrazione, 
Palermo 8°. 80 p.) die sieben Anfangscapitel und die 30 Capitel Fort¬ 
setzung mitgetheilt (von den Schicksalen des Aeneas), welche den übri¬ 
gen Hdss. der Guerra trojana fehlen. Hier werden fünf weitere Capitel 
edirt, die dem Texte ebenfalls fehlen, welchen Michele dello Russo heraus¬ 
gegeben hat (Bibliogr. 1868, Nr. 320); diese Medea betreffenden Erweite¬ 
rungen sind Benoit fremd. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


441 


445. Dialogo in lande delle gentili donne bolognesi (per 
cura di Ferdinando Guidicini). Bologna 1872. 32 p. 8°. 

Das Werk (in Prosa) eines unbekannten Bolognesen; der Druck des 
16. Jahrh. ist sehr selten geworden. Die Anzeige im Propugn. V 2, 151 
erwähnt eines ähnlichen Werkes von Giulio Castellani aus Faenza, der 
die Frauen seiner Heimath in Octaven feiert; ob derselbe mitgedruckt 
ist, wird nicht klar. 


2 . 

446. Aldobr&ndlno. Le quattro stagioni e come Puomo si 

deve guardare il corpo in ciascheduno tempo dell’ anno, trattato 
di messer Aldobrandino da Siena, volgarizzato da Zucchero Benci- 
venni nel secolo XIV. Livorno 1871. 24 p. 4°. (60 esempl. 

numerati). 

447. Bianooli. II poemetto del conte Alessandro Biancoli 
di Bagnacavallo sulle majoliche faentine dopo un secolo ritrovato, 
memoria del cav. T. Luigi BalduccL Propugn. V 2, 48. (1872). 

Von dem Gedichte werden nur Auszüge gegeben; im Propugn. V 
2, 367 stellt Balduzzi eine Ausgabe desselben durch den Enkel des Ver¬ 
fassers in Aussicht. 

448. Bonfadio. Annali delle cose dei Genovesi di Jacopo 
Bonfadio, volgarizzati da Bartölomco Paschdti, aggiuntavi la tra- 
duzione della Miloniana, le lettere e le poesie volgari con nuovi 
documenti per cura del cav. L. T. Beigram, segretario generale 
della Societä ligure di storia patria. Genova 1871. XVI—394 p. 8°. 

S. Arch. stör. ital. S. III, T. XIII. 

449. Bruno. Giordano Bruno. Von der Ursache, dem Prin- 
cip und dem Einen. Uebersetzt und mit Anmerkungen versehen 
von A. Lassem. (Philosoph. Biblioth. Heft 151 u. 152). Berlin 1872. 

10 Sgr. 

450. Buonarroti. Le rime di Michelangelo Buonarroti. Nach¬ 
dichtungen von Hans Grasberger. Bremen 1872. XVI—213 S. 8°. 

Angezeigt von Trauttwein von Belle, Mag. f. Lit. d. Ausl. 1872. 
Nr. 31. 

451. Caro. Prose inedite del commendatore Annibal Caro 
pubblicate ed annotate da, Giuseppe Cugnonilmola, 1872.172 p. 8°. 1.3. 

8. Propugn. V 1, 486, N. Antol. 1872 ott. (A. D’A.), Arch. stör. ital. 
S. III, T. XVI (M. T.). 

452. Celebrino. La Presa di Roma per il Celebrino com- 
posta nel 1528 (per cura di E. Narducci). Roma 1872. 

Kurze Schilderung des „Sacco di Roma“. S. N. Antol. 1873 apr. 
(A. D’A.). 

453. Dante. Coramento sulla Divina Commedia di Dante 
Alighieri per A. G. De Marzo. Prato 1872. 1120 p. 4°. 17 Thlr. 

Dem Verfasser ist nach der Riv. Europ. 1872 maggio p. 580 durch 
die zur Prüfung ernannte Commission eine Belohnung von 2600 Lire aus 


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442 


Bibliographie v. 1871—72. 


dem Jahresgewinn der Florentiner Volksbank zuerkannt. Nach Scartazzini 
(Mag. f. Lit. d. Ausl. 1873 Nr. 34) wäre das Werk eine völlig werthlose 
Compilation. 

454. Dante. Dantis Aligherii de Monarchia libri tres. Edidit 
Karl Witte. Halle 1871. Programm. 

Das erste Buch der Ausgabe erschien 1863, das zweite 1867. S. 
darüber einen Artikel der Kölnischen Zeitung, den die Au^sb. Allg. Ztg. 
1871, 23. Juli abgedruckt hat; ferner v. Reumont in Reusen s theol. Lite¬ 
raturblatt 1871, Nr. 19, A. DA. in N. Antol. 1871 ott. Ein neuer Ab¬ 
druck soll demnächst in den Buchhandel kommen. 

455. Dante. Un Credo di Dante AJighieri, pubblicato nella 
inaugurazione della sua statua in Mantova. Mantova 1871. 8 p. 8°. 

1. 0,70. 

456. Dante. La Vita Nuova di Dante Alighieri riscontrata 

su codici e stampe preceduta da uno studio su Beatrice e seguita 
da illustrazioni per cura di Alessandro D* Ancona. Pisa 1872. 
128 p. 4°. 1. 25. 

8. Augsb. Allg. Zeitung 1873 Nr. 260, und Msf. im L. Centralbl. 
1874 Nr. 4. 

457. Dante. Dante Alighieri’s Göttliche Komödie übersetzt 
und erläutert von Friedrich Notier. Stuttgart (1871 und 1872). 
Zwei Bände, kl. 8°. 

Angezeigt von K. Witte, Augsb. Allg. Zeitung 1871 Nr. 323, Lit. 
Centralbl. 1872 Nr. 33, Paur in den Blättern f. Lit. Unterh. 1872 Nr. 48. 

458. Dante. Dell’ Inferno di Dante Alighieri canto secondo 
tradotto in versi latini dal prof. Francesco Simone. Albenga 1872. 
14 p. 32°. 

459. Dante. Dell 1 Inferno di Dante canto trentesimoterzo 
tradotto in latino dal prof. Francesco Simone. Albenga 1872. 

16 p. 16°. 

460. Dante. . . . 

Von einer Uebersetzung der Commedia in’s Ungarische durch Karl 
Szaz (1872) spricht die Riv. Europ. 1873 genn., ohne den Titel mitzu- 
theilen. 

461. Dante. Dante Alighieri. Ueber die Monarchie. Ueber- 

setzt und mit einer Einleitung versehen von Dr. Oskar Hubatsch. 
Berlin 1872 (Historisch-politische Bibliothek, Verlag von Heimann. 
Heft 50 und 51). 91 S. 8°. 10 Sgr. 

Die Einleitung S. 5—30 charakterisirt und kritisirt Dante’s Schrift 
zutreffend, giebt (nach Wegele) eine Uebersicht der politischen Bewegun¬ 
gen in Florenz in der Zeit, in welcher Dante gelebt hat, bis zum Römer¬ 
zuge Heinrichs VII. Hinsichtlich der Zeit der Abfassung des Werkes ist 
Hubatsch geneigt, mit Witte und Böhmer für die Jahre vor der Ver¬ 
bannung zu stimmen, etwa 1298. Der Uebersetzung liegt der Witte’sche 
Text zu Grunde. 

462. Da Ponte. Memorie di Lorenzo Da Ponte compendiate 

da Jacopo Bernardi e scritti vari in prosa e poesia del medesimo 
autore. Firenze 1871. VHI—412 p. 16°. 1. 4. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


443 


463. Da Ponte. Novella di Lorenzo Da Ponte intomo a 
Giacomo Casanova (per cura del prof. A. Tessier). Venezia 1872. 
(Per nozze, 100 esempl.) 

464. Davanzati. VI Sonetti inediti di Chiaro Davanzati poeta 
del secolo decimoterzo (per cura di Edoardo Zäbban). Pisa. 8 p. 
8°. (Per nozze Cavalieri Zabban). 

465. D’Azeglio. Scritti postumi di Massimo D’Azeglio a 
cura di Matteo Ricci . Firenze 1871. XII—514 p. 8°. 1. 4. 

Anfang eines nicht weitergeführten Romans „La Lega lombarda“, 
politische Flugschriften, Gedichte und vertrauliche Briefe. S. Riv. Europ. 
1871 die., ausführlicher W. Lang „Im neuen Reich“ 1872 Nr. 2, 0. Hart¬ 
wig in von Sybels histor. Zeitschrift 1873 Heft 1. 

466. D’Azeglio. Scritti politici e letterari di Massimo D’Azeglio 
preceduti da uno studio storico sull’ autore di Marco Tabarrini. 
Firenze 1872. 2 vol. 

S. Arch. stör. ital. S. III, T. XVI (1872), Riv. Europ. 1873 genn. 

467. Fazio degli Dberti. Frottola di Fazio degli Uberti 
scritta a Verona nel 1336, ora per la prima volta posta in luce 
dal prof. Francesco Innocenti - Ghini. Verona 1872. 12 p. 8°. (Per 
nozze Capetti-Simoni.) 

468. Firenzuola, A. La prima veste dei Discorsi degli ani- 
mali di Agnolo Firenzuola. Volume unico. Bergamo 1871. 

469. Firenzuola, A. Prose di Agnolo Firenzuola purgate 

ed annotate dal sacerd. prof. Celestino Durando. Torino 1871. Due 
vol. XII—232, 278 p. 32°. 1. 1,60. 

470. Firenzuola, G. Dell’ Agricoltura libri tre di Girolamo 
da Firenzuola, ora per la prima volta pubblicati secondo un codice 
della Biblioteca comunale di Siena (per cura del cav. Francesco 
Bernardi; 200 esemplari, dei quali la meta fuori di commercio). 
Siena 1871. 

S. N. Antol. 1871 sett. 

471. Foscolo. Uno scritto inedito di Ugo Foscolo. — Scritti 
inediti di Ugo Foscolo. — Una lettera inedita di Ugo Foscolo. 
Per cura del cav. Donienico Bianchini, In „H BarettiTorino 
1871, Nr. 8, 19, 27. 

Vorrede zu einer nicht ausgeführten Arbeit „Discorsi sopra gli uo- 
mini illustri di Plutarco“; Uebersetzungen und zwar der beiden ersten 
Capitel von Tacitus’ Germania und eines Briefes von Plinius (VI, 1); ein 
Brief aus London vom 25. Oct. 1816. — Von dem Herausgeber ist eine 
grössere Schrift über Foscolo’s Leben und Werke in Aussicht. 

472. Foscolo. Di un antico inno alle Grazie dissertazione 

di Ugo Foscolo. Roma 1872. 30 p. 16°. 1. 2. 

S. N. Antol. 1872 nov. (A. D’A.). Ein in englischer Sprache ge¬ 
druckter Aufsatz in italienischer Uebersetzung herausgegeben durch Do¬ 
menico Bianchini. 

473. Foscolo. Lettere inedite di Ugo Foscolo per cura di 
Adölfo Tobler. Jahrbuch XII (1871). 


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444 


Bibliographie v. 1871—72. 


474. Foscolo. Lettere inedite di Ugo Foscolo pubblicate 
da Adolfo Gemma . Riv. filol. letter. II, 94 (1872). 

475. Foscolo. Lettere inedite di Ugo Foscolo (per cura di 
Giorgio Sacerdoti). Venezia 1872. 20 p. 8°. (Per nozze.) 

Zwei Briefe von Ugo, einer von Giulio Foscolo an ihre Schwester. 

476. Foscolo. Lettere inedite di Ugo Foscolo all’ ab. prof. 

Melchiorre Cesarotti. Padova 1872. 24 p. 8°. 

477. Francesco d*Assisi. Der Sonnengesang von Francesco 
d’Assisi von Ed. Boekmer. In seinen Romanischen Studien. Heft I, 
118 — 122 (1871). 

Der Text, über dessen ächte Gestalt der Herausgeber in L. Giese- 
brechts Damaris 1864 Heft 4 sich ausgesprochen hat, wird hier aus vier 
handschriftlichen Versionen (wovon drei aus Publicationen von Affb und 
Fanfani bekannt) hergestellt. Diesen Text druckt die Riv. filol. lett. I, 
161—163 ab. 

478. Galilei. Epistolario di Galileo Galilei, pubblicazione 

del Ministero di agricoltura, industria e commercio per uso degli 
istituti tecnici. Livorno 1872. 2 vol. 1. 4. 

Ungefähr 300 Briefe aus den Jahren 1588—1641, entnommen der 
Ausgabe von Albfcri und späteren Publicationen. Weggelassen sind die 
lateinischen Briefe und die Abhandlungen in Briefform und einige aus 
sachlichen Gründen für Schulzwccke weniger geeignete Nummern. S. Riv. 
Europ. 1872 die. 

479. Gambacorti. Lettere della beata Chiara Gambacorti 
pisana per cura di Cesare Guasti. Pisa 1871. 66 p. 8°. 

Die Dominikanerin starb 1419 im Alter von 58 Jahren; ihrer hier 
edirten Briefe sind siebzehn, sie sind meist an den frommen Kaufmann 
Francesco Datini aus Prato gerichtet. S. A. DA. in N. Antol. 1872 apr. 
und von Reumont in Reusch’s theol. Literaturbl. 1872 Nr. 16. 

480. Gentile. Canto di Bartolomeo Gentile Falamonica (per 
cura del cav. Giuseppe Gazzino\ Genova 1872. 16 p. 8°. (Per nozze.) 

Ein genuesischer Dichter des 15. Jahrhunderts, von dem 43 Canti 
in terza rima erhalten, aber zum grössten Theil noch ungedruckt sind; 
s. Propugn. V 1, 172. 

481. Giordani. Lettere inedite di Pietro Giordani dirette 
alla celebre Carlotta Marchionni precedute da una biografia d’ en- 
trambi del1’ awoc. Galleani N. Luciano. Torino 1871. 42 p. 8°. LI, 

482. Giordani. Scritto inedito di Pietro Giordani per cura 
di Fernando Squaglia . Propugn. V 1, 278 (1872). 

Ein nach Jahrhunderten geordnetes, jedem Namen eine kurze Cha¬ 
rakteristik beifügendes Verzeichniss der italienischen Schriftsteller, deren 
Studium um ihres Styles willen besonders zu empfehlen sei. Alf&nso 
Cerquetti weist ebenda V 1, 459 darauf hin, dass die kleine Schrift in 
Giordani’s Werken (Band XIV, 1863) bereits gedruckt steht. 

483. Ginsti. 

Die in der Bibliogr. 1868 Nr. 356 angeführte Ausgabe ist inzwischen 
bis zur 26. Lieferung oder bis Seite 400 vorgeschritten. 

484. Gnadagnoli. Raccolta completa delle poesie giocose 
edite ed inedite di Antonio Guadagnoli. Milano 1872. 304 p. 8°. 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


445 


485. Guamasclxello. Due lettere curiose e facete del Guarna- 
schello non mai stampate (per nozze, a cura di G. Papanii. 90 esempl.). 
Livorno 1872. 8 p. 8°. 

S. Propugn. V 1, 172. 

486. Ivani. Del governo della famiglia civile, lettera di 
Antonio Ivani, scrittore sarzanese del secolo XV, nuovamente edita 
(per nozze, a cura di Achüle Neri). Genova 1872. 27 p. 8°. 

Ein früherer Druck ist vorhanden vom Jahr 1822. 

487. Jacopone. Jacopone da Todi. Prosastücke von ihm, 
nebst Angaben über Manuscripte, Drucke und Uebersetzungen seiner 
Schriften. Yon Ed. Boehmer in seinen Romanischen Studien Heft I, 
123—161 (1871). 

488. Leopardi. Una nuova canzone del Leopardi. „Per una 
giovine donna ammalata.“ Riv. Europ. 1872 marzo. 

Die Canzone nebst kurzer Einleitung in Prosa war kurz zuvor in 
der Turiner Zeitschrift „11 Baretti“ abgedruckt; noch früher durch Ales- 
sandro D’Ancona, s. oben B 1. 

489. MacMavelli. Due scritture inedite di Niccolö Machia- 

velli (per nozze Cavalieri-Zabban). Pisa 1872. 30 p. 8°. 

„DelFordinamento della milizia“ (vom Jahre 1606) und „Proposta 
per riformar lo stato di Firenze“ (vom Jahre 1519 oder, wie A. D’A. in 
seiner Anzeige in der N. Antol. 1873 apr. wahrscheinlicher findet, 1522). 

490. Maffei. Di alcuni abusi della veneta giurisprudenza, 
frammento inedito di Scipione Maffei, tratto dalla capitolare biblio- 
teca di Yerona. Verona 1871. 20 p. 8°. 

491. Mannzio. Due Suppliche di Aldo Manuzio & cura di 
It. Fulin. Arch. veneto T. I, p. 157 (1871). 

Sie betreffen Druckprivilegien, u. A. für Bembo’s Asolani. 

492. Matteo da Giovenazzo. Annali di Matteo Spinelli da 

Giovenazzo, edizione eseguita sopra una stampa del XVII secolo 
sinora ignota, per cura di G. Vigo e G. Dura . Napoli 1872. 60 p. 
4°. con due facsimili in fotografia. 1. 10. 

S. 0. Hartwig in v. Sy beb histor. Zeitschrift 1873, 4. Heft. 

493. Mattia. Canti popolari siciliani di Mattia di Martino 
raccolti ed illustrati da Giuseppe Pitrö preceduti da uno studio 
critico dello stesso autore. Siena 1871. 10 p. 8°. (Estratto dalla 
„Favilla“). 

494. Meli. Alcune poesie seelte di Giovanni Meli tradotte 
col testo a fronte ed annotate da L. Cappelktti. Riv. Sicula 
vol. Vm (1872). 

495. Miehiel. Novelluzza inedita di Maria Antonio Michiel, 
patrizio veneto del secolo XVI (per cura del prof. Andrea Tessier ). 
Venezia 1872 (per nozze, 25 esempl.). 

496. Montl. Aristodemus, Trauerspiel, aus dem Italienischen 
des Vincenzo Monti übersetzt. Wien 1872. 

S. Magaz. f. Lit. d. Ausl. 1873, Nr. 3. 


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446 


Bibliographie v. 1871—72. 


497. Mur&tori. Lettere inedite di Lodovico Antonio Mura- 

tori pubblicate in occasione del secondo centenario dalla nascita 
da Gaetano Oliva . Rovigo 1872. 17 p. 8°. 

S. A. D’A. in N. Antol. 1872 nov. 

498. Huratori. Lettere inedite di Lod. Ant. Muratori a mons. 
Giandomenico Bertoli canonico d’Aquileja. Udine 1872. 32 p. 16°. 

499. Niccolö. Viaggio da Venezia a Gerusalemme per fra 
Niccolö da Poggibonsi, testo inedito del secolo XIV (per cura di 
Francesco Zambrini). Imola 1872. 

S. A. D’A. in N. Antol. 1873 maggio; eine kurze Notiz über die 
Schrift gab Zambrini in seinen Opere volg. S. 299. 

500. Petrarca. Francisci Petrarchae Africa, quam recensuit, 
praefatione, notis et appendicibus illustravit X. Pinymd . Paris 1872. 
404 p. 8°. 

S. R. F. in N. Antol. 1873 ag. 

501. Pindemonte. I Manoscritti del cav. Ippolito Pindemonte 
per B. Zandonella. Riv. filol. letter. Vol. II (1872). 

Proben von Uebersetzungen aus der griechischen Anthologie. Die 
Verfasserschaft Pindemonte’s steht nicht völlig fest. 

502. Poliziano. Le Viole, elegia latina di Angelo Poliziano, 
ora la prima volta volgarizzata da D. Camillo Spada, s. L n. d. 
(Fermo 1871). 12 p. 8°. 

503. Polo. The Book of Ser Marco Polo the Venetian con- 

cerning the kingdoms and marvels of the East, newly translated 
and edit^d with notes by col. Henry Yale, with maps and other 
illustrations. London 1871. 2 vol. 1116 p. 8°. 42 sh. 

Ausführliche Besprechung Edinb. Rev. 1872 jaij. Die interessante 
Einleitung deB Werks steht übersetzt im Arch. veneto T. II, P. 1, wo der 
Uebersetzer Guglielmo Berchet auch über den sonstigen Inhalt des Buches 
Bericht erstattet. 

504. Porta. Poesie di C. Porta in dialetto milanese. Edi- 
zione riscontrata sul primo testo originale ed illustrata con inci- 
sioni intercalate nel testo. Milano 1872. 320 p. 32°. 

505. Pucci. Serventese e Canzone di Antonio Pucci sulla 
cacciata di Gualtieri duca d’Atene da Firenze. (Appendice di) Nuovi 
documenti intorno a Gualtieri VT di Brienne per A. Pacli. Arch. 
stör. ital. S. ITT, T. XVI (1872). 

506. Redi. Lettere inedite di Francesco Redi pubblicate da 
Acküle Neri . Propugn. V, 2, 74 (1872). 

507. Sadoleto. Lettere del cardinale Jacopo Sadoleto e di 
Paolo suo nipote per cura del cav. A. RonchinL Atti e Mem. delle 
R. R. Deput. di storia patria per le prov. mod. e parm. Vol. VI, 
fase. 1 (1871). 

74 Briefe aus dem farnesischen Archiv eingeleitet durch die Bio¬ 
graphie der beiden Verfasser. Die Briefe sind meist au den Cardinal 
Alessandro Farnese gerichtet; s. N. Antol. 1872 apr. (A. D’A.). 


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Zur italienischen Literaturgeschichte. 


447 


508. Salviati. Del Trattato della Poetica del cav. Leonardo 
Salviati lettura terza (per cura del conte Luigi Manzoni). Imola 

1871. 16 p. 8°. 

S. Propugn. V 1, 484. 

509. Salviati. Sulla ribellione della Fiandra delT anno 1577 
discorso del cav. Leonardo Salviati (a cura del conte Luigi Man- 
eoni ). Imola 1872. 26 p. 8°. 

Ob der Propugn. V, 1, 484 mit Recht ausser der „nitidezza“ auch 
die „diligenza“ der beiden Ausgaben rühmt, weiss ich nicht; gewiss ist, 
dass der Wiederabdruck derselben durch den nämlichen Herausgeber in 
Nr. 129 der Scelta di curiositä (1873) von Fehlern aller Art wimmelt. 

510. Schiassi. Lettere inedite di Filippo Schiassi. Modena 

1872. 24 p. 8°. 

511. Serdonati. Lettere inedite di Francesco Serdonati tratte 
dal regio archivio di stato di Firenze (per cura del prof. Pietro 
Ferrato'). Padova 1872. 

512. Serdonati. Alcune Vite di donne celebri scritte da 
Francesco Serdonati fiorentino (pubbl. pel prof. Pietro Ferrato ). 
Padova 1872. 

Die Biographien waren als Anhang zu BetussTs Uebersetzung der 
donne illustn des Boccaccio bereits gedruckt. S. R. F. in N. Antol. 
1872 febbr. 

513. StroccW. Poesia inedita del cav. Dionigi Strocchi (per 
cura di Francesco ed Angelo übaldini.) Faenza 1872. 

514. Tansillo. La Balia di Luigi Tansillo. Pisa 1871. 
42 p. 8°. (100 esempl.) * 

515. Tasso, B. Lettere inedite di Bernardo Tasso pubbli- 

cate da Attüio Portioli . (Dali 1 archivio di Mantova). Mantova 1871. 
244 p. 16°. 1. 3. 

Zwölf auf B. Tasso bezügliche Urkunden und 212 von ihm ge¬ 
schriebene Briefe, ferner ein Brief Guidubaldo’s II. von Urbino an den 
Herzog von Mantua; von hohem sittengeschichtlichem Interesse. S. Riv. 
Europ. 1871 ott., Arch. stör. ital. S. III, T. XVI. 

516. Tasso» T. La Gerusalemme liberata di Torquato Tasso 
riveduta nel testo e corredata di note critiche ed illustrative per 
cura di G. A. Scartamni. Leipzig 1871. XLVI—411 p. 8°. 1 Thl. 

S. Lemcke’s Anzeige im Jahrb. XH, 417. 

517. Tasso, T. Cinquanta madrigali inediti di Torquato 
Tasso alla granduchessa Bianca Cappello nei Medici. Firenze 1871. 
60 p. 8°. (250 esempl., fuori di commercio.) 

518. Zannoni. Le Ciane di Firenze owero scherzi comici 
dell’ ab. G. B. Zannoni corredati di note filologiche da Giuseppe 
Frizei. Vol. I. Firenze 1872. 


Jahrb. f. rom. u. engl. Literatur. N. F. 


30 


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448 


Bibliographie v. 1871—72. 

IQ. Zur spanischen Literaturgeschichte *). 

519. Principios de literatura espanola por G. de la ReviUa 

y Pedro de Alcdntara. Tomo I. Madr. 1872. 8°. 4 Thlr. 20 Gr. 

520. Historia y juicio crftico de la escuela po6tica seyülana 

en los siglos XVI y XYII. Por A. Lasso de la Vega y Argüelles. 
Memoria premiada por voto unänimo de la real Academia Sevillana 
de buenas letras y precedida de una carta de Jose Amador de 
los Bios . Madr. 1871. 8°. 4 Thlr. 

Ein strenges Urtheil über dieses Buch fällt die portugiesische 
„Bibliographia critica“ Fase. I. p. 17 sq. 

521. Don Enrique de Villena et sa biblioth&pie. Par M. 
le comte de Puymaigre. Paris. 8°. 11 p. 

522. Geschichte des spanischen Dramas. Von J. L . Klein. 

Leipzig 1871 -72. Bd. I. u. H. 8°. 4 Thlr. 24 Gr. 

Bildet den 8. und 9. Band von des Verfassers „Geschichte des Dramas“. 

523. Ueber die spanischen Versionen der Historia Trojana, 

von Dr. A. Mussafia. Wien 1871. 8°. 26 p. 

S. Romania Nr. 3. p. 390. 

524. Alarcon. — Don Juan Ruiz de Alarcon y Mendoza. 

Por L. Fernandez Guerra y Orbe. Obra premiada en püblico cer- 
tämen de la real Academia espanola y publicada ä sus expensas. 
Madrid 1871. 4°. 5 Thlr. 

525. Cervantes. — Cervantes y el Quijote. Estudios criti- 

cos. Por F. M. Tubino. Madr. 1872. 8°. 3 Thlr. 10 Gr. 

526. Quevedo. — Don Francisco de Quevedo. Ein spani¬ 

sches Lebensbild aus dem 17. Jahrhundert. Von RemJiold Baum¬ 
stark. Freiburg i. Br. 1871. XI-257 p. 27 Gr. 


B. 

527. Cancionero de Lope de Stuniga, codice de siglo XV ahora 
por vez primera publicado. Madrid 1872. 8°. XLH-483 p. 

S. Literar. Centrcdbl. 1873. Nr. 61. 

527 b . Poetas liricos del siglo XVlll. Coleccion formada 6 
ilustrada por L. A. de Cueta. [s. J. 1869. Nr. 374]. Tomo II. 
Madrid 1872. 8°. 5 Thlr. 

Bildet den 63. Band der Ribadeneyra’schen Sammlung. 

528. Spanisches Theater, herausgeg. von Moritz Rapp. [s. 
J. 1870. Nr. 330.] VH. Bd. 1. Hälfte. Hildburghausen 1872. 8°. 

Gehört zur „Bibliothek ausländischer Klassiker“. 

529. Die Romanzen vom Cid. Deutsch von Karl Eitner. 
Hildburghausen 1871. 8°. 248 p. 

*) Dieser und die folgenden Abschnitte vom Herausgeber. 


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Zur spanischen Literaturgeschichte. 


449 


Zur „Bibliothek ausländischer Klassiker“ gehörig. Die Uebersetzung, 
welcher die Keller’sche Ausgabe zum Grunde liegt, jedoch mit Hin Weg¬ 
lassung aller für das VerBtändniss überflüssigen, d. h. gleichen Inhalt 
bietenden Romanzen, hat mit Recht die Assonanz fallen lassen und giebt 
das Original möglichst getreu wieder, ohne dem deutschen Sprach¬ 
gebrauchs unnöthige Gewalt anzuthun. 


530. Retrato de la Lozana andaluza, en lengua espanola 
muy clarisima, compuesta en Roma. Madrid 1872. 16°. 4 Thlr. 

Bildet den ersten Band einer Sammlung „Coleccion de libros 
espanoles raros 6 curiosos“. S. darüber den Artikel von Mussafia im 
Literar. Centralbl. 1873. Nr. 51. und Bev. crit. 1873. Nr. 43. 

531. Tragicomedia de Lisandro y Roselia, llamada Elicia, 
y por otro nombre cuarta obra y tercera Celestina. Madrid 1872.16°. 

4 Thlr. 

Bildet Bd. 3 der oben unter Nr. 530 genannten Sammlung. 

532. Calderon. — Don Pedro Calderon’s de la Barca geist¬ 
liche Festspiele. In deutscher Uebersetzung mit erklärendem Com- 
mentar und einer Einleitung über die Bedeutung und den Werth 
dieser Dichtungen. Herausgeg. von Franz Lorinser. 15 — 18ter 
(letzter) Bd. Breslau 1871—72. 8°. 

533. Lobeira. — Amadis of Gaul by Vasco Lobeira. Trans- 
lated from the Spanish Version of Garciordonez de Montalvo by 
Böbert Souihey. New ed. London 1872. 3 vols 12°. 960 p. 5 Thlr. 

Gehört zur „Library of Old Authors“. 

534. Quintana. — Obras in6ditas de J. Manuel Quintana, 

precedidas de una biografia del autor por M. J. Quintma y de un 
juicio critico por Manuel Canete. Madrid 1872. 8°. 6 Thlr. 20 Gr. 


535. Cansons de la terra. Cants popolars catalans, col- 

leccionats per Fr. Pelay Briz [s. J. 1867 Nr. 338]. Vol. III. Bar¬ 
celona 1871. 8°. 276 p. 2 Thlr. 10 Gr. 

S. Revue critique 1872. Nr. 37. 

536. Lo Rondallayre. Quentos populars catalans coleccionats 
per Fr. Maspons y Läbrös . Barcelona 1872. 8°. 117 p. Segona 
S6rie. Barcelona 1872. 8°. 111 p. 

S. Liebrechts Anzeige in den Heidelberger Jahrb. S. 887—900. 


IV. Zur portugiesischen Literaturgeschichte. 

A. 


637. Historia da Litteratura Portugueza. Por Theophilo Braga. 
Porto 1870—72. Bd. I—X. 8°. 

Von diesem im Ganzen auf 24 Bände angelegten Werke sind bis 
jetzt die folgenden, deren jeder eine besondere Epoche der literarischen 

30* 


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450 


Bibliographie v. 1871—72. 


Entwickelung oder eine bestimmte Literaturgattung behandelt, in bunter 
Reihenfolge erschienen : Introducgäo ä Historia da litteratura portugueza. 
Porto 1872. VII - 1365 pp. — Epopeas da Ra$a Mosarabe (eschola na¬ 
tional). Ibid. 1871. VIII - 379 pp. — Trovadores galecio - portuguezes 
(eschola proven 9 al), seculo XII a XIV. Porto 1871. VIII - 348 pp. — 
Poetas palacianos (eschola hespanhola), seculo XV. Porto 1872. 436 pp. 
— Bernardint Ribeiro (eschola hispano-italica), seculo XVI. Porto 1872. 
VIII - 316 pp. — Historia dos Quhihentistas. Vida de Sä de Miranda 
e sua eschola (eschola italiana). Porto 1871. VIII -328 pp. — Vida de 
Gil Vicente e sua eschola. Seculo XVI. Porto 1870. VIII -326 pp. — 
A Comedia Classica e as Tragicomedias. Seculos XVI e XVII. Porto 
1870. VIII - 364 pp. — A baixa Comedia e a Opera. Seculo XVIII. 
Porto 1871. VI— 400 pp. — Garrette os Dramas romanticos. Seculo XIX. 
Porto 1871. VIII - 296 pp. — 

538. Os criticos da historia da litteratura portugueza. Exame 
das affirma^öes dos Srs. Oliveira Martins, Anthero de Quental e 
Pinheiro Chagos. Por Th. Braga. Porto 1872. 8°. 

539. La Litteratura portuguesa eu el siglo XIX. Estudio 
literario por D. Antonio Romcro Ortiz. Madrid 1870. 8°. 434 p. 

S. darüber die Bibliographia critica fase. I. p. 33 ff. 


B. • 

540. Canti antichi portoghesi tratti dal codice Vaticano 4803 
con traduzione e note a cura di Emcsto Monaci. Imola, tipog. 
Galeati. XI. 32 p. 8°. 17% Gr. 

Eine Hochzeitspublication, zwölf Lieder enthaltend und Vorläufer 
der vom Herausgeber zu erwartenden vollständigen Ausgabe deB vati- 
canischen Codex. S. Literar. Centralbl. 1873. Nr. 28. und Bev. crit. 
Nr. 6. p. 265. 


541. Gamöes. — Obras de Luiz de Camöes, precedidas de 

um eusaio biographico ect. pelo vizeonde de Juramenha [s. J. 1867. 
Nr. 351J. Vol. VI. Lisboa 1871. 8°. 6 Thlr. 

542. FalQäO. — Obras de Christoväo Falcäo, contendo: A 

ecloga de Crisfal, a Carta, Cantigas, Esparsas e Sextinas, com um 
estudo sobra a sua vida, poesias e epoca per Theophüo Braga . 
Ed^äo critica, reproduzida da ed^äo de Colonia de 1559, com a 
segunda parte apocrypha de 1721. Porto 1871. 8°. 40 p. 

Ueber diese neue Ausgabe s. Bibliographia critica fase. I. p. 38. 


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Zur englischen Literaturgeschichte. 


451 


V. Zur englischen Literaturgeschichte*). 

A. 

543. A Critical Dictionary of English Literature and British 

and American Authors. By S. Austin Allibonc [s. J. 1870. Nr. 51]. 
Vol. IE. 1871. roy. 8°. 1326 p. 36 sh. 

544. A Handy-Book abont Books, for Book-Lovers, Book- 
Buyers and Book-Sellers. By John Power. 8°. 132 p. 8 sh. 6 d. 

545. Suppressed and Censured Books. 

In: Edinburgh Review 1871. July. Nr. 273. Anknöpfend an* das 
bekannte französische Buch von Peignot wird hier der Wunsch nach 
einem ähnlichen für England durch eine Darstellung der bedeutendsten 
Bücherunterdrückungen daselbst von der Reformation an bis zu Anfang 
des vorigen Jahrhunderts gerechtfertigt. 

546. Shakespeariana from 1564 — 1864 by Franz Thimm 

[8. J. 1865 Nr. 98]. 2 d edition, containing the Literature from 
1864—1871. 8°. 116 p. 6 sh. 


647. The History of English Literature. By William Spal- 
drng. ll 01 edit. continued to 1870. 8°. 446 p. 

548. History of English Literature by A. H. Taine. Trans- 

lated by H. van Laun, with a preface of the Author. 1872. 

2 vols. 8°. 530 p. k 10 sh. 6 d. 

549. History of English Poetry from the 13^ to the close 

of the 16 th Century by Thomas Warton. Edited by W. C. Hazlitt. 

With new Notes and other Additions by Sir Frederick Madden, 
Thomas Wright, W. Aldis Wright, Rev. W. W. Skeat, Richard 
Morris, F. J. Fumival and the Editor. 4 vols. 8°. L. 2. 2 sh. 

Mit einigen unwesentlichen Ausstellungen zollt das Athenacum 1871 
June 24. p. 782 dieser neuen Ausgabe alle Anerkennung. 

550. Three Centimes of English Literature. By Charles 

Duke Yonge. 1872. 8°. 468 p. 7 sh. 6 d. 

Nach dem Athenaeum 1872, March 2. ein sehr oberflächliches 
Machwerk. 

551. The History and Literature of the Tudor Period (to 

the accession of James VI of Soatland, 1603). By J. Davies. 

1872. 12°. 254 p. 

552. An Historical View of Literature and Art in Great 

Britain, from the accession of the House of Hanover to the Reign 
of Queen Victoria. By J. Murray Graham. 8°. 492 p. 14 sh. 

Das Athenäum 1871, July 8. p. 40 spricht sich günstig über das 

Buch aus. 


*) Wo keine Jahreszahl angegeben, ist 1871 zu verstehen. 


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452 


Bibliographie v. 1871—72. 


553. Our living Poets and Essay on Criticism. JBy H. 

Buxton Formern . 8°. 522 p. 12 sh. 

554. The latest School of Poetry. 

In: Quarterly Review 1872. January Nr. 263. 

555. Dramatists of the Present Day. By Q. Reprinted 

from the Athenaeum. 8°. 140 p. 4 sh. 

Eine Reihe sehr strenger Kritiken über die heutigen dramatischen 
Dichter Englands. 

556. The Drama in England. 

In: Quarterly Review 1872, January Nr. 263. 

557. The Novels and Novelists of the Eighteenth Century: 

in Illustration of the Manners and Morals of theAge. By William 
Forsyth. 8°. 356 p. 10 sh. 6 d. 

S. Athenaeum 1871, March 25. p. 361. 

558. Authors at Work. By Charles Pehody. 8°. 408 p. 
Biographische Skizzen und Anecdoten von Scott, Sheridan, Macau- 

lay, Byron, Wordsworth u. A. 

559. Specimens of English Literature, from the Ploughman's 

Crede to the Shephearde's Calendar, A. D. 1394—A. D. 1579. With 
Introduction, Notes and Glossarial Index, By Walter W. Skeat . 
12 9 . 568 p. 7 sh. 6 d. 

S. Athenaeum 1872, March 30. 

560. The Songstresses of Scotland. By Sarah Tytler and 

J . L. Watson. 2 vols. 8°. 660 p. 16 sh. 

Biographien von 10 schottischen Liederdichterinnen mit Proben 
ihrer Dichtungen. Das Buch wird im Athenaeum 1871, July 8, p. 44 
sehr günstig beurtheilt, wenn auch einige Ungenauigkeiten gerügt werden. 


561. Byron. — Vindication of Lady Byron. 8°. 366 p. 10 sh. 6 d. 

Abdruck einiger scharfen Artikel aus dem Temple Bar Magazin 

zu Gunsten der Lady Byron mit Bezug auf den bekannten Streit. 

562. Chaucer. — Geoffrey Chaucer, seine Zeit und seine 

Abhängigkeit von Boccaccio. Von Dr. F. Mamroth. (Promotions¬ 
schrift.) Berlin 1872. 8°. 60 p. 15 Gr. 

563. Dickens. — The Life of Charles Dickens. By John 

Förster . 1871. Vol. I. and D. 8°. 

Ueber diese vortreffliche Lebensbeschreibung s. u. A. Athenaeum 
1871, Dec. 9. u. 16, 1872 Nov. 16. 

564. Ford. — John Ford. By Algemon Charles Swiribume. 

In: Fortnightly Review 1871. July. 

565. Junius. — The Handwriting of Junius, professionally 
investigated. By Charles Chäbot . With preface and collateral 
evidence by Ron. Edward Twisleton. 4°. 300 p. L. 3. 3 sh. 

Ueber diesen Versuch, durch sachkundige Vergleichung der Hand¬ 
schriften aufs neue den Beweis für Sir Philip Francis' Verfasserschaft 
der Juniusbriefe zu führen, s. Athenaeum 1871, May 6. p. 651 und May 13. 
p. 583, wo der Versuch als misslungen bezeichnet wird. 


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Zur englischen Literaturgeschichte. 


453 


566. Hilton. — The Life of John Milton: narrated in con- 
nexion with the political, ecclesiastical and literary history of his 
time. By David Masson, M. A. [s. J. 1858. Nr. 169]. Vol. II. 8°. 

Dieser zweite Band behandelt die Zeit von 1638—43. S. darüber 
Athenaeum 1871, July 29. p. 139. 

567. Milton. — Milton. 

In: Quarterly Keview 1872, April Nr. 264. 

568. Pope. — Pope and his Editors. 

In: British Quarterly Review 1872, April, Nr. CX. 

569. Scott. — Life of Sir Walter Scott By Robert Cham¬ 
bers, with Abbotsford Notanda by Robert CamUhers . 12°. 196 p. 

2 sh. 6 d. 

570. Scott. — Sir Walter Scott, as a Poet. By Gilbert 

Malcolm Sproat. Edinburgh. 8°. 102 p. 2 sh. 6 d. 

571. Sliakespeare. — Jahrbuch der deutschen Shakespeare¬ 
gesellschaft. Im Aufträge des Vorstandes herausgeg. von Karl 
Elze [s. J. 1870. Nr. 65]. 6. u. 7. Jahrg. Berlin und Weimar 1871 
u. 1872. 8°. IV. 410 u. IV. 382 p. 

572. Shakespeare. — Shakespeare’s Leben und Werke. Von 
Rudolf Gende. Hildburghausen 1871. 8°. 

S. Literar. Centralbl. 1872. Nr. 47. 

573. Shakespeare. — Shakespeare: His Life, Art and Cha- 

racters. With an Historical Sketch of the Origin and Growth of 
the Drama in England. By Rev. H. N. Hudson. Boston 1872. 
2 vols. 8°. 970 p. 25 sh. 

574. Shakespeare. — New Shakespearian Interpretations. 

In: Edinb. Review 1872, October, Nr. 278. 

Knüpft an das Facsimile der Ausgabe von 1623 an und versucht 
die Erklärung einer Anzahl dunkler und zweifelhafter Ausdrücke. 

575. Shakespeare. — Shakespeare-Fragen. Kurze Einfüh¬ 

rung in das Studium des Dichters in 6 populären Vorträgen. Von 
Fr. Kreyssig. Leipzig. 8°. IV. 205 p. 1% Thlr. 

S. literar. Centralbl . 1872 Nr. 34. 

576. Shakespeare. — Shakespeare-Studien, von Otto Ludwig. 

Aus dem Nachlasse des Dichters herausgeg. von Moritz Heyderich. 
Leipzig. 8°. CXV. 541 p. 2% Thlr. 

S. Literar. Centralbl. 1873 Nr. 9. 

577. Shakespeare. — Untersuchungen über Shakespeare^ 
Sturm. Von Johannes Meissner. Dessau 1872. 8°. VI. 149 S. 

1 Thlr. 10 Gr. 

S. Literar. Centralbl. 1873. Nr. 27. 

578. Shakespeare. — Shakespeare’s Euphuism; an attempt 
to illustrate certain passages of Shakespeare’s Plays by reference 
to the Euphues of his Contemporary Lyly. By W. L. Rushton. 8°. 

3 sh. 


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454 


Bibliographie v. 1871—72. 


579. Shakespeare. — Was Sh. a Lawyer? Being a selection 
of passages from „Measure for Measure“ and „All’s well that ends 
well“, which point to the conclusion that their author must have 
been a practicäl lawyer, and in which many obscurities are made 
clear and some apparent corruptions in the text are attempted to 
be restored by an application of a knowledge of English Law. 
By T. H. 8°. IV. 41 p. 

580. Shakespeare. — Shakspere and Typography; being 
an attempt to show Shakespere's personal connection with, and 
technical knowledge of the art of printing. Also remarks on some 
common typographical errors, with especial reference to the text 
of Shakspere. By William Blades. 1872. 8°. VHI. 78 p. 

Ueber diese interessante kleine Schrift s. Athenaeum, 1872. Aug. 31. 
p. 265 und Literar. Centralbl. 1873. Nr. 6. 

581. Shakespeare. — The Ornithology of Shakespeare cri- 
tically examined, explained and illustrated. By James Edmund 
Harting. 8°. 34 p. 

582. Shelley. — Shelley’s Early Life. From Original Sources, 

with curious Incidents, Letters and Writings. Now first published 
or collected by Denis Florcnce Mac Carthy, M. B. J. A. 1872. 8°. 
XXIV. 408 p. 12 sh. 6 d. 

Das Buch ist zwar weitschweifig und mit unwichtigem Detail über¬ 
laden, enthält aber eine Reihe interessanter bisher unbekannter That- 
sachen. S. Athenaeum 1872. Nov. 9. p. 592 und Academy 1872. Dec. 1. 


B. 


583. 

and 1872. 


Early English Text Society Pnblications for 1871 

1871. 


1. Joseph of Arimathie: otherwise called the Romance 

of the Seint Graal, or Holy Grail: an alliterative poem, written 
about A. D. 1350, and now first printed from the unique copy 
in the Vernon MS. at Oxford. With an appendix, containing 
„The Lyfe of Joseph of Armathy“ reprinted from the black letter 
copy of Wynkyn de Worde; „De sancto Joseph ab Arimathia“, 
first printed by Pynson, A. D. 1516; and „the Lyfe of Joseph 
of Arimathia“, first printed by Pynson, A. D. 1521. Edited, 
with Notes and Glossarial Indices by the Rev. Walter W. 
Skeat, M. A. 5 sh. 

2. King Alfred s West-Saxon Version of Gregory s Pastoral 

Care. With an English Translation, the Latin Text, Notes and 
an Introduction. Edited by Henry Sweet , Esq., of Baliol Col¬ 
lege, Oxford. Part I. 10 sh. 

3. Legends of the Holy Rood; Symbols of the Passion 
and Cross-Poems. In Old English of the ll 01 , 14^ and lö 411 


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Zur englischen Literaturgeschichte. 


455 


centuries. Edited from MSS. in the British Museum and Bodleian 
Libraries; with Introduction, Translations and Glossarial Index. 
By Richard Morris , L. L. D. 10 sh. 

4. Sir David Lyndesay’s Works. Pari V. The Minor 
Poems of Lyndesay. Edited by J. A. H . Murray, Esq. 3 sh. 

5. The Times Whistle: or, a New Daunce of seven Sa- 
tires, and other Poems; compiled by R. C. Gent. Now first edited 
from MS. Y. 8. 3. in the Library of Canterbury Cathedral; with 
Introduction, Notes and Glossary by J. M. Cowper, 6 sh. 

• 

Extra Series for 1871. 

1. England in the Reign of King Henry VIII. A Dialogue 

between Cardinal Pole and Thomas Lupset, Lecturer in Rhetoric 
at Oxford. By Thomas Starkey, chaplain to the King. Edited 
with Preface, Notes and Glossary by J. M. Cowper. And with 
an Introduction containing the Life and Letters of Th. Starkey, 
by the Rev. J. S. Bretver. M. A. Part II. 12 sh. 

2. A Supplication for the Beggars. Written about the 

year 1529 by Simon Fish. New re-edited by Fredcrick J. 
Furnivcdl With a Supplycacion to our moste Soueraigne Lorde 
Kynge Henry the Eyght (1544 A. D.). A Supplication of the 
Poore Commons (1546 A. D.). The Decaye of England- by the 
great multitude of Shepe (1550 — 53 A. D.). Edited by J. 
Meadows Cowper. 6 sh. 

3. On Early English Pronunciation, with especial reference 

to Shakspere and Chaucer. By A. J. Ellis, F. R. S. Pari IH. 
Illustrations of the Pronunciation of the fourteenth and sixteenth 
centuries. Pronuncing Vocabulary. 10 sh. 

1872 . 

1. An Old English Miseellany, containing a Bestiary, Ken- 
tish Sermons, Proverbs of Alfred, Religious Poems of the 13 th 
Century. Edited from the MSS. by the Rev. R. Morris , L. L. D. 

10 sh. 

2. King Alfred’s West-Saxon Version of Gregory’s Pastoral 

Care [s. oben]. Pari II. 10 sh. 

3. The Liflade of St. Juliana, from two old English Manu- 

scripts of 1230 A. D. With renderings into Modem English, 
by the Rev. 0. Cockayne and Edmund Brock . Edited by the 
Rev. 0. Cockayne , M. A. 2 sh. 

4. Palladius on Husbandrie, from the unique MS., about 
1420 A. D. Edited by the Rev. B. Lodge . Pari I. 10 sh. 


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456 


Bibliographie v. 1871—72. 


Extra Series for 1872 . 

1. Robert Crowley’s thirty-one Epigrams, Yoyce of the 

Last Trampet, Way to Wealth ec. 1550—51 A. D. Edited by 
J. M. Cowper , Esq. 12 sh. 

2. A Treatise on the Astrolabe; addressed to his son 
Lowys, by Geoffrey Chaucer, A. D. 1391. Edited from the ear- 
liest MSS. by the Rev. Walter W. Skeat M. A. 10 sh. 

3. The Complaynt of Scotlande, 1549 A. D. with an Ap¬ 

pendix of four Contemporary English Tracts. Edited by J. A. 
H. Murray Esq. Part I. # 10 sh. 

584. Chaucer Society Publications for 1871 and 1872. 

1871. First Series. 

1. A Six-Text Print of Chaucer s Canterbury Tales in pa¬ 
rallel columns from the Ellesmere, Hengwrt, Cambridge, Corpus, 
Petworth, Lansdowne MSS. Edited by Fr. J. Fumivall . Part. III. 8°. 

Den Inhalt bilden The Man of Lawes, Shipmau’s and Prioress’s 
Tales und Chaucer’s Tale of Sir Thopas. 

2. Chaucer’s Minor Poems in a parallel Text Edition, 
Odd Texts and a One-Text Print. Edited by F. J. Fumivall. 
Part I. 8°. 

Den Inhalt bilden The Dethe of Blaunche, the Compleynt to 
Pitie, Tihe Parlament of Foules, the Complaynt of Mars, the Prologue 
to the Legend of Good Women. 

Second Series. 

Trial Fore-Words to my Parallel-Text Edition of Chaucer’s 
Minor Poems for the Chaucer Society with a try to set Chaucer’s 
Works in the right Order of time. By Fr. J. Fumivall. Part I. 

1872. First Series. 

1. A Six Text Print of Chaucer’s Canterbury Tales, etc. 
Ed. by Fr. J. Fumivall. Part IV. 8°. 

Den Inhalt bilden The Tale of Melibe, the Monk’s, Nun’s Priest's, 
Doctor’s, Pardoner’s, Wife of Bath’s, Friar’s and Summoner’s Tales. 

2. A Treatise on the Astrolabe, otherwise called Bred and 
Mylk for Children, adressed to his son Lowys by Geoffrey 
Chaucer. Edited by the Rev. Walter W. Skeat , M. A. 

Second Series . 

Originals and Analogues of some of Chaucer’s Canterbury 
Tales. Part I. 

Zu the Man of Lawe’s Tale, the Reeve’s Tale und the Friar’B 
Tale werden hier die Originale oder verwandte Erzählungen gegeben. 


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Zur englischen Literaturgeschichte. 


457 


585. Bailad Society Publications for 1871 and 72. 

The Boxburghe Ballads, with short Notes by W. Chappell, 
Esq. F. S. A. Vol. I. Part 3 and 4. 8°. 


586. The Old Book Collectors Miscellany or a Collection of 
readable Reprints of Literary Rarities, illustrative of the History, 
Literature, Manners and Biography of the English Nation during 
the 16^ and 17 th centuries. Edited by Ch. Hindley. Vol I and Et. 8°. 

12 sh. 6 d. 

Diese Sammlung von Wiederabdrücken älterer und selten geworde¬ 
ner poetischer und prosaischer Schriften (es befinden sich darunter eine 
Anzahl Balladen, ferner Peele’s Jests, Nasli’s Lenten Stuff u. A.) würde 
verdienstlich und dankenswerth sein, wenn der Herausgeber nicht die 
Orthographie durchaus modernisirt und sich nicht auch sonst Willkür- 
lichkeiten mit dem Texte erlaubt batte. Vgl. Athenaeum 1871. Sept. 2. 
p. 305. 

587. A Handefull of Pleasant Delites by Clement Robinson 
and divers others. Reprinted from the original edition of 1584. 
Printed for the Spenser Society. Manchester. 4°. VIIL 80 p. 

Achte Publication der Spenser Society. Ein getreuer Abdruck des 
einzigen noch vorhandenen Exemplars der Originalausgabe dieses inter¬ 
essanten Miscellany, dem unglücklicher Weise ein Blatt fehlt. Die Publi¬ 
cation ist höchst dankenswerth, da ein früherer Abdruck in Park’s Heli- 
conia nach einer sehr ungenauen Abschrift gemacht war. Der brauch¬ 
bare Theil von Park’s Anmerkungen ist hier dem Texte angehängt. 

588. A Collection of Old Ballads. Corrected from the best 
and most ancient Copies extant. With Introductions, historical, 
critical and humorous. London 1723 (1871). 3 vols. 8°. 

L. 1. 8 sh. 

Wiederabdruck einer Balladensammlung, welche zuerst 1726—34 
erschien und als deren Veranstalter der bekannte Dichter Ambrose Philipps 
genannt wird. Sie enthält gegen 150 meistentheils freilich auch aus andern 
Quellen bekannte Balladen. Nach dem Athenaeum 1871. Sept. 23. p. 391 
soll der Abdruck sehr sorgfältig sein und die selten gewordene Original¬ 
ausgabe in befriedigendster Weise ersetzen. 

589. The Tea-Table Miscellany: a Collection of Choice Songs, 
Scots and English. By Allem Ramsay . Reprinted from the 14 01 
edition. Glasgow 1872. 2 vols. 8°. 

Sorgfältiger Wiederabdruck dieser ihrer Zeit so berühmten Samm¬ 
lung. S. darüber Athenaeum 1872. Dec. 14. p. 761. 

590. The Ballad Minstrelsy of Scotland, Romantic and Histo- 

rical: with Notes and Introduction on the Ballad Poetry of Scot¬ 
land. 8°. 684 p. 5 sh. 

Auswahl der besten schottischen Balladen mit kurzen Einleitungen. 

591. The Poems of Thomas, Lord Vaux, Edward, Earl of 
Oxford, Robert, Earl of Essex, and Walter, Earl of Essex, for 
the first time colleeted. Edited with Memorial-Introduction and 
Notes by the Rev. Alex. B. Grosart . Printed for private circu- 
lation. 1872. 12°. 106 p. 


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458 


Bibliographie v. 1871—72. 


Gehört zu den „Miscellanies of the Füller Worthies Library“ Vol. IV. 
Nur 156 Exempl. Die poetischen Werke der vier Dichter erscheinen 
hier zum ersten Male vollständig aus den verschiedenen gedruckten 
Mischsammlungen und aus Handschriften gesammelt, und zwar von 
Vaux 15, von Lord Oxford 23, von Robert Essex 10, von Walter Essex 
1 Gedicht. 


592. The Harrowing of Hell. Das altenglische Spiel von 
Christi Höllenfahrt. Neue Bearbeitung von Dr. Eduard Mall. 
(Habilitationsschrift.) Berlin 1871. 8°. 55 p. 


593. Aytoun. — The Poems of Sir Robert Aytoun, Secre- 
tary to the Queens of James VI and Charles I. With a Memoir 
from original sources of Information. By the Rev. C. Rogers. 
L. L. D. 8°. 

Auf Kosten des Herausgebers gedruckt und nicht im Handel. S. 
Athenaeum 1871. July 22. p. 104. 

594. Belm. — The Plays, Histories and Novels of the in- 
genious Mrs. Aphra Behn. With Life and Memoir. 6 vols. 12°. 

L. 2. 12 sh. 6 d. 

Die erste Gesammtausgabe von Aphra Behn’B Werken, deren Ori¬ 
ginaldrucke fast sämmtlich selten geworden waren. Ihre Wiederheraus¬ 
gabe hat in England viel Anstoss erregt. S. u. a. die äusserst leiden¬ 
schaftliche Besprechung im Athenaeum 1872. March 9. p. 301. 

595. Boswell. — Poetical Works of Sir Alexander Boswell. 

Now first collected and edited, with Memoir by Robert Howie Smith. 
Glasgow. 12°. 224 p. 5 sh. 

Erste Gesammtausgabe des besonders durch seine volkstümlichen 
Lieder bekannten, 1822 im Duell gefallenen Dichters. 

596. Brooke. — The complete Poems of Christopher Brooke, 
for the first time collected and edited with Memorial-Introduction 
and Notes by the Rev. Alex. B. Grosart. Printed for private cir- 
culation. 1872. 12°. 238 p. 

Zu den „Miscellanies of the Füller Worthies Library“ (Bd. HI) ge¬ 
hörig. Die Gedichte bestehen aus dem schon früher für die Shakespeare 
Society gedruckten „Ghost of Richard“, und einer kleinen Anzahl anderer, 
grösstentheils Gelegenheitsgedichte. 

597. Bums. — The Poetical Works of Robert Burns. Edited 
with a critical Memoir by W. M. Rossetti. 12°. 513 p. 3 sh. 6d. 

598. Bums. — Poems and Songs. Kilmarnock. 4 vols. 8°. 

L. 1. 11 sh. 6 d. 

599. *Carew. — The Poems of Thomas Carew, sewer in 
ordinary of Charles I and a gentleman of his privy chamber. Now 
first collected and edited with Notes from the former editions and 
new Notes and a Memoir by W. Carew Hazlitt. Printed for the 
Roxburgh Library. 1870. 4°. LV-345 p. 


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Zur englischen Literaturgeschichte. 


459 


Erste vollständige kritische Ausgabe, deren Text durch Vergleichung 
aller alten Drucke und 17 Handschriften hergestellt ist. Vgl. auch 
einen ziemlich oberflächlichen Artikel darüber im Athenaeum 1871. 
January 14. p. 44. 

600. Centime. — The Dramatic Works of the celebrated 

Mrs. Centlivre. With a new account of her Life. 1872. 3 vols. 
8°. XII-1128 p. L. 1. 10 sh. 

601. Chatterton. — Poetical Works of Thomas Chatterton. 
With an Essay on the Rowley Poems by the Rev. Walter W. 
Skeat and a Memoir by Edward Bell . 2 vols. 776 p. 18 sh. 

Der Text dieser Ausgabe ist in moderner Orthographie, was sich 
in diesem Falle rechtfertigen lässt, da die ursprüngliche Schreibweise bei 
dieser Fälschung ohnehin keinen Werth hat, um so weniger, als sie, wie 
der Herausgeber in der sehr guten Einleitung nachweist, die ältere 
Sprache sehr ungeschickt nachahmt. S. auch Athenaeum 1871. Dec. 9. 
p. 749. 

602. Chesterfield. — Lord Chesterfield’s Letters to his son. 

Edited with Notes ec. by Charles Stokes Garcy . 2 vols. 8°. 

10 sh. 6 d. 

603. Crashaw. — The complete Works of Richard Crashaw, 
for the first time collected and collated with the original and 
early editions and much enlarged with hitherto unprinted and in- 
edited Poems. With Memorial-Introduction, Essay on Life and 
Poetry, and Notes by the Rev. Alex. B. Grosart. Printed for pri¬ 
vate circulation. 1872. Vol. I. XLVIII-303 p. 

Zur „Füller Worthies Library“ gehörig. Die Ausgabe wird 2 Bände 
umfassen. 

604. Davenant. — The Dramatic Works of Sir William 
Davenant, with prefatory Memoir and Notes. Edited by James 
Maidment and W. H. Logcm . Edinburgh and London 1772. 3 vols. 
8°. LXXXIX-1048 p. 

Bildet die drei ersten Bände einer nur auf Subscription gedruckten 
Sammlung u. d. T.i „Dramatists of the Restoration“. Der jährliche 
Subscriptionspreis ist L. 3. 3 sh., wofür 6 sehr elegant ausgestattete 
Bände geliefert werden. 

605. # Bonne. — The complete Poems of John Donne, D. D. 
Dean of St. Pauls. For the first time fully collected and collated 
with the original and early editions and MSS. and enlarged with 
hitherto unprinted and inedited Poems from MSS. Edited with 
Preface, Essay on Life and Writings and Notes by the Rev. Alex. 
B. Grosart. Printed for private circulation. Vol I. 12°. XIV- 
278 p. 

Eine sehr sorgfältige, mit kritischem Apparat reich ausgestattete 
Ausgabe, die zwei Bände umfassen wird. 

606. Dyer. — The Writings in Verse and Prose of Sir 
Edward Dyer Knt. (1540—1607). Now first collected and edited 
with Memorial-Introduction and Notes by the Rev. Alex. B. Grosart. 
Printed for private circulation. 1872. 12°. 120 p. 


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460 


Bibliographie v. 1871—72. 


Gehört zu den „ Miscellanies of the Füller Worthies Library“ 
(Bd. IV)- Die Werke des von seinen Zeitgenossen viel gerühmten Dich¬ 
ters, die sich in den verschiedenen Mischsammlungen des 16. Jahrhunderts 
zerstreut finden, erscheinen hier zum ersten Male gesammelt. Der Ge¬ 
dichte, die ihm hier vindicirt werden, sind 14, darunter das berühmte 
und allbekannte: „My mind to me a Kingdom is“. Das einzige Prosa- 
stück ist das schon früher von P. Collier in nur 26 Exemplaren heraus¬ 
gegebene „Prai8e of Nothing“. 

607. Fielding. — The Works of Henry Fielding, with an 

Essay on his Life and Genius by A. Murphy. Edited by J. P. 
Broivne. 10 vols. 8°. L. 5. 5 sh. 

608. Fielding. ■— Miscellanies and Poems by Henry Fielding, 

with a Preface by J. P. Browne. 8°. 7 sh. 6 d. 

Bildet einen Supplementband zu der obigen Ausgabe und enthält 
einige bisher ungedruckte Schriften Fieldings. 

609. Fielding. — Writings of Henry Fielding, comprising 

his celebrated Works of Fiction, carefully revised and collated 
with the best authorities, with a Memoir by David Herbert, roy. 
8°. 704 p. 5 sh. 

610. Fletcher. — Licia and otherLove-Poems and Rising 

to the crown of Richard the third by Giles Fletcher L. L. D. 
Edited with Memorial-Introduction and Notes by the Rev. Alex. 
B. Grosart. Printed for private circulation. 1871. 12°. 160 p. 

Zu den „Miscellanies of the Füller Worthies Library“ (Bd. III) ge¬ 
hörig. Dieser Fletcher war der Vater der Gebrüder Phineas und Giles 
Fletcher und Oheim des Dramatikers. Von der Originalausgabe seiner 
Gedichte sind nur zwei vollständige Exemplare erhalten. 

611. Googe. — Eglogs, Epytapbes and Sonettes by Barnaby 
Googe (1563). Carefully edited by Edward Arber. 12° und 
4°. 128 p. 

Gehört zu Arber 1 8 „English Reprints“. Barnaby Googe (gest. 1694) 
ist bekannter als Uebersetzer z. B. des Zodiacus vitae des Palingenius. 
Seine eigenen Gedichte waren mit Ausnahme einiger wenigen hie und 
da gelegentlich citirten gänzlich in Vergessenheit gerathen, da von der 
Originalausgabe nur noch drei Exemplare vorhanden sind. Wir selbst 
haben im Jahrbuche (Bd. XII S. 80) eine Wiederherausgabe derselben 
befürwortet und wahrscheinlich ist der vorliegende höchst sorgfältige 
Wiederabdruck unserer Anregung zu danken. 

612. Hood. — The Works of Thomas Hood, comic and 

serious, in prose and verse. Edited with Notes by his Son and 
Daughter. Vol. I—IX. 8°. 4 5 sh. 

613. Jonson. — The Works of Ben Jonson. With Notes 

critical and explanatory and a Biographical Memoir by William 
Gifford. Edited by Lieut.-Col. Francis Cunningham. 1872. 3 vols. 
8°. 1130 p. 13 sh. 6 d. 

614. Lyndsay. — The Poetical Works of Sir David Lyndsay 

of the Mount, Lyon King of Arms. New ed. carefully revised. 
Edinburgh. 2 voh. 12°. 786 p. 12 sh. 


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Zur englischen Literaturgeschichte. 


461 


Dem Athenaeum 1871, Aug. 26. p. 266 zufolge ist diese Ausgabe 
nur Vorläuferin einer grösseren, mit vollständigem literarischen Apparat 
ausgestatteten, welche der durch frühere Arbeiten auf diesem Gebiete 
rühmlichst bekannte Herausgeber beabsichtigt. Auszusetzen an derselben 
findet der Artikel nur, dass die ursprüngliche Orthographie nicht ebenso 
diplomatisch treu wiedergegeben sei, wie in der gleichzeitig von der 
Early Engl. Text Soc. (s. oben) publicirten Ausgabe. 

615. Marlowe. — The Works of Christopher Marlowe, in- 
cluding his Translations. Edited with Notes and Introduction by 
Lieut.-Col. j Francis Cunningham . 1872. 8°. 398 p. 4 sh. 6 d. 

616. Marlowe. — Christopher Marlowe’s Tragedy of Edward 
the Second, with an Introduction and Notes by Wilhelm Wagner , 
Dr. ph. Hamburg 1871. 8°. XVI-131 p. 

Eine recht sorgfältige Arbeit, und als solche auch von der englischen 
Kritik anerkannt. S. Athenaeum 1871. May 27. p. 681. 

617. Marvell. — The complete Works in Verse and Prose 
of Andrew Marvell, M. P., for the first time fully collected and 
collated with the original and early editions, and considerably en- 
larged with hitherto inedited Prose and Poems and a Translation 
of the Greek and Latin Poetry. Edited with Memorial-Introductions 
and Notes by the Rev. Alex. B. Gi'osart. Printed for private cir- 
culation. 1872. Vol. I. (Verse.) LXXÜ-479 p. 12°. 

Zur „Füller Worthies Library“ gehörig. Die Ausgabe wird vier 
Bände umfassen. 

618. Pope. — The Works of Alexander Pope. New edit. 
by J. W. Cröker and Rev. Whitwell JEJlwin (s. J. 1870. Nr. 115). 
Vol. II. VI. vn. vm. 1871—72. 8°. ä Bd. 10 sh. 6 d. 

Band II enthält Gedichte, Band VI — VIII die Correspondenz. 
S. die verschiedenen Artikel des Athenaeum 1871 und 1872. 

619. Sandys. — Poetical Works of George Sandys, now 
first collected with Introduction and Notes by Rev. Richard Hooper . 
2 vols. 12°. 598 p. 

Gehört zur „Library of Old Authors“. Sandys ist vorzugsweise als 
Prosaiker bekannt. Seine poetischen Werke, zum Theil Uebersetzungen 
und ausschliesslich geistlichen Inhalts, erscheinen hier zum ersten Male 
gesammelt. 

620. Shakespeare. — Shakespeare’s Works. Herausgegeben 
und erklärt von Nicolaus Belms . Neue Ausg. [s. J. 1870 Nr. 120]. 
Bd. n und III (Schluss). Elberfeld 1871—72. 8°. 

621. Shakespeare. — A new Variorum Edition of Shake¬ 
speare, edited by Horace Howard Fumess. Vol. I. Romeo and 
Juliet. Philadelphia 1871. 8°. XXn. 1480 p. 

Diese neue Ausgabe bietet einen reicheren kritischen Apparat als 
alle bisherigen und verspricht daher eine der bedeutendsten Erschei¬ 
nungen auf dem Gebiete der Shakespeareliteratur zu werden. S. u. a. 
Afhenaetm 1871. March 18. p. 329, und Jcihrh. d. deutschen Shakespeare- 
Gesellschaft VI, p. 371. 

622. Shakespeare. — Shakespeare’s dramatische Werke nach 
der Uebersetzung von A. W. Schlegel und Ludwig Ticck sorgfältig 


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462 


Bibliographie v. 1871—72. 


revidirt u. s. w. u. s. w., herausgegeben durch die deutsche Shake¬ 
speare-Gesellschaft [s. J. 1870. # Nr. 122]. Bd. XI und XII. 
Berlin. 8°. 

622. Shakespeare. — Shakespeare’s Sonette übersetzt von 

Otto Gildemeister . Mit Einleitung und Anmerkungen. Leipzig 1872. 
8°. XXXH. 181 p. 1 Thlr. 

S. Literar. Centralbl. 1873. Nr. 27. 

623. Shakespeare. — Shakespeare’s Southampton-Sonette. 
Deutsch von Fritz Kraus . Leipzig 1872. 8°. XXIII - 246 p. 

Der Verfasser ist ein unbedingter Anhänger der Masson’sehen 
Theorie. 

624. Southwell. — The complete Poems of Robert South- 
well. For the first time fully collected and collated with the ori¬ 
ginal and early editions and MSS. and enlarged with hitherto un- 
printed and inedited Poems from MSS. With Memorial-Introduction 
and Notes by the Rev. Alex. B. Grosart. Printed for private cir- 
culation. 1871. 12°. C. 222 p. 

Ein Band der „Füller Worthies Library“. 

625. Sterne. — Complete Works of Laurence Sterne. With 

a Life of the Author written by Himself. New edit. carefully 
compared with the best Texte; and a Memoir by David Herbert. 
Edinburgh. roy.-8°. 450 p. 5 sh. 

626. Tennyson. — The Works of Alfred Tennyson, D. C. L. 
Poet-Laureate. 5 vols. 8°. 

627. Vaughan. — The Works in Verse and Prose complete 
of Henry Vaughan, Silurist. For the first time collected and edited, 
with Memorial-Introduction, Essay on Life and Writings and Notes 
by the Rev. Alexander B. Grosart. 4 vols. 8°. XLVI-351. CL. 
368. 366. 370 p. 

Gehört zur „Füller Worthies Library“. Henry Vaughan, genannt 
the Silurist (1621—1693) war bisher mit Unrecht beinahe vergessen. 
Denn trotz vieler Wunderlichkeiten des Styls zeichnet er sich durch 
Tiefe und Originalität des Gedankens vor vielen seiner bekannteren Zeit¬ 
genossen aus, und verdient daher die vollständige Ausgabe, die ihm hier 
zu Theil wird. S. auch Athenaeum 1871. Sept. 2. p. 301. 

628. Wither. — Juvenilia. Poems by George Wither, con- 
tained in the collections of his Juvenilia, which appeared in 1626 
and 1633. Manchester, printed for the Spenser Society. 3 vols. 
kl. 4°. V- 941 p. 

Diese 3 Bände bilden die 9te bis Ute Publication der Spenser 
Society und müssen als eine der werthvollsten aller bisherigen betrachtet 
werden. Denn trotz des sehr interessanten Platzes, den Wither gerade 
durch seine Jugendgedichte in der englischen Dichtung des 17ten Jahr¬ 
hunderts einnimmt, waren dieselben bisher in weiteren Kreisen nur sehr 
unvollkommen bekannt, weil die älteren Ausgaben sehr selten geworden 
waren und auch die einzige neuere (1820) durch einen Unfall grössesten 
Theils zu Grunde gegangen ist. Ein Wiederabdruck war daher in Eng¬ 
land längst gewünscht worden. 


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Zur englischen Literaturgeschichte. 


463 


630. Wither. — Miscellaneous Works of George Wither. 
I. and II. Collection. Manchester, printed for the Spencer Society. 
1872. 2 vols. 4°. 

Diese Sammlung, welche sich an die vorige anschliesst, soll Wither’a 
spätere Schriften enthalten. Die beiden vorliegenden ersten Bände ent¬ 
halten deren im Ganzen 18, jede mit besonderer Paginirung. 

631. Wyclif. — Select English Works of John Wyclif. 

Edited from original MS. by Thomas Arnold. Oxford. 3 vols. 8°. 
1450 p. L. 2. 2 sh. 

S. Athenaeum 1871. Apr. 16. p. 460. 


VI. Zur allgemeinen Literaturgeschichte. 

632. Codicem manuscriptum Digby 86 in bibliotheca Bod- 
leiana asservatum descripsit, excerpsit, illustravit Dr. E. Stengel. 
Halle 1871. 8°. XIV. 132 p. 

S. Literar. Centralbl. 1872. Nr. 20. 


633. Allgemeine Geschichte der Literatur. Ein Handbuch 
in zwei Bänden. Von Dr. Johannes Scherr . 4te durchgesehene 
und ergänzte Auflage. Stuttgart 1872. 2 Bde. 8°. VIII, 432. 
VI, 427 p. 

634. Geschichte der niederländischen Literatur von W. J. 
A. Jonckbloet. Vom Verfasser und Verleger des Originalwerks 
autorisirte deutsche Ausgabe von Wilh. Berg. Mit einem Vorwort 
und Verzeichniss der niederländischen Schriftsteller und ihrer Werke 
von E. Martin . Leipzig 1871—72. 2 Bde. gr. 8°. 700 p. 7 Thlr. 

635. Da litteratura dos livros de Cavallarias, estudo breve 
e consciencioso, com algumas novidades acerca dos originaes por- 
tuguezes e de varias questoes co-relativas, tanto bibliographicas e 
linguisticas como historicas e biographicas, e um fac-simile; Vienna 
1872. 8°. VIH—250 p. 

Der Verfasser, der sich auf dem Titel nicht genannt hat, ist Fr. 
A. Vamhagen. Die Bibliogr. critica p. 23 urtheilt ziemlich ungünstig 
über das Buch. 

636. De lauthenticite des chants des Barzaz-Breiz de Mr. 
de La Villemarqu6. Par M. Luzel. Paris 1872. 8°. V -149 p. 

637. Populär Romances of the Middle-Ages. By George W. 
Cox and Eustace Hinton Jones . London 1871. 8°. 420 p. 10 sh. 6 d. 

S. Athenaeum 1871. p. 715. 

638. Les mGtamorphoses de l’epopGe latine en France au 
moyen äge. Par A. Joly . Paris 1871. 8°. 52 p. 

Jahrb. f. rom. u. engl. Literatur. N. F. I. 31 


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464 


Bibliographie v. 1871—72. 


639. Virgilio nel medio evo per Domenico ComparctU . Livorno 
1872. 2 vol. gr. 8°. XIH-313-310 p. 

640. Gesta Romanormn von Hermann Oesterley. Berlin 1872. 
gr. 8°. VIII, 755 p. 

Vergl. die Selbstanzeige des Herausgebers in den Gott. gd. An¬ 
zeigen 1871 Nr. 46, und die Anzeige von G. Paris in der Revue crittque 
1873 Nr. 2, und von F. Liebrecht in der Germania XVHI, 367—366. 

641. Sprichwörter der germanischen und romanischen Spra¬ 
chen, vergleichend zusammengestellt von Ida von Düringsfeld und 
Otto Frhrn. von Reinsberg-Düringsfeld. 1 Bd. Leipzig 1872. gr. 8°. 
XV-1522 S. 

642. Sar Obair Nam Bard Gaelach; or the Beauties of 

Gaelic Poetry and Lives of the Highland Bards, with Historical 
and Critical Notes and a comprehensive Glossary of Provincial 
Words, with an historical Introduction containing an aecount of the 
Manners, Habits etc. of the ancient Caledonians. By John Mackenzie. 
Edinburgh 1872. roy. 8°. 460 p. 12 sh. 


VII. Philologie. 

643. Grammatik der romanischen Sprachen. Von Friedrich 
Diez. 3te neu bearb. u. verm. Aufl. [s. J. 1870 Nr. 358*]. Th. II. 
u. IH. Bonn 1871—72. 8°. 502. VI-488 p. 

644 Die neuesten Fortschritte der französisch-englischen Philo¬ 
logie, von B. Schmitz [s. J. 1869. Nr. 421]. 3. Heft. Greifswald 
1872. 8°. 28 Gr. 


645. Histoire de la formation de la langue fran 9 aise, pour 

servir de compl6ment k l’histoire litt£raire de la France. Par M. 
Ampöre. 3 e 6dit., revue et annotee. Paris 1871. 12°. LXVD3- 

444 p. 

646. Histoire des origines de la langue fran^aise par Gra- 
nier de Cassagnac. Paris 1871. 8°. XVI, 554 p. 7 fr. 

Dieses von Abgeschmacktheit, Unwissenheit und Anmassung strotzende, 
kaum ernsthaft zu besprechende Machwerk hat durch Gaston Paris in 
der Rev. crit. 1873 Nr. 19 die ihm gebührende Abfertigung gefunden. 

647. Dictionnaire raisonnß des difficultäs de la langue fran- 
9 aise par J . Ch. Laveaux . 4® 6dition, revue d’aprös le nouveau 
Dictionnaire de TAcademie et les travaux philologiques les plus 
recents par Ch. Marty-Laveaux . Paris 1872. 8°. VHI, 735 p. 

648. Dictionnaire des doublets ou doubles formes de la 
langue fhu^aise; par Aug. Brächet [s. J. 1868 Nr. 433]. Supple¬ 
ment. Paris 1871. 8°. 27 p. 


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Philologie. 


465 


649. Die Bildung der Tempora und Modi in der Chanson 

de Roland. Von Dr. M. Trautmann. Halle 1871. 8°. 10 Gr. 

650. On the french labial vocals. By Henry Nicol. 
Separatabdruck aus den „ Transactions of the Philological 

Society“ 1871. 

651. Etüde sur le langage populaire ou patois de Paris et 

de sa banlieue, pr6cedee d’un coup d’ oeil sur le commerce de la 
France au moyen äge, les chemins qu’il suivait, et Pinfluence qu’il 
a dü avoir sur le langage. Par Ch. Nisard. Paris 1871. 8°. 
454 p. _ 

652. Dictionnaire de la langue fran^aise, par E. Littre [s. 
J. 1870. Nr. 363]. Livr. 26—30. Vol. II. Part. 2. p. 1857—2628. 
Scille — Zythogale. (Schluss.) Paris 1871—72. 4°. 

652 b . Dictionnaire languedocien - framjais, contenant les d6- 
finitions, radicaux et ßtymologies des mots, les idiotismes, dictons 
etc. etc. Par M. d’Hombres. I i6re partie. Alais 1872. 4°. 420 p. 

653. Origines du patois de la Tarentaise, ancienne Kentronie. 

Precis historique, proverbes, chansons, parallele avec le patois de 
la Suisse romande. Par labbß Pont. Paris 1872. 8°. 151 p. 


654. Grammatica storica della lingua italiana estratta e com- 

pendiata dalla grammatica romana di Federigo Diez, da RaffaeUo 
Fornaciari. Parte I. Morfologia. Torino, Firenze e Roma, Loescher. 
1872. 16°. 128 p. 1. 2. 

655. Saggio sulla storia della lingua e dei dialetti d’Italia 
con un’ introduzione sopra r origine delle lingue neolatine. Da 
Napoleone Caix. Parte I. Parma 1872. 8°. 160 p. 1. 3. 

656. Sülle vieende della lingua italiana dall’ origine al sei- 
cento. Da Salvadori. 

In: Atti del Ateneo Veneto. Ser. II. Vol. VI. 

657. Vestigia primitive della lingua e dei dialetti italiani, 
da Cesarc Cantü. 

In: Atti del Reale Istituto Veneto di Seienze, Lettere ed 
Arti Tomo XVI. Ser. III. Disp. 1 (1871). 

658. Vocaboli germanici e loro derivati nella lingua italiana, 

raccolti ed illustrati da Luigi Delatre. Roma, tip. Barbara. 1871. 
16°. XX-108 p. 1. 1,50. 

659. Di alcune proprietä della lingua italiana, da P. Fan- 
fani. Firenze, tip. del Vocabolario 1871. 8°. 21 p. 

660. Dizionario della lingua italiana nuovamente compilato 
dai Signori Niccolö Tommasco e cav. Prof. Bernardo Bellini etc. 
[s. J. 1868 Nr. 439]. Disp. 79—133. (Vol. IV Disp. 2. Rallegra- 
tivo-Recare.) Torino 1869—72. 4°. 

31* 


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466 


Bibliographie v. 1871—72. 


661. Süll’ origine dell’ unica forma flessionale del nome 
italiano. Studio di Francesco Oviddo. Pisa 1872. 8°. 59. 

Ueber diese schätzbare Abhandlung s. die Anzeige von Mussafia in 
der Romania Nr. 4. p. 495 sq. 

662. Vocabolario dei dialetti bergamaschi antichi e modemi, 
da Ant. Tiraboschi. [s. J. 1870. Nr. 371.] Disp. X—XYI. p. 673— 
768. Bergamo, tip. Bolis. 1871. 8°. 

663. Saggio intorno al dialetto ligure da Stefano MartinL 
San Remo, tip. Puppo. 1871. 8°. 92 p. 

664. Dizionario di alcune frasi, modi awerbiali, detti e pro- 
verbi piü comuni usati generalmente nel dialetto veneto, coi ter- 
mini corrispondenti toscani. Da G. Conti . Vicenza, tip. Burato. 
1871. 8°. 28 p. 

665. Darstellung der romagnolischen Mundart. Von Adolf 
Mussafia. Wien 1872. 8°. 72 p. 

Separatabdruck aus den Sitzungsberichten der k. k. Akademie der 
W issenschaften. 

666. Canzoni popolari inedite in dialetto centrale e logu- 
dorese, pubbl. da Giovanni Spano. Cagliari 1871. 8°. 240 p. 

667. Ensayo histörico, etimolögico, filolögico sobre los apelli- 

dos castellanos. Por J. Godoy Älcäntara. Obra que obtuvo el 
premio en cert&men abierto por la real Academia espanola. Madrid 
1871. 8°. 1 Thlr. 20 Gr. 

668. El Libro de los refranes. Coleccion alfab^tica de re- 
franes castellanos, explicados con la mayor concision y claridad 
por Jose Maria Sbarbi. Obra premiada por la Biblioteca nacional 
en el concurso de 1871. Madrid 1871. 18°. 


669. Angelsächsisches Glossar von Heinrich Leo. I. Abth. 

Halle, gr. 8. XVI-418 p. 2% Thlr. 

670. The Philology of the English Tongue. By John- Earle. 

London 1871. 12°. 604 p. 6 sh. 6 d. 

Das Athenaeum 1871 Oct. 21 p. 522 spricht sich im höchsten Grade 
ungünstig über das Buch aus. 

671. Changes in the English Language between the publi- 
cation of Wiclif’s Bible and that of the authorised Version, A. D. 
1400 to 1600. By H. T. W. Wood. London 1872. 8°. 

70 p. 2 sh. 6 d. 

672. Historical outlines of English Accidence, comprising 

Chapters on the History and Development of the Language and 
on Word Formation. By Rev. Richard Morris. London 1871. 12°. 
380 p. 6 sh. 

673. Specimens of Early English. By B. Morris and Walter 
W. Shcat New and revised ed. With Introduction, Notes and 


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Philologie. 


467 


Glossarial Index. Part. II. From Robert of Gloncester to Gower 
(A. D. 1298—1393). London 1872. 12°. 498 p. 

674. Library Dictionary of the English Language, founded 

on the labours of Johnson, Walker, Webster, Worcester ect. roy. 
8°. 1008 p. ~ 10 sh. 6 d. 

675. A Dictionary of the Old English Language. By Henry 
Stratmann. 2 d ed. London 1872. 2 vols. 8°. 

676. A Dictionary of English Etymology by H Wedgwood . 
2 d edit. London 1872. gr. 8°. 

677. Englisch-deutsches Supplement-Lexicon als Ergänzung 
zu allen bis jetzt erschienenen englisch-deutschen Wörterbüchern. 
Durchweg nach englischen Quellen bearbeitet von Dr. A. Hoppe . 
Berlin 1871. gr. 8°. XII - 480 p. 

Ein sehr reichhaltiges Wörterbuch, besonders schätzbar durch die 
sachlichen Erläuterungen specifisch englischer Gebräuche und Verhält¬ 
nisse, wie Gerichtswesen, Verwaltung u. s. w. 

678. Synonyms discriminated: a complete Catalogue of Sy- 

nonymous Words in the English Language, with descriptions of 
the various shades of meaning, and illustrations of their usages 
and specialities, illustrated by Quotations from Standard writers. 
By C. J. Smith . London 1871. 8°. 610 p. 16 sh. 

679. Cumberland Talk; being short Tales and Rhymes in 
the Dialect of that County, together with a few miscellaneous 
Pieces in Verse. By John Bichardson. London 1872. 8°. 3 sh. 6 d. 

680. The Dialect of the West of England, particularly So- 
mersetshire, with a Glossary of words not in use there. Also 
with poems and other pieces exemplifying the dialect. By J. Jen - 
nings . 2 d ed. rev. corr. and enlarged. London 1871. 8°. XXIV, 
167 p. 

681. Folk-Song and Folk-Speech of Lancashire in the 
Ballads and Songs of the Country Palatine, with Notes on the 
Dialect in which many of them are written and an Appendix on 
Lancashire Folk-lore. By W. E. Axon . London 1872. 12°. 102 p. 

1 sh. 6 d. 


YIII. Kulturgeschichte. 

682. Das Schriftwesen im Mittelalter. Von W. Watimbach. 
Leipzig 1872. 8°. VI, 402 p. 

683. Vie militaire et religieuse au moyen-äge et ä l’epoque 
de la renaissance. Par Paul Lacroix . Paris 1872. 4°. V, 575 p. 


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468 


Bibliographie v. 1871—72. 


684. Matthaei Parisiensis Chronica Majora. Edited by H. R. 

Luard . Vol. I. roy,-8°. 10 sh. 

Bildet einen Band der „Chronicles and Memorials of Great-Britain 
and Ireland“. 

685. The Paston Letters. New edit. containing upwards of 
400 Letters etc. hitherto unpublished. Edited by James Gairdner. 
Vol. I. Henry VI. A. D. 1422—1461. 12°. 704 p. 7 sh. 

686. Populär Romances of tha West of England, or the 
Droll Traditions and Superstitions of West Cornwall. By Robert 
Hwnt. l Bt and 2 d series in one vol. 8°. 480 p. 7 sh. 6 d. 

687. Traditions, Superstitions and Folk-lore, chiefly of Lan- 
cashire and the North of England: their affinity to others in widely 
distributed localities, their eastern origin und mythical significance. 
By Charles Hardivick. 1872. 8°. XIX-306 p. 7 sh. 6 d. 

688. Romaenische Studien. Untersuchungen zur ältern Ge¬ 
schichte Romäniens von Robert Roesler. Leipzig 1871. 8. X, 363 p. 

S. u. a. Romania Nr. 2. p. 238. 


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Register. 


Adhemar, Guill.. 29. 

Agoult, Guilh. de, 25. 

Alamanon, Bert, de, 56. 

Baljols, Elyaa de, 24. 

Baux, Beral des, 124. 

Belvezer, Aimeric de, 44. 

Bertran de Marseille, 58. 

Bischoff, H., seine Schrift über Ber- 
nard de Ventadorn angez., 341. 
Bizeffe, Etymolog. 211. 

Blacas, 68. • 

Blacasset, 58. 

Bonifacis, Pierre de, 135. 

Born, Bertr. de, 65. 

Bornelh, Girand de, 49. 

Boyer, Guilh., 134. 

Brunet, Hugues, 34. 

Buyrach, Etymol., 321. 

Cabestanh, Guilh. de, 31. 

Cadenet, 64. 

Calvo, Bonif., 41. 

Carambano, Etymol., 211. 

Carbonei, Bertr., 64. 

Cardenal, Peire, 68. 

Carcoma, Etymol., 209. 

Carquois, Etymol., 312. 

Ca8tellane, Bonif., 47. 

Cigala, Lanfranc, 46. 

Cohete, Etymol., 209. 

Constantinus, Kaiser, 104 ff. 
Couire, Etymol., 308. 

Coutignac, Arnaud, 63. 

Daniel, Arnaud, 26. 

Die, Gräfin v., 29. 

Diez, Fr., sein Etymolog. Wörterb. 
angez. 222. 

Dolopathos, zu Oesterley’s Ausg. 

desselben 328. 

Doria, Simon, 64. 

Dorie, Perceval, 126. 

Dorant, Guill. 126. 

Durmart, le galois, Roman de. 
Handschrift desselben, 65. Ana¬ 
lyse, 66 ff. 181 ff. 


Eide, Strassburger, Zur Lautlehre 
derselben, 383. 

Esquerp, Etymol., 207. 

Eulalialied, Zur Metrik desselben, 
386. 

Fabelsammlung, hebräische, 353. 

Ausgaben, 364 ff. Inhalt 360 ff. 
Fabliau du Vallet qui d’aise ä mal- 
aise se met, 281 ff. 

Fahre d’Uzes, 65. 

Faydit, Gauzelm, 32. 

Feligres, Etymol., 24. 

Feraut, Remon, 57. 

Fierabras, Handschriften desselben, 

111 . 

Figueira, Guilh., 60. 

Flassans, Taraudet de, 133. 
Foulquet de Marseille, 30. 
Friedrich I., Kaiser, 122. 

Gassin, Roolet de, 124. 

Giraudon lou Roulx, 61. 

Goldre, Etymol., 213. 

Grymauld, L. de, 128. 

Guadana, Etymol., 203. 

Guilhem des Amalrics, 130. 

Guit, Etymol., 210. 

Guy d’Uisel, 40. 

Harrowing of Hell, 217 ff. 

Hugues de St. Cezari, 16. 

Jourdan, Raymon, 30. 

Köcher, roman. Bezeichnungen da¬ 
für, 212 ff. 

Kumpure, Etymolog. 311. 

Laskars, L. de, 134. 

Laurette, 133. 

Leopardi, Giacomo Graf, Unge¬ 
druckte Briefe, 239 ff. 

Lobiöres, Hugues de, 123. 

Loys Emeric, 61. 

Luc, Geoffroy du, 130. 


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Register. 


-1 


470 

Marana, Etymol., 206. 

Marcabrus, 62. 

Martis, Bern., 60. 

Maruelh, Amaud de, 33. 

Mauleon, Savaric de, 41. 

Michael, Legende vom heil., 181. 
Millon, Peyre, 60. 

Mirevaux, Raimond de, 31. 

Mogato, Etymol., 207. 

Mojigato, Etymol., 207. 

Mönch, der, von Montmajour, 5 ff. 
“Mönch, der, von den Isles d’Or, 15 ff. 
Mostiöre, Ans. de, 131. 

Motte, Jaume, 40. 

Nostradamus, Jeh. de, Quellen 
seiner Lebensbeschreibungen der 
Troubadours 1 ff. 

Noves, Ricard de, 46. 

Ozil de Cadars, 61. 

Pannier, L6op., sein Buch über 
Pierre Bersuire, angez. 119. 
Parasolz, B. de, 63. 

Peguilhen, Aimeric de, 43. 

Peire d’Alvernge, 23. 55. 

Peire Remond lo Proux, 35. 

Peire Rogier, 62. 

Peire de San Romyech, 125. 

Penna, Hugues de, 49. 

Perdigon, 46. 

Peyre Hugon, 129. 

Pezars, Bertr. de, 132. 

Philippson, E., seine Schrift über 
den Mönch von Montaudon, 
angez. 339. 

Pierre de Chasteauneuf, 127. 
Poitou, Graf von, 60. 

Pons de Brueil, 37. 


Porcelet, 128. 

Puget, Bertr. de, 65. 

Puycibot, Bertr. de, 44. 

PyBtoleta, 62. 

Rambaud d’Orenge, 38. 

Raphael, 133. 

Rascas, Bern., 133. 

Raymon Berengar, 125. 

Ricard de Barbesieux, 64. 

Richard, König von England, 48. 
Rivista di Filologia Romanza, 
angez. 237. 

Romania, angez. 118 f., 236 f., 
343 f. 

Romyeu, Remond, 133. 

Rostang Berenguier de Marseille, 59. 
Rudel, Jaufre, 20. 

Ruer, Peyre de, 129. 

Saint Cyr, Hugues de, 136. 
Saint-Didier, Guilhem de, 25. 
Saquesep, Jaquemet, 109. 

Sarlac, Aimeric de, 61. 

Sisteron, A bertet de, 56. 

Sordel, 53.1 

Stimming, Alb., seine Schrift über 
Jaufre Rudel, angez. 337. 
Sylvecane, Guill. de, 128. 

Tarquois, Etymol., 315. 

Thierepos, catalanisches, zum Texte 
dess. 368. 

Tulbe, Etym., 311. 

* 

Yalieras, Peyre de, 60. 

Vaqueiras, Rambaud de, 37. 
Ventadour, Bern, de, 34. 

Vidal, Peire, 39. 

Ysopet, hebräisch, 351. 


Druckfehler. 

P. 282. Z. 8 v. u. lies: wohl kaum. 

„ 285. „ 1 v. o. lies: de li. 

„ 287. „ 15 u. 17 v. o. lies: Chest. i 

288. „ 16 v. u. lies: Et puissedi (= puis ce di) cf. Barl. u. Josaf. 
?? 193, 21. 195, 3. 282, 33. 

„ 290. „ 26 v. o. lies: der Schluss. 

„ 298. Vers 140 lies: [le]. 

„ 300. „ 226 Zwei Sylben zu viel. 

„ 302. „ 322 lies: (Et) si u. s. f. 

„ 307. Anm. 376 lies: chev. as. II. esp^es. 


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Erklärung. 

Man hat mich auf den Umstand aufmerksam gemacht, 
dass ich in meiner zweiten (gegen Ende 1872 erschienenen) 
Ausgabe meines Dictionnaire ^Etymologie franfaise das Etymon 
refundere für refuser als meine eigene Conjectur hingestellt habe, 
während Prof. Andresen schon im Laufe von 1871 in Bd. 
XII, S. 113, dieses Jahrbuchs, dieselbe Thesis zum Gegenstand 
eines besonderen Artikels gemacht hatte. Ich bin es ihm und 
mir selbst schuldig, mich hierüber auszusprechen. Wenn die 
Andresen’sche Notiz von mir unerwähnt gelassen worden, so 
kommt das einfach daher, dass ich meinen Artikel refuser mit 
der (übrigens durch die Form infuser so nahe gelegten) Ety¬ 
mologie refundere abgefasst hatte, ohne mir eines Zusammen¬ 
treffens mit einer bereits veröffentlichten Ansicht bewusst zu sein. 
Als mir in einer, übrigens freundlich gehaltenen Zuschrift, meine 
Auslassungs-Sünde nahe gelegt wurde, war ich sogar überzeugt, 
die fragliche Notiz des Jahrbuchs niemals gelesen zu haben; 
beim Nachschlagen der betreffenden Lieferung jedoch, wurde 
ich durch eine mit Bleistift gemachte Randbemerkung des Gegen- 
theils überführt Dass ich nun die A/sche Conjectur wirklich ge¬ 
lesen und doch in meinem Texte übergangen habe, weiss ich 
mir nur auf zweierlei Weise zu erklären. Entweder habe ich 
den fraglichen Aufsatz zu Gesicht bekommen, als mein Con- 
cept schon in der Druckerei lag (der Druck begann schon 
Oct. 1871) und hielt es nicht für geboten, eine Conjectur nach¬ 
zutragen, die bereits als die meinige im Manuscript stand. 
Oder ich habe die Lieferung zu spät erhalten oder gelesen 
(ich erhalte die Zeitschrift oft Wochen lang nach Erscheinen), 
um die betreffende Ansicht des H. A. mit ihren Beweisen noch 
kurz berühren zu können. Es wäre ja in meinem Interesse 


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Dr. A. Scheleb: Erklärung. 


gewesen, das Product meines eigenen Nachdenkens unter den 
Schutz dieses Gelehrten zu stellen, dem ich recht gerne, und 
billiger Weise, das Prioritäts-Recht auf die Etymologie von 
refuser durch refundere zuerkenne. Wissentlich fremde Er¬ 
rungenschaft für meine eigene auszugeben, werden die mich 
kennen, und ich hoffe wohl auch k a., mich nicht für fähig 
erachten. 

Brüssel, 17. März 1874. 

Dr. Aug. Scheler. 


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